‚Bum, bum, bum!'
Verdammt! Was war das denn?
‚Bum, bum, bum!'
Schon wieder! Dieses unangenehme Pochen ließ sich einfach nicht aus seinem Kopf vertreiben.
Dabei hatte er gerade so etwas Erfreuliches geträumt. Er wusste es noch genau, es kam ein langer Sandstrand, ein sanftes Meer und eine wunderschöne Frau darin vor. Diese heiße Schönheit hatte er gerade aus den Fängen eines arabischen Dichters gerettet und was er mit der ihn grummelig anfunkelnden Brünetten gerade anstellen wollte, war alles andere als jugendfrei. Hm…
‚Bum, bum, bum!'
Bei Merlin! Das Leben war ungerecht. Zweifelsohne! Vielleicht, wenn er sich sehr konzentrieren würde, vielleicht würde das Pochen dann einfach verschwinden.
‚Bum, bum, bum!'
Nein, leider nicht, es wurde sogar noch lauter und jetzt war da auch noch eine Stimme.
„Mister King!", wer zum Teufel war Mister King?
‚Bum, bum, bum!' „Mister King! Sind Sie wach?", oh, jetzt fiel es ihm wieder ein. Er war ja Mister King.
„Was?", nuschelte er.
„Sir, Sie wollten doch geweckt werden. Es ist sieben Uhr", kam es etwas dumpf vom Flur aus.
„Wie? Schon? Ja, gut…", brummte er verschlafen und rieb sich die müden Augen. Er war erst gegen sechs ins Bett gegangen.
„Außerdem ist da eine Nachricht ihrer Firma. Ich schiebe das Fax unter der Türe durch. Es scheint dringend zu sein, Sir!"
„Danke…", er hatte eine Firma? Nein, Mister King hatte eine und dieses Fax war die vereinbarte Nachricht von Caspian Fairbanks.
Jetzt war er wieder ganz da. Verdammt, diese Nacht war alles andere als leicht gewesen und er wurde eben nicht jünger!
Mühsam quälte er sich aus dem Bett und wusch sich mit möglichst viel eiskaltem Wasser (ein im Überfluss vorhandenes Gut in dieser Gegend) den kurzen Schlaf aus den Augen, bevor er gegen halb acht mit unterirdischer Laune hinunter zum Frühstück schritt.
Gut, dass ihm wenigstens auf halbem Wege hinunter ein tröstlicher Gedanke kam! Er war nämlich sehr gespannt, ob seine Frau heute Morgen ebenfalls den Kampf mit dem Bett gewonnen hatte oder ob vielleicht sogar die Gefahr bestand, dass sie ihren Bus verpasste, der laut Plan kurz nach Mittag gegenüber der Pension abfuhr. Er sah sie schon mit zerzaustem Haar, Pyjama unter dem Anorak und halb schlafend an der Haltestelle stehen. Ha!
Auf dem, ob solcher Vorstellungen, doch recht kurzweiligem Weg in den Frühstücksraum machte er Stopp an der Rezeption und verlangte die Rechnung, da ihn seine Firma überraschend zu einem Notfall nach Bangladesch abberufen hätte.
Der Wirt – er sah auch schon mal frischer aus - war untröstlich, ihn, den teuren Gast aus Irland, schon so bald wieder ziehen zu lassen, beeilte sich aber mit vielen bedauernden Worten dennoch alle Daten rasch zusammenzustellen.
Endlich im Frühstücksraum angekommen wäre ihm beinahe ein kleiner Fluch entwichen, denn wer saß da bereits fix und fertig angekleidet und sichtlich gut gelaunt vor einem mächtigen Berg Pancake´s und verschlang gerade die letzten Reste einer großen Portion Eier mit Speck? Genau, Miss Drake! Von zerzaustem Haar und verschlafenen Blick keine Spur! Sie unterhielt sich sogar angeregt mit dem amerikanischen Pärchen und schenkte ihm nur einen schnellen Gruß.
Unglaublich, sie konnte nicht viel länger geschlafen haben als er, wenn überhaupt. Warum war sie dann schon fit? Verflixt, man konnte sich auch auf nichts mehr verlassen!
Ärgerlich verlangte er Tee und Toast und widmete sich ansonsten der Tageszeitung. Er braucht etwas, das ihn ablenkte und es war immer wieder interessant, was diese Muggel wichtig fanden!
Durchaus erfreulich waren dagegen die dicken Ringe unter Mister Vasiris Augen, als der kurz vor Ende der Frühstückszeit nachlässig gekleidet in den Raum geschlurft kam. Er sah arg mitgenommen aus und erbat sich vom Wirt eine Wärmflasche und ein Magentonikum. Severus verbarg ein hämisches Grinsen. Tja, die Weasleys hatten wohl doch hin und wieder in seinem Unterricht aufgepasst…
Als Mister Schöngeist das Gewünschte hatte, tappte er mit einigen gemurmelten Entschuldigungen und begleitet von vielen Besserungswünschen der anderen Gäste wieder auf sein Zimmer und Severus sah ihn bis zu seiner Abreise nicht mehr wieder.
Kein Verlust! Wirklich nicht! Schließlich hatte er sich in der Nacht lange genug mit ihm beschäftigt. Wenn er ehrlich war, brannte er jetzt einzig und allein darauf hier endlich weg zu können und seine Informationen mit Hermine und den beiden anderen auszutauschen.
Nun, dann mal auf zum Packen. Immerhin würde sein Taxi direkt nach dem Lunch kommen.
Am Basislager, hoch oben zwischen den schroffen Klippen der Berge, zog es verdammt unangenehm.
Nun, es war Winter und der war besonders auf dem Dach der Welt mehr als schwierig. Gut, dass sie ihrem neuen Expeditionszelt einige spezielle Zauber angedeihen hatte lassen, die ausreichenden Schutz gegen alle widrigen klimatischen Bedingungen und natürlich gegen jegliches Entdecken bot und dabei gleichzeitig doch die nötigen Annehmlichkeiten nicht vergaß, die eine solch exklusive Forschungsgruppe wahrlich verdient hatte.
Hermine hatte zusammen mit Filius eine Woche an der Weiterentwicklung der nötigen Raumzauber getüftelt und schon beim Betreten durch die enge Eingangsschleuse sah man, dass es seinen Zweck, wie erwartet, tadellos erfüllte! Deutlich gemütlicher als das karge Hotel, befand auch Severus sogleich, als er als letzter dort am Abend des 27. Januar eintraf und sich interessiert umsah. Vor einem wunderbar prasselnden Kamin standen auf weichen Teppichen, vier bequeme Sessel mit passenden Hockern und im hinteren Bereich befand sich ein großer Esstisch mit vier Stühlen. Drei Schlafräume gingen rechts davon ab. Ein großer Raum, der ihrem Schlafzimmer in den Kerkern von Hogwarts sehr ähnlich sah und zwei kleinere Räume mit je einem Einzelbett, Schrank, Schreibtisch, Sessel und Kommode. Jeweils neben den Schlafräumen war der Zugang zu zwei geräumigen Bädern mit Dusche bzw. Wanne und natürlich durfte auch eine kleine, feine Küche nicht fehlen, die halb offen an den Wohnraum angrenzte.
Hermine erwartete ihn schon unruhig und auch Caspian und Mildred standen erleichtert von ihren Sesseln auf, um ihn zu begrüßen.
„Grundgütiger, Severus! Du hast Verspätung, wir haben uns schon Sorgen gemacht", Hermine sah ihn fragend an, „ist alles in Ordnung?
„Soweit! Erst kam das Taxi wegen des Wetters nicht und dann hatte es auch noch einen Reifenschaden, den wir erst mühsam beheben mussten", knurrte Severus und schlüpfte aus den dicken Boots, die ihm Hermine abnahm, um sie zum Trocknen ans prasselnde Feuer zu stellen, „also wäre ein Tee redlich verdient!"
„Schon fix und fertig, mein Lieber", winkte Caspian seinen Expeditionsleiter zum gedeckten Tisch, „wir haben nur noch auf Sie gewartet."
„Ausgezeichnet", Severus entledigte sich schnell seiner dicken Daunenjacke und stopfte Mütze und Handschuhe in die Taschen, „Aber vorher muss ich noch kurz ins Bad, um meine Hände zu waschen, das Tuch, dass dieser Taximensch mir zum Säubern gereicht hat, war mindestens so dreckig wie sein gesamtes Auto."
„Das scheint hier so üblich", merkte Caspian an und Mildred ergänzte, „zudem sind die Fahrzeuge in keinem guten technischen Zustand. Unseres machte ganz seltsame Geräusche und ich hatte Sorge, dass es den Berg hinauf nicht schaffen würde und wir noch schieben müssten, so schwer hat es sich getan."
„Tja, die vier Ziegen im Kofferraum, die zwei Säcke Kohle und unser Gepäck waren wohl etwas viel", grinste Caspian und verschwieg galant das zusätzliche und nicht unerhebliche Schwergewicht seiner nun wieder vollschlanken Expeditionskollegin.
„Nicht, dass einer denkt, mein Bus wäre besser gewesen", merkte Hermine vorsorglich an und stopfte Zeitungspapier ins klamme Schuhwerks ihres Ehemanns, „Die Menschen transportieren hier einfach alles als Handgepäck, seien es Hühner, Eier, Reis, Tee, Teppiche oder was auch immer. Lastwagen sind wohl Mangelware oder für die kleinen Mengen an Waren einfach zu teuer."
„Andere Länder, andere Sitten", fasste Severus die Geschehnisse treffen zusammen und rieb sich die jetzt wieder sauberen Hände angesichts des einladenden Speiseangebots. Er hatte wirklich großen Hunger und Durst. Für einen warmen Tee und für Hermines Erkenntnisse aus der geheimen Kammer unter dem Stall hätte er morden können. Aber eines nach dem anderen.
Kaum hatte Caspian, der nicht nur ein ausgezeichneter Kräuterkundler, sondern auch ein recht passabler Koch war, an alle Tee verteilt und jeder erst seinen Teller und dann seinen Bauch mit leckeren Sandwiches, warmen Scones, Clottet Creme mit Erdbeermarmelade und diversen anderen Köstlichkeiten reichlich gefüllt hatte, da begann auch schon eine lebhafte Diskussion über die Erkenntnisse der letzten Tage.
„Nun erzähl schon, was hast Du von Mister Vasiri erfahren und was hast Du sonst noch mit ihm gemacht?", verlangte Hermine zu wissen.
„So einiges, aber ich will erst wissen, was in der Kammer unter dem Stall war!"
„Nein, erst Du!", entgegnete Hermine kategorisch.
„Nun gut", gab Severus seufzend nach, er hatte in langen Jahren schmerzhaft gelernt, dass mit seinen Frauen zu verhandeln stets langwierig war und zumeinst zu seinen Ungunsten ausging, da war Nachgeben effizienter!
Er beschwor eine große Tafel an die Zeltwand neben dem Kamin, vor den sich die Expeditionsteilnehmer schnell wie der Blitz versammelt hatten, um dem Bericht ihres Leiters zu lauschen.
„Unser junger Gedichtsfreund", begann Severus und schrieb den Namen des Pakistani mitten auf die noch leere Tafel, „stammt aus einer alten pakistanischen Zaubererfamilie und ist einwenig aus der Art geschlagen, denn er ist tatsächlich Student an der philosophischen Hochschule in Islamabad. Dort wäre er wahrscheinlich immer noch und würde sich in mehr oder weniger schwülstigen Muggeltexten vergraben, wenn nicht ein arger Schicksalsschlag seine Familie getroffen hätte."
„Was ist passiert?", erkundigte sich Hermine voller Mitleid und schnappte sich ihre Decke.
„Seine Schwester Safiya, 15 Jahre alt, wurde versehentlich von einem Fluch getroffen und ihr Bruder Aasim, unser Mister Vasiri, gab sich wohl eine Mitschuld, denn es geschah bei einem Fest im Haus eines Freundes und er sollte auf seine Schwester achten. Sie liegt seither in einem todähnlichen Schockzustand."
„Oh, wie fürchterlich!", waren alle gutherzigen Mitglieder seiner Expedition von dieser Familiengeschichte geschockt.
„Ja, und noch fürchterlicher ist, dass Mister Vasiri zur Rettung seiner Schwester wirklich alles bereit war zu tun. Er hat überall gesucht und sich jeder suspekten Gruppe angeboten, sogar einer undurchsichtigen Vereinigung, die sich einfach nur „Die Stärke" nennt."
„Was haben sie von ihm verlangt?", wollte Mildred gespannt wissen und Caspian ergänzte, „Und was haben Sie ihm geboten für seine Dienste?"
„Sie verlangten nichts weniger als die blaue Schneeblume selbst, als Samen oder als Blüte und boten ihm beim erfolgreichen Abschluss seiner Mission einen Anteil an der Beute und damit das Leben seiner Schwester, denn wie wir wissen, ist ein Trank aus der blauen Schneeblume mächtiger als fast alles auf dieser Welt. Aber wenn er scheitert, dann wird er sicherlich großen Ärger bekommen und seine Familie ebenfalls."
„Oh je", seufzte Hermine, „Aber wer diese Gruppe „die Stärke" ist, wissen wir nicht?"
„Nein", schüttelte Severus bedauernd den Kopf, „Mister Vasiri bekam seine Informationen nur per Eule und hat nie jemanden von denen getroffen."
„Warum ist er denn gerade in unsere Pension gekommen?"
„Weil neben dem Muggelgedichtsband…"
„Der übrigens eine Fälschung ist", unterbrach ihn Hermine mit erhobenem Zeigefinger.
„Eine Fälschung?", echote Caspian alarmiert.
„Ja, aber keine Sorge, dazu erzähle ich später was", winkte Hermine ab.
„Also, neben dem Muggelgedichtsband, dessen Echtheit auch Mister Vasiri in Frage stellte", fuhr Severus fort, „enthielt eine seiner Nachrichten die Koordinaten von einer uralten, geheimen Station des ‚alten Bundes' enthielt.
„Alter Bund? Welcher alte Bund?", hatte Mildred gerade den Faden verloren.
„Nun", antwortete Severus, „Mister Vasiri wusste auch nicht gerade viel darüber, aber ich gehe davon aus, dass es sich um eine Bruderschaft im Dienste und zum Schutz der großen Schneeblume handelte, die vielleicht mehr oder weniger in Vergessenheit geriet."
„Aber es gibt doch jetzt diesen Orden!", erinnerte sich Hermine.
„Genau", schaltete sich Caspian ein, „ich habe mich vorhin bei Kingsley erkundigt, diese Orden ist zwar streng geheim, aber dennoch bekannt. Es gibt sie schon seit mehreren hundert Jahren."
„Tja, dann ist dieser ‚alte Bund' wohl eine Art Vorläufer und wirklich sehr alt…" überlegte Severus.
„Was der Namensbestandteil ‚alt' ja mehr als deutlich sagt", spottete Hermine, „aber was mich mehr interessieren würde, wäre, warum Mister Vasiri es auf mich abgesehen hat, habe ich mich irgendwie verraten oder habe ich etwas gesagt?"
„Nein, wahrscheinlich nicht", gab Severus zu, „es war das Ergebnis der zweiten Nachricht. Sie war ein Fragment einer alten Prophezeiung, in der beschrieben steht, dass die Blume in diesem Jahr erblühen würde und eine Frau aus den Fremde und mit zwei Gesichtern den Fluch überwinden wird."
„Oh, schon wieder eine Prophezeiung", stöhnte Hermine. Aber Mildred war ganz aufgeregt, „das passt doch und außerdem erinnert mich das an etwas, ich weiß nur nicht mehr genau an was!"
„Mich auch", grummelte Hermine finster und man sah ihr mehr als deutlich an, dass sie sich sehr wohl erinnerte, aber bestimmt nicht gerne!
„Wie auch immer", würgte Severus daher die Gedankengänge seiner Runenexpertin ab, bevor die weitere Erinnerungen an den letzten Spätsommer aktivieren konnte und meinte sehr zufrieden, „im Augenblick hat Mister Vasiri auch ganz andere Sorgen, er leidet unter ärgerlichen Magenproblemen und hegt einen sehr konkreten Verdacht gegenüber der texanischen Ökofrau, immerhin kommt sie auch aus der Fremde und sie ist auch nicht die, die sie vorgibt zu sein."
„Ah, Du hast sein Gedächtnis modifiziert?", strahlte Hermine.
„Natürlich, ich habe alles gelöscht, was mit Dir in Zusammenhang stand und einige kleine Appetithäppchen über die dunklen Geheimnisse von durchgebrannten Jugendlichen in sein Gedächtnis eingepflanzt, die ihn die nächsten beiden Tage beschäftigen werden."
„Es glaubt aber niemand, dass Amy eine Hexe ist, ich finde sie zwar sehr nett, aber sonst…", zweifelte Hermine.
„Nun, die wohl platzierten magischen Gegenstände, die Mister Vasiri gewiss bei seiner nächsten Kontrolle bei der jungen Dame findet, lassen ihn hoffentlich etwas anderes annehmen – jedenfalls solange wir hier oben sind."
„Oh, wirklich sehr umsichtig von Dir", lobte Hermine und auch Mildred und Caspian waren sehr zufrieden. Aber er war es noch nicht, denn er brannte darauf endlich Hermines Ergebnisse zu erfahren.
„So, jetzt wisst Ihr meine Informationen, jetzt will ich Deine hören, Hermine. Und vor allem will ich wissen, warum Du heute Morgen schon vor mir wach warst?"
„Ha!", machte Hermine mit blitzenden Augen, „Ich wusste, dass Dich das ärgern würde, dass war es alleine wert, nicht ins Bett zu gehen, sondern eine schockierend kalte Dusche zu nehmen und die holprige Fahrt zur nächsten Stadt für ein unruhiges Nickerchen zu nutzen."
„Du bist verrückt!", urteilte Severus gnadenlos.
„Ja, vielleicht", zuckte Hermine unbeeindruckt mit den Schultern, „allerdings hätte es sich nun wirklich nicht gelohnt ins Bett zu gehen, ich war erst kurz vor sieben damit fertig alle Beweismittel gründlich zu sichern, wie sie in den Muggelkrimis immer zu sagen pflegen."
„Und was heißt das?", verstand Severus noch immer nicht.
„Das bedeutet", erklärte Hermine und sah sehr, sehr zufrieden mit sich und der Welt aus, „Dass sich hier, direkt unter unserem Zelt dieser spezielle Kellerraum befindet."
„Oh", machte Severus und starrte beeindruckt den Boden an.
„Gut, nicht wahr?!", suhlte sich Hermine in ihrem Erfolg, „Mir war schon nach zehn Minuten klar, dass mir die wenigen Stunden bis zum Morgen niemals reichen würden all die Schriften und Texte anständig zu prüfen, die sich dort häuften. Allein die Übersetzungszauber für diesen speziellen Dialekt haben mir beinahe den letzten Nerv geraubt. Zudem habe ich mit Mildred und Dir sehr kompetente Hilfe für dieses umfangreiche Unterfangen und für Caspian gibt es einige uralte Pflanzenproben und Kräuterbücher, die vielleicht auch noch etwas hergeben."
„Dann gibt es jetzt gar keinen geheimen und vergessenen Kelleraum mehr im Stall?", fragte Severus und rieb sich das Kinn, „Der Wirt, dem ich ebenfalls einen kurzen Besuch abgestattet habe, wusste davon übrigens gar nichts."
„Doch, doch, Mister Vasiri wird dort seinen Kellerraum finden und zwar eine komplette Replik, die nicht vom Original zu unterscheiden ist", beruhigte ihn Hermine.
„Aber wenn alles noch genau so da ist, dann hat dieser Pakistani die Beweise doch auch!", fiel Mildred ein Schwachpunkt in Hermines Glanzleistung auf.
„Natürlich, aber nicht in der ursprünglichen Form", winkte sie grinsend ab, „selbstverständlich habe ich über alles und jedes einen kniffligen Algorithmus gelegt, der zu entschlüsseln sicherlich Wochen benötigt, wenn man ihn denn überhaupt findet."
„Sie sind genial, Hermine!", urteilte Caspian und auch Mildred nickte bewundernd.
„Nun, nicht schlecht", gab auch Severus zu, zu viel Lob war nicht gut für seine Frau, die gewöhnte sich zu schnell daran, „aber kannst Du uns auch sagen, was wir dort unten finden könnten?"
„Aber sicher", antwortete Hermine genüsslich.
„Und das wäre?", verflixt, warum ließ sie sich denn alles aus der Nase ziehen?!
„Das, was Mister Vasiri dort unten auch gesucht hat", strahlte Hermine, „nämlich den Dechiffrierschlüssel für unseren Gedichtsband, der in Wahrheit nichts anderes als ein sehr kluger Safe ist."
„Bist Du Dir sicher?", staunte Severus.
„Absolut, ich bin ihm auch schon auf den Fersen, morgen werden wir ihn finden, da bin ich mir sicher."
„Morgen?", echote Severus und raufte sich die Haare, „Warum erst Morgen?"
„Weil wir alle müde sind, Hunger hatten und ich mich um meinen Mann gesorgt habe", antwortete Hermine und funkelte ihn an, „außerdem will ich keine Fehler machen, das kostet in der Regel nämlich wesentlich mehr Zeit, als Bedachtsamkeit."
„Wir sind vollständig im Zeitplan, Severus, also, drängeln Sie nicht!", mahnte auch Caspian und Mildred ergänzte, „zudem ist es wichtig, dass wir unsere Erkenntnisstände zusammentragen, damit wir alle auf dem gleichen Stand sind.
Nun, da hatten die drei wohl recht. Auch er war wirklich müde und die Augenringe seiner Frau waren ebenfalls kein gutes Zeichen. Ein nachdenklicher Blick auf seine Taschenuhr ließ ihn schließlich seufzen, „Gut! Es war tatsächlich eine äußerst kurze Nacht und ein langer Tag. Wenn es nichts Dringendes mehr zu klären oder mitzuteilen gibt, sollten wir uns besser zurückziehen, damit wir morgen dem geheimen Raum all seine Geheimnisse entlocken können. Punkt sieben Uhr erwarte ich Sie zum Frühstück."
„Geht klar, aber ich schaue mir noch die alten Bücher an und mir kam da gestern eine Idee, über die ich noch nachdenken möchte", gähnte Caspian und klopfte seine Pfeife aus.
„Ich werde noch zwei, drei alte Zeichen nachschlagen, die Hermine mir kopiert hat, dass kann ich besser alleine", meinte auch Mildred und erhob sich ebenfalls, „Gute Nacht Ihnen allen!"
„Und Du?", Severus sah Hermine an.
„Wenn Du mir aus dem Sessel hilfst, gehe ich sofort mit Dir zu Bett", sie gähnte herzhaft.
„Nein, Du wirst vorher noch ein Bad nehmen", bestimmte er trotz daher streng, als er ihr Gesicht beim Aufstehen sah, „das dürfte, mit den richtigen Badezusätzen, auf Deine Muskulatur entspannend wirken und eine anschließende kurze Massage wäre sicherlich auch hilfreich, Deinen Rücken zu befrieden."
„Echt, das würdest Du tun?", fragte Hermine hoffnungsvoll, das war ja vielleicht noch besser…
„Notgedrungen!", schnarrte Severus und stahl sich einen kleinen Kuss, „ich brauche morgen eine topfite Zauberkunstmeisterin!"
„Erst morgen?", flötete sie schelmisch und ergänzte, „Wie schade! Obwohl ich fest glaube, das Dir ein Bad auch gut täte, was denkst Du?"
„Nun", durchdachte Severus dieses offensichtliche Angebot seiner Frau wohlwollend, „vielleicht sollte ich Deine Bemühungen um eine uneingeschränkte Einsatzbereitschaft kontrollieren, nicht, dass du noch darüber einschläfst!"
„Ich?", tat Hermine völlig unschuldig.
„Natürlich, ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass Du je eine Nacht durchgemacht hast! Außerdem habe ich ganz genau gesehen, wie Du unzählige Male gegähnt hast!"
„Es waren nur zwei oder drei Mal und nur, weil Du so ellenlange Monologe gehalten hast!", behauptete Hermine frech und rieb sich die Augen.
„Wie bitte?", echauffierte sich Severus und scheuchte seine unmögliche Frau in ihr Bad, um dort schnell die Wanne mit wunderbar warmen Wasser zu füllen, das nach Rosen und Frühling duftete.
„Aber ich gebe gerne und unumwunden zu", erklärte Hermine und ließ all ihre diversen Hüllen verführerisch fallen, bevor sie sich in das warme Nass hinab gleiten ließ, „dass Du ein wunderbarer Leiter bist, Severus. Ich könnte mir wirklich keinen Besseren vorstellen!"
„So?", brummte der mit rauer Stimme und folgte ihr, nachdem er sorgsam mehrere Schutz und Alarmzauber auf die Türe und Wände gelegt hatte, „Und das, obwohl ich Monologe halte?"
„Gerade deswegen!", behauptete Hermine und genoss die Wärme und die Zuwendungen ihres Mannes, „denn dabei kann man so herrlich davon träumen, Dich zu Verführen!"
„Ich sehe wirklich schwarz für unsere Mission!", resignierte Severus und beschäftigte sich eingehend mit der prächtigen Oberweite seiner Frau.
„Ich nicht, es wird ein Triumph! Warte es ab!", war sich Hermine völlig sicher.
Nun, er wartete mal gar nichts ab, sondern widmete sich sogleich intensiv allen interessanten Körperteilen dieser frechen Hexe und das waren nicht wenige. Danach ließ er ihr wirklich eine ausgiebige und umfängliche Massage zukommen, die nicht nur ihren Rücken befriedete.
Ach, das hätte er mit einem anderen Zauberkunstmeister sicherlich nicht erlebt. Wenigstens etwas Gutes, das all seine Sorgen und Vorbehalte gegen die Anwesenheit seiner Frau hier oben auf dem Dach der Welt ausglich, ging es ihm durch den Sinn, als er in das wunderbar bequeme und ausreichend große Bett stieg und sich dicht an den warmen Rücken seiner Frau schmiegte, die – wie präzise vorhergesagt - bereits seit einiger Zeit friedlich vor sich her schnorchelte…
