Hallo ihr Lieben! :D
Hier kommt es nun endlich, das Kapitel, dass ich euch so lange versprochen hatte...
Der Titel sagt wohl alles, daher kann ich mir jegliches weitere Wort hierzu sparen.^^ Nur eine Kleinigkeit liegt mir am Herzen: Ich habe hier zum ersten Mal Kampfszenen detailliert beschrieben und es war ehrlich gesagt ein Kraftakt für mich. Persönlich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass mir solcher Art Szenen nicht wirklich liegen, obwohl meine liebe Beta mir jetzt natürlich wieder aufs Dach steigt, weil sie anderer Meinung ist. ;)
Ich würde mich also wahnsinnig freuen, wenn ihr mir mal mitteilen könntet, wie dieses spezielle Kapitel bei euch ankam, entweder per Review oder über eine kleine PM.
So, und nun genug gequatscht!
Viel Spaß beim Lesen! :D
Todesser
Osminton Mills
heute
Kaum hatten sie die Tunnel betreten, schlug ihnen kalte, feuchte, nach dem nahen Meer riechende Luft entgegen. Die vorherrschende Finsternis war so vollkommen, dass die Lichtquelle ihrer Zauberstäbe gerade mal ausreichte um einen knappen Meter weit zu sehen. Alles außerhalb dieses Lichtkegels versank in Schwärze… „Der Trank der Infravision war eine erstklassige Idee von Ihnen, Herzchen!", flüsterte Mrs. Sullivan und warf Evy einen anerkennenden Blick zu. „Lumos behindert uns hier mehr als es nützt!"
Ein gemurmeltes „Nox!" und beide Zauberstäbe erloschen… Die alles verschlingende Dunkelheit um sie herum legte sich auf Evys Schultern wie ein schwerer Umhang. Dazu die Geräusche… Von der Decke tropfte Wasser auf den Tunnelboden… Pling… Plang… Ein hohes Fiepen und das Gefühl eines kleinen, pelzigen Körpers an ihrem Bein, ließen Evy zusammenzucken. ‚Ratten!' Mit angewidertem Gesichtsausdruck – den freilich niemand sehen konnte – tastete sie nach dem Infravisions-Trank. Kaum berührte dieser ihre Zunge, breitete sich ein kräftiger Geschmack nach Blaubeeren in ihrem Mund aus… Die Wirkung trat fast augenblicklich ein: Langsam begann sich alles um sie herum aufzuhellen. Die Umrisse der Wände schälten sich aus der suppendicken Finsternis heraus. Zunächst nur umrissartig, dann sehr deutlich, konnte Evy Mrs. Sullivan neben sich erkennen. Immer mehr Einzelheiten wurden sichtbar: Ihr Haarnetz, ihre Brille…
Als sie einander ansahen, lag ein schelmisches Grinsen auf dem Gesicht der Alten. „Wenn das mal nicht ein Fortschritt ist!" Zugegeben, es wurde nicht taghell um sie herum. Aber bis in etwa zehn Meter Entfernung war alles gut sichtbar und näherkommende Magier konnten rechtzeitig ausgemacht werden. Dazu jetzt noch der Lebenserkennungs-Trank, und die Party konnte steigen…!
Dieser schmeckte wie er aussah – nach frischer Minze. Der Geschmack war so intensiv, dass er bei Evy ein leichtes Würgen erzeugte – es war beinahe so, als würde man eine Tube Zahnpasta hinunterschlucken… Doch das war schnell vergessen, als die einzigartige Wirkung des Trankes einzusetzen begann: Von Mrs. Sullivan ging plötzlich ein rötliches Glühen aus, das im Rhythmus ihres Herzschlags pulsierte…
Sich einmal um die eigene Achse drehend, suchte Evy nach Anzeichen für weitere Lebewesen in den Tunneln. Doch bis auf eine Unmenge an Nage- und Krebstieren war bisher nichts auszumachen. Mrs. Sullivan, die sich auch umgesehen hatte, zog Evy nun mit sich den Tunnel hinunter. „Lassen Sie uns da lang gehen – der Tunnel führt in Richtung Strand." Noch schnell einen Schluck des Schritte-dämpfenden Tranks einnehmend, machte sich Evy daran, der alten Frau zu folgen.
Nach etwa dreißig Metern machte der Tunnel vor ihnen eine scharfe Linkskurve, doch Dank des Lebenserkennungs-Tranks mussten sie keine besondere Vorsicht walten lassen, als sie nun um die Ecke bogen und einen ziemlich langen Gang hinunter sahen, der sich in einigen Metern Entfernung in alle Richtungen verzweigte.
„Wir müssten jetzt genau unter dem Marktplatz sein.", erklärte Mrs. Sullivan und deutete geradeaus. „Da lang geht's zum Strand, der Tunnel links führt unter der Dorfstraße entlang und zweigt dabei alle paar Meter ab – zu den einzelnen Zugängen unter den Häusern…"
Gerade im Begriff weiterzugehen, nahm Evy über sich eine Bewegung wahr und hielt inne. Die alte Hexe am Arm packend, deutete sie mit ihrem Zauberstab zur Tunneldecke. „Sehen Sie!"
Direkt über ihnen – nach Mrs. Sullivans eigenen Angaben auf dem Marktplatz – konnten beide Hexen nun das Erscheinen mehrerer Menschen erkennen. Das plötzliche Auftauchen der rotglühenden Auren machte ihnen deutlich, das gerade eine Menge Magier apparierten… „Wird ja auch langsam Zeit!", schnaubte die alte Hexe, stieß aber auch sofort ein erleichtertes Seufzen aus und beobachtete gemeinsam mit Evy das über ihren Köpfen stattfindende Schauspiel… Diese zählte inzwischen zwölf, dreizehn, nein fünfzehn Auroren! Einen Augenblick später teilte sich die Gruppe auf: Sieben gingen in Richtung Dorfstraße davon, die restlichen acht eilten hinunter zum Strand… „Da scheint sich jemand über die Örtlichkeiten gut informiert zu haben!", murmelte Mrs. Sullivan anerkennend und begann nun einen leisen Vortrag über gute Planungen zu halten, dem Evy aber keine Beachtung schenkte. Etwas anderes hatte ihre Aufmerksamkeit erregt…
Aus dem Augenwinkel hatte sie das Auftauchen zweier weiterer Auren wahrgenommen – allerdings nicht über ihnen, sondern auf gleicher Höhe, am Ende des Gangs! Mit einem gezischten „Psssst!" brachte sie Mrs. Sullivan sofort zum Schweigen und deutete in die Richtung, aus der sich nun zwei Menschen auf sie zubewegten…
Rasch zogen sich die beiden Hexen in einen Seitengang zurück. Die beiden Gestalten vor ihnen gingen den Tunnel mit hell leuchtenden Zauberstabspitzen entlang, wobei sie keinerlei Eile an den Tag legten. Dann hatte also wohl noch niemand außer Evy und der alten Dame die Ankunft der Auroren bemerkt… Schnell ließen sie sich ihre Möglichkeiten durch den Kopf gehen. Es wäre ein Leichtes gewesen, die beiden nichts ahnenden Magier vor ihnen mit einem gezielten Stupor oder Expelliarmus außer Gefecht zu setzen. Jedoch verursachten beide Zauber Lärm, welcher andere Todesser in der Nähe gewarnt und ihnen so die Chance zur Flucht gegeben hätte, lange bevor die Auroren hätten eingreifen können. So galt es also nun, so viele Gegner wie möglich lautlos auszuschalten… äh kampfunfähig zu machen, natürlich…!
Ein boshaftes Grinsen breitete sich auf Evys Gesicht aus. ‚Da bleibt nur eins…'
„Zeit zum Schlafengehen!"
Mit schnellem Griff löste sie die Sprühflasche mit dem Schlafmittel darin von ihrem Gürtel und machte diese mit einem Desillusionierungszauber unsichtbar. Mrs. Sullivan, die sofort begriff, was ihre junge Kampfgefährtin plante, belegte die Flasche mit dem Inanimatus, woraufhin Evy selbige mithilfe des Wingardium Leviosa zur Tunneldecke schweben ließ…
Inzwischen waren die beiden Magier im Tunnel so nah herangekommen, dass sich zweifellos feststellen ließ, dass es sich tatsächlich um Todesser handelte… Evys Blick glitt über die bodenlangen schwarzen Kapuzenumhänge und blieb an den metallisch schimmernden Totenkopfmasken hängen, welche die obere Hälfte der Gesichter verbargen… Ein leichtes Frösteln überfiel sie bei dem Anblick. Während ihres Studiums hatte sie diese Kluft natürlich mehrfach an leblosen Puppen ausgestellt gesehen. Doch sie nun leibhaftig und an realen Todessern vor sich zu haben, war etwas völlig anderes… Bei den unzähligen Gelegenheiten, in denen der Dunkle Lord Severus im letzten Jahr zu sich gerufen hatte, hatte dieser stets dafür gesorgt, dass Evy ihn nicht in dieser Kleidung zu sehen bekam… Waren sie zufällig zusammen gewesen, wenn der Ruf des Dunklen Lords erfolgte, hatte er sie immer gebeten zu gehen und sich erst wieder sehen zu lassen, wenn er es ihr gestattete… und sie hatte seinen Wunsch immer respektiert… Er wollte nicht, dass sie ihn so sah… Und in ihrem tiefsten Inneren hoffte sie, niemals gezwungen zu sein, ihn so zu sehen…
Nun waren die beiden Todesser fast da… noch zwei Schritte…
Mrs. Sullivan schwang ihren Zauberstab und im nächsten Moment senkte sich feiner Sprühnebel auf die beiden ahnungslosen Schwarzmagier herab. Verwundert, woher plötzlich der Nieselregen kam, hoben sie die Köpfe – und bekamen die volle Ladung des verdünnten Tranks in Augen, Nase und Mund!
„Was zum…?!" Während der eine heftig anfing zu niesen, drehte sich der andere suchend mehrfach um die eigene Achse. Aber bereits nach wenigen Augenblicken setzte die Wirkung des Tranks ein: Taumelnd wie Betrunkene, versuchten sie noch Halt an den Tunnelwänden zu finden… Dann knickten ihnen nacheinander die Beine weg und sie rutschten wie in Zeitlupe auf den Boden – wo sie regungslos liegen blieben… Angespannt bis in die Haarspitzen, trat Evy auf den Gang hinaus, bereit, jederzeit mit einem Schockzauber zuzuschlagen! Prüfend stupste sie einem der beiden ihren Stab vor die Brust – keine Reaktion. Doch um sicher zu gehen, versetzte sie ihm noch einen gezielten Tritt in die Nierengegend – kein Mucks war zu hören…
„Sicher ist sicher!", entgegnete sie achselzuckend und gut gelaunt auf Mrs. Sullivans leicht missbilligenden Blick, während sie die beiden schlafenden Todesser mit magischen Fesseln aneinander band und ihnen ihre Zauberstäbe wegnahm.
Damit war die Sache für Evy eigentlich erledigt und sie wollte schon weitergehen… als Mrs. Sullivan den sprichwörtlichen Vogel abschoss: Sprachlos sah sie dabei zu, wie die alte Frau die beiden gefesselten Todesser zur Tunneldecke schweben ließ, an der sie sie schließlich mit einem Klebe-Fluch befestigte! Wie zwei an Haken aufgespießte Schweinehälften hingen sie nun mit dem Kopf nach unten von der Decke… Breit grinsend begutachtete die alte Hexe ihr Werk und meinte schließlich im Weitergehen: „So müssen die Auroren sie nur noch einsammeln…"
„Sind sie auch gut fest?", fragte Evy skeptisch und setzte in spöttischem Ton hinterher: „Nicht, dass noch Fallobst aus ihnen wird…" „Keine Sorge, die fallen nicht runter. Und falls doch, ist das nicht unser Problem, Kindchen. Sollen sich die Dementoren damit befassen, wenn sie in Askaban die Augen wieder aufmachen…" „So oder so: Das wird kein angenehmes Erwachen!", orakelte Evy und beide Hexen grinsten gemein, während sie ihren Weg durch die Tunnel fortsetzten…
Nicht lange danach trafen sie auf die nächsten Todesser. Mithilfe des Lebenserkennungs-Tranks sahen sie sie zwar schon von Weitem, doch auch ohne diesen kleinen alchemistischen Helfer wäre es kein Problem gewesen, sie aufzuspüren… Sie waren zu dritt und schienen sich über etwas zu streiten. Vorsichtshalber einen Desillusionierungszauber über sich legend, schlichen die beiden Hexen langsam näher, sodass sie nun Bruchstücke der Auseinandersetzung verstehen konnten…
„Ich sag's euch nochmal: Mir gefällt die ganze Sache überhaupt nicht! Wenn der Meister davon erfährt…" „Dann wird er uns belohnen, und zwar reichlich! Mit jedem Muggel, den wir beseitigen, steigen wir höher in seiner Gunst!" „Und wenn was schiefgeht?" Ein verächtliches Lachen war zu hören. „Was soll denn bitte schiefgehen? Wir sind hier mitten im Nirgendwo! Weit und breit kein einziger Zauberer!" „Trotzdem! Der Meister hat den Angriff nicht genehmigt! Du weißt genau, was er mit denen macht, die seine Befehle missachten…"
Evy konnte sehen, wie alle drei bei diesen Worten kurz zusammenzuckten. Scheinbar hatten sie schon so ihre Erfahrungen mit Voldemorts Vorliebe für Folter machen dürfen… Lautlos zog sie sich in den Gang zurück. „Was nun?", flüsterte Mrs. Sullivan. „Wir könnten natürlich versuchen, sie mit ein paar Angriffszaubern zu überrumpeln. Aber die würden bloß zwei außer Gefecht setzen und dem dritten könnte währenddessen die Flucht gelingen." Nachdenklich wickelte sich Evy eine ihrer Locken um den Finger. Dabei fiel ihr Blick auf das Mittel gegen Filzläuse… Frech grinsend sah sie ihre ältere Mitstreiterin an. „Ich denke, es wird Zeit für ein nettes kleines Ablenkungsmanöver…"
„Und wenn doch was schief geht?" „Du bist so ein Waschlappen! Was hat sich der Dunkle Lord nur dabei gedacht, einen wie dich in seine Reihen aufzunehmen?!" „Verzeihung, dass mir der Sinn nicht nach einer Einzelzelle in Askaban steht!" „Haltet jetzt euer Maul!", zischte der Dritte der Gruppe – ein langer Lulatsch -, der sich bisher schweigend die Meinungsverschiedenheit seiner Kumpane angehört hatte. „Sonst sorge ich dafür, dass Askaban euer geringstes Problem ist…!"
„Hey Jungs, könntet ihr mir mal helfen?"
Ruckartig fuhren alle drei zu der eindeutig weiblichen Stimme herum… und erstarrten. Vor ihnen stand eine schwarzgelockte Schönheit in verboten engen Jeans und einem T-Shirt, das ihre weiblichen Reize mehr als bloß betonte… Die Daumen in die Gürtelschnallen gehakt, den Kopf leicht schief gelegt, sodass ihr die schwarze Lockenpracht verführerisch ins Gesicht fiel, machte sie einen hinreißenden Schmollmund und setzte einen hilflosen Blick der Marke ‚Ich-bin-eine-schwache-kleine-Frau-ohne-Verstand-un d-Persönlichkeit-die-dringend-einen-großen-starken -klugen-Mann-braucht!' auf, der sie noch liebreizender aussehen ließ…
Während die beiden Streithähne nur glotzten, ließ der Große, der scheinbar so etwas wie das Alpha-Tier des Rudels zu sein schien, seinen Blick ungeniert über Evys Körper wandern und verzog den Mund zu einem wahrlich widerwärtigen Grinsen. „Aber hallo! Was kommt uns denn da so mir nichts dir nichts ins Revier gelaufen…?" „Ich habe mich verirrt… Wärt ihr wohl so lieb, mir den Weg nach draußen zu zeigen? Oder noch besser…" Sich langsam umwendend und mit verführerisch wiegenden Hüften in Richtung Seitengang davon schlendernd, warf sie einen letzten verruchten Blick über die Schulter und fügte mit samtiger Stimme hinzu: „Sollen wir uns nicht an einen gemütlicheren Platz zurückziehen und ihr zeigt mir die hiesigen… Sehenswürdigkeiten?"
‚Merlin, sind die blöd…!', dachte Evy, als sie feststellen musste, dass sich die drei tatsächlich in Bewegung setzten um ihr zu folgen. ‚Die kommen nicht mal auf den Gedanken sich zu fragen, wo ich so plötzlich hergekommen bin! Typisch, Mann! Wackel ein bisschen mit dem Hintern und schon bricht im Oberstübchen Streik aus… Schon scheiße, wenn erst Dreiviertel des Bluts das Hirn verlassen muss, damit der Schwanz funktioniert…!'
Wie hypnotisiert klebte der Blick des langen Elends an ihrer Kehrseite… Da runzelte er mit einem Mal die Stirn. Seine Augen hatten etwas wahrgenommen und sendeten diese Information nun an den Teil seines Gehirns, der den Dienst offenbar noch nicht vollends eingestellt hatte… Ein zornerfülltes Knurren erscholl hinter ihr – und sie wusste, dass sie aufgeflogen war.
„Bei Merlins Arsch! Ein Zauberstab! Das ist `ne Hexe, verdammt! Schnappt euch das Dreckstück, bevor sie apparieren kann!" Schon bei seinen ersten Worten preschte sie wie von der Sehne geschnellt los – keine Sekunde zu früh…!
„Stupor!" Krachend schlug der Fluch in das Gestein der Tunnelwand ein – nur Zentimeter an ihrem Kopf vorbei! Geduckt hastete sie in den Seitengang – „Everto Statum!" – und entging nur um Haaresbreite diesem hinterhältigen Fluch, der sie zu Fall gebracht hätte…
Mit einem schnellen Blick über die Schulter sah sie die drei Todesser in den Gang einbiegen und mit unvermindertem Tempo auf sie zu rennen… ‚Gut so, nur noch einen Schritt…!'
„Aaaah!" Ihr eigener Schwung riss zwei von ihnen von den Füßen, als sie auf dem vom Filzläuse-Mittel spiegelglatten und glitschigen Boden ausrutschten, und ließ sie hart auf dem Stein aufschlagen. Während sie verzweifelt versuchten, wieder aufzustehen, konnte ihr Anführer rechtzeitig vorher abbremsen und richtete seinen Zauberstab nun wutschnaubend auf Evy, die sich in der Mitte des Tunnels zu ihm umgewandt hatte. Ein hasserfülltes „Crucio!" hallte von den Tunnelwänden wider, traf Evy mitten auf die Brust – und ließ sie zu Staub zerfallen!
Entsetzt starrte der Todesser auf den Fleck, auf dem Evy eben noch gestanden hatte – „Expelliarmus!" – und musste in der nächsten Sekunde hilflos mit ansehen, wie sein Zauberstab durch die Luft flog und in der ausgestreckten Hand einer steinalten Hexe landete, die wie aus dem Nichts aufgetaucht war… Mit einem letzten Blick auf seine inzwischen am Boden festgeklebten Kumpane, warf er sich herum und rannte wie von wilden Furien gehetzt den Gang hinunter! Doch da wurde ihm – im wahrsten Sinne des Wortes – ein Bein gestellt…
„Nicht so eilig, Freundchen!" Noch bevor er überhaupt richtig begriff, dass die schwarzgelockte Hexe, welche eben eigentlich unter seinem Fluch zu Staub zerfallen war, nun plötzlich neben dem Tunneleingang lehnte, schlug er auch schon der Länge nach auf den Boden. Spöttisch lächelnd beugte sich Evy zu ihm hinunter. „Hoppla! Bist du hingefallen? Komm, ich helf dir hoch!" Nicht gerade sanft packte sie ihn am Arm und zog ihn auf die Füße – um ihm anschließend einen gut platzierten Tritt in den Hintern zu verpassen. Vom Sturz noch etwas benommen, konnte er den Schwung nicht richtig abfangen – und rannte mit Karacho gegen die gegenüberliegende Tunnelwand! Ein Knacken, ein Schmerzensschrei – und die Nase war gebrochen…
„Das war für das Dreckstück!", knurrte ihm Evy ins Ohr, während sie seine Hände mit magischen Fesseln auf den Rücken band, was er widerstandslos über sich ergehen ließ, jedoch nicht ohne vor Schmerz heulend auszustoßen: „Meine Nase! Du hast mir die Nase gebrochen, verdammte Schlampe!" Entsetzt riss sie die Augen auf und stieß ihm ihren Zauberstab vor die Brust. „Wie hast du mich gerade genannt?" Keine Antwort. „Komm schon, wiederhol es!" Immer noch Schweigen. „Ich sag es dir zum letzten Mal: Wiederhol es oder ich versenke meinen Fuß so tief in deinem Arsch, dass du an meinen Zehen lutschen kannst!"
Sichtlich bemüht um einen einigermaßen ernsten Gesichtsausdruck, trat Mrs Sullivan neben Evy und legte ihr beschwichtigend eine Hand auf den Arm. „Lassen Sie es gut sein, Kindchen. Eher beißt der sich die Zunge ab, als so viel Schneid zu beweisen." Evy nickte und während die alte Hexe Evys „Opfer" mit einem Schwebezauber zur Tunneldecke verfrachtete, um ihn dort abholfertig aufzuhängen, warf diese ihm noch einen zutiefst verächtlichen Blick zu. „Mieser Feigling! Und sowas will ein Todesser sein? Irgendjemand sollte Voldemort vielleicht mal ausrichten, dass er etwas mehr Sorgfalt bei der Auswahl seiner Diener an den Tag legen sollte, sonst kann er gleich einpacken…" „Wage es nicht noch mal, den Dunklen Lord zu beleidigen, du dreckiges, wertloses Schl-
„Sprich es nicht aus!", zischte Evy so bösartig, dass selbst Mrs. Sullivan zusammenzuckte und stieß dem über ihr hängenden Zauberer ihren Stab in den Bauch. Schließlich entspannte sich ihr Gesicht und ein unheilverkündendes zähnefletschendes Grinsen machte sich darauf breit. „Sagt dir der Amputatio-Zauber etwas?" Er wurde kreidebleich, was Evy mit einem frechen leisen Lachen quittierte. „Dachte ich mir doch… Weißt du, wenn du weiter so unhöflich zu mir bist, könnte es passieren, dass ich die Wirksamkeit dieses Zaubers mal an dir ausprobiere… vorzugsweise an einem Körperteil, dessen Verlust dir sicherlich sehr viel Kummer bereiten würde… und damit meine ich nicht deinen Kopf!" Er antwortete ihr nicht, aber seine hasserfüllten Blicke sprachen Bände…
Ihn zur Sicherheit noch mit einem Zunge-Fessel-Fluch belegend, wandte sich Evy zu Mrs Sullivan um, die ihr gemeinsames Werk noch einmal abschließend beäugte. Sie hatten gute Arbeit geleistet: Ein Todesser hing an der Decke, zwei klebten wie festgeleimt am Tunnelboden. Ihre Zauberstäbe steckten im Gürtel der alten Hexe und zur Sicherheit hatte sie ihnen noch magische Fesseln angelegt – schließlich konnte man nie wissen, ob die fesselnde Wirkung des Filzläuse-Mittels nicht von selbst wieder nachließ. Aber selbst wenn – ohne ihre Stäbe konnten sie nicht disapparieren… Zu guter Letzt wurden auch diese beiden noch per Zauber mundtot gemacht.
Zufrieden nickend machten sich die beiden Hexen wieder daran, den Auroren entgegen zu gehen. Doch bevor sie in den Haupttunnel abbogen, warf Evy noch einen letzten Blick auf den von der Decke baumelnden Todesser und rief über die Schulter zu ihm hinauf: „Übrigens: Ich bin reinblütig… nur damit du's weißt… Und schön hängen bleiben, ja?"
Mrs. Sullivans leises Lachen empfing Evy, als sie zu der alten Aurorin aufschloss. Anerkennend nickte diese ihrer jungen Kampfgefährtin zu. „Das war erstklassige Arbeit, Kindchen. Wie Sie den Spiegelzwilling-Trank eingesetzt haben, um diese drei Hallodris in die Falle zu locken – Respekt! Haben Sie schon mal an eine Karriere als Aurorin gedacht, meine Liebe? Das Talent hätten Sie allemal. Und Sie wären auch noch nicht zu alt für die Ausbildung."
Mit ernstem Gesichtsausdruck schüttelte Evy leicht den Kopf. „Nein, Mrs. Sullivan.", antwortete sie leise. „Wenn ich aus meiner Familiengeschichte eines gelernt habe, dann dass der Beruf des Auroren nur etwas für Menschen ist, die ausschließlich für sich selbst verantwortlich sind… Hängt eine Familie daran, bleibt diese irgendwann auf der Strecke… auf die eine, oder auf die andere Art…" Der aufmerksamen alten Frau war der unendlich traurige Unterton in Evys Stimme nicht entgangen und sie musterte diese mit einem kurzen, abwartenden Seitenblick… Als sie jedoch merkte, dass die Jüngere nichts weiter dazu sagen wollte, nickte sie nur stumm. Schließlich wusste sie aus eigener, schmerzlicher Erfahrung, wie viel Leid der Beruf des Auroren mit sich brachte…
Als die beiden Hexen um die nächste Ecke bogen, hielt Evy kurz inne. Angespannt lauschend legte sie einen Finger an die Lippen, als sich Mrs. Sullivan zu ihr umwandte.
Aus der Ferne waren Kampfgeräusche zu hören. Flüche, die ihre Ziele verfehlten und krachend in die Tunnelwände einschlugen. Gebellte Befehle, Schmerzensschreie. Mithilfe des Lebenserkennungs-Tranks, dessen Wirkung bereits langsam nachzulassen begann, konnten sie im Näherkommen die Kämpfe verfolgen. In den angrenzenden Tunneln sahen sie flüchtende Magier, verfolgt von den Auroren. Einigen gelang es zu disapparieren, andere ergaben sich schließlich der Übermacht.
Erleichtert seufzte Mrs. Sullivan auf. „Merlin sei Dank, sie haben scheinbar alles unter Kontrolle. Kommen Sie, Kindchen. Geben wir uns zu erkennen. Aber lassen Sie mich vorgehen. Sicher ist sicher." Nickend hielt sich Evy hinter der alten Hexe, die zielstrebig und zügig voranschritt. Auf ihrem Weg passierten sie einen schmalen Gang. Eigentlich wollte Evy daran vorbeigehen, doch da nahm sie aus dem Augenwinkel eine Lichtquelle in jenem Tunnel war… und das leise Wimmern einer Frau.
„Mrs. Sullivan!", rief sie leise, doch diese schien sie nicht zu hören, denn sie ging ohne die geringste Reaktion weiter…
Etwas unschlüssig blieb Evy stehen und blickte in den schmalen Tunnel hinein. Dieser machte nach ein paar Metern einen Knick nach rechts und schien dort in eine kleine Höhle zu führen. Ganz schwach nahm Evy die Auren dreier Menschen wahr: Zwei standen einander gegenüber, während zwischen ihnen eine dritte Gestalt auf dem Boden kniete…
‚Du ziehst doch nicht ernsthaft in Erwägung, da jetzt alleine reinzugehen?', meldete sich ihre innere Stimme zu Wort, doch Evy ignorierte sie… ‚Hey! Du kannst mich solange ignorieren wie du willst, ich bin hier und bleibe es auch, alles klar? So, und nun bewegst du deinen kleinen Hintern den Tunnel hinunter, holst Verstärkung und gehst dann erst da hinein, verstanden?'
Natürlich war ihr bewusst, dass ihr Vorhaben mehr als unvernünftig war. Doch Mrs. Sullivan war nun schon ein gutes Stück voraus und hatte noch immer nicht bemerkt, dass Evy zurückgeblieben war. Und hier gab es gerade dringenden Handlungsbedarf! Wenn sie zu lange zögerte, konnte das für den Menschen da drin den Tod bedeuten. ‚Oder für dich!', zischelte die innere Stimme ihr zu. ‚Hast du daran schon gedacht?'
Ja… daran hatte sie durchaus gedacht. Aber es gab Momente im Leben, in denen man wählen musste zwischen dem richtigen Weg… und dem leichten…
Vernünftiger – und leichter – wäre es gewesen, einfach weiterzugehen und den erstbesten Auroren, dem sie über den Weg lief, auf die verdächtigen Vorgänge im Tunnel aufmerksam zu machen. Aber bis dieser am Ort des Geschehens eingetroffen wäre, hätte es bereits zu spät sein können…
Einen Desillusionierungszauber über sich legend und einen Schluck des Gegenmittels des Infravisions-Tranks einnehmend, umklammerte Evy ihren Zauberstab, bog vom Hauptweg in den schmalen Tunnel ab und schlich leise auf den schwachen Lichtschimmer zu. Sie hatte ihre Wahl getroffen… und sich – wie sie inständig hoffte – für den richtigen Weg entschieden…
Im Näherkommen stellte sie fest, dass das Licht, welches sie von draußen gesehen hatte, unruhig flackerte. Es stammte also nicht von einem Zauberstab, sondern von einer Fackel oder Ähnlichem. Als sie nun um die nächste Ecke lugte, musste sie zu ihrem Entsetzen feststellen, weshalb auf eine solch unsichere Lichtquelle zurückgegriffen worden war und dass sich ihre schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet hatten:
In einer Ecke der kleinen Höhle brannte ein Lagerfeuer, das den niedrigen Raum in ein unstetes Licht tauchte und unheimliche Schatten an die Wände warf. Nur wenige Meter von Evy entfernt, standen zwei Todesser und zwischen ihnen, auf dem feuchten Höhlenboden, kniete ein junges Mädchen, nicht älter als achtzehn. Sie weinte und starrte immer wieder zwischen den beiden Männern mit ihren angsteinflößenden Masken hin und her. Der hinter ihr hatte sie bei den Haaren gepackt und hielt ihren Kopf gewaltsam aufrecht, während sein Zauberstab direkt auf ihren Nacken gerichtet war. Sein Kumpan gegenüber war gerade… anderweitig beschäftigt.
Voller Entsetzen und Ekel starrte Evy ihn an und – für ihren Geschmack viel zu schnell – begriff ihr Gehirn, was die Augen ihm meldeten: Er stand breitbeinig und mit weit in den Nacken gelegtem Kopf vor dem Mädchen, während eine Hand in seiner Hose verschwand und unmissverständlich dort zu Werke ging. Angewidert musste Evy die obszönen Laute mit anhören, die er von sich gab, als er gerade dabei war so richtig in Fahrt zu kommen…
„Bitte, lasst mich doch gehen!", wimmerte das Mädchen leise und versuchte einem von ihnen in die Augen zu sehen, was der hinter ihr aber mit einem harschen Ziehen an ihren Haaren verhinderte. „Halt's Maul, dreckige Muggelschlampe!", schnauzte er sie an und versetzte ihr einen Tritt in den Rücken, der sie aufkeuchen ließ. „Bist du bald soweit?", blaffte er seinen Kumpanen an, der daraufhin wütend knurrte: „Nicht, wenn du mich weiter so hetzt!" Ein verächtliches Schnauben entfuhr dem anderen. „Hey, sie ist nicht nur für dich da, klar? Ich hätte gerne auch noch was davon, solange noch nicht alle über sie hergefallen sind! Du weißt wie sehr ich es hasse, das gebrauchte, abgenutzte Spielzeug anderer Leute zu benutzen!"
Evy stockte der Atem. Diese Zwei sprachen von dem Mädchen wie von einem… Ding, einem Gegenstand, den man gebrauchen und dann wegwerfen konnte!
„Bitte!", versuchte sie es nun erneut. „Ich sag auch keinem was, versprochen!" Höhnisch lachte der hinter ihr auf und drehte ihren Kopf gewaltsam zu sich herum. „Schätzchen, wenn wir mit dir fertig sind, wirst du gar nichts mehr erzählen können!"
‚Und wer würde ihr glauben?', dachte Evy bitter und versuchte sich vorzustellen, wie das Mädchen zur nächsten Polizeiwache lief und dort eine abenteuerliche Geschichte von Männern in Kapuzen und Totenkopfmasken zum Besten gab, die sie mit langen dünnen Holzstäben bedroht hatten, aus denen farbige Funken sprühten…! Wenn die Polizisten sie nicht gleich an die nächste Nervenheilanstalt weiterreichten, würden sie höchstens von einer neuen Satanssekte oder Ähnlichem ausgehen…
„Ich kann das so nicht, verdammt! Kannst du ihr nicht das Maul stopfen?", jammerte der Handarbeiter und auf dem Gesicht seines Kumpans breitete sich ein widerwärtiges Grinsen aus. „Weißt du was? Das kann sie schön selbst erledigen…" Mit diesen Worten blickte er auf das Mädchen hinab und murmelte „Imperio!". Schlagartig wurden die Augen des Mädchens glasig und der Zauberer beugte sich zu ihr hinab. „Zeig meinem Kumpel mal, was dein hübscher Mund noch so drauf hat außer winseln und jammern!" Wie von unsichtbaren Fäden gelenkt, richtete sich das Mädchen auf, ließ ihre Hände mechanisch über die Oberschenkel des erregten Mann vor ihr wandern, senkte den Kopf…
Von eiskalter, ohnmächtiger Wut gepackt, trat Evy in die Höhle, richtete ihren Zauberstab auf den, der den Imperius kontrollierte und brüllte: „Apes Advoco!" Noch bevor er überhaupt wusste wie ihm geschah, wurde er von einer schwarzen, wütend brummenden Wolke eingehüllt, die sich zusammensetzte aus hunderten von… „Bienen!" Vor Entsetzen und Schmerz aufbrüllend, ließ er seinen Stab fallen und wich, panisch um sich schlagend, an die Wand zurück. Augenblicklich endete die Wirkung des Imperius-Fluches und erlöste das Mädchen aus seiner Trance. Leise weinend, rollte sie sich auf dem Höhlenboden zu einer Kugel zusammen…
Evys Aufmerksamkeit wandte sich nun dem Anderen zu, dessen Kopf hektisch hin und her ruckte bei dem vergeblichen Versuch, die Quelle des Zaubers auszumachen, welcher seinen Kumpanen in ein vor Schmerzen schreiendes Bündel verwandelt hatte… Ein böses Grinsen umspielte ihren Mund, als sie nun den Zauberstab hob und direkt auf seinen nach wie vor geöffneten Hosenstall richtete. „Es geht doch nichts über gute alte Handarbeit, was?" Sein Kopf zuckte zu ihr herum – „Ulcero!" – doch es war bereits zu spät: Noch bevor er richtig dazu kam, seinen Zauberstab auch nur zu heben, traf ihn Evys Fluch mitten auf sein bestes Stück. Und die verheerende Wirkung trat sofort ein: Erst wich ihm sämtliche Farbe aus dem Gesicht, dann griff er panisch zwischen seine Beine – und begann so gequält zu schreien, dass er Evy beinahe leid getan hätte. Aber auch nur beinahe…
Während sie zu dem verängstigten Mädchen lief und dabei den Desillusionierungszauber auflöste, beobachtete sie aus dem Augenwinkel, wie sich nun auch der zweite Todesser vor Pein auf dem Boden wälzte – von den beiden war nichts mehr zu befürchten.
Das Mädchen indes wich mit schreckgeweiteten Augen vor Evy zurück, bis es an die Tunnelwand stieß, wo es die Knie anzog und angsterfüllt die schwarzgelockte Frau anstarrte, die wie aus dem Nichts plötzlich aufgetaucht war und auch so ein seltsames Stück Holz in Händen hielt… „Keine Angst, Kleines, ich tu dir nichts! Es ist alles okay!"
Evy wollte sich gerade zu ihr hinunter beugen, als sie aus dem Tunnel hinter sich laute Stimmen vernahm, die langsam näher kamen. In Erwartung eines Auroren, wandte sie sich zum Eingang um – und erstarrte, als ein weiterer Todesser in die Höhle gestolpert kam!
Dieser schien der Einzige mit etwas Überblick zu sein, denn ein Blick genügte ihm vollkommen, um die Situation zu erfassen. Trotz der Totenkopfmaske konnte Evy erkennen, wie er die Situation abschätzte und in derselben Sekunde wurde ihr die Gefahr bewusst, in der sie schwebte. Denn sie stand als einziges Hindernis zwischen ihm und seinen sich am Boden wälzenden Kameraden. Ein Hindernis, das es zu beseitigen galt…
Hinterher war es ihr unmöglich zu beurteilen, ob es Instinkt war, der sie handeln ließ, oder einfach nur unverschämtes Glück: Abgrundtiefer Hass stand in den himmelblauen Augen des Todessers, als er blitzschnell seinen Zauberstab hob und „Avada Kedavra!" brüllte. Ohne darüber nachzudenken, brachte sich Evy mit einem Hechtsprung in Sicherheit, noch bevor er das Avada fertig ausgesprochen hatte. Der tödliche Fluch zischte nur um Haaresbreite an ihr vorbei und schlug krachend in die Tunnelwand ein, wo er ein tiefes Loch hinterließ.
Zornig knurrend wollte der Magier gerade erneut zu zaubern ansetzen, als man wieder laute Stimmen aus dem Tunnel hörte. Die Auroren waren inzwischen so nah, dass man ihre schnellen Schritte auf dem Tunnelboden widerhallen hörte! Mit einem letzten Blick auf Evy, dessen hasserfüllte Intensität ihr eine Gänsehaut über den Rücken jagte, sprintete er zu seinen beiden kampfunfähigen Kumpanen hinüber, packte sie bei den Ellbogen – und disapparierte mit ihnen, just in dem Augenblick, als die Auroren in die Höhle gestürzt kamen! Sie hetzten ihnen noch mehrere Flüche hinterher – doch sie waren bereits verschwunden…
„Zum letzten Mal: Es geht mir gut!", schnauzte Evy genervt den neben ihr her gehenden Auroren an. „Und wenn Sie mich noch einmal Ma'am nennen, lernen Sie mich von meiner unangenehmen Seite kennen!"
Sie war kurz vorm Platzen… So ging das nun schon seit die Auroren die Höhle betreten hatten!
Zu viert waren sie erschienen, wobei zwei alles nach Anzeichen für weitere Todesser absuchten, einer sich sofort um die verstörte und verängstigte Muggel kümmerte (wie sich herausstellte, ein hauptberuflicher Vergissmich des Ministeriums aus der Abteilung für Magische Unfälle und Katastrophen) und der vierte seine Primäraufgabe offenbar darin sah, Evy auf die Beine zu helfen – was völlig unnötig war, ihrer Meinung nach – und ihr auf die Nerven zu fallen mit seinen ständigen Erkundigungen nach ihrer physischen und mentalen Verfassung. Dann war zu allem Überfluss auch noch Mrs. Sullivan hereingeschneit – dicht gefolgt von einem hochrangigen Auroren – und wie ein Derwisch über sie hergefallen, wie sie denn so unvernünftig habe seine können, sich ohne Unterstützung einfach zwei Todessern entgegenzustellen, und so weiter, und so fort… Irgendwann schien selbst der Auror in ihrer Begleitung Mitleid mit Evy zu bekommen, denn er teilte ihr in einem Ton, der – von keiner Seite! – Widerstand duldete, mit, dass sie sich bitte unverzüglich zum befehlshabenden Auroren zu begeben habe, um diesen über die Vorgänge des heutigen Abends in Kenntnis zu setzen.
Als Mrs. Sullivan dagegen Protest erhob („Hat das nicht Zeit bis morgen, junger Mann? Es gibt gerade Wichtigeres als eure vermaledeite Bürokratie!"), erinnerte der Auror sie höflich, aber bestimmt, dass es nun mal zum gängigen Prozedere gehöre, alle nicht-ministeriellen Beteiligten eines schwarzmagischen Angriffs durch den befehlshabenden Auroren persönlich vernehmen zu lassen. Dies brachte die alte Frau vollends auf die Palme. Doch nach einem weiteren lautstark bekundeten Einspruch („Wissen Sie, was Sie und Ihr gängiges Prozedere mich mal können?" „Madam, ich muss doch sehr bitten!") hatte sie scheinbar genug Dampf abgelassen, um sich etwas beherrschter zu erkundigen, wer denn überhaupt „der Grünschnabel sei, der es wage, sich Befehlshaber zu nennen", worauf ihr der Auror in leicht pikiertem Ton mitteilte, dass es sich bei diesem „Grünschnabel" um keinen geringeren als Kingsley Shacklebolt handele.
Augenblicklich wuchs Evys Kooperationsbereitschaft und sie erklärte sich sofort bereit, den Auroren zu Mr. Shacklebolt zu begleiten. Mrs. Sullivan hatte sich ihr anschließen wollen, doch das verhinderte sie geschickt, indem sie die alte Frau daran erinnerte, dass doch jemand den Auroren zeigen müsste, wo genau sie die abholfertig verpackten Todesser zurückgelassen hatten. Das sah diese schließlich nach einigem Zögern und weiteren Unmutsbekundungen ein und verabschiedete sich von ihrer jungen Kampfgefährtin mit einem verschwörerischen Augenzwinkern und der Bitte, dass diese sie doch bald mal zum Tee besuchen solle…
Am Arm des jungen, sehr um ihr Wohl besorgten Auroren, apparierte Evy in der Nähe der Strandpromenade, wo Kingsley bereits wartete. Kurz trafen sich ihre Blicke, doch diese waren so nichtssagend, dass niemand auf die Idee hätte kommen können, sie würden einander bereits kennen. Während er zwei neben ihm stehenden Auroren noch letzte Instruktionen gab, ließ Evy ihren Blick über den Strand wandern. Der Himmel war zwar noch immer stark bewölkt, doch wenigstens hatte es aufgehört zu regnen. Und das Dunkle Mal war verschwunden. Der Spuk war endlich vorbei – für diesmal…
„Ah, Perkins, ist das die junge Dame, die auch in den Angriff verwickelt war?", wandte sich nun Kingsley an ihren jungen Begleiter. „Jawohl, Sir!", antwortete dieser eilfertig und salutierte zackig vor seinem Vorgesetzten, was Evy veranlasste, schnell auf ihre Füße zu blicken, um ihr belustigtes Grinsen zu verbergen…
„Wunderbar, Junge. Miller hat um Unterstützung gebeten. Ich möchte, dass Sie das übernehmen." Ein Nicken, ein weiteres Salut – und weg war er.
Sich noch schnell vergewissernd, dass sie alleine waren und keine ungebetenen Zuhörer hatten, wandte sich Kingsley nun Evy zu. „Sie haben ganz schön für Aufruhr gesorgt, Miss Callahan!", brummte er mit dem Anflug eines spitzbübischen Grinsens. In Erwartung einer gepfefferten Standpauke entging dies Evy jedoch, während sie abwehrend die Hände hob und kleinlaut zu einer Erklärung anhob.
„Sie können sich Ihre Worte sparen, Kingsley, ich weiß ohnehin, was Sie sagen wollen." „So? Na, da bin ich ja mal gespannt!", entgegnete er mit unverhohlener Belustigung, welche Evy allerdings immer noch nicht bemerkte, da sie zu sehr damit beschäftigt war, sich eine – auch für sie selbst – zufriedenstellende Rechtfertigung zurechtzulegen. „Mein Verhalten war verantwortungslos und dumm, und ich weiß, in welch große Gefahr ich Sie und den Orden damit gebracht habe. Und das tut mir leid. Aber als das Dunkle Mal erschien, habe ich so weit nicht gedacht. Meine einzige Sorge galt den Muggeln und dem, was bis zum Erscheinen der Auroren alles hätte geschehen können! Natürlich ist mir klar, wie riskant und gefährlich mein Vorgehen war, aber damit eins klar ist: Ich entschuldige mich für das Wie, nicht für das Was und Weshalb! Ich würde mich jederzeit wieder dazu entschließen, den Muggeln zu helfen! Nur würde ich diesmal weniger impulsiv an die Sache herangehen…"
„Und vor allem nicht alleine!", warf Kingsley streng ein. „Ich war ja nicht alleine…", konterte sie mit hauchzartem Trotz in der Stimme. „Sie wissen genau was ich meine. Als Sie sich so spontan zum Handeln entschlossen, waren Sie durchaus alleine. Und auf Ihrem Weg zu Agatha Sullivan hätte Ihnen wer weiß was zustoßen können!" Ein zerknirschtes Nicken kam als Antwort, während sie nervös mit der Schuhspitze im Sand herumstocherte. Als von Kingsleys Seite nun jedoch nichts weiter kam und die erwartete heftige Rüge ausblieb, hob Evy verblüfft den Kopf.
„Wie, das war's schon? Sie wollen mich nicht zusammenfalten für mein eigenmächtiges Handeln?" Kingsley lächelte milde. „Nein, wozu? Sie haben ja schon alles gesagt, was zu sagen war. Außerdem finde ich ihr Verhalten an sich völlig in Ordnung. Sie wollten helfen und das rechne ich Ihnen hoch an. Nichtsdestotrotz waren Sie sehr leichtsinnig. Ihnen hätte sonst was passieren können, Miss! Die Sicherheit des Ordens war zu keiner Zeit in Gefahr, Ihre dafür umso mehr!" „Aber… wegen meines Fehlverhaltens mussten Sie diesen Einsatz übernehmen! Irgendwer aus dem Orden hat Ihnen doch Bescheid gesagt, dass ich alleine in Osmington Mills zurückgeblieben bin, oder ist es etwa ein Zufall, dass von allen Auroren ausgerechnet Sie hier sind?" Nun musste Kingsley lachen.
„Das ist es also, was Sie beschäftigt? Keine Sorge, Miss, Ihr schlechtes Gewissen ist völlig unbegründet! Ich bin hier, weil ich laut Dienstplan des heutigen Abends für diesen Teil des Landes zuständig bin! Ich hätte in jedem Fall die Niederschlagung dieses Angriffs übernehmen müssen, ob Sie hier gewesen wären oder nicht! Natürlich stimmt es, dass mich ein Ordensmitglied über ihre Verwicklung in diesen Vorfall informiert hat – Moody übrigens -, aber just im selben Moment, als der gute Alastor mit seinem Bericht fertig war, ging Agatha Sullivans Notruf bei uns ein! Wäre Moody also bloß eine Minute später erschienen, hätte ich schon längst bis zum Hals in der Organisation der Gegenmaßnahmen gesteckt!"
Evy atmete zutiefst erleichtert auf. „Was meinten Sie dann eigentlich mit dem Aufruhr, für den ich gesorgt haben soll?" Ein lautes Schnauben entfuhr ihm. „Meine Liebe, Ihnen scheint offenbar nicht bewusst zu sein, welch großer Beliebtheit Sie sich im Orden erfreuen! Die sind alle halb krank vor Sorge um Sie! Und ich spreche nicht nur vom Hauptquartier. Albus geht bald auf dem Zahnfleisch!" „Er weiß also tatsächlich schon Bescheid…." Ihr schwante böses…
„Natürlich. Nachdem Moody bei mir war, ist er nochmals zurück ins Hauptquartier, um dort alle auf den neuesten Stand zu bringen. Bei der Gelegenheit erfuhr er von den Weasley-Zwillingen, dass Sirius Albus per Flohnetzwerk umgehend informiert hat." „Von den Zwillingen?" Verwundert starrte Evy den Auroren an. „Ja, Lupin hat ihnen sozusagen die Befehlsgewalt für das Haus übertragen, solange er in Hogwarts ist." Nun verstand Evy gar nichts mehr. „Was tut Remus in Hogwarts?" „Schadensbegrenzung, wie er es wohl nannte. Ob ihm das gelungen ist, bezweifle ich ehrlich gesagt jedoch, nach dem was Moody mir vor wenigen Minuten berichtete…"
„Oh, er war hier?" „Ja, Sie haben ihn nur um Haaresbreite verpasst. Da ich ihm nicht gestatten konnte, sich aktiv an den Gegenmaßnahmen zu beteiligen, habe ich ihm die Aufgabe übertragen, alle immer auf den neuesten Stand zu bringen und das tut er sehr gewissenhaft, wie immer. Er ist jetzt wieder auf dem Weg nach London, um allen mitzuteilen, dass es Ihnen gut geht."
„Und was genau hat er berichtet?", fragte Evy, nun leicht ungeduldig. „Lupin muss wohl der Auffassung gewesen sein, es sei besser, Albus und Severus ihre Verwicklung in den Angriff persönlich mitzuteilen. Nun ja, nach allem, was ich bisher weiß, hat Albus vor Schreck fast der Schlag getroffen! Und Severus scheint auch nicht viel besser dran zu sein. Er tobe – ich zitiere – „wie ein tollwütiges Eichhörnchen"! Moodys Worte, nicht meine!", setzte er schnell hinterher, als er Evys erschrecktes Gesicht registrierte. Er konnte ja nicht ahnen, dass ihr aus einem ganz anderen Grund sämtliche Farbe aus dem Gesicht wich…
Ihre schlimmste Befürchtung bewahrheitete sich gerade: Severus wusste auch schon Bescheid… Das konnte ja heiter werden…
„Wenn ich Ihnen einen kleinen Rat geben darf, Miss…" Evy sah auf. „Da wir hier jetzt alles unter Kontrolle haben und Sie offensichtlich wohlauf sind, wird es für mich Zeit nach Hogwarts zu gehen und Albus und Severus ins Bild zu setzen. Begleiten Sie mich doch. Sie werden ohnehin nicht um eine persönliche Schilderung der Geschehnisse herum kommen, dann können Sie es auch gleich hinter sich bringen."
Noch bevor Evy etwas darauf erwidern konnte, wurden sie durch eine direkt neben ihnen apparierende junge Hexe unterbrochen, deren Auftritt durchaus beachtenswert war…
Sie hatte die mattbraunen Haare im Nacken zu einem strengen Dutt hochgebunden und trug eine Uniform der britischen Polizei – samt Schlagstock und „Custodian helmet"!
Sie kam Evy vage vertraut vor – bis es ihr buchstäblich wie Schuppen von den Augen fiel…
„Tonks?!" „Hallöchen, Evelyn!", rief diese erfreut und grinste schief. „Ja, schau mich nicht so an, ich weiß, dass ich diskussionswürdig aussehe. War auch nicht meine Idee, sondern seine!" Mit einem heftigen Kopfrucken deutete sie auf Kingsley, der ungerührt auf die junge Aurorin hinab blickte.
„Und nicht meine schlechteste, liebe Nymphadora!" Ein vernichtender Blick traf ihn. „Du sollst mich nicht so nennen!" „Dann hör auf, meine Entscheidungen ins Lächerliche zu ziehen und erklär' Miss Callahan lieber, weshalb du so aussiehst!" Unter streng zusammengezogenen Augenbrauen warf sie ihm noch einen letzten, säuerlichen Blick zu und wandte sich dann an Evy. „Wir konnten recht schnell feststellen, dass sich im Dorf selbst keine Todesser aufhielten – oder nicht mehr. Aber um sicher zu gehen, war es nötig, jedes einzelne Haus zu überprüfen. Und wie verschafft man sich abends am besten Zutritt zu den Häusern der Muggel, ohne dabei großes Misstrauen zu erregen? Richtig, gib dich als Polizist aus! Also sind zwei Kameraden und ich in diese… Uniformen geschlüpft, um dann von Tür zu Tür zu gehen und alle Häuser vom Keller bis zum Dachboden auf Anzeichen schwarzer Magie zu überprüfen."
„Was habt ihr denn gesagt, weswegen ihr da wärt?", fragte Evy neugierig und Tonks grinste noch breiter. „Wir haben behauptet, es ginge um die kürzlich vom Parlament verabschiedeten neuen Sicherheitsvorschriften und wir wären nun hier, um die in der Presse bereits angekündigten Kontrollgänge durchzuführen! Natürlich gibt es weder diese neuen Vorschriften, noch die Pressemitteilung, aber die Muggel sind ja so leichtgläubig! Die haben uns das ohne großes Federlesen abgekauft! War richtig lustig. Und aufschlussreich… Die Reaktionen der Muggel auf unser Erscheinen waren so vielfältig wie einzigartig! Einige nickten bloß und ließen uns widerstandslos eintreten. Andere lamentierten die ganze Zeit über die „Willkür der Obrigkeit" oder ergingen sich in weitschweifenden, feurigen Reden über die „Verschwendung unserer Steuergelder"! Aber am besten gefiel mir so ein alter Knilch, oben am Marktplatz. Als ich ihm schilderte, weshalb ich da sei, sagte er: ‚Dahinter stecken doch die Amerikaner, keine Frage! Reicht ihnen wohl nicht mehr, unsere Post auszuspionieren, jetzt müssen sie auch noch in unseren Heimen herumschnüffeln!' Ehrlich, Evelyn, ich hab keinen blassen Dunst, wovon der gefaselt hat, aber es klang ziemlich abenteuerlich für mich!"
Evy schmunzelte. ‚Ja ja, die Muggel… Ungemein klug und liebenswert, aber auch erschreckend paranoid…'
Ein ungehaltenes Räuspern von Seiten Kingsleys riss sie aus ihren Betrachtungen. „Meine liebe Nymphadora," – ein weiterer garstiger Blick aus Tonks' Richtung – „so sehr ich deine Ausführungen über die Eigenarten der Muggel auch schätze – im Augenblick wäre mir lieber, du würdest mir endlich mitteilen, was dich dazu veranlasst hat, deinen Posten zu verlassen!" Augenblicklich trat die Aurorin in der jungen Hexe zutage und in ernstem, diensteifrigem Ton erstattete sie ihrem Vorgesetzten Bericht. „Howards lässt ausrichten, dass sie bereit wären, die Todesser nach Askaban zu überführen. Sie brauchen jetzt bloß noch deine Unterschrift – du weißt schon, dieses schwachsinnige und absolut nutzlose Formblatt 3-2-7."
Genervt verdrehte er die Augen gen Himmel und seufzte ergeben. „Das Ministerium und seine Vorliebe für Papierkram. Ich schwöre, wenn denen nicht wenigstens einmal pro Woche eine Idee für einen weiteren Wisch kommt, den keiner will und erst recht keiner braucht, brechen sie in Tränen aus!" An Evy gewandt fügte er hinzu: „Ich erledige das schnell, Miss Callahan. Überlegen Sie sich in der Zwischenzeit meinen Vorschlag. Ich treffe Sie dann an der Strandpromenade. Tonks, Miss Callahan…" Ein letztes wohlgefälliges Nicken in beider Richtungen – und er war verschwunden.
Kaum waren sie alleine, wechselte Tonks' Haarfarbe von dem langweiligen mattbraun zu einem neonfarbenen Pink und ließ sie befreit aufatmen. „Jetzt fühl ich mich wieder wie ein Mensch!" Sofort im Anschluss stürzte sie sich mit Feuereifer auf Evy. „Und du erzählst mir jetzt haarklein, was du eigentlich hier verloren hast! Erst bei meiner Ankunft im Dorf musste ich so ganz nebenbei erfahren, dass du direkt in den Angriff verwickelt warst! Wie kam das? Bist du noch mit den Mädchen nach London zurück oder wie? Komm schon, erzähl!" Mit einem belustigten Grinsen ob Tonks' überschwänglichen Wissensdurstes, hakte sich Evy bei dieser unter und berichtete ihr nun kurz und bündig von den Ereignissen dieses Abends. Dabei spazierten die beiden jungen Frauen über die Strandpromenade.
Als sich Evys Schilderungen schließlich dem Ende neigten, nickte Tonks anerkennend. „Sauber!", kommentierte sie das Gehörte, sah die Hexe neben sich jedoch mit ernster Miene an. „Dir ist doch nach alledem hoffentlich klar, wie viel Glück du hattest, oder?" Genervt verdrehte Evy die Augen. „Fang du nicht auch noch an! Die Gardinenpredigten von Mrs. Sullivan und Kingsley reichen mir völlig, ganz zu schweigen, was mich in Hogwarts erwartet…!" Aufmunternd lächelte Tonks sie an. „Ach, mach dir keinen Kopf! Albus wird viel zu erleichtert darüber sein, dass du unversehrt bist, um dich groß zurechtzuweisen." „Albus? Der ist nun wirklich meine geringste Sorge…", brummte Evy und starrte verdrossen auf die vom Regen feuchten Bohlen der Strandpromenade hinunter.
Für einen Moment verstand Tonks nicht so recht, von wem in Hogwarts Evy noch glaubte, eine Strafpredigt erwarten zu müssen. Doch als es ihr schließlich klar wurde, lachte sie leise auf. „Ich versteh' schon, du sprichst von Hogwarts' hauseigenem Folterknecht, dem Meister der Zaubertränke, dem Dalai Lama des Sarkasmus', dem fleischgewordenen Alptraum unzähliger Schülergenerationen und dem Mann mit dem patentierten bösen Blick – Severus Snape!" „Also wirklich, Tonks!", rief Evy erbost, konnte sich jedoch ein kleines, verschmitztes Grinsen nicht verkneifen.
„Ist doch wahr! Auch wenn ich als Schülerin ganz gut mit ihm zurechtkam – scharf auf eine Privataudienz bei der schwarzen Mamba war ich trotzdem nie! Und bin es auch heute noch nicht, ehrlich gesagt! Aber an dir scheint sein bissiger Sarkasmus regelrecht abzuperlen! Ehrlich, du musst dir wegen Severus keinerlei Gedanken machen. Wenn es jemand schafft, unbeschadet eine seiner Standpauken zu überstehen, dann du! Mir scheint manchmal, du beherrscht Snapisch im Schlaf!" Ein lautes, glockenhelles Lachen entrang sich Evys Kehle bei Tonks' Worten. „Snapisch? Den Ausdruck muss ich mir merken, Tonks!" Diese grinste nur breit. „Ist doch wahr. Du weißt mit ihm umzugehen, ihn zu handhaben. Und nach dem, was mir Remus heute Morgen erzählt hat, untertreibe ich sogar noch!" „Ach, du meinst, weil ich ihn überreden konnte, über Nacht im Orden zu bleiben?"
„Genau! Ich kenne keinen anderen außer dir, dem dieses Kunststück gelungen wäre, Evy, oder der es auch nur versucht hätte! Also mach dir keine Sorgen. Sicherlich, er wird toben und dich auf Stecknadelkopfgröße zusammenstauchen – aber du hast es auch verdient, wenn du ehrlich bist. Was du getan hast war zwar sehr mutig und selbstlos, aber auch gewagt und gefährlich. Er hätte ganz recht, wenn er dir ordentlich die Leviten liest! Aber auch dieser Sturm wird vorüberziehen und dann ist alles wieder im Lot."
Evy nickte und für einen Moment liefen die beiden jungen Frauen schweigend und in Gedanken versunken nebeneinander her. Schließlich sah Tonks auf und ein optimistischer Ausdruck lag auf ihrem Gesicht. „Im Nachhinein betrachtet, lief doch heute alles ganz fantastisch: Ihr habt einen schönen Tag am Meer verbracht, eine nette Bekanntschaft gemacht, die sich schlussendlich sogar als Segen herausstellte, mit deinem mutigen Einsatz hast du eine Katastrohe verhindert und nebenbei noch sieben Todesser das Fürchten gelehrt. Und das alles völlig unbeschadet überstanden! Ende gut, alles gut!" „Von wegen ‚unbeschadet überstanden'!", lachte Evy nun und hielt der verdutzten Tonks ihre rechte Hand hin. „Ich hab mir einen Nagel eingerissen! Siehst du?"
Und da geschah es: Beide Hexen beugten sich im sanften Lichtschein von Tonks' Zauberstab über Evys kampfversehrten Zeigefinger und achteten dabei nicht weiter auf den Weg vor ihnen… Nun, um eine lange Geschichte kurz zu machen: Evy übersah eine kaputte Bohle und blieb mit dem Absatz ihres Stiefels darin hängen… Ins Straucheln gekommen, glitt ihr anderer Fuß auf dem regenfeuchten Boden aus – sie fiel, in ihrem rechten Fuß knackte es übelkeiterregend – und er war gebrochen…
Kingsley, der just in diesem Moment nur ein paar Meter weiter apparierte, wurde von einem lauten Schmerzensschrei alarmiert, gefolgt von den wohl übelsten und obszönsten Flüchen, die dieser Strand jemals zu hören bekommen hatte!
Er eilte zu der am Boden liegenden Hexe, die sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den rechten Knöchel hielt und schimpfte wie ein Rohrspatz. „Miss Callahan! Wie ist das denn passiert, in Merlins Namen?" „Na, wie schon?", schnauzte sie zurück. „Autsch….! Ausgerutscht bin ich! Das ist so typisch für mein Glück!" Mit Kingsleys und Tonks Hilfe schaffte sie es schließlich, vorsichtig aufzustehen. „Versuchen Sie mal aufzutreten."
Sie tat es – und stieß einen weiteren gepfefferten Fluch aus, der Tonks einen anerkennenden Pfiff entlockte. „Wow, Evy! Wo hast du bloß so fluchen gelernt?" „Severus…", presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und Tonks grinste schief. „Der Mann hat ja wirklich einen enorm großen Wortschatz…"
Kingsley, der sich Evys Fuß angesehen hatte, schüttelte nun unglücklich den Kopf. „Der ist eindeutig gebrochen, Miss Callahan. Da kann ich nichts ausrichten. Sie müssen zu einem Heiler." Evy nickte frustriert. „Damit hab ich also wohl meine Entscheidung getroffen, wie es aussieht. Ich werde Sie nach Hogwarts begleiten, Kingsley. Poppy kriegt das wieder hin…" Zweifelnd erwiderte der Auror ihren Blick. „Mit diesen Schmerzen können Sie nicht apparieren. Die Gefahr des Zersplinterns wäre zu groß." Unwirsch winkte Evy ab. „Ach was, ich brauche bloß ein Schmerzmittel! Tonks, hast du in deinem Erste-Hilfe-Beutel noch einen Anti-Schmerz-Trank?" „Ja, hab ich!" Verblüfft nestelte die junge Hexe an ihrem Gürtel herum, bis sie das Gesuchte fand und Evy reichte. „Woher weißt du das?" Mit einem Blick, der abgrundtiefe Todesverachtung ausdrückte, stürzte Evy den hellblauen Trank hinunter und erwiderte mit vor Ekel verzerrtem Gesicht: „Bäääh… Tonks, ich bin eine Aurorentochter! Sowas gehört sozusagen zum Grundwissen."
Nur Augenblicke darauf begann der Trank seine schmerzbetäubende Wirkung zu entfalten, denn Evys Gesicht entspannte sich zusehends. „Wunderbar! Bis wir in Hogwarts ankommen reicht das völlig aus." Kingsley beäugte sie kritisch. „Sind Sie sicher, dass Sie es versuchen wollen?" „Ja, natürlich. Wie sollte ich auch sonst nach Hogwarts kommen? Auf einen Besen kriegt ihr mich nicht, nicht mal in tausend Jahren! Eher rutsche ich den ganzen Weg auf meinem Arsch!"
Sich schnell abwendend, um sein amüsiertes Grinsen zu verbergen, wandte sich Kingsley an Tonks. „Tu mir bitte einen Gefallen, Tonks, und schau im Hauptquartier vorbei, sobald hier alles geklärt ist. Sie sollten erfahren, was hier gerade passiert ist, damit sie sich keine unnötigen Sorgen machen. Davon hatten alle heute schon genug!" Tonks nickte und umarmte dann noch schnell Evy, die nach Kingsleys Worten ziemlich zerknirscht aussah… „Mach's gut, Evy, und pass auf dich auf, ja? Lass dir nicht den Kopf abreißen! Ich wünsch dir – wie sagen die Muggel doch gleich? Ach ja – Hals- und Beinbruch!" Ein finsterer Blick der Marke Snape traf die junge Hexe, die darauf bloß frech grinste und mit herausgestreckter Zunge disapparierte…
Abwartend sah Kingsley auf Evy hinunter. „Sind Sie bereit?" „Einen Augenblick noch, bitte!" Hochkonzentriert schwenkte sie ihren Zauberstab in einem sehr kompliziert aussehenden Muster – doch nichts geschah. „Die letzte Drehung müssen Sie nach links ausführen, Miss!", half Kingsley nach. Seinen Anweisungen folgend, versuchte Evy es nochmal. Beim dritten Versuch gelang es ihr schließlich, ihren Zauberstab in eine Krücke zu verwandeln…
„Na also, geht doch!" Prüfend stützte sie sich auf und als die Krücke nicht nachgab, legte sie eine Hand auf Kingsleys Arm und nickte ihm zu. „Ich wäre dann soweit. Bringen wir's hinter uns…!"
Und einen Wimpernschlag später war der Strand menschenleer…
tbc
So, das war's leider schon wieder, aber keine Sorge, das nächste Kapitel wird kommen. :)
Nur wann dies sein wird, kann ich leider nicht sagen...
Im Moment hat mich der Universitätsalltag voll im Griff und mir fehlt einfach die nötige Zeit, um meine Ideen anständig auszuarbeiten. Da ihr inzwischen lange Kapitel von mir gewöhnt seid, will ich daran auch nichts ändern. Aber solche Mammut-Kapitel brauchen Zeit...
Allerdings gehe ich mal stark davon aus, dass es euch lieber ist, etwas länger auf ein Kapitel zu warten, welches dann auch in der gleichen Qualität gehalten ist, die ihr von mir kennt. Zumindest geht es mir so...
Jedoch möchte ich diese Gelegenheit nutzen, ein feierliches Versprechen abzulegen:
Diese Story WIRD fertiggestellt werden, egal wie lange es dauert! Großes Slytherin-Ehrenwort! Da ich selbst nichts mehr hasse, als plötzlich feststellen zu müssen, dass eine meiner Lieblingsstorys abgebrochen wurde, werde ich euch so etwas niemals antun! Dafür hab ich meine Geschichte inzwischen auch viel zu lieb. :)
Hin und wieder wird es etwas länger dauern, bis ein neues Kapitel kommt, aber: Es WIRD kommen! Und eines fernen Tages erhaltet ihr auch einen Alert für ein Kapitel, das den schlichten Titel "Epilog" tragen wird. Und wenn es Jahre dauern solle. Versprochen!
Ich hoffe, vielleicht bis Weihnachten Kapitel 12 geschrieben zu haben, aber ich verspreche nichts! Also bitte nicht böse sein, denn Kreativität lässt sich leider nicht erzwingen. Und glaubt mir: Ich habe es versucht!
Wer trotz dieser Ankündigung meiner kleinen Geschichte treu bleiben will, darf sich jetzt ganz herzlich von mir geknuddelt und gedrückt fühlen!
Hab euch alle lieb!
Bis demnächst!
Eure Kaddi :D
