Die Schlangengrube
Zwei Tage war Hermine nun schon in ihr Zimmer verbannt und langsam wurde es langweilig.
Aber sie konnte sich nicht vorstellen, dass Snape Gnade zeigen würde.
Es war in der dritten Nacht als sie unsanft aus dem Schlaf geweckt wurde.
„Miss, aufwachen."
Fritzlee schüttelte sie unsanft.
„Was?"
Es dauerte eine Weile bis Hermine wach wurde, aber schließlich öffnete sie doch ihre Augen und sah in das ernste Gesicht Snapes.
„Der Dunkle Lord will uns sehen. Stehen Sie auf."
Sie musste träumen, etwas anderes kam gar nicht in Frage.
Schliesslich war es noch nacht.
„Es ist noch dunkel."
Mit vor Sarkasmus tropfender Stimme antwortete er.
„Ach wirklich."
Hermine stand nun endlich auf.
„Was will Voldemort von mir ?"
„Nichts so weit ich weiß. Ich meine, er verlangt alle Dienerinnen zu sehen."
Ein kalter Schauer erfasste Hermine. Man hatte im Center von diesen Treffen erzählt, aber sie war niemals dabei.
„Aber nur Dienerinnen aus dem Center müssen daran teilnehmen. Ich bin nicht mehr im Center, warum also ?"
Snape konnte ihre Angst spüren.
„Miss Granger, die Dinge ändern sich. Nicht zum Besseren. Das ist keine Einladung. Man ist zur Teilnahme verpflichtet und nicht nur die Dienerinnen, sondern auch die Vertrauten des Dunklen Lords."
Hermine fiel auf, dass Snape Roben in den offiziellen Farben trug - schwarz und Silber.
„Ziehen Sie sich an."
Er wies auf Kleidung, die Fritzlee in der Hand hielt. Ihr stockte der Atem.
„Woher wissen Sie es?"
„Wissen was, Miss Granger? Es ist keine Zeit für Spiele."
„Das ich schwanger bin."
Tatsächlich hatte er für eine dunkelrote Robe gesorgt, eine Art Uniform für schwangere Dienerinnen.
„Das ich … schwanger bin."
Fritzlee schaute sie überrascht an. Genau wie Snape.
Es schien fast als könnte er nicht glauben was Hermine gerade gesagt hatte – er würde Vater werden.
Allerdings hatte er seine Gefühle schnell wieder in Griff.
„Ich wusste nichts davon. Es war als Sicherheitsmaßnahme von mir gedacht. Schwangeren ist es erlaubt im Hintergrund zu bleiben. Darum wollte ich, dass Sie diese Gewänder tragen", erklärte Snape.
„Ziehen Sie sich an. Über das andere reden wir später."
Hermine nickte.
„Sie müssen stark sein. Es findet ein Prozess statt."
Sie hatte von diesen Dingen gehört.
„Wer ist es?"
„Ich kenne keinen Namen. Es ist Macnairs Dienerin."
„Roselyn", flüsterte Hermine. „Ihr Name ist Roselyn."
Plötzlich griff Snape nach ihr.
„Miss Granger. Sie müssen vorsichtig sein. Es ist wichtig, dass sie nicht reagieren, sie dürfen nicht auffallen."
Er schüttelte sie.
„Verstehen Sie?"
Hermine wußte nicht was er meinte, aber sie versprach es ihn.
Gemeinsam stellten sie sich vor den Kamin und Snape warf Floo-Pulver hinein.
„Ins Ministerium."
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Sie landeten sicher in der Eingangshalle des Ministeriums wo sie bereits erwartetet wurden.
„Guten Abend, Sir. Bitte folgen Sie mir."
Die Wache verbeugte sich.
„Ich kenne den Weg."
Ohne auf eine Antwort zu warten, ging Snape an dem Mann vorbei. Hermine folgte ihm so schnell sie konnte.
Sie gingen den Gang herunter und nahmen den Lift in das unterste Stockwerk des Gebäudes.
Als sich die Türen öffneten, empfing sie das Licht von zahlreichen Fackeln und eine laute Geräuschkulisse.
Am anderen Ende es Raumes befand sich eine Plattform, auf der ein Thron stand. In beiden Seiten standen jeweils 6 Stühle, reich verziert mit magischen Zeichen. Sie waren für die engsten Vertrauten des Dunklen Lord reserviert und bis auf einen bereits besetzt.
Hermine sah sich staunend um.
„Sie setzen sich dorthin."
Er wies auf eine Loge mit 20 Dienerinnen, die alle rote Gewänder trugen.
Sie nickte.
„Und denken Sie daran was ich gesagt habe. Sie bleiben ruhig und verhalten sich unauffällig."
„Wo werden Sie sitzen, Sir?"
„Dort."
Er wies auf den einzigen freien Stuhl und drehte sich noch einmal zu Hermine um.
Sie sahen sich an.
Ohne weiter zu fragen, ging Hermine auf den ersten freien Platz und setzte sich.
„Hallo", begrüßte sie das Mädchen neben sich.
Mehr wurde auf der Bank nicht gesprochen, die Nervosität war mit den Händen zu greifen.
Hermines Augen folgte Snape, der sich neben Malfoy setzte.
„Ich kenn Dich", flüsterte das Mädchen neben ihr.
Hermine konnte sich allerdings nicht an sie erinnern.
„Du warst seine Freundin, auf Hogwarts."
„Oh, Du warst auch auf Hogwarts ? Warte, ich erinnere mich. Hufflepuff, richtig ?"
Das Mädchen nickte.
„Wie weit bist du ?"
Hermine konnte dem Gedankengang nicht ganz folgen.
„Was meinst Du? Oh, ich glaube in der 4 Woche. Und Du?"
„Im 5. Monat. Es wird ein Junge, mein erster."
Sie lächelte stolz und glücklich. Hermine hatte damals das gleiche gefühlt. Allerdings war die Landung in der Realität sehr hart gewesen.
„Du weiß, dass Du das Baby nicht behalten kannst."
„Es ist Malfoys Kind, aber Lucius hat mir versprochen, dass ich so lange ich will im Haus bleiben kann."
Wie zum Beweis hielt sie Hermine ihren Arm hin, an dem ein silbernes Armband baumelte.
Ohne Zweifel ein Geschenk von Lucius.
Hermine hatte Mitleid mit dem Mädchen, das anscheinend auf den Charme des reinblütigen Zauberers hereingefallen war.
Natürlich würde er des Mädchens irgendwann überdrüssig werden und sie zurück ins Center geschickt.
Aber es hatte keinen Zweck ihr das zu sagen, die Realität würde sie früher oder später einholen.
Plötzlich wurde es still und alle erhoben sich von den Sitzen. Eine blasse Figur, in dunkel-grünen Gewänder gekleidet, nahm auf dem Thron Platz. Voldemort.
Hermine hätte schwören können, dass die Temperatur um einige Grad gefallen war.
Plötzlich teilte sich die Menge und eine Frau in Pink – Dolores Umbridge marschierte ein. Hinter ihr zwei Dutzend Dienerinnen, alle in den hässlichen Gewändern des Centers gekleidet.
Rosa und Senf-grün – Hermine wurde leicht schlecht.
Plötzlich ertönte ein Schrei und Roselyn wurde von zwei Todessern vor den Thron gezerrt.
Alle Augen richteten sich auf Voldemort, der hässlich lächelte und in seiner unnachahmlichen Stimme zu sprechen begann.
„Meine lieben Hexen und Zauberer. Willkommen. Wir haben uns heute Abend versammelt um Gerechtigkeit walten zu lassen. Einer unser Brüder musste einen schweren Verlust hinnehmen."
Voldemort machte eine Pause und das Mädchen wurde nun direkt vor seine Füße geworfen. Die Menge schrie „Hure" und „Mörderin".
Voldemort hob die Hand.
„Lassen wir unseren Bruder zu Wort kommen."
Macnairs stand von seinem Stuhl auf und stellte sich vor den Dunklen Lord.
„Ist dies die Hexe, die Dich betrogen hat?"
„Ja, Mylord."
„Und Du bist sicher, dass sie Dein Kind in sich trug ?"
„Ja, die Hebamme des Ministerium hat die Schwangerschaft bestätigt."
„Hast Du das verbrechen mit eigenen Augen gesehen?"
Macnair schüttelte den Kopf.
„Nein, aber ich habe das hier gefunden."
Er griff in die Taschen seiner Robe und holte eine kleine Flasche heraus.
Hermine konnte von ihrem Platz aus nichts sehen, aber als der Todesser den Beweis in die Höhe hielt, blieb Hermines Herz fast stehen.
Es war genau die Flasche, die sie in Snapes Labor gefunden hatte.
„Brüder und Schwestern. Das ist eine leere Flasche des verbotenen Emmenagogue Trankes. Der Besitz und die Weitergabe wird mit Tod bestraft. Der Verräter wird an der Mauer im Ministerium zur Schau gestellt."
„Tod dem Verräter", rief die Menge.
Wieder hob Voldemort die Hand und die Menge verstummte.
„Ich verstehe Euch. Aber ich bin auch bekannt für meine Milde, wenn diese angebracht ist."
Er blickte Malfoy an, der sofort aufstand.
„Minister Malfoy, Sie haben das Verhör durchgeführt."
Malfoy verbeugte sich.
„Hat die Angeklagte gestanden und Ihnen mitgeteilt, wer ihr das Gift gegeben hat ?"
Hermine suchte den Blick von Snape. Aber der saß still auf seinem Stuhl und zeigte keinerlei Regung. Und keine Angst.
„Nein, Mylord. Sie hat gesagt, dass sie die Flasche auf den Nachttisch gefunden hat."
„Und ? Haben Sie die Quelle gefunden?"
Malfoy schüttelte bedauernd den Kopf.
„Schade."
Voldemort erhob sich.
„Ich erkläre hiermit die Dienerin 2 – 9 – 4 für schuldig des Mordes. Ihre Strafe ist der Tod. Sie wird an der Mauer der Verräter öffentlich hingerichtet."
Die Menge sprang auf und klatschte Beifall.
Hermine wandte sich an die Hexe neben ihr.
„Das wars ? Sie wird nicht angehört ? Das ist eine Farce."
„Schtt, sei ruhig. Es ist egal, ob sie etwas gesagt hätte oder nicht."
Hermine hatte vor lauter Ärger lauter gesprochen als es gut für sie war. Die anderen Mädchen schauten sie ängstlich an.
„Sorry."
Zu Hermines Entsetzen war das Schauspiel noch nicht zu Ende.
Voldemort, Lucius und Macnair nahmen wieder Platz.
Nun umringten Umbridge und ihrer Dienerinnen, die am Boden liegende Roselyn. Alle richteten die Blicke auf Umbridge, die zu einer Rede ansetzte.
„Ich stehe hier mit großer Trauer im Herzen vor Euch. Wir wurden getäuscht und betrogen und ich als Verantwortliche muss nun meiner Pflicht nachkommen. Die Hexe muss von ihresgleichen bestraft werden. Damit jede von ihnen weiß was sie erwartetet, wenn sie unser Vertrauen missbraucht."
Hermine fragte sich, ob die Frau an ihre Worte glaubte. Was würde nun geschehen ?
Die anderen Mädchen stellten sich in einem Kreis um die weinende Hexe und Hermine dachte an Snapes Worte, egal was sie sehen würde – keine Aufmerksamkeit erregen.
Die schloss ihre Augen, das wollte sie sich nicht ansehen.
Nach einer Weile stieß sie ihre Nachbarin an.
„Du musst hinschauen. Deshalb sind wir hier."
Die Mädchen des Centers begannen auf Roselyn einzuschlagen. Das Schreien war unerträglich und erst als nichts mehr zu hören war, hörten die Schläge auf und die Mädchen traten zurück.
Der Anblick, der sich Hermine bot, war grauenvoll.
Blut und Fleisch. Ihr Gesicht war kaum noch zu erkennen.
Sie fragte sich, ob die Dienerin tot war, aber da hörte sie ein leises Stöhnen. Anscheinend das Zeichen für anwesende Todesser etwas zu unternehmen.
„Was passiert nun?"
Ihre Nachbarin brachte keine Worte heraus und Hermine wusste, dass das Grauen kein Ende haben würde.
Ein Todesser nach dem Anderen kam an die Reihe, bis sich alle Blicke auf Snape richteten.
Voller Widerwillen stand er auf.
Hermine erkannte seine Stimme kaum wieder als er laut sprach.
„Ich mache mir meine Hände an dieser Hure nicht schmutzig."
„Aber Severus, Du willst mir diesen Wunsch doch nicht verwehren?", fragte Voldemort.
Der angesprochene verbeugte sich.
„Nein Mylord."
Sie hielt sich den Mund zu um nicht zu schreien.
Severus beugte sich zu dem Mädchen und zog seinen Zauberstab.
Hermine sah nicht was er tat, aber Roselyn begann sich zu winden.
Das war's, dachte Hermine. Ich muss hier raus.
Und wenn ich bestraft werde.
Langsam stand sie auf und begann zu laufen. Die Menge jubelte laut und so blieb ihr Abgang unbemerkt. Fast, denn durch ihre rote Robe fiel sie natürlich auf.
Kurz bevor sie den Ausgang erreicht hatte spürte sie einen Blick auf sich gerichtet.
Sie drehte sich um und blickte in die Augen von Fenir.
Der erkannte sie sofort und flüsterte dem Mann an seiner Seite etwas ins Ohr.
Panisch wandte sich Hermine ab und wollte ihre Flucht fortsetzen als sie jemand festhielt.
Snape.
„Fassen Sie mich nicht an", zischte sie ihn an.
Er tat genau das Gegenteil und zog sich fest an sich heran.
„Miss Granger, wenn Sie den Tag überleben wollen, dann tun Sie genau was ich Ihnen sage."
Seine Stimme war so leise, dass sie nicht wusste, ob sie richtig verstanden hatte.
Sie sah ihn an, aber sein Blick ging in eine andere Richtung. Er schaute auf die Bühne wo sich Umbridge und Malfoy unterhielten.
Sie schienen sich über etwas sehr wichtiges zu unterhalten.
An den Ausgängen bemerkte sie furchteinflöstend aussehende Wachen und Hermine dachte über Snapes Worte nach.
Sie realisierte, dass sie nicht sterben wollte. Nicht hier, nicht in dieser Art und Weise.
Plötzlich traten zwei Todesser an Voldemort heran und flüsterten ihm etwas zu.
Auch Umbridge und Malfoy hörten was er gesagt hatte. Sie erstarrten vor Schreck.
Und Lucius sah genau in ihre Richtung.
„Nun Miss Granger. Wie lautet Ihre Entscheidung?"
Sie nickte und er führte sie aus dem Raum. Kaum waren sie in den Hallen, umfasste er sie und sie verschwanden.
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Ich habe es nicht über mich gebracht die Grausamkeiten des Prozesse genauer zu beschreiben. Jeder kann sich nun selbst eine Meinung bilden.
SO, nun hat ihr wieder ein paar Tage Ruhe vor mir. Ich hoffe, die Geschichte ist noch immer spannend.
