Der Caradhras war hart gewesen. Härter als alles was ich bisher erlebt hatte und psychisch zermalmender als sechs Monate Dauerwinter in Deutschland.
Vollkommen erschöpft hielten wir am Fuße des Höllenpasses in einer Senke neben einem Hügel und beratschlagten wie unseren Weg weiter angehen sollten. Gnädigerweise sagte Gandalf direkt, dass wir heute Nacht auf keinen Fall weiter gehen könnten, viel zu entkräftet seien wir alle.
Nach einem kurzen hin und her schloss man aber auch die Möglichkeit aus, wieder nach Bruchtal zu reisen, da dies hier die einzige Möglichkeit war, den Ring zu zerstören. In ein paar Monaten wäre der Feind noch stärker, sagte Gandalf.
Dann wurde es richtig interessant: Gandalf erklärte, was er mit ‚Weg, den der Feind nicht einsehen kann' gemeint hatte: „Nun ich kenne noch einen Weg, einen Weg den ich schon zuvor gehen wollte: durch die Minen von Moria. Es ist eine gefährliche Wahl, die aber unsere Spuren verwischen würde und die der Feind als unwahrscheinlich ansieht." Eigentlich alle Gefährten, außer Gimli, waren gegen diese Wahl doch Frodo meinte: „Ich bitte darum, dass wir unsere Entscheidung noch etwas aufschieben und erst schlafen. Lasst uns erst unseren Weg wählen, wenn der Himmel wieder freundlicher ist, die Sonne scheint und der Wind nicht mehr so heult."
„Der Wind ist es nicht, der heult!", sagte Aragorn plötzlich erregt und sprang auf, „Das sind Warge!"
„Moria ist die einzige Möglichkeit, oder wollt ihr von den Wölfen zu Tode gehetzt werden, wenn wir nach Süden gingen?", fragte Gandalf siegessicher und mit dem verzückten Funkeln unseres baldigen Todes in den Augen.
„Momentan wäre es vielleicht besser wenn wir aus dieser Kuhle herauskommen, sonst brauchen wir nicht mehr über den besten Weg zu diskutieren!", warf ich ein, als ich ebenfalls aufsprang und meinen Bogen zückte.
„Lucy hat Recht. Von hier unten können wir uns nicht verteidigen. Lasst uns lieber auf den Hügel steigen.", stimmte mir Aragorn zu. Wir liefen auf den Hügel und entzündeten dort ein Feuer. Die Nacht war unruhig. Immer wieder fiel ich kurz in einen Schlaf, wurde dann aber wieder von dem Geheul geweckt.
Die Wölfe umzingelten uns langsam und als ein Großer mit dunklem Fell, wahrscheinlich ein Alpha- oder Bethawolf, versuchte uns anzugreifen ging Gandalf auf ihn zu und drohte ihm sein Fell zu verbrennen, wenn er nicht abhaue. Der Wolf ließ sich davon nicht beeindrucken und sprang mit einem Satz auf Gandalf zu doch Legolas stoppt ihn mit einem Pfeil, der die Kehle des Wolfes traf. Ich hörte ein gurgelndes Geräusch und der Wolf ging zu Boden.
Danach war es noch schlimmer: Diese Wölfe veranstalteten einen Psychoterror der ganz besonderen Art, da sie nach dem verunglückten Angriff keinen Ton mehr von sich gaben oder sich gar zeigten. Wir alle lauschten auf das kleinste Geräusch. Ab und zu übermannte uns die Müdigkeit, aber nur Minuten später wachten wir mit einem Ruck wieder auf. Mehrere Stunden vergingen so und keiner sprach, als sich ein lautes Geheul rings um uns erhob: Die Wölfe hatten sich gesammelt.
Sam warf mehr Holz auf das Feuer, damit wir besser sehen konnten und schon begann der Kampf. Wir stellten uns in einem Kreis mit dem Rücken zum Feuer und begannen die Wolfsmassen zurück zu schlagen. Ich schoss einen Pfeil nach dem anderen auf die Kreaturen der Nacht ab und war in dem Moment froh, dass ich bereits die Bedeutung des Spruches auf dem Köcher kannte.
Immer wenn alle Pfeile verschossen waren musste ich nur ‚Mors solum cum arma depelletur', also ‚der Tod kann nur durch eine Waffe vertrieben werden', sprechen und schon füllte sich der Köcher im selben Augenblick von ganz alleine und ich konnte weiter Wölfe abschießen. Ich hatte das per Zufall herausgefunden, als mein Köcher völlig leer war und ich den Spruch leise vor mich hin murmelte. Fragt mich nicht warum, es funktionierte einfach.
Wir hatten schon ein paar erledigt, als Gandalf einen brennenden Ast hochwarf, etwas brüllte und die Bäume um den Hügel Feuer fingen. In einem Meer aus Flammen flohen die besiegten Angreifer und kamen nicht mehr wieder. Das Feuer hinterließ verkohlte Baumstämme und Asche als es im Morgengrauen heruntergebrannt war.
Der Entschluss nach Moria zu gehen war schnell gefasst und so irrten wir bis mittags in der Landschaft herum, bis Gimli den Torbach fand. Angeblich war er mal größer gewesen, denn was der Zwerg entdeckt hatte, konnte man höchstens Wasserlauf schimpfen.
Wir hatten noch nicht mal die Hälfte der etwas über 32 Kilometer zurückgelegt und die Sonne sank schon wieder gegen Westen. Wir mussten uns beeilen um die Westmauern von Moria vor Sonnenuntergang zu erreichen, denn einen weiteren Angriff der Wölfe würden wir nicht mehr zurückschlagen können.
Der Tag neigte sich immer mehr dem Ende und als die letzten Sonnenstrahlen die Erde erhellten standen wir vor einem großen Stausee und dahinter liegenden Mauern Morias. Wir gingen am Ufer entlang direkt auf die Mauern zu und erreichten sie schließlich gemeinsam mit der hereinbrechenden Nacht.
„Das Tor ist verborgen. Wir werden es suchen müssen.", wandte sich Gandalf an uns, doch es dauerte nicht allzu lange bis er die Stelle fand. Zwischen zwei Bäumen begannen auf einmal feine Linien aufzuleuchten und es zeichnete sich eine Tür ab.
Ich fragte mich, warum erst jetzt die Linien leuchteten, aber bevor ich etwas sagen konnte meinte Gandalf schon: „Ithildin. Es spiegelt nur Sternen- und Mondlicht. Hier steht: ‚Die Tür Durins, des Herrn von Moria. Sprich, Freund, und tritt ein'."
„Ah", meinte ich nur, fügte aber noch hinzu: „Ich gehe jetzt mal davon aus, dass wir ein Losungswort brauchen, damit sich die Tür öffnet." Gandalf nickte nur.
„Und was ist das Losungswort?", fragte Pippin. Er bekam keine Antwort, da Gandalf damit beschäftigt war, diese Tür aufzubekommen und begann mit Merry Steine springen zu lassen. Sam verabschiedete sich von seinem Pony und man hörte, dass es ihm sichtlich schwer viel sich von ihm zu trennen. Er tat mir leid, aber Aragorn hatte recht, dass wir es nicht mitnehmen konnten. Währenddessen erzählte Gimli dem mäßig begeisterten Legolas und mir von Moria und wie freundlich wir von den anderen Zwergen empfangen werden würden.
Plötzlich sagte Frodo: „Es ist ein Rätsel! Was heißt ‚Freund' auf elbisch?"
„Mellon" antwortete Gandalf ihm und mit einem lauten Knarren begann sich das Tor langsam zu öffnen.
Wir standen auf und betraten die Mine vorsichtig. Es war dunkel und staubig und sah nicht so aus, als würde man hier Leben antreffen. Da entdeckte Gimli das Skelett eines Zwerges und als wir uns in der kleinen Halle umsahen bemerkten wir immer mehr Zwergenskelette. Sie mussten bei einem Orkangriff gefallen sein, denn in mehreren steckten Orkpfeile. Wir zückten schon unsere Waffen, um uns bei einem möglichen Angriff sofort verteidigen zu können, als auf einmal ein Schrei hinter uns ertönte.
Es war Frodo, der gerade von irgendetwas heraus geschleift wurde, das stark an einen Tentakel erinnerte. Wir rannten sofort aus der Mine und Aragorn und Boromir begannen mit Gimli sogleich auf die Fangarme eins riesigen Wesens, das sich aus dem Stausee erhoben hatte, einzuhacken während ich mit dem Elb Pfeile abschoss. Die herum zuckenden Tentakeln waren bei der Dunkelheit kaum anzuvisieren.
Frodo rief voller Panik nach Aragorn und auch die drei anderen Hobbits stürzten sich in den Kampf mit dem Unwesen, wurden aber wieder und wieder mit heftigen Armschlägen des Ungetüms zurückgeschläudert.
Der Kampf war verbittert. Immer neue Arme schossen aus dem Wasser heraus und tasteten nach uns. Ich stand gottseidank außer Reichweite, aber Aragorn, der sich nahe an das Vieh herangewagt hatte, gelang es nur mit Mühe den Tentakeln auszuweichen. Ein guter Treffer Legolas' in eines der Augen sorgte dafür, dass das Monster Frodo fallen ließ und wir in die Mine flüchten konnten.
Das Wesen rappelte sich jedoch wenige Sekunden später auf und wollt uns folgen: Es umgriff den Höhleneingang mit seinen Fangarmen! Es wollte sich zu uns hoch ziehen, aber der Eingang hielt dem Gewicht nicht stand. Zuerst bröselte nur Staub, dann fielen kleinere Gesteinsstücke herunter und letztendlich kam die Decke ganz runter. Wir standen im Dunkeln und sahen kein Licht, bis Gandalf irgendwas in seinen Stab steckte und so unsere Umgebung erhellte.
„Der Eingang ist versperrt. Wir müssen nun durch Moria gehen. Wenn wir Glück haben bleibt unser Aufenthalt unbemerkt."
