Kapitel 09
Valentinstag
AN:
Ja, Nim und ich wissen, dass Harry Potter in England spielt. Aber die Wahl der Form des Valentinstags fiel dennoch auf die japanische Version. Nehmt es bitte einfach als künstlerische Freiheit an.
Das kurze Gespräch mit Bella hatten sie ebenfalls noch belauscht. Die Chance, Snape womöglich aus dem Raum zu folgen, gefiel ihm zwar nicht, aber James zog Sirius mit sich.
Als Snape sich vor den Spiegel gestellt und seinen Oberkörper betrachtet hatte, waren seine Augen ganz automatisch zu seinem besten Freund gewandert und als wäre es wirklich bedeutsam, hatte er sich einen Finger in den Mund geschoben und hatte ein stummes Würgen hervorgebracht, um seinen Unmut kund zu tun.
Gefolgt waren sie ihm dann doch und nach dem kurzen Intermezzo mit Bella hatten sie die ideale Möglichkeit zur Flucht ergriffen, in die entgegengesetzte Richtung zu verschwinden als in die, in die Snape sich aufmachte.
Noch immer ließen sie den Zauber, der sie schweigen ließ, auf sich. In einer Nische versteckt zog James den Tarnumhang von ihnen und sie lösten die Zauber, blieb aber vorerst stumm.
Wie so oft übernahm James die Führung und lotste Sirius zu ihrem Gemeinschaftsraum zurück, sagte das Passwort und schleifte ihn in ihr Schlafzimmer, wo ihre Freunde schon ungeduldig warteten.
Kaum dass ihr Anführer wieder einen Stillezauber um den Raum herum gelegt hatte und noch ehe Remus auch nur eine Frage stellen konnte, brach es aus ihm heraus.
„Was zum Teufel sollte das, James?", fragte er schrill und unnatürlich.
Remus und Peter hatten abwechselnd die Hausaufgaben gemacht und eben abwechselnd auf den Spiegel geachtet. Dann hatte Remus Peter gebeten, allein weiter auf den Spiegel aufzupassen, da er langsam seine Runde durch das Schloss machen musste. Lily sah er nicht, aber er sagte ihren Freundinnen, sie sollten ihr bitte ausrichten, dass er den Rundgang nun, wenn auch etwas früh, alleine machen würde. Er vermutete nämlich, dass sie weiterhin nach Severus suchte oder bereits mit ihm sprach. Remus hatte nicht gefragt, was mit Severus los war, obwohl er sich ebenfalls Sorgen machte, da dieser die letzten Tage ja schon wieder am Unterricht teilgenommen hatte, soweit es ihm eben möglich gewesen war. Und jetzt plötzlich sollte er etwas verpassen, weil er eh nicht richtig mitmachen könnte?
Remus durchschaute, dass da noch etwas mehr sein musste. James hatte ebenfalls so gewirkt, als wüsste er was! Und Lily wirkte besorgter, als die Warnung, dass bereits Todesser in dieser Schule seien, begründete.
Während er seine Runde drehte, grübelte Remus weiter nach und hoffte inständig, dass James und Sirius sich nicht in eine Gefahr begaben, aus der sie womöglich nicht unbeschadet wieder rauskommen könnten. Wenn sie schon das Risiko eingingen, hoffte Remus, dass es sich wenigstens lohnte und sie etwas herausfinden würden! Aber das würde er alles erfahren, sobald die beiden zurück wären.
Über den Valentinstag musste er auch noch nachdenken! Der war schon morgen! Und er hatte noch nichts für Sirius. Aber er war sich ja auch noch nicht sicher. Möglich war es schon, dass er allmählich für Sirius mehr empfand, als pure Freundschaft.
Er kehrte zu Peter zurück, der gebannt vor dem Spiegel saß, doch als Remus ihn fragend ansah, schüttelte Peter den Kopf. Naja, die beiden hatten ja auch noch Zeit. Beim Abendessen hatte es nicht so gewirkt, als hätten die Slytherins Verdacht geschöpft.
Allzu lang mussten sie allerdings nicht mehr warten, Sirius und James waren nämlich deutlich eher zurück, als sie ausgemacht hatten. Naja, der Zeitplan war ja auch nur grob gewesen und sie hatten einen Zeitpunkt genannt, wo Remus und Peter die Lehrer hätten verständigen müssen, wenn die beiden dann noch nicht wieder aufgetaucht oder sich zumindest gemeldet hätten.
Trotzdem hatte Remus das Gefühl, dass etwas ganz und gar nicht stimmte! James und Sirius Gesichtsausdrücke sprachen deutlich für sich. Und dann noch Sirius Frage, mit schriller Stimme gestellt - was hatte James gemacht? Remus hatte eher mit einer umgekehrten Szene gerechnet, dass James hinterher Sirius zusammenstauchen müsste wegen irgendwas.
James wollte schon wütend auf diese Frage reagieren, aber Remus hob beschwichtigend seine Hände und ermahnte die Beiden zur Ruhe.
"Bevor ihr euch streitet - erzählt uns doch bitte eben, was passiert ist und was ihr erfahren habt!" Dabei könnten sich die beiden hoffentlich ordnen und nochmal über die Geschehnisse nachdenken - was auch immer das war!
James begann, möglichst chronologisch zu erzählen und Sirius ergänzte oder kommentierte diesen Bericht. Beide waren emotional geladen und sie beide hatten eine etwas andere Sicht der Dinge und etwas andere Vermutungen, was es bedeuten könnte.
Peter wirkte verwirrt, aber Remus glaubte, dass sich das Puzzle für ihn noch ein wenig weiter zusammenfügte, auch, wenn natürlich noch einige Stücke fehlten, um das Gesamtbild endgültig erkennen zu können.
"Sirius, es ist doch nicht schlecht, wenn Regulus zumindest so etwas wie einen Verbündeten dort bei den Slytherins hat!", versuchte er, seinen Freund zu beruhigen.
Eigentlich hatte Sirius James keine Vorwürfe machen wollen, sondern eine Erklärung gefordert, weil er selbst gerade den Faden verlor. Jemand sollte ihm erklären, was hier geschah!
Doch Remus mischte sich mit ein und sie versuchten gemeinsam zu erklären, was geschehen war. Was sie gesehen oder vielmehr gehört hatten.
Bei Remus' Worten allerdings funkelte er diesen an.
"Was kümmert mich diese Fledermaus? Ich bin wegen Reg dort gewesen und der... mein Bruder hat völlig den Verstand verloren. Er hat der Fledermaus einen unbrechbaren Schwur geleistet. Was bitte soll daran gut sein? Snape ist das Musterbeispiel eines Todessers. Verdorben bis in die Knochen. Du hast ihn gehört, Krone. "Ich werde an seiner Seite sein und er wird mir vertrauen wie er keinem sonst vertraut". Mir ist eigentlich scheißegal von was der Kerl träumt, aber er gibt damit an", wütete er.
"Er wird Reg auch zu so nem finsteren Kerl machen, der die dunklen Künste anhimmelt", er warf hilflos die Arme im die Luft.
Das ganze überstieg sein Denken.
"Vielleicht hast du ja recht, aber vielleicht hat Severus das ja nur gesagt, um Bella zu ärgern!", versuchte sich James daran, einen anderen Erklärungsansatz für diese Worte zu finden.
"Was er und Regulus unter vier Augen besprochen haben, klang für mich nicht ganz so, als würde er ein Mustertodesser werden wollen, vielmehr klang es so, als wolle er zwar so wirken, aber dem dunklen Lord gerade nicht in allem helfen, ihn nicht in allem unterstützen!
Warum sollte er sich sonst auf Lily als beste Freundin einlassen? Für die Todesser ist sie ein lästiges Schlammblut! Und er selbst mag sich zwar wie ein Reinblüter geben, aber... ach, egal.
Verstehst du, was ich meine? Du kennst ihn nicht und ich maße mir auch nicht an, ihn und seine Faszination für die Dunkelheit zu verstehen. Aber kaum jemand geht einen solchen Weg einfach so! Du sagst ja selbst, Bella sei vollkommen verrückt und Regulus wurde gezwungen, wer weiß, was Sev in diese Richtung drängt?
Und sie scheinen beide eine Vision gehabt zu haben, sie sprachen von Askaban und Tod, von einem vorbestimmten und einem unbestimmten Weg... Ihnen bleiben nur diese beiden Möglichkeiten. Sie müssen wählen. Es schien mir außerdem nicht so zu sein, als habe Regulus sich für den dunklen Lord entschieden!
Severus hat ihm sogar Mut in der Richtung zugeredet. Soweit ich das verstanden habe. Wegen dem Schwur können wir Regulus nicht fragen, aber Severus vielleicht!", redete er auf Sirius ein.
Eigentlich wollte Sirius aufbegehren. Er war so wütend und wollte dieser Wut Luft machen. Doch er wusste, dass James Recht hatte. In so ziemlich allen Punkten.
Sie könnten sich noch ewig über ihre Ansichten unterhalten, sich streiten und würden doch zu keinem Schluss kommen. Sie konnten nichts als spekulieren und ohne eindeutige Antworten konnten sie zu keinem vernünftigen Schluss kommen.
Er schüttelte den Kopf.
Nickte dann aber.
"Wann und wie?", wenn es nach ihm ginge, würden sie ihn jetzt einfach auf dem Gang aufgabeln und ihn sich schnappen, in einen der Geheimgänge einsperren und alles aus ihm raus prügeln. Aber nachdem, was er da vorhin gesehen hatte: James' Blick, wie Snape sich die Knutschflecke angesehen hatte... ihm wurde allein bei dem Gedanken kotz übel. James war ein gutaussehender und intelligenter Mensch. Wenn er auf Kerle stand, hatte er in Hogwarts die freie Wahl. Doch die war auf eine unattraktive Fledermaus gefallen, die das wahrscheinlich nicht einmal zu würdigen wusste.
Fakt war: James würde bei seinem Plan nicht mitziehen.
"Ok, das klingt doch nach einem guten Ansatz.", meinte Remus.
"Aber ich denke, wir haben noch Zeit, das rauszufinden, heute sollte also besser nichts mehr geplant werden, gerade, wo ihr beide so geladen wirkt!" Hoffentlich nahmen sie ihm nicht übel, dass er das so direkt sagte!
"Wir können ja morgen noch weiterplanen. Und wenn das mit Askaban eh erst in drei Jahren oder so sein soll..." Das war eine lange Zeit.
"Wir können ja noch mit Lily reden, sie kennt Severus schließlich am besten, denk ich."
Als Lily auf ihrer Suche endlich auf den Jungen gestoßen war, hatte sie ihn mit sich in einen Klassenraum gezogen und versucht, ihn zur Rede zu stellen. Viel hatte er nicht mit ihr gesprochen, aber sie hatte ihn so mit Worten malträtiert, dass er versprochen hatte - was es auch war - morgen etwas mit ihr zu unternehmen. Die Ablenkung war ihm willkommen. Denn dass Potter ihn morgen rufen würde und auch nur daran dachte, etwas mit ihm zu unternehmen, daran glaubte er nicht wirklich. Eher würde wohl die Hölle gefrieren. Ein wenig musste Lily schmunzeln, da sie recht geübt darin war, die Gedanken ihres besten Freundes in dessen Gesicht zu lesen.
Wenn Severus nur wüsste, was morgen auf ihn zukam...
Doch sie schwieg dazu. Es reichte ihr, dass er ihr ein Fingerversprechen gab, sie zu begleiten, was immer sie sich bis morgen überlegen mochte.
Zwar machte sie sich noch immer Sorgen um ihn, als dieser sich verabschiedete - er hatte keinen Ton über die Sache mit seiner Mutter verloren - doch ein wenig beruhigte es sie, dass er sie diesmal nicht direkt abstieß.
Nun musste sie sich nur noch darum kümmern, an Veritaserum zu kommen, denn Potter wollte sie auch nicht alles anhängen.
Kurz sah sie im Schlafzimmer der Jungen vorbei und überbrachte die Nachricht. Zwar kam ihr die Stimmung etwas eigenartig vor, doch sie schob es im Falle von Remus und Sirius auf die Nervosität vor dem Valentinstag im allgemeinen, Peter war ohnehin dauerhaft nervös und James wirkte so nachdenklich, dass sie einfach glaubte, dieser würde für Severus wirklich noch etwas anderes planen und ihm eine kleine Freude machen wollen.
Eigentlich war der Gedanke so absurd, dass sie wusste, dass er Unsinn war und sie ihn nur dachte, um weitere Vermutungen im Keim zu ersticken.
Nach einem kurzen Gespräch mit James verabschiedete sie sich und wünschte allen eine gute Nacht. Verließ jedoch das Zimmer nicht, ohne sich noch bei Remus dafür zu entschuldigen, ihm die Arbeit heute alleine aufgehalst zu haben. Dann verschwand sie und machte sich nun an ihre eigenen Hausaufgaben.
Dieser Tag war viel zu anstrengend und viel zu nervig. Nachdem Severus Lily das Versprechen gegeben hatte, morgen was mit ihr zu unternehmen - irgendwie machten sie eh jedes Jahr am Valentinstag etwas zusammen - hatte er seinen Rundgang beenden und endlich in seinen Gemeinschaftsraum zurückkehren können. Dieser hatte sich ziemlich geleert, auch wenn für seinen Geschmack noch zu viele hier ihr Unwesen trieben.
Bella zog es nach zwei verlorenen Schlachten vor, ihn für heute zu ignorieren und ließ ihn unbehelligt in seinen Schlafsaal ziehen.
Dort angekommen begab er sich direkt ins Badezimmer und zog sich aus, um unter die Dusche steigen zu können. Zwar mochte er das Gefühl und vermisste es gleichzeitig, dass James bei ihm war, doch er wusste auch, so sehr er es wollen würde, er konnte schlecht zu diesem gehen und sich ihm an den Hals werfen.
Mit den Gedanken bei dem Älteren begann er sich zu waschen und als der dabei war, die getrockneten Reste in sich zu entfernen, konnte er nichts gegen die Gedanken unternehmen, die ihn leise stöhnen ließen. Seine eigenen Finger glitten in ihn und strichen sein Innerstes ab. Vor ihm erschien James, der sich lüstern über die Lippen leckte und über die auf der Nasenspitze hängenden Brillengläser zu ihm runter blickte. Der intensive Blick brannte sich ihm in die Netzhaut und die heißen Wassertropfen erschienen ihm wie Fingerkuppen, die seinen Körper streichelten. Ihm schwirrte der Kopf.
War es so lange her gewesen, dass er nach nur einer Nacht kaum mehr aushielt von dem Gryffindor getrennt zu sein? Das war ja jämmerlich.
Doch so jämmerlich es sein mochte, es war Realität. Seine Finger spreizten sich in seinem Innern und seine freie Hand legte sich um sein längst steifes Glied. Bisher war es nur in den Sommerferien soweit mit ihm gekommen, dass er unter Entzug gelitten hatte.
Seine Knie wurden weich und bald kam er von seinen eigenen Händen. Gedehnt stöhnte er gegen die Kacheln der Wand, gegen die er seine Stirn gelehnt hatte, um sich aufrecht halten zu können. Als würde James tatsächlich in ihm sein, flossen die letzten Reste - da seine Finger und das Wasser die Reste ja wieder verflüssigt hatten - aus ihm heraus, als wären sie frisch.
Wie lange würde dieser Zustand noch andauern? Wie lange würde er es noch schaffen, so zu tun, als würde er nichts dabei empfinden, wenn James ihm nach dem Sex den Rücken zuwandte und das Zimmer verließ? Sein eigenes Sperma, bei den Gedanken an James vergossen, vermischte sich mit dem Wasser und zwei einzelne Tränen, aus hoffnungsloser Liebe heraus vergossen, gesellten sich dazu.
Hoffnungslos, wirklich Hoffnungslos.
Ewig hatte er nicht in der Dusche bleiben können und nachdem er sich getrocknet und wieder angezogen hatte, hatte er sich in seinem Bett zusammengerollt. Die Decke über seinen Kopf gezogen. Die Dunkelheit war beruhigend. Das war ein Gefühl, das James nicht verstehen konnte. Aber im Dunkeln sah man die Tränen nicht.
Mit diesem tröstlichen Gedanken, dass niemand ihn sehen und dafür auslachen konnte, schlief er ein.
So wenig Sirius das alles gefiel, letztlich hatten sie keine andere Wahl. Um die Wehen der Neuigkeiten sacken zu lassen, reichte ihm Remus die Hausaufgaben, an deren Abschrift er sich machte. Die Ablenkung war ihm willkommen und er hielt sich bewusst von James fern, um keine erneuten Diskussionen anzuheizen. Streit war das letzte, was sie nun brauchten.
Er hob erst überrascht den Kopf, als jemand eintrat, obwohl eigentlich alle, die diesen Schlafsaal bewohnten, anwesend waren.
Lily betrat das Zimmer nach kurzem Anklopfen, kümmerte sich jedoch um niemanden, außer James.
Verblüfft stellte Sirius fest, dass sie seinem besten Freund einen Zettel reichte. Ein Liebesbrief an den Älteren?
Dass sich auf dem Zettel nur eine Uhrzeit befand und die Bestätigung, dass sie Severus - wie auch immer - hatte überreden können, bei ihrer Idee mitzumachen, wusste er nicht. Er selbst mutmaßte nur, worum es ging, kümmerte sich dann allerdings wieder darum, die Hausaufgaben abzuschreiben.
Viel redeten sie nicht. Denn sie alle wussten, dass ein falsches Wort oder ein falscher Ton nur wieder für Ärger sorgen könnte.
Wie die Anderen ihren Abend verbrachten, bekam er nicht mehr wirklich mit. Irgendwann hatte er einfach den Vorhang seines Bettes zugezogen und sich schlafen gelegt. Da er Remus auch nicht hatte anschreien wollen oder auf ihn hatte böse sein wollen, hatte er sich auch vor ihm ausgeschwiegen. Bald schlief er tatsächlich ein, aber von angenehmen Träumen konnte keine Rede sein. Das bizarre Bild von seinem Bruder, der der Fledermaus einen unbrechbaren Schwur leistete, verfolgte ihn bis zum nächsten Morgen.
Die Stimmung gefiel dem Schwarzhaarigen zwar gar nicht und die Hausaufgaben vermochten es auch nicht, ihn genug davon abzulenken. Es geschah nicht oft, dass James nach diesem Strohhalm griff, Hausaufgaben, um sich von etwas unangenehmerem abzulenken! Immerhin kam Lily noch vorbei, um ihm endlich eine bessere Nachricht zu überbringen. Severus würde kommen! Er verstand und grinste ihr schief, aber dankbar zu.
Seine Leute würde er auch dazu bringen, zu kommen. Remus hatte sich bereits zurückgezogen, mit nachdenklichem Gesicht und Sirius saß noch über den restlichen Aufgaben zu morgen. Peter beobachtete alles etwas und schien nichts rechtes mit sich anfangen zu können.
James nutzte das aus, um diesen leise einzuweihen, dass sie als Gruppe morgen alle zusammen irgendetwas machen könnten. Dabei ging er gar nicht so genau auf den Valentinstag ein, sondern gestaltete es so, dass Peter glaubte, der Grund für diese Idee sei es, dass sie alle nun etwas Ablenkung benötigen würden. Und er habe schon die eine oder andere Idee für ein nettes, lustiges Spielchen, vielleicht würde Lily ebenfalls kommen, nachdem sie abends ihren Verpflichtungen als Vertrauensschülerin nachgegangen war.
Peter war begeistert, vor allem, da er dem Valentinstag eh eher missmutig entgegengeblickt hatte. Seine ach so tollen Freunde wurden mit Schokolade und Rosen überhäuft und er, der kleine, dicke, dumme Junge, ging immer leer aus. Und wenn seine Freunde ihm großzügig etwas abgaben, konnte er es kaum wirklich genießen, denn diese Geschenke waren nie für ihn gedacht.
Er blieb eben immer im Schatten der anderen. Remus hatte eine Zwischenposition zwischen ihm und dem glanzvollen Duo, obwohl er ein Werwolf war! Echt frustrierend. Dieser war auch noch Vertrauensschüler geworden! Aber er hatte sich ja auch angestrengt und es deshalb durchaus verdient.
Wie Peter in diese tolle Gruppe gekommen war, wie er ihre Freundschaft erschlichen hatte, wusste er selbst nicht mehr genau. Er hatte wohl einfach Glück gehabt, war ausnahmsweise mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen, war ihnen aufgefallen und sie hatten es sich dann, womöglich aus Langeweile, in den Kopf gesetzt, ihn zum Freund haben zu wollen. Nicht als gleichwertigen Freund, sondern als jemanden, den man beschützen konnte.
James war ein edler Hirsch, Sirius ein großer, schwarzer Hund, beides wilde Tiere, er selbst konnte sich nur als Ratte verwandeln, ein beliebtes Haustierchen unter Zauberern. Zuweilen fühlte er sich genauso. Als Haustierchen.
Sie hätschelten und passten auf ihn auf, trauten ihm aber nicht wirklich etwas zu. Sie fütterten ihn mit dem, was sie selbst nicht mehr verspeisen konnten. Und sie belächelten gutmütig, wie ängstlich er sich oft gab.
James konnte sich nicht vorstellen, wie schlecht sich der kleinere Junge bei ihnen zeitweise fühlte, aber Peter sagte das schließlich nie. Denn mit Worten waren die anderen ihm ebenfalls überlegen.
Und so lustig der Abend morgen sicher werden würde, wenn sie ein Spiel spielten, würde Peter am Ende sicherlich nur darauf zurückblicken können, dass er fast jede Runde verloren hätte, während James glanzvoll als Gewinner dastehen würde.
Dennoch nickte Peter eifrig und versprach, das Thema am nächsten Morgen beim Frühstück anzusprechen.
Über Nacht vergaß Peter es nicht und hielt sein Versprechen. Kaum, dass sie gemeinsam am Tisch saßen und James und Sirius die ersten Schokoladen und Briefchen entgegennehmen konnten, fragte er, ob sie heute Abend nicht alle zusammen etwas machen wollten, um dem Trubel zu entgehen.
James nahm das geschickt auf, lobte die gute Frage und behauptete, er wolle sich etwas überlegen, aber Raum und Zeit konnte er schon ungefähr nennen. Es würde sie alle ablenken und hoffentlich ihre Bindung zueinander stärken. Schließlich waren sie Freunde und hatten leider zwischen dem Lernen nicht immer genug Zeit füreinander, die könnten sie sich einfach mal nehmen!
Peter war zwar ein wenig verwirrt, dass James es nun so drehte, als sei der Denkanstoß von Peter gekommen, aber er versuchte schon lange nicht mehr, dessen geschickte Schachzüge nachzuvollziehen und ließ sich mit von dessen Rhetorik so blenden, dass er fast selbst am Ende glaubte, er habe mal einen guten Gedanken geäußert.
Eigentlich hatte Sirius durch die ganzen Ereignisse den Valentinstag erfolgreich ausblenden können. Doch am nächsten Morgen schlug dieser erbarmungslos zu, als es die ersten Päckchen regnete. Mist, da war ja was gewesen. Immer wieder glitt sein Blick zu Remus. Dieses Jahr war es besonders deprimierend. Bisher hatte es ihn nie gestört, Geschenke zu bekommen und eben keines von Remus zu erhalten. Immerhin hatte dieser bislang nichts von seinen Gefühlen gewusst. Dieses Jahr war das anders. Remus wusste davon und konnte ihm noch immer keine Antwort geben. Böse war er ihm bestimmt nicht, aber er war erleichtert als Peter diesen Vorschlag machte. Zwar verzog er bei der Erwähnung Lilys etwas das Gesicht. Obwohl man sie als das bezeichnen konnte, was man einen Gaststar unter ihnen nannte. Wenn sie es nicht unbedingt übertrieben und es auf Snape abgesehen hatten, zog sie nicht selten mit ihnen mit. Ausgenommen waren natürlich ihre nächtlichen Arbeiten an der Karte des Rumtreibers und die Vollmondnächte.
Dankbar für die Ablenkung plante er schon reichlich mit.
"Wie wär's, wenn wir etwas Feuerwiskey besorgen? Ne halbe Flasche müsste ja für uns alle reichen", zwar spürte er den missbilligenden Blick seiner nicht mehr allzu heimlichen Liebe, aber den erwiderte er diesmal mühelos.
"Nun komm schon, Rem. Ich weiß ja, dass du nichts davon hältst, solche Regeln zu verletzen aber wir sind doch in ein paar Monaten eh alle volljährig. Und wenn wir uns zu fünft ne halbe Flasche teilen, wird schon niemandem was passieren", versuchte er diesen zustimmen zu lassen.
Nein, ein sinnloses Besäufnis stand hier leider nicht zur Auswahl, aber ein wenig an heitern würde man sich ja noch dürfen. Und wer wusste schon, ob ein bisschen Feuerwasser ihm nicht den Mut gab, der ihm fehlte, um Remus alles über seine Gefühle erzählen zu können.
Als hätten sie sich abgesprochen, stieß Lily zu den Jungs. Sie hatte heute gewiss keine Lust, mit ihren Freundinnen abzuhängen. Auf diesen Tag, an dem alle Mädchen irgendeinem Kerl nachliefen, konnte sie verzichten. Scheinbar ahnungslos fragte sie, was sie denn nun schon wieder vor hatten und James berichtete ihr von Peters Idee, heute Abend etwas zu unternehmen.
Erfreut schlug sie vor, sich ein Spiel für die Jungs auszudenken, dass sie bestimmt noch nicht kannten. Immerhin bekam sie hier in Hogwarts zwar allerlei über Zauberei beigebracht, aber anders herum konnte sie nichts aus der Muggelwelt vorweisen. Sie versprach, Peters Idee zu würdigen und sich ein Muggelspiel auszudenken, dass man problemlos auch mit Zauberei aufpeppen konnte.
In ihrer Hand hielt auch sie eine kleine Schachtel, jedoch gewiss nicht mit Herzchen verziert, sondern eher neutral. Als Severus dann die große Halle betrat, sprang sie freudig auf, winkte ihm zu und als dieser erfolglos versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, dass er sie längst gesehen hatte, rief sie seinen Spitznamen quer durch die Halle, um auf ihn zuzueilen und das Päckchen zu überreichen.
Freitage waren toll. Sie bedeuteten immer ein langes Wochenende, da der Nachmittagsunterricht ausfiel. Bis zum Abend hatten sie also allerlei Zeit, sich eine Liste zusammen zu stellen mit Dingen, die sie beschaffen mussten, um einen schönen Abend zu haben. Mithilfe des Tarnumhangs und der Karte fiel es den Jungs recht leicht.
Während Lily Slughorn einen Besuch abstattete, um ihm angeblich ein Geschenk zu überreichen. Ein mit Wasser gefülltes Glas. Als sie jedoch ein Lilienblatt hineinfallen ließ, verwandelte es sich in einen Fisch, der munter zu schwimmen begann. Der Tränkelehrer schien zu Tränen gerührt und während er davon redete, dass noch nie ein Schüler so etwas wunderbares für ihn gemacht hatte, entwendete sie eine kleine Phiole mit Veritaserum, dass sie nachher in die Getränke geben konnte. Den restlichen Tag verbrachte sie dann damit, eine leere Glasflasche so zu verzaubern, wie sie sich das ganze vorstellte.
Kurz vor der verabredeten Zeit eilte sie dann zu Severus und zog diesen mit sich, damit sie zu dem Raum gehen konnten, in dem die Gryffindors schon auf sie beide warteten. Oder zumindest einer von ihnen.
Remus wusste auch nicht genau, wie er es an diesem Tag, unbemerkt von seinen Freunden, geschafft hatte doch noch etwas wie ein Valentinsgeschenk für Sirius zu besorgen. Er war seinen Pflichten als Vertrauensschüler nachgekommen und es hatte sich irgendwie eine Möglichkeit ergeben, eine kleine Schachtel mit Glückspralinés zu bekommen, die nicht so schrecklich kitschig wie der meiste Schokokram am Valentinstag war und dazu schrieb er in ordentlichen Lettern einen Brief für Sirius, in dem er versuchte, seine Gefühle in Worte zu fassen:
[i]"Lieber Sirius,
Du warst mir immer ein sehr guter Freund und ich hab dich auch als einen gesehen, aber inzwischen weiß ich, dass du mehr als das für mich warst, auch wenn ich blind war und du mir erst die Augen öffnen musstest.
Ich bin noch ganz verwirrt über meine neue Sicht, aber was ich nun sehe, das gefällt mir durchaus. Vielleicht ist es Liebe, was ich für dich fühle, aber dieses Gefühl kann sich sicher noch nicht mit dem messen, was du über all die Jahre für mich empfunden hast und immer noch empfindest.
Ich weiß nicht viel über die Liebe, muss ich gestehen, aber ich möchte lernen und mich nicht für immer absichtlich auf vergebliches Schwärmen beschränken. Denn eine Schwärmerei war es, keine Liebe. (Remus wagte an der Stelle nicht, Severus Namen zu schreiben.)
Gerade in dieser unsicheren Zeit merke ich, dass ich jemanden brauche, obwohl ich früher immer dachte, für jemanden wie mich sei es besser, niemanden zu nah an mich heranzulassen. Ihr habt euch bemüht, mich eines Besseren zu belehren, aber letztendlich warst du es mit deinen Worten, der es wirklich geschafft hat! Und das bedeutet mir viel.
Bitte nimm meine Gefühle an, denn von allein können sie sicher nicht wachsen und zu echter Liebe werden, wie du sie für mich empfindest.
Dein Remus"[/i]
Der junge Werwolf las die Zeilen lieber nicht nochmal, denn er ahnte jetzt schon, dass es ihm dann zu peinlich sein würde, beides abzugeben (nicht nur die Pralinen, sondern eben auch den Brief).
Er steckte beides weg und half den Anderen dann bei den Besorgungen, so gut er konnte und darüber vergaß er seine steigende Nervosität noch etwas.
Schließlich öffneten sie den Raum der Wünsche, in dem sie dann gar nicht mehr allzu viel dekorieren oder umstellen mussten. James wartete im Flur, da er meinte, Lily wüsste ja nicht so recht, wie man diesen Raum öffnen könnte. Aber in Wirklichkeit wartete er auf Severus und wollte nicht, dass die anderen diesen zu schnell bemerken und abschrecken könnten.
Stirnrunzelnd ließ Severus sich von Lily führen und als diese dann genau vor James Halt machte, fühlte er sich ganz und gar nicht wohl.
Was sollte das denn?
Fragend blickte er mit schwarzen Augen in grüne, doch die junge Hexe ließ ihn stehen, rauschte an den Jungen vorbei und betrat den Raum, um alle zu begrüßen und sich umzuschauen. Sie zog die Glasflasche aus ihrer Tasche und reichte sie Remus, während sie die Regeln des ursprünglichen Muggelspiels und ihrer Version für Zauberer erklärte.
Sie berichtete, dass man bei einer Fragestellung ehrlich antworten musste, da - wenn auch niemand sonst - die Flasche selbst die Lüge erkennen würde und es eine magische Strafe gäbe. Aufgaben mussten ebenso erfüllt werden, doch die Strafen würden von dem Aufgabensteller vergeben werden. Interessiert bestaunten die drei Jungs die unscheinbare Flasche und Lily kippte unbemerkt den Inhalt der kleinen Phiole in die nächstbeste Flasche und verschloss diese wieder.
Als Fragen aufkamen, wandte sie sich den Anderen wieder zu und erklärte alles hilfsbereit.
Unschlüssig sah Severus in die braunen Augen und schien ernsthaft zu überlegen, ob er nicht abhauen sollte. Doch eigentlich hatte er sich ja schon gestern den ganzen Tag nach James gesehnt. Was so ein Tag ausmachte, war schon unglaublich.
"Was soll das hier eigentlich werden? Herzblatt?", fragte er. Wusste aber noch im selben Moment, dass Potter das nicht verstehen würde. Nein, ein Zauberer kannte diese Fernsehshows nicht, die seine Mutter sich immer ansah... angesehen hatte.
James runzelte die Stirn, versuchte jedoch, Severus warm anzulächeln.
"Herzblatt? Ich weiß zwar nicht genau, was du damit meinst, aber von mir aus kannst du mein Herzblatt sein! Und nun komm rein, wir wollen alle zusammen was spielen und ich wollte auch nochmal kurz die Spielregeln hören, die Lily den anderen gerade erklärt!", sagte er.
Während er Severus in den Raum hineinzog, drückte er ihm unauffällig eine kleine Schachtel in die Hand.
"Zum Valentinstag", erklärte er leise. Er wusste ja, dass Severus sich sehr für Zaubertränke aller Art interessierte und er hatte geringe Mengen seltener Zutaten beschaffen können, mit denen sich Severus eine geringe Menge an Felicitas mischen könnte. Vielleicht kaum mehr als einen Tropfen und dafür müsste man sehr genau arbeiten. James traute Severus zu, zu verstehen, wofür diese Zutaten da sein mochten und was James ihm damit wünschte. Glück. Und glücklich zu sein.
Eine direktere Botschaft konnte James Severus nicht zukommen lassen.
Die Tür schloss sich hinter ihnen und sie hörten noch Lilys Erklärungen und James setzte sich so, dass Severus zwischen ihm und Lily saß und dass dieser Sirius auch nicht direkt gegenüber sitzen musste.
Remus saß neben Sirius. Sie schienen nun langsam das Spiel zu begreifen und bereit zu sein, da mitzumachen.
"Aber erst stoßen wir auf diesen gemeinsamen Abend an!", sagte James und Lily durfte die Gläser füllen.
Dass sie und James die Einzigen waren die wussten, worauf sie hier anstießen, machte nichts. Solange sie ebenfalls tranken, hatten sie den Anderen gegenüber keinen Vorteil. Vor allem brachte es ihr allerdings auch keinen Nachteil. Schließlich war sie wohl diejenige, die am wenigsten zu verbergen hatte.
Sie füllte ihre Becher, hob sie zum Gruß und trank das Butterbier in einem Zug aus. Sie mussten schließlich nicht direkt zu Anfang zu den harten Sachen greifen. Es würde reichen, wenn sie es taten, wenn die Wahrheiten Stück für Stück herauskamen.
Als James diese seltsamen Worte von sich gab kam es ihm so vor, als wäre er wirklich in einem Film gefangen. Solche Worte aus dem Mund des Gryffindors? Als dieser seine Hand ergriff, um ihn ins Rauminnere zu ziehen, drückte er dessen Hand leicht, in der Hoffnung, dass der Andere es nicht bemerkte und als dieser ihm ein kleines Päckchen zusteckte, traute er sich noch nicht einmal, es zu öffnen. Nicht hier. Nicht jetzt. Das hatte Zeit. Er würde James früh genug vermissen und dann könnte er sich mit dem ersten und einzigen Geschenk, das James Potter ihm je gemacht hatte und auch machen würde, selbst trösten.
Das Geschenk von Lily hatte er auch noch ungeöffnet in seiner Schultasche liegen. Obwohl er den Inhalt noch nicht kannte, hütete er es wie einen kleinen Schatz.
Als sie dann saßen - wie zum Henker sollte er Spaß haben, wenn Black hier saß? - langten seine eigenen Finger in die Tasche von James' Umhang und ließen dort ebenfalls etwas zurück. Einen bereits fertig gebrauten Felix Felicitas.
Slughorn hatte ihm die kleine Phiole mit kaum mehr als drei Tropfen gegeben. Als Belohnung für den absolut besten Trank, den er einem Schüler je zugetraut hatte und als Aufmunterung wegen des Vorfalls in seiner Familie. Was er damit hatte machen sollen, wusste er nicht. Es musste wohl wirklich sowas wie Schicksal sein, wenn sie den gleichen Gedanken hatten, was das Geschenk für den jeweils Anderen betraf.
Dann konzentrierte er sich auf das Spiel. Anhand der Flasche konnte er sich denken, was hier abgehen sollte und er verzog das Gesicht. Wie immer die Strafen aussehen mochten, er würde wohl eine Menge davon abbekommen.
Lily reichte ihm einen Becher und er trank, wenn auch nicht so viel und hektisch wie die einzige Frau unter ihnen.
Diese griff sogleich zur Flasche und drehte sie. Der Flaschenkopf blieb bei Remus hängen und sie überlegte eifrig. Es gab so viele Fragen, die sie hatte, doch so früh im Spiel schon ernste Fragen zu stellen, war nicht fair. Dann würden gleich alle die Flucht ergreifen.
Zuerst stellte sie aber die entscheidendere Frage.
"Wahrheit oder Pflicht?", Remus Entscheidung fiel auf Wahrheit. Die junge Hexe nickte.
"Hast du jemals gelogen?", fragte sie. Ein so verbissener Mensch wie Remus hatte bestimmt, wie jeder, seine dunklen Seiten. Doch auch die schattigen brachten Licht in das Dunkel. Eine kleine Lüge gegenüber den Eltern, ein gestohlenes Bonbon dort.
Remus blickte sie leicht ängstlich an, war doch die Lüge, die er lebte nicht gerade klein. Jedoch lockerte der Trank Geist und Zunge und so sprach er die Wahrheit. Es war nur ein kleines Wort.
Das Butterbier schmeckte köstlich und Remus war schon gespannt auf das Spiel. Denn er glaubte nicht daran, dass irgendwer hier allzu fiese Fragen stellen würde oder bei Pflicht richtig blöde Aufgaben stellen würde, die der andere ausführen müsste. Dennoch wäre es ihm lieber gewesen, wenn die Flasche nicht so direkt auf ihn gezeigt hätte! Er hätte lieber erst mal bei den anderen gesehen, wie das so ablief. Aber nun war er an der Reihe.
Eigentlich war es gehopst wie gesprungen, ob er Wahrheit oder Pflicht wählte, fand er und er wählte die Wahrheit, weil dieses Wort zufällig das erste war, das den Namen des Spieles ausmachte. Danach konnte er ja mal Pflicht nehmen.
Die Frage fand er trotzdem peinlich, zu beantworten. Obwohl sicher jeder schon mal gelogen hatte, wollte er natürlich nicht als Lügner dastehen! Obwohl seine Lüge hier sicher die größte von allen war.
"J-ja." Jetzt war es offen raus, auch für Lily, er hatte schon mal gelogen. Er sah etwas unsicher und entschuldigend in die Runde, bevor er dann nach der Flasche griff, um diese zu drehen. Sie zeigte auf Severus. Und dieser wählte nun erst mal die Pflicht.
Unsicher, was er für eine Aufgabe stellen sollte, schaute Remus hilfesuchend zu Lily. Aber sie überließ es ihm, sich etwas auszudenken.
"Zaubere uns doch..." Er suchte fieberhaft nach etwas nettem. "etwas lustiges. Zaubere uns einen Schwarm Vögel herbei!" Er kam sich schrecklich unkreativ vor.
Die Antwort, die Remus so zögernd gab, ließ sie liebevoll lächeln.
"Remus. Für sowas muss man sich nicht schämen. Immerhin lügt jeder mal. Ich glaube, es gibt keinen Mensch und noch weniger ein Kind, das in seinem ganzen Leben noch nie gelogen hat", beruhigte sie den Älteren. Dass sie James versprochen hatte, keine genauen Fragen zu dieser Nacht zu stellen, in der Severus verletzt worden war, wusste dieser natürlich nicht und eigentlich war ihr das auch klar.
Die Flasche zeigte auf Severus und wie zu erwarten gewesen war, fragte dieser nach einer Aufgabe, die Remus ihm unsicher stellte.
Sie verstand, wieso Sirius so in den Werwolf verliebt war. Die Aufgabe war so niedlich, dass sie nicht zu Severus passte. Zurückhaltung war hier fehl am Platz und so fing sie direkt an zu lachen.
Abgesehen davon, dass es nicht zu Severus passte, war es auch noch so einfach für einen Zauberer, etwas zu zaubern, als würde man von seinem Gegenüber verlangen, sich die Socken auszuziehen.
Severus verzog ärgerlich das Gesicht und die zuvor noch angenehmen Nachbeben der Fledermäuse in seinem Bauch, weil James ihm so nahe saß, waren verschwunden.
"Wenn du mir einen dritten Arm wachsen lässt, gerne, Lupin", zischte er.
Lilys Lachen beruhigte sich etwas, wenn auch nicht schlagartig. Sie legte Severus die Hand auf die Schulter.
"Beruhige dich, Sev. Remus hat sicher einfach nur vergessen, dass du noch immer nicht zaubern kannst", versuchte sie ihn noch immer leise lachend wieder milde zu stimmen. Wenn sie den Slytherin schon jetzt so sehr auf die Palme brachten, würde dieser noch schneller gehen, als jemand "Albus Dumbledore" sagen konnte.
Für Severus fielen Zaubertricks und großartige körperliche Kunststücke definitiv weg. Doch selbst sie musste kurz überlegen, was man ihm dann für Aufgaben geben konnte, ohne, dass dieser gleich explodierte.
Als ihr etwas einfiel beugte sie sich zu dem Brünetten und flüsterte diesem ins Ohr.
"Lass ihn ein Kinderlied vorsingen", schlug sie leise vor und grinste dabei vergnügt.
Etwas peinlich berührt stellte dieser die Aufgabe, schien aber direkt damit zu rechnen, doch noch verhext zu werden. Severus Snape der Kinderlider sang, war schon etwas derart groteskes...
Severus hob zwar eine Augenbraue in typischer Manier und blickte zu Lily neben sich, doch letztlich verschränkte er die Arme vor der Brust und begann - wenn auch ohne Elan und ohne melodischen Klang - den Text eines Kinderliedes runter zu rattern.
Sirius lachte sich tot, obwohl er sich vielleicht eigentlich fragen sollte, warum er das Lied nicht kannte.
Nachdem er fertig war, drehte Severus die Flasche und sie zeigte - oh Wunder - auf Black.
Da diesem nicht wohl dabei war, wenn Snape ihn machen lassen konnte, was er wollte, wählte er Wahrheit. Was konnte Snape schon wissen wollen, was er verwenden konnte. Er hatte ja live mitbekommen, wie unbeliebt er sogar in seinem Haus war.
"Hast du eigentlich einen Bruderkomplex?", fragte Severus in einem Ton, der vermuten ließ, dass die Antwort längst bekannt war.
Eigentlich hatte Sirius lieber lügen wollen, doch das Veritaserum lockerte seine Zunge und er gab das gleiche kleine Wörtchen von sich, wie Remus schon zuvor. Auch wenn er sein "Ja" dem Slytherin regelrecht entgegen spuckte.
Oh, Remus hatte gar nicht daran gedacht, dass Severus gerade nicht einmal einfache Zauber hinbekam! Er hatte lediglich irgendetwas nehmen wollen, was, naja, nett und einfach für einen Zauberer war. Doch kaum hatte Severus darauf reagiert, tat es dem Werwolf schon schrecklich leid, schließlich fühlte er sich noch immer als Ursache für Severus Zustand und er entschuldigte sich hastig mehrmals bei dem anderen Zauberer und suchte fieberhaft nach einer anderen, besseren Aufgabe. Eigentlich wollte er gar nichts Fieses oder Peinliches nehmen! Aber da ihm nichts anderes einfiel, nahm er Lilys Vorschlag an, auch wenn er Severus dabei noch immer sehr entschuldigend ansah und den Blick senkte, als dieser genervt das Kinderlied vortrug.
Remus kannte das Lied nicht, aber das war ja nicht schlimm und Gedanken darüber machte er sich auch nicht.
Als dann der nächste in der Runde dran war, hob er den Kopf und sah Sirius an und hoffte inständig, dass es nicht doch noch zu Streit kommen würde! Sirius Antwort auf die Frage überraschte ihn. Einen Bruderkomplex? Also soweit hätte er nie gedacht! James schien das zu amüsieren.
Das nächste Mal zeigte der Flaschenkopf auf Lily und da sie Pflicht nahm und Sirius sich von ihrer ach so guten Freundschaft überzeugen wollte, ließ er sie ihren besten Freund umarmen. Was sie sofort tat. Nicht, dass sie das nicht auch in alles Öffentlichkeit tat. Allerdings bestimmt nicht so eng. Und weil Severus gerade so bequem war, ließ sie ihren Kopf gegen seine Schulter gelehnt. Sirius kommentierte dies lediglich damit, sich den Finger in den Hals zu schieben und zu würgen. Doch die junge Frau drehte unbeirrt weiter. Als der Kopf aber nur auf zwei Personen neben sich hielt, löste sie sich von Severus und blickte James lange an.
Dem derzeitigen Rhythmus schloss er sich an und da sie gerade Pflicht hatte, nahm er Wahrheit, wohl in dem Glauben, dass es nichts gab, was wirklich heikel werden könnte.
So einfühlsam sie bei Remus begonnen hatte, so heftig schlug sie im Falle von James zu.
"Was empfindest du für Severus?", fragte sie ruhig.
