Danke, dass es immer Leser gibt, die mir sagen, was sie von der Story halten. Ohne Euch würde das überhaupt keinen Spaß machen!
Kapitel 11
Andy
Brenda hatte sich von ihrem Schock erholt und wandte sich nun an Provenza.
„Da ich nicht an Zufälle glaube, Lieutenant, denke ich, wir sollten Lieutenant Connor eine herzliche Einladung zu einem Interview überbringen."
Provenza zog die Brauen hoch und nickte.
„Detective Sanchez, würden Sie so freundlich sein und dies übernehmen."
„Mit Vergnügen, Chief."
„Lieutenant Tao, ich möchte, dass Sie noch weitere Informationen zu dem damaligen Vorfall sammeln."
„Wird gemacht, Chief."
„Detective Gabriel und Sie, Lieutenant, Sie fahren ins County und sehen, welcher Officer sich besonders gut an letztes Jahr erinnert. Und natürlich welche Gefangenen beteiligt waren. Wenn nötig, bringen Sie jemanden mit."
Provenza nickte und erhob sich etwas widerwillig, bevor er mit Gabriel den Raum verließ.
„Buzz, können Sie bitte alles vorbereiten für das Gespräch mit Connor?"
„Klar, Chief."
Brenda seufzte und sah sich um, zufrieden damit, alle Aufgaben verteilt zu haben. Ihr Blick fiel auf Andy, der immer noch vor sich hinstarrend und mit geballten Fäusten an seinem Schreibtisch saß.
„Lieutenant?"
Als Brenda keine Antwort erhielt, ging sie zu ihm hinüber und legte ihm vorsichtig eine Hand auf die Schulter.
„Andy?"
Er sah sie an und sie konnte die Wut in seinem Gesicht deutlich erkennen.
Sie wusste, das, was sie jetzt tat, würde wahrscheinlich nach hinten losgehen. Es war keine gute Idee. Aber sie wusste auch, dass sie nicht wirklich eine Wahl hatte. Es musste sein.
„Sie befragen mit mir zusammen Lieutenant Connor, in Ordnung?"
Eine Spur von Überraschung huschte über sein Gesicht, bevor er sich wieder unter Kontrolle hatte. Doch es reichte, um zu wissen, dass er damit nicht gerechnet hatte.
„Danke, Chief."
Er nickte und stand auf.
Brenda legte ihm eine Hand auf den Arm und hielt ihn zurück.
„Aber Sie müssen mir versprechen, ihre Gefühle für Sharon - was auch immer da ist, es geht mich nichts an – da raus zu lassen. Sie müssen da drin die Kontrolle bewahren. Wir müssen erstmal beweisen, dass er mit der Sache etwas zu tun hat. Ich weiß, er ist verantwortlich dafür, dass Captain Raydor jetzt auf der Krankenstation ist, und ich verstehe, dass Sie das wütend macht. Das macht es uns alle, glauben Sie mir. Aber Sie wissen, wie gefährlich und leichtsinnig es sein kann, jemanden zu beschuldigen, bevor man seine Schuld beweisen kann. Und das gilt noch mehr, wenn es um einen Police Officer des LAPD geht. Verstanden?"
Sie sah ihn eindringlich an und hoffte, dass er dies verstanden hatte. Er wich ihrem Blick aus. Es war schwer für ihn und er rang mit sich. Aber er wusste, dass sie Recht hatte. Das Wichtigste war, dieses Verhör sauber über die Bühne zu bringen. Für Wutausbrüche war später Zeit.
Er seufzte tief und nickte dann.
„Andy."
Schließlich drehte er den Kopf zu Brenda, sah ihr in die Augen und versprach ihr, das Interview professionell zu machen.
„Gut. Ich hole mir jetzt noch einen Kaffee, bevor Sanchez zurückkommt. Möchten Sie auch einen?"
Andy wusste, das Koffein würde ihm helfen, einen kühlen Kopf zu bewahren, also folgte er seiner Vorgesetzten zum Pausenraum.
…
„Lieutenant Connor, ich bin Deputy Chief Brenda Leigh Johnson und das ist Lieutenant Andy Flynn."
Brenda und Andy setzten sich gegenüber dem Mann hin und Andy sah sich den Kerl genauer an.
Er war vermutlich Anfang fünfzig und sein schwarzes Haar war mit grauen Strähnen durchzogen. Sein Körperbau ließ mal ziemlich viele und starke Muskeln erahnen, doch seine besten Zeiten hatte er wohl hinter sich.
Als Andy schließlich bei dem Gesicht des Mannes angekommen war, stutzte er. Er hatte den Namen Alex Connor noch nie zuvor gehört, aber der Mann ihm gegenüber kam ihm bekannt vor. Trotzdem konnte er ihn nicht einordnen.
Auch Connor musterte Andy mit seinen kalten blauen Augen. Irgendetwas lag in seinem Blick, das Andy gar nicht gefiel. So etwas wie… Abscheu?
Er versuchte, die aufsteigende Wut im Keim zu ersticken, doch das war gar nicht so einfach.
Dieser Typ hatte dafür gesorgt, dass seine Sharon halb tot geprügelt wurde. So etwas war Police Officer und so etwas war mit ihm in einem Raum. Und was dem ganzen noch die Krone aufsetzte, dieser Typ schaute IHN mit ABSCHEU an.
Kurz bevor Andy sich zu sehr in die Wut hereinsteigern konnte, wurde er von Brendas Stimme aus seinen Gedanken gerissen. Aus den Augen ließ er Connor jedoch nicht.
„Lieutenant, wissen Sie, warum Sie hier sind?"
„Nein, Chief, aber ich hoffe, dass Sie mich jetzt darüber aufklären. Schließlich wird man nicht alle Tage von einem wildgewordenen Latino aus seinem Revier abgeführt. Die Rechte wurden mir auch verlesen."
Seine Stimme war mindestens genauso kalt wie sein Blick und sein Gesichtsausdruck ebenso. Doch was den beiden noch weniger gefiel, war der spöttische Unterton in seiner Stimme.
Um jedoch mit dem Interview voran zu kommen, es wurde schließlich immer später, überging Brenda die grenzwertige Bemerkung über Julio.
„Wir haben zum Einen Fragen zu Ihrem ehemaligen Partner bei Robbery/Homicide, Max Crownfield."
Als Brenda den Namen erwähnte, wurde Connors Gesichtsausdruck düster. Auch seine Stimme nahm einen dunkleren Ton an.
„Was tut das jetzt zur Sache?"
„Nun, wir haben bei der Ermittlung zu unserem aktuellen Fall in den Archiven des County ein Interessantes Überwachungsvideo gefunden. Sehen Sie mal."
Brenda öffnete den Laptop vor sich und versuchte vergeblich, das Video zu starten. Genervt half Andy ihr.
Und dann ging es von vorn los.
Crownfield, der von zwei Wärtern einen Gang entlang geführt und schließlich in eine Zelle mit etwa einem Dutzend anderen Männern gesperrt wird.
Die Insassen, die sich alle gleichzeitig auf ihn zu bewegen, während die Wärter verschwinden.
Schläge und Tritte, alle treffen den Mann gefährlich oft und hart.
Schließlich ein schwer blutender Crownfield, dem auch der Notarzt nicht mehr helfen konnte.
Andy klappte den Laptop zu und wartete gespannt auf Connors Reaktion.
