Juhu, :) weiter geht's! Danke an SevMine - schön, dass Du wieder im Boot bist! Ui, Wörter verdreht? Schreib mir in solchen Fällen gerne eine PM, ich bin meine eigene Beta, entsprechend kann sowas natürlich gut und gerne mal vorkommen. Aber super, von jemandem zu lesen, der die alte Version kennt.
Viel Spaß mit Kapitel 10!


In Kapitel 9: Hermione und Ginny starteten in die zweite Runde ihrer Streiche in Snapes Unterricht. Ihr Plan ging auf: Der Professor wagte es nicht, den Schülerinnen Strafen aufzuerlegen und vermied es vor allem, Hermione Nachsitzen zu geben, um nicht mit ihr alleine sein zu müssen.


Kapitel 10 - Expedition Kesselexplosion

In der Mittagspause kam Ginny breit grinsend zum Gryffindortisch gelaufen und setzte sich neben Hermione, gut gelaunt den neuesten Song der Schicksalsschwestern vor sich hin pfeifend.
„Ginny, warum strahlst Du so?", fragte diese gespielt misstrauisch. „Was hast Du ausgeheckt?"
Die Rothaarige erzählte von ihrem Plan, die Weihnachtsferien für einen ausgiebigen Bummel bei Weasleys Zauberhafte Zauberscherze zu nutzen und Fred und George den Laden leerzukaufen. Als sie geendet hatte, hatte sich auch auf Hermiones Gesicht ein Grinsen ausbereitet.
„Ich fange sofort an zu sparen!", sagte sie schadenfroh.
„Die beiden haben mir vor ein paar Wochen geschrieben, dass sie gerade dabei sind, neue Sachen zu entwickeln – Dinge, die wir Schüler sicherlich nützlich finden würden. Genaueres haben sie nicht verraten, aber vielleicht bauen sie das mit den Nasch- und Schwänzleckereien weiter aus. Oder stellen ein Pulver her, das Lehrer von einem fernhält!"
Hermione lachte und war, entgegen ihrer normalen Haltung, was solche Leckereien betraf, begeistert von der Idee. Die Aussicht, Snape aus der Ferne harmlose Streiche spielen zu können, war fantastisch.

„Was machen wir in den drei Wochen bis zu den Ferien noch? In Zaubertränke, meine ich?", fragte Ginny.
„Na, Streiche spielen, für die wir Fred und George nicht brauchen! Am Montag gibt es eine Kesselexplosion, außerdem habe ich an Kleinigkeiten wie Hausaufgaben verschwinden lassen gedacht. Aber jetzt steht erst mal Hogsmeade an, hast Du's schon gelesen?"
Ginny nickte. „Ja, klar. Wissen die Jungs Bescheid?", fragte sie.
Hermione zuckte mit den Schultern und sah sich um. „Die hatten gerade eine Freistunde, müssten also gleich auftauchen, dann fragen wir sie."

Tatsächlich hatte die Ältere kaum den Mund zugemacht, als Harry und Ron in die Halle geschlendert kamen. Harry kam auf sie zu, umarmte und küsste sie, was Ron grinsend ignorierte.
„Mione, Ginny, schön, euch zu sehen!" Er nahm ihnen ihre Frage vorweg: „Wie sieht's mit Hogsmeade aus? Kommt ihr mit?"
„Klar, was denkst denn Du?", grinste seine kleine Schwester, „wird sicher witzig."

~x~


„Ginny! Aufwachen!"
Hermione donnerte ihrer Freundin ein Kissen ins Gesicht und rüttelte sie unsanft an den Schultern. Sie war bereits im Bad gewesen, während Ginny nach einem schlaftrunken gemurmelten „Minuten... paar Minuten!" noch einmal eingeschlafen war. Die Mädchen, Harry und Ron hatten sich vorgenommen, den ganzen Tag im Dorf zu verbringen und wollten um zehn Uhr schon aufbrechen.

Es war ein kalter Samstagmorgen und ein Blick aus dem Fenster zeigte nichts als Weiß: Es hatte die ganze Nacht geschneit und die Reflektionen, die sich im Zimmer spiegelten, erweckten den Eindruck, als wäre der Schlafsaal voll von grell-weißen Lampen.

„Mhhh", machte Ginny verschlafen, begann jedoch sich aus dem Bett zu schälen; sie schien beharrlich darauf bedacht, die Augen nicht zu öffnen, die drückende Helligkeit nicht zu ihnen durchdringen zu lassen.

Hermione lachte leise. „Steh auf und mach Dich fertig, ja? Ich geh frühstücken und lasse Dir was mitgehen."

~x~

„Ich hab Hunger!", meldete Ron nach einem Einkaufsbummel durch etwa die Hälfte der Geschäfte Hogsmeades.
„Wir sind erst halb durch!", beschwerte sich seine Schwester lachend.
„Egal, dann machen wir die andere Hälfte später, nachdem wir was gegessen haben", stöhnte Ron gespielt erschöpft.
„Ja, wir haben ja genug Zeit, lass uns in die Drei Besen gehen", stimmte Hermione zu. „Vielleicht sehen wir ja unseren lieben Freund Remus wieder", zwinkerte sie.

Ron schnaubte zufrieden und ging ihnen voran in das Pub. Ginny trat als Letzte ein und sah sich instinktiv nach Remus Lupin um, während die Anderen einen Platz suchten. Remus schien nicht da zu sein. Aus den Augenwinkeln sah sie einen Jungen auf sich zukommen und zuckte kurz zusammen, als er vor ihr innehielt. Sie entspannte sich jedoch sofort wieder, als sie ihn als den Ravenclaw erkannte, der sie in der Zaubertränkestunde unterstützt hatte, in der sie Snapes Hosenschlitz aufgezaubert hatte.
„Hallo Ginny, ähm, sag mal, möchtest Du Dich vielleicht ein bisschen zu uns setzen?", fragte er etwas schüchtern, aber geradeheraus. „Oh, ich bin übrigens Chris."
„Oh, das würde ich wirklich gerne", sagte Ginny überrascht und suchte nach Worten; sie sah Ron in der Nähe an einem Tisch sitzen, Harry und Hermione winkten sie herüber. „Aber hör mal, ich bin mit Freunden hier... Können wir uns vielleicht ein andermal treffen?"
Chris nickte etwas enttäuscht und hielt ihr die Hand hin. Sie ergriff sie und hielt sie einen Moment länger als nötig, weil ihre Gedanken rasten; offenbar hatte er ihre Reaktion als Abfuhr gedeutet, sie musste das richtigstellen.
„Hey, war echt nett, Dich endlich offiziell kennenzulernen, Chris! Wa-was machst Du am Montagmittag in der Freistunde?" Sein Gesicht hellte sich auf. „Nach dem Mittagessen, Treffen in der Großen Halle?", fragte sie mit sanfter Stimme.
Chris nickte und drehte sich mit einem Lächeln um. Zufrieden sah Ginny ihm nach, als er sich durch die Menschenmenge auf seinen Platz zurück kämpfte.
„Oha, Ginny, was hast Du Dir denn da geangelt? Er ist schnuckelig!", neckte Harry wenige Sekunden später zwinkernd, als sie sich lächelnd auf ihrem Stuhl niederließ.
Ron grunzte.


„Ginny", flüsterte Hermione leise und zog die Freundin in eine einsame Nische des Bücherladens, in dem das Quartett seinen Einkauf nun fortsetzte. „Stehst Du auf ihn? Auf den Jungen aus den Drei Besen?"
„Chris? Ich... ja, denke schon", antwortete die Rothaarige ehrlich und drehte nachdenklich eine Haarsträhne um ihren rechten Zeigefinger. „Aber ich kenne ihn ja kaum."
„Wirst Du etwas unternehmen, um das zu ändern?"
Die Jüngere nickte. „Klar, vielleicht wird ja was draus. Irgendwie könnte ich mir das mit ihm vorstellen." Mit einem Seufzen ließ sie Hermione stehen und verschwand um die Ecke.

~x~


Am Montagmorgen war Hermione angespannt bis in die Haarspitzen. Die Inszenierung einer Kesselexplosion würde schwierig werden, schließlich durfte nicht auffallen, dass sie es mit Absicht tat.
„Du weißt, wie Du es anstellen musst und willst!", startete Ginny einen letzten verzweifelten Versuch, ihre beste Freundin zu beruhigen, während sie sie mit dem Impervius-Zauber belegte, damit die Inhalte des Kessels Hermione nicht verbrennen würden. „Das geht gut, Du wirst total unschuldig aussehen. Deine Lachtränen kannst Du perfekt als Schocktränen tarnen und Dich tausend Mal entschuldigen. Das wird schon." Weder ihre Worte noch ihr aufbauendes Lächeln überzeugten Hermione gänzlich, doch die Kombination aus beidem ließ sie die Schultern straffen und einigermaßen entschlossenen Schrittes den Weg in die Kerker antreten.

„Granger!", bellte Snape. „Da fehlt etwas!"
‚Verdammt!', dachte Hermione. Er hatte etwas bemerkt! Sie hatte sich absichtlich kein Löffelkraut geholt, da sie diese Zutat weglassen musste, um die Explosion zu ermöglichen.
Sie ließ sich nichts anmerken und wollte gerade aufstehen und zur Vorratskammer gehen, als der Professor wieder auf sie zukam – mit einem Glas Flubberwürmer in der Hand, die er vor ihr auf dem Tisch abstellte.
Ihr stockte der Atem, als sie die Augen über ihren Tisch gleiten ließ. Tatsächlich, sie hatte die Flubberwürmer vergessen. Mit einem knappen Nicken nahm sie das Glas entgegen und grinste innerlich; der unwissende Snape hatte gerade ihren Plan gerettet. Ohne die glitschigen Würmer hätte es bestenfalls einen leisen Knall gegeben, der Gryffindor sicher etliche Hauspunkte wegen Unachtsamkeit – und was auch immer Snape sonst noch erfinden würde – gekostet, jedoch keinerlei Spaßfaktor gehabt hätte.

Severus, manchmal liebe ich Dich!', dachte die Schülerin und verwünschte sich gleich darauf für diesen Gedanken. Sie hob den Kopf und sah, dass Snapes Blick auf ihr ruhte. Sie dankte Gott dafür, dass sie daran gedacht hatte, Okklumentik einzusetzen. Ohne eine Miene zu verziehen warf sie noch ein paar Zutaten in den Kessel, die für die Reaktion der Stoffe erforderlich waren. Schon bereit, in Deckung zu gehen, fügte sie schließlich etwas zu viel von dem entscheidenden Bestandteil des Tranks hinzu, und formte in Harrys und Rons Richtung mit den Lippen das Wort „Deckung!" Die Jungen, die sie über ihre Absichten in Kenntnis gesetzt hatte, nickten begeistert und hielten gespannt den Atem an.
Tatsächlich dauerte es nur eine knappe Sekunde, bis ein lauter Knall ertönte, gefolgt von einem grellen Lichtblitz, gelbgrün leuchtenden Flammen, heißen Spritzern des Kesselinhalts und einer im Innern vor Schadenfreude dahinschmelzenden Hermione.

GRANGER!"
Sie hustete und meldete sich mit einer gespielt zitternden Hand. „T-t-tut mir l-leid, Professor...", murmelte sie, wie sie hoffte, überzeugend aufrichtig. Ihre langen Locken standen in alle Richtungen von ihrem Kopf ab und sie war noch etwas außer Atem von ihrem Hechtsprung und dem dichten Rauch.
„Heute scheint nicht Ihr Tag zu sein, Miss Granger! Gehen Sie in den Krankenflügel und lassen Sie sich von Madam Pomfrey durchchecken, aber heute Abend um halb neun sind Sie wieder hier, um diesen Trank noch einmal zu brauen, und zwar richtig und konzentriert!", wies er sie kalt an, doch sie bildete sich ein, auch in seiner Stimme etwas zu hören, das nach Schadenfreude klang.
Während sie noch abwägte, ob das Nachsitzen eine gute oder eine schlechte Konsequenz war, nickte sie mit gespielt verängstigtem Gesicht, packte ihre Sachen zusammen und verließ das Klassenzimmer ohne ein Wort, um in den Krankenflügel zu eilen – etwas Anderes blieb ihr kaum übrig, und tatsächlich verlor sie zweimal fast die Balance, als sich Schwindel in ihrem Körper ausbreitete.


„Was ist denn los, meine Liebe?", wurde Hermione freundlich von der Krankenschwester begrüßt, als sie an deren Bürotür klopfte.
„Eine kleine Kesselexplosion. Professor Snape meinte, ich solle mich vorsichtshalber von Ihnen durchchecken lassen."
„Dann legen Sie sich mal hier auf das Bett."
Es blieb Hermione erspart, genaueres über das „Missgeschick" zu erzählen, doch Madam Pomfrey schien nicht ganz zufrieden mit den Ergebnissen ihrer Untersuchung und ordnete eine Nacht im Krankenflügel an. Das wäre noch viel schlimmer als die Geschichte erzählen zu müssen, fiel Hermione plötzlich ein, denn Snape hatte sie für den Abend zu sich beordert. Was würde er sagen oder tun, wenn sie einfach nicht erschiene? Würde man ihn über ihren Zustand informieren?

„Madam Pomfrey, mir geht es gut, es war nur eine Vorsichtsmaßnahme von Professor Snape, es ist wirklich nichts passiert, das weiter schlimm wäre", begann sie diplomatisch. „Ich muss für morgen außerdem noch Hausaufgaben machen, ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar, wenn Sie mich gehen ließen. Ich nehme die Verantwortung auf mich."
Die Krankenschwester lächelte. „Na gut, Miss Granger, aber das mit der Verantwortung lassen Sie mal stecken. Sie bleiben bis zum Abendessen noch hier liegen und ruhen sich aus, dann untersuche ich Sie noch einmal und Sie dürfen gehen, wenn Sie fit sind. Meinetwegen lassen Sie sich Unterlagen für Ihre Hausaufgaben vorbeibringen, aber erst heute Mittag. Was meinen Sie, ist das ein fairer Deal?"
„Danke!" Hermione nickte eifrig und musste feststellen, dass ihr von dieser Geste ein wenig schwindlig wurde. Wenn sie am Abend wieder raus wollte, durfte sie sich das jedoch nicht anmerken lassen. Sie nahm ihren Zweiwegespiegel aus der Tasche, um Ginny kurz über ihren Verbleib zu informieren, legte sich dann langsam wieder hin und schloss die Augen.

~x~


„Wie geht es ihr?"
„Gut soweit, sie schläft gerade, aber Sie können gerne zu ihr." Madam Pomfrey nickte Ginny aufmunternd zu. „Gegen halb sieben könnten Sie sie eventuell abholen, sie darf dann zum Abendessen in die Große Halle und ist entlassen, sofern sich ihr Zustand bis dahin nicht verschlechtert hat."
„Ist gut. Danke, Madam Pomfrey."
„Gin?", keuchte es schwach aus dem Kissen, als Ginny an das Krankenbett ihrer besten Freundin trat, die nun langsam die Augen öffnete.
„Mione? Bist Du unter den Lebenden?" Sie ließ der Älteren keine Zeit zum Antworten. „Dann erzähl!", forderte sie stattdessen aufgeregt und legte den Muffliato um das Bett. Sie war vor dem Mittagessen direkt schnell in den Krankenflügel geeilt, um offen und alleine mit Hermione sprechen zu können.

„Expedition Kesselexplosion geglückt, wenn man davon absieht, dass ich um halb neun wieder bei ihm stehen und nachsitzen muss." Hermione hatte sich aufgerichtet und saß senkrecht im Bett. „Oder vielleicht sollte man es lieber als weiteren Grund sehen, sich zu freuen?"
Die Rothaarige grinste und legte den Kopf schief. „Vielleicht sollte man das in der Tat! Was denkst Du drüber?", fragte sie dann ernst.
„Ich denke, ich werde mich überraschen lassen, was da kommt. Ich soll den Trank noch einmal brauen, das wird kein Problem."
„Dann geh einfach ein bisschen improvisieren", stimmte Ginny zu und hob den Muffliato auf. „Harry und Ron kommen übrigens nach dem Essen vorbei."
Hermione nickte und spürte, wie ihr wieder etwas schwindlig wurde. Das Gefühl hielt nicht so lange an wie am Morgen, dennoch legte sie sich wieder auf ihr Kissen. Ginny sah sich nach der Krankenschwester um, doch Madam Pomfrey war nicht im Raum; stattdessen erkannte sie aus dem Augenwinkel eine große, hagere Figur, die vom Gang aus mit großen Schritten auf die Tür zukam.

„Ist alles okay? Du bist blass", stellte die Jüngere besorgt fest, als sie sich wieder so umgedreht hatte, dass sie ihrer besten Freundin zugewandt und mit dem Rücken zur Tür saß. „Vorhang auf", wisperte sie und hob eine Hand, um sie sanft auf Hermiones blasse Wange zu legen. Liebevoll strich sie einige widerspenstige Locken zurück und Hermiones Gesichtsausdruck wechselte von fragend zu vollkommen panisch, als sie eine bekannte Stimme hörte.

„Ich habe gerade von Ihrem Unfall gehört, Miss Granger, ist alles in Ordn-?"
Ginnys Lippen hatten bereits gezuckt, als Professor McGonagall zu sprechen begonnen hatte, und Hermione verstand: Die Rothaarige hatte ihre Hauslehrerin kommen sehen und eine kleine Vorstellung für sie inszeniert. Nun zog sie langsam ihre Hand zurück und grinste ungeniert, da die Professorin ihr Gesicht nicht sehen konnte. Hermione bemühte sich unterdessen, ihre schockierten Gesichtszüge unter Kontrolle zu bringen und eine Möglichkeit der Schadensbegrenzung zu finden. Dass Ginnys Grinsen bei diesem Anblick immer breiter wurde, machte die Angelegenheit nicht wesentlich einfacher.

„Mir-mir geht es schon viel besser, danke, Professor", sagte sie schließlich und bemerkte selbst, wie ihre Stimme zitterte. „Ich darf wahrscheinlich heute Abend wieder raus."
„Das freut mich zu hören. Sie sind ja in guten Händen", Professor McGonagalls Augen huschten kurz zu Ginnys Hinterkopf und ihre Stimme klang heiser, „und ich werde Ihre Lehrer über Ihren Verbleib in Kenntnis setzen. Dann wohl bis morgen in Verwandlung."
Hermione nickte. „Danke, Professor", brachte sie noch zustande.

Ihre beste Freundin blieb beharrlich mit dem Rücken zu der Lehrerin sitzen, die sich nun umdrehte und die Schülerinnen wieder alleine ließ. Ein Ruck ging durch ihren Körper, als sie sich mit aller Gewalt unter Kontrolle hielt, um nicht in letzter Sekunde noch loszulachen.
„Du hast das geplant", sagte die Ältere da schon ungläubig, den Blick noch immer auf die Tür geheftet, durch die Professor McGonagall gerade verschwunden war. „Du hast das eiskalt geplant."
„Entschuldige", sagte Ginny leise lachend und ohne jegliches Anzeichen von Reue. „Das war eine Kurzschlussreaktion, ich konnte nicht widerstehen."

Hermione schüttelte den Kopf, und unter ihr Entsetzen mischte sich Belustigung. „Habe ich ein unterdrücktes Grinsen auf ihren Lippen gesehen, als sie gegangen ist?"

~x~


Pünktlich um halb sieben betrat Ginny den Krankenflügel wieder, um ihre beste Freundin abzuholen. Madam Pomfrey untersuchte sie gerade noch, ließ kurz darauf jedoch von ihr ab. Sie bemerkte die Rothaarige und nickte ihr zu. „Sie können sie mitnehmen, meine Liebe."
Ginny ging zu Hermione hinüber, um sie notfalls noch zu stützen, doch die Ältere konnte sich wieder gut auf den Beinen halten. Madam Pomfrey wandte sich den Schülerinnen noch einmal zu.
„Miss Weasley wird auf Sie aufpassen, nicht wahr? Begleiten Sie Miss Granger heute überall hin, – gehen Sie mit ihr auf die Toilette, wenn es sein muss! – würden Sie das für mich tun?"
Ginny lächelte. „Aber natürlich mache ich das."

„Ich steh unter Personenschutz, wow, ich hätte niemals erwartet, einmal so wichtig zu sein!", grinste Hermione, als sie durch die Korridore auf den Gryffindorturm zu schlurften, um vor dem Abendessen Hermiones Sachen im Schlafsaal abzulegen. Die Chance, auf diesem Weg und um diese Uhrzeit auf Snape zu treffen, stand ungefähr eins zu hundert, und sie war froh darum.

„Na, Granger, was sagt Madam Pomfrey?"
Die beiden fuhren herum und starrten in zwei schwarze Augen, die jedoch nicht annähernd so kalt waren wie sonst. Es schien ihn tatsächlich zu interessieren.
„Sie hat mich bis gerade eben festgehalten, nachdem ich lange genug darum gebettelt habe, gehen zu dürfen, um heute Abend bei Ihnen nachsitzen zu können", erwiderte Hermione, die das nette Schulmädchen in ihrem Innern gerade so hatte beherrschen können und eine nette Antwort heruntergeschluckt hatte.
Seine Augenbrauen schossen in ungeahnte Höhen und er antwortete nur knapp: „Dann bis halb neun, Miss Granger. Miss Weasley."
„Oh, Professor?", sagte Ginny, als er ihr zunickte und sich bereits zum Gehen gewandt hatte. „Madam Pomfrey hat angeordnet, dass ich Hermione heute überall hin begleiten soll, also bis halb neun dann!", frohlockte sie, nahm ihre Freundin am Arm herum und schleppte sie davon.
Als sie die nächste Ecke passiert hatten, hielt Hermione ihr triumphierend eine Hand hin, und Ginny schlug ein.

Der Abend versprach also doch noch lustig zu werden.

~x~


Entgegen ihrer Erwartungen empfing Snape die Schülerinnen ohne eine Miene zu verziehen.
„Warum so still? Müde?", fragte er jedoch forschend, als sie ohne ein Wort durch die von ihm aufgehaltene Tür traten.
„Nein, keineswegs, wir sparen uns nur unsere Kräfte", kam es prompt von Ginny.
„Gut so, dann haben Sie jetzt also alle Kraft, die Sie brauchen, um ein paar Kessel zu putzen, während Miss Granger ihren Zaubertrank noch einmal braut, diesmal unter persönlicher Anleitung."
Im Dunkel des Kerkers konnte nur Hermione, die unmittelbar neben ihr stand, Ginnys unterdrücktes Lachen sehen. Als sie sich wieder unter Kontrolle hatte, fragte sie todernst: „Worum geht's? Ein Erregungstrank?"

„Miss Weasley", Snapes Stimme war leise und drohend, „was halten Sie von einem Flubberwurm?"
„Eine ausgezeichnete Idee, Professor!", bestätigte die Rothaarige und nickte tapfer, innerlich nicht ganz so begeistert wie sie sich äußerlich gab.
Snape rauschte zum Pult, wo er die Flubberwürmer bereits für Hermiones Zaubertrank bereitgestellt hatte.

„Wenn Du ihn nicht drin behalten kannst, dann bitte wenigstens in sein Gesicht damit!", flüsterte Hermione eindringlich in Ginnys Ohr, woraufhin diese die Daumen hochhielt und das Gesicht zu einer Grimasse verzog.
„Na dann guten Appetit!", wünschte Snape, als er zu ihnen zurückkam und der Jüngeren einen Flubberwurm übergab.
Sie steckte ihn wagemutig ganz in den Mund, begann zu kauen und musste kurz darauf würgen. Hermione konnte geradezu beobachten, wie Ginny der glitschige Wurm – gefolgt von Resten des Abendessens – in Zeitlupe wieder hochkam. Sie hatte vorsorglich schon einen Schritt zurück gemacht, doch Snape schien aus dem letzten Mal nichts gelernt zu haben, denn er blieb stehen, wo er war.

Wie nicht anders zu erwarten, übergab sich Ginny erbarmungslos – und sie verfehlte ihr Ziel nicht. Gerade noch rechtzeitig riss sie den Kopf hoch, stellte sich auf die Zehenspitzen und erwischte den Meister der Zaubertränke genau im Gesicht. Hermione versuchte verzweifelt, ihr Lachen zu ersticken und damit ihr Leben zu retten, und auch Ginny hatte alle Mühe mit dieser Situation; mit dem subtilen Unterschied, dass sie tatsächlich ums Überleben, nämlich um die Luft zum Atmen kämpfte.
Snape raffte sich auf und klopfte ihr auf den Rücken. Sie schaffte es, auch noch seine Füße und Robe zu erwischen, ehe sie sich ebenfalls wieder aufrecht hinzustellen versuchte. Demnach zu urteilen, was im Halbdunkeln zu sehen war, war sie leichenblass, doch sie zwinkerte Hermione zu.

„Genug", sagte Snape. Er besah sich mit angewidertem Gesicht das Chaos auf seiner Robe und war offenbar selbst kurz davor, zu würgen. „Gehen Sie, Sie sind alle beide entlassen."
„Professor, sind Sie sicher?", fragte Hermione unschuldig; die Mädchen machten sich zum Fliehen bereit. „Ich meine, ich sollte doch den Trank noch einmal brauen, das würde ich wirklich gerne tun, damit ich optimal auf meine UTZs vorbereitet bin."
„RAUS!"
Und sie rannten.

~x~