Kapitel 11

~ Please, please tell me what they looked like,
Did they seem afraid of you?
They were kids that I once knew... ~

Es war schwierig.

Er spürte die Zerrissenheit, von der er überzeugt war, dass es am Zaubertrank lag. Er liebte sie. Ehrlich und aufrichtig, daran bestand kein Zweifel. Der Trank hatte gewirkt. Und gleichzeitig hatte er Angst. Angst, dass es bald nachlassen würde. Er konnte seinen Blick nicht von ihr nehmen.

Sie waren aus Malfoy Manor verschwunden und er apparierte jetzt mit ihr.

Sie drehten sich im Strudel aus Farben und hielten inne, als sie vor dem Fuchsbau standen. Den er immer noch nicht leiden konnte. Und unbewusst hatte er nach ihrer Hand gegriffen. All diese Dinge, die er eigentlich abwegig fand, waren nicht mehr abwegig. Er erntete ihren amüsierten Blick hundert Mal pro Minute, aber er konnte nicht anders. Er musste sie ansehen, sie berühren, und es störte ihn nicht, dass er es musste.

Merlin.

Und er wusste, sie hatte ihm gesagt, dass sie ihn liebte. Zweimal. Er hatte mitgezählt. Aber er wusste nicht, ob sie meinte, was sie sagte. Aber er hoffte es sehr! Denn er liebte sie so unsagbar, dass es wehtat, wenn er eine Sekunde verstreichen ließ, ohne sie anzusehen.

Fest lag ihre Hand in seiner, als die Türen zum Fuchsbau sich öffneten.

Weasley kam langsam aus der Tür.

Er und Hermine schritten über die Wiese, und sie war immer noch barfuß, aber er fand es nichts weiter als wunderschön. Und es war warm genug. Er sah, wie Weasleys Mund sich öffnete.

Und Draco hatte keine Sekunde daran gezweifelt, dass sie real geworden war. Dass sie echt war, dass sie seins geworden war. Fast wollte er ihre Hand nicht loslassen, aber er wusste, sie wollte ihre Freunde begrüßen. Also löste er den Druck, ließ ihre Hand los, und blieb noch einige Meter von der Tür entfernt stehen, während sie langsam weiter ging.

„Hermine!", entfuhr es Weasley jetzt heiser und ungläubig. „Harry!", schrie er nach hinten, stolperte die Stufen fast hinab, und konnte Hermine nicht schnell genug in die Arme ziehen. Draco spürte den Stich der Eifersucht sofort, blieb aber regungslos stehen.

Er hörte Hermine aufschluchzen, hörte sie weinen, als sie die Arme um Weasleys Nacken schlang, während dieser sie vom Boden hochhob, und so laut lachte, dass die vereinzelten Hühner gackernd verschwand. Potter kam aus dem Haus, war wie versteinert stehen geblieben, und als Weasley Hermine wieder auf den Boden stellte, kam Potter langsam die Stufen hinab. Es erschienen Weasleys Mutter und Tochter ebenfalls in der Tür.

„Ach du großer…" Molly Weasley brach in Tränen aus, kam die Stufen ebenfalls hinab, und Hermine wurde von einem zu anderen gereicht. Sie stellten hundert Fragen, und nach einer Ewigkeit wandte Hermine den Blick in seine Richtung. Sie streckte ihre Hand langsam nach ihm aus, und als wäre es ein Signalschuss, setzte er sich sofort in Bewegung, konnte ihre ausgestreckte Hand nicht schnell genug erreichen, griff nach ihr, zog ihre Finger an seine Lippen und küsste ihre Knöchel.

Er bemerkte wie Potter und Weasley ihn ansahen, aber es war ihm egal.

„Kommt rein, kommt rein! Ginny, gib Hermine ein paar… andere Sachen!" Molly Weasley scheuchte sie alle wieder ins Haus. „Du musst ja ganz verhungert sein!"

„Es hat also funktioniert", sagte Potter hinter ihm, als sie das Haus betreten hatten. Er hörte eine Spur Unwillen in Potters Stimme. Eine Spur der Eifersucht, die Draco nun selber kannte.

„Ja", bestätigte er bloß, während sie im Flur stehen blieben.

„Ich… gehe mich umziehen", sagte sie, ein wenig beschämt. Ihre Wangen hatten eine gesunde rote Farbe angenommen, und sie hatte nie schöner ausgesehen als jetzt, fand er. Sie entzog ihm sanft ihre Hand.

„Hermine", hielt er sie rau auf, denn er wollte nicht wirklich, dass sie von ihm wegging.

„Bin gleich wieder da!", versprach sie, aber er konnte nicht an sich halten, ergriff erneut ihre Hand, zog sie näher und küsste ihre süßen Lippen, während Potter und Weasley nach Luft schnappten. Kaum berührte er ihre verführerische Haut hatte er das Gefühl, explodieren zu müssen. Es war ihm verflucht egal, wer ihnen zusah.

„Ich liebe dich", murmelte er gegen ihre Lippen und wollte sie am liebsten gleich hier im Flur noch einmal ausziehen.

„Hermine", sagte die kleine Weasley beschämt, und Hermine riss den Blick von seinem Gesicht los, während sie sich von der kleinen Weasley mitziehen ließ.

„Wow", hörte er Potter sagen. Er wandte sich um. „Das war… eindrucksvoll." Potter wirkte angewidert. Aber Draco konnte nicht anders, als zu lächeln. Weasley schüttelte unentwegt den Kopf.

„Ich liebe sie", wiederholte Draco voller Überzeugung, hob hilflos die Arme und die beiden Jungen starrten ihn an. „Sie ist absolut… unglaublich. Sie ist so…"

„Perfekt?", schlug ihm Weasley bissig vor, und Draco nickte.

„Jaah", bestätigte er.

„Ich find ihn zum Kotzen so!", beschwerte sich Weasley bei Potter und schüttelte wieder den Kopf. „Wieso lässt sie ihn das machen?", wollte Weasley sauer wissen.

„Sie liebt mich auch", antwortete Draco schließlich.

„Oh bitte, Malfoy!", schnappte Weasley gereizt. „Tut sie nicht!"

„Sie hat es gesagt. Und ich glaube ihr. Und ich liebe sie noch viel mehr!"

Er schloss kurz die Augen. „Gott, dieser Tank ist… verdammt gut", brachte er angespannt über die Lippen.

„Du… weißt, dass es ein Trank ist?", fragte jetzt auch Potter, und Draco atmete langsam aus, fuhr sich über die Schläfen und öffnete die Augen wieder.

„Ja, Potter. Ich weiß es. Und es muss absolut lächerlich klingen, was ich sage oder tue", fuhr er fort. „Aber… jetzt gerade… liebe ich sie mehr als mein Leben, und deswegen müssen wir uns beeilen", zwang er sich, zu sprechen.

„Ich dachte schon, du hättest deinen Plan vergessen", erwiderte Potter glatt.

„Nein", entgegnete Draco, und versuchte mit aller Macht, nicht an sie zu denken, denn sonst würde er noch nach oben rennen.

„Was für einen Plan?", entfuhr es Weasley skeptisch.

„Einen Plan, der dich wenig angeht. Wenn ich mich richtig erinnere, wolltest du doch sowieso etwas mit ihr besprechen? Während Potter und ich weg sind, kannst du das tun. Allerdings rate ich dir, ihr nicht zu nahe zu kommen, oder ich…" Er versuchte, nicht so zu sprechen, allerdings handelte es sich um die Frau, die er liebte. Trank hin oder her. Er konnte es jetzt gerade nicht trennen. „… oder ich bringe dich um."

„Sehr dramatisch, du Arschloch", gab Weasley genervt zurück. „Es ist nicht echt, ok?", knurrte Weasley, aber Draco griff in seinen Kragen, stieß ihn hart zurück gegen die Wand, und Weasley Augen weiteten sich ungläubig.

„Nein, es ist echt, Weasley! Also rühr sie nicht an!", informierte Draco ihn kalt. Weasley tauschte einen Blick mit Potter.

„Lass es, Ron. Im Moment könnt ihr darüber nicht diskutieren", murmelte Potter, der ebenfalls wenig begeistert klang. „Sie kommen", fügte er hinzu, als die Stimmen von oben wieder lauter wurden.

Sie war endlos lange weggewesen, fand er, obwohl er wusste, dass es nicht stimmte.

Sie trug Jeans und Turnschuhe. Dazu ein blaues enges Oberteil, und er liebte es einfach.

„Ich weiß, es ist kitschig, aber du siehst unglaublich aus!", murmelte er, als er nicht anders konnte, als wieder nach ihrer Hand zu greifen. Auch die kleine Weasley wirkte äußerst ungläubig. Er musste sie wieder an sich bringen.

„Draco-", begann sie sich sanft zu wehren, aber er schlang den Arm um sie.

„Ich weiß", murmelte er in ihren Haaransatz. „Ich kann nicht anders", fügte er hinzu und hörte Weasley aufstöhnen.

„Hermine, sag doch was!", fuhr er sie an. Draco war es egal, denn er hatte nur Augen für sie. Und vielleicht lag es am Trank, aber war sich sicher, es lag nicht nur daran. Er spürte, wo er übertrieben reagierte, was an seinen Reaktionen falsch lief, aber… unterschwellig spürte er, dass er sie nicht so ungern anfasste, wie er sich vorgaukelte, dass es ohne Trank sein würde.

Er neigte den Kopf und küsste ihre Halsbeuge. Er spürte sie schaudern.

„Oh bitte!", stänkerte Weasley weiter, und Draco ließ von ihr ab.

„Du gehst mir ziemlich auf den Sack, Weasley! Weißt du, ich-"

„-Draco!", unterbrach sie ihn scharf. „Nicht! Du weißt doch selber, wie es für sie aussehen muss!", fuhr Hermine ihn an. Er hob den Blick.

„Sag ihm, dass du mich liebst, Hermine!" Und ja. Das war der Trank. Er übernahm sein klares Denken. Diese verfluchte Eifersucht überschwemmte jedes rationale Gefühl.

„Malfoy…" Potter wollte ihn an der Schulter fortziehen, aber Draco machte sich von ihm los.

„Hermine, sag es ihm! Sag, was du mir gesagt hast, als wir miteinander geschlafen haben!"

Oh, verfluchte Scheiße.

Hermine starrte ihn an. Röte sprengte ihre Wangen. Weasley hatte ihn gepackt, und dann passierte alles ziemlich schnell. Er war gegen die nächste Wand geflogen, und Weasleys Faust krachte unangenehm hart in sein Gesicht.

Und er glaubte, als er die bunten Sterne tanzen sah, während er dem Boden entgegen segelte, dass es Potter war, der Weasley aufhielt, ihn noch einmal zu schlagen. Immerhin kniete sie sich sofort neben ihn.

„Alles ok?", vernahm er dumpf ihre Stimme. Der Schmerz pochte unterhalb seiner Wange, und benommen schüttelte er den Kopf.

„Ja", knurrte er. Er hörte Potter und Weasley diskutieren. Dann sah er Weasleys Schatten wiederkommen. Er rappelte sich auf die Füße.

„Ron, du schlägst ihn nicht!", rief sie, und Weasley standen schon wieder die Tränen in den Augen. Und irgendwie stand sie nicht mehr neben ihm, sondern umarmte plötzlich wieder Weasley, der an ihrer Schulter weinte. Draco hasste Weasley!

„Wir gehen", informierte ihn Potter eisig. Molly Weasley rief sie zum Essen, aber Potter deutete zur Tür.

Und der Nebel in seinem Kopf hatte sich für eine Sekunde gelichtet. Ja, es wurde Zeit, nahm er an.

„Hermine", sagte er rau, denn er begriff, dass… dass er sich verabschieden musste. Er wandte sich zu Potter um. „Ich kann nicht", flüsterte er erstickt. Potter sah ihn an.

„Was?" Potter schien gerade nicht in der Stimmung zu diskutieren.

„Ich…" Aber Draco riss sich zusammen. Nein. Keine Rückzieher.

„Wir können uns alle vertragen", sagte Hermine jetzt zu ihm, während Weasley wie ein finsterer Turm hinter ihr stand und auf ihn hinab starrte.

„Hör zu, ich… muss kurz weg", brachte er gepresst hervor. „Und egal, was passiert, ich liebe dich, ok?", sagte er fest, und sie sah ihn an.

„Was? Wovon redest du? Wo willst du hin? Harry?", wandte sie sich an Potter, aber dieser schwieg betreten. „Draco, du gehst nirgendwohin! Du-"

„-ich liebe dich, Granger", benutzte er mit aller Macht ihren Nachnamen, und sah die Tränen in ihre Augen steigen. „Ich danke dir, dass du… mein Leben gerettet hast. Und… ich will deins retten, also, mach es mir leichter. Bleib bei… bei Weasley, und…" Er konnte kaum weiter sprechen.

„Draco…"

Er schloss den Abstand hastig und küsste sie, als wäre es das letzte Mal. Er atmete ihren Duft ein, prägte sich ein, wie sie sich in seinen Armen anfühlte und wünschte sich plötzlich, was er fühlte wäre echt.

Er löste sich von ihr. Und er spürte die Tränen aufsteigen.

„Vielleicht… liebe ich dich nicht wirklich, aber… ich wünschte, ich würde", flüsterte er, denn natürlich liebte er sie! Natürlich! Oder war es doch nur der Trank? Er riss sich von ihrem wunderschönen Anblick los, denn sie weinte bereits.

„Mach's gut, Granger", sagte er, und er wusste, es würde das letzte sein, was er zu ihr sagen würde.

Und ehe er es sich anders überlegen konnte, ließ er sich von Potter aus dem Haus ziehen.

„Du bist ziemlich still", sagte er, als sie unter Potters Tarnumhang das Ministerium betreten hatten. Und er spürte, wie sauer Potter war.

„Du kannst froh sein, dass du sie retten willst, denn ansonsten hätte ich Ron solange zuschlagen lassen, bis du nicht mehr aufgestanden wärst!", knurrte Potter vor ihm, während sie den quatschenden Mitarbeitern auswichen.

„Potter", begann Draco, aber Potter bog um die nächste Ecke und zerrte den Umhang von ihrer beider Köpfe.

„Was, Malfoy?!", schnappte Potter und Zorn verzerrte seine Züge. „Du bist widerliches Arschloch! Sie ist dein Geist, du verhältst dich wie ein komplett selbstsüchtiger Wichser, dann schluckst du ein paar Tropfen Liebestrank, und auf einmal vergisst du deine kompletten Aversionen und kannst dich nicht beherrschen und schläfst mit ihr? Mit Hermine? Mit unserer Freundin?! Die wir verloren haben und wegen dir vielleicht noch einmal verlieren?" Potters Brust hob und senkte sich vor Wut.

„Ich liebe sie, ich-"

„-oh verschon mich mit dieser Scheiße! Würdest du das tun, dann wären wir nicht hier, oder? Nein, es war nur aus Sport!"

„Potter, bist vollkommen wahnsinnig?", zischte Draco wütend und fuhr sich durch die Haare. „Ich liebe sie! Ich konnte nicht anders, ok? Ihr habt den Trank doch vorgeschlagen! Also leb mit der verdammten Konsequenz, dass-"

„-beende diesen Satz nicht, du scheiß Bastard!", knurrte Potter, und Draco schloss den Mund.

„Lass uns einfach gehen", sagte Draco wütend, und Potter warf den Tarnumhang wieder über sie beide, und sie betraten den Fahrstuhl. Der Fahrstuhl war Merlin sei Dank leer und sie fuhren bis ganz nach unten.

„Mysteriumsabteilung", verkündete die kühle Frauenstimme, und sie verließen die Kabine und standen im Dunkeln. Die Türen wurden von Fackeln beleuchtet, und immerhin schien Potter zu wissen, wohin sie gehen mussten.

„Was willst du überhaupt tun? Du willst in der Zeit zurückreisen, und dann was?" Potters Neugierde schien über seine Wut zu siegen.

„Weißt du, wo wir lang müssen?", antwortete Draco stattdessen, denn er wollte wirklich nicht näher über seinen verdammten Plan nachdenken müssen.

„Ja. Linke Tür. Wir müssen unter dem Tarnumhang bleiben. Die magischen Sensoren werden ihn nicht aufspüren können. Also?", sagte er erneut, und Draco verdrehte die Augen, ohne dass es Potter sehen konnte, als sie die linke Tür ansteuerten.

„Also was?"

„Was dann? Wenn du zurückgereist bist?"

„Dann werde ich verhindern, dass sie mich rettet", erklärte er kalt. Und Potter schwieg.

„Das ist riskant. Und das ist verboten."

„Ja?", vergewisserte sich Draco hinter ihm belustigt. „Du würdest also sagen, dass ich nichts tun sollte, dass ich sie nicht retten soll, weil dann das System durcheinander gebracht wird?"

„Malfoy, wenn es nicht klappt – oder sagen wir, wenn es klappt…" Potter schwieg kurz. „Dann könntest du sterben", schloss er während er die Tür öffnete und Draco überrascht nach Luft schnappen musste, als sie in die Tiefe fielen. Nicht weit, aber sie fielen. Potter hielt den Tarnumhang mit seinem Zauberstab um sie gewickelt.

Draco spürte das magische Licht des Sensors über sie gleiten, als sie langsam vom staubigen Boden aufstanden. Aber der Sensor schlug keinen Alarm, und ohne ein Geräusch schlichen sie weiter durch die nächste Tür, an einem schlafenden Wachmann vorbei, weiter in den Flur.

„Hast du darüber nachgedacht?", griff Potter seine Worte wieder auf, während Draco sich vorsichtig den Staub von der Kleidung klopfte.

„Nein, Potter. Ich dachte, ich mache so eine waghalsige Aktion, ohne vorher drüber nachzudenken", knurrte er. „Sicher habe ich darüber nachgedacht."

„Und du willst das in Kauf nehmen?", beharrte Potter auf den Worten.

Draco atmete gereizt aus. Er antwortete allerdings nicht darauf. Es war offensichtlich, oder nicht? Und Potter wandte den Blick von ihm ab, wieder nach vorne. Und er nickte schließlich.

„Du bist nicht so ein großes Arschloch, wie ich dachte, weißt du?", murmelte Potter, als sie durch die nächste Tür schritten.

„Will ich wissen, warum du dich hier so gut auskennst?", erkundigte sich Draco als sie einen Raum erreicht hatten, der vor seltsamen Gegenständen überquoll. Unter anderem auch Zeitenumkehrern.

„Ich bin Harry Potter", erklärte Potter so selbstsicher, dass Draco kotzen könnte.

Er hob den Umhang an, griff sich einen Umkehrer, und sein Herz schlug schnell.

„Ok, raus hier, bevor es noch jemand merkt!", zischte Potter, als Draco gelangweilte Stimmen von weiteren Wachmännern auf dem Flur hörte. Er würde Potter zu gerne zu diesem Tarnumhang befragen, der weder von Sensor-Zaubern noch von menschlichen Augen gesehen werden konnte, aber sie hatten bedenklich wenig Zeit.

Und er setzte alles daran, nicht darüber nachzudenken, was Weasley gerade mit Hermine veranstaltete….

Es war so unangenehm, wie man es sich vorstellen konnte. Und sie weinte die gesamte Zeit über. Sie weinte, als Molly Weasley angefangen hatte zu weinen, sowie Arthur und Ginny.

Und jetzt saßen sie im Flur. Auf der windschiefen Treppe im dritten Stock.

Ron sah sie immer wieder an.

„Du bist wieder da", flüsterte er immer wieder, schüttelte den Kopf, musste sie immer wieder berühren, ihre Hand halten, und sie lächelte wieder, wischte sich die Tränen fort und zwang sich, nicht mehr zu weinen.

„Ja. Ich habe euch so vermisst!", sagte sie leise. Er ergriff wieder ihre Hand.

„Es ist… kein Tag vergangen, an dem ich nicht an dich gedacht habe. An dem ich nicht überlegt habe, wie ich das Schicksal ändern könnte. Ich…"

„Ron-"

„-du warst alles für mich, Hermine. Und… und ich weiß, dass… dass ich dich heute vielleicht wieder verlieren werde, also…" Er griff in seine Hosentasche und holte eine Schachtel hervor. Sie hielt den Atem an. „Ich… trage ihn immer bei mir. Seit dem Tag an… dem du gestorben bist", flüsterte er.

Und Hermine spürte, wie die Luft zum Atmen knapper wurde, wie ihr Herz schneller schlug. Meinte er das ernst?

„Ich liebe dich, Hermine. Ich… habe dich immer geliebt. Und ich… weiß nicht, ob ich dich noch einmal verlieren kann", endete er so leise, dass sie ihn kaum noch verstehen konnte. „Und ich will dich nur einmal fragen…" Er öffnete die kleine Schachtel. Der Ring im Innern war schmal, silbern und in der Mitte saß ein blauer Stein. Er war wunderschön.

„Hättest du mich geheiratet, damals?"

Eine Träne rann Rons Wange hinab, und sie spürte selber, wie sie die Tränen nicht zurückhalten konnte. Sie nickte stumm, starrte hinab auf den Ring und wischte die Tränen weg.

„Ja, Ron. Ich… ich hätte dich geheiratet", flüsterte sie. Er lächelte und schloss sie heftig in seine Arme.

„Aber… ich… glaube…", begann sie zaghaft, während sie seinen Duft und seine vertraute Wärme genoss, „… ich liebe Draco", flüsterte sie, und der Druck seiner Arme ließ nach.

Er wich zurück und sah sie an. „Was?", entfuhr es ihm schwach.

„Ron, ich…"

„Sag mir, dass das nicht wahr ist!" Die Hand, in der er die Schachtel hielt, war an seine Seite gesunken. Hermine spürte die Tränen erneut.

„Ron, ich liebe dich, du bist mein bester Freund, und ich… wäre natürlich bei dir geblieben und wir… wären zusammen gekommen, aber jetzt-"

„-weil du Sex mit ihm hattest? Deswegen?", entfuhr es Ron, aber Hermine schwieg. Ron schloss kurz die Augen und atmete aus. „Hermine, ich… ich will nicht, dass du wieder verschwindest. Ich… kann mir nicht erlauben, wütend auf dich zu sein. Hauptsache, du gehst nie mehr!"

„Ich kann dir darauf keine Antwort geben, Ron. Meine Zeit läuft ab, und ich…"

„Nein!" Er schüttelte rigoros den Kopf. „Wir reden da nicht mehr drüber!", sagte er steif. „Und ich möchte, dass du den Ring behältst. Es… ist deiner. Es sollte immer deiner sein, und ich… liebe dich, Hermine. Ohne Trank, ohne alles."

Und sie schloss die Augen. Ach, wäre sie doch als Geist zu Ron zurückgekehrt. Ron wollte sie heiraten! Ron trug jeden Tag den Verlobungsring in seiner Tasche. Sie sank zurück in seine Arme und wollte nicht an morgen denken, wenn sie in der Hölle auf ewig verdammt sein würde. Denn, was auch immer Malfoy gerade tat, es würde nichts ändern können, da war sie sicher. Und dennoch vermisste sie ihn.

„Du willst alleine gehen?", vergewisserte sich Potter, aber er schien nicht besonders erpicht darauf, mit ihm zu kommen.

„Sicher", gab er also zurück.

„Danke. Malfoy." Potter klang etwas abgehackt. Es kostete ihn Überwindung, nahm Draco an. „Kann ich dich was fragen?", fuhr er unsicher fort.

„Was?" Draco wusste, dafür, dass er gleich im Begriff war sein Leben zu riskieren war er erstaunlich gelassen.

„Ich meine… du hattest diesen Plan schon gestern gefasst, richtig?", wollte Potter langsam wissen, und Draco nickte. „Und… du hast heute den Trank genommen…"

„Worauf willst du hinaus, Merlin noch mal?", fuhr Draco ihn an. Er vermisste Hermine. Es brachte ihn fast um, dieses verdammte Gefühl.

„Du… glaubst du nicht, dass… die Gefühle vielleicht schon da waren? Dass du einfach… dass du das gar nicht machen musst?", wagte Potter zu sagen, und Draco runzelte die Stirn.

„Ich… will mich darauf nicht verlassen, verstehst du? Ich…"

„Du denkst, es reicht nicht aus? Aber du hast gesagt, gestern, als du sie geküsst hast, da… wäre ihre Hautfarbe wiedergekommen. Ich meine… ist das nicht… Liebe?"

„Potter, was ich jetzt für sie fühle, ist kein Vergleich." Und Potter schwieg.

„Viel Glück, Malfoy", sagte Potter jetzt tonlos. Draco nickte nur. Er wusste, es hatte nicht ausgereicht. Also tat er jetzt, was selbstlose Menschen wohl taten. Nicht, dass er wirklich selbstlos war, aber… es wäre doch schön, so zu tun, als ob….

Er starrte hinab auf den Zeitenumkehrer in seiner Hand. Diebstahl. Verbotene Zeitreisen. Änderung der Vergangenheit. Das waren Delikte, die ihn Jahre in Askaban kosten könnten. Aber er hatte keine Wahl.

Potter apparierte in der Sekunde. Und Draco tat es ihm gleich. Nur apparierte Potter zurück zum Fuchsbau. Zurück zu ihr, und er, Draco, apparierte nach Hogsmeade.

Keine fünf Sekunden später kam er vor dem Honigtopf zum Stehen. Es war unglaublich warm heute. Menschenmengen wanderten plaudernd von Geschäft zu Geschäft, und Draco lief in eine der vielen Gassen. Hätte er sich bei seinen Eltern noch mal melden sollen? Nein, er würde sonst nur seine Meinung ändern. Pansy…. Kurz dachte er an Pansy. An Astoria. An Gregory und Blaise.

Er atmete aus. Ja, Granger hatte ihn verändert. Er dachte an ihr wunderschönes Gesicht, an ihren Körper, ihr Lächeln, und er musste zugeben, er hatte sie auch vorher schön gefunden.

Und deshalb tat er es. Er musste. Er wusste, es war das einzige, was er tun konnte.

Er öffnete den Zeitenumkehrer, aktivierte das goldene Zahnrad und stellte den exakten Tag vor einem halben Jahr ein. Die Sonne versank langsam. Er gab noch ein paar Stunden hinzu, damit die Nacht bereits vorangeschritten sein würde.

Und er klappte den Mechanismus wieder zu, hängte sich die Kette um, tippte gegen die winzige Sanduhr und spürte, wie sein Körper vom Boden gerissen wurde, als der Zeitstrom ihn erfasste.

Stolpernd kam er zum Stehen und lehnte sich hastig gegen die dunkle Mauer. In Hogsmeade schrillte der Alarm mitten in der Nacht. Sein Biorhythmus brauchte noch ein paar Sekunden, denn die Zeitreise war unmöglich ohne Spuren bei einer solchen Distanz einfach zu kompensieren. Er atmete heftig.

Einige Zauberer liefen schreiend an ihm vorbei. Geistesgegenwärtig griff er nach dem Zauberstab und legte ihn gegen seine Kleidung. Es war ein Plan, bei dem so viel schief gehen konnte. Eigentlich alles. Aber er war ohnehin schon zu weit gegangen.

Morsmordes Vestimentum!", sagte er behutsam und darauf bedacht, dass niemand ihn bemerkte. Seine Kleidung verwandelte sich, wurde schwarz, unter dem nächsten verbotenen Zauber. Aber damals war der Zauber noch nicht verboten, deswegen erschien keine rauchige Mahnung als Botschaft des Ministeriums aus seinem Zauberstab.

Noch immer sah er bunte Punkte vor seinen Augen tanzen. Er spürte, wie die Todessermaske sich über sein Gesicht legte, wie er kaum atmen konnte. Er zog sie hastig vom Kopf. Er hatte vergessen, dass sie damals zur Uniform gehört hatte. Er sah einfach scheußlich aus.

Wo war er an diesem Tag jetzt gerade gewesen? War er im Schloss gewesen?

Jaah. Er meinte sich zu erinnern.

Hastig schlüpfte er aus seinem Versteck, ignorierte seine Reisekrankheit und hastete vorwärts in die Dunkelheit. Ihm kam in den Sinn, dass er Potter nach seinem Tarnumhang hätte fragen sollen, aber er erinnerte sich wieder, dass Potter ihn benutzt hatte, um vor Voldemort zu entkommen, heute, an diesem Tag.

Er lief lautlos weiter, konnte das Schloss bereits erkennen und sah, dass die Tore aus den Angeln geflucht worden waren. Es war weit nach Mitternacht, und er lief weiter.

Bunte Blitze zuckten über den Himmel, und es war als erlebe er seinen persönlichen Albtraum noch einmal. Und das tat er sogar….

„Hey!"

Er zuckte zusammen. Er hatte gerade die Tore passiert, und er zog den Zauberstab. Sein Puls raste, als er sich umwandte. Und er erstarrte.

„Malfoy, beweg dich! Wir finden Dumbledores Armee und bringen sie um!" Crabbe lief an ihm vorbei und bedeutete, ihm zu folgen. Dracos Mund stand offen. Er sah Crabbe hinterher, der bereits in der kämpfenden Menge verschwand.

Scheiße. Crabbe war bei dem Versuch, Dumbledores Armee zu stoppen, gestorben. Draco überlegte, ob er ihn würde retten können, aber er verwarf diese Idee. Wichtiger war, dass er sich selber finden musste.

Er duckte sich durch ein paar Kämpfende hindurch, wehrte einen Fluch ab, wie in Trance, und hatte nur ein Ziel: Nicht zu sterben, ehe er nicht das Schloss erreicht hatte!

Merlin! Die Angst folgte ihm auf dem Fuße! Was hatte er sich dabei gedacht?! Vertraute Gesichter, die gestorben waren, begegneten ihm aus den Augenwinkeln, und er stürmte ins Schloss.

Er bewegte sich lautlos durch die zerstörten Gänge, den Zauberstab gezogen.

„Draco!"

Merlin, wieso entdeckten ihn ständig Leute? Aber er war gar nicht gemeint. Hastig wich er in den Schatten zurück, als er um die nächste Kurve blicken konnte. Er erkannte sich selbst, wie er an einem der Fenster stand und Gregory neben ihn trat.

„Crabbe will dass wir ihm folgen. Er weiß, wo einige von Potters Leuten sind."

„Super", hörte er sich sagen. „Dann wünsche ich ihm viel Spaß dabei. Wo ist mein Vater?" Der jüngere Draco blickte weiterhin nach draußen aufs Schlachtfeld.

„Wir müssen irgendwas tun!", fuhr Goyle ihn nervös an.

„Ich will gar nichts tun! Ich will weg hier. Nach Hause, verdammt!" Draco, der sich im Schatten versteckt hielt, verdrehte die Augen. Ja, er wollte auch nach Hause.

„Ich gehe, Draco", schien Goyle ihm zu drohen.

„Schön, mach doch! Mal sehen, wie lange du überlebst!", rief der andere Draco ihm nach. „Was für ein Arschloch", fügte der jüngere Draco hinzu, und der ältere Draco trat aus dem Schatten, direkt hinter ihn. Es war seltsam, sich selber zu sehen.

Was für ein Feigling er gewesen war. Gerade hasste er sich selber. Wenn er sich recht erinnerte, dann hatte ihn Granger gerettet, gerade als er auf der Flucht gewesen war. Gerade, als er hatte abhauen wollen. Und fast mit Genugtuung feuerte er den Fluch ab.

Stupor!", rief er laut und traf sich selber in den Hinterkopf.

Sofort fiel der jüngere Draco bewusstlos zu Boden.

„Entschuldige", sagte er leise, griff sich selber unter die Arme und schleifte den schlaffen Körper über den Flur, um ihn in einem der vielen Schränke zu verbergen. Er verschloss die Tür magisch. Gut. Er hatte sich selber erst mal aus dem Weg geräumt.

Er blickte nach draußen. Ja, es kam ihm bekannt vor. Es wurde Zeit, er wusste das. Und dann sah er sie. Ihre Haare flogen wild über ihre Schulter. Und er sah den Todesser, der damals den Fluch gefeuert hatte. MacNair. Er saß in Askaban. Noch für sehr lange Jahre.

Und Draco fragte sich, ob er, jetzt wo er sein jüngeres Ich ausgeschaltet hatte, dennoch draußen darauf achten musste, dass Granger nicht umkam.

Oder… würde er damit die Sache wiederholen. Unschlüssig stand er vor dem Fenster.

„-wir müssen ihn finden! Wenn wir ihn nicht-"

Kurz wandte er den Blick. Es waren nur Weasley und seine Schwester, die den Gang entlang gelaufen kamen. Er blickte wieder nach draußen.

„Hey, du Arschloch!"

Ach jaah… fuck.

Sie waren ja gar keine Freunde. Oder was auch immer sie zurzeit vortäuschten zu sein.

Er wandte sich ratlos um. Musste er sich verteidigen? Wer wollte ihm ans Leben? Wollte das überhaupt jemand? Unschlüssig hob er den Zauberstab, während die Weasleys in Position gingen. Er öffnete den Mund, wusste aber nichts zu sagen.

„Wir verfluchen dich beide!", informierte ihn die kleine Weasley, die alarmierend viel Blut auf ihrem Umhang kleben hatte. Ihr eigenes?!

„Ahem…", erwiderte er, und würde es einfach großartig finden, wenn er von den Weasleys auf dem Flur einfach umgebracht werden würde.

„Kein Fluch auf Lager, verdammtes Frettchen?" Weasley war mächtig zornig.

„Ich will nicht gegen euch kämpfen", sagte er schließlich.

„Natürlich nicht! Du hast ja auch keine Chance!", blaffte Weasley lauter. Draco verdrehte tatsächlich die Augen.

„Ich will euch nichts tun, verdammt! Ich…" Er ließ den Zauberstab sinken. „Ok?", versuchte er es erneut.

„Wir haben keine Zeit dafür, Ron!", zischte seine Schwester jetzt unschlüssig. Dracos Blick fiel wieder aus dem zerstörten Fenster aufs Schlachtfeld.

Scheiße.

Und irgendwie war es anders gekommen. Granger kämpfte gegen MacNair! Und das gehörte nicht zum Plan.

„Ich muss zu Hermine!", sagte er hastig, und hoffte, Weasley verstand. Aber Weasleys Ausdruck wurde mörderisch.

„Du willst sie töten?", schrie er wütend, und Draco stöhnte auf.

„Nein, du Affe!", knurrte Draco gereizt, und alle drei stürmten jetzt nach draußen.

Auf dem Weg schleuderte Draco ein paar nette Vereisungsflüche auf die Todesser, die er entdecken konnte. Schaden konnte es nicht.

„Was zur Hölle…?", vernahm er die Stimme der kleinen Weasley neben ihm.

„Hey, MacNair!", brüllte er praktisch über das Feld. Der Todesser erkannte ihn, hob abgelenkt die Hand zum Gruß, und Draco hasste den Mann! Hasste ihn!

Sectum Sempra!", brüllte er praktisch, und wusste, er hätte den Todesfluch anwenden können. Genug Wut empfand er gerade, aber… vielleicht empfand er nicht genug Wut, um jemanden zu töten. Er hatte es noch nie getan.

MacNair fiel bewegungslos zur Seite, während das Blut aus seiner Kleidung austrat. Die Weasleys starrten ihn an, als sie allesamt Hermine erreicht hatten. Granger atmete heftig. Kratzer zierten ihr Gesicht. Sie lebte. Sie lebte tatsächlich und sah ihn an, als wäre er der widerlichste Mensch auf der Welt.

„Du bist also ein Verräter, Malfoy?", fuhr sie ihn an, und er schenkte ihr einen ausdruckslosen Blick. Sie zog tatsächlich den Zauberstab gegen ihn.

„Oh bitte…", entfuhr es ihm gereizt. Ein weiterer Fluch zischte zwischen ihnen hindurch.

Stupor!", rief er zornig in die Richtung aus der er gekommen war, und er sah noch, wie Crabbes Vater geschockt zu Boden ging.

„Du… verfluchst deine Leute?", rief die kleine Weasley, während sie ebenfalls einen Fluch gegen einen Todesser losließ. Draco ruckte mit dem Kopf, als ein blauer Fluch Grangers Kopf nur zu knapp verfehlte. Er sprang nach vorne und griff um ihr Handgelenk. Sofort schlug sie mit der Faust auf ihn ein.

„Du bist ein Miststück!", informierte er sie, während er sie über das Feld schleifte, als die Weasleys gegen seinen Onkel Lester vorgingen – der ihm gerade mächtig sonst wo vorbeiging!

„Malfoy!", kreischte sie, aber erbarmungslos zog er sie aus der offenen Fluchbahn. Er griff achtlos nach ihrem Handgelenk, denn sie trug eine Uhr.

Es war drei Uhr fünfzehn. In den nächsten Minuten war es passiert. Er erinnerte sich. Er starrte sie an.

„Wenn du nur ein paar Minuten warten könntest", sagte er gereizt. Er sah, wie sich ein Todesser Weasleys Schwester näherte, und belegte ihn mit einem Klammerfluch, ehe der Todesser die kleine Weasley verfluchen konnte. Granger entriss ihm ihre Hand.

„Fass mich nicht an, du scheiß Todesser!", rief sie zornig. Seine Geist-Granger war ihm wesentlich lieber gewesen, stellte er resignierend fest.

„Ich werde dich nicht da raus lassen, Granger. Vergiss es!", knurrte er.

„Bist du verrückt?", schrie sie ihn an, aber er zog sie am Arm zurück. Der Trank hatte noch nicht gänzlich an Wirkung verloren. Er fand sie betörend schön. „Ich muss ihnen helfen!"

„Nein, das einzige, was du musst, ist, nicht sterben!", korrigierte er sie zornig.

„Was? Malfoy, bist du-"

„-ich werde es nicht zulassen, hast du verstanden? Ich habe diese Chance. Keine weitere, ok?" Sie lebte. Sie war so… lebendig und wütend in seinen Armen.

„Wovon zum Teufel sprichst du? Wieso greifst du deine eigenen Leute an?", fuhr sie ihn an, während sie wieder versuchte, zu entkommen.

„Ich liebe dich, Granger", sagte er, und es entsprach der Wahrheit. Zumindest jetzt noch. Er hatte aus den Augen verloren, wann der Trank an Wirkung verlieren würde. Und Granger starrte ihn an.

„Was?", entkam es heiser ihren Lippen.

„Ich liebe dich, und du wirst nicht sterben, hast du gehört?", flüsterte er. Ihre Augen waren groß geworden.

„Du… kennst mich überhaupt nicht, Malfoy", kamen die Worte verwirrt über ihre Lippen.

„Draco!"

Oh fuck.

„Was tust du mit…?" Lucius schien zu zögern, schien nicht zu wissen, ob er kämpfen oder fliehen sollte. Und Draco stellte sich in einer schützenden Geste vor Hermine. „Draco?" Sein Vater starrte ihn an. Es vergingen ein paar Sekunden.

„Bring dich in Sicherheit. Such Narzissa, und bring dich in Sicherheit", erklärte Draco nur.

„Was tust du?", flüsterte Lucius kopfschüttelnd.

„Ich…" Ja, Draco hätte so gerne eine Antwort auf diese Frage parat. „Geh endlich!", entschied er sich zu sagen, und Lucius runzelte die Stirn, ehe er Folge leistete. Er rief Draco noch irgendetwas zu, was dieser nicht verstand, aber als er sich umwandte… war sie nicht mehr da!

Scheiße!

Sofort stürzte er zurück zwischen die Kämpfer, erledigte zwei mit Faustschlägen auf die Nase, brach zwei weiteren die Beine mit Verdrehungszaubern und entdeckte sie weiter in der Menge. Fenrir Greyback kämpfte in der Nähe und war ein zu gefährlicher Gegner.

„Granger!", rief Draco zornig, half nebenbei Weasley einem Todesser das Augenlicht zu nehmen und erntete wieder einen ungläubigen Blick. Ja, ja. Weasley sollte einfach drüber wegkommen. Wo war Potter eigentlich?!

Sein Arm tat bereits weh, und er erinnerte sich an die Nacht vor sechs Monaten. Er war ein verfluchter Bastard gewesen, der sich in den Schatten versteckt gehalten hatte, der niemandem auch nur ansatzweise geholfen hatte, immer nur auf den eigenen Vorteil und die Flucht bedacht, immer hinter seinem Vater her.

Ein Fluch streifte sein Gesicht, und er spürte, wie das Fleisch seiner Wange aufriss, spürte das heiße Blut auf seiner Wange und er wandte sich fluchend um, schleuderte den Fluch willkürlich gegen den nächsten Todesser, der ihm in die Quere kam.

„Weasley!", schrie er im selben Atemzug. „Runter!", dröhnte seine Stimme über das Feld, und er wandte einen Zauber an, den er in der Architektur ständig gebrauchte, um verschiedene Baustoffe zusammenzufügen, richtete ihn auf fünf Todesser, die somit zusammen gerissen wurden und fest verbunden zu Boden fielen.

Weasley war stehen geblieben, betrachtete ihn, aber Draco kämpfte sich weiter vor. Weiter vor zu ihr.

Und er hörte den widerlichen Werwolf.

„Komm her, kleines Schlammblut!" Seine Reibeisenstimme schnitt klar durch die Nacht, und Draco wurde schneller, rammte einem Todesser den Ellbogen ins Gesicht, duckte sich durch einen Stupor und nassgeschwitzt warf er sich gegen den wildgewordenen Fenrir.

Granger war auf dem Boden gewesen, rappelte sich auf, und Greyback schrie unter ihm auf. Draco war auf dem Wolf zusammen gebrochen, sprang eilig runter, damit er ihn bloß nicht beißen konnte und achtete darauf, dass Granger hinter ihm blieb.

„Weg von ihr!", schrie er außer sich. Das wäre noch schöner! Er rettete Granger vor MacNair, und dann kam Fenrir Greyback! Nein! So nicht! Nicht mit ihm, verfluchte Scheiße!

„Malfoy…", entfuhr es dem Bastard lächelnd. „Gefallen gefunden an einem Schlammblut? Ich wusste nicht mal, dass du weißt, wie man einen Zauberstab benutzt, du feiger Verräter!"

„Oh, halt deinen Mund, du Scheusal!", knurrte Draco. Er schickte den Stupor stumm, wurde durch Greyback geblockt, blockte wiederum den nächsten Fluch, während sich Granger neben ihn stellte, bereit zu kämpfen.

„Ich hab dir doch gesagt, du sollst hier wegbleiben, verflucht!", rief Draco gestresst.

„Was? Nein!"

Gott! Sie war...!

Er schleuderte ihm die schlimmsten Flüche entgegen, schaffte es, ihn zu entwaffnen, und Weasley schickte ihn mit dem nächsten Fluch zu Boden.

„Malfoy!", hörte er eine andere Stimme. Lupin. Lupin lebte noch?! Aber er reagierte, ehe er noch weiter darüber nachdenken konnte. Er fing das gebogene Messer am Griff auf und warf sich nach vorne, ehe Greyback sich hatte aufrichten können. Er sah den giftigen Geifer an den Schneidezähnen des Wolfes glitzern, rammte aber mit einem Schrei das tödliche Messer durch die Brust des Mannes, der zitternd zusammen brach.

Draco wich hastig über den Boden zurück, als das letzte bisschen Leben aus den Lungen des Wolfes wich.

„Scheiße…", fluchte er geschockt.

„Das war verdammt großartig!", erntete er das Lob von Lupin, der ihn erreicht hatte, ihm die Hand reichte, und in die Höhe zog. „Gut gemacht, Draco", wiederholte er anerkennend.

Aber er fluchte unterdrückt, als er sah, dass Granger nicht mehr neben ihm stand.

„Wo ist sie?", donnerte seine Stimme zu Weasley hinüber. Dieser sah sich hilfesuchend um, und Draco sah sie direkt in der Mitte. „Oh nein!", entfuhr es ihm, denn Bellatrix kämpfte auch viel zu nah. Aber Draco kam sich vor wie eine gnadenlose Kampfmaschine. Granger wollte ihm Gegner nach Gegner in die Quere werfen, dann bitte. Er würde verdammt noch mal jeden umbringen, der es wagen sollte sie anzurühren!

Er sah es! Er rannte bereits, seine Lungen gaben ihn schon auf, aber er schrie, während er rannte. Einige der Kämpfenden hielten inne, denn er hatte nichts zu verlieren, nichts, was er nicht aufgeben würde, und Blitze erhellten den Himmel, während er wie ein wahnsinniger Märtyrer über den Rasen stürmte.

Denn Bellatrix hatte Granger erkannt, hatte sich umgewandt, während Granger Nott schockte. Und Draco rannte, rannte so schnell, dass er fallen würde, müsste er stoppen oder wenden, und dann sprang er ab.

„Nein!", schrie er so laut, dass sogar Granger es mitbekam. Er stürzte sich auf seine Tante, die mit einem Schrei zu Boden ging. Der Cruciatus verfehlte Granger, steuerte in den Nachthimmel und erlosch bei den Sternen.

„Draco!", schrie Bellatrix, aber er holte aus rammte seiner Tante die Faust ins Gesicht, so dass ihr Kiefer knackte, und fluchte, als seine Faust taub wurde. Aber bewusstlos war Bellatrix liegen geblieben. Er kam auf die Füße, stützte sich auf den Knien ab, und Granger kam auf ihn zu gehumpelt. Sie war verletzt!

„Was ist passiert? Wer war es?", keuchte er, bereit sich ins Gefecht zu stürzen.

„Was tust du? Wieso beschützt du mich?"

„Granger…", begann er verzweifelt, aber er konnte nicht mehr. Sie sollte einfach aus der direkten Fluchbahn verschwinden. Der nächste Todesser kam in seinen Weg, aber Draco schickte ihn mit dem Crucio zu Boden, ohne überhaupt hinzusehen. „Bitte, tu mir den Gefallen, und verschwinde endlich. Ich verspreche, ich kriege alle, die du verpasst, ok?"

Er hörte den Fluch hinter sich.

„Malfoy!", rief sie, sprang auf ihn zu, aber er reagierte schneller, riss sie mit sich zu Boden, und der grüne Fluch schoss über sie beide hinweg.

„Nein", sagte er sanft, als er über ihr lag, und sie schockiert in sein Gesicht hinauf blickte.

„Ich rette dich, Granger. Du stirbst nicht. Nicht heute, niemals, wenn es nach mir geht!"

„Malfoy, du…"

„Du läufst nicht mehr weg, verstanden? Wir bleiben zusammen! Du weichst nicht von meiner Seite!" Sie sah ihn noch immer an, aber er hoffte, er hatte einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Und er hörte Geschrei. Potter war aufgetaucht! Merlin sei Dank, endlich! Was war er?! Ein verfluchter Rockstar, der auf den großen Auftritt wartete?! Und Draco kam auf die Beine, half Granger hoch und kämpfte die nächste Stunde, als würde es kein Morgen mehr geben.

Er wartete sehnsüchtig auf das Ende, wagte sich weiter vor, deckte Potter, tötete noch zwei weitere Todesser, die er beide gekannt hatte, und wollte nur noch, dass es endete.

Und Potter siegte.

Es kam ihm endlos vor. Seine Beine trugen ihn kaum noch. Zeit war nur noch eine verschwommene Endlosigkeit.

„Alles klar?", wagte Granger zu fragen. Er fühlte sich bodenlos in der Großen Halle, wo alles Opfer aufgebahrt lagen. Lupin…. Lupin hatte er nicht gerettet. Er hatte es nicht geschafft. Weasleys Bruder. Er hatte ihn gar nicht mehr gesehen! Der Zwilling. „Malfoy?", fügte sie hinzu. Er sah sie an.

„Du lebst…", sagte er rau. Sie sah ihn an. Dann nickte sie.

„Danke, Malfoy", sagte sie nur.

„Gern geschehen…"

Die Sonne war aufgegangen. Und es wurde Zeit für ihn. Denn… es war gar nicht seine Zeit. Es war die Vergangenheit seines jüngeren Ichs. Er machte kehrt. Kehrt, ohne sie zu küssen. Ohne noch etwas zu erklären, und er stürmte die Flure entlang, bis er die Tür fand, hinter der er sein jüngeres Ich verstaut hatte.

Gerade als er die Tür öffnete, kam sein Spiegelbild zu Bewusstsein.

„Gut geschlafen?", fragte er schlecht gelaunt, und der jüngere Draco Malfoy bekam große Augen. „Ok", kürzte er dieses Gespräch ab. „Obliviate!", befahl er. Das Gesicht seines jüngeren Ichs wurde ausdruckslos. „Du hast gekämpft. Du hast Granger gerettet. Ein paar Weasleys, du hast Fenrir Greyback mit Lupins Hilfe getötet. Du hast Granger gesagt, dass du sie liebst. Und… du weißt nicht genau, ob du es so gemeint hast, und mich hast du niemals gesehen", schloss er streng.

Dann holte er die Kette hervor, und er fluchte unterdrückt, denn die Sanduhr war verbogen. Er versuchte also ein halbes Jahr weiter zu drehen, allerdings schien es nicht vollständig zu funktionieren. Er hörte Stimmen, seufzte auf und drehte auf gut Glück.

So viel würde schon nicht schief gehen.

….

Und als sein jüngeres Ich zu Bewusstsein kam, verschwand er vor seinen eigenen verdutzten Augen.