10.

Er lachte. Fröhlich summte er ein Lied vor sich hin, während er in dem Raum, welcher eigentlich nur durch ein paar Kistenstapel definiert wurde, seine Werkzeuge bereit machte. Jene Werkzeuge, die eigentlich dafür gemacht waren, Menschen von ihren Krankheiten und Qualen zu befreien. Eigentlich… Doch in seinen Händen, waren sie schon so manchem zum Verhängnis geworden. Slaughterman, der Schlachter, so nannten sie ihn und es gab wohl keinen Namen, der besser zu ihm gepasst hätte. Er war ein Schlachter. Eigentlich Arzt beim Militär, hatte er schnell herausgefunden, welche unsägliche Freude es ihm bereitete, seinen Patienten nicht in dem Sinne zu helfen, wie sie es erwarteten. Sie nannten ihn Verrückt, Wahnsinnig, doch es interessierte ihn nicht. Das einzige, was für ihn wichtig war, war die Möglichkeit, seine Vorlieben auszuleben. Und Bonebreaker und seine Bande, hatten ihm diese Möglichkeit gegeben. Auch wenn Slaughterman seinen Boss gelegentlich daran erinnern musste, dessen Versprechen auch einzuhalten. „Du arbeitest für mich. Dafür, gehören meine Opfer dir, wenn ich mit ihnen fertig bin." Slaughterman grinste. Seit er zu Bonebreaker gehörte, hatte er eine Menge zu tun gehabt. So wie jetzt. Er sah noch einmal auf seinen ‚Patienten', dann wandte er sich wieder seinen Werkzeugen zu, scheinbar unsicher, welches Instrument er als erstes einsetzten sollte. Und so merke er nicht, dass sein Opfer wieder zu Bewusstsein kam.

In seinem Kopf drehte sich alles und er musste einen Aufschrei unterdrücken, als er sich der Schmerzen bewusste wurde, die durch seinen Körper fuhren. Erst nach einer Weile bemerkte Barton, dass er sich nicht bewegen konnte, er sah sich um und bemerkte, dass er mit groben Stricken an einen Tisch gefesselt war. Er schloss die Augen und versuchte einen Klaren Gedanken zu fassen, doch es gelang ihm kaum. Nur langsam kam die Erinnerung an das zurück, was an diesem Tag alles geschehen war und warum er hier war. „Lillia…" Barton versuchte mit aller Kraft einen Plan zu ersinnen, wie er sich aus dieser Lage befreien konnte, als er Slaughterman bemerkte, der immer noch an einem kleinen Tisch stand und nacheinander die medizinischen Instrumente begutachtete. Anscheinend war er unschlüssig welches er anwenden sollte, um dem Wachtmeister die größtmöglichen Schmerzen zu bereiten. Barton erschauderte bei dem Gedanken, was dieser Kerl mit ihm anstellen könnte, als plötzlich ein Schrei zu hören war. Slaughterman horchte auf und nur Augeblicke später, stand Bloodsplash im Raum, sichtlich abhetzt. „Die OP ist beendet, du sollst den Typen losmachen uns nach oben bringen, der Boss will den Bullen zeigen, was es heißt sich mit ihm anzulegen." Er grinste hämisch, doch das Lachen verging ihm, als er den wütenden Gesichtausdruck seines Gegenübers sah. Wutentbrannt schleuderte der Wundarzt das Skalpell, welches er in der Hand gehalten hatte zurück auf den Instrumenten Tisch, wo es klirrend auf die übrigen Werkzeuge prallte. „Er hat es versprochen!", brülle er nun los, so das Bloodsplash zur Vorsicht ein paar Schritte zurücktrat. „Egal, es ist ein Befehl, also spar dir dein Gebrüll und sie zu, das du den Typen nach oben schaffst. Und Slaughterman…" Er war schon halb zur Tür hinaus, als der junge Mann sich noch einmal umdrehte und den Wundarzt frech angrinste. „In einem Stück, wenn es möglich ist." Er lachte und wich dem Gegenstand aus, den Slaughterman ihm hinterher geschmissen hatte, das verwand er.

Der Wundarzt knurrte wutschnaubend vor sich hin, als er sich jetzt ein Messer schnappte und begann, Bartons Fesseln durchzuschneiden. Dieser hatte sich die ganze Zeit über nicht gerührt, hatte so getan, als sei er immer noch bewusstlos, doch in Gedanken hatte er jede sich bietende Möglichkeit zur Flucht durchgespielt. Doch er hatte keine gefunden, die sich nur ansatzweise durchführen lies. Jetzt spürte er wie sich die Fesseln langsam lösten und als er hörte, wie sich die Schritte des Mannes entfernten, öffnete er langsam die Augen. Slaughterman stand mit dem Rücken zu ihm, anscheinend packte er seine Instrumente zusammen, immer noch wütend vor sich hin murmelnd. Barton sah sich um, und entdeckte eine Glasflasche, die neben dem Tisch auf einem Hocker stand. Einen Augenblick zögerte er noch, dann richtet er sich langsam auf und ergriff die Falsche. Ihm wurde schwindelig, doch er durfte sich nicht davon ablenken lassen. Er hatte nur diese eine Chance. „Hoffentlich geht das gut…", dachte er, ehe er ausholte und die Flasche mit aller Kraft in Slaughtermans Richtung warf.

Es kam ihm vor wie in Zeitlupe, als die Flasche durch die Luft segelte und schließlich mit einem dumpfen Schlag auf dem Hinterkopf des Mannes aufkam, wo sie klirrend zerbarst und eine spritzende Spur aus Blut und Flüssigkeit hinterließ. Barton hielt für einen Augenblick den Atem an, als Slaughterman sich jetzt langsam zu ihm umdrehte, und ihn fassungslos anstarrte, doch dann verdrehte er die Augen und ging in die Knie, den Tisch neben sich mitreisend, sodass sich seine Folterinstrumente klirrend um ihn verteilten, als er schließlich bewusstlos zu Boden ging. Barton saß wie angewurzelt da, noch ganz benommen auf die leblose Person starrend, als ihm plötzlich bewusst wurde, in welcher Situation er sich gerade befand. Er sprang vom Tisch, diese Aktion sofort bereuend, da sie sofort mit einer Welle aus Schmerz und Übelkeit quittiert wurde. Schwankend bahnte er sich seinen Weg aus dem Raum, wobei er am Rande der Kistenstapel stehen blieb und sich vorsichtig umsah.

Die Halle war wie ausgestorben, doch von oben konnte er Stimmen hören, anscheinend befand sich Bill mit seinen Leuten auf dem Dach des Gebäudes. Doch da waren noch mehr Stimmen, außerhalb des Lagerhauses und eine dieser Stimmen, erkannte Barton sofort. Er lächelte unbewusst, als ihm klar wurde, wer dort draußen stand und lautstark versuchte, die Verbrecher in ihre Schranken zu weisen. Doch Barton wurde je aus seinen Gedanken gerissen, als er einen jungen Mann bemerkte, der die Halle durchquerte und ihn längst entdeckt hatte. „Hey! Wie zum Teufel…" Er dachte nicht lange nach, hechtete zum Tisch, an dem vor kurzem noch Bill gesessen hatte und griff nach seiner Waffe, die darauf lag. Gleichzeitig schmiss er den Tisch um, benutzte ihn als Schutzschild, während er blindlings ein paar Schüsse in Richtung des Mannes abfeuerte. Dieser warf sich hinter einige der herumstehenden Kisten und schrie nur noch: „Bill! Der verdammte Wachhund lebt noch!"