Tear me apart – Teil 3
Kapitel 10
Schlussfolgerungen
Hermine wusste, dass etwas geschehen musste, sie wusste nur nicht, was sie tun sollte. Fest stand jedenfalls, dass sie daran zu zerbrechen drohte, falls sich alles wiederholen würde. Alleine der Gedanke, dass er immer wieder in seine alten Verhaltensmuster zurückfiel, machte sie traurig. Für mindestens eine weitere Stunde lag sie im Bett und zerbrach sich fieberhaft den Kopf darüber, wie es weitergehen sollte, denn in so einem schlimmen Zustand hatte sie ihn schon länger nicht mehr erlebt. Vielleicht hatte sie auch einfach nicht realisiert, wie es in seinem Inneren wirklich aussah, denn aufgrund der Veränderungen, die Sean und der Beginn des neuen Schuljahres mit sich brachten, bekamen sie sich noch weniger zu Gesicht als zuvor.
Auf einmal ging die Tür zum Schlafzimmer auf und Snape kam zu ihr unter die Decke gekrochen. Er steckte immer noch in seinen üblichen Sachen, lediglich die Schuhe fehlten, doch es kümmerte keinen von ihnen, als er sich von hinten an sie drückte und den Arm um sie legte. Hermine kuschelte sich ohne zu zögern an ihn. Sie war einfach nur froh, dass er sich dazu durchgerungen hatte, zu ihr zu kommen, denn schließlich hatte es Zeiten gegeben, zu denen er die ganze Nacht auf seinem Sessel verbracht hatte.
Wortlos verschlang sie ihre Finger mit seinen und rieb ihre Wange an seinem Arm. Sofort konnte sie die Vertrautheit spüren, die sein Körper auf sie ausstrahlte. Seufzend drehte sie den Kopf zu ihm und sah ihn an. Selbst im flackernden Schein des Kaminfeuers erkannte sie, wie erschöpft er war.
Die Augen halb geschlossen lugte er durch seine Strähnen hindurch. Plötzlich hob er den Kopf und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. Sanft strich er mit seinem Daumen ihre Tränen beiseite.
Hermine seufzte. Es fiel ihr nicht leicht, mit den extremen Gegensätzen in seinem Verhalten ihr gegenüber umzugehen. Einmal war er zärtlich und fürsorglich, dann zog er sich wieder zurück, was ihn absolut unberechenbar machte. Sie wusste, dass es unumgänglich war, ihn auf den Vorfall anzusprechen, wenn sich nicht auch noch das in ihr anstauen sollte, so wie die Begegnung mit Cormac damals.
„Wie lange, Severus?", fragte sie traurig. „Wie lange geht das schon so?"
Sie kannte ihn besser, als irgendjemand sonst ihn kannte. Sie vertraute ihm mit ihrem Leben. In dieser Sache aber wusste sie, dass es irrsinnig gewesen wäre, sich auf eine bloße Hoffnung zu verlassen, die sie sich ausgemalt hatte, seit sie wusste, wie er für sie empfand.
Snape zögerte und sie biss sich angespannt auf die Lippe.
„Was soll ich dir darauf antworten, Hermine? Willst du von mir hören, dass ich es kontrollieren kann?" Er schüttelte den Kopf. „Ich bin nicht betrunken, wenn du das meinst. Aber ich kann dir nicht versprechen, dass es nicht wieder passiert."
Sie zog betreten die Nase hoch. „Das weiß ich, Severus. Ich bin nicht so naiv, wie ich es früher war."
Er verzog die Mundwinkel. „Es hat nichts mit dir zu tun."
„Nein. Aber wie es aussieht, kann ich auch nichts tun, um es zu beenden, nicht wahr?"
Seine Brauen rutschten eng zusammen, dann nahm er ihr Kinn zwischen seine Finger und blickte ihr tief in die Augen. „Du warst immer die Stärkere von uns beiden, wenn es um solche Dinge ging, genau wie bei Narcissa und Lucius. Wenn du nicht gewesen wärst, wäre ich nicht mehr hier, Hermine. Also sag das nicht."
Im Stillen vor sich hin brodelnd schmiegte sie den Kopf eng an seine Schulter. Alles wirkte so surreal, dass sie sich manchmal fragte, wie es mit ihnen überhaupt soweit kommen konnte. Doch obwohl sie immer noch wütend war, weil er sich hatte gehen lassen, verspürte sie den Drang, ihn innig bei sich haben zu wollen.
Tief einatmend drückte sie sich noch fester an ihn und rieb ihren Körper an seinem. Sie wusste, dass sie ihn trotz allem immer noch genauso wollte wie früher. Vom ersten Moment an, als sie begonnen hatte, sich auf ihn zuzubewegen, war ein Feuer zwischen ihnen entbrannt. Die Erfüllung ihrer sexuellen Gelüste und Wünsche hatte sie beide zueinander geführt. Und so war es auch jetzt. Sie konnte es spüren; konnte unmissverständlich fühlen, wie er hinter ihr mit jeder Sekunde härter wurde.
Sehnsüchtig löste sie ihre miteinander verschlungenen Finger voneinander los und griff über ihre Hüfte nach hinten, um ihn aus seiner Hose zu befreien. Was am Anfang plump und ungeübt zwischen ihnen vonstatten gegangen war, war nun ein willkommener Akt. Schon oft hatte sie das getan, mit jedem Mal passionierter.
Voller Begierde hielt sie ihn dann fest und streichelte ihn, während sein warmer Atem mitsamt seinen wohligen Lauten in ihren Nacken strömte.
Snape nahm seine Hand und schob ihr Nachthemd hoch. In langen Bahnen glitten seine Finger über ihren Körper, liebkosten ihre Brüste, reizten ihre Nippel. Das einprägsame Empfinden, das sich bei der Berührung ihrer nackten Haut entfaltete, verfehlte auch diesmal nicht die erregende Wirkung. Hermine schauderte, Snapes Atmung beschleunigte sich.
Nicht lange darauf ließ er von ihr ab. Seine Hand glitt an ihrer Taille entlang, dann riss er ihr schwungvoll das Höschen runter, wobei Hermine ihm entgegenkam und es ungeduldig mit den Beinen abstreifte. Mit einer gezielten Bewegung rollte er sie herum und legte sich auf ihren Rücken.
Hermine räkelte sich unter ihm auf dem Bett und griff nach seiner Hand. Erneut hielten sie sich fest, die Finger eng miteinander verschlungen. Das Gefühl, sein Körpergewicht so intensiv auf ihrer Rückseite zu spüren, war unbeschreiblich, genauso wie der Druck, den seine harte Männlichkeit an ihrem Po auslöste.
Während er sein Gesicht in ihrer Halsbeuge vergrub, fuhr er mit seiner anderen Hand zwischen ihre Beine und drang von hinten in ihre feuchte Mitte ein.
Snapes tiefes Grollen erfüllte den Raum, gefolgt vom sanften Aufstöhnen seiner Frau. Einen Moment hielt er inne und beugte sich zu ihrem Gesicht hinab, woraufhin sie ihren Kopf zurücklegte und einen harten Kuss seiner Lippen empfing. Sein ganzer Körper stand unter Spannung, dennoch drängte er mit der Zunge gegen ihren Mund, bis sie ihn öffnete und ihn einließ. Erst dann, als er sich nicht mehr länger stillhalten konnte, ließ er von ihrer Zunge ab. Er zog sich einen Moment aus ihr zurück und schob sich mit einem weiteren Stoß in sie hinein, so tief es nur ging.
Hermine krallte ihre Nägel in seine Hand und spannte ihre Muskeln an, die seinen harten Schaft umgaben. Jede seiner Bewegungen war gezielt, doch mindestens ebenso ungestüm. Sie wusste, wie sehr er sie brauchte, also konnte sie sich ihm nicht verwehren. Sie wollte das reizende Gefühl seiner Männlichkeit in ihrem Inneren auskosten, seine Stärke spüren und seinen Körper zu ihrem Eigen erklären. Vor allem aber wollte sie, dass er für sie kam.
Schon damals hatte alles mit einem Spiel zwischen ihnen begonnen. Gefangen zwischen unbändiger Neugier und der Lust am Verbotenen hatten sie Neuland betreten und Tabus gebrochen. Mit Leidenschaft setzten sie diesen Weg nun fort. Er füllte sie aus, mit allem, was er zu geben hatte. Sein Körper erzitterte auf ihrem, seine Stimme durchdrang rau und kehlig den Kerker. Dann brach er erschöpft auf ihr zusammen und vergrub sein Gesicht in ihren Locken.
„Siehst du nicht, wie sehr ich dich brauche?", raspelte er in ihr Ohr. „Wie viel du mir bedeutest ... Du allein konntest mich brechen, Hermine."
Ihr Kopf lag sanft auf das Kissen gebettet an seinem und er küsste ihre Wange, die sich ihm entgegenstreckte. Ihre Nase, ihre Stirn.
„Du gehörst mir", flüsterte er heiser. „Mir allein."
Hermine schloss die Augen. Es kam nicht oft vor, dass er so etwas sagte. Doch trotz allem musste sie ihn wissen lassen, was in ihr vorging. Sein Rückfall hatte eine unbeschreibliche Angst in ihr ausgelöst.
„Ja, ich gehöre dir", erklärte sie aufrichtig. „Aber auch ich habe meine Grenzen, Severus."
Er atmete scharf ein, dann nahm er seine Hand und strich ihr damit übers Haar. „Ich wollte dir nie wehtun. Aber ich kann nicht ändern was ich bin."
„Ich weiß, Severus. Das wusste ich immer. Du hast auch nicht versucht, mir dabei etwas vorzumachen. Es ist nur verdammt schwer, mit allem klarzukommen. Warum können wir nicht einfach nur glücklich sein? Warum hält das Leben ständig Überraschungen für uns bereit?" Sie schluckte schwer. „Weißt du, manchmal stelle ich mir vor, wir müssten unsere Wohnung nie verlassen; es würde mir genügen, hier zu sein. Das hat es schon damals."
„Ich wünschte, wir könnten das tun. Ja, ich wünschte, wir könnte jeden ausschließen, der uns verurteilt. Aber ich kann es nicht. Ich kann mich nicht mehr in den Kerkern einschließen, wie ich es früher gewohnt war."
Seine Atmung hatte sich langsam beruhigt. Abwesend strich er mit seinen langen Fingern über ihren Arm.
„Nebenbei, ein Kind sollte man nicht wegsperren, Hermine ..."
Sie seufzte. „Ich bin froh, dass du das so siehst. Das ist eindeutig ein Fortschritt, Severus."
Er drückte ihr wortlos einen weiteren Kuss auf den Nacken und wälzte sich von ihr. Hermine rollte sich ganz nah an ihn heran und bette ihren Kopf an seine Schulter, dann lugte sie zu ihm hoch.
„Was denkst du, hat Dumbledore getan, damit sie die Sache auf sich beruhen lassen?"
Er hob eine seiner Brauen und sah sie an. „Ehrlich gesagt möchte ich jetzt nicht an ihn denken."
Hermine setzte ein sanftes Lächeln auf. „Wer hätte gedacht, dass du dich so leicht vom Wesentlichen ablenken lässt."
Energisch umfasste er ihre Hüfte und zog sie zu sich auf seinen warmen Körper.
„Du hattest schon immer einen schlechten Einfluss auf mich."
„Oh, wirklich? Du hättest Nein sagen sollen, als du gefragt wurdest."
„Eindeutig", murmelte er brummig.
Hermine klopfte ihm spielerisch auf die Brust. „Das hättest du wohl gerne. Aber jetzt ist es dafür zu spät. Vor allem war ich es, die zu dir in die Kerker ziehen musste, also behaupte ja nicht, ich hätte nicht versucht, mich anzupassen."
Nachdenklich nickte er. „Das hast du. Und zwar weitaus besser, als ich es je gekonnt hätte."
Seine Hände legten sich auf ihre Schultern. Sanft ließ er sie über ihren Rücken hinab gleiten, dann umfasste er mit festem Griff ihre Pobacken und presste sie an sich.
„Niemand hätte das geschafft. Nur du allein."
xxx
Hermine wurde das ungute Gefühl, ständig von ihren Mitschülern angegafft zu werden, nicht los. Ganz besonders dann, wenn sie gemeinsam mit Severus in seinem Klassenzimmer war, fühlte sie sich wie auf einem silbernen Tablett zur Schau gestellt, obwohl sie sich doch längst daran hätte gewöhnen müssen. Doch immer wieder kamen Momente, in denen sie sich fragte, ob es wirklich eine so gute Idee gewesen war, mit dem Lernen weiterzumachen, denn auch dann, wenn sich in Snapes Gegenwart niemand traute, offen darüber zu reden, so war doch bekannt, dass sie und der Professor im Zuge des Heiratsgesetzes vermählt worden waren. Wäre Hermine nicht selbst davon betroffen gewesen, hätte sie diesen Umstand bestimmt ebenfalls irritierend gefunden. In ihrer Lage aber war alles anders. Lediglich auf Ginny konnte sie sich verlassen. Sie stärkte ihr den Rücken, so wie sie es immer getan hatte - meistens zumindest.
„Wenn du so nervös bist, wird es auch nicht besser", flüsterte ihr das Weasley-Mädchen auf dem Weg von der großen Halle in die Kerker zu.
Hermine setzte ein besorgtes Gesicht auf und lugte über die Schulter, wobei sie hätte schwören können, dass ihr mindestens sieben Mädchen von ihren Plätzen an den Haustischen aus nachstarrten. „Was soll ich denn machen? Ich habe ständig das Gefühl, dass alle über mich tuscheln."
Ginny zuckte mit den Schultern. „Langsam solltest du da drüber hinweg sein, findest du nicht? Immerhin hast du das letzte Schuljahr auch so erlebt."
„Ja, aber da waren die Umstände noch anders. Es gab etliche Betroffene, die unter diesem Gesetz zu leiden hatten. Inzwischen wissen aber alle, dass wir zusammenbleiben werden. Und dass wir ein Kind haben. Noch eigenartiger hätte der Fall kaum ausgehen können."
Kopfschüttelnd hakte Ginny sich bei ihr unter und schleifte sie weiter. „Du solltest mit Sean öfter am Lehrer-Tisch sitzen. Am Anfang werden ihnen zwar die Augen ausfallen, aber irgendwann hast du es dann bestimmt überstanden. Vor allem ist der Kleine so süß, dass ich nicht glaube, dass auch nur eine der Tratschtanten ihm widerstehen kann."
Hermine legte skeptisch die Stirn in Falten. „Na toll. Ich will nicht wissen, was McGonagall dazu sagt, wenn ich die Schülerinnen dazu animiere, schwanger zu werden, nur weil Kinder so niedlich sind."
Ginny hüstelte. „Das sollst du ja auch gar nicht! Ich habe eine große Verwandtschaft und weiß, wovon ich rede. Und glaube mir, Kinder sind nicht immer nur niedlich. Sie schreien, sabbern dich voll, erbrechen ihre Mahlzeiten, machen ständig in die Windeln … Und kaum hast du dann alles sauber gemacht, kannst du wieder von vorne anfangen."
Beinahe wäre Hermine ein Lachen ausgekommen. „Was du nicht sagst! Wer hätte das gedacht? Eine Weasley, die Angst vor Babys hat!"
Ginny rollte übertrieben mit den Augen. „Ich habe keine Angst vor Babys, Hermine. Ich finde Kinder toll. Ganz besonders Sean. Aber mal ehrlich, ich wäre noch längst nicht soweit, jetzt selbst eines zu haben. Harry würde durchdrehen!"
„Das tun sie alle, glaub mir! Ich weiß noch, wie Severus fast den Verstand verloren hätte, als ich ihm diese Lüge aufgetischt habe. Na ja, du weißt ja selbst, wie es ausgegangen ist ..."
Sie nickte nachdenklich. „Allerdings. So oder so hoffe ich, dass wir erst dann eines bekommen, wenn wir das wirklich beide wollen."
„Ja, wäre auch besser so, glaub mir. Es war ein riesiger Schock für mich, als er mir erklären wollte, dass ich tatsächlich schwanger geworden war ..."
Ginny schüttelte den Kopf. „Beziehungen dieser Art sind nicht gerade was für die Mehrheit der Bevölkerung, oder?"
„Hör mir bloß auf damit! Es ist ein Wunder, wie Severus und ich das durchgestanden haben. Erst neulich hatten wir wieder eine Auseinandersetzung der weniger schönen Art."
„Klingt ja nicht gerade sehr erfreulich."
Hermine schnaubte. „Es war übel, Gin. Severus hatte was getrunken und ich habe natürlich absolut Panik bekommen, weil ich befürchtete, dass er sich wieder so gehen lässt wie damals. Zum Glück war es nicht ganz so schlimm, aber alleine der Gedanke, dass sich alles wiederholen könnte, hat mir Angst gemacht. Das ist für mich wie ein rotes Tuch."
Ginny nickte eifrig. „Verständlich. Ich meine, immerhin habt ihr jetzt noch mehr Verantwortung als zuvor."
„Genau das ist es ja, was mich so beunruhigt. Ich weiß, dass er mir oder Sean nie was tun würde. Aber der Alkohol hatte schon immer einen großen Einfluss auf ihn. Er kann die Persönlichkeit eines jeden Menschen verändern, Gin."
„Dann sollte er damit aufhören, wenn er weiß, dass du damit Schwierigkeiten hast ... Es wäre ohnehin besser, wenn er die Finger davon lässt."
Hermine seufzte. „Ich weiß. Aber ich kann nicht von ihm verlangen, sich ständig meinetwegen zu ändern, oder?"
Ginny zuckte mit den Schultern. „Das ist der Haken daran, wenn man unfreiwillig in so eine Beziehung gedrängt wird, fürchte ich. Es ist manchmal schon schwer genug, für normale Paare, sich aufeinander zuzubewegen."
„Das kann ich mir kaum vorstellen. Harry und du, ihr seid wie füreinander geschaffen ..."
„Mag sein", wendete Ginny eilig ein. „Doch manchmal muss sich einfach jeder etwas für den anderen ändern."
Hermine nickte nachdenklich. Es lag ihr zwar fern, Severus Vorschriften machen zu wollen, aber wenigstens in Bezug auf Sean sollte er versuchen, seine alten Gewohnheiten abzulegen.
