bellovettrix: Yes, love is in the air. :)
Meine lieben Leser, dies wird das vorletzte Kapitel dieser Geschichte sein. Danach kommt dann noch der Epilog.
Wie zu erwarten, meldete sich Bellatrix nicht. Ihre Schwester Narcissa überbrachte Rodolphus ein paar Tage nach Bellas Verschwinden eine Nachricht über den Kamin.
„Bella geht es gut", sagte sie. „Sie sagt, dass sie noch ein bisschen Zeit braucht, aber sie wird bald wieder zu dir kommen."
Es war alles und Rodolphus blieb nichts anderes übrig, als sich damit zufrieden zu geben. Er war wütend auf Bellatrix und er hätte am liebsten irgendetwas kurz und klein geschlagen, aber er wusste, dass das Zerstören von Gegenständen keine passende Lösung war, seinem Ärger Luft zu machen. Er hatte keine andere Wahl als zu warten. In solchen Momenten hatte er immer das Bedürfnis, mit der Eheberaterin zu sprechen.
Zu allem Überfluss meldete sich Charlotte Lefay bei ihm und gab ihm Bescheid, dass ihr nächstes Treffen ausfallen musste, weil sie für ein paar Tage verreisen musste.
„Tut mir wirklich sehr Leid. Wir verschieben unsere Sitzung auf die Woche darauf, selber Tag, selbe Uhrzeit."
Danach fühlte sich Rodolphus seltsam verlassen von allen. Die Wohnung war still und leer und er wusste nicht, wohin mit sich. Er entschloss sich schließlich, in die Stadt zu gehen. Ein Spaziergang und ein paar Gläser Feuerwhiskey im Tropfenden Kessel brachten ihn hoffentlich auf andere Gedanken.
Mittags war das Lokal meist gut besucht von Hexen und Zauberern, die in ihrer Pause dort aßen. Rodolphus war froh, dass es sehr voll war, sodass er in der Menge der Gäste unterging und ihn niemand bemerkte. Er suchte sich einen Platz am Tresen und bestellte sich eine Flasche. Tom, der Wirt, der die Getränke ausschenkte, musterte ihn einen Moment. Natürlich erkannte er Rodolphus, er war aber glücklicherweise so umsichtig und sagte nichts.
Rodolphus schenkte sich ein Glas ein und trank seinen Inhalt mit einem Zug aus. Die Flüssigkeit brannte in seinem Hals, aber es hauchte ihm neues Leben ein und der Alkohol gab ihm die nötige Entspannung, die er in den letzten Tagen vermisst hatte. Während er trank, konnte er seine Sorgen und Bellatrix wenigstens für kurze Zeit vergessen.
Schon bald leerte sich das Lokal und bis zum frühen Nachmittag waren die meisten Gäste gegangen. Nur Rodolphus saß noch. Er hatte die Flasche Feuerwhiskey zur Hälfte ausgetrunken und füllte gerade sein Glas neu auf, als sich die Tür zum Tropfenden Kessel öffnete und vier Personen hereintraten. Rodolphus hätte ihnen keine Aufmerksamkeit geschenkt, wenn er nicht durch das Lachen eines Mädchens, das ihm nur allzu bekannt vorkam, aus seinen Gedanken gerissen worden wäre.
„Ich finde es toll, dass wir uns mal wieder getroffen haben, Vanessa. Es ist so lange her, dass ich dich zuletzt gesehen habe. Ich habe mich immer gefragt, was aus dir geworden ist nach der Schule."
Die Person, die das gesagt hatte, war keine geringere als Hermine Granger. Mit ihr herein kamen Vanessa Lenormand, die ihre Tochter in einem Tragekörbchen dabei hatte, und Amycus Carrow.
„Ihr kennt euch aus der Schule?", fragte Amycus.
„Hermine war eigentlich in meinem Jahrgang, auch wenn sie in der siebten Klasse nicht mehr da war", erklärte Vanessa.
„Verstehe", sagte Amycus.
„Du hast deinen Abschluss später nachgemacht, oder?"
„Ja", sagte Hermine.
„Bei mir ging das ja leider nicht", sagte Vanessa. „Weil die Kleine ja kam."
„Ich bin ja jetzt auch beim Ministerium. Teile von dem… Programm", sie warf Amycus einen kurzen Blick zu, „waren meine Idee. Ich hab mich bei Kingsley dafür eingesetzt."
„Das war sehr gut, ich bin dir wirklich sehr dankbar", sagte Vanessa und lächelte glücklich. „So kann Amycus seine Tochter sehen und wir…" Sie hakte sich bei ihm unter. „So können wir zusammen sein."
Amycus wirkte vor Hermine peinlich berührt und sah beschämt zur Seite. Vanessa knuffte ihm mit dem Ellbogen in die Seite. „Was denn? Das ist doch so! Ich wüsste gar nicht, was ich ohne dich machen sollte. Und Alexia braucht ihren Vater. Von daher bin ich Hermine schon dankbar."
Hermine lächelte verlegen.
„Na dann, gehen wir mal", sagte Amycus, dem anzumerken war, dass er der Situation gerne entfliehen wollte.
„Ich will Sie nicht länger aufhalten", sagte Hermine. „Ich habe ja selbst eine Verabredung. Viel Spaß!"
Vanessa und Amycus gingen an Rodolphus vorbei zum Hinterausgang. Sie hatten ihn offenbar nicht bemerkt, wie er ihr Gespräch belauscht hatte. Hermine Granger allerdings hatte Rodolphus entdeckt und kam nun langsam auf ihn zu.
„Hi", sagte sie freundlich. „Sie sind doch Rabastans Bruder? Rodolphus, oder?"
Rodolphus hatte eigentlich keine Lust auf ein Gespräch. Ihm wäre es lieber gewesen, das junge Mädchen wäre von dannen gezogen, aber er wollte sie auch nicht rüde abweisen, deshalb nickte er und sagte: „Ja."
„Darf ich?", fragte Hermine und deutete auf den Barhocker neben Rodolphus.
Er sah sie einen Moment an, dann nickte er widerwillig. Hermine bedankte sich und setzt sich neben ihn.
„Ich warte auf Rabastan. Wir sind verabredet. Wir wollen ins Café Eis essen gehen."
„Sehr schön… für Sie beide", sagte Rodolphus trocken und mit viel Bitterkeit in der Stimme.
„Wie geht es Ihnen?", fragte Hermine vorsichtig.
„Ganz in Ordnung", sagte Rodolphus kurz angebunden.
„Sie sehen nicht so aus, wenn ich das bemerken darf", meinte Hermine. „Ist etwas vorgefallen?"
„Nein."
„Ist Ihre Frau gar nicht da? Sind Sie alleine hier?"
„Nein, sie ist nicht da, aber das sollte Ihnen ja eigentlich entgegenkommen." Rodolphus erinnerte sich an den Tag, als Hermine Granger und ihre Freunde mit den Greifern im Malfoy Haus angekommen waren. Seine Frau hatte gegenüber der muggelgeborenen Hexe nicht gerade Gastfreundschaft an den Tag gelegt. Er konnte sich denken, dass Hermine auf eine weitere Begegnung mit Bellatrix gut und gerne verzichten konnte.
„Ja."
Schweigen entstand zwischen ihnen. Hermine schien zu spüren, dass Rodolphus nicht scharf auf eine Unterhaltung mit ihr war.
„Ähm, Rabastan und ich gehen in die Winkelgasse. Haben Sie vielleicht Lust, mitzukommen?"
Er blickte sie entgeistert an. Hatte er sich gerade verhört?
„War das eine ernstgemeinte Frage, Ms. Granger?"
„Ja", sagte Hermine selbstsicher. „Das war eine ernstgemeinte Frage. Sie sehen… nicht so glücklich aus und… könnten etwas Gesellschaft vertragen. Ich bin mir sicher, Rabastan würde sich freuen."
„Ich will die Romantik zwischen den Turteltäubchen nicht stören", sagte Rodolphus und leerte sein Glas mit einem kräftigen Schluck.
„Ach, was. Rabastan hätte bestimmt nichts dagegen und außerdem könnten wir uns dann endlich mal kennenlernen. Ich bin schon seit längerer Zeit mit Ihrem Bruder zusammen, aber ich kenne seine Familie gar nicht. Was halten Sie davon?", fragte Hermine und sah ihn erwartungsvoll an.
„Ich weiß nicht", sagte Rodolphus, der eigentlich nur gerne seine Ruhe haben wollte. Als er sich ein neues Glas einschenken wollte, nahm ihm Hermine die Flasche weg.
„Hey, was soll denn das?!", fragte er erbost.
„Alkohol konserviert, aber er löst keine Probleme, Mr. Lestrange", sagte sie und grinste frech.
Ehe Rodolphus etwas sagen konnte, kam Rabastan zur Tür herein.
„Hey", sagte er und küsste Hermine. „Sorry für die Verspätung, aber wie ich sehe, amüsierst du dich schon", meinte er mit Blick auf seinen Bruder. „Rodolphus, was machst du denn hier?"
„Nach was sieht es denn aus?"
„Ich habe deinen Bruder eben gefragt, ob er mitkommen möchte", sagte Hermine an Rabastan gewandt. „Ich hätte nichts dagegen, was ist mit dir?"
Rabastan zuckte mit den Schultern. „Von mir aus. Dann komm doch mit, Rodolphus."
Er seufzte. Er sah ihre Blicke und konnte nicht nein sagen. Schließlich willigte er ein. Er hatte keine große Erwartung mehr an den Tag, doch der Nachmittag mit Rabastan und Hermine gestaltete sich dann doch als ganz annehmbar für Rodolphus. Das verliebte Pärchen brachte ihn auf andere Gedanken, sodass er sogar für ein paar Stunden die Sorgen um seine Frau vergaß. Seit Tagen war ihm mal wieder zum Lachen zumute und er musste am Ende zugeben, dass er es nicht bereut hatte, Hermine Granger näher kennenzulernen.
Am frühen Abend kehrte er mit einer deutlich besseren Stimmung nach Hause zurück. Als er in die Küche kam, um sich ein Glas Wasser einzuschenken, erstarrte er. Bellatrix saß am Tisch. Entgeistert blieb Rodolphus in der Tür stehen. Mit seiner Frau hätte er niemals gerechnet.
„Äh, Bella… Was… machst du denn hier? Seit wann bist du zurück?"
„Bin vorhin gekommen", sagte sie. Sie trug einen Reiseumhang über ihrem Kleid.
Rodolphus brauchte einen Moment, bis er die Situation richtig fassen und begreifen konnte.
„Was zum Teufel hast du dir dabei gedacht?", fragte er erbost, nachdem er sich wieder gefangen hatte. „Ich habe mir Sorgen um dich gemacht. Du bist einfach verschwunden ohne mir Bescheid zu sagen!"
„Ich weiß", sagte sie leise. „Es tut mir Leid."
„Warum bist du eigentlich gegangen? Ich meine, war es so… schrecklich mit mir?", fragte Rodolphus. „Ich hab mir den Kopf darüber zerbrochen, an was es liegen könnte."
„Rodolphus…"
„Charlotte hat gesagt, dass du ein schlechtes Gewissen hast wegen dem Dunklen Lord und dass das alles ein bisschen zu viel auf einmal war…"
„Rodolphus…"
Bellatrix erhob sich von ihrem Platz und kam auf ihn zu. Sie stand dicht vor ihn und sah ihm in die Augen.
„Sei still und küss mich", sagte sie und ehe er sich versah, hatte sie ihn zu sich herangezogen und küsste ihn leidenschaftlich auf die Lippen.
Rodolphus wusste nicht, wie ihm geschah. Sie drängte ihn zurück, sodass er mit dem Rücken an den Küchenschrank stieß. Ihre Hände glitten über seinen Oberkörper und ehe er etwas tun konnte, hatte sie ihm bereits den Umhang ausgezogen und war mit seiner Hose beschäftigt. Er wurde völlig übermannt von ihrer Annäherung. Er konnte nicht anders, als auf sie einzugehen. Die vergangenen Tage ohne sie waren zu lang gewesen, wie er jetzt merkte. Sie waren zu lange getrennt gewesen und er hatte einiges nachzuholen.
Er tat es ihr gleich und zog ihr ihr Kleid aus, das sie trug, während er sie aus der Küche hinaus in den Flur dirigierte. Sie küssten sich heftig und ihre Hände erkundeten den Körper des anderen. Sie wollten in ihr Schlafzimmer, doch ihre Lust und ihre Leidenschaft waren zu stark, sodass sie spontan das Wohnzimmer mit dem Sofa wählten, welches näher lag.
Rodolphus und Bellatrix waren heute Charlotte Lefays letzte Klienten. Am frühen Abend kamen sie in ihrer Praxis an. Die junge Frau hatte sich gerade eine Tasse Kaffee eingeschenkt.
„Hallo, gehen Sie schon mal rein. Ich komme gleich."
„Wo waren Sie denn letzte Woche? Sie haben gesagt, dass Sie verreist sind", wollte Rodolphus wissen.
„Ich war auf einer Fortbildung. Ich habe sehr spontan noch einen Platz dort bekommen, deshalb musste ich nach New York reisen", erklärte Charlotte.
„New York, interessant", meinte Rodolphus. Er blieb im Vorzimmer stehen.
„Kann ich heute mit Ihnen erst mal allein reden?", fragte Bellatrix.
„Ähm, natürlich", sagte Charlotte. „Wie kommt das?"
Bellatrix und Rodolphus wechselten einen Blick miteinander, dann sagte Bellatrix: „Es geht nur um das, was vor Kurzem an unserem Hochzeitstag passiert ist."
Charlotte nickte. „OK. Wer möchte zuerst?"
Bellatrix betrat ihr Praxiszimmer zuerst, während Rodolphus draußen wartete. Sie nahm auf dem Sofa gegenüber Charlotte Platz und schlug die Beine übereinander.
„Also, was möchten Sie gerne sagen? Wie ich sehe, sind Sie nach Hause zu Ihrem Mann zurückgekehrt? Wie lange waren Sie bei Ihrer Schwester?"
„Nur ein paar Tage", sagte Bellatrix. „Dann habe ich es nicht mehr ausgehalten. Ich und mein Schwager, Lucius, vertragen uns nicht so gut. Deshalb bin ich nicht so lange dort geblieben. Ich bin dann nach Hause gegangen. Rodolphus war allerdings nicht da. Ich habe gewartet, bis er kam."
„Wie hat Ihr Mann reagiert, als Sie wieder aufgetaucht sind?"
„Er war natürlich sauer. Er hat sich ziemlich große Sorgen um mich gemacht. Er dachte schon, dass es an ihm lag. Ich hab nichts gesagt, außer, dass er still sein und mich küssen soll."
Charlotte sah sie verwundert an. „Das heißt, Sie und Ihr Mann…"
„Ja", sagte Bellatrix und nickte. „Ich habe ihn noch in der Küche ausgezogen und dann… Wir haben es nicht mehr ganz ins Schlafzimmer geschafft, deshalb musste das Sofa herhalten." Sie sah unschuldig drein, konnte aber nicht verbergen, dass ihre Wangen sich röteten. „Nach unserem Hochzeitstag konnte ich ihn erst mal irgendwie nicht sehen. Das kam alles so plötzlich nach der langen Zeit, dass ich erst mal ein bisschen Abstand gebraucht habe. Die paar Tage ohne ihn hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Da wurde mir auf einmal bewusst, dass er mir fehlt. Zum ersten Mal seit wir verheiratet sind, hatte ich das Gefühl, dass mir Rodolphus fehlt. Ich habe auf einmal gemerkt, was er mir wirklich bedeutet. Dann bin ich zurück."
„Wie haben Sie Ihren Hochzeitstag erlebt?", wollte Charlotte wissen.
„Es kam alles sehr… unvorbereitet. Rodolphus hatte es wirklich geschafft, mich zu überraschen. Er hat ein Abendessen organisiert mit allem, was ich gerne esse. Er hatte sogar ein Geschenk." Sie hob ihre Hand, damit Charlotte das Armband sehen konnte, dass ihr Mann ihr geschenkt hatte. „Da habe ich gesehen, wie gut er mich eigentlich kennt. Als wir danach auf dem Sofa saßen und er mich geküsst hat, war ich erst mal… ein bisschen vor den Kopf gestoßen. Sie können sich nicht vorstellen, wie lange es her ist, dass Rodolphus und ich uns geküsst haben."
„War es gut?"
„Ja. Ich war so überrascht, aber es war so verdammt gut", sagte Bellatrix und sie klang beinahe sehnsüchtig. „Es war… toll und irgendwie… habe ich einfach alle Zweifel und meinen Verstand beiseitegeschoben und habe versucht, es zu genießen, was er tat."
„Haben Sie es genossen?"
„Ja", sagte Bellatrix leise. Ihr Blick war abgeschweift. Sie schwelgte in den Erinnerungen an den Abend. „Ich hatte vergessen, wie schön es ist. Ich bin schließlich darauf eingegangen und wir sind im Bett gelandet." Sie grinste. „Ich hatte auch vergessen, wie gut Rodolphus in manchen Dingen ist. Wir hatten die ganze Nacht den besten Sex unserer gesamten Ehe." Ihre Wangen nahmen noch einen tieferen Rotton an.
„Wenn es so gut war, warum sind Sie dann weggelaufen?", fragte Charlotte.
„In der Nacht habe ich an nichts anderes gedacht als an Rodolphus." Sie sah verlegen drein und biss sich auf die Unterlippe. „Ich hab mich so hinreißen lassen, dass ich alles habe mit mir machen lassen. Ich konnte gar nicht anders. Und ich wusste nicht, dass ich so laut stöhnen konnte."
„Wollten Sie zu irgendeinem Zeitpunkt in besagter Nacht, dass Ihr Mann aufhört?", fragte Charlotte.
„Nein, nie. Ich hätte mir gewünscht, dass wir ewig so weitermachen, aber… Irgendwann sind wir dann eingeschlafen. Ich war sehr erschöpft, aber so… zufrieden wie noch nie zuvor. Ich bin sehr früh aufgewacht und da ist mir erst richtig bewusst geworden, was wir eigentlich getan hatten. Ich habe mich irgendwie… vor mir selber geschämt. Ich habe mich so gehen lassen und ich… Als ich da so neben Rodolphus lag, habe ich an den Dunklen Lord gedacht. Ich hatte auf einmal ein schlechtes Gewissen. Ich habe mir gedacht, was der Dunkle Lord wohl denken würde, wenn er mich in der Nacht gesehen hätte. Ich habe mich so geschämt, dass ich weggelaufen bin. Rodolphus hat mir erzählt, dass Sie ihm das gesagt haben."
„Es war eine Vermutung, die ich hatte, Bellatrix, denn es war für mich das Naheliegende", erklärte Charlotte. „Und offenbar lag ich richtig. Sie hatten tatsächlich gegenüber dem Dunklen Lord ein schlechtes Gewissen."
„Ich weiß, dass das blöd war und dass ich Rodolphus…"
„Nein, Bellatrix, das war nicht blöd", unterbrach Charlotte sie. „Was Sie erlebt haben, war eine natürliche Reaktion. Bedenken Sie, welche Bedeutung der Dunkle Lord für Sie hatte. Ich habe schon zu Ihrem Mann gesagt, dass man so etwas nicht einfach von heute auf morgen wegwirft. Sie brauchen Zeit dafür."
„Ja. Ich brauche wirklich noch etwas dafür", sagte Bellatrix und nickte. „Es ist schon viel besser geworden. Ich komme besser zurecht, aber… diese intimen Momente, die ich mir immer mit dem Dunklen Lord gewünscht habe… Das war einfach noch in mir drin und als dann Rodolphus kam, war das für den Moment einfach etwas zu viel. Ich glaube aber, dass ich mich wieder gefangen habe, als ich ein bisschen Abstand bekommen habe."
„Als Sie nach Hause zurück sind, haben Sie und Ihr Mann miteinander geschlafen? Das war das zweite Mal. Wie haben Sie das denn empfunden? Hatten Sie danach auch eine schlechtes Gewissen?"
„Nein. Ich wollte es. Ich wollte Rodolphus. Und danach habe ich nicht mehr an den Dunklen Lord gedacht."
„Leider musste ich ja den Termin letzte Woche verschieben, weil ich kurzfristig verreist bin", sagte Charlotte. „Deshalb war zwischen unserem letzten Treffen und heute etwas mehr Zeit. Wie ist es Ihnen in den letzten zwei Wochen seit Ihrem Hochzeitstag ergangen? Und natürlich seit Sie und Rodolphus wieder zusammen sind."
Bellatrix grinste vielsagend. „Seit ich wieder bei ihm bin… Nun ja, was soll ich sagen? Wir hatten in den letzten beiden Wochen mehr Sex als in all den 28 Jahren unserer Ehe davor. Und vor allem überall. In der ganzen Wohnung, nur den Balkon haben wir ausgelassen. Ich bin völlig… baff, was mein Mann alles so kann. Und es ist verdammt gut. Ich kann irgendwie… gar nicht mehr aufhören. Wir sind ständig nur miteinander beschäftigt. Ich fühle mich, als wäre ich 18 und… frisch verheiratet." Sie lachte plötzlich laut auf. „Ich komme mir vor wie ein verliebter Teenager! Warum erzähle ich Ihnen das gerade?"
Auch Charlotte musste grinsen. Sie hatte Bellatrix Lestrange noch nie so ausgelassen, locker und gut gelaunt gesehen wie im Moment. Die Beziehung der beiden Eheleute hatte sich merklich gebessert und offenbar war auch ihr Privatleben angeheizt worden. Es freute Charlotte, wenn es den beiden Lestranges gut ging.
„Ihnen geht es gut damit, Bellatrix. Das merkt man Ihnen an", sagte Charlotte. „Deshalb können Sie das selbstbewusst nach außen tragen. Weil es sich gut für Sie anfühlt. Und für Ihren Mann auch. Er genießt es auch. Er freut sich, dass es Ihnen gut geht."
„Rodolphus, er macht sich immer so viele Gedanken darüber, dass es mir gut geht", sagte Bellatrix.
„Er liebt Sie", sagte Charlotte.
„Ja, ich weiß. Das habe ich verstanden."
„Lieben Sie Ihren Mann?"
„Ich weiß es nicht. Diese Gefühle hatte ich immer nur für den Dunklen Lord. Für Rodolphus habe ich… nie so etwas empfunden und ich weiß nicht, ob ich es jemals können werde. Ich bin ihm dankbar, dass er da ist und dass er immer für mich da war. Ich schätze ihn, als Person und als meinen Mann. Ich habe erkannt, welchen Wert er eigentlich für mich hat. Ich habe verstanden, dass ich ihn brauche. Und dass er nicht selbstverständlich ist, sondern dass ich ihm Wertschätzung entgegenbringen muss. Denn die verdient er. Meine Gefühle für ihn sind… Es ist schwierig. Ich mag ihn und ich möchte mit ihm zusammen sein."
„Das hört sich sehr gut an", sagte Charlotte. „Wollen Sie Rodolphus das sagen?"
Bellatrix sah Charlotte für einen Moment ein bisschen geschockt auf diesen Vorschlag hin an, dann nickte sie langsam. „Ja, gut."
„Ich hatte ohnehin eine Übung für Sie beide vorbereitet", sagte Charlotte. „Dann werde ich mal Ihren Mann reinbitten."
Rodolphus trat vorsichtig herein und setzte sich neben Bellatrix.
„Also, ich habe eine Übung für Sie beide. Ich möchte heute, dass Sie sich Ihre Gefühle sagen, die Sie für den anderen haben", sagte Charlotte. „Rodolphus, möchten Sie anfangen?"
Er nickte unsicher. „Bella, du bist meine Frau und damit alles für mich. Du bedeutest mir alles und wenn ich dich nicht gehabt hätte, dann hätte ich so manche Situation mit Sicherheit nicht überstanden." Er atmete tief durch. „Als wir in Askaban waren, hat mich der Gedanke daran, dem Dunklen Lord eines Tages wieder zu dienen, irgendwie am Leben gehalten, sodass ich die Dementoren aushalten konnte, aber der Gedanke an dich, meine Frau, der hat mir Hoffnung gegeben, dass wir irgendwann wieder zusammen in Freiheit sein können. Ich wollte nie mit einer anderen Frau zusammen sein als mit dir." Er wechselte mit Charlotte einen kurzen Blick, die ihm ermunternd zunickte. „Ich liebe dich, Bella", sagte er abschließend.
„Bellatrix."
„Rodolphus, du bist mein Mann seit 28 Jahren mittlerweile. Ich war in dieser Zeit nicht fair zu dir, ich habe dich… oft sehr schlecht behandelt. Das habe ich inzwischen erkannt. Ich habe heute eingesehen, wie viel du mir eigentlich bedeutest. Ich habe es einfach nur nie wertgeschätzt, dass du immer für mich da warst. Du bist mir sehr wichtig. Ich könnte nicht ohne dich. Ich hätte nicht allein Askaban bleiben können, während du draußen bist. Ich hätte nicht getrennt von dir sein können. Ich, ähm, habe eine Überraschung für dich." Sie druckste etwas herum. „Ich habe mich über dein Geschenk zu unserem Hochzeitstag sehr gefreut und ich hatte hinterher ein schlechtes Gewissen, weil… ich nichts für dich hatte. Deshalb habe ich mir etwas überlegt. Es wird dir gefallen", sagte sie, dann griff sie in ihre Umhangtasche und holte eine kleine Schatulle heraus. „Ich konnte ihn nie tragen, solange der Dunkle Lord noch da war und meine ganze… Hingabe ihm galt. Aber ich habe ihn immer aufbewahrt. Genauso wie du war er immer da, aber… Ich habe ihn nie wirklich Teil meines Lebens werden lassen. Das hat sich bei dir ja geändert und deshalb dachte ich mir, dass es an der Zeit ist. Ich fühle mich jetzt bereit dafür."
Sie öffnete die Schatulle und holte einen schmalen, goldenen Ring heraus. Rodolphus blieb vor Staunen glatt der Mund offen stehen. Es war ihr Ehering.
„Bella…", sagte er nur. „Das ist…"
Bellatrix nahm den Ring und streifte ihn über ihren Ringfinger, dann legte sie ihre Hand neben die von Rodolphus, wo er seinen Ehering trug. „Sieht doch nicht schlecht aus, oder?"
„Wie finden Sie das, Rodolphus?", fragte Charlotte.
„Das freut mich", sagte Rodolphus, der es kaum fassen konnte. „Das ist wirklich ein… tolles Geschenk. Das schönste seit langem."
