Kapitel 10: Flucht

Ich steigerte mich von Tag zu Tag und der Alte Sack war sehr zufrieden mit mir. Er dachte wirklich, dass es mich anspornen würde, wenn ich Tenzou jeden zweiten Tag sehen würde (tat es zwar auch, aber eben anders, als er es erwartete).

Ich war jetzt so weit, dass ich mein Kekkei-Genkai kontrollieren konnte und auch keinen Eigenschaden mehr davontrug, wenn ich es anwendete. Yuri war auch eine hervorragende Lehrerin.

„Du musst dich bereit halten. In den nächsten zwei Tagen müssen wir fliehen." Sagte Yuri zu mir.

„Aber sie werden uns doch verfolgen und Konoha angreifen. Ich muss versuchen, mein Dorf mit irgendeiner Nachricht zu erreichen."

„Du hast recht, aber wie sollen wir das anstellen?"

„Vielleicht haben Tenzou oder Kakashi eine Idee."

Sie überlegte und tippte mit dem Zeigefinger an ihre Lippe. Eine Geste, die sie immer tat, wenn sie tief in Gedanken war.

Wir liefen mal wieder routinemäßig den Gang zum Gefängnis entlang und blieben erschrocken an unserem Ziel stehen Ich konnte mich nicht bewegen und Yuri ging es genauso.

„Wo zur Hölle ist er?"

„Verdammte Scheiße, Kakashi ist auch weg!" reif Yuri. Ich hatte vor lauter Schreck gar nicht bemerkt, dass sie schon an Kakashis Zelle war.

„Die wurden von diesem Bastard höchstpersönlich geholt." Sagte ein ziemlich dürrer Mann, der neben Kakashis Zelle saß.

Yuri und ich schauten uns an und mit einem Satz waren wir auch schon wieder im Gang auf dem Weg zum „Bastard".

Hoffentlich hat der keinen Wind davon bekommen. Ich wäre zwar schon stark genug, um uns aus der Organisation zu bekommen, aber um Konoha vor denen zu schützen braucht es Vorbereitung und die hatte unser Dorf ganz und gar nicht! Ich wusste ja nicht einmal, wie weit weg wirr von Tsunade waren und wie wir sie erreichen sollten!

Keuchend kamen wir an der Tür des alten Sacks an. Yuri legte den Finger auf die Lippen und bedeutete mir still zu sein. Man konnte vom Zwischenflur aus Stimmen hören.

„Ihr wisst mehr über Ran Ao, als ihr zugeben wollt. Vor allem du, Yamato oder soll ich lieber Tenzou sagen?" konnten wir den alten Sack sagen hören. Erschrocken zog ich die Luft ein und presste die Hand vor den Mund, damit ich uns durch einen Laut nicht verriet.

„Du weißt auch mehr über uns, als du vorgibst." Sagte Tenzou.

Der Alte lachte sein kaltes Lachen.

„Dein Mokuton, das du von Orochimaru erhalten hast, könnte sich für mich als ziemlich nützlich erweisen. Und das Sharingan unseres Kopierninjas ist auch nicht von schlechten Eltern."

„Wir wurden also hier nicht nur wegen Chinatsu festgehallten. Durchdachter Plan, das muss man dir lassen, Tsuyoshi." Sagte Kakashi.

Kakashi war wirklich genial. Er kannte diesen Widerling also.

„Du bist wirklich gut informiert." Meinet Tsuyoshi lachend.

„Nun zu dir, Tenzou. Ich weiß, wie du zu meiner Tochter stehst und es würde ihr das Herz brechen, wenn dir etwas zustoßen würde."

WAAAS? Hat der Typ da gerade gesagt? T-O-C-H-T-E-R? D-Das kann nicht….

Ich war kurz vorm Hyperventilieren.

Yuri versuchte mich zu beruhigen und strich mir sanft über den Rücken, aber das half nichts.

Meine Augen färbten sich hellblau und mit einer Handbewegung nietete ich die Tür um und betonierte sie mit einem lauten Knall in den Boden. Dieser widerliche Spast konnte unmöglich mit mir verwandt sein. Ich schäumte vor Wut.

„Ich dachte schon, du würdest dich gar nicht mehr hier rein trauen." Sagte der Widerling, den ich nicht als meinen Vater bezeichnen konnte.

Dann sah er zu Yuri und schüttelte den Kopf.

„Ich hätte aber nie gedacht, dass mich meine fähigste Heilerin hintergehen würde."

Er stand auf und machte einen Schritt auf Yuri zu.

Blitzschnell stand Kakashi schützend vor ihr und funkelte ihn böse an.

Der alte Sack war jetzt sichtlich amüsiert.

„Das ist ja herzerreißend." Meinte er.

„Aber so einfach entkommt man mir nicht!" rief er.

„Ihr könnt es ruhig versuchen, aber wenn ihr diesen Raum verlasst, werdet ihr nicht weit kommen."

Na holla! Der war aber selbstbewusst! Obwohl er wusste, wie stark ich mittlerweile war.

„Ich habe ihm nicht gesagt, wie stark du wirklich bist. Ich dachte ja auch nicht, dass du solche Fortschritte machen würdest, deshalb habe ich gesagt, dass du noch mindestens vier Wochen brauchen würdest, damit man dich auch erfolgreiche Missionen schicken kann." Sagte Yuri.

„Kommt! Wir müssen uns beeilen, damit ich Pakkun nach Konoha schicken kann, um Tsunade zu warnen." Sagte kakashi, womit die Frage von vorher beantwortet war.

Tenzou nahm meine Hand und drückte sie kurz.

„Bist du bereit?" fragte er mich.

Ich zwang mich zu einem Lächeln, das eher aussah wie ein Unfall und nickte.

Dann ließ er meine Hand los und wir rannten gerade nach draußen, als eine Stimme so sanft wie ein Sommerregen den Raum erfüllte.

„Warte, Chinatsu. Lass mich bitte nicht alleine zurück."

Ich wirbelte herum und neben dem grinsenden Sack stand eine wunderschöne junge Frau mit langen weinroten Haaren.

„M-mama?" fragte ich unsicher.

Die Frau nickte und schenkte mir ein wunderschönes strahlendes Lächeln. Ich bemerkte gar nicht wie unreal das Ganze war, da ich viel zu sehr auf meine Mutter fixiert war.

„Ich habe die ganze Zeit auf dich gewartet, mein Kind."

„Wenn du gehst, dann siehst du sie nie wieder." Sagte der alte Sack.

Meine Mami öffnete ihre Arme, die mich zu einer Umarmung einluden.

„Komm zu mir, meine kleine Chinatsu." Von ihr ging so viel Wärme aus, dass ich mich nicht wehren konnte. Ich musste einfach zu ihr hinrennen. Tränen liefen mir über die Wange, während ich rannte.

„Mama!" rief ich.

„Chinatsu! Das ist nicht real! Deine Mutter ist vor 19 Jahren gestorben!" rief Tenzou und rannte mir in den Weg, um mich aufzuhalten.

Er hielt mich fest und ich kam nicht gegen ihn an.

„Lass mich los! Ich will zu ihr!" schrie ich unter Tränen.

Als ich wieder zu meiner Mama schaute, war sie verschwunden.

„Wo zur Hölle ist sie!" schrie ich noch lauter, doch der Widerling grinste nur mit völliger Gelassenheit.

„Dein Freund musste mir ja einen Strich durch die Rechnung machen, sonst hättest du sie wieder gehabt."

„Verdammt, Chinatsu. Das war nicht deine Mutter. Das war nur ein einfaches Hologramm."

„Glaubst du ihm das wirklich? Du willst doch deine geliebte Mutter wiedersehen, oder nicht?"

Ich schaute Tenzou in die Augen und wusste einfach, dass er die Wahrheit sagte.

Ich drehte mich um und funkelte den alten Sack böse an.

Doch dieser grinste immer noch.

„Er hat recht, du kannst sie nie wieder sehen. Und weißt du auch, warum? Weil ich sie getötet habe, um an dich ranzukommen und in die Organisation zu schleusen. Ich habe ihr vorgelogen, sie zu lieben und als sie schwanger wurde hoffte ich, dass sie ihr Bluterbe an dich weitergeben würde." Sagte er in aller Seelenruhe.

Er wusste, dass ich mein Kekkei-Genkai jetzt selbstständig kontrollieren konnte und er wusste auch, wie ich es nicht konnte. Und zwar, wenn ich von Emotionen übermannt werde. Das war jetzt sein neuer Plan, nachdem der Trick mit meiner Mutter nicht funktioniert hatte. Er wollte mich wütend machen und ich wusste es. Aber ich konnte mich einfach nicht zurückhalten. Vor mir stand mein Vater. Ein Widerling, der mir mein ganzes Leben und das meiner Mutter versaut hat! Wie konnte ich da nur ruhig bleiben?

Ich schloss die Augen und spürte die Präsenz meines Bluterbes wie noch nie zuvor.

„Chinatsu, bitte beruhige dich. Das ist doch genau das, was er erreichen will!" rief Tenzou, doch ich hörte ihn nicht, sondern funkelte meinen Vater mit violetten Augen an.

„Das ist gut, lass deiner Wut freien Lauf. Ich stehe alleine vor dir und du kannst deinen Rachedurst an mir stillen."

Ich riss meine Arme nach oben und Tenzou wurde von mir weggeschleudert.

Ich hatte ein Gefühl der totalen Überlegenheit. So mächtig war mein Kekkei-Genkai noch nie zuvor.

Um mich herum baute sich jetzt ein riesiger Wirbelsturm aus Wasser und Luft auf.

Plötzlich erstarb das Lachen auf dem Gesicht des Widerlings. Seine Augen weiteten sich mit Schrecken.

„Chinatsu! Beruhige dich. Du willst doch nicht genauso sein wie er!" rief Yuri.

„Yuri! Geh auf die Seite!" schrie Kakashi und konnte sie gerade vor einer Windböe meines Wirbelsturms retten.

Plötzlich packte mich etwas Warmes und Kräftiges am Handgelenk. Ich löste den Blick von meinem Vater und sah in Tenzous dunkle und sorgenerfüllte Augen.

„Du hast es nicht nötig. Du hast uns und wir werden gemeinsam gegen ihn kämpfen. Mit Hass erreichst du nichts."

Mein Kekkei-Genkai schwächte sich ganz leicht ab.

„Pah! Und mich willst du laufen lassen?" schrie mein Vater durch den Wirbelsturm hindurch.

Mit einem Schlag war die ganze Wut wieder da und mein Wirbelsturm wurde doppelt so stark.

Tenzou konnte sich gerade noch dagegenstemmen.

„Chinatsu, schau mich an!" schrie jetzt auch er gegen den peitschenden Wind.

Widerwillig schaute ich ihn an und war total verdutzt, als er seine Hände um mein Gesicht legte.

Er schaute mir tief in die Augen.

„Ich liebe dich. Und nichts wird das jemals ändern."

Mit einem Mal erhielten meine Augen ihre meerblaue Farbe zurück und der Wirbelsturm verschwand. Vor lauter Erschöpfung knickten meine Beine weg, doch ich wurde von Tenzou aufgefangen und er schloss mich in seine Arme.

Ich krallte mich an seiner Jonin-Jacke fest und durchnässte sie mit meinen Tränen.

Sanft wiegte er mich hin und her, wie ein kleines Kind, was mich nach und nach beruhigte, bis ich ein letztes Schluchzen von mir gab.

„Danke, Tenzou." Sagte ich so leise, dass er sich zu mir hinunter beugen musste.

„Immer doch."

Dann schauten wir uns in die Augen und ich verlor mich in seinen.

„Und noch was." Sagte ich.

„Hm?"

„Ich liebe dich auch."

Er lächelte und ich konnte einen leichten Rotschimmer auf seinen Wangen erkennen.

„Ich will euch ja nicht stören, aber das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für einen Heiratsantrag!" rief Yuri, als hunderte von uniformierten Ninja in das Zimmer gestürmt kamen.

„Verdammte Scheiße!" rief sie.

„Wie zur Hölle hatten die denn alle hier drinnen Platz? Dieser Bunker ist echt riesiger, als ich dachte!"

Sagte ich, nachdem ich mich zusammen mit Tenzou kampfbereit neben Yuri und Kakashi stellte. Ich hatte mich erstaunlich gut erholt. Das Training hatte doch mehr gebracht, als ich dachte.

Ich hatte gar nicht bemerkt, dass von Draußen her ein rotes Licht in regelmäßigen Abständen hineinleuchtete. Es war eine Art Alarm, der die Ninja zu uns geführt hat.

„Macht euch bereit. Alles läuft jetzt wieder nach Plan. Ich habe Pakkun nach Konoha geschickt. Sie müssten in den nächsten Stunden bereit sein."

„Ihr könnt ruhig kämpfen, aber das ist zwecklos. Meine Ninjaeinheit wir euch zur Strecke bringen.

„Der alte Sack labert und labert. Ich habe ihn noch nie kämpfen sehen." Meinte Yuri und schaute finster zu ihm hinüber.

„Ich glaube, der kann es gar nicht."

„Wie recht du hast. Ich habe leider nicht das Glück, ein Bluterbe zu besitzen, deshalb ist es sinnlos zu kämpfen!"

Wie sollte ich das jetzt verstehen? Ist der irre?

„Ich besitze auch kein Kekkei-Genkai und kämpfe trotzdem." Sagte Kakashi ein wenig zu nachdenklich und gelassen, während er dem Kick eines Ninja auswich und ihn mit einer geübten Handbewegung außer Gefecht setzte.

„Und schwach ist er auch nicht gerade!" rief Yuri ein wenig entrüstet.

„Ihr werdet es ja sehen!"

Mit diesen Worten verschwand der Alte in einer Rauchwolke.

„Wo ist er hin!" schrie ich. Ich hatte noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen.

„Das ist jetzt egal. Wenn wir hier erfolgreich rauskommen, dann wirst du ihn spätestens in Konoha wiedersehen." Sagte Tenzou und betonierte einen feindlichen Ninja mit einem gezielten Fußtritt in den Boden.

Die Ninja an sich waren eigentlich kein großes Problem. Aber die Menge machte es aus. Es waren unzählige und uns ging langsam aber sicher die Puste aus.

Auf einen von uns fielen fünf bis sechs Ninja und wenn sie aus dem Hinterhalt angriffen, wurde es ziemlich ungemütlich.

„Chinatsu! Erinner dich an unser Training. Aktiviere dein Kekkei-Genkai!" rief Yuri und ich nickte.

„Ihr müsst mir nur einige Sekunden lang Rückendeckung geben."

„Das wird kein Problem sein!" riefen Tenzou und Kakashi gleichzeitig.

Ich schloss meine Augen, um mich besser konzentrieren zu können.

Langsam aber sicher konnte fühlen, wie alle fünf Elemente durch meinen Körper flossen. Sie gaben mir neue Energie.

Ich öffnete meine violetten Augen, bei deren Anblick einige Ninja erschrocken zusammenfuhren.

„Verstehe ich gar nicht. Ich beneide dich um diese Augenfarbe. Die ist echt verschärft." Sagte Yuri und ich grinste sie an. Sie hatte wirklich in fast jeder Situation einen geeigneten Spruch auf Lager.

„Die haben sich aber wieder ziemlich schnell gefasst." Sagte Kakashi, der gerade auf einen der Ninja zurannte. Diese Mistkerle wurden immer stärker.

Gerade wollte einer von ihnen uns angreifen, da wurde er von einem riesigen Holzpflock gegen die Wand geschleudert.

„Danke, Tenzou!" rief Yuri.

Dann drehte sie sich entschlossen zu mir hin.

„Ich weiß, dass du das packst. Die richtigen Ninja kommen erst noch."

Ich nickte und wünschte, ich wäre genauso entschlossen, wie ich mich gab.

Eine Gruppe Ninja kamen auf uns zugerannt und ich pfefferte sie mit einem nicht gerade sanften Windhauch zur Seite.

„Alle Neune!" rief Yuri und ich lachte los, während wir uns für die nächsten bereit machten.

So ging das eine Weile lang, bis uns Yuri endlich zum Ausgang führte.

Ich war so glücklich, die Sonne wieder auf meiner Haut zu spüren dass ich fast Tränen in den Augen hatte. Ich machte die Augen zu und genoss den kurzen Moment.

„Na das hätte ich nun wirklich nicht von dir erwartet, Akai Yuri." Sagte eine tiefe Männerstimme.

„Was willst du, Yashiro?" fragte Yuri unfreundlich und sehr gereizt. Nicht weit von uns entfernt stand ein groß gewachsener Mann in der Uniform der Organisation.

„Na was wohl? Denkst du wirklich, ich lasse dich einfach so gehen. Hochverrat ist eine Schande."

„Leute, das habe ich vorhin mit ‚draußen wartet noch was Anderes auf uns' gemeint. Ich wusste, dass er versuchen würde uns aufzuhalten."

„Na dann. Er ist selber schuld, wenn er sich uns in den Weg stellt." Meinte Kakashi und knackte mit seinen Fingerknöcheln.

Yashiro lachte laut auf und funkelte uns mit einer Selbstsicherheit an, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließ.

Na dem vergeht auch bald sein blödes Lachen! Versuchte ich mich selbst zu beruhigen.

Mit einem heftigen Windstoß griff ich ihn an, doch er wehrte ihn einfach nur mit seiner nackten Handfläche ab.

Alle außer Yuri zogen die Luft scharf ein.

„Er kennt tausende von unsichtbaren Jutsus und ist ein Meister auf diesem Gebiet."