Kapitel 11

Noch tiefer in die Vergangenheit.

Voller Aufregung stand ich dort, wo sich vor einigen Jahrhunderten das Haus befand, in dem Harry James Potter lebte. Heute war hier ein ziemlich vernachlässigter Park.

„Hier müsste es sein." Aro schaute noch einmal in eine alte Karte.

„Wenn man bedenkt, wie viel Zeit vergangen ist, muss du nicht einmal levitieren. Wenn du auf diesen Hügel steigst musstest du etwa auf der Höhe des zweiten Stocks sein, genau in seinem Zimmer. Ich stellte mich hin in der Hoffnung, nicht in einem Schrank oder noch schlimmer in einer Wand zu landen.

„Bist du sicher, dass er hier sein wird?", fragte ich. Aro nickte.

„Er lebte hier bis zu seinem Schulabschluss, danach wohnte er einige Jahre am Grimmauldplatz, bevor er nach Godric's Hollow umzog",

„Godric's Hollow? Tatsächlich?", fragte ich neugierig. „In meiner Zeit leben dort immer noch seine Nachfahren."

„Du meinst du lebst dort?" Mist. Wie habe ich mich verraten?

„Das hast du gesagt."

„Aber ich habe Recht, stimmt' s? Du bist einer seiner Nachkommen?"

„Sieht fast so aus", antwortete ich Schulter zuckend. „Zumindest gehe ich davon aus." Ich kratzte an meiner Stirn. Die Wunde juckte höllisch und trotz aller Maßnahmen bildete sich bereits eine Beule.

„Das mit dem Zauber tut mir immer noch leid", meinte Aro. „Aber es hätte ja klappen können. Ich dachte vielleicht wird es klappen."

„Du dachtest, dass ich sein Nachkomme bin und daher in der Lage sein werde, das verfluchte Ding zu öffnen?" Aro nickte grinsend.

„Ich wünsche dir viel Glück, bei deinem Vorhaben. Und wir helfen dir gern, bei deinem Plan", meinte Aro nach einigen Sekunden, während ich nach der endgültigen Position für meine Reise suchte.

„Ich hoffe es funktioniert alles, wie gedacht", sagte ich und holte noch mal tief Luft.

„Mach dir keine Sorgen. Es wird funktionieren, da bin ich mir sicher. Wenn du es geschafft hast Karen zu überzeugen, dann wird Harry kein Problem sein."

„Grüße sie von mir", sagte ich und zog endlich den Zettel mit dem Spruch aus der Tasche. Aro nickte. „Wir werden uns um ihn kümmern, wenn er hier auftaucht", versprach er. „Um dich natürlich auch."

„Danke, für die Gastfreundschaft", sagte ich und begann meine zweite Zeitreise. Dieses Mal ließ ich mich treiben, versuchte mich nicht an die Bilder und Töne zu klammern, ließ sie mich tragen und hoffte aus aller Kraft, dass alles gut werden würde.

Während die Welt um mich herum noch aus verschwommenen Bildern bestand, schlugen meine Füße auf dem Holzfußboden auf. Nach einigen Sekunden war die Welt wieder normal und ich konnte sehen, dass ein Zauberstab auf mich gerichtet war. Mir war übel, die Welt drehte sich weiter und meine Füße drohten jeden Augenblick nachzugeben. Ich konzentrierte mich auf das Gesicht des Jungen, der mich mit dem Zauberstab bedrohte. Großer Merlin! Wie viele meiner Verwandten erkannte ich in diesem erschrockenen Gesicht! Vaters Augen. Er hatte Vaters Augen. Und Hollys Art den Zauberstab zu halten. Die dunklen, ungehorsamen Haarstränen, die ich selbst so gut kannte, fielen auf die Stirn und zeigten die Blitznarbe. Ach ja! Harry Potter.

Dann blieb mein Blick auf der Blitznarbe hängen und er erinnerte sich an den Grund meiner Reise.

„Sag mir bitte, dass du Harry Potter bist!", bat ich mit zitternder Stimme. Nur der pure Trotz hielt mich noch auf den Beinen. Eine Weile schien der Junge zu überlegen, der Zauberstab in seiner Hand war immer noch auf meine Brust gerichtet. Dann klärte sich das Gesicht des Jungen auf und er antwortete entschlossen:

„Ich bin Harry Potter." Am liebsten währe ich im Kreis gesprungen und vor Freude Funken gesprüht, aber das einzige, was ich hervorgebracht hatte, war:

„Endlich!", dann fiel ich ganz unelegant auf den Boden.

Als ich aufwachte tat ihm mir der ganze Körper weh. Ich lag immer noch auf dem Boden, was die schmerzenden Stellen am Kopf und Rücken erklärte. Nur widerwillig öffnete ich die Augen. Einen Augenblick lang war die Umgebung leicht verschwommen und das Zimmer drehte sich hin und her, aber dann wurde alles so, wie es sein sollte. Ich sah mit noch mal den Jungen an, der ebenfalls auf dem Boden saß und mich seinerseits neugierig musterte. Meine ungebändigte Freude hier zu sein, ließ mich lächeln.

„Wer sind Sie", fragte der Junge langsam. „Woher kommen Sie?"

Das war der Augenblick, in dem meine Aufgabe begann. Ich durfte nicht so viel sagen, aber ich durfte auch nicht zu viel verschweigen. Harry musste erfahren, warum diese verrückte Reise notwendig war. Aber erst musste ich ganz sicher gehen, dass ich es mit dem Richtigen zu tun hatte.

„Ich werde dir alles sagen was du wissen willst, aber beantworte mir erst zwei Fragen", meinte ich, während ich mich vorsichtig aufsetzte. Der Junge nickte, offensichtlich war er bereit auf die Fragen zu antworten.

„Bist du wirklich Harry James Potter, der Sohn von Lily und James Potter?", fragte ich. Der Junge zögerte einen winzigen Augenblick und antwortete:

„Ja! Aber was..."

„Wie alt bist du?", unterbrach ich, ohne dem Jungen die Gelegenheit zu geben Fragen zu stellen. Ich fühlte, wie mich eine ungeahnte Aufregung ergriff. Nicht mal mein erster Einsatz für den Orden war so aufregend gewesen.

„Ich werde bald 16!", antwortete der Junge ungeduldig. „Und jetzt sagen Sie mit wer Sie sind!". Sein Zauberstab zitterte gefährlich. Doch ich ignorierte das. Ich war unsagbar froh, dass wenigstens dieser Teil des Plans funktioniert hatte.

„Mein Name ist James Alexander Weasley und ich komme aus der Zukunft!"

„Was?!", rief der Junge erstaunt und vergaß völlig seinen Zauberstab. Ich lächelte innerlich. Der Junge war so sorglos. Ich hätte ihn jetzt auch ohne Magie entwaffnen können. Für so etwas hätte mir mein Vater den Kopf abgerissen.

„Von hier aus berechnet etwa 500 Jahre!", erklärte ich bereitwillig. Ich rappelte mich auf und bot Harry meine Hand an. Dieser zögerte einen Augenblick lang, dann nahm er die entgegengestreckte Hand an und zog sich ebenfalls hoch.

„Aber die Zeitreisen sind verboten!", stellte Harry fest. Meine Güte! Noch ein Besserwisser! Als ob ich nicht genug davon von Aro und Karen gehört hatte.

„Ich weiß, ich weiß! Mann könnte etwas ganz Schreckliches verursachen", murmelte ich verstimmt. Doch wie schlimm konnten die Dinge noch werden? War eine Steigerung überhaupt noch möglich?

„Glaube mir, schlimmer als es schon ist, kann es kaum werden. Ich kann nicht alles noch schlimmer machen!", fügte ich hinzu und entspannte mich.

„Was ist passiert?", fragte Harry. Ich hörte in seiner Stimme echtes Mitgefühl und Anteilnahme.

„Du glaubst mir?"

„Soll ich es etwa nicht tun?", fragte Harry bissig.

„Nein, nein! Es ist nur so, ich habe nicht erwartet, dass tatsächlich lebend hier ankomme", antwortete ich hastig.

„Was soll denn das schon wieder heißen?", fragte Harry verwirrt.

„Ich werde dir alles erklären. Aber vorher muss ich sicher sein, dass uns niemand belauscht!", Ich sah vorsichtig aus dem Fenster und betrachtete die leere, dunkle Strasse. Ich durfte nicht zulassen, dass jemand uns hören konnte, besonders nicht andere Magier, die vielleicht auf das Haus auspassten.

„Niemand hört uns zu", erklärte Harry nach einer Weile. „Die Dursleys schlafen längst und wenn du leise genug bist, werden sie auch nicht aufwachen. Und die Leute aus dem Orden haben dafür gesorgt, dass dieses Haus nicht auf magischem Wege ausspioniert werden kann.", sagte Harry ungeduldig.

„Die Dursleys?", fragte ich verwirrt. Wer zum Teufel waren die Dursleys? Ich habe noch nie von ihnen gehört.

„Meine Verwandten. Sie sind Muggel!", erklärte Harry. Richtig. Seine Verwandten. Muggel?

„Muggel? Tatsächlich?", fragte ich erstaunt. Was für eine Gelegenheit zu erfahren, wie die Muggel wirklich gelebt haben. Ich fühlte, wie der Forscher in mir erwachte und rief mich wieder zur Ordnung.

„Aber wie dem auch sei!", fuhr ich wieder fort. Ich versuchte wieder sachlicher zu werden. Wir mussten alles, so schnell, wie es ging besprechen.

„Frag mich was du willst und wenn du alles weißt, dann werde ich dich um etwas bitten. Wie du siehst lege ich alle Karten auf den Tisch. Und wenn du willst, werde ich Veritaserum einnehmen oder mich mit einem Wahrheitsfluch belegen, damit du sicher sein kannst, dass ich die Wahrheit sage." Es war mir ernst, ich war bereit darauf einzugehen, auch wenn ich wusste, dass beides - das Serum und besonders der Zauber – sehr schmerzhaft waren.

„Nein! Ich glaube, es wird nicht nötig sein!", antwortete Harry, er schien sich ein wenig unwohl zu fühlen, wahrscheinlich war es ihm fremd jemanden auf diese Weise zur Wahrheit zu zwingen. Plötzlich dämmerte mir etwas. Wie dumm von mir! Es gab etwas, was Harry lieber nicht wissen sollte, wenn ich der Geschichte nicht noch mehr Schaden zufügen wollte.

„Nur eins darfst du nicht fragen, die Sachen, die deine persönliche Zukunft angehen. Ich kann dir nicht alles sagen, was dich angeht." Harry nickte.

„Ich weiß, Hermine hatte es mir vor ein paar Jahren erklärt!" Die Hermine war anscheinend ein heller Kopf, dachte ich. Obwohl warum war? Sie ist ein heller Kopf.

Die Erklärungen nahmen einige Stunden in Anspruch. Ich erzählte Harry von meiner Zeit, davon, wie die Menschen dort lebten, wie die Muggel verfolgt und vernichtet wurden, wie Voldemort mit jedem Jahr immer und immer mächtiger wurde, wie im Untergrund gegen ihn gekämpft wurde.

Harry war still, er stellte kaum Fragen und schien jedoch die Bilder vor sich zu sehen. Mir war durchaus bewusst, dass dieser Junge bereit sehr viel erlebt hatte. Wenn ich den Aufzeichnungen glauben dürfte, hatte er vor kurzer Zeit seinen Patenonkel verloren. Ich hasste mich dafür, eine weitere Bürde auf diese Schulter aufzuladen, aber es gab keinen anderen Ausweg. Plötzlich wurde Harry ganz aufgeregt.

„DIE MALFOYS?", unterbrach Harry meine Erzählung. „Bist du sicher?", Ich sah ihn fragend an. Warum war denn so aufgebracht? Warum schien die Tatsache, dass Malfoys dem Untergrund angehörten, so unglaublich?

„Ja! Ich bin mir ganz sicher", meinte ich ruhig und mit leichte Spur Belustigung „Rigo und Tonia sind meine besten Freunde und ich bin Lias Taufpatte!" Die kleine Lia kam nur wenige Tage vor meiner Abreise zur Welt. Sie versprach eine Schönheit zu werden und entgegen aller Erwartungen eine dunkelhaarige Schönheit.

„Es gab zwar Zeiten, in denen diese Familie für den Dunklen Lord kämpfte, aber sie sind seit langer Zeit die aktivsten Kämpfer gegen Voldemort", erklärte ich weiter. Sie hingen diese Tatsache nie an die große Glocke. Traten nie offen gegen den Lord auf, aber es änderte nichts an der Tatsache, dass sie immer auf der „richtigen" Seite standen.

„Aber seit wann?", Harry konnte es nicht begreifen, was mich etwas belustigte. Er war völlig fassungslos. Ich kramte in meinen Erinnerungen nach Rigos Erzählungen über seine Familiengeschichte.

„So weit ich weiß, war es Draco Malfoy, der Sohn von Lucius und Narzissa Malfoy, der sich als erster gegen den Lord stellte. Genaueres ist nicht bekannt", gab ich mein theoretisches Wissen preis. Ich zog das einzige Tagebuch, das ich mitgenommen hatte aus der Tasche. Wie gut, dass ich daran gedacht hatte!

„In diesem Buch gibt es eine Stelle, die so was erwähnt." Ich drückte das Buch in Harry Hand. Ungeduldig blätterte er hin und her. Dann reichte er es mir zurück.

„Zeig es!", bat der Junge mit unruhiger Stimme. Ich hatte dieses Buch auswendig gelernt und wusste genau wo ich suchen musste. Ich öffnete das Buch an der richtigen Stelle und reichte Harry das Buch. Er griff danach und begann sofort zu lesen. Ich wusste, dass es gefährlich war, Harry zu sehr in seine nähere Zukunft einzuweihen, vielleicht sogar in die Zeit, die schon all zu bald zu seiner Gegenwart wird. Aber welche Wahl hatte ich schon? Wir redeten die ganze Nacht. Ich erzählte alles, was ich von dem Aufstieg des Großen Lords wusste. Harry hörte schweigend zu, er war in seine eigenen Gedanken versunken. Er stellte nur ab und zu Fragen, wenn etwas ihn zu sehr erstaunte. Meiner Meinung nach nahm Harry die ganze Geschichte ganz gefasst auf. Wahrscheinlich, weil er gewohnt war sich Dingen zu stellen, die außergewöhnlich waren.