Kapitel 11: Der gemeinsame Feind
In meiner Wolfsgestalt rannte ich in einer Tour Richtung Rain Country. Sasuke war eindeutig aus Konoha verschwunden doch er hatte seine Spuren so gut verwischt, dass nicht einmal Kakashi's Hunde ihn aufspüren konnten. Naruto war natürlich ausgerastet und wäre sofort, ziellos und alleine, aus Konoha gerannt, hätte ich ihn nicht aufhalten können. In der Schnelle hatte Tsunade ein Team zusammengestellt und auf Sasukes Fährte gesetzt, auch wenn die Chancen ihn zu finden relativ gering waren.
Mittlerweile, während ich durch den Wald rannte, müsste die Fortsetzung des Kage Treffen stattfinden und Tsunade und Gaara würden versuchen die anderen Kage von dem zu überzeugen, was wir besprochen hatten.
Und ich? Ich war auf dem Weg nach Amegakure. Die Akatsuki hatten mich entführt als ich mich in der Nähe des Dorfes aufgehalten hatte und sie hatten es bemerkt sobald ich das letzte Mal Rain Country betreten hatte. Es war der schnellste und einzige Weg den ich mir im Moment vorstellen konnte um mit ihnen in Kontakt zu treten. Ich wusste, dass durch Arisu und der ganzen Situation dieses Treffen nicht freundschaftlich verlaufen würde und höchstwahrscheinlich würde ich wieder einmal im Kerker landen, aber es gab keinen Weg daran vorbei. Ich musste Pain davon überzeugen, dass wir im Moment alle gegeneinander ausgespielt wurden und im Grunde genommen auf einer Seite standen.
Ich beschleunigte, als ich die dunklen Wolken am Horizont auftauchen sah. Bald würde ich die Grenze zwischen Fire Country und Rain Country erreichen.
Es dauerte nicht lange bis ich auch schon ihre Chakra-Signaturen spürte, lange bevor sie mich überhaupt erreichten. Sie versuchten gar nicht erst sie zu verbergen.
Ich wurde langsamer und blieb auf einer Lichtung stehen, als Mensch. Nicht eine Sekunde später landeten sie drei Meter entfernt von mir.
„Sieh mal einer an wen wir da haben… Unsere kleine entlaufene Wölfin." Kisame grinste breit, doch es war mehr blutdurstig als freundlich. Seine rechte Hand umfasste bereits den Griff seines Schwertes. Ich spürt Itachis Augen auf mir und ließ meinen Blick zu ihm wandern. Er hatte sein Sharingan aktiviert, doch ich sah ihm trotzdem in die Augen. Schließlich hatte ich nicht vor gegen sie zu kämpfen.
„Ich muss mit Pain reden", sagte ich ernst. „Es geht um Arisu."
Kisame lachte laut los und sah mich dann mit kalten Augen an. „Kleine, es ist eindeutig zu spät um darüber reden zu wollen. Du kannst froh sein, dass deine Auftragskillerin niemanden umgebracht hat, so oder so hast du jetzt riesengroße Probleme. Unser Territorium zu betreten war das dümmste was du in deiner Situation hättest machen können. Um ehrlich zu sein habe ich selber noch ne Rechnung mit dir offen. Mein Kopf tut immer noch weh von diesem verfluchten Schlafmittel."
„Hn. Du hättest auch nicht so viele von den Sandwichs essen müssen", sagte Itachi und sein Partner knurrte nur.
„Bitte, es ist wichtig, dass ich mit Pain spreche. Ich habe nichts mit Arisus Auftrag zu tun, aber ich weiß wer dahinter steckt." Nun, eigentlich wusste ich es ja nicht, aber damit würde ich hoffentlich zumindest ihr Interesse wecken, sodass sie mir zuhören würden anstatt mich gleich zu töten.
„Lügt sie, Itachi?", fragte Kisame, doch Itachi schüttelte leicht den Kopf. Ich sah dem Uchiha die ganze Zeit über in die Augen, wissend, dass er mich jeden Moment ausknocken würde und versuchte dabei ruhig zu bleiben. Obwohl ich wusste, dass ich als nächstes in einer dunklen Zelle erwachen würde. Wusste, dass mein Leben wieder einmal an einem seidenen Faden hing.
„Itachi, eine Sache noch: Sasuke hat wieder Konoha verlassen und ist wahrscheinlich auf der Suche nach dir." Seine Maske blieb so nichtssagend wie eh und je, nur ein leichtes Nicken lies erkennen, dass er meine Nachricht aufgenommen hatte.
Das letzte was ich in Freiheit sah, war wie die Kommas in seinem Sharingan anfingen sich zu drehen und dann umgab mich Dunkelheit.
Außerhalb von Konoha
„Habt Ihr Eure Streitigkeiten endlich beendet?", fragte Ohnoki mit einem leichten Grinsen, als sich die Kage zum zweiten Mal auf ihre Plätze um den runden Tisch herum niederließen.
„Was wir als nächstes zu sagen haben ist von äußerster Bedeutung", begann Gaara mit einer ernsten Miene. „Wie Ihr alle mittlerweile erfahren habt sind in den letzten Wochen mehrere Überfälle und Anschläge passiert, die uns blind vor Hass gemacht haben." Dabei sah er besonders den Raikage an, der nur seine Augen zu Schlitzen verengte und seine riesigen Arme vor der Brust verschränkte.
„Bei der Diskussion, die Lady Hokage, Lady Amaya vom Wolfsclan und ich geführt haben, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass jemand uns die ganze Zeit über gegeneinander ausspielen wollte."
Die Mizukage runzelte leicht die Stirn. „Was genau wollt Ihr damit sagen, Lord Kazekage?"
„Der Wolfsclan wurde weder von Ninjas aus Suna noch von Akatsukis Alliierten angegriffen", fuhr Tsunade fort. „Das Attentat auf Lord Gaara geschah nicht im Auftrag Konohas, und wer auch immer Lord B angegriffen hat war kein Akatsuki."
A stand abrupt auf und ließ seine Faust auf den Tisch krachen, der gehörig unter dem plötzlichen Gewicht zitterte.
„Wie könnt Ihr es wagen so etwas zu behaupten?! Die Attentäter wurden eindeutig als Akatsuki identifiziert! Schwarze Mäntel, weiß umrandete rote Wolken, Strohhüte. Wie kann dort ein Irrtum vorliegen?!"
„Dann lasst mich Euch fragen… Wie schwer denkt Ihr wäre es, jenes Outfit nachzustellen, zwei Ninja darin zu stecken und sie als Akatsuki auftreten zu lassen?", fragte Tsunade, vollkommen ruhig. Ihr und Gaara war von Anfang an bewusst gewesen, dass sie weder den Raikage noch den Tschuchikage einfach so überzeugen könnten.
Ohnoki grinste und lehnte sich zurück in seinen Stuhl. „Da ist was dran…"
„Mein Bruder wurde von diesen Akatsuki-Bastarden angegriffen! Jeder weiß, dass sie hinter Jinchuriki her sind und es ist schließlich kein Geheimnis, dass B der Jinchuriki des Achtschwänzigen ist!"
„Die Akatsuki sammeln die Biju der Reihenfolge nach, Shukaku war der erste und der Kyubi wird der letzte sein. Warum sollten sie auf einmal ihre Vorgehensweise ändern und mittendrin nach Kumo reisen um Euren Bruder anzugreifen?", fragte Gaara ruhig doch A hörte nicht auf ihn.
„Seit wann brauchen diese Psychos einen Grund für das was sie tun? Die Angreifer waren eindeutig Akatsuki, fertig!"
„Wenn man Euch so zuhört, könnte man fast meinen Konoha und Suna würden versuchen Akatsuki zu beschützen…", meinte Ohnoki mit hochgezogenen Brauen, doch bevor einer der beiden Angesprochenen darauf antworten konnte fragte Mei:
„Wieso ist es überhaupt so wichtig, ob es Akatsuki war der den Bruder des Raikagen angegriffen hat oder nicht?"
Tsunade seufzte. „Was wir damit versuchen zu sagen ist, dass wir alle gegeneinander ausgespielt worden sind. All diese Aktionen dienten nur einem Zwecke: Uns ins Chaos zu stürzen. Wir brauchen Stabilität und Zusammenarbeit in diesen Tagen, nicht Zerstrittenheit. So wie es aussieht haben wir alle einen gemeinsamen Feind, der versucht einen Keil zwischen uns zu treiben. Die fünf Nationen dürfen nicht noch weiter voneinander getrennt werden. Deshalb schlagen sowohl der Kazekage als auch ich, die Hokage, eine Allianz der fünf Nationen vor."
Akatsuki Versteck
Als ich aufwachte war ich tatsächlich wieder in einer Zelle eingesperrt. Meine Füße waren an den Boden gefesselt und meine Arme hingen, an meinen Handgelenken zusammengebunden, an einer Kette über meinem Kopf. Wie letztes Mal konnte ich nicht mein Chakra kontrollieren, doch jetzt versuchte ich es nicht einmal. Schließlich wollte ich nicht entkommen. Zumindest nicht, bis ich Pain gesagt hatte was ich ihm sagen wollte.
Ich hoffte nur, dass ich keinen riesengroßen Fehler gemacht habe indem ich mich Akatsuki ausgeliefert hatte.
Wasser tropfte von der Decke und in eine kleine Pfütze auf dem Boden; es war das einzige Geräusch welches ich hörte. Es war stockdunkel in der Zelle und die Kälte kroch langsam an mir hoch und verursachte mir eine Gänsehaut.
Plötzlich waren Schritte zu hören. Ich sah auf und verengte meine Augen zu Schlitzen in dem Versuch etwas in der Dunkelheit zu erkennen. Das Geräusch von Metall auf Metall war zu hören als die Zellentür aufgeschoben wurde und im nächsten Moment wurden mehrere Lichter entzündet.
Vor mir stand Pain und sah mich mit harten Augen an. Doch ich konnte selbst in seiner emotionslosen Maske erkennen, dass er dieses Mal wenig Toleranz mit mir haben würde.
„Pain… Ich habe Arisu nicht geschickt, es war jemand anderes und derjenige hat auch andere Aktionen zu verantworten. Vor wenigen Tagen wurde mein Clan überfallen und mehrere Bewohner des Dorfes getötet, unter den Opfern war auch mein Vater. Wir fanden heraus, dass die Angreifer sowohl Ninja aus Suna als auch Verbündete von Akatsuki waren, beide Parteien haben im Auftrag gehandelt. Wir haben ihre Aussagen mit Genjutsu und einem Wahrheitsserum bestätigt, weshalb ich den Vertrag, den ich mit Euch geschlossen habe, als hinfällig angesehen habe. Die Hokage hat die Kage um ein Zusammentreffen gebeten um das Thema Akatsuki zu diskutieren. Der Bote, der nach Suna gesandt wurde, hat versucht den Kazekagen umzubringen. Außerdem wurde der Jinchuriki des Achtschwänzigen von einem Akatsuki-Paar angegriffen. Im Gleichen Zeitraum muss Arisu Akatsuki infiltriert haben, bis sie, von was ich gehört habe, versucht hat die Mitglieder zu töten und Euch gestanden haben muss sie hätte in meinem Auftrag gehandelt.
All diese Ereignisse haben dazu geführt, dass sich verschiedene Parteien plötzlich misstrauten, Verträge wurden gebrochen und fast wäre ein Krieg ausgebrochen. Jedoch hat keiner, dem diese Taten vorgeworfen worden sind, sie tatsächlich zu verantworten. Wir wissen noch nicht wer der oder die Gegner sind oder wie die Personen die in den Angriffen und Attentaten involviert waren, kontrolliert worden sind. Pain, diese Person hat auch versucht Euch und Akatsuki zu benutzen. Ich bin hierher gekommen um Euch davon in Kenntnis zu setzen und Euch um Eure Unterstützung zu bitten. Stoppt zumindest die Jagd nach den Jinchuriki. Keiner von uns hat im Grunde genommen den Vertrag gebrochen, er ist immer noch gültig." Ich beendete meine Rede und sah den Akatsuki Anführer gespannt aber auch nervös an. Während ich ihm alles geschildert hatte, hatte er kein einziges Mal auch nur die kleinste Reaktion gezeigt. Er war nicht einmal überrascht oder sonderlich geschockt. Hatte er es etwa schon gewusst? Oder es geahnt?
„Ist das alles, was du mir zu sagen hast?", fragte er schließlich. Ich sah ihn etwas unsicher an, nickte jedoch.
„Ja."
Ohne ein weiteres Wort drehte er sich um und verließ die Zelle.
„Hey, Pain! Was soll das jetzt bedeuten?!", rief ich hinter ihm her. Die Ketten klirrten, als ich mich vorlehnte, doch die einzige Antwort die ich bekam war das Löschen der Fackeln. Die Zelle lag wieder in kompletter Finsternis.
Tief in Gedanken versunken schritt Pain durch die Gänge und in sein Büro, darüber nachdenkend was Amaya ihm gerade erzählt hatte.
Sie hatte nicht gelogen, das war sicher. War es tatsächlich so gewesen wie Amaya es gesagt hatte? Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr Sinn ergab es eigentlich.
Pain musste unwillkürlich wieder an den Moment zurückdenken an dem er Arisu getötet hatte. Sie hatte ihn so verwirrt angesehen, als hätte sie keine Ahnung davon gehabt was gerade passierte. Und dann war da noch dieser silberne Streifen, der ihren Körper verlassen hatte kurz nach ihrem Tod. Das alles deutete durchaus daraufhin, dass sie kontrolliert worden sein könnte.
„Nagato, was ist passiert?", fragte Konan. Ein Außenstehender würde es nicht bemerken, doch Pain sah sofort die Besorgnis in ihren kalten Zügen durchblitzen. Er seufzte.
„Amaya meint, Arisu sowie andere Shinobi wurden von jemand Unbekannten kontrolliert der versucht verschiedene Parteien gegeneinander aufzuwiegeln. Sie beharrt darauf nichts mit Arisus Attentatsversuch zu tun zu haben."
Konan runzelte die Stirn. „Glaubst du ihr?"
„Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht. Doch es macht irgendwie Sinn. Ich werde sie vorerst am Leben lassen, solange dies noch nicht geklärt worden ist." Konan nickte nur.
Plötzlich spürte er eine andere Chakra-Signatur in dem Büro auftauchen und er drehte sich zu der Wand zu seiner Rechten um, aus der sekundenspäter Zetsu erschien.
„Was gibt es?"
„Jemand möchte mit dir sprechen, Lord Pain. Sein Name ist Kuro, er wartet außerhalb des Verstecks. Es geht um Arisu."
Er tauschte einen schnellen, verwirrten Blick mit Konan, bevor er nickte.
„Führ ihn hierher."
Es dauerte nur einige Minuten, dann betrat Zetsu Pains Büro. Ihm folgte ein braunhaariger, blauäugiger Mann, der eine Narbe auf seiner rechten Wange hatte. Was Pain ein wenig irritierte war das leichte Lächeln, das auf Kuros Lippen lag. Er schien vollkommen unbeeindruckt von Pains mächtigen Aura zu sein und dem Fakt, dass er sich gerade in der Höhle des Löwen befand.
„Hallo Lord Pain", begann der Mann. Seine Stimme war ruhig und freundlich und er senkte leicht den Kopf als Zeichen des Respekts, auch wenn er sich immer noch unbeeindruckt gab. „Mein Name ist Kuro und es freut mich außerordentlich, dass wir endlich dazu kommen uns zu unterhalten."
