Tony richtete sich langsam auf, den Blick fest auf sein Teammitglied gerichtet. Er konnte nur hoffen, dass Barton nichts von Loki wusste und er den Bogenschützen schnell loswerden konnte.

„Normalerweise würde ich gern zwitschern, Vögelchen, aber gerade ist es ganz schlecht.", er wandte sich demonstrativ ab und tippte wahllos auf einer der Tastaturen herum.

„Lass den Mist Stark.", Clint machte einige Schritte in den Raum, bis er wenige Meter hinter Tony stehen blieb. „Du weißt, warum ich hier bin."

„Wegen der guten Verpflegung?", fragte Tony. Es sollte scherzend klingen, aber die Anspannung war deutlich herauszuhören.

Als auch nach einer ganzen Minute keine Antwort kam, drehte der Erfinder sich um. Er blickte in das emotionslose Gesicht seines Gegenübers und seufzte. Wenn Barton schon einmal hier war, um seine Wut an jemanden auszulassen, dann sollte er sich wenigstens beeilen, damit Tony sich wieder wichtigen Themen zuwenden konnte. Obwohl, vielleicht war es auch nur ein Höflichkeitsbesuch und bei Shield hatte es niemand für nötig gehalten, Clint zu informieren. Leider war Tony sich ziemlich sicher, dass letzteres zutraf.

„Na los, schlag zu.", er gestikulierte zu seinem Gesicht. „Schrei mich an, was auch immer dir hilft. Es wäre sehr freundlich, wenn du dich beeilst, ich habe noch etwas zu tun."

Clint hob eine Augenbraue, ließ aber nichts anderes durch seine Maske dringen.

„Ich nehme an, dieses Etwas hat nichts mit einem gewissen Gott zu tun, der in einer Zelle bei Shield sitzt?"

Tony fluchte innerlich. Natürlich wusste Barton, dass der Exgott gefangen genommen wurde. Wahrscheinlich war er nur nicht dabei gewesen, als Shield sein Penthouse stürmte, damit er Loki nicht gleich erschoss.

Äußerlich versuchte er, ruhig zu bleiben. „Loki? Nein, ich arbeite gerade…", der Erfinder sah auf die Bildschirme, welche um ihn projiziert wurden. Als Barton den Fahrstuhl verließ, hatte Jarvis Projekt Bambi geschlossen und durch eines von Tonys anderen Projekten ersetzt. Er überflog schnell die Skizzen und führte seinen Satz mit nur einer kurzen Verzögerung fort. „… an meiner neusten Rüstung."

Doch das Zögern des Genies war nicht unbemerkt geblieben.

„Bist du dir sicher?", fragte Barton. „Warum bist du dann nicht in der Werkstatt? Und wieso musste ich meinen Notfallcode benutzen, um überhaupt hier hochzukommen?", er verschränkte seine Arme vor der Brust.

„Tapetenwechsel?", versuchte es Tony. Doch erneut bekam er als Antwort nur eine hochgezogene Augenbraue. Dem Genie reichte es. Er hatte noch nie eine sonderlich lange Aufmerksamkeitsspanne gehabt, was Pepper bei Vorstandssitzungen regelmäßig zur Weißglut brachte. Aber was konnte Tony dafür, dass die Themen so langweilig waren, dass er während der langen Reden regelmäßig einschlief?

Er schüttelte den Kopf und konzentrierte sich wieder auf seinen ungebetenen Gast.

„Da du anscheinend nur dumme Fragen stellen willst, komme ich mal zum Punkt. Habe ich Loki hier aufgenommen und Shield nicht informiert? Jep. Hat er versucht mich oder jemand anderen zu töten, verletzten oder anderweitig Schaden zuzufügen? Nein! Versuche ich, ihn von Shield zu befreien, weil er eigentlich ein ziemlich angenehmer Mitbewohner ist? Ja! Und ehe du mich wie Fury fragst: ja, ich erinnere mich daran, was Loki getan hat. Himmel, das Denkmal zu Ehren der Opfer wurde von Stark Industries finanziert! Ich behaupte nicht, die Namen aller Opfer zu kennen, aber ich weiß, wie viele gestorben, obdachlos oder ernsthaft verletzt sind. Mir ist klar, wie viele Familien auseinandergerissen wurden und wie viele Leben nie wieder so sein werden, wie vor der Invasion! Trotzdem habe ich dem Anführer der Aliens geholfen, ihm Essen und Zugang zu meiner Technologie gegeben. Und ich bereue keine Sekunde davon! Noch Fragen?"

Während seiner Rede war Tony aufgestanden und hatte begonnen, auf und ab zu laufen. Zu Beginn versuchte er noch, ruhig und besonnen zu sprechen, konnte aber nach den ersten Worten kaum seine Hände stillhalten. Zum Ende hin gestikulierte er ausgiebig und auch seine Stimme war eindringlicher geworden.

Clint blieb ruhig an Ort und Stelle stehen und hörte zu, ohne zu reagieren. Er unterbrach Tony nicht und wartete einige Sekunden, um sicher zu gehen, dass der Erfinder nichts mehr zu ergänzen hatte.

Erst dann begann er zu sprechen. „Den Fakten nach hast du also einen gefährlichen, gesuchten Verbrecher gefunden und anstatt ihn den Behörden, in diesem Fall Shield, zu übergeben, hast du ihn wie ein verletztes Kätzchen aufgenommen und in dein Haus eingeladen."

„Penthouse.", unterbrach Tony ihn.

Clint ignorierte den Zwischenruf. „Dann hast du dem gesuchten Verbrecher Zugang zu der besten Technologie gewährt, die wir auf der Erde besitzen und…"

„Aww, du weißt, wie du mir schmeichelst!"

„… ihn bei dir wohnen lassen, mitten in der Stadt, welche der Verbrecher keine drei Wochen vorher in Schutt und Asche gelegt hat."

„Also Schutt und Asche finde ich etwas übertrieben, das meiste steht schon noch."

Ohne mit der Wimper zu zucken redete Clint weiter. „Da deine Augen immer noch braun sind …"

An dieser Stelle wollte Tony etwas darüber sagen, wie sehr er es schätzte, dass Clint seine Augenfarbe kannte, verkniff es sich aber, da er den Agenten nicht noch weiter reizen wollte.

„… und Loki nicht im Besitz des Zepters ist, kann davon ausgegangen werden, dass all deine Handlungen freiwillig ausgeführt wurden. Auch wenn dir das wahrscheinlich unklar ist, aber wegen der Beihilfe des Versteckens eines Straftäters und dem Verheimlichen von Informationen könnte Shield dich bis an dein Lebensende hinter Gitter stecken. Du bist nur noch auf freiem Fuß, weil du berühmt bist."

Nach dieser brutalen Rede sah Clint Tony in die Augen. Er konnte erkennen, dass er dem Mann zumindest die übliche Gelassenheit genommen hatte. Nach kurzem Schweigen stellte er seine letzte Frage.

„Warum Tony?"

Der Erfinder fiel in sich zusammen. Er hatte erwartet, dass Clint ins Penthouse stürmen und ihn mit Anschuldigungen überhäufen würde, wie es Fury getan hatte. Immerhin hatte der Schütze am meisten unter der Invasion gelitten. Tony wollte sich gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn seine Gedanken nicht seine eigenen waren und er unter der Kontrolle eines anderen stand. Er selbst hätte weitaus weniger ruhig reagiert, als Barton es zurzeit tat. Sein Teammitglied hatte Recht. Er war ihm eine Erklärung schuldig. Aus Shield Sicht hatte er einem Mörder bereitwillig Zuflucht gewährt. Niemand außer ihm und Loki kannten den wahren Anführer, welcher den Angriff aus dem Schatten geleitet hatte.

Wenn Clint ihm die Möglichkeit gab, seine Handlungen zu erklären, würde er diese Chance nutzen. Vielleicht konnte er den Agenten wenigstens zum Nachdenken bewegen.

„Jarvis, öffne Projekt Bambi.", befahl er seinem AI und um ihn herum änderten die Bildschirme erneut ihren Inhalt. Tony schloss alle, bis auf einen. Auf dem Hologramm war der geheime Shield-Stützpunkt zu sehen, an welchem der Tesserakt gelagert wurde. Das Video war pausiert, kurz bevor Loki auf dem Bildschirm erscheinen würde.

„Setz dich, das könnte etwas dauern."

Barton nickte und ließ sich auf eines der Sofas nieder.

„Also angefangen hat das Ganze damit, dass Jarvis mir gesagt hat, dass er Loki auf einer Kamera nahe dem Tower gesehen hat…"

Als Loki aufwachte, verfiel er in Panik. Sein Kopf fühlte sich an, als wären seine Gedanken von Nebel verhangen. Er lag auf Etwas, doch er war zu abgelenkt, um seine Umgebung wahrzunehmen. Panisch befahl er seinem Körper, aufzustehen. Zu seinem Erstaunen bewegten sich seine Glieder, wenn auch etwas langsam.

Schwer atmend streckte der Exgott seine Hand aus und machte einige schnelle Gesten, welche für einfache Zauber notwendig waren. Erst als er alle Handbewegungen durchlaufen hatte, konnte er aufatmen. Auch wenn er sich immer noch benommen fühlte, hatte er doch die Herrschaft über seinen eigenen Körper. Und auch seine Gedanken beherbergten keine fremden Präsenzen, wie er nach einigen Tests feststellte. Er konnte auf alle seine Erinnerungen zugreifen und kein stechender Schmerz durchfuhr ihn, wenn er Thanos gedanklich verfluchte.

Zumindest für den Moment beruhigt, sah der Exgott sich um. Er war in einer weißen Zelle, auf einem weißen Bett. Drei der umliegenden Wände waren normal, doch die Vierte bestand aus einem scheinbar zusammenhängenden Spiegel, in welchem er sich selbst betrachten konnte.

Seine sonst so ordentlichen Harre waren zerzaust, wie meist direkt nach dem Aufwachen. Seine Jeans waren durch eine weiße Hose ersetzt worden. Auch sein langärmeliges, grünes T-Shirt fehlte. Das neue Oberteil besaß kurze Ärmel und gab somit den Blick auf die Tattoos frei. Unsicher schlang er seine Arme um den Oberkörper und bedeckte die schwarzen Male, so gut es ging, mit den Händen.

Ein kleiner Bereich der Zelle war von drei Wänden umgeben und beinhaltete eine Toilette. Die Öffnung zeigte zu einer der Seitenwände und nicht zu der großen Glaswand.

Loki wusste, dass die Glaswand wahrscheinlich nur auf seiner Seite verspiegelt war. Von der anderen Seite war es Shield sehr wahrscheinlich möglich, jeden seiner Schritte zu verfolgen. Auf diese Erfindung der Menschen war er aufmerksam geworden, als er Stark eines Tages fragte, ob es ihm nicht unangenehm war, dass man ihn den ganzen Tag durch die riesigen Glaswände beobachten könnte. Zu der Zeit war er den Wänden ausgewichen, so gut er konnte und hatte versucht, unerkannt zu bleiben. Als Tony aber nur lachte und ihm die Funktionsweise der Einwegspiegel erklärte, war er beeindruckt gewesen von dem Einfallsreichtum der Menschen. In Asgard konnte das gleiche Ergebnis durch Magie erreicht werden, dass war allerdings nur den Reichen möglich. Die Dienste eines Magiers, so verschmäht sie auch auf dem Schlachtfeld waren, kosteten weitaus mehr, als ein normaler Einwohner Asgards zahlen konnte.

Der Rest der Zelle war leer. Das Bett bestand nur aus einem Gestell und der Matratze und der Toilettenbereich besaß weder ein Waschbecken noch einen Spiegel. Die Abwesenheit von Kameras bestätigte Loki, dass die Wand wahrscheinlich von der anderen Seite durchsichtig war und er unter dauerhafter Beobachtung von außerhalb stand.

Vielleicht war es eine von Shields Techniken, die Gefangenen durch die Übermacht an weiß zum Reden zu bringen. Allerdings würden sie sich dabei an Loki die Zähne ausbeißen. Er war in einer Welt aufgewachsen, in welcher Gold die dominante Farbe war. Das bedeutete, dass die Asen wirklich alles aus Gold anfertigten. Von Wandvorhängen über Odins Thron bis hin zu Toiletten. Selbst die Rüstungen der Wachen und die Außenwände des Palastes waren golden gestrichen. So gesehen war das Weiß für Loki fast eine willkommene Abwechslung.

Der Exgott legte sich wieder auf das Bett, winkelte ein Bein an und wartete. Es würde bestimmt nicht lange dauern, ehe Fury oder ein anderer Agent Antworten von ihm verlangte.

Tatsächlich musste Loki nicht lange warten. Nach seinem Erwachen konnte nicht mehr als eine halbe Stunde vergangen sein, ehe sich die Spiegelwand seiner Zelle plötzlich in normales Glas verwandelte. Die Technologie hinter dieser Änderung interessierte den Exgott, doch er verriet nichts durch seine Mimik und sah auf die Person, welche hinter dem Glas stand und ihn anstarrte.

Eigentlich hatte er Fury erwartet, doch der Anführer von Shield hatte anscheinend Besseres zu tun. Stattdessen stand ihm eine Frau gegenüber. Ihr Körper war von einer schwarzen Uniform bedeckt, die das Shield-Zeichen zierte, also war sie eine Agentin. Blutrote Locken umrandeten ihr Gesicht, welches wohl von den meisten Männern begehrt werden würde, doch Loki war noch nie sonderlich an der weiblichen Form interessiert gewesen. Sie strahlte Stärke und Agilität aus und wirkte wie eine formidable Kämpferin. Ihr Gesicht war kalt, als sie den Exgott ebenfalls musterte.

Loki war es, als müsste er die Frau kennen, doch er sah in seinen Erinnerungen nur Blitze von roten Locken. Er konzentrierte sich auf die Bruchstücke und bekam einen kurzen Moment gezeigt. Er war eingesperrt gewesen und sie hatte auf der anderen Seite des Glases gestanden. Die Situation war der jetzigen sehr ähnlich, stellte der Schwarzhaarige fest. Sie schienen miteinander zu sprechen, doch es war, als wäre der Ton ausgestellt. Er kannte diese Person also bereits. Und sie hatten auf verschiedenen Seiten gestanden, zumindest nahm der Exgott das an.

Er beschloss, dieselbe Methode wie bei Fury anzuwenden und zu warten, was die Rothaarige zu sagen hatte. Loki drehte sich wieder vollständig auf den Rücken und starrte die Decke an, zufrieden damit, seinen Gast fürs erste zu ignorieren.

„Loki.", begann Natasha, nachdem dieser einige Minuten an die Decke gestarrt hatte.

Der Gefangene überlegte kurz, aber da es in der Zelle keine andere Beschäftigung gab, setzte er sich auf und wandte seine Aufmerksamkeit der Agentin zu. Vielleicht konnte sie ihm einige Informationen geben. Er durfte nur nicht zeigen, wie wenig er eigentlich wusste. Dazu sollte er zuerst ihren Namen herausfinden.

„Seid gegrüßt, Holde Maid, was ist der Grund für euren erfreulichen Besuch?", sogar eine Verbeugung hängte er an seine Worte an, ehe er sich wieder setzte.

Die einzige Regung, die er von seinem Gegenüber bekam, war eine hochgezogene Augenbraue. Dabei hatte er mit Absicht eine der übertriebensten Begrüßungen gewählt, die er kannte. Loki war sich unsicher gewesen, ob er nicht zu dick aufgetragen hatte, aber anscheinend war seine Anrede genau richtig gewesen.

„Es heißt zwar, mit Honig fängt man Fliegen, aber ist es dafür nicht etwas spät?", fragte Natasha. „Nicht, dass ich den Unterschied zur Invasion nicht zu würdigen weiß."

Also hatte er bereits mit ihr gesprochen. Und Loki war sich ziemlich sicher, dass sie nicht ebenfalls von dem Tesserakt kontrolliert worden war. Denn er erinnerte sich an alle, welche wie er unter Thanos' Einfluss standen.

„Ich muss mich entschuldigen, im Eifer des Gefechtes werden oft harte Worte gesprochen. Ich kann Euch versichern, dass meine Worte nur die Folge von einem erhitzten Gemüt waren und nicht meiner wirklichen Meinung entsprechen."

„Ich bin mir sicher, dass du genau wusstest, was du sagst. Obwohl, am Ende kannte ich deinen Plan und wir konnten ihn rechtzeitig verhindern. Damit steht es wohl 1-0 für mich." Der Gedanken an ihren Sieg im Wortgefecht gegen den Gott entlockte Natasha ein kleines Grinsen.

Loki runzelte die Stirn. Das bewies nur, dass er zu der Zeit vollkommen unter Thanos' Bann stand. Er wurde auf Asgard nicht umsonst Silberzunge genannt. Schließlich hatte er bereits Wortgefechte gegen weitaus ältere und klügere Gegner als diese Erdenfrau gewonnen.

Trotzdem würde er vorsichtig sein. Selbst wenn sie nur gegen ihn gewonnen hatte, weil er nicht vollständig anwesend gewesen war, hatte sie dennoch gewonnen.

„In diesem Fall kann ich nur gratulieren. Es gibt nur wenige, welche mich in einem Wortgefecht bezwingen konnten. Erlaubt mir, mich erneut vorzustellen. Mein Name ist Loki Friggason. Es ist mir eine Ehre, euch kennenzulernen, Madam."

Natasha sah den Gott an. So sehr er auch versuchte, ihr zu schmeicheln, Wirkung hatte diese Strategie bei ihr keine. Langsam hatte sie genug von seinen Spielereien, also begann sie, ihn in die Enge zu drängen. Mit Worten natürlich.

„Du kannst aufhören, so höflich zu sein, es wird dich nicht weiterbringen."

Der Schwarzhaarige hob die Augenbrauen und grinste. Nun würde es also ernst werden. Er konnte kaum ihren ersten Zug erwarten.

„Nachdem wir dich ausgeknockt hatten, fielen uns einige interessante Ding auf. Zum Beispiel, dass du, egal wie sehr du es zu verbergen versuchst, zurzeit genauso menschlich bist wie ich."

Der Exgott schwieg.

„Ich nehme mal an, das hat mit deinen Tattoos zu tun. Wir lassen das Design bereits von den besten Forschern untersuchen."

An dieser Stelle schnaubt Loki. „Zeitverschwendung."

„Zeitverschwendung?", fragte Natasha, als der Gott nicht fortfuhr, sondern gelangweilt an die Wand starrte.

„Eure Lebensspanne ist um ein Vielfaches zu kurz, um auch nur einen Teil der Runen zu entschlüsseln."

„Du bestreitest also nicht, dass die Tattoos eine Art Magie sind?"

„Wieso sollte ich lügen, wenn euch die Information keinen Nutzen bringt? Wahrscheinlich werdet ihr jetzt nur mehr Mittel verschwenden, um die Runen auf meinen Armen zu entschlüsseln. Ich würde zu gern Furys Gesicht sehen, wenn er erkennt, dass euer Vorhaben zwecklos ist."

„Ich nehme an, du bist nicht bereit, uns mit deinem Wissen zu helfen?"

Loki widerstand der Versuchung, seine Augen zu verdrehen. „Nein."

„Warum nicht?"

„Es hätte keinen Zweck."

„Weil unserer Lebenszeit zu kurz ist?"

„Unter anderem."

„Es gibt noch weitere Gründe?"

Der Exgott überlegte, dieses nutzlose Gespräch zu beenden. Aber er würde wahrscheinlich keine andere Beschäftigung finden. Außerdem würden die rabiateren Foltermethoden beginnen, sollte er sich weigern zu sprechen. Und er wollte diese Situation so weit in die Zukunft schieben, wie ihm möglich war.

„Um nur die Grundlagen von Magie zu verstehen, muss die Welt, oder eher die Welten, anders betrachtete werden, als eure Wissenschaft es tut. Auch wenn eure Forschungen in den letzten Jahrzehnten große Sprünge gemacht haben, sind sie doch nur auf dem Level eines asgardischen Kindes."

Natasha schien sich mit der Antwort zufrieden zu geben. Sie sah auf ihre Uhr.

„Das sollte fürs erste reichen.", sie stand auf. „Wir sehen uns Loki."

Mit diesen Worten zeigte das Glas nur noch das Spiegelbild des Schwarzhaarigen.

„… und dann kam Shield.", beendet Tony seine Erklärung. Er sah auf den Boden, als sich Stille zwischen den beiden Männern ausbreitete.

„Ok. Ich helfe dir."

Verdutztes Schweigen.

„Bitte was!?", Tony musste sich verhört haben.

„Ich helfe dir, Loki von Shield wegzubekommen."

„Moment.", Tony versuchtem, seine Gedanken zu sammeln. „Nein, ich kann es mir nicht erklären. Ich meine, meine Beweise sind ok und die Theorie recht gut begründet, aber ich dachte du hasst Loki! Nach der ganzen Gedankenkontrollgeschichte konntest du es kaum erwarten, ihm einen Pfeil in den Kopf zu schießen!"

„Du denkst also, ich könnte nicht durch begründete Argumente umgestimmt werden?", Barton grinste.

„Nein. Ich dachte, du verprügelst mich."

Clint seufzte. „So nervig du auch bist, Stark, ich bin nicht dumm genug, dich zu schlagen. Deine Anwälte könnten mich dafür wahrscheinlich lebenslänglich hinter Gitter bringen."

„Trotzdem ist das quasi eine Vollwende. Warum bist du so schnell bereit, Loki zu helfen? Wenn ich es mir überlege, warum hast du dir überhaupt meine Argumente angehört?"

Der Bogenschütze seufzte erneut. „Weil ich von Anfang an wusste, dass Loki genauso wenig an der Invasion schuld ist wie ich."

„Wieso hast du dann nichts gesagt?"

„Als ob jemand der Gedankenkontrollierten Puppe geglaubt hätte.", sagte Clint mit Verachtung in der Stimme. „Ich habe Nat gegenüber die Möglichkeit erwähnt, dass Loki auch kontrolliert wurde und hatte Glück, dass sie mich nicht direkt wieder in die Evaluation gesteckt hat. Ich muss immer noch alle zwei bis drei Tage vier Stunden lang mit einem Psychologen sprechen, falls ich plötzlich das Bedürfnis verspüre, jemanden umzubringen. Meine Freigabestufe wurde fast auf eins heruntergesetzt, bis auf weiteres bin ich von Missionen freigestellt. Wenn ich auch nur einen falschen Schritt mache, lande ich auch in einer Zelle."

„Warum setzt du dann alles aufs Spiel, um Loki zu helfen?"

„Weil ich nicht mehr für Leute arbeiten will, die mir nicht vertrauen. Und weil es das Richtige ist. Ich erinnere mich daran, was ich getan habe, als ich unter der Kontrolle des Stabes stand. Aber Loki… Es gab Zeiten, in denen er nur in der Ecke saß und stundenlang nicht einen Muskel rührte. Er sprach kaum und wirkte immer, als stände er unter Drogen. Und damit meine ich nicht ein bisschen Marihuana. Sondern die richtig harten Sachen. Das was du sagst, dass er sich nicht gut erinnern kann? Ich finde es überraschend, dass er überhaupt noch irgendetwas von der Invasion weiß."

„Ihm fehlen ziemlich viele Erinnerungen.", merkte Tony an.

Barton zuckte mit den Schultern und holte einen USB-Stick aus seiner Hosentasche. „Als ich von Lokis Gefangennahme erfahren hab, habe ich so viele Infos von Shields Computern gezogen, wie ich konnte. Leider ist das wegen meiner Freigabe nicht sonderlich viel. Trotzdem weiß ich zumindest, wo sie ihn haben."

„Das ist genau das, was ich brauche! Jarvis, stell den Plan um.", Tony riss Clint förmlich den Stick aus der Hand und ließ Jarvis die Informationen herunterladen. Während der AI Daten von Shield-Servern stahl und so viel wie möglich über das Gebäude herausfand, in welchem Loki war, drehte sich der Erfinder zu seinem Teammitglied um.

„Danke Clint. Ohne dich wäre da alles wahrscheinlich ein Himmelfahrtkommando gewesen. Jetzt habe ich zumindest eine Chance. Keine Sorge, Fury wird nie herausfinden, woher die Infos kamen.", erstreckte seine Hand aus.

Aber der Bogenschütze schnaubte nur und streckte sich auf der Couch aus, auf welcher er saß. „So schnell wirst du mich nicht los, Stark. Alles oder gar nichts. Ich glaube es wird eh Zeit, sich von Shield zu verabschieden. Es war schön, solange es gehalten hat."

Tony konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen. „Gute Wahl, Vögelchen! Stark Industries hat bessere Gehälter, Technologie und nicht zu vergessen: mich! Dagegen sieht Shield ganz schön alt aus!"

„Sicher, sicher, also, was ist der Plan?"