DISCLAIMER: Nicht meines! Es ist alles von J. K. Rowling.

WARNING: Diese Geschichte spielt in der Zukunft und beinhaltet HBP Spoilers! Seid gewarnt!

ORIGINAL BETA: SnarkyRoxy – vielen Dank!

GERMAN TRANSLATION: primax

GERMAN BETA: Haley

A/N: Das 11. Kapitel! Es ist Halloween und ein Duell steht auf dem Programm; und natürlich gibt es noch mehr Nachsitzen, was sonst. Wer wird gewinnen?


Kapitel 11: Kämpfe

Nathan war noch immer traurig, als der nächste Morgen anbrach. Es hatte ihn tief verletzt, wie Professor Snape die Tatsache ausgenutzt hatte, dass er nicht wusste, wer sein Vater war. Er hatte Snape wegen seiner Mutter vertraut. All die Dinge, die sie über den Zaubertrankmeister gesagt hatte, waren für ihn genug gewesen; er hatte Snape vertraut, nur damit dieser sein Vertrauen ausnutzte. Ja, er war wirklich enttäuscht von Professor Snape. Und er war auch auf sich selbst böse, weil er alle Vorsicht außer acht gelassen hatte.

Diese Gefühle hatte er, als er das Klassenzimmer für Zaubertränke zu noch einem weiteren Nachsitzen betrat. Den Mann am Tisch grüßte er nicht, wie er es sonst gewöhnlich tat. Er ging auch nicht quer durch den Raum, um mit ihm zu sprechen. Er ging einfach zu dem Arbeitsplatz im hinteren Teil des Raumes und entschloss sich, darauf zu warten, dass Professor Snape den ersten Schritt machen würde. Soweit kam es jedoch nie, denn auf der Arbeitsplatte lag ein Pergament mit Anweisungen für die Aufgabe des heutigen Abends.

Eine Stunde war vergangen, als er weitere hundert Zeilen seiner Strafarbeit geschrieben hatte. Nathan hatte kein Wort mehr gesprochen, seitdem er den Raum betreten hatte, und auch Professor Snape nicht. Er rollte das Pergament zusammen, ließ es am Tisch, an dem er gearbeitet hatte, zurück, stand von seinem Stuhl auf und packte seine Sachen zusammen. Ohne den Professor anzusehen, der lesend an seinem Pult saß, verließ Nathan den Kerker.

Dasselbe geschah auch am nächsten Tag. Er betrat das Klassenzimmer, setzte sich in die letzte Bank und fand dort ein Pergament mit der Anweisung vor, noch mehr Strafzeilen zu schreiben. Nathan las seine Aufgabe und verdrehte die Augen, doch ansonsten ließ er sich seine Verachtung nicht anmerken. Er erledigte seine Arbeit und verließ die Kerker, nachdem er mehr als eine Stunde in Gesellschaft des Zaubertrankmeisters, der Arbeiten korrigierte, verbracht hatte, ohne dass einer von ihnen etwas gesagt hatte.

Snape blickte von den Aufsätzen der sechsten Klasse auf, sobald er hörte, dass sich die Türe geschlossen hatte und seufzte erleichtert. Ein weiteres Nachsitzen war in absoluter Stille vorübergegangen, kein einziges Wort zwischen Nathan und ihm selbst gewechselt worden. Er stand von seinem Platz auf, ging zum Arbeitstisch, den der Junge gerade verlassen hatte, und nahm sich das Pergament. Er öffnete die Pergamentrolle und überprüfte ihren Inhalt; es war wieder nur eine Wiederholung der Zeile, die er aufgegeben hatte. Was habe ich erwartet? Mehr Nachrichten am Ende des Papiers? Er schnaubte über diesen Gedanken. Der Junge wusste es besser.

Snape nahm die Pergamentrolle wieder mit zu seinem Tisch zurück und fuhr mit dem Korrigieren fort. Zumindest versuchte er es. Seit der Auseinandersetzung mit Nathan hatte er über den Vorfall nachgedacht. Zuerst war er froh darüber gewesen, dass er dem Jungen gezeigt hatte, wo es lang geht, dass er nicht der nette, ehrenhafte Mann war, wie sie von ihm behaupteten. Aber jetzt, nach zwei wortlosen Abenden, fragte er sich, was der Junge dachte. Er erinnerte sich an Nathans verletzten Gesichtsausdruck und den Vorwurf, seine Schwachstelle gegen ihn auszunutzen, und dies störte Snape. In dem Moment, in dem er von dem Jungen verlangt hatte, ihm den Namen seines Vaters zu nennen, hatte er angenommen, dass der Junge sein Wissen und sein betrügerisches Spiel, zugeben würde. Aber da lag er falsch. Nathan wusste überhaupt nichts und war verletzt worden. Durch ihn.

Snape ließ die Feder sinken und hob seine Hand, um damit seinen Nasenrücken zu massieren. Er wollte sich nicht damit herumplagen, was der Junge von ihm dachte. Er wollte gar nicht an den Jungen denken. Er kämpfte dagegen an, aber wusste, dass er verlor, und es gefiel ihm ganz und gar nicht.

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Der nächste Tag war ein Freitag, der Tag des Halloween-Festes. Nathan wurde durch das Treiben rund um ihn herum aus seiner melancholischen Stimmung gerissen. Er war fest entschlossen, Snape zu vergessen und viel Spaß mit seinen Freunden zu haben. Schließlich war doch Halloween!

Es war kurz nach dem Lunch und die Erstklässler hatten am Freitag Nachmittag keinen Unterricht mehr. Als Nathan und die Anderen nach dem Essen in der Großen Halle zurück kamen, herrschte im Gemeinschaftsraum der Gryffindors reges Treiben. Seine Freunde fanden einen freien Tisch und begannen ein Spiel Exploding Snap zu spielen, und sogar Nathan, der auf Grund seiner Hausaufgaben und natürlich auch des Nachsitzens kaum Zeit hatte zu spielen, machte dieses Mal mit. Sie waren gerade mitten im Spiel, als ein Junge in den Gemeinschaftsraum kam, keuchend, als wäre er gerade einen Marathon gelaufen.

„Es geht los!", rief er, und nachdem er ein paar Atemzüge genommen hatte, fügte er hinzu: „Sie sind draußen, beim Quidditchfeld."

Eine Welle der Aufregung ging durch den Raum und plötzlich beeilte sich jeder hinaus zu kommen. Die Erstklässer sahen sich gegenseitig verwundert an.

„Kommt ihr nicht?", fragte ein Drittklässler.

„Wohin geht ihr?", war Kevins Gegenfrage.

„Zum Quidditchfeld. Hast du es nicht gehört? Das Duell beginnt!", sagte der Drittklässler, als wäre dies die normalste Reaktion auf das, was gerade geschah.

„Ein Duell?", fragte Andy mit weit aufgerissenen Augen.

„Yeah! Kommt, oder wir verpassen es!", antwortete der Junge und lief auf den Ausgang zu.

Andy war sogleich auf den Beinen und Kevin machte es im nach; nur Nathan war noch immer verwirrt. „Moment mal, wer duelliert sich?", fragte er.

„Ich weiß es nicht, aber wenn unten ein echtes Duell stattfindet, will ich es nicht verpassen!", sagte Andy, der bereits beim Portrait der fetten Dame war.

Nathans Neugierde ließ ihn nicht zurückbleiben. Er stand auf und folgte den anderen Gryffindors aus dem Schloss, auf die Anlagen. Er holte seine Freunde bei den richtungsändernden Treppen ein, und es sah so aus, als würde die ganze Schule auf dem Weg zum selben Ort sein.

Als er das Quidditchfeld erreichte, war bereits eine große Anzahl Schüler dort, die meisten davon aus Slytherin. Sie jubelten, während die Gryffindors besorgt aussahen. Das war nicht sehr beruhigend, aber es war nichts im Vergleich zu der Szene, die Nathan schließlich vorfand, als er sich seinen Weg durch die Menschenmenge gebahnt hatte. Professor Snape und Harry Potter zielten mit ihren Zauberstäben aufeinander. Nathan erblasste vor Schreck.

Ein helles blaues Licht kam aus Harrys Zauberstab, wurde aber durch eine unsichtbare Barriere abgeblockt, bevor es sein Ziel erreichen konnte. Snapes Zauberstab bewegte sich in erstaunlichem Tempo und ein roter Strahl schoss aus seiner Spitze und ging auf Harry los, welcher seinen eigenen Zauberstab hob und „Protego!" rief. Das rote Licht verschwand mit einem lauten Knall.

Beide Zauberer waren zu sehr damit beschäftigt ihren Gegner zu beobachten, als dass sie Nathan in der Nähe hätten stehen sehen können, der mit jedem weiteren Fluch mehr verzweifelte. „Jemand muss das beenden!", sagte er und blickte sich um. Es schien sich jedoch niemand darum zu kümmern. „Warum tut denn niemand etwas?", fragte er die anderen Schüler erschüttert.

„Da kann man nichts machen. Das machen sie jedes Jahr", antwortete ihm ein älteres Mädchen.

Nathan keuchte entsetzt, „Jedes Jahr?", aber dieses Mal bekam er keine Antwort. Alle Augen waren auf die sich duellierenden Zauber gerichtet.

Ein weiterer Blitz aus hellem Licht wurde vor Nathans Augen sichtbar und brachte auch seine Aufmerksamkeit wieder auf das Duell.

Stupefy!", hörte er Harry rufen. Mit einem Schwenk seines Zauberstabes, wehrte Snape den lähmenden Fluch ab. Harry hob erneut seinen Zauberstab und sagte, „Inanimatus Conjurus!", und vor ihm erschienen aus dem Nichts einige Steine. Sobald sie alle erstellt waren, rief er, „Oppugno!", und die Steine schossen auf Snape zu. Der hatte dies jedoch offensichtlich erwartet und mit einem einzigen Schwenk seines Zauberstabs und einem gelangweilt aussehenden Gesichtsausdruck, ließ er die Steine verschwinden, bevor sie ihn erreichten.

„Sind Sie fertig mit diesen kindischen Flüchen?", sagte Snape mit einem anzüglichen Grinsen.

Harrys einzige Reaktionen waren ein finsterer Blick und ein weiterer Fluch, welchen Snape, noch immer grinsend, wieder mit Leichtigkeit abblockte.

Snape wartete nicht auf einen weiteren Angriff, sondern hob seinen Zauberstab und sagte, „Serpensortia!".

Die Schlange glitt langsam in Harrys Richtung, der eher verärgert als besorgt zu sein schien, obwohl Snape noch immer spöttisch grinste. „Wenn Sie mit diesen Erstklässlerflüchen herumspielen wollen, kann ich mich Ihnen genauso gut anschließen", höhnte Snape.

Nathan schien besorgt, aber Harry zischte der heraufbeschworenen Schlange nur kurz zu, wahrscheinlich um sie dazu aufzufordern, dass sie zu Snape zurückging. Der wiederum ließ das Tier mit einem weiteren Schwenk seines Zauberstabs explodieren. Die ganze Schule schien jetzt zuzusehen, um die beiden sich duellierenden Zauberer hatte sich ein großer Kreis von Leuten gebildet, und noch mehr waren auf den Tribünen. Nathan konnte sogar einige seiner Lehrer sehen, doch auch sie schienen nicht gerade scharf darauf zu sein, dem Kampf ein Ende zu setzen, und das bereitete Nathan noch mehr Unbehagen.

Einige Flüche mehr flogen und es wurde noch schlimmer. Es sah so aus, als würden sie immer mehr Probleme haben, die Attacken des Gegners abzuwehren, ganz besonders Harry. Darüber waren vor allem die Slytherins erfreut. Nathan konnte die Genugtuung in ihren Gesichtern sehen und Malfoy sah aus, als hätte er die beste Zeit seines Lebens.

Die Explosionsgeräusche und die Intensität der Lichter nahmen zu. Es schien, als hätte Harry einen Fluch durch Snapes Abwehr bekommen, aber es war nicht genug, um den älteren Zauberer aus dem Duell zu bringen. Snapes Gesichtsausdruck schien entschlossener denn je. Seine Augen waren starr auf Harrys gerichtet, als er seinen Zauberstab hob, ohne dabei ein Wort über seine Lippen zu lassen. Ein Lichtstrahl kam aus der Spitze seines Zauberstabs und war auf Harry gerichtet, der selbstbewusst aussah, bis die Bewegung, die er mit seinem Zauberstab machte, fehlschlug und das herannahende Licht nicht aufhielt. Nathan konnte den Ausdruck des Erstaunens in Harrys Gesicht sehen, und für einen Schlag setzte sein Herz aus. Aus dem Nichts erschienen Seile, die Harrys Körper umschlungen und ihn mit Gewalt festhielten. Er fiel gefesselt zu Boden.

Nathan riss entsetzt seine Augen weit auf und blickte dann auf den spöttisch aussehenden Professor Snape, der auf Harry zuschritt. Die Slytherins applaudierten, die Gryffindors und die anderen Schüler schauten enttäuscht, aber niemand schien über Harrys Situation am Boden besorgt. Nathan lief auf seinen Patenonkel zu und hörte Professor Snape sagen: „Sie haben es immer noch nicht verstanden, Potter."

„Der letzte war raffiniert", gab Harry zu. „Ein modifizierter Incarcerus, der aussah wie ein Levicorpus, als er ausgesprochen wurde, sehr Slytherin."

Snape zog auf diese Aussage hin, eine Augenbraue hoch. „Vielleicht lernen sie ja doch etwas dabei", sagte er und fügte mit einem weiteren spöttischen Grinsen hinzu, „aber es ist scheinbar immer noch nicht genug."

Harry kniff die Augen zusammen und begann die Seile zu bekämpfen, die ihn fesselten. Als Nathan dies sah, sagte er in befehlendem Ton: „Befreien Sie Onkel Harry."

Plötzlich bemerkten die beiden älteren Zauberer Nathan, der nun neben ihnen stand. Harry sprach zuerst. „Halt dich da raus, Nathan."

Aber es kümmerte ihn nicht, was Harry sagte. Er starrte Snape gebieterisch an und wartete, dass dieser ihm gehorchte. Snape starrte zurück, anfangs überrascht und verärgert, aber dann schien er... amüsiert darüber zu sein. Er sagte jedoch nichts.

Harry schien besorgt zu sein. "Lassen Sie ihn in Ruhe, Snape", sagte er.

Dies entging Snapes Aufmerksamkeit nicht. Er blickte auf Harry und fragte: „Oder was?"

Offenbar zufrieden mit Harrys ausbleibender Antwort, ging Snape an Nathan vorbei davon, so als wäre Nathan gar nicht da.

Nathan schien nicht im Geringsten besorgt darüber zu sein, was Professor Snape ihm antun könnte. „Ich sagte, Sie sollen meinen Patenonkel befreien", rief er Snape nach.

Dies ließ Snape in seiner Bewegung innehalten. Für einen Moment blieb er still stehen, ohne seinen Blick auf Nathan zu richten, dann zückte er ohne ein Wort seinen Zauberstab und mit einer Bewegung waren die Seile verschwunden, die Harry gefesselt hatten. Ohne noch einmal zurückzublicken, schritt Snape schnell über die Hogwartsgründe und hinunter in seine Kerker.

Kaum dass Harry befreit war, war er auch schon wieder auf den Beinen und rieb sich seinen linken Arm. Nathan wandte sich ihm zu. „Geht es dir gut, Onkel Harry?"

„Es geht mir gut, es geht mir gut", antworte Harry, deutlich verärgert. „Ich erinnere mich, dass ich dich gebeten hatte, dich da raus zu halten."

„Ja, das hast du", stimmte Nathan zu. „Aber du bist auch am Boden gelegen und konntest dich nicht rühren", fügte er achselzuckend hinzu.

„So sehr ich deine Sorge um mich schätze, Nathan, ich möchte nicht, dass Snape einen Grund hat, gemein zu dir zu sein, und ich brauche dich nun wirklich nicht auch noch zwischen uns", sagte Harry mit sehr ernster Stimme.

„Warum habt ihr euch duelliert?", fragte Nathan.

„Wir duellieren uns jedes Jahr", antwortete Harry vage.

„Das habe ich gehört, aber warum?" Nathan gab sich mit der Antwort nicht zufrieden.

„Es hat etwas mit dem Krieg zu tun, Nathan. Das ist etwas, worüber du dich nicht sorgen solltest", sagte Harry.

Nathan schüttelte den Kopf. „Eines Tages wird mir jemand sagen müssen, was wirklich während des Kriegs passiert ist. So oft du auch sagst, dass es nichts mit mir zu tun hat, es ist, als ob ich irgendwie dazugehöre, und ich bin der Einzige, der nicht versteht, warum", protestierte er. Manchmal fühlte er sich sehr ausgeschlossen.

Sie gingen gemeinsam über den Weg zum Schloss zurück. Einige Schüler verweilten noch immer draußen, aber die Mehrheit von ihnen war bereits wieder drinnen. Ein Gryffindor, wahrscheinlich ein Sechstklässler, kam ihnen entgegen. „Nächstes Jahr werden Sie ihn schlagen, Mr. Potter."

„Ja, natürlich", antwortete Harry gleichgültig.

Andere Schüler machten ähnliche Bemerkungen, und Harry antworte ihnen fast immer das Gleiche. McGonagall kam ihnen entgegen. „Wann hört das endlich auf?", fragte sie, sichtlich verärgert. Harry ignorierte sie und dann fügte sie hinzu: „Jedes Jahr wird es gefährlicher. Sie sollten es besser wissen, Mr. Potter."

„Sie wissen, es wäre noch schlimmer, wenn wir es nicht besser wüssten und uns wirklich gegenseitig verletzen würden", antwortete Harry. „Und ich werde ihn nächstes Jahr schlagen. Wenn ich gewinne, dann lernt er vielleicht endlich sich zu benehmen und hört auf so ein Mistkerl zu sein."

„Mr. Potter!", schalt McGonagall.

Nathan sah überrascht aus, doch nicht wegen des Schimpfworts, sondern weil er erfahren hatte, dass Harry noch nie zuvor gewonnen hatte. „Du sagst, du hast Professor Snape noch nie in einem Duell besiegt?"

Harry antwortete nicht gleich darauf. Die Situation schien ihm ein wenig unangenehm zu sein, er schien sogar etwas beschämt. „Ich werde nächstes Jahr gewinnen", sagte er fest entschlossen.

Die Schuldirektorin verengte ihren Blick.

Nathan starrte mit offenem Mund. Er wusste es, aber zu erfahren, dass sein Patenonkel, dem nachgesagt wurde, dass er der größte Zauberer seiner Zeit war, die Duelle gegen Professor Snape seit Jahren verloren hatte, war zu viel für ihn. Er konnte es nicht verhindern, dass seine Bewunderung für den Zaubertrankmeister noch weiter anwuchs, und das trotz der Gedanken über dessen zwielichtigen Charakter. Er musste zugeben, dass Professor Snape wirklich ein großer Zauberer war.

Sie erreichten die Eingangshalle. Professor McGonagall und Harry gingen in ihr Büro. Nathan fand seine Freunde und gemeinsam gingen sie in den Aufenthaltsraum zurück. Es war noch immer ein bisschen Zeit, bevor das Halloweenfest beginnen sollte.

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Severus Snape war zurück in seinem Büro, nachdem er ein weiteres Duell gegen Harry Potter gewonnen hatte. Normalerweise reichte dies, um ihn für den Rest der Woche in gute Stimmung zu versetzen, nicht so jedoch in diesem Jahr. Dieses Jahr war Granger da, der jeden Moment, der sonst fantastisch wäre, zu etwas schrecklichem machte. Besonders in diesem Fall war Granger für seinen Unmut verantwortlich. Ein Wort konnte er nicht aus seinen Gedanken löschen: Patenonkel.

„Harry verdammter Potter", murmelte er. „Es hätte jede andere Person sein können, aber nein. Es musste natürlich Potter sein!" Er konnte nicht mehr still stehen, und das obwohl sein Körper nach der Anstrengung des Duells Ruhe benötigte. Er begann im Raum auf und ab zu gehen. Der Patenonkel seines Sohnes war Harry Potter.

Er versuchte sich zu beruhigen. Er brauchte sich doch gar nicht darum zu scheren, oder? Er hatte gar nichts mit dem Jungen zu tun. Wenn sein Patenonkel Harry Potter oder Neville Longbottom sein sollte, so ist mir das völlig egal, zwang er sich zu denken, aber es gelang ihm nicht, es auch wirklich zu meinen. Es machte ihm etwas aus und es fraß ihn auf.

Sein Geist war es so gewohnt, die unterschiedlichsten Seiten einer Situation zu analysieren, dass er nicht umhin kam sich Gedanken zu machen. Wenn Harry Potter Nathans Patenonkel war, und er – Severus Snape – der Vater des Jungen, seine vorgesehene Rolle nicht ausfüllte, so bedeutete das, dass Potter seinen Platz in Nathans Leben eingenommen hatte, den Platz, der ihm rechtlich zustand. Es war egal, dass er eigentlich nicht der Vater des Jungen sein wollte; es ging nur darum, dass Potter derjenige war, der ihn ersetzte. Das war einfach nicht möglich!

Er ging noch etwas länger auf und ab, dann seufzte er kurz. Er musste sich selbst beruhigen. Potter war schon seit mehr als elf Jahren der Patenonkel seines Sohnes. Das würde auch in einigen Stunden nicht anders sein. Er zwang sich, sich hinzusetzen. Warum kümmert mich das Ganze überhaupt, grübelte er und versuchte sich wieder davon zu überzeugen, dass es ihn eigentlich gar nicht kümmerte, scheiterte jedoch. Er knurrte verärgert.

Hermine Granger wusste, dass ich das niemals akzeptiert hätte, dachte er. Warum hatte sie es getan? Wie immer, wenn er dieser Tage an Hermine dachte, hatten sich seine Hände zu Fäusten geballt. „Sie hat Glück, wenn sie das nächste Mal, dass ich sie treffe, überlebt", presste er zwischen seinen Zähnen hervor. Er schloss seine Augen und versuchte sich unter Kontrolle zu bringen. Wie viele weitere Überraschungen hält sie für mich bereit, fragte er sich.

Er wollte aufhören, darüber nachzudenken. Er öffnete ein Buch und las ein und denselben Absatz drei Mal, dann schloss er es verärgert wieder. Er griff nach einem Stapel von Pergamentpapier, das auf der linken Seite seines Tisches lag – es waren Aufsätze. Er begann sie zu korrigieren und dies schien seine Gedanken für eine Weile abzulenken.

Eine Stunde war vorüber, und er hatte beinahe alle Arbeiten des Stapels korrigiert, als er jemanden an seiner Türe hörte. Er atmete einmal tief ein und sagte, „Herein!"

Harry Potter betrat sein Büro. Genau der Mann, den ich unbedingt treffen wollte, dachte er sarkastisch. Er wollte ihn gerade wieder hinauswerfen, doch Potter war schneller, als er.

„Bevor Sie beginnen, mich darüber zu belehren, dass ich nichts weiß und um wie viel Sie besser sind als ich, sollten sie wissen, dass ich nicht hier bin, über mich oder das Duell zu sprechen. Ich bin hier um über Nathan zu reden", sagte Harry und setzte sich, ganz ohne Einladung, auf einen Stuhl gegenüber von Snape. Dann warf er dem anderen Mann einen Blick zu, der Snape dazu herauszufordern schien, zu widersprechen.

Snape lehnte sich in seinem Stuhl zurück und überkreuzte seine Arme vor der Brust. Im Innern fragte er sich, wie viel schlimmer sein Abend überhaupt noch werden konnte. Laut sagte er nur: „Fassen Sie sich kurz, ich bin ein beschäftigter Mann, Potter."

Harry schnaubte kurz. „Okay, dann kommen wir gleich zum Wesentlichen. Lassen Sie Nathan zufrieden!", sagte er unverblümt.

Snape sah Potter einen Augenblick in Ruhe an. Er versuchte den Zwang zu unterdrücken, ihm zu sagen, dass er kein Recht dazu hatte, das vom Vater des Jungen zu verlangen. „Ich glaube nicht, dass ich verstanden habe, was sie meinen, Potter", sagte er stattdessen und wünschte sich, dass der Patenonkel seines Sohnes ihm einen rechtmäßigen Grund geben würde, ihn zu verfluchen.

„Ich meine genau, was ich gesagt habe, Snape. Geben Sie ihm kein Nachsitzen für nichts und wieder nichts, ziehen Sie ihm keine Punkte ab, weil er zur falschen Zeit geatmet hat, und geben Sie ihm auch keine schlechteren Noten als den Slytherins, welche schlechter arbeiten, nur weil er Hermines Sohn und mein Patensohn ist", sagte Harry. „Lassen sie ihn in Frieden!"

Snape verengte verärgert seinen Blick. „Wollen Sie andeuten, dass ich unfair ihm gegenüber bin, weil er ihr Patensohn ist?", sagte er.

„Ja, das ist genau das, was ich sage", bestätigte Harry.

„Ich habe bis heute Nachmittag noch nicht einmal gewusst, dass er Ihr verdammter Patensohn ist, und wenn er Nachsitzen hatte oder ich Punkte von den glorreichen Gryffindors abgezogen habe, dann deshalb, weil er genauso leichtsinnig und mutwillig ist, wie sie es waren", sagte Snape und lehnte sich vor, um über den Tisch in Potters grüne Augen zu starren. „Versuchen Sie nicht, mir zu sagen, wie ich meine Schüler zu behandeln habe, Potter!"

„Gut, aber ich habe Sie gewarnt", sagte Harry abschätzig und stand von dem Stuhl auf, auf dem er gesessen hatte. „Wenn ich mit Ihnen noch einmal über diese Angelegenheit sprechen muss, wird Ihnen das nicht gefallen. Versuchen Sie nicht zu vergessen, dass Nathan jemanden hat, der sich um ihn kümmert, und es nicht so ist, wie bei mir früher", sagte er und verließ den Raum.

Snape knurrte verärgert. Wie kann er es wagen, dachte er. Er atmete einmal tief ein und verließ sein Büro, um mit Riesenschritten sein Quartier aufzusuchen. Er musste noch immer das verdammte Halloweenfest besuchen, und er hatte auch noch ein weiteres Nachsitzen mit seiner kleinen Nemesis, bevor der Tag für ihn vorüber war.

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Nathan betrat gemeinsam mit seinen Freunden die Große Halle und war erstaunt, was er alles sah. Die Schulleiterin McGonagall setzte die Tradition Dumbledores weiter fort und hatte den Raum mit lebenden Fledermäusen, Kerzen und geschnitzten Kürbissen dekoriert. Es sah wirklich fantastisch aus.

Fast alle Lehrer waren bereits an ihrem Tisch und auch Professor Snape war unter ihnen. Harry hatte Hogwarts noch vor dem Fest verlassen; das wusste Nathan, weil sein Patenonkel zu ihm in den Aufenthaltsraum gekommen war, um sich zu verabschieden, und damit für einige Aufregung gesorgt hatte. Es sah so aus, als hätte Harrys Niederlage im Duell nichts an seinem Heldenimage geändert.

Er blickte hinüber zu den Slytherins. Ihre Laune schien sich nach dem Duell verbessert zu haben. Sie waren lebhafter als sonst, und von Zeit zu Zeit schauten sie in Richtung von Professor Snape und gaben Kommentare über irgendetwas ab.

Nathan setzte sich gegenüber von Kevin an den Tisch und Andy nahm zu seiner Linken Platz. Sie allen waren sehr ausgelassen wegen des Festes.

„Es ist großartig, oder?", fragte Kevin, der sich voller Verwunderung die verzauberte Decke mit all den Fledermäusen ansah.

„Ja, das ist es", stimmte ihm Nathan zu. „Obwohl ich schon davon gehört habe, habe ich mir nicht vorstellen können, dass es so aussehen würde."

„Schaut euch die Größe dieses Kürbisses an!", sagte Andy und zeigte auf einen wirklich riesigen Kürbis.

„Der ist wirklich groß", bestätigte Kevin.

Als das Essen serviert wurde, richtete sich ihre Aufmerksamkeit auf ihren Tisch. Sie aßen von allem ein bisschen etwas und tranken eine Menge Kürbissaft. Als sie auf den Pudding warteten, sah Nathan, dass Kevin seinen Blick verengte und etwas hinter ihm beobachtete. Er drehte sich um und sah Devon Malfoys grinsendes Gesicht. Entnervt rollte er mit seinen Augen und sagte: „Warum überrascht mich das nicht?"

„Nettes Duell heute Abend, nicht wahr, Granger?", fragte Malfoy.

„Ja, das war es", war seine Antwort.

Dies schien Malfoy ein wenig aus der Bahn zu werfen. Er erholte sich jedoch schnell. „Ich wusste schon immer, dass dein werter Patenonkel nicht all das ist, war er vorgibt", sagte er.

„Ich kann mich nicht erinnern, dass er vorgibt irgendetwas zu sein. Aber du kennst ihn ja nicht einmal", sagte Nathan gelassen.

„Dafür kenne ich Professor Snape, und der kann Harry Potter mit geschlossenen Augen schlagen, wann immer er es möchte", sagte Malfoy dann, der es offensichtlich nicht gewohnt war eine Auseinandersetzung zu verlieren.

Bevor Nathan ihm eine Antwort geben konnte, unterbrach das Objekt ihrer Diskussion – Professor Snape – die beiden Schüler.

„Ich danke Ihnen, Mr. Malfoy. Gehen Sie jetzt zurück auf Ihren Platz", sagte Snape, dann sah er Nathan an und sagte: „Mr. Granger, wir haben nach dem Essen noch Nachsitzen, egal ob mit oder ohne Halloween."

Nathan verließ die Große Halle direkt nach dem Dessert und ging in die Kerker. Er betrat das Klassenzimmer, wie er es die letzten beiden Male beim Nachsitzen gemacht hatte und ging direkt zum hinterst gelegenen Arbeitsplatz im Raum. Da war es – ein Pergament mit Anweisungen. Er nahm das Stück Papier und las es. „Weitere Strafsätze?", jammerte er leise.

„Was haben sie gesagt, Mr. Granger?", fragte Snape und erwartete eigentlich keine Antwort von dem Jungen.

Nathan hatte dieses langweilige Nachsitzen Leid und so wiederholte er frech, „Noch mehr Strafsätze, Sir?"

Snape legte seine Feder nieder, schlug seine Hände vor sich zusammen und legte sie auf die Tischplatte. „Wollen sie sich beschweren, Mr. Granger?", fragte er mit hochgezogener Augenbraue und wollte ihn damit zu einem Ja verleiten.

„Nun, ja, Sir. Ich dachte, wir könnten diese Zeit für etwas Produktiveres verwenden, als weitere Strafsätze zu schreiben." Das war es, er hatte es wirklich gesagt.

„Ich habe ein paar wirklich schmutzige Kessel hier stehen, wenn sie die lieber reinigen wollen?", fragte Snape mit einem zynischen Lächeln.

„Ja, das würde ich in der Tat, Sir", antworte Nathan einfach.

Wenn Snape darüber überrascht war, so ließ er es sich nichts anmerken. Er holte seinen Zauberstab hervor, schwenkte ihn und sagte: „Accio Kessel." Zwei ziemlich verdreckte Kessel schwebten von einem Regal herab und landeten auf der Arbeitsbank vor Snapes Schreibtisch. „Bitteschön, Mr. Granger", sagte er und grinste spöttisch.

Nathan sagte kein Wort, er ging nur zu den Kesseln und begann sie zu schrubben. Von Zeit zu Zeit beobachtete Snape den Jungen mit Verwunderung. Der Junge hatte das Talent ihn zu beeindrucken, das musste er zugeben.

Snape hatte die Nase gestrichen voll davon, gegen seine Neugierde anzukämpfen, und war es leid so zu tun als korrigiere er Aufsätze. Er stand auf, ging zur Vorderseite seines Tisches, lehnte sich dort mit verschränkten Armen an und sah Nathan an.

Von der plötzlichen Bewegung aufgeschreckt, blickte der Junge auf. Für einen Moment hörte er auf zu schrubben, aber als Professor Snape nichts sagte, fuhr er mit seiner Aufgabe fort.

Einige Minuten später brach Professor Snape jedoch die Stille. „Sagen sie mir, Mr. Granger, warum sind Sie mir heute auf dem Quidditchfeld entgegengetreten?"

Nathan hörte zu schrubben auf, sah aber nicht hoch. „Ich wolle Sie nicht konfrontieren, Sir. Ich wollte nur, dass Sie meinen Patenonkel befreien."

„Ich verstehe", sagte Snape und verließ seine angelehnte Position, um vor dem Tisch auf und ab zu gehen. „So, der große Harry Potter ist also Ihr Patenonkel. Ich bin mir sicher, dass das einige Dinge leichter für Sie machen sollte."

„Ich bin in der Welt der Muggel aufgewachsen, Sir. Es machte damals keinen Unterschied und jetzt hat sich nichts geändert", sagte Nathan und sah jetzt auf Snape.

Snape starrte den Jungen für einen Moment an. „Ich bin mir sicher, dass sich die Dinge geändert haben. Sie müssen im Gryffindor Turm für ihre Verbindung zu Helden wie ihm einiges Ansehen genießen", drängte er.

Nathan wusste nicht, worauf Professor Snape dieses Gespräch zielen ließ. „Leute kannten mich, bevor ich sie gekannt habe, aber das ist schon alles. Ich weiß nicht, wie das alles etwas ändern sollte", sagte er und zuckte verwundert mit den Schultern, bevor er wieder mit dem Schrubben des Kessels weitermachte.

Snape näherte sich dem Jungen. „Sie müssen ihn wirklich gern haben, wenn sie mir gegenüber so respektlos sind."

Nathan unterbrach seine Arbeit ein weiteres Mal. „Ich wollte nicht respektlos sein, Sir. Es tut mir leid, wenn sie dieses Gefühl gehabt haben sollten." Er begann sich durch das ungewöhnliche Verhalten von Professor Snape unwohl zu fühlen.

„Würde es Ihnen gefallen, Mr. Potter als Vater zu haben?", fragte Snape, unfähig den Mund zu halten und doch verärgert über sich selbst, kaum dass er die Worte ausgesprochen hatte.

Nathan sah schnell auf. Professor Snape hatte ihm den Rücken zugedreht, und er sah ihn für lange Zeit an. „Er ist es nicht", sagte Nathan leise und blickte wieder hinunter in den Kessel. Er ist es nicht, oder ist er es, dachte er unsicher.

Snape konnte ihn beinahe nicht hören. „Nein, er ist es nicht, aber das war nicht meine Frage." Er drehte sein Gesicht wieder dem Jungen zu. „Jeder Junge würde es wollen, dass ein Held wie Harry Potter sein Vater wäre, und ich glaube nicht, dass Sie da anders sind."

Nathan wurde, durch dieses eigenartige Gespräch nur noch mehr verwirrt. Warum erzählt er mir das? Was meint er, dachte er. Weiß er, wer mein Vater ist? Er muss es wissen, warum sollte er sonst so deutlich bejahen, dass Harry nicht mein Vater ist?

Snape war schon wieder an seinem Tisch, als Nathan wieder von dem Kessel aufblickte. Was immer er sagen wollte, kam ihm nicht über die Lippen. Still reinigte er die Kessel zu Ende. Professor Snape wusste, wer sein Vater war. Nathan war sich dabei nun ganz sicher.

Als er seinen Arbeitsplatz verließ, um vor den Tisch des Zaubertrankmeisters zu treten und zu sagen, dass er fertig sei, sagte Professor Snape: „Wenn sie fertig sind, können sie gehen."

Und das tat er dann auch.

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Hermine Granger war von ihrem Arbeitstag zurück zu Hause. Später würde sie ein Halloweenfest besuchen, das von einem der Professoren von der Universität veranstaltet wurde. Er und seine Frau gaben die Feier jedes Jahr und jedes Jahr hatte sie ihre Einladung mit der Entschuldigung abgelehnt, dass sie mit Nathan Süßes oder Saueres machte oder ihn zu einer Party bei Freunden bringen musste. Dieses Jahr war Nathan jedoch in Hogwarts und daher hatte sie keine Ausrede, um diesem Ereignis fernzubleiben.

William hatte ihr angeboten, sie abzuholen, damit sie gemeinsam hingehen konnten. Ihr war keine Entschuldigung eingefallen, um seine Einladung abzuweisen, und daher wartete sie jetzt, dass er sie abholte. Sie hatte sich als Julia verkleidet, da William als Romeo gehen würde. Zuerst hatte sie über diese kitschige Idee einfach nur mit den Augen gerollt, aber ihm schien es zu gefallen und so hatte sie zugesagt. Sie wollte sich nicht selbst auch noch etwas ausdenken müssen. Nun saß sie in ihrem verzauberten Kleid da, wartete und dachte nach.

Seit ihrem Besuch in Hogwarts, war Severus Snape wieder in ihren Träumen erschienen. Dieses Mal waren es jedoch keine Albträume über die Nacht, in der sie von den Todessern gefangen worden war, sondern es waren Träume von diesen geschickten Hände, die ihr Gesicht und ihr Haar berührten. Es war... beunruhigend, für sie. Sie respektierte ihn, ja. Sie bewunderte ihn, natürlich. Aber dies war anders. Es war neu.

Severus Snape war seit dem Tag, an dem sie nach Hogwarts kam, immer ein Teil ihres Lebens gewesen. Zuerst hatte sie ihn wegen seines Wissens und seiner Fähigkeiten als Zaubertrankmeister respektiert. Später bewunderte sie ihn für seinen Weitblick, seine Kraft als Spion für den Orden, dann für seine Ehre und seinen Mut das Versprechen, das er Albus gegeben hatte, einzulösen, und schlussendlich hatte sie ihn dafür geschätzt, dass er sie in jener Nacht gerettet hatte. Seitdem war er durch Nathan ein Teil ihres Lebens, selbst wenn er nicht physisch anwesend war. Aber jetzt…

Jetzt wusste sie es nicht mehr. Sie hatte ihn wieder getroffen und nun tauchte er auf einmal in ihren Träumen auf. Er war darin jedoch nicht ihr persönlicher Held, es war etwas anderes, viel mehr. Was hat das zu bedeuten, fragte sie sich selbst. Hatte sie Fantasien über ihren Idealmann in Form des Vaters ihres Sohnes? War es die Figur, die Severus repräsentierte oder war es der Mann, Severus, selbst? Vielleicht legte sie auch zu viel Bedeutung in diese Träume und sie meinten eigentlich überhaupt nichts. Immerhin, das Interpretieren von Träumen würde jemand wie Trelawney machen, aber ich nicht, mahnte sie sich selbst.

Diese Träume nicht zu analysieren, stellte sich jedoch als äußerst schwierig heraus. Sie versuchte an andere Dinge, wie ihre Arbeit oder ihre Freunde, zu denken. Aber so viel sie auch versuchte, sie kam immer wieder zu Severus Händen in ihren Träumen zurück. So lange, bis eine solidere Form der Ablenkung auf den Plan trat; William war an der Tür.

Sie traf ihn unten an der Treppe. Er stand mit offenem Mund da, als er sie sah, und aus lauter Verlegenheit darüber, wurde sie ein wenig rot im Gesicht. Er schien sich soweit zu erholen, um sich theatralisch zu verbeugen und zu sagen: „Bis heute habe ich noch keine so wahre Schönheit gesehen. Meine Julia, du bist so wunderschön, wie der hellste Stern am Himmel." Er lächelte.

Sie konnte sich nicht zurückhalten, leicht mit ihren Augen zu rollen, als sie diese alberne Umwerbung vernahm, aber errötete dennoch. „Vielen Dank, Romeo. Du siehst auch sehr hübsch aus", sagte sie und nahm seine angebotene Hand. Er führte sie zu seinem Wagen und gemeinsam fuhren sie zum Fest.

Als sie an dem angegebenen Ort ankamen, wurden sie von den Gastgebern des heutigen Abends begrüßt. Das Haus war mit einigen geschnitzten Kürbissen, falschen Spinnweben und Kesseln, die mit Rauch von Trockeneis, umsichtig dekoriert. Sie seufzte, verärgert über die Erinnerungen, die sie plötzlich hatte.

Das Haus war voller Gäste. Sie kannte die meisten der Leute von der Universität. Musik füllte den Raum und einige Paare tanzten vergnügt. William bat ihr ein Getränk an, das sie gerne annahm. Es war eine nette Party und eine gute Ablenkung von ihren Gedanken.

Die Nacht schritt gut voran. Sie unterhielt sich mit einigen Kollegen, lachte über einige Streiche und tanzte mit William, der sehr nett zu ihr war. Er war eine gute Ablenkung.

Es wurde spät und sie fühlte sich bereits ein wenig müde. Sie bat William, sie heimzubringen, und dieser sagte sofort zu. Sie verabschiedeten sich und er fuhr sie nach Hause. Er hielt sein Auto in der Nähe ihrer Eingangstüre an. „Ich habe den heutigen Abend sehr genossen", sagte er.

„Ich hatte auch eine angenehme Zeit. Danke, dass du mich überzeugt hast, mitzugehen", antwortete Hermine.

„Es war mir eine Freude, meine Julia", sagte er, griff nach ihrer Hand und gab ihr einen Kuss auf den Handrücken. Er hielt ihre Hand für einen weiteren Augenblick fest und blickte ihr in die braunen Augen.

Eine peinliche Stille fiel über die beiden und Hermine unterbrach zuerst den Augenkontakt. Sie sah auf ihre vereinten Hände und zog ihre weg. „Ich sehe dich am Montag", sagte sie dann.

Er schien ein wenig enttäuscht zu sein, als er antwortete: „Natürlich Hermine."

„Dann gute Nacht", sagte sie und betrat ihr Wohnhaus.

„Gute Nacht", antwortete er und ging.

Hermine schloss die Türe hinter sich und seufzte. Sie hatte den Kampf mit ihrem Verstand in jenem Moment verloren, als ihr Blick auf die Hände glitt, die ihre hielten. Es waren nicht seine – es waren nicht die von Severus – und es fühlte sich falsch an.


A/N: Snape hat gewonnen! Tut mir leid, wenn ihr auf Harry gesetzt habt. Hat euch das Kapitel gefallen? Lasst es mich durch eine Review wissen! Ich werde die Meldungen auf meiner Homepage (Link auf der Profil-Seite) beantworten. :0)

Der Kommentar von Romeo und Julia ist wortwörtlich übersetzt, das englische Original enthält auch das Original von Shakespeare.

B/N: Es tut mir unheimlich leid, dass ich für dieses Kapitel so lange gebraucht habe. Es ist aber nun einmal so, dass es noch ein Leben außerhalb von Hogwarts gibt, das ab und zu mehr Aufmerksamkeit verlangt. Jetzt bin ich wieder da... ;-)

Im nächsten Kapitel… Ein Porträt hat einiges zu sagen und ratet: mehr Nachsitzen.