10. Ein Vater wie kein anderer


Pairing: Malcolm/Moira

Zeitrahmen: Dieser One-Shot spielt am Ende der fünften Staffel, während der Episode 5.23 „Lian Yu"

Zusätzliche Warnings: Character Death


Malcolm Merlyn begann seine Karriere als Vater als ein guter Vater. Das war nicht nur seine Einbildung, sondern wurde ihm auch immer wieder von anderen bestätigt: Von seiner Frau, seinen Freunden, seinem Sohn, dessen Freunden – auf direkte oder indirekte Art.

Malcolm war in vieler Hinsicht ein typischer Beta – immer um Harmonie bemüht, immer ausgeglichen, immer eine Stütze für andere, deswegen war es vermutlich keine besondere Überraschung, dass er ein guter Vater war. Es war zu erwarten gewesen.

Doch dann schlug das Schicksal zu, und von einem Moment auf den anderen, änderte sich alles. Ohne seine Ehefrau und Gefährtin drohte Malcolm den Verstand zu verlieren. Und rückblickend betrachtet, verlor er ihn in den folgenden Monaten vielleicht sogar wirklich.

Er verließ seinen Sohn und schloss sich der Liga der Assassinen an. Vermutlich wäre eine Psychotherapie die gesündere Variante gewesen um mit seinen Kummer umzugehen. Er nahm Rache an den Mann, den er für den Mörder seiner Frau hielt, und beschloss sich noch weiter zu rächen, an allem und jedem, das seiner Familie, seinem Rudel, den Untergang gebracht hatte – er würde Starling City retten, indem er das ausrottete, was die Stadt verdarb und immer verderben würde - Die Glades.

Es war schwer zu sagen, was seine Umwandlung in einen Alpha ausgelöst hatte: Der Schock über den Verlust seiner Gefährtin oder der Schock über die harte Ausbildung der Liga. Auf jeden Fall wurde der stabile Beta Malcolm Merlyn zu einem instabilen Alpha. Seine Umwandlung lief ohne jede medizinische Fürsorge ab, die anderen Assassinen ließen sich nicht anmerken, dass sie davon wussten, auch wenn sie natürlich davon wissen mussten, immerhin war es nicht zu überriechen.

Malcolm kehrte als Alpha nach Starling zurück, was natürliche Getuschel auslöste, aber eine gute Erklärung für sein verändertes Verhalten darstellte.

Er versuchte ja für seinen Sohn da zu sein, aber bald kam er zu dem Schluss, dass der beste Weg für den Jungen zu sorgen, darin bestand ihn vor jeder Gefahr zu schützen, ihn vor den Glades zu schützen.

Malcolm war sich bewusst, dass er nach seiner Rückkehr nie mehr den Titel „Vater des Jahres" erringen würde. Aber es hatte sich nun einmal alles geändert – er hatte sich geändert. Das bedeutete aber nicht, dass er seinen Sohn weniger lieben würde als zuvor. Er begann lediglich seine Liebe auf andere Weise auszudrücken.

Tommy verstand diese andere Weise nicht immer. Er rebellierte- für einen Beta war er ein ziemlich rebellischer Jugendlicher - und suchte an anderen Orten nach offenerer Zuneigung. Malcolm ließ ihn gewähren, weil er wusste, dass jeder Versuch Tommy auf typische Alpha-Art in seine Schranken zu weisen nur zu weiterer Rebellion führen würde.

Vermutlich ließ er den Jungen zu lange gewähren. Als er schließlich doch versuchte Tommy auf den richtigen Weg zu bringen, war es zu spät. Der Junge war kein Junge mehr, sondern ein Mann, und dieser Mann hörte nicht mehr auf seinen Vater. Was Letztlich zu seinem Tod führte.

Wenn Malcolm strenger zu ihm gewesen wäre, wenn er ihn zum Gehorsam und zur Härte erzogen hätte anstatt zur Rebellion und zur Verweichlichung, dann wäre er vielleicht immer noch am Leben. Also beschloss Malcolm alles anders zu machen, was Thea anging. Seiner Tochter würde nicht dasselbe widerfahren wie seinem Sohn. Das schwor er in sich in dem Moment, als er endlich die Wahrheit erfuhr, die Wahrheit, die Moira ihm seit Theas Geburt vorenthalten hatte, dass dieses Mädchen sein Kind war, und nicht das von Robert Queen.

Also ja, er war hart zu Thea. Er tat alles, was er konnte, um ihr klar zu machen, dass das Leben hart war und sie auf diese Härte vorzubereiten. Und er schreckte auch nicht davor zurück sie für seine Zwecke zu missbrauchen, auf schreckliche Art und Weise, aber auf eine Art und Weise, von der sie niemals erfahren sollte.

Sie fand es schließlich doch heraus und wandte sich von ihm ab, da sie nicht wusste, dass er einen Plan gehabt hatte. Ein Plan, der niemals vorgesehen hatte, Sara Lance tot zu lassen. Als Anführer der Liga der Assassinen hatte man Zugang zur Lazarus-Grube, und durch die Grube kehrte Sara schließlich ins Leben zurück – Laurel kam mit dieser Forderung später zu ihm als erwartet, aber sie kam.

War es eine gute Idee jemanden, der schon so lange tot war, Leben durch die Grube zu geben? Nein. Er selbst hätte seine eigene Kinder der Grube niemals freiwillig ausgesetzt, wenn er die Wahl gehabt hätte, da er ihre Auswirkungen kannte, Aber Sara Lance war nicht sein Kind, sie war nur eine Schachfigur in seinem Spiel, das ihm und seiner Tochter das Überleben sichern sollte.

Thea verstand nicht, was er alles für sie beide riskiert hatte, genauso wie Tommy vor ihr nicht verstanden hatte, dass Malcolm alles tat, was er tat, um sie beide zu schützen. Doch das war er inzwischen ja schon gewöhnt. Zumindest lebte Thea immer noch.

Solange das so blieb, hatte Malcolm immer noch eine Chance ihr seine Liebe zu beweisen und sie dazu zu bringen ihn zu verstehen. Denn etwas war klar, wenn scheinbar auch nicht allen: Malcolm Merlyn liebte – trotz all seiner Fehler – seine Kinder bedingungslos. Auch wenn er ihnen diese Liebe nicht immer zeigte, auch wenn er es manchmal für nötig hielt sie zu bestrafen um sie zu disziplinieren, auch wenn er so wütend auf sie war, dass er sie kaum ansehen konnte ohne ihnen an die Kehle gehen zu wollen. Selbst in diesen Momenten liebte er sie immer noch.

Das galt nicht nur für Tommy und Thea, sondern auch für Oliver und Nyssa. Nyssa, die er kannte, seit sie ihn als kleines Mädchen in der Liga seinen Namen gegeben hatte, und Oliver, sein Sohn im Geiste, wenn auch laut Moira nicht sein leiblicher Sohn.

Diese beiden waren Malcolms Feinde und seine Verbündeten, und ja, auch seine Kinder, auch wenn sie das vermutlich nicht wussten. In vielerlei Hinsicht standen diese beiden, mit denen ihn kein Blut verband, ihm näher als seine genetischen Kinder. Sie verstanden ihn auf eine Weise, auf die Tommy und Thea ihn niemals verstehen könnten, und deswegen konnte er es sich auch leisten wütend auf sie zu sein, sie mit Missachtung zu strafen, sie zu quälen ohne sich zu entschuldigen, und ihnen schließlich zu verzeihen und zu erwarten, dass sie auch ihm verzeihen würden.

Aber Oliver und Nyssa hatten ihn verraten, schlimmer als jeder andere. Sie hatten die Liga aufgelöst. Nyssa behauptete, dass sie es getan hatte, um sie beide zu befreien, und vielleicht glaubte sie das ja auch wirklich, aber Malcolm hatte die Liga fast alles bedeutet. Diese Organisation hatte sein Leben und die letzten Reste seines Verstandes gerettet, als er nicht gewusst hatte wohin, sie war seine Heimat, sein Rudel, und Oliver und Nyssa, deren Heimat und Rudel sie ebenfalls gewesen war, traten das alles mit Füßen, weil sie sich für moralisch überlegen hielten.

Das konnte Malcolm ihnen lange nicht verzeihen. Er hätte es Thea verzeihen können, weil sie weder die Liga noch ihn so kannte wie die anderen beiden, er hätte es Tommy verzeihen können, weil Tommy es nie verstanden hätte, doch diese beiden kannten ihn und die Liga, von ihnen war diese Tat ein schwerer Verrat.

Doch die Liebe zu einem Kind war etwas, das nicht so einfach auszulöschen war. Besonders nicht in einem stolzen Alpha. Er konnte Oliver zugleich hassen und lieben, genau wie Nyssa.

Als er den Speer des Schicksals in der Hand hielt, konnte er sich nicht dazu durchringen beide auszulöschen als hätte es sie niemals gegeben, als wären sie nie Teil seines Lebens gewesen. Nyssa wurde aus der Liga verbannt und dazu verurteilt ihr Leben in einem trostlosen Appartement zu fristen, ohne Familie, Freunde, oder Geliebte, damit sie das Leben, zu dem sie ihn verurteilt hatte, nachempfinden konnte ,auch wenn sie sich an diese Tat nicht mehr erinnern konnte. Und Oliver war niemals auf der Queens Gambit, wurde aber trotzdem zu Arrow, und als er starb, fühlte Malcolm ehrliche Trauer und große Wut auf Damien, der es gewagt hatte, ihn seinen Sohn zu nehmen.

Natürlich hatte Oliver sich wie immer alles selbst zuzuschreiben, aber trotzdem hätte er nicht sterben sollen. Nein, er gehörte an Malcolms Seite wie Thea und Tommy, die sich nicht daran erinnern konnten jemals gegen seine Pläne gewesen zu sein.

Malcolm hatte seine Gefährtin zurück und dafür gesorgt, dass Moira Queen ihn in diesem Leben von keinem seiner Kinder fernhalten würde, er hatte die Liga zurück, und war ihr Anführer, sein Unternehmen florierte, und er plante bereits das Schicksal weiter zu seinen Gunsten zu beeinflussen und Damien loszuwerden. Und den verrückten Eobard genauso.

Trotzdem auch in der schönen neuen Welt konnte er schon vor Olivers Tod keinen Frieden finden. Er legte sich sozusagen ein weiteres Kind zu, hauptsächlich deswegen, weil er nicht ertragen könnte, was immer Damien oder Eobard Rip Hunter antun würden, wenn sie ihn bekämen. Rip Hunter war ein Omega, auf den Malcolm stark reagierte, was viele dazu veranlasste zu spekulieren, aber Malcolm wollte nichts von Rip, er wollte ihn nur in Sicherheit wissen.

Daran war dessen hilflose und schutzbedürftige Phil Gasmer-Persönlichkeit Schuld, die er zur Schau gestellt hatte, als Malcolm ihn kennengelernt hatte, aber selbst als gebrochenes aber gehirngewaschenes Mitglied der Liga und auch als Original-Rip Hunter empfand Malcolm den Wunsch ihn zu schützen, vielleicht weil er viel von sich selbst in Rip sah - sie hatten beide Frau und Kind verloren und waren beide auf fragwürdige Art damit umgegangen.

Vielleicht dachte Malcolm einfach, dass er, wenn er Rip retten könnte, irgendwie auch sich selber retten konnte.

Doch die schöne neue Welt hielt nicht. Rips altes Team, angeführt von Sara Lance, machte alles wieder zu Nichte. Das Leben in der veränderten Welt hatte es niemals gegeben, Malcolm erhielt trotzdem schnell die Erinnerungen daran zurück, obwohl es doch eine andere Version von ihm gewesen war, die dieses Leben erschaffen und geführt hatte.

Zu wissen, dass er das verloren hatte, machte alles nur noch schlimmer. Und Sara weigerte sich ihm die Erinnerung daran zu nehmen, sondern setzte ihn einfach dort ab, wo er von Eobard und Damien für ihre Liga der Verdammnis (Copyright die Legends of Tomorrow übrigens, sie selbst hätten sich niemals so genannt, verwendeten den Namen aber trotzdem, weil sie ihn ironisch fanden) rekrutiert hatten – in seiner kleinen einsamen Wohnung. Zumindest gab sie ihm noch einen guten Rat mit auf den Weg.

Einen Rat, den er beschloss anzunehmen. Als Thea entführt wurde, stand er bereit alles zu vergeben und zu vergessen und mit Oliver daran zu arbeiten seine Tochter und Olivers Freunde und Familie zu retten. Er erklärte sich sogar bereit dafür mit Nyssa zusammenzuarbeiten, auch wenn ihm das wirklich schwer fiel. Oliver hatte er verziehen, als er in der anderen Zeitlinie gestorben war, Nyssa zu verzeihen stand noch aus.

Nicht nur Thea brauchte ihn, auch Oliver tat das. Oliver war von Adrian Chase durch die Mangel gedreht worden und dachte nun Beziehungen würden ihn verletzlich machen. Malcolm war zwar ein Soziopath, aber er wusste auch, dass Beziehungen zu anderen Menschen das Einzige war, das ihn von einem Psychopathen trennte. Dass diese ihn menschlich machten. Und er tat sein Bestes um Oliver das zu vermitteln.

Auf Lian Yu angekommen, den Ort, an dem Chase seine Entführungsopfer gebracht hatte, beschloss er schließlich, dass es nichts bringen würde weiterhin wütend auf Nyssa zu sein. Vielleicht war er es einfach leid, vielleicht glaubte er ihr wirklich, wenn sie sagte, dass sie die Liga begraben hatte um sie beide zu befreien, vielleicht gefiel es ihm auch einfach nur nicht, wie Digger Harkness Nyssa anglotzte. Sie sagte dem Lüstling zwar selbst, was ihm blühen würde, wenn er so weiter machen würde, aber trotzdem musste Malcolm den anderen Alpha anknurren. Jeder Instinkt in ihm drängte ihn dazu sein Beta-Kind vor diesem Alpha zu beschützen.

Manchmal war es wohl doch einfacher einfach zu vergeben und zu vergessen.

Auch wenn Thea das anders sah. Malcolm würde ihre Vergebung wohl nicht mehr erleben. Aber das störte ihn nicht. Sie von der Landmine zu stoßen und ihren Platz einzunehmen, war die instinktivste und einfachste Entscheidung seines Lebens. Was danach kam, war er schwierige Teil.

Er wünschte sich wirklich, er hätte einen eleganten Fluchtplan auf Lager. Aber dafür blieb keine Zeit. Digger Harkness hatte sie erwartungsgemäß verraten, also war Malcolm diesmal zumindest im Recht, wenn er ihn in den Tod mitnehmen würde.

Oliver würde seinen Sohn retten können, Thea würde überleben, und er, Malcolm, würde zu beiden beitragen. Und er würde seine Feinde mit in den Tod reißen.

Er hatte sich seinen Tod zwar immer anders ausgemalt, aber er war bereit ihn anzunehmen. Letztlich war es doch nicht so schwer, wie er erwartet hatte, den Fuß von der Landmine zu nehmen. Immerhin konnte man ihm bei allen Dingen, die man ihm vorwerfen würde, im Jenseits nicht beschuldigen, dass er seine Kinder nicht geliebt hätte, denn letztlich war er für sie gestorben. Und wie viele Väter konnten das schon von sich behaupten?


Fin.


A/N: Das war mein Abschied von Malcom und dem wunderbaren John Barrowman. „Arrow" neigt zwar dazu meine Lieblingscharaktere umzubringen, aber Malcolm nach diesem Zweiteiler umzubringen war einfach nur Verschwendung, wenn ihr mich fragt. So viel Potential für die Zukunft mit Oliver, Thea und Nyssa… Seufz.

Guten Rutsch ins Jahr 2018!

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