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Es war einfach alles schief gelaufen. Die Situation war äußerst gespannt gewesen. Und als seine rechte Hand, der Verpine Nikiss, angerannt kam und von den beiden anderen Jedi berichtete, war alles aus dem Ruder gelaufen. Seine Söldner, die sowieso lockere Zeigefinger hatten, hatten zu schnell reagiert und das Feuer eröffnet. Salin Tzett jedoch war auch überrascht gewesen und als die Jedi-Meister ihre Lichtschwerter aktivierten, war es auch schon zu spät gewesen, alles doch noch friedlich zu regeln. Als seine Söldner mit ihren Blastergewehren feuerten und die Jedi die Blasterstrahlen abwehrten und auf die Söldner losgingen, hatte Salin Tzett nur noch den Kopf einziehen können, um sich aus der Schusslinie zu bringen. Hier rächte es sich, dass die Söldner kein eingespieltes Team waren, sondern größtenteils egoistische, geldgierige Pistolenhelden. Ein Blasterstrahl hatte Salin Tzett an der Schulter gestriffen. Für einen Moment hatte er geglaubt, dass seine Bewegung nun hier, auf Kashyyyk, ihr Ende finden würde. Doch Nikiss hatte ihn beiseite gezogen. Sie waren in eine der Verarbeitungshallen geflohen und hatten befohlen, alle verarbeiteten Rüstungen in die Raumtransporter zu schaffen. Sie mussten schleunigst verschwinden. Während Salin Tzett seine Männer bei der raschen Flucht herum kommandierte, war Nikiss wieder nach draußen geeilt. Mit einem Thermaldetonator hatte er die Jedi bedrohen wollen, hatte sie doch noch ruhig stellen wollen. Doch einer der beiden Jedi-Meister hatte offenbar die Macht benutzt und Nikiss' linken Arm gebrochen. Die grüne Panzerung am Unterarm des insektenartigen Gefolgsmannes war gesplittert und Nikiss musste den Thermaldetonator fallen lassen, ehe er sich zu Salin Tzett zurückzog. Wenigstens hatten sich die Wookiees beeilt, die fertigen Rüstungen zu verladen. Zwei von Vier Raumfrachtern waren bereits in der Luft. Salin Tzett hatte noch Hoffnung gehabt, irgendwie entkommen zu können. Dann waren die anderen beiden Jedi buchstäblich vom Himmel gefallen. Gegen vier Jedi konnten seine Söldner nichts ausrichten. Also hatte Salin Tzett einfach nur die Flucht befohlen und ein Treffen beim Sammelpunkt, von dem aus sie zurück nach Da Soocha fliegen wollten. Anschließend hatten Nikiss und er sich einen Landgleiter geschnappt. Sie wollten Distanz zu den Jedi gewinnen. Doch leider hatten diese sofort die Verfolgung aufgenommen. Und es war gar nicht so einfach, die Jedi abzuhängen. Salin Tzett hatte den Gleiter hochgezogen und wollte über den Baumkronen mit Höchstgeschwindigkeit die nächste Stadt ansteuern. Dort konnten sie sich vielleicht ein Raumschiff schnappen, um zu verschwinden. Doch der Transportgleiter der Jedi war noch immer hinten ihnen. Mit seiner gesunden Hand hatte Nikiss seinen Blaster genommen, hatte sich auf dem Beifahrersitz umgedreht und auf die Verfolger geschossen. Doch entweder war der Fahrer ein ziemlich guter, oder es lag an der Macht, die die Jedi hatten. Denn der Transportgleiter wich den Blasterstrahlen aus. Auch der kleine Vorteil, den der kleine Landgleiter gegenüber dem langen, schweren Transportgleiter hatte, war weg, als die Jedi offenbar die schwere, metallene Verkleidung ihres Fahrzeugs entfernt hatten. "Nikiss", rief Salin Tzett nervös über den Lärm des Antriebs hinweg, "Halte sie auf! Die können nicht allem ausweichen! Schieß weiter!" Der grünhäutige Verpine nickte und schoss weiter mit seinem Blaster auf die Verfolger. Dann nahm er einen weiteren Thermaldetonator von seinem Gürtel und hantierte daran herum.
Der Thermaldetonator hatte eine hellrote Farbe und Nikiss kicherte lispelnd. "Klasse B. Ein Explosionsradius von hundert Metern. Das wird sie lehren..." Ein Thermaldetonator war eine Granate, die ein enorm zerstörerisches Feld aufbauen konnte. Normalerweise war der Radius der Explosion etwa zwanzig Meter. Doch Nikiss' Exemplar war illegal modifiziert. Der Verpine drückte einen der Knöpfe und warf den Detonator dann nach hinten. "Drei Sekunden", meinte Nikiss nur und bedeckte seine großen, schwarzen Facettenaugen mit den Händen. Durch seine Finger hindurch starrte er nach hinten. Durch die hohe Geschwindigkeit beider Fahrzeuge flog der Thermaldetonator sogar noch über den Transportgleiter der Jedi hinweg. Für einen Moment sah es so aus, als wären die Jedi unbehelligt davon gekommen. Sicher hatten auch die Jedi nicht mit der erhöhten Zerstörungskraft der kleinen, metallischen Kugel gerechnet. Doch dann explodierte der Thermaldetonator, irgendwo hinter dem Transportgleiter. Eine Fusionsreaktion wurde ausgelöst und ein riesiger, leuchtender Ball erschien, der alles verzehrte und vernichtete, ehe er wieder in sich selbst zusammenfiel. Als das blendend grelle Licht der Explosion abebbte, war vom Transportgleiter der Jedi nichts mehr zu sehen. Nikiss lachte zischend und auch Salin Tzett atmete erleichtert aus. Doch dann wurde der Landgleiter durchgeschüttelt, wie von starken Winden. Obwohl es hier, über den Bäumen, verhältnismäßig windstill war. Dann schien sich der Planet gegen sie zu wenden. Das grüne Meer, über dem ihr Gleiter hinweg raste, schlug Wellen. Zuerst traute Salin Tzett seinen Augen nicht. Dann erkannte er, was vor sich ging: Die Jedi waren noch irgendwo hinter ihnen. Und sie benutzten die Macht, um die Umgebung zu beeinflussen. Plötzlich lösten sich Abertausende von Blättern aus den Baumkronen und schossen auf Salin Tzett zu. Dieser riss den Gleiter zur Seite, doch es war zu spät. Die offene Fahrerkabine war plötzlich voller grüner Blätter. Salin Tzett musste die Augen zusammen kneifen. Blätter peitschten auf ihn ein. Neben ihm schrie Nikiss ängstlich auf. Das Rauschen der Blätter übertönte sogar den Antrieb des Gleiters. Dann tauchte in diesem Sturm aus grünen Blättern plötzlich eine dunkle Silhouette vor ihnen auf: Ein Baum, der höher war als die anderen. Salin Tzett riss an der Steuerung, wollte ausweichen. Doch der Landgleiter streifte den Baumstamm und ein Teil der Außenhülle wurde zerfetzt. Der rechte Repulsorantrieb begann zu rauchen. Sofort verlor der Gleiter an Geschwindigkeit. "Sie haben uns", kreischte Nikiss. Doch Salin Tzett war nicht bereit, aufzugeben. Er drückte das Lenkrad des Gleiters nach vorne und sofort kippte das Fahrzeug nach unten, in das Meer aus Bäumen. Blätter raubten ihnen die Sicht und kleine Zweige peitschten ihm blutige Striemen auf die Haut. Dann fand sich Salin Tzett in einem trügerischen Halbdunkel unter dem Blätterdach wieder. Doch er verlor weiter an Höhe. Er hoffte, die Jedi irgendwie abhängen zu können. Und plötzlich war der Transportgleiter der Jedi genau hinter ihnen. Ein Stück des hinteren Antriebs war verschwunden, atomisiert durch die Explosion. Doch trotzdem funktionierte der Gleiter noch irgendwie. Nikiss geriet in Panik und feuerte wieder mit seinem Blaster auf die Jedi. Und das war sein Fehler.
Nur dank der Macht hatte Lir der Explosion einigermaßen entkommen können. Ihnen wurde der Hintern etwas angesengt, aber wenigstens waren sie noch am Leben und nicht gänzlich gebraten worden. Ryan neben ihm fluchte wild auf huttisch, etwas was Lir noch nie zuvor bei dem sonst so ruhigen Jedi-Schüler erlebt hatte. Ihr Transportgleiter hatte an Höhe verloren, sie mussten unter den Baumkronen weiterfliegen. Doch dank der Macht hatte Lir die Spur der Fliehenden nicht verloren. Dann hatte Ryan einen kleinen Sturm beschworen, hatte die Macht benutzt, um die Luft in Bewegung zu setzen. Er hatte etliche Blätter somit bewegt und als Waffe, als kleine Ablenkung benutzt. Und es hatte Wirkung gezeigt. Auch der Landgleiter der Feinde hatte Schaden genommen und nun schossen sie knapp hintereinander durch das Zwielicht von Kashyyyks Unterwelt, die Schattenlande. Hier gab es deutlich weniger Äste. Über ihnen, in einiger Ferne, lagen die Baumkronen. Ein blasses, Grünes Licht war zu sehen. Und unter ihnen war die Finsternis. Und dazwischen, wie riesige Säulen, waren die riesigen Bäume, denen es auszuweichen galt. Doch die Macht war mit ihnen. Lir selber war hochkonzentriert und ruhig. Ja, wenn die Jagd nicht so anstrengend gewesen wäre, hätte er sogar den Anblick von Kashyyyks Wäldern genossen. Dann eröffnete man wieder das Feuer auf sie. Da sie diesmal recht nahe am anderen Gleiter klebten, konnte Lir sogar sehen, wie die Flüchtenden aussahen: Ein grünhäutiger, schlanker Verpine, der mit seinem Blaster auf sie feuerte. Der Mensch, der neben ihm saß und den Gleiter lenkte hatte kurze, rote Haare. Als ihnen wieder die Blasterstrahlen um die Ohren zischten, hatte nur die Macht Lir und Ryan vorm Tod bewahrt. Denn aus reinem Reflex hätte Lir fast ihr Fahrzeug zur Seite ausscheren lassen und wäre direkt gegen einen Baum geflogen. Doch die Macht war mit ihm und so zog er den Gleiter kurz nach oben. Dann aktivierte Ryan sein Lichtschwert und schickte einen Blasterschuss zurück. Und dann mussten beide Jedi die Köpfe einziehen, als der Antrieb des feindlichen Gleiters in Rauch und Funken aufging. Die Windschutzscheibe des Transportgleiters beschützte die Jedi und sie sahen, wie der Landgleiter in die Tiefe trudelte und dabei eine dicke Rauchwolke hinter sich herzog. "Das hätten wir wohl geschafft", meinte Lir erleichtert. Doch Ryan schüttelte den Kopf. "Hinterher", meinte er. "Vielleicht überleben sie das ja." Und so drückte Lir die Nase des Gleiters nach unten und folgte dem anderen Gleiter.
