Auch in Harry Potters Gedächtnis führte Türen zu verschiedenen Erinnerungen. Viele befassten sich mit seiner Zeit bei seinen Muggel-Verwandten und enthielten weniger angenehme Erlebnisse.
Snape und Lupin schlichen langsam vorwärts. Snape verzog mehr als einmal schmerzvoll das Gesicht, als er Petunia Dursley in Aktion sah. "Unangenehme Person, schon immer gewesen." murmelte er entsetzt. Schließlich erreichten sie lichtere Umgebung, Hogwarts und Dumbledores seltsame Erziehungsmethoden. Zuckerbrot und Peitsche, mal Bevorzugung und dann wieder Hinausstoßen von Harry in Abenteuer, die kein Kind in diesem Alter erleben sollte. Remus schüttelt den Kopf.
Nirgendwo waren jedoch Zeichen zu sehen oder Kryptogramme, die auf eine Einwirkung auf das Bewusstsein des Jungen hindeuteten. Snape bedeutete Lupin, dass sie sich trennen sollten und jeder einen Korridor erforschen solle.
Lupin nickte. Sie trennten sich an einer Biegung. Wieder Türen. Herr Potter schien ein reiches Innenleben zu haben. Snape ging an Träumen vorbei, die von einer glücklichen Familie handelten und von Quidditch. Er schüttelte den Kopf. 'Was für ein Kindskopf!' schalt er Potter im Stillen. Es war für ihn ein Rätsel, wie Harry trotz seiner vielen negativen Erlebnisse so ein gnadenloser Optimist bleiben konnte. Hin und wieder begegnete er auch sich selbst. Er grinste in sich hinein, fast hätte er sich nicht erkannt. Sein Bild bei Potter bestand hauptsächlich aus einer riesigen Nase und einer Mähne aus fettigen Haaren. Und natürlich zog er in jedem Zimmer heftig Punkte von Gryffindor ab. Schließlich trafen sich die beiden Gänge wieder und er stand Lupin gegenüber. Der zuckte mit den Schultern. Da hörten beide ein leises Zischen, das schnell lauter wurde. "Augen zu!" schrie Lupin und Snape zögerte nicht. Ein Basilisk kam um die Kurve und steuerte mit ungeahnter Schnelligkeit auf beide zu. Lupin hob den Zauberstab und ohne hinzusehen schrie er: "Permittere aspidis!". Den Basilisken schien das wenig zu beeindrucken. 'Er ist nicht echt, er ist ein Trugbild!' durchfuhr es Snape. Er hob nun seinerseits den Zauberstab und deklamierte: "Larva radere!".
Das wirkte. Der Basilisk löste sich in grünlichem Nebel auf. Der Nebel jedoch schien giftig zu sein. Sowohl Snape und Lupin als auch Harry begannen zu husten. Hermione zog die Stirne kraus. Das sah gar nicht gut aus. Sie begann einen Fächerspruch zu murmeln und der Qualm verzog sich etwas. Snape hielt ein Taschentuch vor seinen Mund und Lupin tat es ihm gleich. Sie drangen tiefer in den Hauptgang vor. Ganz am Ende war ein großes Tor, das mit einem schweren Riegel verschlossen war. Darauf standen die Worte:"Dring' nicht ein, willst du weiter am Leben sein." "Affig." erklärte Snape und winkte Lupin zu sich. "Hier ist es." flüsterte er. Sie warteten einen Moment. Nichts tat sich. Dann begann der Riegel feurig zu glühen. Harry stöhnte laut und wand sich in seinen Fesseln. "Interstingere ignis" brummte Lupin. Das nützte nichts. "Feuer kann man nur mit Feuer bekämpfen." knurrte Snape. "Incendio!" schrieen sie mit vereinten Kräften. Das Tor ging in Flammen auf.
Es öffnete sich. Atemlos schauten die beiden Zauberer dem Abgrund entgegen. James Potter persönlich trat hervor. Er hielt ein flammendes Schwert in seinen Händen und marschierte nach vorn. "Lupin." keuchte er. "Du Verräter!". "Ich helfe nur deinem Sohn, den du im Stich gelassen hast." erwiderte Lupin voller Zorn. "Du hast Sirius auf dem Gewissen!". setzte er noch nach. James Potter ließ sich nicht aufhalten. Er kam immer näher. Snape blieb ruhig und im Hintergrund. Als Potter ganz nahe war und gegen Lupin ausholte, schrie Snape ihm entgegen "Larva radere!". Auch das Trugbild von James Potter zerfiel zu Staub. Schwer atmend schritten sie weiter nach vorn. Seltsame Gestalten reckten ihr Tentakel nach ihnen aus, sie hörten entsetzliche Schreie und sahen verschieden farbige Blitze. Davon ließen sie sich nicht mehr aufhalten. Inmitten des Zimmers stand eine Truhe. "Recludo memoriola." flüsterte Snape und bewegte seinen Zauberstab in einem schwierigen Muster. Nach bangen Sekunden sprang der Deckel der Truhe auf. Die altbekannten Mini-Dementoren flogen mit lautem Gekreisch hervor. Harry schrie schrill und kämpfte gegen seine Fesseln. Die Patroni machten den grauen Gesellen den Garaus. So plötzlich wie sie gekommen waren, war auch alles vorbei. Stille breitete sich aus. Lupin und Snape atmeten tief durch. Sie machten sich auf den Rückweg.
Just als sie glaubten, alles Türen abgearbeitet zu haben, sahen sie sich einer neuen, steinernen Pforte gegenüber.
"Halt." bedeutete Snape mit einem Handzeichen. Sie traten erstaunt näher, um das Phänomen zu untersuchen. "Tja." murmelte Lupin ratlos.
"Das ist etwas anderes, gefährliches." bestätigte Severus. "Wir müssen vorsichtig sein. Gehen wir erst einmal zurück und schöpfen neue Kraft." Sie taten dies. Hermone nahm sie in Empfang und gab ihnen zu Trinken.
Nach einer reichlichen halben Stunden versuchten sie es erneut. "Das ist der Kern des Ganzen." murmelte Severus entsetzt und wies Lupin an sich rechts von der Pforte aufzustellen. Dann holten beide tief Luft und begannen vorsichtig die Pforte zu öffnen. Sie bot ihnen keinerlei Widerstand, aber die Gefahr war wie ein feiner Nebel zu spüren.
Sie sahen sich an und verständigten sich durch Handzeichen. Dann rückten sie langsam vor. Die Kammer war jedoch leer, bis auf einen rot glühenden Faden, der sich irgendwo in der Ferne verlor. Remus biss sich auf die Lippen. Hochaufmerksam schlich er näher. Snape tat es ihm von der anderen Seite aus gleich. Er machte eine Kopfbewegung zu dem Faden hin und flüsterte lautlos: "Verbindung!". Remus nickte. Das war eine Verbindung nach draußen, zu einem Dritten. Irgendwo war hier ein weiteres Geheimnis verborgen. Severus nahm allen Mut zusammen und legte seinen Zauberstab auf den Faden. "Coniunctivus alienigenus!" rezitierte er und Remus fand dies mehr als mutig. Es war tollkühn, denn er wusste nicht was ihn am anderen Ende erwartete. Er hielt den Atem an.
James träumte wieder diesen selben Traum. Der Teddy klopfte an seine Tür und er machte widerwillig auf. In dieser Nacht war jedoch alles anders. Der Teddy nahm seinen Plüschkopf herunter und James starrte in das zornige Gesicht von Severus "Was in aller Welt?" stammelte er. Der Bär, also Snape antwortete: "Sie haben dich betrogen. Dein Sohn ist ein ganz normaler Junge und er hätte dich gebraucht. Komm zurück oder du wirst es bereuen!". James taumelte. Er griff nach dem Bären und griff ins Leere. Er fiel aus dem Bett und richtete sich mühsam auf. Seine Frau schlief weiter. Er lief quälend langsam in die Küche und suchte nach einem starken Getränk. Er setze sich. Das fahle Mondlicht schien auf den Tisch und der klare Schnaps im Glas glitzerte. "Snape" murmelte er, "Severus Snape, wie konnte ich den nur vergessen? Aber wer ist das nun genau?". Er glaubte an Voraussagungen und Träume, seine Mutter war eine begabte Seherin gewesen und er hatte ihr Talent geerbt. Er beschloss, sich für den nächsten Tag krank zu melden. Mit diesem Beschluss legte er sich wieder zur Ruhe. Er würde über seinen Schatten springen und diesen Snape finden. Der müsste ihm sagen, was hier schief lief. Er hatte den Verdacht, dass er seinen eigenen Gedanken und Erinnerungen nicht mehr trauen konnte.
Snape drehte sich zu Lupin um. Er war totenblass. "James Potter" flüsterte er benommen. "Der Draht führt zu ihm." "WAS?" Snape nickte beklommen. "Ich habe ihn gesehen und auch mit ihm gesprochen.
"Er ist offenbar nicht Herr seiner Gedanken. Er war sehr verwirrt." Remus erschrak. "Dann gibt es nur einem Möglichkeit. Es ist Lilly Sie wollte Karriere machen und es allen beweisen.
Sie wollte nach oben. Er wollte doch nur ein schönes Leben haben." "Er war nicht unbedingt der Ehrgeizigste, da ihm sowieso das meiste in den Schoß fiel." ergänzte Snape. "Hm." bestätigte Remus. "Trennen wir die Verbindung?" fragte er dann.
"Nein, ich denke Harry kann dadurch kommunizieren, so wie letztens mit Voldemort. Die Programmierung ist zerstört, wir sollten es darauf ankommen lassen." "Gut." meinte Remus. "Dann können wir jetzt endgültig zurück."
James wartete, bis Frau und Kinder aus dem Haus waren. Dann vertiefte er sich in eine Seherübung, die er schon lange nicht mehr gemacht hatte. Er führte die beiden Träume im Geiste zusammen und prüfte Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Wer war noch mal dieser Snape? Er spürte genau, dass er den Typen kannte. War der in Godrics Hollow dabei gewesen? Unmöglich.
An IHN könnte er sich erinnern. Er dachte an die verschiedenen Bannzauber, die seine Frau über das Zimmer gelegt hatte. Normalerweise hätte kein Fremder dort eindringen können, noch nicht einmal Lord Voldemort. Jedoch, es war jemand da gewesen. "Aber kein Fremder!" rief er plötzlich laut. Und wenig später "Sirius! Albus!" Er ging in das Arbeitszimmer seiner Frau, das er unter normalen Umständen nie betrat, weil sie es nicht gern sah. Heute war er jedoch allein und konnte schalten und walten, wie er wollte. Nein! Doch nicht! Sie hatte das Zimmer mit Schutzzaubern aller Art versehen.
Glücklicherweise kannte er genügend Tricks, diese zu umgehen. Jahrelange Abenteuer mit Sirius Black zahlten sich eben aus. Er betrat das Zimmer und sah sich um. Nichts Besonderes eigentlich. Der penibel aufgeräumte Schreibtisch, ein Aktenschrank, zwei Regale. In die Wand eingelassen war ein Safe, das war ungewöhnlich. Er tastete sich vorsichtig heran. "perspicere!"
flüsterte er und die Tür des Safes wurde transparent. Drinnen stand ein Denkarium und ein dicker Ordner lag daneben. James schluckte. 'Wozu das denn?' fragte er sich. Hatte sie etwa Geheimnisse vor ihm?
Hermione nahm sie in Empfang und gab ihnen Stärkungstränke. Sie hatte eine Couch zu einem breiten Bett umgewandelt und führte sie vorsichtig hinüber. "Legt euch erst mal hin." sagte sie, obwohl sie bemerkte, dass etwas Unvorhergesehenes geschehen war. "Um Harry kümmere ich mich, da scheint alles in Ordnung." Snape nickte. "Weck' uns, wenn etwas passiert!" schärfte er ihr ein.
Harry erwachte von einem brennenden Durstgefühl. Aber da war noch etwas anderes: Erleichterung. Der Druck in seiner Narbe war verschwunden. Zum ersten Mal seit vielen Jahren. Er dreht vorsichtig den Kopf. Er wunderte sich sehr, als er Remus und Snape eng umschlungen in einem großen Bett liegen sah. 'Ein Trugbild.' dachte er amüsiert. Dann musste er husten. Hermione sprang sofort herbei und gab ihm ein kleines Glas Wasser. Sie half ihm, sich aufzurichten. "Alles in Ordnung, Harry?" Harry trank gierig. "Schätze ja." sagte er und wies auf die beiden Turteltauben. "Ist das wahr, was ich hier sehe?" fragte er so nonchalant wie nur möglich. "Hm." erklärte Hermione. "Das ist wohl die neueste Entwicklung. Severus war mit meinem Vater liiert. Regulus Black, du verstehst..." Harry nahm schnell noch einen Schluck. Er wurde tatsächlich rot. Dann schlug er sich an die Stirn. "Dann bist du die rechtmäßige Erbin von Sirius' Vermögen!" Hermione hob beschwörend die Hände. "Das klärt sich erst, wenn wir wissen, was hinter dem Vorhang ist." Harry nickte. "Ich werde noch ein kleines Nickerchen machen." erklärte er schließlich und mit einem letzten Blick auf Snape'n Lupin schlief er ein.
Harry Potter sass mit gerunzelter Stirn am Küchentisch und hatte ein Pergament vor sich. Langsam schrieb er und hielt oft inne, um zu überlegen. Er hatte sich vorgenommen, Ordnung in die ganze Angelegenheit zu bringen. Hermione hatte ihm beigebracht, dass es günstig sei, alles, aber auch alles aufzuschreiben. Das tat er jetzt. Bisher hatte er den anderen, auch Ginny, noch nichts erzählt. Zu phantastisch waren die ganzen Entwicklungen. Severus hatte ihm von der Gedankenverbindung erzählt, die er zu seinem Vater hatte. Harry wollte davon nichts wissen. Er spielte sogar mit dem Gedanken, den Namen Weasley oder Black anzunehmen. Snape hatte nur verächtlich gegrunzt. "Das hilft auch nichts." versicherte er.
Er fragte sich, ob wohl Tante Petunia irgend etwas wüsste. Sie kannte Lilly am besten und würde wohl auch Auskunft geben. Der Gedanke, Petunia zu befragen, brachte tiefes Unbehagen. Harry seufzte.
Schließlich beschlossen sie, die anderen Ordensmitglieder nach und nach einzuweihen. "Ginny und Ron, Minerva, Arthur und Molly." sagte Remus. "Kingsley und Tonks." ergänzte Snape. "Gut." meinte Hermione. "Wir sollten ein Essen kochen." sie zeigte auf Harry und sich, "und dann die Bombe platzen lassen." Aus irgendeinem Grund wurde Remus rot. Harry sah ihn fragend an. Er hörte Snape - ja was - kichern? Als er sich zu ihm umdrehte, war es schon vorüber. Er schob das Geräusch auf einen Hörfehler. "Fein." sagte er. "Ich finde die Idee ganz gut." "Wir dürfen auch nicht vergessen, dass Harry mit seinem Vater Kontakt aufnehmen sollte. Das ist unverfänglich, denn wenn James von der Verbindung weiß, was ich bezweifle, dann wird er denken, es sei ein Zufall." Harry nickte. "Und wenn er nichts davon weiß, heißt das, dass er ein Opfer des Plans ist und er könnte nach England zurück. Mit meinen Geschwistern, eventuell." Harry hatte seine Idee von einer großen Familie nicht aus dem Auge verloren.
Hermione und Harry rekrutierten Ginny und Ron für das festliche Essen. Sie scharwerkten in der Küche und schnatterten dabei lauthals. Ginny und Ron wollten natürlich wissen, weshalb plötzlich so üppig gekocht wurde, aber die beiden hielten darüber den Mund.
Statt dessen erzählten Kingsley und Tonks eine unglaubliche Geschichte. Die beiden sassen mit einer Flasche Muggelbier auf der Ofenbank und berichteten von ihrem letzten Einsatz.
"Stellt euch vor, die Muggel waren völlig renitent. Beinahe wären wir verprügelt worden. Kingsley hat die Spitze seines Zauberstabes eingebüßt. Der Muggel hat sie abgesägt!". Hermione grinste in sich hinein. Manchmal waren die Zauberer ziemlich kindisch. Dann hörte sie eine Bemerkung, die sie fast das Messer fallen ließ. "Und Snape, den gibt es überhaupt nicht!". erklärte Tonks mit dem Brustton der Überzeugung.
"Was!" fragte Harry, der es besser wusste. "Ja." erwiderte Kingsley. "Das haben wir herausgefunden!".
"Erzähl." forderte Ron den dunkelhäutigen Auroren auf. Das war mal eine Geschichte!
Tonks und Kingsley hatten den Auftrag Spinners End zu überwachen. Gemeinsam mit den beiden Kadetten Homer Elwood und Jake Simpson hockten sie in einer extra dafür gemieteten Wohnung genau gegenüber von Snapes Haus. Sie langweilten sich sehr, denn es passierte in dieser Straße so gut wie nichts. Jeden Morgen kamen die Arbeiter aus dem Müllverbrennungswerk, um bei Metzger Lawrence Campbell zu frühstücken. Kinder, hauptsächlich von westindischen Einwanderern, gingen zur Schule und ein paar Hausfrauen schwatzten und kauften ein. Das Muggelleben schien ein gewisses Schema zu haben. Tonks kam schließlich auf die Idee, sich unter die Leute zu mischen. "Wir sollten uns auch so blaue Gewänder anziehen und einfach mit frühstücken. Sie werden uns für Arbeitsleute halten und wir können vielleicht irgendetwas aufschnappen." sagte sie. Homer und Jake lehnten dankend ab. Kingsley fand die Idee passabel.
Sie transfigurierten ihre Roben in Blaumänner und ihre Hüte in gelbe Schutzhelme. Mit etwas Muggelgeld bewaffnet, betraten sie den Fleischerladen, der außerdem einen kleinen Imbiss beherbergte. Die Männer und wenigen Frauen tranken Tee oder Kaffee und aßen Bratkartoffeln mit Buletten. Die Ehefrau von Mr. Campbell bediente und unterhielt sich mit den Leuten. Tonks hörte unglaubliche Geschichten, aber keine davon war für ihre Zwecke brauchbar. Jedenfalls hatte sie die Namen Pamela Anderson oder Paris Hilton nie im Zusammenhang mit Snape oder gar dem dunklen Lord gehört.
Sie blieben, bis alle gegangen waren, um den Metzgermeister selbst zu befragen. Lawrence Campbell war ein Mann von knapp vierzig. Er hätte mit Severus Snape zur Grundschule gegangen sein können. Kingsley wandte sich an ihn und zeigte auf Snapes Haus. "Wohnt dort keiner mehr?" fragte er. "Wer will das wissen?" fragte Campbell zurück. "Ich." sagte Kingsley. "Suche ein Haus hier in der Nähe." ergänzte er auf gut Glück. "Ist nich' verkäuflich." murmelte der Metzger. "Aha." sagte Tonks. "Sieht aber nicht so aus, als ob da jemand wohnt." bohrte sie weiter. "Hier sieht vieles nicht' so aus." brummte Lawrence.
In dem Moment klingelte die Ladenglocke und eine kleine alte Lady trat ein. Sie trug ein schreiend buntes Kostüm und einen rosa Stockschirm, der Tonks irgendwie an Hagrid erinnerte. "Wie immer?" fragte Lawrence und die Dame nickte. "Ich hole Gehacktes für meine Katzen." erklärte sie völlig überflüssigerweise und strahlte Tonks und Kingsley an. "Ach, und Lawrence, mach mir doch bitte einen Tee und ein Sandwich.". Umständlich ließ sie sich auf einem der Stühle nieder. "Schlechtes Wetter heute." plauderte sie weiter. "Ach, ich heiße übrigens Rosabelle Matthews. Ich wohne seit 1926 hier." Das brachte Tonks Gehirn zum klingeln. "Sie kennen dann wohl alle hier?" fragte sie freundlich. "Oh ja." erwiderte Rosabelle. "Natürlich."
"Wir sind auf der Suche nach jemand." sagte Tonks eine Spur leiser. "Wie?" fragte Rosabelle laut. "Wir suchen Severus Snape!" donnerte Kingsley. Der Metzger hob den Kopf. "Oh." sagte Rosabelle. "Oh! Aber der ist doch gestorben, das arme kleine Ding. Er war erst - lassen sie mich nachdenken - 10 Jahre alt. Nicht wahr, Lawrence?" Lawrence nickte und brummte etwas Unverständliches. "Das kann aber nicht sein." stotterte Tonks. "Doch, ich zeige ihnen das Grab, junge Frau. Ich wollte sowieso noch auf den Friedhof."
Lawrence Campbell trat auf sie zu. "Wer sind sie?" zischte er Kingsley an. "Was wollen sie von Snape?". Kingsley hob entsetzt die Hände, er fühlte, dass hier etwas schief lief. Gehörig schief, sogar. "Du bist einer von denen?" flüsterte Lawrence. "Stimmt's?" Kingsley spürte Panik aufsteigen. Er zog den Zauberstab. Das war verkehrt. Lawrence lachte grimmig. Er nahm das Elektromesser und ließ es aufheulen. "So nicht - Stöckchenschwinger." rief er zornig. Kingsley starrte erschrocken auf seinen Zauberstab, dem unversehens das obere Drittel fehlte. Da trat er den Rückzug an. Tonks sah ihn rennen und folgte ihm unverzüglich. An der Tür stieß sie mit einem Mann zusammen, der gerade eintreten wollte. Er war groß weißhaarig und trug einen riesigen Seesack.
Lawrence legte das Messer hin und begrüßte den Neuankömmling. "Tobias!" rief er und wirkte irgendwie erleichtert. "Das ist ja eine Überraschung. Wieso hast du nicht angerufen!". Aber das hörte Tonks nicht mehr.
