I C – Illogical consequence

Kapitel 11

Gleich nach dem Abendessen am nächsten Tag stürme ich in sein Büro und baue mich vor ihm auf. Ich konnte es kaum erwarten, ihn endlich wiederzusehen. Einerseits, weil mir der Vorfall in Dumbledores Büro keine Ruhe gelassen hat, andererseits weil ich eine unglaubliche Sehnsucht nach ihm hatte.

„Haben Sie nicht gesagt, es würde sich nichts ändern, wenn ich Harry davon erzähle?"

Snape sitzt an seinem Tisch, legt gemächlich seine Schreibfeder beiseite und sieht mich an.

„Ich sagte nicht, dass Sie ihm überhaupt irgendetwas erzählen sollen. Schon gar nicht von uns, Granger."

Oh. Peinlich berührt beiße ich mir auf die Lippe. Natürlich, das musste ja kommen.

„Trotzdem wussten Sie, dass ich es tun würde, nicht wahr?"

„Ja."

Langsam gehe ich zur Tür zurück und mache sie zu. Snape lässt mich keine Sekunde aus den Augen, bis ich wieder vor ihm stehe.

„Wenigstens ist es jetzt raus", sage ich mit einem unbeholfenen Lächeln auf den Lippen.

Wir sehen uns an, er kommt auf die Füße und legt seine Hände auf meine Hüften. Mit einem Ruck zieht er mich an sich und drückt seine Lippen auf meine. Ungestüm prallen wir aufeinander und küssen uns, bis mir fast die Luft wegbleibt. Erst dann löse ich mich von ihm los. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Alles ist meine Schuld.

„Sie scheinen sich nicht sonderlich dafür zu interessieren, dass Harry Sie jetzt noch mehr hasst als zuvor, Professor."

„Er hat schon schlimmere Dinge getan, Granger. Er hat mich gedemütigt und bloßgestellt. Glauben Sie mir, sein Hass ist da das geringere Übel."

Das leuchtet ein. Ob das mit dem Vorfall mit dem Denkarium zusammenhängt, der sich während des letzten Schuljahres ereignet hat?

Er scheint zu spüren, dass ich beunruhigt bin und legt den Kopf schief.

„Warum sind Sie wirklich hier?", fragt er mich dann.

Ja, warum? Weil mein Körper danach lechzt, es mit ihm zu tun, ebenso wie er es mit mir tun möchte.

„Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass sich diese Frage so einfach beantworten lässt", sage ich ausweichend. „Hauptsächlich bin ich Ihretwegen hier. Doch wie es aussieht, kann ich mir nicht sicher sein, ob Sie mich vielleicht nicht nur manipulieren, Snape."

"Das ist richtig, Granger."

Ich muss blinzeln. Er verunsichert mich schon wieder. Wieso tut er das nur jedes Mal? Er macht sich nicht einmal die Mühe, es abzustreiten.

"Sehen Sie? Sie geben ein Rätsel nach dem anderen auf."

"Wieso sollte es auch nicht so sein?", fragt er schlicht. "Ich habe Ihnen erlaubt, meine Nähe zu suchen. Ich habe zugelassen, dass wir uns auf einer Ebene miteinander bewegen, die üblicherweise ganz und gar nicht in mein persönliches Umfeld gehört. Sie kommen und gehen, wie es Ihnen passt, Granger. Aber der Rest liegt bei mir. Akzeptieren Sie das oder alles andere wird hinfällig."

Es trifft mich hart, obwohl ich weiß, dass er Recht hat. Die Privilegien, die sich mit unserer Übereinkunft ergeben haben, waren durchaus speziell, wenn man in Betracht zieht, worum es sich bei ihm handelt. Wir reden miteinander (und das sogar ziemlich freizügig, wie ich mir eingestehen muss; andererseits, wann hat Snape je ein Blatt vor den Mund genommen?) und schlafen miteinander. Mehr ist einfach nicht drin. Selbst wenn ich es wollte, würde er mir nicht mehr von sich geben. Mit anderen Worten: Wenn ich nicht das nehme, was ich kriegen kann, gehe ich leer aus. Aber kann ich das so einfach?

Bedrückt lehne ich meine Stirn an seine Schulter. Er reagiert zuerst zurückhaltend auf mich. Allem Anschein nach kostet es auch ihn immer wieder Überwindung, sich dessen bewusst zu werden, wie dünn das Band ist, das wir miteinander geknüpft haben. Nach einigen Sekunden jedoch legt er die Arme um mich und drückt mich an sich.

"Nur weil ich die allgemein geltenden Regeln breche, fällt es mir nicht leicht, das zu tun, Granger", sagt er mit rauer Stimme. "Sie haben Albus und Potter gehört. Wir dürfen nicht vergessen, wer wir sind."

"Ich weiß", gestehe ich leise. "Wären wir beide jemand anders, wären wir jetzt nicht hier."

"Nein, mit Sicherheit nicht."

Er bringt mich vorsichtig auf Abstand und umfasst mit seinen Händen mein Gesicht. Mit Bedacht streichen seine Daumen über meine Wangenknochen, während er mich ohne Unterlass so innig mit seinen schwarzen Augen ansieht, dass ich wieder die tiefe Sehnsucht danach verspüre, bis zur Besinnungslosigkeit mit ihm zu verschmelzen, um dabei alles andere zu vergessen, was mir Sorgen macht.

"Sie wollten doch nicht wirklich nach Askaban, oder?"

Ich muss ihn das einfach fragen, bevor ich dazu übergehen kann, mich ihm hinzugeben. Ich verspüre eine seltsame Angst davor, ihn in Schwierigkeiten zu bringen, aus denen es irgendwann keinen Ausweg mehr gibt, denn bisher scheint mir Dumbledore der Einzige zu sein, der ihm den Rücken stärkt.

Einer seiner Mundwinkel verzieht sich zu einem schmalen Lächeln. "Nicht, wenn es sich vermeiden lässt. Es ist ziemlich ungemütlich dort."

Fröstelnd verdrehe ich die Augen. "Wie lange waren Sie denn inhaftiert?"

"Ich war nicht wirklich in einer Zelle wie die anderen, denn wenn ich es gewesen wäre, hätte mich das Ministerium wohl kaum mehr unterrichten lassen."

"Aber Dumbledore hat doch angedeutet, dass ..."

Langsam schüttelt er den Kopf. "Albus hat hin und wieder den Hang dazu, zu übertreiben. Dennoch war der Vorgeschmack, den ich bei der Untersuchung erhalten habe, alles andere als harmlos."

Ich muss mir auf die Zunge beißen, um nicht weiter nachzufragen, denn dass er das Thema nicht vertiefen möchte, wird mir bei seinem Anblick unmissverständlich klar.

"Professor?"

Wortlos hebt er eine Braue an und wappnet sich für einen neuerlichen Angriff meiner ungezügelten Neugier ihm gegenüber.

"Wann sind Sie geboren?", frage ich frei heraus.

Er spürt natürlich sofort, worauf ich hinaus will, und ich werde umgehend rot.

"Ich meine, ich will nicht ... Ich würde es nur einfach gerne wissen."

Er grinst verschlagen. "Wozu, Granger? Denken Sie, es hilft Ihnen, Ihr Gewissen zu beruhigen?"

"Nein. Aber ich möchte mehr über Sie erfahren. Und bei allem Respekt, da es so viel gibt, das Sie zurückhalten, scheint mir das ein relativ unverfängliches Thema zu sein."

Er kneift ein wenig die Brauen zusammen und sieht mich abschätzig von oben herab an. "Ich bin siebenunddreißig, Granger. Na, zufrieden? Oder eher enttäuscht?"

Ich setze ein unbeholfenes Lächeln auf. "Tja, keine Ahnung. Was sind schon zwanzig Jahre? ... Aber ich bin sicher, meine Mum würde mich umbringen, wenn sie das wüsste."

"Dann sorgen Sie besser dafür, dass sie es nicht erfährt", murmelt er und beugt sich zu mir hinab.

Schon spüre ich seine Lippen auf meinen. Wir intensivieren den Kuss und setzen uns wie mechanisch in Bewegung, bis wir sein Schlafzimmer erreichen. Kaum dort angekommen, fällt hinter uns die Tür ins Schloss. Wir reißen uns gegenseitig die Sachen vom Leib. Mühelos hebt er mich hoch und ich schlinge Arme und Beine um ihn, um ihm entgegenzukommen. Seine harte Männlichkeit stößt wie zufällig gegen meine feuchte Mitte, dann findet er auch schon ohne großes Zutun seinen Weg und dringt in mich ein. Zugegeben, es kommt etwas unerwartet, aber ich mag es, wenn er mich auf diese Weise überrascht.

Eng umschlungen wankt er mit mir zur Tür, drückt mich mit dem Rücken dagegen und fängt an, sich in mir zu bewegen.

Voller Neugier für diese Aktion öffne ich mich ihm und vergrabe meine Hände in seinem Nacken und den langen Strähnen. Bald spüre ich den Schweiß, der sich auf seiner Haut bildet und rieche mit deutlicher Genugtuung den Geruch unserer willigen Körper, die sich hier obgleich aller Konventionen und Verbote ein weiteres Mal vereinen wollen, um uns einander näher zu bringen.

Seine Brust hebt und senkt sich schnell, sein Atem kommt stoßweise und leise hervor. Er ist wie immer verhältnismäßig still beim Sex, fast schon zurückhaltend mit seinen Gefühlsäußerungen. Fest auf ihn konzentriert bemühe ich mich, nicht weiter darüber nachzudenken, schließlich wird er seine Gründe haben, nicht lauthals nach meinem Namen zu rufen. Ich weiß auch so, dass das, was er mir von sich gibt, mehr ist, als ich erwarten kann. Es ist echt und unverfälscht Snape.

Dann bricht sein Samen aus ihm heraus. Ich spüre jeden einzelnen seiner Schübe und lasse mich von ihm an die geschliffene kalte Tür pressen, bis auch der letzte Tropfen seine Spitze verlässt. Es ist zu viel für mich. Sein Ausdruck, irgendwo gefangen zwischen Vergnügen und Schmerz, gibt mir den Rest. Wollüstig ziehen sich meine Muskeln um seinen immer noch pulsierenden Schaft zusammen und entlocken ihm ein scharfes Zischen. Mein Körper gehorcht mir nicht mehr, er gehört nur noch ihm und nimmt ihn bis zur Gänze in sich auf. Als ich dabei von purer Lust ergriffen seinen Namen über die Lippen rollen lasse, legt er umgehend seine Hand auf meinen Mund, wie um mich damit zum Schweigen zu bringen. Er scheint wie verändert. Schaudernd drückt er seinen Kopf in meine Locken hinein.

Dann, nur kurz nachdem ich gekommen bin, zieht er sich aus mir zurück und sieht mich an. Ich stehe auf wackligen Beinen vor ihm und riskiere einen Blick auf seinen noch immer halb erigierten Penis. Auch sein Atem dringt nach wie vor schwer in mein Gehör, ein deutliches Zeichen für unser ausgelassenes Liebesspiel. Dennoch wirkt er zerrissen. Mehr noch, würde ich es nicht besser wissen, könnte man glatt meinen, dass er verunsichert ist.

"Sagen Sie nicht diesen Namen, Granger", bringt er mühevoll hervor.

Verwirrt lege ich die Stirn in Falten, erst da wird mir klar, wovon er spricht.

„Wieso nicht?", frage ich erwartungsvoll. Wenn er schon so darauf reagiert, will ich wenigstens wissen, warum er das tut.

„Das hat Sie nicht zu interessieren", sagt er ohne Ausflüchte.

Enttäuscht lasse ich ihn stehen und mache mich auf die Suche nach meinen Klamotten. Im Moment bin ich so durcheinander, dass ich nicht einmal mehr weiß, wieso ich überhaupt hergekommen bin. Die Vorstellung, einfach nur Sex mit ihm zu haben, ohne mich auf geistiger oder emotionaler Ebene mit ihm austauschen zu können, erscheint mir so falsch, dass es wehtut.

Ich will gerade in meine Jeans schlüpfen, da packt er mich am Arm und bringt mich dazu, ihn anzusehen.

„Es tut mir leid, Granger", sagt er mit einem verlorenen Ausdruck in den schwarzen Augen. „Ich bin nicht bereit dazu, das mit jemandem zu teilen."

Ich fahre ihn an. „Nein. Sie sind nicht bereit dazu, es mit mir zu teilen. Aber ich bin sicher, Dumbledore weiß davon, habe ich Recht? Vielleicht halten Sie mich für naiv, weil ich wie selbstverständlich zu Ihnen komme, um mit Ihnen zu schlafen, Professor. Aber das heißt noch lange nicht, dass ich bereit bin, alles mit mir machen zu lassen, wonach Ihnen gerade ist. Wenn Sie mich also das nächste Mal abweisen wollen, sollten Sie sich vorher überlegen, wie Sie das anstellen wollen. Und jetzt lassen Sie mich los!"

Sichtlich irritiert lässt er von mir ab, wobei er versucht, seine Unsicherheit hinter seinen langen Strähnen zu verbergen. Nicht zum ersten Mal, wie ich weiß.

Für etliche Sekunden sehe ich ihn an. Fast tut er mir dabei leid.

„Sie verstehen das nicht, Granger", fängt er leise an.

„Nein, tue ich nicht. Aber so geht das nicht. Wir können nicht einfach so tun, als ginge es hierbei nur um bedeutungslosen Sex, weil es so nicht ist. Ich kann es jedenfalls nicht. Ich will herausfinden, mit wem ich es zu tun habe. Ich möchte wissen, wer Sie sind."

Er blinzelt und ich lasse meine Jeans fallen, strecke die Hand nach ihm aus und streiche ihm die Strähnen beiseite, damit ich ihn besser sehen kann.

„Ich habe es versucht, Professor. Ich habe es wirklich versucht. Aber es wirkt billig, so zu tun, als würde mich die Person hinter Ihrer Fassade nicht kümmern."

Einer seiner Mundwinkel zuckt. Offenbar sucht er nach Worten. Dann räuspert er sich.

„Vielleicht hast du Recht, Hermine", höre ich ihn mit belegter Stimme sagen, was mich wieder mal knallhart erwischt. Auf ein Eingeständnis seinerseits war ich nicht gefasst. Vielmehr hätte ich mit Gegenwehr gerechnet.

„Vielleicht habe ich das, vielleicht auch nicht", gebe ich kleinlaut zurück. „Ich habe keine Erfahrung damit, Severus. Ich weiß nur, dass ich nicht benutzt werden möchte."

Er atmet tief und langanhaltend aus. „Dann geht es dir ähnlich wie mir."

Mir ist auf einmal ganz kalt und so drücke ich mich an ihn und greife mir nach Halt suchend die Knöpfe auf seiner Brust. Ich glaube, so langsam weiß ich den Grund für seine Zurückhaltung. Er hat Angst davor, verletzt zu werden. Angst, dass man ihm das Herz bricht, weil es bereits zuvor passiert ist.

Zaghaft spüre ich, wie er mir entgegenkommt und mit mir in den Armen das Zimmer durchquert. Bei seinem Bett angelangt schlägt er die Decke zurück, dann legen wir uns hinein und kuscheln uns eng aneinander. Doch auch jetzt dauert es, bis er die Worte für das findet, was er mir sagen will.

„Ihr Name war Lily, Hermine, Lily Potter. Aber ich kannte sie als Lily Evans."

In mir überschlägt sich alles, trotzdem wage ich es nicht, ihn zu unterbrechen.

Abwesend und leise fährt er fort, erzählt mir von seiner Freundschaft zu Lily und davon, wie sie ihm den Spitznamen „Sev" gegeben hat, den ich während unseres sexuellen Zusammenspiels so unbedacht ausgesprochen habe, dass es ihn erschreckt hat. Er sagt mir, wie sie nach Hogwarts kamen und auf die unterschiedlichen Häuser verteilt wurden; wie ihre Wege auseinanderdrifteten und jeder von ihnen anfing, anderen Interessen nachzugehen, bis es letztendlich zum Bruch zwischen ihnen kam. Am Ende, als ich erfahre, wie er nach Voldemorts Angriff auf die Potters ihren leblosen Körper fand, bin ich so zermürbt, dass mir Tränen aus den Augen laufen. Beinahe wünsche ich mir, ich hätte nie danach gefragt. Aber das hätte mich auch nicht zufrieden gestellt. Jetzt kann ich wenigstens versuchen, mir ein Bild von seinem Leben zu machen, um vielleicht einen Teil davon zu verstehen.

Nur zu deutlich kann ich spüren, dass er mit sich ringt, ob es richtig war, mir davon zu erzählen. Vermutlich fragt er sich gerade, warum er es überhaupt getan hat...

In tiefer Dankbarkeit drücke ich ihm einen ganz besonderen Kuss auf die Lippen. Kurz darauf scheint er halbwegs besänftigt zu sein und ist bereit, meine Zuneigung zu erwidern. Doch ich bin mir fast sicher, das wird noch ein hartes Stück Arbeit, das ich hier vor mir habe.