Rückkehr in ein altes Leben
Als sie nach einer Woche wieder nach Hause kam, empfing ihre Mutter sie mit Tränen in den Augen. „Mom, was ist passiert?" fragte sie entsetzt.
„Sam hatte in der Zeit, wo du in London warst, einen Unfall!" „Was, das kann nicht sein! Wie geht es ihm? Ist er okay?" sprudelte es nur so aus Jessy raus. „Das konnte mir bisher keiner sagen.!" antwortete ihre Mutter traurig. „Mann, wie konnte das nur passieren? Und wann?" Jessy wurde immer nervöser und ängstlicher. Sie hatte Sam immer gemocht. Er war nicht nur eine Art Ersatzvater gewesen, nein er war auch ein Freund für sie. „Können wir zu ihm fahren?" „Ich war bereits im Krankenhaus. Sie sagten, dass es vor morgen keine Entscheidung geben wird. Wir müssen also abwarten." Jessys Mom war sehr niedergeschlagen. Selten hatte Jessy ihre Mutter so gesehen. „Ich glaube, ich koch uns erst mal einen Tee. Der wird dich etwas beruhigen." versuchte Jessy ihre Mutter ein wenig auf andere Gedanken zu bringen. „Ja, das ist eine gute Idee. Ich werde wohl dann gleich ins Bett gehen, damit ich morgen wieder einigermaßen munter bin, wenn ich wieder ins Krankenhaus fahre. Du musst ja erst übermorgen wieder auf Arbeit. Also kannst du mitkommen." „Klar komme ich mit. Das ist doch gar keine Frage."
Jessy und ihre Mom fuhren gleich am nächsten Tag ins Krankenhaus, um Sam zu besuchen. Als sie in sein Zimmer kamen, trafen sie einen Arzt an. „Sind sie die Familie dieses Patienten?" wollte der Arzt wissen. „Ja, das ist mein Lebensgefährte. Wie geht es ihm? Sagen Sie mir bitte die Wahrheit, Herr Doktor!" drängte Jessys Mom den Arzt. „Also, es steht sehr schlecht um ihren Lebensgefährten. Er liegt im Koma und wir wissen nicht, ob er durchkommen wird. Die inneren Verletzungen sind zu schlimm, als dass wir etwas anderes tun könnten als abwarten."
Die nächsten Tage tat sich nicht wirklich viel und Jessy fuhr mit ihrer Mom wieder ins Krankenhaus, wie jeden Tag zuvor auch schon. Dieses Mal war es aber etwas anderes. Der Arzt hatte sie mitten in der Nacht zu Hause angerufen und meinte, es handelte sich um einen Notfall.
Im Krankenhaus kam er ihnen sofort entgegen. „Es tut mir leid, dass ich Sie mitten in der Nacht anrufen musste. Es steht sehr ernst um Ihren Lebensgefährten." „Kann ich zu ihm?" wollte Jessys Mom wissen. „Ja, aber nur für ein paar Minuten!" Sie ging in das Zimmer, in dem ihr Freund lag und holte sich einen Stuhl, um sich ans Bett zu setzen.
Gegen 5 Uhr morgens spürte Kathy (Jessys Mom) eine leichte Bewegung an der Hand ihres Lebensgefährtens. Sie wachte sofort auf. „Sam, wie geht es dir?" wollte sie wissen. Sam sah sie an und Kathy spürte, dass etwas nicht stimmte. Sie rief den diensthabenden Doktor. Er kam auch sofort. „Gehen Sie bitte zur Seite! Wir müssen herausfinden, was mit ihm los ist!" bat der Doktor sie. Jessy und Kathy wurden in den Warteraum gebracht. Kathy wusste nicht, was sie tun sollte. Sie lief hin und her und wieder zurück. Jessy war derweil zu beschäftigt damit, einen Kaffeeautomaten zu suchen und auch zu finden.
Zwei Stunden später kam der Arzt zu ihnen. „Es tut mir leid, Ihr Lebensgefährte hat den Noteingriff, den wir aufgrund der schweren Verletzungen vornehmen mussten, nicht überlebt!" Kathy und Jessy hörten nur die Worte „NICHT ÜBERLEBT" und konnten im ersten Moment überhaupt nicht reagieren. Was sollte nun werden? Das Haus war noch nicht abbezahlt und Jessys Job brachte auch nicht besonders viel Geld ein. Das Geld, was Kathy und Jessy verdienten, würde gerade so für den Lebensunterhalt der beiden Frauen reichen. Kathy war gelähmt vor Trauer. Wie sollte es weitergehen?
Die nächsten Tage waren eine Qual. Kathy fühlte sich so verzweifelt, dass sie einfach nicht wusste, was sie tun sollte. Es gab auf einmal so viele Sachen, über die sie sich einen Kopf machte. Sie dachte sogar daran, ihr Leben freiwillig zu beenden. Aber dann fiel ihr ein, dass sie das einfach nicht tun konnte. Sie brachte es nicht übers Herz, Jessy mit all diesen Problemen und diesem Schmerz allein zu lassen und entschied sich, gegen all die Probleme zu kämpfen und diese Schritt für Schritt aus der Welt zu schaffen.
Sie stürzte sich voller Eifer in die Vorbereitungen der Beerdigung und verdrängte ihren Schmerz für diese paar Tage.
Ein paar Tage später fand die Beerdigung Sams statt. Natürlich waren auch Jon und die anderen gekommen. Tico stand bei Kathy und Jessy und versuchte, ihnen über den Schmerz hinweg zu helfen und stand ihnen bei, so gut er konnte, sowohl in finanzieller als auch in familiärer Sicht.
Nach der Beerdigung mussten die Jungs allerdings wieder zurück nach New Jersey und Tico entschied sich, noch ein wenig bei Jessy und Kathy zu bleiben. Er wollte, dass es ihnen gut ging und wollte sie einfach wissen lassen, dass er für sie da war.
