Kapitel 10

Lureen fuhr in die Auffahrt und parkte ihren Wagen neben dem Haus. Sie war schon einige Male zur Lazy L Farm gekommen, um Bobby abzuholen. Normalerweise wartete er dann schon auf sie – saß auf der Veranda und unterhielt sich mit Jack. Heute aber sah sie niemanden, doch beide Trucks standen an ihrem Platz, also vermutete Lureen, dass sie sich irgendwo herumtrieben. Als sie aus dem Auto stieg, sah sie Jack aus der Vordertür kommen, der seine Hände an seiner Hose abwischte. „Hi, Lureen!", rief er und winkte ihr zu.

„Hallo, Jack.", antwortete sie. „Wo ist Bobby?"

"Ennis hat ihn endlich davon überzeugt, dass er gut genug reiten kann, um den Ring zu verlassen und nicht nur im Kreis zu reiten.", sagte er lächelnd. „Sie sind zum Fluss runter geritten.", ergänzte er und wies hinter die Bäume. „Hoffentlich sind sie bald zurück."

„Hoffentlich?", fragte sie und wunderte sich, ob es irgendeinen Zweifel daran geben könnte, dass sie zurückkamen.

„Ennis hat keine Uhr an und nie ne Ahnung, wie spät es ist.", erwiderte er. „Er reitet los und es können Stunden vergehen, ehe er es mit mitkriegt." Er sagte dies, ohne jeglichen Ärger – eine einfache Feststellung. Eigentlich bemerkte Lureen nur den liebevollen Ton seiner Stimme, als er Ennis' Namen nannte. Jack schaute Lureen an. „Willst du was trinken?", fragte er. "Wir haben Eistee und Bier – keinen Rum, fürchte ich."

„Eistee ist okay, danke.", antwortete sie.

Jack hielt die Tür auf und wies sie an, einzutreten. „Die Küche ist hinten.", sagte er.

Lureen ging darauf zu, doch hielt im Wohnzimmer inne. „Das sieht so hübsch aus. Hast du gesagt, das habt ihr frisch gestrichen?"

„Jap, nachdem wir das Haus fertig hatten, kam Ennis auf die Idee, die Tapeten abzumachen. Zuerst hielt ich es für ne Schnapsidee, doch jetzt, wo es gemacht ist, seh ich erst, wie schäbig es vorher aussah."

Sie gingen in die Küche. Jack nahm einen Krug mit Eistee aus dem Kühlschrank, goss zwei große Gläser ein und reichte eins davon Lureen. „Kann ich den Rest des Hauses sehn?", fragte sie. „Einen kleinen Rundgang machen?"

"Klar.", sagte Jack. "Aber es gibt nicht viel zu sehen. Es ist recht klein, aber groß genug für uns beide." Er zeigte auf den Keller, erklärte, dass sich dort die Waschmaschine befand, und ging dann ins Esszimmer. „Das Zimmer haben wir auch gestrichen.", erklärte er. „Und oben haben wir angefangen. Ennis' Töchter kommen uns in zwei Wochen besuchen und wir hoffen, dass wir dann fertig sind."

„Oh.", erwiderte sie. „Ennis hat Töchter?"

Jack nickte. "Jap, zwei. Jenny und Alma. Sie sind 10 und 12."

„Hast du sie schon mal getroffen?", fragte Lureen.

„Nur ganz kurz.", antwortete Jack. „Das war kein richtiges Treffen, eher hab ich sie nur gesehn. Ich freu mich drauf, sie kennen zu lernen, sie scheinen süße, kleine Mädchen zu sein." Lureen sah über diesen Kommentar etwas verwirrt aus, so dass Jack erläuterte: „Sie haben Ennis einen Haufen Postkarten geschrieben und er lässt sie mich lesen."

Lureen grinste darüber. „Wie lange bleiben sie denn?", fragte sie.

„Eine Woche.", sagte er. „Ihre Mutter ist dann in den Flitterwochen. Sie heiratet am 24. Juli."

"Sie hat nichts anbrennen lassen, was?", gab Lureen mit einem sarkastischen Unterton zum Besten.

Sie gingen weiter durch das Haus und die Treppe hinauf. Jack wies auf das kleine Schlafzimmer am Ende, das Gästezimmer mit den Doppelbetten und dann auf das Hauptschlafzimmer. Hier wollte er nicht zu lange bleiben, doch Lureen blieb in der Tür stehen und musterte das Doppelbett. Sie sah zu Jack. „Wie ist das so?", fragte sie. "Du weißt schon, mit ihm zusammen..."

„Lureen, ich denke, dass ist etwas privat…", sagte Jack beschämt.

„Ja, du hast Recht, entschuldige…", erwiderte sie. „Es ist nur so, ich hab noch nie jemand gekannt, der…"

Jack berührte sie am Ellenbogen. „Lass uns runter auf die Veranda gehen und unseren Tee trinken, ja?", sagte er. Er wollte sie einfach davon abbringen, das Bett anzustarren und über sein Sexleben mit Ennis nachzudenken. Das war wirklich kein Thema, das er mit seiner Exfrau in spe diskutieren wollte.

Lureen wollte den Flur hinab gehen, doch dann hielt sie inne und wandte sich an Jack. „Du siehst gut aus, Jack.", sagte sie. „Erholt. Hast du abgenommen?"

Jack nickte. "Denke schon. Ich hab hier keine Waage aber meine Klamotten sitzen anders. Es tut gut, mal wieder draußen zu arbeiten."

„Trinkst du noch?", fragte sie.

„Ich trinke ein Bier zum Abendessen und vielleicht ein Glas Whiskey abends auf der Veranda aber nicht so wie im Mai, wenn du das wissen wolltest…"

Lureen nickte. „Das hab ich gemeint. Weißt du, Jack", fuhr sie fort, "Ich wusste damals nicht, was los war. Ich hätte wahrscheinlich was unternehmen müssen, aber ich wusste nicht was."

Jack sah sie an. „Ich hab ne wirklich miese Zeit durchgemacht.", sagte er. „Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn die Dinge anders gelaufen wären…mit Ennis, mein ich."

"Geht's dir jetzt gut?", fragte sie und ihre Stimme zeigte aufrichtige Sorge. „Brauchst du einen Arzt oder so?"

Jack lächelte ihr zu. „Mir geht's jetzt gut.", sagte er. „Ennis ist die Medizin, die ich brauche. Aber…", ergänzte er. „Ennis und ich haben drüber geredet. Ich hoffe, dass so etwas nie mehr geschieht, doch hab ich jetzt verstanden, dass es eine Krise war. Ich glaub, ich hab daraus gelernt. Wenn das nochmal passiert, würde ich mir Hilfe nehmen und den Schmerz nicht zu ertrinken versuchen. Das ist keine Lösung."

„Okay, Jack.", sagte sie. „Ich mach mir Sorgen um dich, trotz allem, was passiert ist."

"Danke, Lureen.", sagte Jack. "Ich weiß das zu schätzen."

Sie gingen die Treppe hinunter und auf die Veranda. Dort sahen sie, dass Ennis und Bobby zurückkamen, aber immer noch weit entfernt auf der Straße gingen. Lureen wollte herunter gehen, doch Jack sagte: „Warte und setz dich für ne Minute. Trink deinen Tee aus. Ennis wird Bobby noch dazu bringen, Sioux abzusatteln und die Pferde müssen noch gebürstet werden. Das dauert etwas."

Lureen nahm in einem der Stühle Platz und Jack setzte sich in den neben ihr. „Weißt du was, Jack, die ganze Sache mit dem Reiten hat sich echt gut entwickelt.", sagte sie. „Das hat mich wirklich gewurmt, dass Bobby gesagt hat, er habe Angst vor Pferden."

Jack lachte. „Ich weiß, dass dich das gewurmt hat, Lureen. Ich denke, dir hat es mehr ausgemacht als mir."

„Na um Himmels Willen, ich war Champion im Hindernisrennen von Childress in Texas, im Sommer, als wir uns getroffen haben." Sie lachte, während sie dies sagte, über sich selbst.

Sie sahen zu, wie Ennis und Bobby in den Stall ritten, dann wandte sich Lureen an Jack. „Vielleicht könnte ich Bobby ein Pferd kaufen. Du weißt ja, dass ich eins hatte, als ich aufgewachsen bin…"

„Wo würdest du das hinstellen?", fragte Jack. „Deine Eltern haben das Haus mit Stall doch verkauft."

Lureen überlegte. „Vielleicht könnte ich es hier hinstellen. Ihr habt doch Platz."

"Wir sind doch nur im Sommer hier, Lureen.", gab Jack zu Bedenken. „Ich weiß nicht, was nach dem Labor Day sein wird."

Lureen ließ ihren Blick über die Felder schweifen und wandte sich dann an Jack. „Habt ihr je dran gedacht, die Farm zu kaufen?"

Jack wirkte überrascht. „Lazy L kaufen?", fragte er.

„Ja.", antwortete sie. „War das nicht euer Plan? Und wollte der Neffe sie nicht verkaufen? Macht ihr nicht deshalb die ganze Arbeit? Streicht und bessert alles aus?"

"Ja.", sagte Jack. "Genau das tun wir..."

„Also.", erwiderte Lureen und ihre pragmatische Seite kam zum Vorschein. „Warum kauft ihr sie nicht? Das würde es dem Besitzer sehr erleichtern, denke ich – er muss nicht nach einem Käufer suchen, mit dem Makler reden und all das…" Sie hielt inne. „Es sei denn, ihr wollt nicht in Quanah bleiben, sondern nach Wyoming oder so gehen."

"Ich hab nie ernsthaft darüber nachgedacht.", sagte Jack. „Aber, weißt du, Lureen, das könnte eine gute Idee sein." Er hielt inne. „Quanah ist okay…hier ist es wie in Texas. Ich muss aber Ennis fragen, was er darüber denkt. Er ist weit weg von seinen Mädchen und er vermisst sie."

„Hm.", machte Lureen. „War nur so ein Gedanke. Ihr könntet Pferde hier aufnehmen und Reitstunden geben. War nicht Phyllis' Sohn vor kurzem hier?"

„Jap.", sagte Jack. „Er kommt zweimal die Woche. Und sie bezahlt gut...", ergänzte er. „Nicht so wie du, die das Angebot des Jahrhunderts bekommt – gratis Reitstunden." Diesen Kommentar sagte er mit einem Zwinkern und Lureen wusste, dass er scherzte.

Lureen lächelte. „Ich würde euch dafür bezahlen, dass ich das Pferd hier unterstelle.", sagte sie. „Das würde ich nicht umsonst erwarten."

Jack bemerkte, dass ihre beiden Gläser leer waren. „Willst du noch etwas Eistee?"

Lureen schüttelte den Kopf. „Ich seh, dass Bobby aus dem Stall kommt.", sagte sie. „Wir fahren in ein paar Minuten."

Jack nahm die Gläser und brachte sie ins Haus. Als er wieder nach draußen kam, stand Bobby vor der Verandatreppe und erklärte seiner Mutter aufgeregt, wie er und „Mr. Del Mar" den ganzen Weg bis hinunter zum State Park geritten waren. „Mr. Del Mar hat mir erzählt, dass es da Reitwege im Park gibt.", sagte Bobby. „Er hat gesagt, dass wir nächstes Mal vielleicht einen echten Reitweg benutzen können, statt auf der Farm zu reiten!"

„Hört sich lustig an, Bobby.", erwiderte Lureen. Sie wandte sich an Jack. „Also in drei Tagen? Ich glaube, da haben wir einen weiteren Termin mit den Anwälten, nicht?" Jack nickte. Er hatte es auf dem Kalender entdeckt, als er die leeren Gläser in die Küche gestellt hatte. „Danach kannst du ja Bobby abholen."

„Hört sich gut an.", sagte Jack. „Es wird später werden, vielleicht kann er zum Abendessen bleiben." Er schaute Bobby an. „Willst du zu einem Barbecue gehen, Großer?", fragte er.

„Das wär toll, Daddy", rief Bobby und umarmte ihn. „Sag Mr. Del Mar Auf Wiedersehen von mir."

„Mach ich.", antwortete Jack und erwiderte Bobbys Umarmung. „Lureen, wir sehn uns dann in ein paar Tagen."

Lureen und Bobby gingen hinüber zum Wagen. Sie winkte, als sie davonfuhr und Jack winkte zurück. Dann drehte er sich um und ging zum Stall hinunter. Ennis stand in einer der Boxen und striegelte gerade Twister. Er lächelte, als Jack den Stall betrat und vor der Box stehen bleib.

„War's ein schöner Ritt, Mr. Del Mar?", fragte er grinsend.

Ennis lachte. „Ich schwör dir, ich wünschte, er würde mich Ennis nennen.", sagte er. „Ich hab niemals selbst über mich als Mr. Irgendjemand gedacht."

Jack lächelte. „Das kommt durch Lureen und ihre texanische Art. So ist es höflicher, sagt sie." Jack lehnte sich an das Tor der Box. „Weißt du, Ennis, ich hab bemerkt, wie du dich rar machst, wenn Lureen da ist."

„Was?", fragte Ennis unschuldig. „Ich bin bloß hier unten, um zu arbeiten."

„Mach dir nichts draus.", warf Jack ein. „Ich wollte nur, dass du's weißt. Ich seh, was mit dir los ist."

„Hat Lureen es bemerkt?", fragte Ennis.

„Denke schon, aber sie hat nichts gesagt." Jack hielt inne und sagte dann, um Ennis ein wenig zu ärgern: „Weißt du, Ennis, sie hat mich über mein – unser – Sexleben ausgefragt."

Ennis hörte auf, Twister zu striegeln und sah Jack direkt ins Gesicht. „Jesus im Himmel! Du verarschst mich doch!"

Jack schüttelte den Kopf. "Nee, ich mein's total ernst."

„Was zur Hölle hast du gesagt?", fragte Ennis und sah ein wenig panisch aus.

„Beruhig dich, Cowboy, ich hab das Thema gewechselt. Es geht sie nichts an und das weiß sie auch aber ich denke sie ist neugierig."

„Hmmph.", machte Ennis. „Soll sie ein Buch lesen oder so was." Er hielt inne und schaute zu Jack. „Du hast gesagt, dass ich mich vorher rar gemacht hab. Jetzt, wo ich das weiß, werd ich ihr erst recht nicht mehr in die Augen sehen können. Scheiße!"

„Dann vergiss, dass ich das gesagt hab.", lachte Jack. „Ich hab das Gefühl, sie wird es nicht noch einmal ansprechen. Schätze es war sehr klar, dass das zu weit ging."

Ennis lächelte Jack zu und widmete sich dann wieder Twister. „Er sieht gut aus, nicht?" Jack nickte und Ennis fuhr fort. „Es war ein schöner Ritt. Bobby macht sich ganz gut. Er ist echt in Ordnung."

"Naja, dafür weiß Lureen schon zu sorgen."

Ennis kam aus der Box und schloss das Tor hinter sich. Er stellte die Bürsten und das Striegelwerkzeug in den Ausrüstungsraum, kam dann heraus und legte einen Arm um Jacks Schulter. Jack sah ihn an. „Willst du schwimmen gehen?", fragte er. "Wir haben noch etwas Zeit, bevor ich anfange zu kochen."

„Klar.", sagte Ennis. „Aber nehmen wir den Truck."

"Du fauler Sack.", sagte Jack kokettierend, während sie aus dem Stall in das Licht der Abendsonne gingen...

Jack stand am Herd und briet etwas Beef in der Pfanne, als Ennis sich hinter ihn stellte und ihm die Arme um die Taille legte. Dann platzierte er sein Kinn auf Jacks Schulter. Auch ohne dass Jack ihn ansah, wusste er, dass Ennis gerade gebadet hatte. Er fühlte sein nasses Haar und roch den Geruch von Sauberkeit und Seife – eine natürliche Note, die Jack liebte.

„Was kochst du da, Cowboy?", fragte Ennis.

„Ich mach Chili.", gab Jack zur Antwort und wies auf das geöffnete „Freude am Kochen", welches auf der Ablage lag. „Ich hoffe, dass wir es mögen. Im Rezept steht, es ist genug für 8 bis 12 Personen."

Ennis hauchte in Jacks Ohr: "Ich mag Chili. Das weißt du doch." Er musterte die Dosen voller Tomaten und Kidneybohnen, den Streuer mit Chilipulver – und bemerkte eine Packung Spaghetti. „Wofür denn die Spaghetti?", fragte er.

„Die mach ich zu dem Chili."

„Spaghetti mit Chili? Was um alles in der Welt ist denn jetzt los?"

Jack lachte. "Das Kochbuch sagt, so essen sie es in Cincinnati. Chili auf Spaghetti, mit geriebenem Käse und gehackten Zwiebeln."

„Wir sind aber nicht in Cincinnati, Jack. Wir sind in Texas. Ist hier nicht Chili eine Art Religion? Ich bin nicht sicher, dass wir es mit Nudeln essen sollten..."

Jack wandte sich um, schaute Ennis in die Augen und legte seine Arme um seinen Nacken. „Willkommen in der Kochwelt von Jack Twist. Wo die Leute Chili mit Spaghetti essen und Jacks Lover Ennis das wundervoll findet."

"Jack Mistkerl Twist!", sagte Ennis und beugte sich nach vorne, um ihn zu küssen.

Sie ließen voneinander ab und Jack wandte sich wieder der Pfanne zu. „Mach bitte die Dosen für mich auf, ja?", sagte er. „Das hier muss etwas köcheln." Ennis nahm den Dosenöffner aus der Schublade und Jack gab die Zutaten in die Pfanne. Er besah sich das Chilipulver. „Wie scharf magst du es?"

"Medium, schätze ich.", sage Ennis. „Nicht zu scharf."

Jack nickte. „So mag ich es auch." Er hörte auf, die Mischung durchzurühren und wischte sein Hände an einem Handtuch ab. „Willste ein Bier?", fragte er und ging zum Kühlschrank. Ennis nickte. Jack nahm zwei Flaschen heraus und auch eine Schale mit Erdnüssen vom Regal. „Lass uns nach draußen gehen und uns auf die Veranda setzen. Ich möchte mit dir über was reden."

Sie nahmen auf den Stühlen der Veranda Platz. Ennis war barfuß, trug Shorts und ein T-Shirt. Er räkelte seine langen Beine und legte seine Füße auf das Geländer. Dann schaute er über die Felder und wandte sich Jack zu. „Das ist das Leben.", lächelte er.

„Jack erwiderte sein Lächeln. „Magst du es hier?", fragte er.

„Ja, du weißt, dass das so ist. Warum?"

„Naja, als Lureen heute hier war, hat sie vorgeschlagen, dass wir drüber nachdenken sollten, die Farm zu kaufen.", sagte Jack.

Ennis nahm seine Füße vom Geländer und setzte sich gerade hin. Dann sah er Jack an. „Kaufen? Du meinst die Lazy L?"

Jack nickte. "Du siehts genauso überrascht aus wie ich. Aber nachdem sie das gesagt hat, hab ich nachgedacht, weißt du, und vielleicht wäre es eine gute Idee."

Ennis ließ seinen Blick über die Felder schweifen und sah dann hinüber zum Stall. Jack sagte nichts, ließ Ennis einfach den Gedanken für einige Minuten verdauen.

„Was ist mit dem Geld, Jack?", fragte er. „Wir brauchen Geld, um die Farm zu kaufen und ich habe nicht viel."

Jack nickte. „Ich hab noch das Geld, das ich gespart habe und bei der Scheidung krieg ich auch was."

Ennis sah Jack interessiert an, während er sprach. Jack hatte nie viel von den Einigungen der Scheidung gesprochen und Ennis fühlte sich nicht in der Situation, danach zu fragen. Jack fuhr fort. „Eines, was ich in Texas gelernt habe ist, dass zehn eine magische Zahl ist. Wenn man zehn Jahre verheiratet war, ändert das die Beträge, die mir zustehen." Ennis hob eine Augenbraue nach dieser Information. „Deshalb haben wir so viele Treffen mit den Anwälten.", ergänzte er. „Ihr Anwalt versucht, diese Sache für sie zu umgehen, meiner versucht alles herauszuschlagen, was ich kriegen müsste. Lureen will das Haus, das heißt, dass ich Geld bekomme. Keinem von uns beiden gehört etwas von dem Geschäft. Das gehört noch immer ihrem Vater, wir sind nur Angestellte. Aber das Haus gehört uns und so gibt es da Geld zu verteilen."

"Genug, um die Farm zu kaufen?", fragte Ennis.

„Nicht, um sie zu kaufen, aber genug für eine Anzahlung. Vielleicht könnten wir Tom davon überzeugen, dass er uns eine Hypothek gibt…" Jack dachte nach. „Wahrscheinlich müssten wir trotz allem einen Kredit aufnehmen, damit wir die Farm auch betreiben können." Er wandte sich an Ennis. „Welche Art Farm, findest du, sollten wir betreiben?"

Ennis lachte. „Naja, Tom denkt, dass Strauße der neue Zukunftstrend sind…"

Jack lachte ebenfalls. „Ernsthaft – was könnten wir machen?"

"Ernsthaft? Ich würde Pferde halten. Daraus eine Pferderanch machen."

"Pferde?", fragte Jack zweifelnd. "Wir sind nicht in Kentucky."

„Keine Rennpferde, du Hornochse. Arbeitstiere. Wir könnten sie züchten. Und da sind meine Reitstunden. Vielleicht stellen wir welche von anderen Leuten hier unter. Scheiße, vielleicht öffnen wir sogar ein Pferde-Motel!"

„Weißt du, Lureen hat das gleiche gesagt. Sie meinte sogar, dass sie Bobby ein Pferd kaufen und es dann hier unterstellen könnte."

„Das machen wir!", lachte Ennis. „Aber sie bezahlt dafür. Nicht gratis, wie Bobbys Reitstunden."

Jack grinste. "Das hab ich ihr schon gesagt und sie hat zugestimmt." Er hielt inne. "Glaubst du, dass wir mit einer Pferderanch Geld verdienen würden?"

"Schätze schon.", sagte Ennis. "Was ich gemerkt hab, als ich durch die Gegend gefahren bin, ist, dass die Leute hier eher Getreide-Höfe haben."

„Das weiß ich.", sagte Jack. „Ich hab ihnen den Zubehör verkauft."

Ennis ließ ein Lachen hören und ergänzte: „Ich hab nicht sehr viele Vieh-Höfe gesehen – und wenn du das ernsthaft machen willst, brauchst du andere Anlagen, als diese hier." Er hielt inne. „Ich bin echt nicht an Schweinen oder Kühen interessiert und will wirklich nichts anbauen. Außer Heu." Er wies auf das weit entfernte Feld. „Da könnten wir Heu anbauen.", sagte er. „Dann müssten wir nicht mehr so verdammt viel dafür am Agway bezahlen." Jack nickte und Ennis fuhr fort. „Das Feld würde ich umstrukturieren.", sagte er und zeigte auf das Feld neben dem Stall. „Da würde ich einen Kreis anlegen, in dem die Kinder reiten können. Und dann noch ein paar Weiden, die wir abwechselnd benutzen könnten."

„Ennis, das hört sich an, als hättest du seit Wochen darüber nachgedacht."

Ennis lächelte ihm zu. „Schätze, das habe ich, aber ich hab's nicht gemerkt. Erst gestern Abend, als ich gearbeitet hab, kam es mir in den Sinn." Er wartete einen Moment. „Weißt du, Jack, ich wäre sehr weit weg von den Mädchen."

Jack sah ihn an. „Darüber hab ich nachgedacht, En, und wenn das die Sache kaputtmacht, dann lass uns einfach jetzt aufhören, daran zu denken. Aber…vielleicht könnten wir darüber reden."

"Wie reden?", fragte Ennis.

"Naja, statt nur an den Wochenende könnten sie für längere Besuche herkommen. Für einige Wochen oder vielleicht einen Monat im Sommer. In der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr. So in der Art halt. Könntest du dir das vorstellen?"

Ennis sah zu Jack hinüber und ließ den Gedanken auf sich wirken. „Ja, ich kann es mir vorstellen. Sie kommen ja bald für eine Woche – wenn das gut läuft, wäre es vermutlich der richtige Weg."

Die beiden saßen noch einen Moment in ihre Gedanken versunken da. Ennis nahm eine Packung Zigaretten heraus und zündete zwei davon an. Eine reichte er Jack. Dieser nahm sie abwesend und stand auf. „Ich schau kurz nach dem Chili. Bin gleich zurück."

Er ging ins Haus und kam ein paar Minuten später wieder mit zwei vollen Bierflaschen. „Ich hab mich gefragt, wie das von statten gehen soll.", sagte er und es hörte sich an, als ob er laut nachdachte. „Ich denke, wir sollten mit Tom reden, nicht?"

Ennis nickte. „Ja, auch wenn ich mit Hal zuerst über alles sprechen will. Er weiß gar nichts davon, dass die Farm verkauft werden soll. Ich bin nicht sicher, was er denkt, wie es weitergehen wird…es ist schon traurig.", sagte er und hielt inne. „Einen Familienhof nach über 100 Jahren zu verlieren."

Jack musterte Ennis und nickte. „Vielleicht wäre Hal ja glücklich, dass gerade wir die Farm kaufen…"

„Ich wette, das wäre er.", sagte Ennis. „Aber das sollte Tom ihm sagen…nicht wir."

Jack schaute über das Feld. „Wenn sich Tom an seinen eingefahrenen Terminplan hält, sollte er dieses Wochenende zu Besuch kommen…und das wiederum heißt, dass er innerhalb der nächsten zwei Tage anruft. Vielleicht sollten wir die Idee schon am Telefon ansprechen, damit er darüber nachdenken kann…und danach können wir persönlich alles genauer besprechen."

Ennis nickte. „So geht es. Er muss außerdem wahrscheinlich noch mit seiner Schwester reden."

Wie auf Befehl hörten sie, dass das Telefon in der Küche läutete. Jack stand auf und ging nach drinnen, doch Ennis packte ihn am Handgelenk. „Wenn das Tom ist, sagt ihm noch nichts. Ich will erst darüber schlafen."

"Keine Sorge, Kumpel.", sagte Jack. „Ich muss auch nachdenken."

Es verlief so, dass sie nicht am Telefon mit Tom über ihr Vorhaben sprachen, doch in Anbetracht der „Keine Zufälle"- Theorie war dies wohl der richtige Weg.

Samstagabend saßen Jack, Ennis und Tom am Esstisch und eine große Platte mit gegrilltem Hühnchen, ein Auflauf gebackener Bohnen und ein angemachter Salat stand vor ihnen. „Das sieht toll aus, Jungs.", sagte Tom. „Vielen Dank!"

"Oh, keine Ursache.", sagte Ennis und wies auf die Platte. „Bedien dich an dem Huhn."

Jack nahm sich eine großzügige Portion Bohnen und sagte: „Bloß keine Bohnen mehr!", während er dies tat.

Tom sah verwirrt aus. „Keine Bohnen mehr?"

Ennis lachte. "Das ist seine Art, Danke zu sagen, stimmt's, Kumpel?"

Tom sah von einem zum anderen. „Ich hab das Gefühl da steckt ne Story hinter…"

Jack lächelte und nahm sich ein Hühnerbein. „Das stammt aus dem Sommer, in dem wir uns trafen. Wir haben eine Unmenge an Bohnen gegessen, als wir in den Bergen waren."

Ennis fuhr fort. „Jack hat angefangen, die ganze Zeit herumzuzicken und maulte: „Bloß keine Bohnen mehr!" aber wir hatten nichts anderes."

„Bis du diesen Hirsch geschossen hast.", sagte Jack.

„Ja, aber du wolltest ein Schaf killen, du Idiot.", erwiderte Ennis und lachte über die Erinnerung. Er wandte sich an Tom. „Wir wurden dafür bezahlt, die Schafe zu bewachen und nicht, um sie zu essen."

„Da gab's tausend verdammte Schafe!", sagte Jack. „Aguirre hätte es nie gemerkt."

„Egal, ich mochte den Hirsch eh lieber. Außerdem hat es sich am Ende herausgestellt, dass wir beide Bohnen mögen…und trotzdem muss Jack jedes Mal, wenn wir sie essen, sagen: „Bloß keine Bohnen mehr!", so als wäre es ein Gebet."

Tom lachte und begann zu essen. Er nahm einen Bissen. „Jedenfalls schmecken diese Bohnen gut. Hast du die gemacht…ich meine, sind sie selbst angebaut?"

„Nee, die sind aus der Dose.", antwortete Jack. „Aber das sind nicht diese matschigen Bohnen in Tomatensauce, wie jedermann sie in der Stadt unten isst. Die kommen aus Neu-England."

„Neu-England?", fragte Tom. „Wo hast du die denn her?"

"Die verkaufen sie im Supermarkt. Aber sie stehen ganz hinten im Regal. Ich musste sie suchen aber sie sind da."

„Hmmm.", sagte Tom. „Ich muss mal in Austin danach suchen. Welche Marke ist das?"

„B & M.", antwortete Jack. „Die kommen aus Portland in Maine. Auch Brown Bread stellen sie da her... Das gibt's in Dosen, meistens im Regal neben den Bohnen."

„Ich mag das mit Rosinen.", warf Ennis ein. „Das ist gut."

„Na, man lernt jeden Tag dazu.", sagte Tom. „Ich hab noch nie von Brown Bread gehört."

„Ich hab gehört", sagte Ennis, „dass sie in Neu-England jeden Freitag und Samstag selbst angebaute Bohnen in den Bäckereien verkaufen. Das ist eine Art Tradition da."

„Vielleicht können wir mal irgendwann dahin fahren, Kumpel.", sagte Jack. „Und es uns selbst anschauen." Sie lächelten sich an, dachten über ihr gemeinsames Leben nach und darüber, dass sie Dinge tun konnten, wie Ausflüge nach Neu-England, um Bäckereien zu besuchen und selbst angebaute Bohnen zu kaufen."

Die drei aßen schweigend einige Minuten und genossen das Essen. Tom hielt inne und räusperte sich. „Kann ich euch was fragen?" Jack und Ennis nickten und fragten sich, was ihm wohl in den Sinn gekommen war. „Habt ihr schon darüber nachgedacht, was ihr nach diesem Sommer tut?"

Jack hielt inne und schaute Ennis an. Dieser nickte still, als wolle er sagen: „Ja ist gut." Jack begann zu sprechen. „Eigentlich, Tom, haben wir geredet...uns gefällt es hier. Wir mögen Quanah, die Lazy L… Und das hat uns auf die Idee gebracht...naja, wir wollten dich fragen, ob wir sie kaufen könnten...ob du dir das vorstellen könntest..."

Tom lächelte ihnen zu. „Ich sage immer: vernünftige Leute denken dasselbe. Eigentlich habe ich schon mit Darlene darüber gesprochen…"

„Darlene?", fragte Jack verwirrt.

„Meiner Schwester, die in Houston lebt.", sagte Tom.

Jack nickte. „Ach richtig, ich hab ihren Namen vergessen."

Tom fuhr fort. "Ich hab sie über alles, was hier passiert ist, auf dem Laufenden gehalten. Sie hat erwähnt, dass sie auf einen Besuch herkommen möchte und euch persönlich treffen….und auch etwas Zeit mit Onkel Hal verbringen, aber das lässt sich schwer einrichten. Es ist ein weiter Weg und sie hat zwei kleine Kinder, plus einen anstrengenden Job im Krankenhaus." Jack und Ennis nickten und warteten, dass Tom fortfuhr. „Jedenfalls, wie ihr wisst, war es unser Plan, die Farm zu verkaufen. Darlene und ich bekamen den Einfall, dass ihr vielleicht an dem Kauf interessiert sein könntet."

„Naja, die Idee hatten wir auch. Also vielleicht soll es so sein…"

Tom lächelte. „Ich werde euch nicht noch einmal meine Philosophie nennen, aber du hast Recht, vielleicht soll es so sein…"

Den Rest des Abendessens redeten sie über Einzelheiten, die mit dem Kauf zu tun hatten. Jack und Tom sprachen die meiste Zeit, während Ennis dies alles auf sich wirken ließ. Es stellte sich heraus, dass viele der Details, die Ennis und Jack diskutiert hatten, dieselben Einfälle waren, die Tom und seine Schwester durchgegangen waren. In einer Hinsicht fand Ennis die ganze Sache ein wenig unglaublich. Es schien als wäre da ein gigantisches Puzzle am Himmel gewesen und die Teile seien auf mysteriöse Weise an ihre richtige Stelle gefallen.

Schließlich bemerkte Ennis, dass alle fertig gegessen hatten. Er stand auf und begann, die Teller abzuräumen. Dann brachte er sie in die Küche. „Brauchst du Hilfe, Ennis?", fragte Tom.

Ennis schüttelte den Kopf. "Nein, ihr zwei redet weiter. In dem Tempo, in dem ihr sprecht, werden alle Details noch vor der Schlafenszeit feststehen.", grinste er.

Als Ennis das Geschirr abgewaschen und weggeräumt hatte, waren Jack und Tom auf die Veranda umgezogen. Ennis gesellte sich zu ihnen und brachte drei Gläser und eine Flasche Whiskey. „Ein Drink, Tom?", fragte er und goss ein Glas für Jack ein, der keine Extra-Einladung brauchte.

„Klar.", sagte Tom. „Und ne Zigarette, wenn du eine hast."

Ennis lachte. "Du weißt, dass ich eine habe." Er reichte Tom die Packung sowie ein Feuerzeug.

Tom zündete seine Zigarette an und nahm einen tiefen Zug. „Ich hatte einen netten Besuch bei Onkel Hal, heute Nachmittag.", sagte er. „Ich bin froh, dass ich früh hergekommen bin und die Chance hatte, einfach etwas bei ihm zu sitzen."

Ennis nickte. „Das ist genau das, was ich auch öfters tue. Einfach nur dasitzen und Hal Geschichten erzählen. Sprechen scheint ihn nur anzustrengen."

„Weißt du, Ennis.", sagte Tom. „Er weiß das wirklich zu schätzen, dass du es einrichten kannst, ihn jeden Tag zu besuchen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie viel es ihm bedeutet."

„Das ist kein „Einrichten". „, sagte Ennis. "Ich genieße unsere gemeinsame Zeit. Er ist eine nette und freundliche Person. Ich hab viel von ihm gelernt."

Tom grinste. "Er hat mir erzählt, dass ihr Jungs am 4. Juli einen speziellen Tag hattet."

„Was hat er gesagt?", fragte Jack.

"Er hat eure Ringe erwähnt. Mir gesagt, ich solle darauf achten.", sagte Tom. „Hal meinte, die habt ihr auf dem Jahrmarkt gekauft?"

„Stimmt.", sagte Jack. „Jeder, der uns gesehn hat, wird denken, wir hätten nur zwei Ringe gekauft, aber für uns war es etwas Besonderes."

Tom lächelte. „Das hat Hal auch gesagt. Ich glaube er war froh, dass ihr ihm von diesem Teil des Tages erzählt habt."

Allmählich flaute die Konversation ab. Ennis trank seinen Drink aus und besah sich das leere Glas. Jack bemerkte dies. „Noch was, Kumpel?", fragte er.

"Nein.", antwortete Ennis. "Ich bin müde. Ich glaub, ich geh ins Bett."

„Ich komm gleich nach.", erwiderte Jack. Er wandte sich mit der Flasche an Tom. „Soll ich deins nochmal auffüllen?"

„Nur einen Schluck.", sagte Tom. „Ich geh kurz in die Küche und benutze das Telefon.", sagte er. „Ich rufe Janet an und sage Gute Nacht." Er lächelte Ennis und Jack zu. „Wenn ich euch Jungs sehe, fällt mir ein, dass ich meiner Frau viel öfter sagen sollte, dass ich sie liebe, deshalb werde ich das jetzt tun." Tom stand auf und ging durch die Tür. „Nacht Jungs, bis Morgen."

Ennis lächelte Jack zu. "Wahrscheinlich ein gutes Stichwort.", sagte er. „Ich liebe dich, Rodeo, wir sehen uns oben."

Jack erwiderte das Lächeln. „Ich liebe dich auch, Cowboy." Er hielt inne und ergänzte dann: "Nicht zu schnell einschlafen, wir haben was zu feiern."

„Und was?", fragte Ennis.

„Sieht aus, als würden wir uns eine Farm kaufen.", sagte Jack glücklich lächelnd. „Und ich kann es verdammt nochmal kaum glauben."

Sorry, dass es so lange gedauert hat, dies mal. Ich hatte höllisch viel zu tun. Für die Schule und dann ist da auch noch meine eigene HP-Fanfic dezenten Wink geb

Danke für die Reviews. Die kann ich immer gebrauchen. Weiter so!

Bis dann, Katze