So, und hier ist auch schon das nächste Kapitel. Wenn ihr mir eine Freude machen wollt, dann verratet mir doch bitte, was ihr von den Masken hält!
Katzenauge: Tut mir leid, ich hab so absolut keinen Plan, wie viele Kapitel es werden, ich lass mich da mehr von den Charakteren und ihren für mich logischen Verhaltensweisen lenken. Ich würd mal sagen, zwischen 20 und 50 ist alles drin!
Kapitel 11 – Masks
Nachdem Blaise Rons Gejammer irgendwann einfach ignoriert und die beiden von ihren Fesseln befreit hatte, hatten sich die beiden Slytherins ohne große Worte aus dem Staub gemacht. Was im Klartext eigentlich bedeutete, dass Draco, sobald er sich wieder bewegen konnte, einfach in irgendeine Richtung davongegangen war ohne die anderen noch eines Blickes zu würdigen, und Blaise ihm, nachdem er Hermine kurz anerkennend zugenickt hatte, eilig gefolgt war.
Hermine war inzwischen wieder in ihrer geliebten Bibliothek, konnte sich aber nicht so recht auf das Buch vor ihr konzentrieren. Ihre Gedanken waren bei Harry und Ginny; nachdem sie den beiden Jungs noch einmal eingeschärft hatte, dass sie sich in Zukunft gefälligst nur noch auf Informationen aus erster Hand verlassen sollten, hatte Hermine Ron kurzerhand dazu gezwungen, sie zurück zum Schloss zu begleiten um den beiden eine Chance zu geben, sich endlich auszusprechen.
Aber das war leichter gesagt als getan. Hermine kannte Ginnys aufbrausendes Temperament genauso gut wie Harrys typisch männliche Art, alles falsch zu formulieren. Sie hoffte inständig, die beiden würden sich wirklich aussprechen.
Dass Ginny Harry den Kopf einschlagen hatte und ihr restliches Leben in Azkaban verbringen würde war allerdings nicht gerade unwahrscheinlich.
Zuerst hatten sich Ginny und Harry wie gewohnt ins die Drei Besen gesetzt und zwei Butterbier bestellt. Doch spätestens nachdem beide Krüge leer und immer noch kein vernünftiges Wort gewechselt worden war, war beiden klar, dass die lange überfällige Aussprache so mit Sicherheit nicht funktionieren würde.
Überall um sie herum waren lachende, tratschende Schüler; was Harry einerseits das Gefühl gab, nicht zu laut sprechen zu dürfen, und so absolut nicht Ginnys Stimmung entsprach, dass sie die vielen Leute langsam aggressiv machten.
Also hatten sie sich nach einem weniger gut besuchten Ort umgesehen und sich schließlich einfach ins Gras vor der heulenden Hütte gesetzt.
Und jeder hatte gewartet, ob der andere vielleicht den Anfang machen würde.
Und gewartet.
Und gewartet.
Schließlich war Ginnys Geduld am Ende. „Ich hab nicht gerade viel Erfahrung mit ‚hey, mein Exfreund ist schwul'-Gesprächen, also… Ich weiß auch nicht. Könntest du es mir bitte einfach erklären?"
Harry zuckte hilflos mit den Schultern. „Wofür genau willst du eine Erklärung? Ich kann ja noch nicht einmal wirklich sagen, ob ich gerade einfach irgendeine Art Phase habe oder ob ich wirklich… naja, eben… Gott, das klingt alles so dämlich!" Harry raufte sich geistesabwesend die Haare.
Ginny musste fast laut loslachen. Das war alles einfach so absurd. „Nein, ich will keine grundlegende Erklärung und schon gar kein warum. Aber… es klingt komplett scheiße wenn ich das so formuliere, aber ist das irgendwie meine Schuld?"
Harry sah überrascht auf, während Ginny ihren Blick starr auf ein Grasbüschel gerichtet hielt und damit begann, einen Halm nach dem anderen auszurupfen.
„Wie kommst du auf sowas?"
„Naja, mit dir war ich mehr oder weniger zusammen, und dann sowas. Und Michael war der einzige andere Junge, mit dem ich auch nur in die Nähe einer Beziehung gekommen bin, und auf einmal scheint er sich auch nicht mehr für Frauen zu interessieren. Ich meine, ich weiß, dass man nicht davon sprechen kann, dass ich an irgendetwas ‚schuld' hätte, immerhin bin ich kein schwulenfeindlicher Idiot, aber ich fühl mich irgendwie als würde ich die Männerwelt umpolen."
Harry schüttelte entschieden den Kopf. „Das ist Blödsinn. Irgendwie… Also, ich fang besser mal am Anfang an. Als das mit uns angefangen hat, hatte ich dich wirklich gerne."
Ginny schloss kurz die Augen und konzentrierte sich darauf, sich unter Kontrolle zu behalten. Das in der Vergangenheitsform zu hören tat weh, aber in Wirklichkeit hatte sie schon längst gewusst, dass Harry nicht mehr dasselbe für sie empfand. Das war kein Grund, loszuheulen.
Sie zwang sich dazu, nur kurz zu nicken und Harry zuzuhören.
„Aber dann sind immer wieder Leute aufgetaucht, die mich durcheinander gebracht haben. Das heißt, Männer. Und statt mich wie ein erwachsener Mensch zu benehmen und mit dir darüber zu sprechen, hab ich versucht, mich hinter dir zu verstecken. Ich… ich war einfach verwirrt und wollte mich eigentlich gar nicht damit auseinandersetzen und…"
„Und statt dazu zu stehen hast du mit mir geschlafen, um dir selbst das Gefühl zu geben, dass alles wie immer ist.", beendete Ginny den angefangenen Satz, während sie das ganze Grasbüschel mit einem kräftigen Ruck aus der Erde riss.
Harry nickte nur. Er wusste nicht, was er sagen oder tun sollte.
„Ziemlich miese Aktion."
„Ja. Absolut mies. Ich wollte dir wirklich nie weh tun, aber es war einfach alles so…"
Ginny stand abrupt auf und Harry hielt überrascht mitten im Satz inne. „Ich… Es ist okay Harry.", begann Ginny stockend, „Ich versteh ja, dass das alles nicht leicht war für dich, aber ich brauche Zeit, um das alles zu verdauen. Ich bin dir nicht wirklich böse, aber… Es tut weh, weißt du? Nicht so sehr wie es weh tun könnte, ich glaube, ich hab in den vielen Wochen der Zurückweisung schon ein wenig mit dir abgeschlossen, aber ich brauche einfach noch ein wenig Zeit, bis ich mir mehr darüber anhören kann."
Ohne ihm die Chance auf eine Antwort zu geben, fügte Ginny hinzu: „Ich geh zurück ins Schloss. Bis… bald, schätze ich."
Blaise hatte wirklich vor gehabt, Ginny die kalte Schulter zu zeigen. Einmal nicht für sie da zu sein. Vor allem, nachdem sie ihn in den letzten Tagen so völlig ignoriert hatte, hatte sie sich diese Behandlung mehr als verdient.
Aber…
Er wusste, dass sie in Hogsmeade mit Harry sprechen würde. Er hatte Hermine und Ron alleine zurückkommen sehen. Und er wusste, dass sie ihn danach brauchen würde.
Also verbrachte Blaise den kühlen, beginnenden Oktoberabend auf den Stufen vor dem Schloss. Er kam sich dabei ein wenig dämlich vor, was im starken Kontrast zu seinem alltäglichen Verhalten ungewohnt war.
Aber so etwas machten gute Freunde nun mal, zumindest nach Blaises Definition.
Nach einer gefühlten Ewigkeit konnte Blaise den vertrauten, feuerroten Haarschopf in einiger Entfernung erkennen, und stand langsam auf. Als Ginny näher kam, konnte er ihr stolz gerecktes Kinn und den entschlossenen Gang erkennen – und als sie nur noch wenige Meter von ihm entfernt war, die glitzernden Tränen auf ihren Wangen.
Blaise seufzte leise. Ich bin ein Idiot…, dachte er bei sich, trat ein paar Schritte vor und streckte Ginny auffordernd seine Arme entgegen, in die sie dankbar fiel.
Beim Abendessen hatte Hermine das Gefühl, als wäre die Welt langsam wieder normal. Ginny und sie hatten sich wieder an ihren früheren Stammplatz gesetzt, und auch wenn die Stimmung zwischen Harry und Ginny definitiv noch angespannt war, war es doch eine Verbesserung.
Nach dem Hauptgang bemerkte Hermine, wie sich Professor Dumbledore mit dem für ihn typischen, fröhlichen Glitzern in den Augen erhob, und ohne dass der Zauberer darum bitten musste, wurde es langsam still im Saal. Da der Halloweenball vor der Tür stand, waren alle Schüler gleichermaßen neugierig auf Dumbledores Worte.
„Ich wünsche einen wunderschönen Abend, liebe Schüler." Dumbledore lächelte freundlich in die Runde, bevor er ohne Umschweife fortfuhr: „Wie ihr alle wisst, haben wir euch einen Maskenball versprochen. Aber einfach jeden von euch irgendein Kostüm auswählen zu lassen, wäre doch etwas langweilig, oder?"
Überall im Saal erklang mal mehr, mal weniger zustimmendes Gemurmel.
„Um das ganze etwas spannender zu gestalten, habe ich mir eine kleine Überraschung für euch ausgedacht. Morgen wird hier im großen Saal den ganzen Tag ein verzauberter Kessel für euch bereitstehen, der für jeden von euch eine magische Maske enthält – mogeln gilt nicht, es gibt tatsächlich nur eine Maske pro Schüler. Lasst euch dabei nicht vom Äußeren der Masken täuschen, ihre Magie können die Masken erst entfalten, wenn sie aufgesetzt werden. Das war's auch schon, guten Appetit für die Nachspeise!"
Dumbledore setzte sich wieder und begann auch schon, sich eifrig seinen Teller zu beladen, während unter den Schülern wieder einmal unzählige Diskussionen entfachten. Die einen waren begeistert und konnten es gar nicht erwarten, ihre Maske zu bekommen – die anderen ahnten schon, wie sehr dieses Glücksspiel danebengehen könnte und rechneten mit dem Schlimmsten.
Ron aß mit begeistertem Gesichtsausdruck weiter, während Hermine neben ihm selbstmitleidig stöhnte.
„Mach dir keine Sorgen, Hermine.", versuchte er sofort, sie von ihren ganz klar negativen Gedanken abzulenken, „Dumbledore denkt sich bei sowas doch immer etwas. Wahrscheinlich hat er den Kessel so verhext, dass die Masken auf unsere Persönlichkeiten abgestimmt sind."
„Ja, Ron. Dann bin ich ein Buch!" Hermine schüttelte entsetzt den Kopf, während sie augenblicklich eine dazu passende, grauenhafte Vorstellung vor Augen hatte.
Wie so oft in den letzten Tagen ertappte Draco sich dabei, wie er einen kurzen Blick zum Gryffindor-Tisch hinüber warf. Er hätte zu gern gewusst, was diesen Ausdruck auf Hermines Gesicht ausgelöst hatte.
Ihm persönlich war dieser Maskenwahn völlig egal – er wusste, dass er so oder so gut aussehen würde.
Viel mehr beschäftigte ihn die Erinnerung, die ihn am Nachmittag in Hogsmeade heimgesucht hatte. Hatte er tatsächlich versucht, Granger… näher zu kommen? Draco war unendlich froh darüber, dass die Besserwisserhexe es offensichtlich gar nicht bemerkt hatte. Er schämte sich schon genug dafür, was er ihr alles erzählt hatte. Seit wann war er eigentlich so redselig?
Seine über die Jahre perfektionierten Reflexe rissen Draco aus seinen Gedanken. „Blaise! NEIN!", fauchte er, laut genug, dass der befreundete Slytherin vor Schreck beinahe von der Bank kippte.
„Nur ein ganz kleines Stück Kuchen?", schlug Blaise mit seinem unschuldigsten Dackelblick vor.
Draco bedachte ihn nur mit einem vernichtenden Blick, bis Blaise beleidigt seine Unterlippe vorschob und die Arme verschränkte.
Draco gab ein paar völlig unverständliche Laute von sich und rollte sich auf die andere Seite. Irgendetwas… piekte ihn. Es fiel ihm schwer, sich umgeben von dem warmen, weichen Stoff seiner Decke darauf zu konzentrieren, also versuchte er stattdessen, in seinen Traum zurückzufinden. Es war ein schöner Traum gewesen.
Blaise schnaubte empört und krabbelte auf allen vieren näher an Draco heran. Er wusste, dass die Geräusche, die der blonde Slytherin von sich gab, eine sehr vereinfachte Form von ‚Lass mich in Ruhe du Idiot' darstellten, aber das hielt ihn noch lange nicht ab.
Er entschied sich, auf effektivere Waffen zu wechseln.
Statt weiterhin mit dem Finger an Dracos Schulter zu tippen, versuchte er es nun mit der verbalen Methode.
„Draco. Es ist zwei Uhr nachmittags. Steh auf. Mir ist langweilig."
Keine Reaktion.
„Draco. Draco. Draco. Draco. Draco. Draco. Draco. Draco. Draco."
Undefinierbares Gemurmel.
Blaise zog frustriert die Stirn in Falten und setzte sich dann im Schneidersitz bequem neben seinen Freund. Ein paar Minuten sah er ihn nur mit kindlichem Ärger an.
Als nächstes zog Blaise vorsichtig an der Bettdecke, die sich wie zu erwarten nicht entfernen ließ. Draco kannte Blaises Aufweckmethoden inzwischen zu gut; er schien unbewusste Reflexe dagegen entwickelt zu haben, und so klammerte er sich inzwischen fest an das obere Ende der Decke.
Blaise zog eine Schnute und schien ein paar Minuten zu überlegen.
Dann hob er langsam seine linke Hand, beugte sich ein wenig vor – und ließ sie mit einem leisen ‚Klatsch' in Dracos Gesicht fallen.
„Mhmpf!"
Blaises Gesicht hellte sich augenblicklich auf. Er hob seine Hand wieder, nur ein paar Zentimeter, er wollte Draco ja nicht verletzen. Dann wartete er einen Augenblick, und ließ sie wieder fallen.
Diesmal konnte er bei Dracos Protestlaut ein begeistertes Quietschen nicht unterdrücken.
Er wiederholte den Vorgang einige Male, bis sein Opfer abrupt die Augen öffnete und seine Hände schützend vor sein Gesicht hielt. „Blaise."
„Guten Morgen, Draco!"
Draco fuhr sich mit der einen Hand übers Gesicht, während er die andere sicherheitshalber weiter abwehrend erhoben hielt. „Was ist los?"
„Es ist Nachmittag."
„Und?"
„Und du bist immer noch im Bett."
„Und?"
„Und ich dachte, du könntest aufstehen und mir Gesellschaft leisten."
Draco stöhnte selbstmitleidig und legte den Polster über seinen Kopf, um das fröhliche Gesicht nicht mehr sehen zu müssen.
„Heute können wir unsere Masken holen, schon vergessen?", fuhr Blaise unbeirrbar fort, „Ich dachte, vielleicht möchtest du mit mir rauf gehen."
Blaise sah den Polster erwartungsvoll an.
„Geh weg.", kam nach einigen Minuten die gedämpfte Antwort.
„Aber du hast doch schon ewig geschlafen… Du kannst unmöglich immer noch müde sein!"
„Hab ich nicht, ich war die ganze Nacht wach. Und jetzt geh weg."
Blaise runzelte erneut die Stirn. „Was hat dich wach gehalten?"
Draco legte endlich den Polster beiseite und sah ihn finster an. „Die Angst davor, von dir terrorisiert zu werden. Könntest du mich bitte, bitte zumindest noch ein, zwei Stunden schlafen lassen?"
Blaise nickte widerwillig. „Soll ich mit dem Maskenholen auf dich warten?"
„Nein… Ich hab sowieso keine Lust, mir irgendeine dämliche Maske abzuholen. Soll sie doch ein Hauself bringen…"
„Soll ich dir eine mitnehmen?"
„Mhm…"
Draco hatte ihm bereits wieder den Rücken zugekehrt und schien schon wieder eingeschlafen zu sein. Blaise schob seine Unterlippe vor und überlegte kurz. Aber nachdem er sich nichts Positives von einem erneuten Kommunikationsversuch erwartete, krabbelte er schließlich vom Bett und verließ das Zimmer.
Als Hermine und Ginny am Sonntagnachmittag zur großen Halle hinuntergingen, stellten sie erleichtert fest, dass sich die Schülermengen endlich gelichtet hatten – sie hatten am Vormittag schon einmal versucht, zum Maskenkessel zu gelangen, doch sie waren bei weitem nicht die einzigen gewesen.
Neben den vielen Schülern, die ihre eigene Maske ziehen wollten, hatten die vielen Schaulustigen die Situation nicht unbedingt verbessert.
Irgendwann war die Faszination über die vielen unterschiedlichen Masken aber abgeklungen, und so waren nur noch ein paar vereinzelte Gruppen von Schülern übrig geblieben.
Während sie sich dem Kessel näherten, bemerkten die beiden, wer gerade vor dem Kessel stand und wichtigtuerisch mit ihrer Maske herumwedelte.
„Ah, Hermine, Ginny! Ihr kommt gerade richtig, um euch davon zu überzeugen, dass wir euch am Samstag absolut in den Schatten stellen werden.", grüßte Lavender, freundlich wie immer.
Parvati neben ihr beugte sich gerade über den Kessel und fischte ihre eigene Maske heraus. Dann nickte sie eifrig. „So habt ihr wenigstens noch ein paar Tage Zeit, um euch daran zu gewöhnen, nur Randfiguren am Ball zu sein."
Ginny verschränkte automatisch die Arme und sah die beiden abschätzig an. Bisher konnte man nichts besonders tolles an den Masken erkennen; Lavender hielt eine dunkelgrüne, schmucklose Halbmaske in der Hand, und Parvati eine hellblaue.
„Na dann setzt sie doch mal auf und lasst sehen.", forderte sie die beiden eher gelangweilt auf. Eigentlich war ihr ziemlich egal, ob die beiden Schulflittchen die besten Verkleidungen des Balls haben würden. Aber wenn sie auf Streit aus waren, konnten sie den gerne haben.
Lavender lächelte sie noch einmal von oben herab an, dann legte sie die Maske synchron mit Parvati an.
Die Umstehenden mussten zugeben, dass das darauffolgende Schauspiel beeindruckend war. Sobald die Masken ihre Haut berührten, begannen sie sich zu verändern, bis schließlich von einer Maske im klassischen Sinne gar nichts mehr übrig war.
Allerdings nicht so, wie es sich Lavender und Parvati erhofft hatten.
In den ersten paar Sekunden sah es noch aus, als würden sie recht behalten – aus Lavenders grüner Maske sprossen Efeuranken, während Parvatis blaue augenblicklich verschwand und einem verspielten Muster in verschiedenen blautönen, das sich langsam über ihr Gesicht ausbreitete, Platz machte.
Doch der Wachstum Ranken schienen nicht aufhören zu wollen. Gleichzeitig wurde Lavenders Haar, das sich vom Ansatz abwärts ebenfalls in Efeu verwandelte, immer kürzer – bis ihr Kopf einen runden Ball aus Grünzeug darstellte, aus dem irritierte blaue Augen hervor blinzelten.
„Was… Warum grinst ihr alle so?"
Ginny deutete nur hinter Lavender. Neben dem Kessel befand sich für alle Neugierigen, die ihre Masken sofort ausprobieren wollten, ein großer Spiegel. Lavender wandte sich langsam um – und schrie zeitgleich mit Parvati auf.
Parvatis hübsche, blaue Gesichtsbemalung war inzwischen abgeschlossen. An ihrer Stirn und den Seiten waren noch kleine, blaue Federn gewachsen, die in ihrem Haaransatz verschwanden. Doch das war es nicht, was die Hexe entsetzte.
Sie spürte, wie sich ihr Gesicht unnatürlich zu verformen begann.
Geschockt sah sie im Spiegel mit an, wie ihre Nase immer runder wurde und sich nach unten bog, während sich ihr Mund nach vorne dehnte und beides langsam gelb wurde. Bis… sie einen Schnabel hatte.
„Das… Nein!", war alles, was sie herausbrachte.
Der schrille Ausruf schien die anderen Schüler aus ihrem verblüfften Schweigen zu reißen, und sie brachen in schallendes Gelächter aus.
„Tja, damit wird es wohl etwas schwieriger, sich an jemanden ranzuschmeißen.", kommentierte Ginny grinsend.
Lavender bedachte sie nur mit einem wütenden Blick, packte Parvati am Arm und verschwand mit ihr aus der großen Halle.
Hermine seufzte leise. Sie hatte zwar immer noch Lachtränen in den Augen, aber ihr wurde langsam klar, was das für ihre eigenen Masken bedeuten konnte.
„Warum machst du so ein Gesicht? Die beiden haben es verdient.", stellte Ginny fest.
„Ja, das stimmt schon… Aber hast du mal darüber nachgedacht, dass wir es genauso schlimm erwischen könnten?"
Ginny verzog kurz das Gesicht, doch dann schüttelte sie entschlossen den Kopf. „Nicht negativ denken, Hermine. Augen zu und durch."
Ihrem Entschluss folgend machte Ginny einen Schritt nach vorne und griff in den Kessel. Es fühlte sich komisch an; sie konnte ihre Hand durch den dicken Nebel, der in dem Kessel waberte, nicht sehen, hätte aber schwören können, dass sie durch eine Öffnung nach draußen griff und nicht in einen Kessel hinein. Sie konnte kühlen Wind spüren und das Innere des Kessels schien viel größer zu sein als sie angenommen hatte.
Als Ginny ihren Arm schon fast wieder herausziehen wollte, flatterte plötzlich etwas in ihre Hand. Sie richtete sich auf und musterte neugierig die einfache, goldene Halbmaske, die sie erwischt hatte.
„Wie schaffst du es nur, so positiv zu denken…", murmelte Hermine, während sie an Ginny vorbeiging, es ihr gleich tat und eine schwarze Maske hervorholte. Die umstehenden Schüler, die sie betrachteten als wären sie Tiere im Zoo machten sie ein wenig nervös.
„Hallo Kessel", sagte Blaise freundlich, nachdem er den mittlerweile verlassenen großen Saal durchquert hatte. Er hatte sich irgendwie am Weg hierher vertratscht, und so statt ein paar Minuten fast eine Stunde gebraucht.
Dass Blaise den Maskenkessel grüßte, war keine neue Verrücktheit von ihm. Er hatte über die Jahre begriffen, dass viele magischen Gegenstände in Hogwarts ihn tatsächlich zu hören schienen; die sich ständig ändernden Treppen brachten ihn auch immer schneller an sein Ziel, wenn er sie höflich darum bat.
Nachdem er seine eigene Maske – eine dunkelgraue – gezogen hatte, richtete er erneut das Wort an den Kessel. „Ich weiß, ich darf keine zweite Maske für mich ziehen. Aber ich habe einem Freund versprochen, ihm seine mitzunehmen, und wollte dich deshalb fragen, ob du mir Draco Malfoys Maske geben könntest?"
Nachdem er kurz gewartet hatte, griff Blaise erneut in den Kessel, und bekam auch prompt eine Maske zu fassen. Eine weiße, wie er gleich darauf feststellte. „Dankeschön."
Zurück im Gryffindor-Gemeinschaftsraum stießen Ginny und Hermine gleich auf Harry und Ron – das heißt, eigentlich eher auf einen verblüfften Harry. Von Ron war genau in dem Moment, in dem sie den Raum betraten, nur ein schriller Aufschrei aus einem der Jungenbadezimmer zu hören.
„Was ist los?", fragte Hermine irritiert, während sie sich setzte.
Harry zuckte mit den Schultern, während er die Stiege, die zu den Jungenschlafsälen und den Bädern führte im Auge behielt. „Ich weiß noch nicht genau… Ron wollte seine Maske endlich probieren gehen, und anscheinend ist er nicht gerade zufrieden damit."
„Nicht zufrieden? Nicht zufrieden? Ich fall gleich tot um!", kam prompt Rons schrille Antwort.
„Mach nicht so einen Aufstand, Ron, so schlimm kann es doch nicht sein. Komm wenigstens raus und zeig her.", schaltete sich nun auch Ginny ein.
„Nur, wenn ihr mir versprecht, dass ihr nicht lacht."
„Natürlich nicht." Ginnys Lippen hatten sich längst zu einem breiten Grinsen verzogen, während Hermine sich auf die Unterlippe biss, um nicht sofort laut loszulachen. Ron benahm sich manchmal wie ein dreijähriges Mädchen.
„Okay, also… Bitte denkt an die Tragik der Situation."
Sie hörten, wie sich Rons Schritte näherten, bis er schließlich auf der Treppe ins Sichtfeld der drei trat. Einen Augenblick herrschte Stille – gefolgt von ohrenbetäubendem Gelächter.
„Hey!", protestierte Ron und verschränkte beleidigt die Arme.
„Ja, genau so.", japste Hermine und hielt sich ihren Bauch. „Die Haltung kannst du dir für dieses… Kostüm gleich mal angewöhnen."
„Sieh's positiv, Ron. Du musst nichts in ein besonderes Outfit investieren, eine schwarze Robe reicht völlig.", fügte Ginny hinzu, sobald sie sich so weit beruhigt hatte, dass sie wieder klar verständlich sprechen konnte.
Rons Miene verfinsterte sich nur zunehmend. Soweit man es als Rons Miene bezeichnen konnte. Seine Haut war bleicher geworden und gealtert. Seine Nase war zu einer übertriebenen Hakennase gewachsen, seine Lippen schmal geworden und die Mundwinkel nach unten gewandert. Seine Augen hatten vom üblichen blau zu schwarz gewechselt, und anstelle der typischen, roten Haare befanden sich lange, fettige, schwarze Strähnen.
Ron hatte eine der Karikatur-Masken erwischt über die im Schloss schon seit dem Morgen geredet wurde – und zwar eine richtig gute von Snape.
„Leute! Wenn Snape mich so sieht, bringt er mich um!", jammerte Ron weiter.
Harry grinste nur breit. „Vielleicht hat er ja eine Ron Weasley Maske erwischt, dann seid ihr quitt."
„Setz doch mal deine blöde orange Maske auf, dann sehen wir, wer hier Witze reißen darf.", forderte Ron ihn auf, während er mit einem Wink seines Zauberstabs die Snape-Maske hastig entfernte.
Harry nickte selbstbewusst und legte die Maske an. Die Verwandlung war ähnlich spannend wie zuvor bei Lavender und Parvati. Harrys Kopf schwoll augenblicklich an, während seine Haare sich zurück in seinen Kopf zu ziehen schienen. Auch Harrys Gesichtszüge, ja sogar seine Augen, seine Nase und sein Mund verschwanden völlig, und seine Haut wurde langsam orange. Bis…
„Ha! Kürbis!", rief Ron triumphierend.
„Was?"
Ginny verschwand eilig in eines der Mädchenbadezimmer und kehrte einen Augenblick später mit einem Handspiegel zurück, den sie Harry vors ‚Gesicht' hielt.
„Tatsächlich… Kürbis…", murmelte er, während er das, was einmal sein Gesicht gewesen war, vorsichtig betastete.
Er hatte das wahrscheinlich klassischste Halloweenkostüm von allen erwischt: sein Kopf war zu einem Kürbis, der fast so breit war wie seine Schultern, angeschwollen. Anstelle seines Gesichts waren ein grinsender Mund, eine kleine, dreieckige Nase und nicht unbedingt freundlich aussehende Augen, hinter denen es gelb leuchtete, in den Kürbis geschnitzt.
„Okay… Aber wenigstens bin ich nicht Snape.", lachte Harry. Ron hätte schwören können, dass der Kürbis noch ein wenig breiter grinste.
„Jetzt bin ich dran.", beschloss Ginny und setzte auch schon ihre goldene Maske auf. Sie war erleichtert, als sie keine Verformungen ihres Gesichts spürte. Nur knapp über ihren Ohren kitzelte es irgendwie. Als die anderen nicht sofort reagierten, warf sie schnell einen Blick in den Spiegel und jubelte.
„Das… Ist einfach so unfair.", war alles, was ihr Bruder fertigbrachte. Dann ließ er sich theatralisch in einen der Ohrensessel fallen und vergrub sein Gesicht in seinen Händen.
„Ich bin ein Schnatz! Ich bin ein Schnatz!", sang Ginny, während sie einen kleinen Siegestanz aufführte. Es war zwar nicht unbedingt das, was sie sich erwartet hatte, aber sie musste zugeben, dass ihre Maske richtig gut aussah.
Sie war recht simpel: Ginnys gesamte Haut hatte sich golden gefärbt und glänzte wie eine frisch polierte Galeone. Das kitzeln über ihren Ohren stellte sich als knapp zwei Dezimeter lange, silberweiße Flügel heraus. An ihren Haaren hatte sich nichts geändert. Mit einem erneuten freudigen Aufschrei stellte Ginny fest, dass sie, wenn sie sich konzentrierte, sogar mit ihnen flattern konnte.
Nach ein paar Minuten richtete sie ihren Blick auf Hermine. „Wir warten auf dich!"
Hermine verzog selbstmitleidig ihr Gesicht. Nach den schlimmen Beispielen, die sie heute schon gesehen hatte, wollte sie ihre Maske eigentlich überhaupt nicht mehr probieren. Vier schlimme Masken, eine schöne – das war keine gute Bilanz.
Sie atmete noch einmal tief durch, und entschied sich dann dazu, es einfach schnell hinter sich zu bringen – sie würde Ginnys Neugier sowieso nicht entkommen. Nachdem sie die Maske aufgesetzt hatte, wartete Hermine mit geschlossenen Augen auf die Reaktion der anderen – als nichts passierte, öffnete sie sie vorsichtig.
Ron sah irgendwie sauer aus, Harry hatte immer noch die undefinierbare Miene eines Kürbisses. Und Ginny… Ginny erinnerte Hermine beunruhigend an ihre ältere Cousine, die sie immer, wenn sie dieses viel zu breite Grinsen im Gesicht hatte, als ihre persönliche Riesenbarbiepuppe gequält hatte.
Ginny bestätigte Hermines Befürchtung auch sofort. „Ich weiß ganz genau, was für ein Outfit du hierfür brauchst… Und was wir mit deinen Haaren machen."
Hermine nickte verunsichert und griff langsam nach dem Spiegel.
Als Draco die Tür ins Schloss fallen hörte und Blaises vertraute Schritte sich näherten, war er fast schon erleichtert. Er hatte nicht mehr schlafen können; stattdessen war er erneut allein mit seinen Gedanken gewesen, wie schon die ganze Nacht. Und die waren im Moment nicht die beste Gesellschaft.
„Hey. Und, zufrieden mit deiner Maske?", grüßte er Blaise, während er sich im Bett aufsetzte.
Der dunkelhaarige Slytherin setzte sich im Schneidersitz vor ihn.
„Keine Ahnung. Ich wollte mit dem Ausprobieren noch auf dich warten."
Draco sah überrascht auf die weiße Maske, die Blaise ihm in die Hand drückte.
„Du hattest doch gesagt, ich soll dir eine mitnehmen. Also, aufsetzen."
Draco gehorchte ausnahmsweise einfach, während Blaise seine eigene Maske anlegte. Dann beobachtete fasziniert, wie sich Blaises Gesicht ihm gegenüber veränderte.
Während Blaises normale Ohren verschwanden, wuchsen aus seinem Kopf spitze, fellbesetzte Ohren – anthrazitgraue Katzenohren, um genau zu sein. Gleichzeitig verformten sich seine Pupillen zu länglichen Schlitzen, während Blaises normalerweise strahlend blaue Augen sich zu einem intensiven Goldgelb verfärbten.
Als Blaise sich neugierig zu seinem mitgebrachten Spiegel wandte, bemerkte Draco noch den dunkelgrauen Katzenschwanz.
„Du siehst völlig lächerlich aus.", stellte er mit gerümpfter Nase fest. Nicht nur, dass es nach einem Löwen wahrscheinlich die un-slytherinste Maske von allen war. Sie war außerdem in Dracos Augen gewaltig unmännlich und eignete sich eher für ein kleines Mädchen.
Blaise grinste ihn nur fröhlich an. „Nicht lächerlicher als du."
Dann drehte er den Spiegel um, sodass Draco seine Reflexion sehen konnte.
„Nein… Sag dass das nicht wahr ist…", murmelte Draco entsetzt. Dann wandelte sich sein Entsetzen recht schnell zu Wut. „Was zum Teufel hast du beim Ziehen der Masken falsch gemacht, du Idiot?"
Blaise zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Wärst du selbst runter gegangen, hättest du vielleicht was anderes bekommen."
Draco schüttelte langsam den Kopf, immer noch sein Spiegelbild im Auge behaltend.
Offensichtlich sollte man sich seine Maske wirklich selbst holen, doch dafür war es jetzt zu spät. Draco war sich ziemlich sicher, dass der Kessel keine weitere für ihn ausspucken würde.
Er hatte dieselbe Maske wie Blaise. Das war schon partnerlooktechnisch peinlich genug – und es war auch noch eine verdammte Katze.
Das heißt, er hatte fast dieselbe Maske, sie stellte dasselbe Tier dar. Doch während Blaises Katzenohren dunkelgrau waren, trugen Dracos ein strahlendes weiß, das sich sogar noch ein wenig von seinem platinblonden Haar abhob.
Dracos Pupillen hatten sich zwar ebenfalls verändert, doch zumindest hatten seine Augen noch die gewohnte Farbe. Und er hatte keinen zusätzlichen Schwanz, wie er erleichtert feststellte. Doch stattdessen fühlte sich Dracos Rücken seltsam an. Er drehte sich halb um, um im Spiegel nach der Ursache dafür suchen zu können.
Tatsächlich. Er hatte Fell am Rücken. Einen schneeweißen, schmalen Streifen Fell, den man sogar an seinem Hals schon erahnen konnte.
„Bitte sag, dass ich nicht so auf den Ball gehen muss.", stöhnte Draco, während er sich wieder zu Blaise drehte und sich übers Gesicht fuhr.
„Miau, miau.", war alles, was in ziemlich begeistertem Ton zurückkam, während Blaise doch ernsthaft damit angefangen hatte, seinem Katzenschwanz nachzujagen.
Draco starrte ihn finster an. Dann spürte er plötzlich eine ungewohnte Vibration in seinem Hals, und im nächsten Moment konnte er ein aufgebrachtes Fauchen schon nicht mehr unterdrücken.
Entsetzt schlug er sich die Hand vor den Mund. Das durfte alles nicht wahr sein.
