Tief durchatmend folgte Brian diesmal Callen. Der Mann legte ein hohes Tempo vor und hupte wegen jeder Kleinigkeit. Ihm schien Verones Verhalten mächtig an die Nieren zu gehen. Brian gefiel das größtenteils auch. Wer fühlte sich nicht geschmeichelt, wenn ein attraktiver Typ wie Callen eifersüchtig wurde? Doch es verkomplizierte die Operation auch. Gefühle waren nie gut und zwei Alpha-Männchen im Streit – das konnte nur im Desaster enden.

Dann waren auch noch die Cops aufgetaucht und hatten das Interview gestört. Noch ein bisschen mehr Chaos und das ganze nahm einen ähnlichen Ausgang wie L. A. Darauf hatte Brian nun gar keinen Bock.

Seufzend rieb sich Brian die Stirn, als er Callen zum sicheren Haus folgte. Dabei hatte der Morgen so wundervoll angefangen!

Um sich auf andere Gedanken zu bringen, beschleunigte Brian, überholte Callen und winkte ihm zu. Im Rückspiegel sah er den Mann grinsen. Sie fuhren um ein paar Wohnblocks, Brian führte sie durch einige Einbahnstraßen und dann bog er verdammt scharf rechts auf einer kleinen Kreuzung ab. Callen schaffte es gerade so, ihm zu folgen. Danach setzte sich Brian wieder hinter Callen und der übernahm die Führung zu ihrem Ziel.

Das sichere Haus war eine alte Fabrik. Ein paar Klapptische und –stühle waren aufgestellt worden. Auf dem größten stand ein Laptop, auf dem Callens Boss Lange zu sehen war. Sie wirkte überhaupt nicht amüsiert und Brian hoffte, niemals ihren Zorn auf sich zu ziehen.

Bilkins war auch da und hatte ziemlich angespannt und steif an dem Tisch Platz genommen. Er saß in Langes Blickrichtung.

Zu Brians Überraschung hockte Rome neben Bilkins auf einem Stuhl und futterte einen Burger. Jegliche Animosität ihm gegenüber schien aus ihm gewichen zu sein, denn er nickte Brian nur zu und biss noch einmal ab.

Auf der anderen Seite standen zwei Männer. Der ältere sah aus wie man sich einen Bundesagenten vorstellte: strenger Ausdruck, ordentlich gekämmte Haare und ein Blick, der wohl jeden Kriminellen das Weite suchen ließ. Er war auch definitiv fit genug, um denen nachzusetzen.

Den Mann neben Mr. Agent erkannte Brian als Romes Partner wieder. Da hatte wohl jemand dieselbe Idee wie der NCIS gehabt.

Brian zuckte zusammen, als sich Callen zwischen ihn und den fremden Männern postierte. Er würdigte sie keines Blickes, sondern fokussierte sich allein auf den Laptop: „Hallo Hetty."

„Agent Callen, Mr. O'Conner. Ich freue mich, dass Sie wohlbehalten wieder zurück sind."

Callen schnaubte: „Das hätte auch leicht schief gehen können. Da waren plötzlich Cops."

„Ich weiß, Agent Callen. Wir haben es per Kaleidoscope gesehen. Die Unfallstelle ist mittlerweile geräumt."

„Sehr gut. Und wer sind unsere Gäste? Die haben bestimmt was mit den Zivilen auf dem Bootsplatz zu tun."

Lange nickte: „Diese beiden Herren sind vom Zoll: Agent Markham und sein Assistent Agent Dunn. Sie werden uns erklären, warum sie mit ihrem Einsatz die Operation, die vom Commissioner an den NCIS übertragen wurde, gefährdet haben. Ich kann Ihnen sagen, meine Herren", sie spießte die beiden Männer mit ihrem Blick auf, „dass Alan[1] über meinen Anruf ganz und gar nicht erfreut war. Sie werden wohl wissen, dass er bei seinen Golfstunden nicht gestört werden möchte."

Die Männer zuckten zusammen und Brian grinste zufrieden. Dieser kleine Ninja hatte es echt in sich.

„Ich habe mir die Akten der beiden Männer angesehen", sagte der ältere. Sein Gesicht war rot und er warf Brian und Callen abwertende Blicke zu.

„Diese beiden sind kriminell. Der eine hat ein Vorstrafenregister, da ist es ein Wunder, dass er nicht irgendwo einsitzt. Und der andere ist ein mieser Cop, der Kriminelle einfach laufen lässt."

„Da Sie mit Undercover-Operationen arbeiten, wird Ihnen der Begriff Legende hoffentlich geläufig sein. Wir haben für Agent Callen eine angelegt, damit er zusammen mit O'Conner verdeckt gegen Verone ermitteln kann. Offensichtlich ist er darin weitaus erfolgreicher als ihre Agentin es gewesen ist."

Brian ging ein Licht auf: „Dann war die zweite Frau, die Latina, von der Zollbehörde?"

Markham ignorierte seine Frage und rümpfte die Nase: „Das ändert nichts an der Tatsache, dass Sie einen Verräter-Cop einsetzen."

„Nun, Sie haben es ja wohl auch versucht", schaltete sich Callen ein, „oder kennen Sie die Akte von Pearce nicht?"

„Ey Mann, die Kerle sind plötzlich bei mir in Barstow aufgetaucht", Rome hing ein Salatblatt aus dem Mundwinkel, „haben mir nen Deal angeboten: ich werd' die Fußfessel los, wenn ich Ihnen dabei helfe diesen Verone dingfest zu machen."

Markham knurrte wie ein Wachhund, aber Rome konnte einfach nicht seine Klappe halten: „Mann, Brian. Hätte echt nicht gedacht, dass du bei dem Verein aufgehört hast. Als wir wieder hierher gefahren sind, hat Bilkins mir erzählt, was in L.A. vorgefallen ist."

„Lass uns später drüber reden", murrte Brian. Wenn er Rome jetzt nicht stoppte, kam nur Mist aus seinem Mund.

Rome konnte sich aus Scheiße nicht nur rausreden, er ritt andere auch da hinein, aber sein Freund bekam den bedeutsamen Blick natürlich nicht mit. Wie auch? Er beschäftigte sich mit dem nächsten Burger und redete weiter: „Aber du ziehst echt die seltsamsten Typen an. Ich meine, erst dieser komische Brite im Knast-"

Brian spürte Callens fragenden Blick auf sich brennen. Er entschied, dass sie noch nicht weit genug in ihrer Beziehung waren, um über dieses Thema zu reden. Falls sie überhaupt eine Beziehung hatten, denn bisher hatten sie ja nur miteinander geschlafen. Und das obligatorische Gespräch danach, hatten sie auch noch nicht geführt.

„Und dann dieser Verone", plapperte Rome unaufhörlich weiter, „ich meine, sein Blick war echt creepy. Ich hätte ja gedacht, der hat was mit der Schwarzhaarigen, aber so wie der dich angestarrt hat."

Rome biss in den Burger und mampfte. Stille breitete sich aus.

Brian schloss die Augen. Hinter seiner Stirn pochte es. Die Migräne war im Anmarsch und nahm keine Gefangenen.

Es war eine Sache, dass Rome seit Beginn ihrer Pubertät wusste, dass er schwul war. Das Callen es wusste, war natürlich auch kein Problem. Brian hatte auch die Ahnung, dass es für Bilkins keine wirkliche Neuigkeit war, dafür hatte der Mann in L.A. zu tiefen Einblick in die Teamdynamik des PDs gehabt.

Aber nach diesen Sätzen musste selbst den Agenten der Zollbehörde klar sein, was Sache war.

„Verone ist schwul?", platzte es aus Markham heraus, „Und Sie auch, O'Conner?"

Brian schwieg. Er sah stur nach vorn und hoffte, dass seine Wangen sich nicht färbten. An seiner Hand spürte er kurz Callens Finger. Er sah zu ihm. Callen lächelte ihn ermutigend an.

„Moment Mal!", rief Markham. Als er keine Antwort erhalten hatte, mussten sich die Rädchen in seinem Kopf wohl weiter gedreht haben.

„Haben Sie Toretto deswegen laufen lassen? Ich dachte, Sie hätten Ihr Abzeichen wegen der Schwester verraten. Aber Sie haben wohl für Toretto die Beine breit gemacht!"

Scham und Wut füllten Brian gleichermaßen aus. Sein ganzer Körper bebte. Er konnte den anderen nicht in die Augen sehen. Nicht einmal Rome. Er zog die Schultern hoch und knackte seine Finger. Die Wünsche zu fliehen oder Markham eine zu verpassen konkurrierten miteinander.

„Agent Markham!", rief Lange erbost. Callen ballte die Fäuste und Rome sprang auf. Auch Bilkins erhob sich. Doch das alles ignorierte Markham. Er zog weiter seine Schlüsse: „Und haben Sie vor, dass hier auch zu tun? Die Operation zu verraten. Spielen Sie das Flittchen für Verone? Er zahlt Ihnen bestimmt ein hübsches Sümmchen."

Brian hob seine Faust und stürmte vor, doch er schlug ins Leere. Callen hatte Markham am Kragen ergriffen und drückte ihn gegen die Wand.

„Agent Callen!", Bilkins trat vorsichtig auf die beiden Männer zu, „Lassen Sie uns darüber reden."

Callen sah Markham in die Augen, als er antwortete: „Ich denke, alles ist gesagt. Oder wollen Sie Markham eine noch größere Bühne für seine Unprofessionalität geben?"

Markham schnaubte: „Unprofessionell? Ich? Ich bin es nicht, der einen Agenten angegriffen hat."

„Ach ja?", Callen lehnte sich vor und wisperte etwas, dass Brian und keiner der anderen verstand. Es musste eine Wirkung haben, denn Markham erblasste und nickte schwach.

In Brians Magen breitete sich ein warmes Gefühl aus. Es tat gut zu wissen, dass Callen sich so für ihn einsetzte. Bisher war er es gewohnt seine Kämpfe allein zu bestreiten, auch wenn er wusste, dass Rome wohl in seiner Ecke stand – trotz den Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen. Aber das Callen so schnell zu seiner Verteidigung gesprungen war, gab ihm Hoffnung. Vielleicht war der One-Night-Stand doch keine einmalige Sache.

Und mit einem Schlag war Brians Wut verflogen und die Scham vergessen. Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen und als er es bemerkte, brauchte er einen Moment, um seine Kälte wiederzuerlangen. Doch wenn er Romes Grinsen richtig deutete, hatte sein Freund es mitbekommen.

Callen löste sich von Markham und stellte sich wieder neben Brian.

„Agent Callen, wenn Sie mit ihrem Gespräch fertig sind, dann würde ich gern einen kurzen Zwischenbericht hören."

Brian war überrascht, dass Lange Callen für diesen Ausraster nicht rügte. Vielleicht wollte sie das auch später machen, wenn es keine Zeugen gab. Obwohl es natürlich trotzdem ein Signal für den Agenten des Zollschutzes war: Hetty billigte Callens Verhalten gegenüber Markham. In Brian regte sich leise Wehmut. Während seiner Zeit in L.A. hätte er sich eine solche Unterstützung auch gegenüber seinen Kollegen gewünscht. Vielleicht hätte er Dom dann nicht geholfen. Nun – zumindest nicht in der Form.

„Na, dann lassen Sie mal hören!", knurrte Markham. Er stellte sich auffällig dicht neben Bilkins. Brians Mundwinkel zuckte.

Callen begann: „Wir sollen einen Transport machen. Wir wissen noch nicht wann und wo, aber wir treffen ihn heute Abend in seinem Club. Und er will uns ein Zeitfenster kaufen."

Lange machte ein abwertendes Geräusch: „Er scheint einen Polizisten auf seiner Lohnliste zu haben."

Agent Dunn schlug vor: „Ich kann ja mal mit ein paar Leuten von denen sprechen."

Brian hob ungläubig eine Braue: „Sie wollen unbedingt, dass die Operation scheitert oder?"

Dunn sah betreten zu Markham und dann zu Boden.

„Außerdem", fuhr Callen fort, „hat Verone gesagt, dass er am Übergabeort warten wird."

„Hört sich doch gut an", nickte Bilkins zufrieden, „liefern Sie ihm Drogen, kriegen wir ihn wegen Geldwäsche dran."

„Sehr gut, meine Herren", Lange sah sehr zufrieden aus, „wenn das alles ist, dann-"

„Moment mal!", warf Rome ein, „Was ist denn jetzt mit mir? Was ist mit meinem Deal?"

„Der ist natürlich vom Tisch", meinte Markham, „immerhin war Bedingung, dass Sie von Verone engagiert werden."

„Was?", Rome sprang auf. Schnell war Brian bei ihm und hielt ihn fest. Es war schwer, denn in Rome steckte Entschlossenheit.

„Mach es nicht schlimmer!", keuchte Brian. Er griff nach Romes Arm und warf den Mann über seine Schulter. Dann kniete er sich auf Romes Brust.

„Scheiße, Mann!", fluchte Rome, „Ich hasse es, wenn du diese Moves bringst."

„Dann lern endlich Manieren", Brian stand auf.

„Mr. Pearce!", Langes Stimme klang sehr streng. Sie sah auch sehr unzufrieden aus. Nur leider war nicht genau zu erkennen, mit wem. Brian schluckte und Rome neben ihm sprang hastig auf. Er klopfte sich Staub von der Kleidung und stand kerzengerade. So hatte Brian ihn nicht mal vor dem Jugendrichter gesehen.

„Mr. Pearce, da Ihr Deal auf einem Missverständnis zwischen dem Zollschutz und dem NCIS beruht, werde ich mich bemühen ihn für Sie trotzdem zu ermöglichen. Das setzt allerdings Ihr gutes Benehmen und eine eventuelle Kooperation, sollte sie benötigt werden, voraus."

Rome nickte eifrig: „Ich werde nicht mal ein Ticket kriegen."

Brian schnaubte und grinste nur breit, als Rome ihn empört ansah.

„Sehr gut. Agent Markham, wir werden Sie über die Operation auf dem Laufenden halten. Sobald wir den Treffpunkt erfahren, werden Sie mit Ihrem Team warten und ihn festnehmen. Das ist die Vereinbarung, die ich mit Alan getroffen habe."

Markham wirkte daraufhin ein wenig glücklicher. Er sah Brian kalt an.

„Da das geklärt ist, können sich Agent Callen und Mr. O'Conner für heute verabschieden. Sam wird bei der Garage ihres Freundes auf Sie warten. Er musste ein paar Besorgungen für mich machen."

Brian atmete erleichtert aus. Er konnte es kaum erwarten, hier rauszukommen. Ein Blick zu den beiden DEA-Agenten machte ihm klar, dass die Sache auch noch nicht ausgestanden war.

„Wir melden uns morgen früh, bevor wir zum Treffpunkt fahren", sagte Callen zu Lange. Die beiden tauschten bedeutsame Blicke aus, Lange nickte und Callen drehte sich zu Brian: „Gehen wir. Wir haben einen vollen Zeitplan."

Die Fahrt zu Tejs Garage half Callen seine Gedanken zu sortieren. Das Einmischen der DEA bereitete ihm Kopfschmerzen und es gefiel ihm überhaupt nicht, dass Markham an der Festnahme beteiligt sein sollte. Und der letzte Blick, den er Brian zugeworfen hatte… Wenn der Blonde nicht vorsichtig war, dann fand Markham garantiert einen Grund ihn hinter Gitter zu bringen. Callen wusste nicht, inwieweit Hetty bereit war ihren Einfluss für Brian geltend zu machen.

Deswegen nahm sich Callen vor, Markham soweit wie möglich von Brian fernzuhalten. Und Verone auch.

Callen parkte hinter Brian und stieg aus. Sam wartete wirklich schon. Er lehnte gegen das Heck seines Challengers und starrte jeden böse an, der sich Charlene auch nur auf zwei Meter näherte.

Tejs Kumpels und Suki bastelten an einigen Autos herum und warfen immer wieder nervöse Blicke zu Sam. Callen grinste. Wenn die bloß alle wüssten wie albern sich Sam immer seiner Tochter zu liebe benahm, hielten sie ihn wohl eher für einen knuffigen Teddy. Respekt hätten sie dann auch keinen mehr.

Brian wollte wohl nicht auf Callen warten, denn er stieg aus. Er winkte Tej und den anderen zu. Diese wirkten sofort erleichterter. Callen grinste. Er stellte sich zu Sam.

„Na, Großer? Bist du fertig damit, die Eingeborenen einzuschüchtern?"

Sam runzelte die Stirn: „Ich warte nur auf euch. Die müssen keine Angst haben."

„Dann solltest du vielleicht mal lächeln", Brian trat zu ihnen, „zurzeit wirktest du nämlich wie ein Schläger und die da drüben zerbrechen sich gerade den Kopf, ob sie dir schon mal auf den Fuß getreten sind."

Sam sah zu der versammelten Mannschaft, die sich sofort wieder eifrig an den Autos zu schaffen machte.

„Ihr habt die Zollschutz-Agenten kennengelernt?"

Callen nickte: „Ich mag Markham überhaupt nicht. Es passt mir auch nicht, dass er an dem Fall noch beteiligt ist."

„Hetty hat sich über den Kerl erkundigt. Seine Schwester ist an Drogen gestorben, die in Verones Club verkauft wurden, also ist das für ihn eine Vendetta. Und er wird sich nicht nur informieren lassen."

„Er wird aktiv weiterarbeiten", setzte Brian fort, „er wird die Agentin nicht abziehen. Und er hat Zugriff auf unsere GPS' in den Autos. Das haben wir ja auf dem Bootsplatz gemerkt."

Sam nickte: „Eric meinte, er könne Markhams Zugriff abschalten, aber Hetty war dagegen. Sie will das Verhältnis zum Zoll nicht stören."

„Ich wusste gar nicht, dass das so gut war", warf Callen ein und Brian schlug ihm grinsend gegen den Arm.

„Also müssen wir damit rechnen, dass Markham uns nicht nur die Verhaftung versaut", Sam ignorierte ihre Albernheit, „sondern er kann uns auch die ganze Operation zunichtemachen, wenn er durch seine Hartnäckigkeit Verone auf unsere Spur bringt. Kensi hat berichtet, dass Fuentes sich manchmal auffällig benimmt."

„Wenn Verone uns auf die Spur kommt, ist das unser Tod", murrte Callen, „wäre gut, wenn wir Markham während des Rennens ablenken könnten, damit wir wenigstens lebendig ins Ziel kommen."

Sam zuckte mit den Schultern: „Ich bin für alle Ideen offen."

Callen seufzte. Warum musste er sich sooft Gedanken machen? Natürlich hatte er die Dinge gern im Griff, doch er hatte keine Ahnung wie sie das hier anstellen sollten.

Sein Blick glitt zu Brian, der mit gerunzelter Stirn auf Sams Wagen starrte. Brian, der nur sein Leben und seine Freiheit hatte, die er bei diesem Rennen einsetzen konnte. Callen wollte ihm das eine erhalten und das andere geben. Und ganz selbstsüchtig wollte er ihn auch für sich behalten. Das ging nur schwer, wenn sie am Ende mit einer Kugel im Körper dalagen.

Also improvisierte Callen wie er es sooft tat: „Vielleicht könnten wir-"

„Ich hab 'ne Idee", fuhr Brian ihm dazwischen, „Hey Tej! Komm mal her!"

Sam sah ihn zweifelnd an: „Wäre vielleicht besser, das vorher mit uns zu klären, bevor du schon was in die Wege leitest."

Brian grinste nur: „Hey, nimm's mir nicht übel, aber ich zweifle ein bisschen, dass ihr bis morgen eine große Halle mit genügend Platz drumherum und mehreren Ausfahrten, mindestens sechzig bis achtzig Fahrer und zwei zusätzliche Wagen für G und mich auftreiben könnt."

Callen hob seine Brauen und lachte ungläubig: „Wofür brauchen wir das alles?"

„Das wird eine Show nur für Markham."

„Brian, du hast gerufen?", Tej näherte sich ihnen mit einem vorsichtigen Blick auf Sam.

„Hey Tej, kannst du auf die Schnelle was organisieren?", Brian griff seinen Freund an der Schulter und führte ihn von Callens und Sams Ohren weg.

„Weißt du, was er plant?", fragte Sam. Callen schüttelte den Kopf. Er hatte nicht mal eine Idee. Selbst wenn er alles kombinierte, was Brian zuvor erwähnt hatte. Was sollten sie mit einer Lagerhalle anfangen?

Sam schnaubte bei Callens Schweigens: „Na, hoffentlich weiht er uns ein, bevor ihr fahren sollt."

„Damit ich weiß, wo ich hin muss?", fragte Callen lachend, „Ich geh mal hin."

„Mach das und ruf mich an, wenn du weißt, was läuft. Ich fahre zurück und behalte Markham im Auge. Die Klamotten, die Hetty für euch ausgesucht hat, habe ich im Hausboot aufs Bett gelegt."

Callen nickte ihm dankend zu und ging dann zu Brian und Tej. Als er sich den beiden näherte, verabschiedete sich Tej mit einem Handschlag und holte sein Handy raus.

„Weißt du, Brian. Sam und ich sprechen unsere Pläne normalerweise miteinander durch. Und stimmen sie ab."

Brian sah ihn mit gerunzelter Stirn an. Er setzte zum Sprechen an, biss sich auf die Lippe und sah zu Boden. Dann fuhr er sich durch die Haare: „Tut mir leid. Ich- ich bin es wohl nicht mehr so gewohnt, mit jemandem zusammen zu arbeiten."

„Das kenn ich, glaub mir. Du solltest Sam mal nach unseren Anfängen fragen. Oder Hetty. Ihre Geschichten klingen irgendwie immer ein wenig abgefahrener."

„Okay. Also ich hab mir folgendes gedacht-"

Callen hob eine Hand und sah an Brians Schulter vorbei zur Straße. Dort stand ein brauner Cadillac mit zwei bekannten Gesichtern innen drin.

„Wir haben Zaungäste."

„Ich weiß."

Callen hob überrascht eine Braue. Wann hatte der Blonde die entdeckt? Warum hatte er nichts gesagt?

Brian sah kurz über seine Schulter: „Die Typen haben uns wohl im Straßengewirr verloren, als wir von Verone weg sind und sind gleich hier her gefahren."

Brian sah wieder zu Callen: „In Miami weiß jeder, dass ich meistens hier anzutreffen bin."

„Wird Zeit, dass die beiden verschwinden", nachdenklich ließ Callen seinen Blick über die Garage schweifen. Dann lächelte er Brian breit und schlug ihm auf die Schulter. Seine Hand ließ er dort liegen: „Ich hab ne Idee."

Callen schnappte sich Fensterputzmittel und ging auf den Cadillac zu. Verones Handlanger hatten ihn noch gar nicht richtig bemerkt, als er plötzlich am Fahrerfenster auftauchte.

„Hallo, meine Herren. Mir scheint, ihr habt euch verfahren. Oder braucht ihr einen Ölwechsel?"

Die beiden Männer tauschten genervte Blicke. Callen grinste nur breiter. Er holte einen Lappen hervor und ging zu Frontscheibe.

„Wo ihr schon mal hier seid, mach ich euch gleich das Fenster sauber."

Großzügig sprühte er das Mittel auf die ganze Scheibe und verteilte es mit dem Lappen.

„Hey, was soll denn das, Mann?", fragte der Fahrer. Callen antwortete ihm nicht. Daraufhin sprangen die beiden aus dem Auto: „Verdammt! Du sollst das lassen!"

Schnell entfernte sich Callen, aber nicht ohne vorher ein brennendes Feuerzeug auf die Scheibe zu werfen. Sofort entzündete sich das Putzmittel und Feuer breitete sich auf der gesamten Glasfläche aus. Eilig versuchten die beiden das Feuer mit ihren Sakkos auszuklopfen. Callen lachte nur.

In dem Moment stoppte Brian seinen Wagen neben ihm: „Spring rein! Wir haben noch was vor."

Sie fuhren an dem brennenden Auto vorbei. Hinter ihnen folgte Tej mit Suki am Steuer.

„Wo geht's hin?", fragte Callen, als er sich anschnallte. In seinen Adern pumpte das Adrenalin. Am liebsten hätte er Brian an sich gezogen, doch nach einem kurzen Blick auf den Tacho verwarf er den Gedanken schnell. Kein noch so guter Kuss war es Wert mit achtzig gegen eine Wand zu fahren. Also begnügte er sich damit, eine Hand auf Brians Oberschenkel zu legen.

Der Blonde verzog kurz das Steuer und rammte beinah einen entgegenkommenden Bus, doch er lenkte das Auto schnell wieder in die Spur. Überrascht, aber trotzdem lächelnd sah er zu Callen: „Warn mich das nächste Mal."

„Mach ich. Also, was ist dein ominöser Plan?"

„Also ich hab mir Folgendes gedacht…"


[1] Alan Bersin, derzeitiger Commissioner of U.S. Customs and Border Protection