Kapitel 10: Die Hölle gibt es

Schon seit Timothy ein kleiner Junge war, hatte er fest an die Existenz der Hölle geglaubt. Doch niemals hätte er gedacht, dass ausgerechnet er dort landen würde. Immer hatte er das Leben eines Gottesfürchtigen Mannes geführt. Er blieb seinen Gelübde treu und hatte sich niemals den niederen Bedürfnissen hingegeben, wie die meisten Menschen es taten. Und bis zu dem Tag an dem er Jude kennenlernte, hatte er nie unkeusche Gedanken gehabt. Timothy wusste, dass er als Mann der Kirche nicht in dieser Art und Weise an eine Frau denken sollte, aber die Gedanken waren da. Ob er es wollte oder nicht. Er bete…er bete so oft um Vergebung für diese Gedanken und er hatte steht's gehofft, dass Gott ihm seine Schwäche vergeben würde. Die Sexuellen Gedanken wurden jedoch immer stärker und als er in Judes privaten Sachen das sündig rote Negligee fand, konnte er nicht aufhören daran zu denken, wie sie wohl in ihm aussehen würde. Nacht für Nacht dachte er daran und er schämte sich zutiefst dafür. Sie war eine Nonne und später eine Schutzbefohlene, wie konnte er nur diese Art von Gedanken hegen? Es war falsch, aber all seine Gebete waren vergebens und die Phantasien hörten einfach nicht auf. Sehr oft hatte er daran gedacht, was der junge Mann gesagt hatte, als der Teufel aus ihm sprach. An ihn würde Jude denken, wenn sie sich selbst berühren würde und das jede Nacht. Dieser Gedanke brachte Timothy um den Verstand und er konnte nicht aufhören daran zu denken, wie sie nachts in ihrem Bett lag, völlig nackt und wie ihre Hände über ihren Körper fuhren und ihre intimsten Stellen streichelten. Er stellte sich vor, wie sie mit geschlossenen Augen seinen Namen flüsterte, bis es sich in ein lautes Stöhnen verwandelte. Es war eine Sünde und er verfluchte sich für seine wie er es nannte Perversion. Doch war diese Sünde wirklich so schlimm, dass er diese Hölle verdient hatte? Er war ein Gefangener in seinen eigenen Körper und unfähig etwas zu tun.

Noch immer konnte Timothy nicht glauben was eben geschehen war. Er hatte alles gehört, gesehen, gespürt und gefühlt. Er schrie es sollte aufhören. Mit aller Kraft kämpfte Timothy und wollte verhindern, dass es Jude zu nahe kam aber es war vergebens. Es fasste sie an, es machte widerliche anzügliche Äußerungen, es tat ihr weh und es hatte sie sogar geküsst. Alles hatte Timothy gespürt, als hätte er es selbst getan und auch wenn er oft daran gedacht hatte Jude zu küssen, so konnte er weder Freude noch Erregung verspüren. Er sah die panische Angst in ihren Augen und es zerriss ihn. Jude würde ihn für alle Zeiten für ein Monster halten. Timothy zerbrach innerlich immer mehr, wenn er daran dachte, was das Wesen welches seinen Körper nun besaß noch alles mit Jude anstellen würde. Er wusste der Tag würde kommen, an dem es sich wie ein wildes Tier auf sie stürzen würde und er würde nichts unternehmen können.

Alles wäre ganz anders verlaufen, wenn sein Ehrgeiz es zugelassen hätte. Spätestens als Frank auf so tragische Art und Weise ums Leben kam, hätte er einschreiten müssen. Er wusste Jude war keine Mörderin, er wusste sie hatte Recht was Arden anging und nun wusste er auch, dass sie mit Mary Eunice Recht hatte. Jude war völlig unschuldig hier und das nur wegen ihm. Er hatte dafür gesorgt, dass man sie in Briarcliff wegsperrte und das nicht nur aus Selbstschutz. Er wollte nicht, dass sein Rara Avis eines Tages davon flog. Immer mehr wurde ihm bewusst, dass seine unkeuschen Gedanken nicht seine einzige Sünde waren. Er war ein Lügner, er war ein Verräter, ein Verbrecher und sogar ein Mörder.

Er hatte diese Hölle verdient! Das war Gottes Strafe für all seine Sünden. Noch nie hatte sich Timothy so leer gefühlt wie in diesen Augenblick. Am liebsten hätte er einfach aufgegeben und seine Strafe akzeptiert aber er konnte es nicht. Um Judes Willen konnte er es nicht! Er würde wenigstens diese Untat wieder gut machen.

„Hat dich jetzt doch noch der Kampfgeist gepackt Timothy? Diese Mühe kannst du dir sparen, ich bin zu stark für einen armseligen Wurm wie dich."

Wieder hallte die laute und abgrundtief böse Stimme auf und begann Timothy zu verspotten.

„Ich weiß gar nicht, warum du so wütend bist. Ich kann deine Wut spüren aber ich weiß nicht wieso. Ist es nicht das was du wolltest? Wolltest du sie nicht schon lange haben und hattest nur nicht den Mut dazu? Ich weiß, dass du dir ständig vorgestellt hast deine kleine Nonnenhure stöhnen zu lassen. Auf ihrem Schreibtisch, in ihrem Bett….du hast doch sogar daran gedacht sie in einem Beichtstuhl zu ficken, ist es nicht so? Bald wirst du wissen wie es sich anfühlt, es ihr richtig zu besorgen….keine Angst Timothy, bald ist es soweit und ich kann dir versprechen, sie wird mehr wollen und das wird sie auch bekommen."

„HÖR AUF! HÖR AUF! HÖR AUF!" schrie Timothy voller Zorn und Panik, er wollte das alles nicht hören.

Wieder ertönte dieses grässliche Lachen „Womit soll ich aufhören? Die Wahrheit zu sagen! Sei nicht so verlogen Timothy, ich kann in deine Seele blicken und da sehe ich so viele Abgründe. Du solltest mich nicht als dein Feind ansehen, viel mehr bin ich deine gute Fee. Ich lasse all deine Träume wahr werden und darüber hinaus noch viel mehr. Aber bevor wir zu unseren Vergnügen übergehen, muss ich mich noch um einen unnötigen Ballast kümmern."

Wieder verschwand die Stimme und Timothy begann immer mehr in Panik zu geraten. Was sollte er nur tun? Konnte er überhaupt etwas tun?