Kapitel 10

Draco nahm Hermines Hand und sie machten sich auf, das Haus zu verlassen. Sie gingen wieder aus der Vordertür und dort den Weg entlang, in Richtung unbekannt. Keiner von beiden wusste, wohin sie gingen, so wohl, was den Weg betraf, als auch bezüglich ihrer Beziehung. Hermine schaute ihn an, dann auf ihre Hände und wieder zurück auf die Straße. „Erzähl mir etwas, was ich noch nicht über dich weiß, Malfoy", verlangte sie.

„Ich schlafe nackt", bot er an.

Sie lachte für etwa 15 Sekunden. „Oh mein Gott", presste sie dazwischen hervor.

„Was ist so lustig?", lächelte er.

„Ich stelle mir das nur gerade vor", sagte sie.

„Wenn das wahr wäre, würdest du nicht lachen", erwiderte er stolz.

Diesmal lachte sie etwa zehn Sekunden. „Was sollte ich sonst tun?", fragte sie dann. „Vor Angst und Schreck davon rennen?"

„Ist gut, du hast jetzt genug auf meine Kosten gelacht", sagte er. „Erzähl mir etwas von dir, dass ich noch nicht weiß."

„Mal sehen", dachte sie für einen Moment nach. „Ich lese gerne."

„Was du nicht sagst", entgegnete er verärgert.

„Nein, das ist nicht meine Antwort", grinste sie. „Ich spiele Klavier."

„Wirklich?", fragte er überrascht. „Bist du gut?"

„Ich weiß nicht, ich denke schon", erwiderte sie bescheiden. „Ich habe zwischen meinem vierten und zehnten Lebensjahr Unterricht gehabt. Natürlich muss man bedenken, dass ich in diesen Jahren auch Tanzstunden gehabt habe und du hast mich vorhin auf der Tanzfläche gesehen."

Sie hielten an einer kleinen Brücke an, um sich auszuruhen. Sie setzten sich auf ein Steingeländer, das einen hölzernen Torbogen hielt. Es war gerade groß genug an, damit sie sich darauf setzen konnten.

„So schlecht warst du gar nicht", sagte er dann, während er noch immer ihre Hand hielt. Er drückte sie leicht und ließ wieder los. Dann stand er auf. Er war voller Energie. Er wollte sie sich so gerne schnappen, sie auf den Boden werfen und sie dann küssen, bis sie ohnmächtig wurde. „Ich bin dran. Etwas anderes, was du noch nicht von mir weißt ist, dass ich auch Klavier spiele."

„Wirklich?"

„Glaubst du mir nicht?", fragte er.

„Haben wir vorhin im Schlafzimmer nicht festgestellt, dass du ein gewiefter Lügner bist?", entgegnete sie.

„Gewiefter? Erfindest du jetzt neue Wörter? Und nein, ich lüge nicht. Ich spiele Klavier", antwortete er.

„Du bist wahrscheinlich viel besser als ich und ich weiß, dass ‚gewieft' ein Wort ist", fügte sie hinzu.

„Sag mir, wie das Wörterbuch das definiert", forderte er sie heraus, während er auf sie hinunter schaute.

„Es bedeutet gerissen und verschlagen, tückisch", antwortete sie.

„Das denkst du dir aus", sagte er.

„Du bist albern", entgegnete sie. „Du weißt, dass das ein Wort ist."

„Ich bin albern?", lachte er. „Ich glaube nicht, dass mich jemand ‚albern' genannt hat, seit ich fünf war. Erzähl mir noch etwas anderes von dir, Granger. Wie zum Beispiel, erfindest du gerne Wörter?"

Sie stand auf. „Ich bin mir sicher, dass es im Fuchsbau ein Wörterbuch gibt. Wir können hingehen und nach der Definition suchen."

Er lehnte sich zurück an das Steingeländer, das sie gerade verlassen hatte. „Nein, ich glaube dir, ich glaube dir. Erzähl mir von deinen verborgenen Talenten. Bis jetzt weiß ich, dass du gerne liest, dass du Klavier spielst und Wörter erfindest."

Sie funkelte ihn mit einem schmalen Lächeln an. „Ich mache sehr gute Eierkuchen", sagte sie dann.

„Wirklich?", fragte er, stand auf und ging auf sie zu. „Das esse ich normalerweise als Morgen-Danach-Frühstück."

„Als Morgen-Danach-Frühstück?", fragte sie verwirrt. „Was hat das zu bedeuten?"

„Schlag es im Wörterbuch nach, Granger", sagte er spielerisch.

Sie brauchte nur einen Moment, um es nachzuvollziehen zu können, dann sagte sie: „OH."

Beschämt schaute sie zu Boden. „Was ist dein Morgen-Danach-Frühstück?", fragte er. „Oh, stimmt ja; du hattest ja erst fünfmal Sex, also wirst du wahrscheinlich noch keine Rituale wie das Morgen-Danach-Frühstück haben."

Sie schaute ihn mit einem Ausdruck an, den er nicht richtig einordnen konnte. „Ich habe gesagt, dass ich nur mit fünf Männern geschlafen habe, nicht, dass ich nur fünfmal Sex hatte und jetzt bedaure ich wirklich, dass ich dir das erzählt habe, wenn du das nur benutzt, um dich über mich lustig zu machen." Sie ging von der Brücke und begann zurück zum Fuchsbau zu gehen.

Er runzelte die Stirn und rannte ihr dann nach. „Hör mal, es tut mir leid. Ich weiß, dass gewieft ein Wort ist."

„Ist alles für dich ein Witz", fuhr sie herum.

„Nein", sagte er irritiert. „Und vergib mir, dass ich versuchen wollte die Stimmung zu heben." Jetzt lief er von ihr weg.

Sie stand da und sah dabei zu, wie er den Weg davonging. Wenn seine Dating-Theorie von vorhin korrekt war, wäre das hier ihr sechstes Date. Hatten die Menschen normalerweise beim sechsten Date ihren ersten Streit? Hermine glaubte das nicht. Sie seufzte in der Befürchtung, jetzt alles ruiniert zu haben, weil sie keinen Spaß verstehen konnte. Sie hielt an einer zerbrochenen, umgedrehten Schubkarre an und fuhr mit ihrer Hand über das rostige Metall. Ihr Kleid war von vorhin wahrscheinlich schon ruiniert und so setzte sie sich, ohne darüber nachzudenken darauf. Was sollte sie tun, um diese Situation wieder hinzukriegen? Vielleicht würde Draco nicht einmal mehr auf der Hochzeitsfeier sein, wenn sie zurückkehrte. Wenn das so wäre, sollte sie ihn dann anrufen? Ihn besuchen gehen? Sie lächelte bei dem Gedanken. Sie beugte sich hinunter, zog ihre Schuhe aus und rieb sich ihre schmerzenden Füße. Sie war heute mehr gelaufen, als sie gesollt hatte. Ihre Schuhe waren nicht dafür gemacht, so viel in ihnen zu gehen, oder zu rennen, oder auch zu tanzen. Sie warf sie über ihre Schulter.

„AUTSCH!"

Sie drehte sich herum. Draco hatte einen ihrer Schuhe in der Hand. Er beugte sich hinunter, um den anderen aufzuheben. „Du hast mich mit deinen Schuhen getroffen."

„Ich wusste nicht, dass du hinter mir stehst", erwiderte sie und stand auf.

„Warum hast du dann deine Schuhe geworfen, wenn du sie nicht nach mir geworfen hast?", fragte er und gab ihr die Schuhe zurück.

„Sie waren so verdammt unbequem, dass ich sie über meine Schulter geworfen habe. Wo bist du überhaupt hergekommen?", fragte sie.

„Wenn ein Mann eine Frau liebt, haben sie Sex, und manchmal erreicht einer der kleinen Schwimmer des Mannes das Ei einer Frau und es entsteht jemand wie ich und da komme ich her, Schatz", entgegnete er ernsthaft.

„Das wusste ich nicht", sagte sie ebenso ernst. „Wie auch immer, ich meinte, ich dachte, du bist zurück zur Hochzeitsfeier gegangen. Warte mal kurz, also ein Mann muss eine Frau erst lieben, damit seine Schwimmer ihr Ei erreichen?"

„Ich habe mich entschlossen zurückzukommen, als ich gesehen habe, wie du hier so gesessen hast. Da habe ich mich entschieden, mich an dich heranzuschleichen", gab er zu, ehe er hinzufügte: „Und nein, Liebe muss nicht immer dabei sein und ich fühle mich unwohl, mich darüber mit dir zu unterhalten. Du solltest diese Fragen deiner Mami stellen, Granger, nicht mir."

Sie gluckste. „Meine Mami hat mir bereits alles gesagt, was ich wissen muss. Aber genug davon. Was hättest du gemacht, wenn es dir gelungen wäre, dich an mich heranzuschleichen? Sagen wir, meine Schuhe wären an meinen Füßen geblieben und ich hätte dich nicht bemerkt. Was wäre passiert? Was hättest du gemacht?", fragte sie mit in die Hüften gestemmten Händen und zur Seite geneigten Kopf.

„Das wirst du jetzt nie erfahren", antwortete er.

„Aber ich möchte es wissen", flehte sie.

„Dann wärst du enttäuscht", sagte er und trat näher an sie heran.

„Komm schon, stell dir vor was passiert wäre", drängte sie ihn und setzte sich zurück auf die verrostete Schubkarre. „Ich werde sogar meine Schuhe wieder anziehen." Und das tat sie. Sie setzte sich mit ihrem Rücken zu ihm und sagte: „Okay, jetzt schleich dich an mich heran. Ich tue so, als wüsste ich von nichts."

Sie begann zu summen. „Du hast nicht wie eine Idiotin gesungen", sagte er.

„Jetzt schleich dich schon an mich heran", sagte sie zu ihm gerichtet. Dann drehte sie sich wieder herum und summte wieder. Er konnte kaum ein Lächeln unterdrücken

Er trat einige Schritte zurück und ging dann wieder auf sie zu. Sie sah hübsch aus, wie sie dort saß, obwohl sie ihren Rücken zu ihm gedreht hatte. Um ehrlich zu sein hatte er keine Ahnung, was er gemacht hätte, wenn er bei ihr gewesen wäre. Er dachte jetzt an einen Klaps und schloss den Abstand zwischen ihnen. Er schnappte sie sich so schnell, dass sie von ihrem Platz fiel und beide landeten am Boden, er auf seinem Rücken, sie mit dem Rücken zu ihm, auf ihm. Beide begannen zu lachen.

Er drehte sie herum, so dass sie an seiner Seite lag. „Das hattest du geplant? Mich umreißen?", fragte sie.

„Und das noch", sagte er und kam mit seinem Mund dem ihren sehr nahe. Seine Lippen hatten ihre beinahe erreicht, als er seinen Kopf zurückzog und sie ein weiteres Mal ansah. „Ich könnte mich leicht in dich verknallen", sagte er dann.

„Nettes Wortspiel, wenn man bedenkt, dass du im wahrsten Sinne des Wortes in mich geknallt bist", erwiderte sie.

„Ich bin sehr gewieft", sagte er, als er mit seinem früheren Vorhaben fortfuhr und sich zu ihr neigte, um sie leicht zu küssen. Dieses Mal war es ein offener, leidenschaftlicher Kuss. Sie hielten sich nicht zurück. Er leckte spielerisch an ihren Lippen, als er ihre Unterlippe zwischen seine Lippen nahm, daran saugte und dann spielerisch zubiss. Er öffnete ihren Mund und berührte mit seiner Zungenspitze die ihre, bevor er begann, sie intensiver zu küssen. Nach mehreren Sekunden löste er sich von ihr.

Ihre Wangen waren gerötet und ihr Haar stand wirr von ihrem Kopf ab. Er legte seine Hand auf ihre Stirn und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht. „Und das ist es, was ich gemacht hätte, wenn du mich nicht entdeckt hättest. Unglücklicherweise hast du mich mit dem Schuh angegriffen bevor ich meine heimtückische Tat ausführen konnte", sagte er.

„Ja, unglücklicherweise", stimmte sie ihm zu. Er stand auf und bot ihr seine Hand an. Als sie beide standen, sagte sie: „Irgendwie bin ich heute oft auf dem Boden gelandet."

„Und der Tag ist noch nicht einmal vorbei!", überlegte er.

„Und das, mein Lieber, ist eine gute Sache", sagte sie, ergriff die Initiative und nahm seine Hand. Sie gingen zurück in Richtung Haus, dieses Mal mitten durch das Feld, ohne an den Weg zu denken, von dem sie gerade gekommen waren.