Haarige Angelegenheiten
„IIIIIIIIIIIIIIIhhhhhhhhhhhhhhh! Was ist denn das?" Josie blickte angewidert auf das braune Süppchen, auch See genannt, das vor ihnen lag. „Und da müssen wir vorbei? Ich will nicht!", begann Pippin zu bocken. „Nein! Aber nicht, dass du jetzt auch noch mit dem Scheiß anfängst, oder? Ich will nicht, nein das mag ich nicht! Ich bin mir viel zu gut dafür!", äffte Nova ihn nach. „Komm schon Nova! Jetzt beruhige dich erst mal wieder! Nur weil dieser spaghettilockentragende Düsterwädling auf diesem Berg seine hübschen Fingerchen nicht krumm machen wollte, musst du keinen Nervenzusammenbruch bekommen!", versuchte Ronny sie zu beruhigen. „Außerdem", flüsterte sie, „ist er das gar nicht wert!" „He, das hab ich gehört! Das wirst du büßen!", kreischte der Minirock-Gewandete empört und stürzte auf die Bösewichtin zu (Legolas hatte das Wort „Bösewicht" im alten Lexikon seines Vaters gefunden und es hatte ihm so gut gefallen, dass er gerne jede beliebigen Person, ob männlich oder weiblich, damit beschimpfte. In diesem Lexikon, das übrigens „Buch der glaublichen und unglaublichen Wörter" hieß und von Elrond geschrieben worden war, entdeckte er im englischen Teil auch das Wort heroin, was er besonders lustig fand. Da musste Elrond ein Fehler unterlaufen sein! Die Übersetzung für dieses Wort lautete dem allwissenden Kuttenliebhaber aus Bruchtal nach nämlich: weiblicher Held/Heldin. Doch er, der noch viel allwissendere Grünfanatiker wusste natürlich, was Heroin wirklich war! Seine Cousine Kokaine hatte es ihm einmal verraten, als sie sich bei ihm einschleimen wollte. Er hatte nämlich von seinem Daddy einen Schokoriegel bekommen, den sie gerne haben wollte! Ja, ja, die Sorgen der Kindheit!). Doch bevor Legolas Ronny die Augen auskratzen oder ihre wilden Locken glätten konnte (das war Ronnys schlimmster Albtraum!), war er schon über Gandalfs Zauberstab gestolpert und auf sein hübsches Näschen gefallen. Gerade wollte Merry loskichern, da bemerkte er plötzlich, dass dem blonden Unglückspilz echte, wahre Tränen die elbischen Bäckchen hinunterliefen. „Uuups! Ich glaub der flennt wirklich!", flüsterte er zu Frodo hinüber, der sich trotz dieses ergreifenden Moments das breite Grinsen nicht verkneifen konnte. „Legolas! Ist dir was passiert? Hast du dir wehgetan? Komm, lass mich dich in den Arm nehmen, dann geht's dir gleich wieder besser!", bemühte sich Nova das rotzende Etwas zu ihren Füßen zu trösten. „Niemand mag mich! Keiner hat mich lieb! Alle sind so gemein zu mir!", schluchzte der Gefällte. Boromir und Aragorn verdrehten die Augen und sahen hilfesuchend zu Gandalf hinüber. Dem war die ganze Sache peinlich und so ignorierte er Legolas' Tränen und wandte sich der monströsen Eingangstür der Mine zu.
„Ich werde mal das Losungswort rausfinden, OK?", sagte er laut und überspielte gekonnt das schlechte Gewissen. „Ich helfe dir! Ich helfe dir! Ich bin schließlich ein Zwerg und hier wohnen Zwerge! Ich habe einen siebten Sinn für so was!", brüllte Gimli, das wandelnde Eisenwarenlager, aufgeregt. „Wieso siebter Sinn?", wollte Gandalf wissen, „das heißt doch sechster Sinn!" „Ne, bei mir is das der Siebte! Weiß du, der sechste Sinn is für das Gold und das SSSeugs!", lallte er. Vor lauter Vorfreude auf ein kräftiges Zwergenmenü aus der Küche seines Vetters Balin war ihm das Wasser im Mund zusammengelaufen und das so schnell, dass er noch keine Zeit gehabt hatte, es zu schlucken! „Na gut, meinetwegen", seufzte der Zauberer. Der Pfeifchenfanatiker und der Machtgeile setzten sich derweil an den Rand des Sees und übten Weitspucken. Nova hatte inzwischen begonnen Legolas ein Liedchen zur Beruhigung vorzuträllern. Josie hatte sich zu den Hobbits verzogen und kicherte mit ihnen um die Wette. Der Elb hatte wirklich zu komisch ausgesehen mit der verlaufenen Wimperntusche und den Tränenspuren im Make-up. Nur Ronny leistete Nova seelischen Beistand und versuchte Legolas mit einer List von seinen Seelenqualen abzulenken. „He mein Kleiner, jetzt beruhige dich mal wieder! Weißt du was? Wir könnten dir doch neue Zöpfchen flechten! Möchtest du das?", fragte sie in fachfraulichem Ton für Fünfjährige (wie ihr wisst, waren die drei Mädchen gerade mitten in ihrer Ausbildung zu Kindergärtnerinnen gewesen, als sie plötzlich auf immer noch unerklärlicherweise in Mittelerde gelandet waren). „Au ja! Das machen wir!", war der Seidenlockige sofort begeistert und seine Augen begannen wieder zu strahlen. Sofort setzte er sich bequem hin und schloss erwartungsvoll die Augen. Nova begann hingebungsvoll die alten, schon ein bisschen verfilzten Zöpfchen aufzumachen, während Ronny Josies Rucksack durchwühlte, um eine Bürste zu finden. Ronny wollte ihrer elbenfanatischen Freundin einen Gefallen tun und ihr bei der Entwirrung der blonden Haarpracht helfen, doch Nova jagte sie weg. „Lass die Finger von meinem Schnuckelchen! Er will nur von mir frisiert werden, stimmts?", fuhr sie Ronny an. „Mhhh!", bejahte Legolas bestimmt. „OK, OK, keine Panik! Ich bin schon weg!" Ronny verzog sich aus Novas Blickfeld und setzte sich zwischen Aragorn und Boromir an den See. „Na wie wär's, Meister der Schmalzlockenzucht? Möchtest du nicht zufällig deine Haare waschen? Ich hätte da ein tolles Shampoo anzubieten!", versuchte sie Aragorn zu verführen. Doch dieser schüttelte seinen königlichen Schädel so heftig, dass sein Pelz beinahe in hohem Bogen davongeflogen wäre, was eine Haarwäsche für immer unnötig gemacht hätte. „Wie wär's denn mit mir Lady? Ich könnte eine Kopfhautmassage sehr gut gebrauchen!", raunte Boromir auf der anderen Seite mit seiner sehr dunklen, sexy Stimme. Verführerisch blickte er Ronny an. „Äh, Ok! Ich hol nur mal schnell das Shampoo!", antwortete Ronny langsam, gebannt von Boromirs Augen.
