Kapitel 10
Kontrollverlust
Renesmee
Das Monster in mir wollte Oliver an sich zerren und ihm in die Kehle beißen, ich jedoch wusste, dass es ihn getötet hätte und wehrte mich dagegen, schaffte es jedoch nicht gänzlich.
Ich packte ihn bei den Armen und riss ihn an mich. Ich konnte ihn einfach nicht an der Kehle beißen, also zerrte ich einen Arm von ihm in die Höhe und fand am Handgelenk eine geeignete Stelle.
„Wa-?" Oliver hatte keine Chance gegen mich, war ich zwar nur ein Halbvampir aber immer noch um vieles stärker, als er es war.
Nun endlich schmeckte ich auch das Blut, welches ich den ganzen Tag schon so sehr begehrt hatte auf meinen Lippen, in meinem Mund. Ich nahm große Schlucke, ohne darüber nachzudenken, was ich tat.
Dem Monster gefiel es. Ich trank und trank und verspürte nur die unbändige Freude darüber, was ich gerade tat.
Es schmeckte einfach zu gut, umaufzuhören. Zu gut, um wieder zu Sinnen zu kommen.
„Nessie?!"
Ich wusste nicht, wer mich da rief, jedoch brachte die Stimme mich wieder zu Verstand. Ich nahm meine Umgebung wieder um mich herum wahr und somit auch Oliver, der mich mit einem Ausdruck voller Entsetzen anstarrte. Der Geschmack seines Blutes lag noch immer in meinem Mund.
Was hatte ich getan? Hatte ich…?
Ich traute mich kaum den Gedanken zu Ende zu denken und stieß Oliver von mir weg.
Der Geschmack in meinem Mund ließ keine andere Lösung zu, als die Wahrheit. Wie hatte ich bloß nachgeben können? Ich war solch ein Trottel, nicht einmal unsere Tarnung konnte ich wahren!
„Nessie, was…?"
Ich konnte ihm nicht antworten, war mir nicht einmal sicher, ob es wirklich Oliver war, der mit mir sprach. Ich konnte ihm nicht ins Gesicht sehen. Niemanden konnte ich in diesem Moment ins Gesicht sehen.
Ich konnte Oliver keine Antwort geben. Ich konnte ihm nicht sagen, dass ich ein Vampir war. Ich konnte ihm nicht sagen, dass ich ihn eben beinahe getötet hätte.
Und so rannte ich aus der Schule, weg von meinen Mitschülern, den Lehrern und beschleunigte meine Schritte immer mehr, je weiter ich von den Häusern an Abstand gewann.
So etwas Dummes war mir noch nie passiert! Wie hatte ich es jemals so weit kommen lassen können? Ich hätte doch wissen müssen was geschehen würde, wenn ich die Zeichen meines Körpers missachtete.
Der Blutdurst war so stark in mir gewesen, nicht einmal meine Willenskraft hatte ausgereicht um ihn zu besiegen.
Nur langsam wurden meine Gedanken wieder klarer.
Was geschehen war, konnte ich nun nicht mehr ändern, also musste ich wohl oder übel Schadensbegrenzung betreiben.
Doch wie würde diese aussehen? Hatte Oliver den Vorfall für sich behalten oder hatte er es inzwischen jemanden mitgeteilt?
Ich war mir nicht sicher wie er reagiert hatte, doch wenn letzteres zutreffen würde, wie viele Personen wussten dann schon von dem Vorfall? Lohnte es sich überhaupt noch einmal zurückzukehren?
Sollte ich nicht lieber gleich meinen Koffer erneut packen und aus dieser Stadt fliehen?
Wie sollte ich mich herausreden können aus der Lage? Es war nur Spaß? Doch wie sollte ich das rechtfertigen?
Nein, ich würde hier nicht bleiben können, das war mir bewusst.
Doch wie sollte ich das meiner Familie erklären? Würden sie Verständnis haben?
Wir waren doch gerade erst hierher gezogen… Naja vielleicht würde das den Abschiedsschmerz verringern. Selbst wenn sie mir je für meine abscheuliche Tat verziehen, ich würde es mir selbst nie können. Ich würde mich auf ewig selbst verachten.
Ich wusste, was zu tun war. Ich musste Oliver irgendetwas eintrichtern, was halbwegs glaubhaft wirken würde.
Ich machte auf der Stelle kehrt, die verwunderten Blicke, die auf mir lagen, ignorierte ich. In jeder Situation hätte ich sie als Belästigung empfunden, nun waren sie mir egal.
Ich atmete tief ein, darauf bedacht, Olivers Geruch sofort zu erkennen, wenn ich ihn roch.
Sehr bald bemerkte ich, dass er sich nicht mehr dort befand, wo ich ihn stehen gelassen hatte, er stand draußen, ebenso wie ich und er war nicht allein. Er war von vier Personen umringt, die ihn ungläubig und verspottend ansahen, so, als würden sie ihm keinen Glauben schenken. Meine Familie.
Ich wusste sofort, was sie taten. Sie hielten unsere Tarnung aufrecht, wobei ich so jämmerlich versagt hatte. Die Schuld nagte tief in mir, jedoch versuchte ich sie zu ignorieren. Ich hatte wichtigeres zu tun, als in Selbstmitleid zu versinken. Dafür war auch nachher noch genügend Zeit.
Mein Vater hatte mich natürlich schon von Weitem bemerkt und als ich nun mich auf ein paar hundert Meter näherte, sah mich auch der Rest meiner Familie. Jasper, der auf Oliver einredete, Emmett, der ihn ansah, als hätte er nicht alle Tassen im Schrank. Meine Mutter, die mich nun besorgt musterte. Oliver fühlte sich inmitten meiner Familie nicht recht wohl, das sah man ihn deutlich an und er machte auch keinen Hehl daraus.
Als Jasper mitten im Satz aufhörte, bemerkte Oliver nun auch mich das erste Mal und wich, so schnell es einem Menschen möglich war, von mir zurück. Dies löste erneut meine Jagdinstinkte in mir aus, ich hätte ihn ganz leicht packen können, am Arm vielleicht…
Aber diesmal hielt ich mich zurück. Ich hatte mich unter Kontrolle.
„Oliver, ich…" Erst jetzt bemerkte ich, dass ich gar nicht wusste, was ich sagen wollte. Ich wusste nicht, was meine Familie ihm erzählt hatte.
Es spielte keine Rolle, was ich ihm gesagt hätte, es hätte nichts, aber auch gar nichts erklärt, war ich getan hatte.
Oliver sah mich entsetzt an, die Augen weiter aufgerissen und lehnte sich soweit weg von mir, wie es meine Familie ihm zuließ.
„Was bist du?" brachte er mit Mühe hervor, mit einem Gesichtsausdruck, als ob er einen ganz schrecklichen Schimmelfleck an seiner Wand entdeckt hätte.
Ich wusste nicht, was ich ihm antworten sollte, immer noch nicht. ‚Haha, Überraschung, ich bin ein Vampir?' Ganz sicher nicht.
„Oliver, ich kann das alles erklären, ich-"
„Spar dir deine Lügen!"
„Lass sie ausreden!"
„Emmett, sei still, er bekommt ja schon Angst!", versuchte Jasper die Situation zu beruhigen. Ich wusste genau, er benutze seine Kräfte, um alle Anwesenden zu besänftigen, ich spürte es an mir selbst deutlich.
„Nessie, klär das." Forderte mich mein Vater auf.
Ich wusste, er meinte es nicht böse, ich war die einzige, die das tun konnte, ich musste.
„Was habt ihr im schon gesagt?", fragend sah ich meine Mutter an.
„Nicht viel. Er brauch keine Angst zu haben und das wir ihn nichts tun. So etwas."
Ich nickte ihr leicht geistesabwesend zu und wandte mich wieder an Oliver.
„Oliver, du brauchst keine Angst vor meiner Familie zu haben." Das ‚und vor mir auch nicht' ließ ich absichtlich weg. Ich hoffte er würde keinen Unterschied merken. Ich konnte ihm einfach nichts versprechen, wovon ich selbst nicht sicher wusste, ob ich es einhalten könnte, auch wenn ich noch sosehr wollte.
„Wir werden dir nichts tun. Es tut mir Leid, was ich getan habe, ich weiß, es ist mit nichts auf dieser Welt wieder zu entschädigen, es soll nie wieder vorkommen." Nun versprach ich ihn doch, ihm nichts zu tun. Ich konnte einfach nicht anders. Diese Augen sollten mich nicht mit einem solch entsetzten und angeekelten Ausdruck anstarren. Das war einfach nicht richtig. Ich würde alles tun, damit sich dies ändern würde, auch lügen, so wurde mir bewusst. Dennoch hoffte ich, dass ich das Versprechen einhalten würde.
Tatsächlich wirkte Oliver nun nicht mehr ganz so feindselig meiner Familie und mir gegenüber, ich war mir sicher, Jaspers Fähigkeit hatte sein Übriges dazu beigetragen.
Oliver war sich scheinbar nicht sicher, ob er was sagen wollte oder nicht, er rang offensichtlich nach Worten und schließlich hatte er sich soweit gefangen, dass er sie endlich aussprach, die Wörter, die ich am aller wenigsten auf dieser Welt hören wollte.
„Nessie…. WAS genau ist eben dort geschehen? Was hast du gemacht?"
Seine Stimme zitterte ein wenig, ob aus Wut oder aus Angst, konnte nur Jasper sagen.
„Ich… Oh Oliver, mir tut das alles so entsetzlich Leid!" Ich ging einen Schritt auf ihn zu und als er nicht zurückschreckte, überquerte ich die letzten paar Meter schnell zu ihm und nahm ihn in meine Arme.
Oliver versteifte sich merklich, aber als er mich in sein Ohr schluchzen hörte, entspannte er sich und konnte sich sogar zu einem beruhigen Kopf-schreicheln seinerseits überwinden.
Nun war er der jenige, der mich beruhigen sollte, so seltsam es auch klang.
Ich glaubte, meine Familie sah mich verwirrt an.
„Was… Nessie… Ist ja schon gut… Was ist denn los? Erkläre es mir einfach."
„Ich kann nicht Oliver, ich kann es dir einfach nicht erzählen, du würdest es mir sowieso nicht glauben."
Oliver zog mich ein Stück von ihm zurück, ich lies es zu. Als er dann mit seiner Hand mein Kinn ein wenig nach oben drückte, musste ich ihn ansehen. Hätte ich mich dagegen gewehrt, und dazu wäre ich ganz gewiss in der Lage gewesen, hätte er nur noch mehr Verdacht geschöpft.
Und ihm die Hand gebrochen.
„Oliver,… Es geht nicht, bitte glaube mir, ich kann es dir nicht sagen, auch, wenn ich sosehr möchte. Du glaubst nicht wie sehr ich mir wünsche es wäre nicht passiert oder du könntest alles verstehen, aber keine der beiden Möglichkeiten ist auch nur ansatzweise möglich."
Oliver wusste nun gar nicht mehr, was er von mir zu halten hatte. Natürlich nicht… Jeder Mensch würde denken, ich schwafelte dummes und wirres Zeug.
„Du wirst mir langsam unheimlich, Nessie! Was kann schon so schlimm sein, dass du es mir nicht sagen kannst? Ich will eine Erklärung dafür, weshalb ich jetzt am Handgelenk deinen Zahnabdruck zu Schau stelle. Ich will doch nur eine Erklärung, glaubst du ich mag dich dann nicht mehr, wenn ich dein Geheimnis…", Oliver zog eine Fratze, also glaubte er wirklich nicht daran, wie abgrundtief böse und dunkel die Wirklichkeit wahr, „erfahre?" Beendete er den Satz.
Dass er mich nicht mehr mochte, wenn er wusste, dass ich ein Vampir war?
Das glaubte ich nicht nur, ich wusste es…
„Ja!!!" Ich gerat langsam in Panik, selten hatte mich je jemand vor solch eine schwierige Entscheidung gestellt:
Entweder ich sagte es ihm und er würde mich dann hassen und Angst vor mir haben, oder er erzählte es herum. Und im Endeffekt würden wir wegziehen müssen.
Oder aber ich wählte Variante Nummer zwei. Ich sagte ihm nichts und würde von nun an damit leben müssen, dass ich niemals eng mit Oliver befreundet sein könnte, da ich mir praktisch selbst im Weg stand. Aber konnte ich ihm so einfach meiden? Wir waren doch schon Freunde!
Hilflos schaute ich zu meiner Mutter und dann zu meinem Vater, welcher meinen
Gedankengang nur zu gut kannte. Er nickte mir zu.
Ich würde also nichts sagen und unser Geheimnis bewahren und ich würde keine Freunde mehr haben können, zu mindest keine Menschen und ich würde-
Halt- er hatte genickt? Ich sah ihn nochmals an, ungläubig. Sollte ich ihm wirklich die Wahrheit sagen?
„Es ist in Ordnung, Schatz. Wir sehen das alle…ähnlich" sprach er so leise, dass Oliver es nicht gehört haben konnte.
„Wirklich?" Nun schaute ich die anderen an. Alice nickte, Jasper und auch Emmett, Rosalie, die mittlerweile dazu gekommen war, schaute verkniffen, stimmte aber auch mit ein.
„Danke."
Zu mindest meine Familie hatte mir meinen Fehltritt also vergeben, es bedeutete mir unglaublich viel.
„Nessie?" Oliver meldete sich wieder, kein Wunder, schließlich hatte er uns nicht reden hören.
„Ok, dir scheint es wichtig zu sein alles zu erfahren, darum werde ich es dir verraten. Aber das kann ich unmöglich hier tun.", ich warf einen Blick über meine Schulter, um ihm zu zeigen, dass hier zu viele Schüler anwesend waren, „ Kommst du nach der Schule mit zu mir nach Hause?"
Jasper runzelte die Stirn, ich sah es nur aus den Augenwinkeln und wusste sofort, was ich nun schon wieder falsch gemacht hatte.
„Oder vielleicht doch lieber irgendwo in den Wald?"
War es nicht schon schlimm genug erfahren zu müssen, dass die neue Freundin ein Vampir war? Sicherlich, darum würde die Tatsache mit 9 Vampiren in einem Haus eingesperrt zu sein, sein Verständnis nicht gerade erleichtern.
„Der Wald wäre mir lieber. Alleine. Nur du und ich."
Wäre die Lage nicht so ernst gewesen, wäre ich sicherlich rot geworden, eine Eigenschaft, die der Rest meiner Familie nicht besaß, worum ich sie beneidete.
„Allein…" Ich sah kurz meinen Vater an, der mir erneut zu nickte. Ich würde trotzdem vorher noch einmal seine Meinung einholen, ihn fragen, was ich zu tun hatte. Seine und auch die Meinung meiner Mutter waren mir wichtig und ich würde versuchen, sie zu berücksichtigen.
Ich überlegte nicht mehr lange. Weshalb sollte ich nicht zustimmen? Es war eher an Oliver, Angst zu haben, schließlich war ich um so vieles stärker als er und kein Mensch konnte mir allzu leicht etwas anhaben.
Aber das konnte er ja nicht wissen.
„Na schön, dann also nachher im Wald. Du kennst die kleine Lichtung, etwa hundert Meter in diese Richtung?" Ich deutete nach Westen, der Blick von Oliver folgte meinem Arm in Richtung Wald und nickte dann.
„Gut, wir sehen uns dann nachher."
Er wollte weg von hier, fort von uns, den Raubtieren, war sich aber nicht sicher, ob er durfte. Als er einen Schritt von uns weggetreten war und sich keiner rührte, überwand er schnell die letzten Meter und flüchtete sich in die Schule.
Ich fand es ungeheuer mutig, dass er mit mir reden wollte, wahrscheinlich tat er es aber nur, weil er nicht wusste, worauf genau er sich da eingelassen hatte.
Na ja, ich wusste es selbst nicht einmal wirklich. Noch nie war ich mit einem Menschen befreundet gewesen. Das hatte bisher nur mein Vater versucht und wie sich herausstellte, war es nicht möglich gewesen, dass meine Mutter am Leben blieb.
Ich hoffte nur, dass es Oliver anders ergehen würde.
Ich machte mich wieder auf den Weg in meinen Unterrichtsraum, als es zum Pausenende klingelte.
Die Stunde zog sich hin, aber wirklich stören tat es mich nicht.
Ich wusste nicht wie ich Oliver die Wahrheit beibringen sollte:
‚Hallo Oli, ich bin ein Vampir und darum hab ich dich angefallen!'
Nein, zu direkt.
‚Hey Oli, weißt du, ich hatte Durst und weil du gerade so in der Nähe standest, hab ich dein Blut getrunken, du musst nämlich wissen, dass ich das öfters tue, denn ich bin ein Vampir und hatte solch einen großen Hunger...'
Um Gottes Willen, das wurde ja immer schlimmer.
Ich ging ungefähr tausend verschiedene Möglichkeiten in meinem Kopf durch, eine furchtbarer als die andere und so hatte ich mich auch gegen Ende der Stunde nicht mal eine passende Begrüßung finden können.
Von der Stunde hatte ich absolut gar nichts mitbekommen, ich wusste weder welches Fach ich gehabt hatte, noch welches Thema wir behandelten.
Erst, als ich fast allein im Klassenraum saß, merkte ich, dass ich schon seit einer halben Stunde Schulschluss hatte, wie mir die Uhr verriet.
Mein Vater saß noch neben mir auf seinem Stuhl, meine Mutter neben ihm. Richtig, ich hatte noch mit ihnen reden wollen.
Daddy, was soll ich bloß sagen?
„Nessie, mach dich nicht verrückt. Wenn du vor ihm stehst, wirst du schon wissen, was zu tun ist."
„Aber was soll ich machen, wenn er mich ausfragt?"
„Sag ihm soviel, wie du zu geben bereit bist. Dein Vater hat mir auch nicht gleich alles über sich und seine Familie erzählt, das weißt du doch."
Oliver musste schon warten, als ich mich schließlich auf den Weg zu ihm machte.
Meine Beine musste jemand heimlich in der Schulstunde mit Blei gefüllt haben, denn mich kostete es viel Willensstärke überhaupt einen Fuß vor den anderen zu setzen.
Ich ging sehr langsam, wahrscheinlich so langsam wie noch nie in meinen Leben, denn eigentlich liebte ich Geschwindigkeit, und doch kam der Ort, den ich möglichst nie erreichen wollte, immer näher.
Schließlich sah ich ihn, noch bevor er mich sehen konnte, meine Augen waren um so vieles besser, als seine und ich wusste immer noch nicht, was ich sagen sollte.
Naja, mehr Angst, als er jetzt vor mir hatte, konnte er sicherlich nicht mehr bekommen. Es konnte einfach nicht schlimmer werden.
Die Schritte beschleunigend, trat ich nun in sein Sichtfeld. Er nahm mich sofort wahr.
„Hey", mehr brachte ich nicht heraus.
„Hey"
Wir sahen uns eine Weile schweigend an.
„Du wolltest mir einige Dinge erklären."
„Ja, du hast Recht." Schweigen. Ich konnte es ihm einfach nicht sagen.
„Also?"
„Oliver… Ich.. Ich möchte zuerst, dass du weißt, dass ich das alles nicht mit Absicht tat. Ich wollte es nicht, aber ich konnte nicht anders. Ich möchte auch nicht, dass es noch einmal vorkommt."
Er nickte, er hatte das alles schon einmal von mir gehört.
„Ich weiß nicht, wie ich es am Besten erklären soll, Oliver. Ich weiß es einfach nicht. Ich kann es auch gar nicht. Außer…." Mir war eine Idee gekommen. Wozu war ich denn schon Vampir, wenn ich nicht einmal die mir gegebene Gabe einsetzte, wenn ich sie brauchen konnte?
Oliver sah mich fragend an.
„Vertraust du mir?", als ich seinen verdutzten Gesichtsausdruck sah, wusste ich, dass dies nicht der Fall war und sprach sofort weiter, „Ich meine, vertraust du mir soweit, dass ich dich berühren darf und dir etwas zeigen kann, ohne dass ich dich verletzte? Ich schwöre es bei meiner Familie." Er hatte zwar keine Ahnung, was mir dieser Schwur bedeutete, jedoch schien er zu fühlen, dass ich es ernst meinte und nickte zögerlich.
Ich streckte meine Hand nach ihm aus und berührte ihn schon fast, als plötzlich ein großer sandfarbener Wolf auf die Lichtung sprang und direkt auf uns zusteuerte, die Zähne fletschend.
