11. Dezember
von Pima
Snatches of love and hatred
(R: T / P: HGDM / G: Drama / W: none )
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Die Dienstage sind mit Abstand die schlimmsten Tage. Es ist schon dieses Wissen im Vorfeld, wenn ich morgens aufwache und weiß „heute ist es nicht nur die eine Zaubertrankstunde, die ich mit ihm verbringen werde. Heute ist es nicht nur die kurze Begegnung in der Großen Halle. Heute ist es anders, heute werde ich ihm nicht entfliehen können. Heute, irgendwann im Laufe des Tages, werde ich die Kraft verlieren, es zu leugnen."
Ich wünsche mir oft, dass es dir nicht anders gehen möge, ich sitze da im Unterricht und denke mir „hoffentlich leidet er genauso wie ich es tue". Minute um Minute und ich starre auf mein Blatt und sehe nichts, höre den Lehrer nicht, bemerke meine Freunde nicht, warte nur darauf, dass du dich vielleicht kurz zu mir drehst, nur die kurze Geste, damit ich erkenne, dass du mich überhaupt bemerkt hast.
Wie sehr ich es hasse. Inständig hasse. Es ist nicht so, dass ich in Selbstmitleid verfließe. Die Zeiten sind vorüber. Ich weiß mittlerweile, dass ich mit meinen Gedanken nicht alleine bin. Ich weiß, dass du mich bemerkst und an mich denkst, auch wenn du mich weder ansiehst noch mit mir sprichst. Ich weiß es einfach. Es ist da. Ich weiß, dass es da ist. Und dennoch ändert es nichts.
Ich hasse dich dafür. Ich hasse es, dass du an mir vorbeigehen kannst, doch ich es nicht kann. Mir wäre es lieber, du würdest mich angiften, höhnisch Lächeln, so wie du es jahrelang getan hast, mich beleidigen, mich ein Schlammblut nennen – all das wäre mir lieber als deine Ignoranz.
Mittlerweile denke ich auch gar nicht mehr, dass du es mit Absicht tust. Ich denke du kannst einfach nicht anders mit mir umgehen. Vielleicht sind es deine Gefühle, die dich verwirren, vielleicht hast du gar kein Herz, um fühlen zu können. Vielleicht bist du blind und taub und ich habe es nie gemerkt. Womöglich bist du einfach eine leere Hülle, und ich sah nur das, was ich sehen wollte.
Wie gerne würde ich sagen können, dass das alles egal sei, nur ich kann es nicht, mir ist es nicht egal. Ich will von dir gesehen werden, auch wenn du es nicht wert bist, mich zu sehen, ich will, dass du mich hörst, auch wenn meine Worte an dich reine Verschwendung wären.
Erkennst du den Zwiespalt in mir? Das ist das, was du zurückgelassen hast. Während mein Kopf in dir nicht mehr sieht als das Nichts, das du bist, verzehrt sich mein Herz nach deiner Aufmerksamkeit. Und da bin ich also, die schlaue, intelligente, selbstbewusste Hermione, habe das Problem genaustens analysiert, habe eins und eins zusammengezählt und meine Lösung erhalten, und kann dich dennoch nicht vergessen.
Am liebsten wäre ich heute krank, würde all den Unterricht verpassen, den ich mit dir habe, diese grässlichen Doppelstunden, eine nach der anderen, Zaubertränke, Verteidigung, Arithmantik. Liebend gerne würde ich fasten, kein Frühstück, nichts zu Mittag, kein Abendbrot, kein Slytherintisch, kein Draco Malfoy. Ich möchte die Versammlung der Vertrauensschüler verpassen, will die große Halle nicht für das Weihnachtsfest schmücken müssen, wenn ausgerechnet du mir die Christbaumkugeln reichst, mit einem Gesichtsausdruck, als würdest du den hässlichsten Hauself dieser Welt vor dir sehen.
Wie sehr ich es hasse. Und dieser Dienstag wird der schlimmste von Allen.
Ich würde es genießen dich anzuschreien, dir all meinen Frust ins Gesicht zu schreien, dir eine runterzuhauen, wie in guten alten Zeiten. Dann würdest du endlich auf mich reagieren und ich hätte meinen Frieden.
Und genau in dem Moment, wenn mein Hass auf dich am größten ist, genau dann wirst du mich für den Bruchteil einer Sekunde ansehen und alles wird wieder von vorne beginnen. Ich werde deine grauen Augen sehen, die so viele meiner Erinnerungen zeichnen. Und die blonden Strähnen, die dir ins Gesicht fallen … ich werde mich daran erinnern, wie sie sich unter meinen Fingern anfühlten. Deine weichen Lippen werde ich auf meinen spüren und deine Umarmungen, die vielen Liebkosungen. Die Bilder werde ich sehen, so viele Bilder, und für den Moment werde ich mir einbilden, ich sähe sie auch in deinen Augen.
Und dann senkst du den Blick und brichst mir das Herz von neuem. Und ich würde nichts lieber tun als all die verdammten Christbaumkugeln nach dir zu werfen, die du mir eben noch gereicht hast. Ich hasse es. Am meisten werde ich das beiläufige „frohe Weihnachten" hassen, dass du gelangweilt in den Raum sagen wirst, bevor du die Große Halle verlässt, ohne dich nur einmal nach mir umgedreht zu haben.
Frohe Weihnachten in der Tat.
Das Fest der Liebe, nicht war?
Oh, wie gerne würde dir all die Liebe in den Hals stecken und sehen wie du an ihr erstickst. Findest du das unangebracht und taktlos? Ich finde deine ganze Existenz unangebracht. Ich finde dein Dasein taktlos.
Wie sehr ich es hasse.
Und am meisten hasse ich, dass du mich nicht liebst – wie ich dich liebte.
