Kapitel 11


Voldemorts Tod + 3 Monate


Als Hermine auf das Haus zuging, klang ihr Musik entgegen. Sie schmunzelte, weil das so überhaupt nicht zu Severus zu passen schien, aber er hatte ganz offensichtlich diverse Angewohnheiten und Vorlieben, die sie im Traum nicht erahnt hätte, bevor sie sich näher kennengelernt hatten. Er wußte nicht, daß sie heute so früh kommen würde und sie hatte schon befürchtet, er habe noch einen Studenten da, die er seit anderthalb Monaten unterrichtete, aber das schien offensichtlich nicht der Fall zu sein. Sie hatte ihm gezeigt, wie man mit der Stereoanlage umging und freute sich, daß er begonnen hatte, das Gerät zu nutzen.
Hermine verstand Fetzen des ausgesprochen rockigen Liedes, das zu ihr nach draußen klang: ... We need to swallow all our pride, And leave this mess behind, - Out of my head, Out of my bed, Out of the dreams we had, they're bad, - Tell them it's me, who made you sad, - Tell them the fairytale gone bad!...
Es lief eine der wenigen CDs die Hermine vor etlicher Zeit für sich mitgebracht hatte, wenn sie hier ein paar Tage Ferien machen wollte.
Hermine hoffte, daß er sich nicht zu Tode erschrecken würde, wenn sie plötzlich im Raum war, denn es war praktisch ausgeschlossen, daß er sie kommen hören würde.
Sie ging gar nicht erst zur Haustüre, sondern gleich um das Haus herum zur Terrasse. Die Tür stand weit auf, der Vorhang wurde von der Seite ein Stück aus der Tür nach draußen geweht, um mit dem nächsten Luftzug wieder tief im Raum zu verschwinden und sich dort für einen kurzen Moment zu erheben.

Sie blieb kurz stehen und atmete einmal tief durch. Sie kam nicht mehr so häufig her wie anfangs und noch nie war sie über Nacht geblieben, aber ihr Umgang miteinander war von Tag zu Tag vertrauter geworden.

Wie sie befürchtet hatte, hatte er auch nach der Begegnung mit der Schlange nicht angefangen über sich zu sprechen, aber sie drängte ihn nicht. Er mußte einige Dinge offensichtlich erst einmal für sich selbst sortieren, bevor er darüber reden konnte. Wenn er es überhaupt je können würde.

Sie hatten stundenlang die wunderbarsten Zärtlichkeiten ausgetauscht, aber die unausgesprochene Grenze war bestehen geblieben. Wann immer sie vorsichtige Anläufe genommen hatte, ihn zu entkleiden, hatte er Mittel und Wege gefunden, dies zu unterbinden... Sie hatte ihn noch nie, auch nicht in der Zeit, als sie für ihn gesorgt hatte, unbekleidet gesehen. Während Hermine es anfangs für Zurückhaltung gehalten hatte, fragte sie sich inzwischen nach dem konkreten Grund, den er zu haben schien und über den er selbstverständlich genauso wenig sprach, wie über alles andere was ihn persönlich betraf.

Nur über eine einzige Sache hatte er mit ihr gesprochen. Über den Angriff von Nagini, der ihm nach wie vor tief in den Knochen saß. Es war das einzige Mal gewesen, daß er seinen Zauberstab gegen Voldemort erhoben hatte – aber genützt hatte es ihm nichts. Er hatte ihr erzählt, daß sein einziges Bedauern in dem, was er für seinen Tod gehalten hatte, der Tatsache galt, daß er davon ausging, nie zu erfahren, ob Lillys Sohn den Krieg überleben würde.
Noch bevor Hermine die Holzterrasse betreten hatte, hatte sie die Person gesehen, die vor der Musikanlage stand und die Rückseiten der CDs durchsah, während sie sich im Rythmus der Musik bewegte. Die gertenschlanke Frau mit den halblangen, rotblonden Locken, trug eine knallenge Jeans und darüber eine unter der Brust geknotete Bluse, so daß man ihre Taille und ihren Bauch sehen konnte. Sie war etwa in Hermines Alter.
Was machte diese Frau hier? Warum spielte sie diese CDs? Wo war Severus?
Hermine betrat das Wohnzimmer und die junge Frau wandte sich zu ihr um. Sie sah zwar etwas überrascht aus, lächelte dann aber sofort freundlich und winkte, in der linken noch immer eine von Hermines CD-Singles in der Hand, Hermine mit der rechten Hand kurz zur Begrüßung zu, bevor sie die Musik leiser drehte.
"Entschuldigung, ich mag das Lied so sehr, da konnte ich nicht widerstehen. Ich hoffe, Sie sind nicht die vom Lärm gestörte Nachbarin?" Leuchtend grüne Augen sahen Hermine fragend an.
Hermine schüttelte den Kopf.
"Nein – die nächsten Häuser sind hunderte von Metern entfernt. Da werde ich wohl kaum eine Nachbarin sein, der die Musik zu laut war. Ich suche... Mr. Prince.", gerade rechtzeitig war ihr eingefallen, daß die Fremde Severus vermutlich nur unter dem Namen kannte, den er jetzt benutzte. Die Fremde ging auf Hermines bissigen Ton nicht ein.
"Er müßte gleich wieder da sein, und dann sollte ich wieder an meinen Unterlagen sitzten, aber ich kann mich einfach nicht so lange konzentrieren wie er das will." Die Blonde stellte die Hülle wieder ins Regal und machte die Anlage wieder aus.
Kurz schoß es Hermine durch den Kopf, daß die CD also offensichtlich bereits im Player gewesen war, was nur bedeuten konnte, daß Severus sie gehört hatte...
"Hast du auch Unterricht bei ihm?", fragte die Frau sofort per "du", als klar war, daß Hermine keine Nachbarin war, und schickte sich an, in die Küche zurückzukehren, wo einige Stapel an Unterlagen auf dem Tisch verteilt waren, wie man durch die offene Türe sehen konnte.
"Ich hatte früher...", antwortete Hermine ausweichend.
Hermine schlug sich innerlich vor die Stirn. Er hatte immer nur von seinen "Schülern" gesprochen. Nie war Hermine auf die Idee gekommen, daß diese Schüler durchaus weiblich sein konnten. Studentinnen... mit Traumfigur und grünen Augen?
Sie folgte der Studentin in die Küche, wo diese sich mit einem Seufzen setzte.
"Ich verzweifel noch an diesem Zahlenwust, aber gemessen an dem, was ich vorher davon verstanden habe, bin ich jetzt, nach diesen wenigen Wochen, bereits ein Arithmantik-Genie",sie lachte.
"Ja... das ist kein leichter Stoff. Vor allem nicht auf Universitäts-Niveau.", stimmte Hermine zu.
Die Blonde zuckte mit den Schultern. "Eigentlich studiere ich ja Magisches Design, aber da komme ich um den arithmantischen Teilbereich wegen der Berechnungen im Raum und der Kreuzungen der Farbräume nicht herum."
Sie senkte ihre Stimme ein wenig.
"Allerdings würde ich diesen Unterricht hier auch dann weitermachen, wenn ich ihn gar nicht mehr bräuchte. Du weißt schon warum..."
Sie zwinkerte Hermine verschwörerisch zu.
In der jungen Gryffindor zog sich alles zusammen.

"Nein... was meinst du?", fragte sie trotzdem.
Die Fremde verdrehte ein klein wenig die Augen.
"Du weißt doch... riesengroß, schlank, diese Stimme... diese Augen... diese Hände...!!!" bei jedem Punkt wurde ihre Stimme etwas schwärmerischer.
"Das meinst du nicht im Ernst, oder?"

"Natürlich meine ich das ernst! Das kann doch nicht sein, daß dir das nicht aufgefallen ist, oder?" sie grinste Hermine frech an. "Aber mir soll es recht sein. Dann vesuchst du es wenigstens nicht auch.", ergänzte sie sich selbst. „Er ist kein Professor – ich kann also machen, was mir in den Sinn kommt. Und glaube mir... wenn ich dieses hochgewachsene Genie neben mir sitzen habe, dann kommt mir eine ganze Menge in den Sinn! Letzte Woche bin ich absichtlich gestolpert und er hat mich aufgefangen." Sie gab ein leises aber eindeutiges Seufzen von sich „kräftig ist er obendrein...!"

Hermine fragte sich, wie sie diese bildschöne Schlampe endlich zum Schweigen bringen konnte!

Natürlich hatte sie all das, was sie aufzählte ebenfalls „bemerkt" und in der Tat war Severus in den vergangenene Wochen auf geradezu erstaunliche Weise wieder zu Kräften gekommen. Sie bedauerte zutiefst, daß er seine sportlichen Aktivitäten, das Laufen, das Schwimmen... grundsätzlich in die Zeiten legte, in denen sie, Hermine, nicht hier war...

Beißende Eifersucht machte sich in Hermine breit, wenn sie daran dachte, mit welcher Selbstverständlichkeit er ihr Zeiträume genannt hatte, in denen sie nicht herkommen sollte, weil er dann konkrete Ativitäten oder Unterricht geplant hatte. Obendrein fragte Hermine sich in diesem Moment, ob sie vielleicht zu leichtgläubig war, wenn sie sich daran hielt...? Heute war die allererste Ausnahme gewesen, die sie von seiner Regelgung gemacht hatte und prompt fand sie diese ausgerechnet grünäugige Nymphe hier vor, die ganz offen plante, Severus zu verführen...

„Miss Benton, ich erwarte... oh!"

Snape stand mit einigen Büchern in der Hand in der Tür und sah überrascht auf Hermine. Für einen Moment schien es der jungen Gryffindor so, als sei ihm die Szene höchst unangenehm, doch dann änderte sich seine Miene um eine Winzigkeit und sah sie auf die Weise an, die Hermine stets hingewschmelzen ließ. Obwohl er ernst aussah, schaffte er es, daß er so wirkte, als lächele er ein hauchzartes Lächeln. Ein Ausdruck, der auch bei der Studentin ihre Wirkung nicht verfehlte, wie Hermine aus dem Augenwinkel bemerkte. Aber eine ganze Wolke von Schmetterlingen setzten sich in Hermines Bauch in Bewegung, als er die Bücher ablegte und mit wenigen großen Schritten bei ihr war und ihr seine Hand unter ihren offenen Haaren hindurch am Hals entlang bis in den Nacken schob.

Sie konnte beim besten Willen nicht sagen, was genau hier gerade geschah, aber Hermine wußte mit hundertprozentiger Sicherheit, daß Severus unter normalen Umständen niemals in Anwesenheit anderer ihr gegenüber irgendwelche Zärtlichkeiten ausleben würde. Er brauchte ja sogar wenn sie alleine waren noch immer eine kleine Ewigkeit dafür... nein – er hatte eine ganz konkrete Absicht.

„Du bist ein bißchen früh, meine Schöne. Aber das macht nichts."

Dann küßte er sie auf eine Weise, die Hermine die Knie weich werden ließ.

Als er von ihr ab ließ, sah Hermine, daß die Studentin neben ihnen vor Peinlichkeit hochrot angelaufen war.

„Aber wo bleiben meine Manieren?", fragte er, als er sie ganz losgelassen hatte.

„Hermine, das ist Miss Beton, eine der Studenten, denen ich in Arithmantik weiterhelfe. Miss Benton, das ist Miss Granger."

„Ich wußte ja nicht..." stotterte die Studentin.

Snape sah sie interessiert an.

„Was wußten Sie nicht, Miss Benton?"

Hermine erkannte den Tonfall und inzwischen hatte sie auch verstanden, was hier gerade eben geschehen war. Auf der einen Seite tat ihr die junge Frau leid, auf der anderen Seite konnte sie dieses überwältigende Gefühl, diese unbändige Freude nicht unterdrücken, die sie jetzt in sich spürte und sie mußte den Wunsch unterdrücken, wie ein dummes Schulmädchen zu kichern.

Was ihr allerdings gar nicht schulmädchenhaft vorkam, war das Gefühl, das sich in ihrem Körper breit gemacht hatte und das sie immer häufiger verspürte. Der Wunsch, ihm näher zu sein, als ein Kuß es möglich machte...

„Ach nichts.", erklärte Miss Beton. „Es freut mich, Sie kennenzulernen, Miss Granger."

Hermine nahm die Hand.

„Ebenso, Miss Benton. Und es freut mich sehr, was Sie mir gerade erzählt haben." Sie konnte nicht widerstehen, eine Kunstpause einzulegen und erst dann weiterzusprechen, um die Grünäugige aus ihrer Paniksituation zu erretten. „Daß der Unterricht Sie schon soviel weiter gebracht hat."

Snape nickte.

„Ja, das stimmt. Ihr Vorankommen ist erstaunlich. Und damit das auch so bleibt..." er wandte sich mit seinem unbewegten Lächeln an Hermine „... muß ich dich bitten, noch einen Moment im Wohnzimmer zu warten, damit wir hier den Untericht beenden können."

Hermine nickte ebenfalls und verließ ohne ein weiteres Wort die Küche.

Eine knappe halbe Stunde später war der Spuk vorbei und die Studentin fort.

Hermine hatte es sich mit einem Buch auf dem Sofa bequem gemacht und sah hoch, als er den Raum betrat.

„Sie ist weg.", sagte er und klang sehr erleichtert. „Entschuldige bitte vielmals, daß ich dich in diese schreckliche Situation gebracht habe, aber ich dachte, daß es möglicherweise der effektivste Weg ist, um sie dazu zu bringen, mir nicht länger Avancen zu machen. Es ist wirklich unfassbar... unter den Studenten, die ich hier unterrichte, sind zwei Frauen und beide haben diese vollkommen unverständliche Neigung!"

Auf diese Weise angemacht zu werden, schien ihn tatsächlich aus der Bahn zu werfen.

„Die andere auch?", fragte Hermine grinsend.

Er blieb vor dem Sofa stehen und nickte.

Sie legte das Buch zur Seite und stand auf. Legte ihre Hände auf seine Brust. Durch das dunkle Hemd hindurch fühlte sie die Wärme seiner Haut und die Erregung, die sie gerade eben schon empfunden hatte, erfasste sie neu.

„Daß du mich dazu benutzt hast, sie dir in Zukunft vom Hals zu halten, Severus, war in Ordnung. Aber so leid es mir tut, dir das sagen zu müssen - du hast mich damit nur wieder auf den Geschmack gebracht..."

Mit diesen Worten legte sie ihre Lippen auf seine und wieder küßte er sie.

Wenn sie sonst herkam, brachte er üblicherweise eine kurze Umarmung zustande und es dauerte lange Zeit, bevor er zu mehr Körperkontakt bereit war. Was dann stets folgte, war ein wahrgewordener Traum an Zärtlichkeit und Intimität, aber er benötigte stets eine Anlaufzeit...

Nicht so heute.

Daß ihr Hiersein mit einem Kuß begonnen hatte, hatte offenbar die Maßstäbe für diesen Tag etwas verschoben und er empfing ihre Erwiderung des Kusses mit hungrigen Lippen, als habe er tagelang darauf gewartet, daß sie herkam, als habe er sie tagelang nicht halten, nicht berühren dürfen.

Hermine schmiegte sich so dicht an ihn, daß sie fühlen konnte, wie ihm der Kuß in die Lenden fuhr und er stöhnte leise auf, als sie ihre Hüfte stärker gegen ihn preßte...

Ohne daß sie es bewußt steuerte, glitten ihre Hände auf seinen Rücken und fuhren ein winziges Stück in den Bund seiner Hose hinein, um das Hemd daraus hervorzuziehen.

Als ihre Hände sich unter das Hemd schoben und auf seine heiße Haut legten, war ihr klar, daß er sie in all den Wochen nie so weit hatte gehen lassen.

Sein Körper reagierte heftig auf diese Berührung und auch Hermines Körper stellte sich auf herrliche, unkontrollierte Weise auf die nächste Stufe des Zusammenseins von Mann und Frau ein.

Doch gerade, als sei das Hemd auch an den Seiten aus dem Bund herausziehen wollte, löste er seine Hände von ihr und griff hinter sich, um ihre Hände von sich wegzuziehen.

Er tat es sanft, aber bestimmt und wollte sie dann wieder an sich heranziehen, aber sie löste sich von ihm und sah ihn an.

„Warum tust du das?", fragte sie irritiert.

„Was?", fragte er zurück, obwohl Hermine ihm ansehen konnte, daß er genau wußte, was sie meinte.

„Warum willst du nicht, daß wir uns entkleiden?"

Hermine hatte mit Beteuerungen gerechnet, daß es doch gar nicht so sei, aber er überraschte sie, in dem er sie ganz losließ, sich das Hemd am Rücken kurz in die Hose zurücksteckte und dann die Hände, die gerade noch auf ihr gelegen hatten, in seine Hosentaschen schob. Er machte dabei einen Schritt von ihr weg und es war überdeutlich, daß ihm das Thema höchst unangenehm war.

„Es ist...", versuchte er einen Anfang.

Hermine blieb still, wollte ihn nicht stören, während er nach Worten suchte.

Seine leicht verlegene Ausdrucksweise änderte sich plötzlich und er setzte relativ unfreundlich hinterher: „Es ist einfach so. Ich will das nicht."

Hermine hob skeptisch die Augenbrauen.

„Severus... für wie dumm hältst du mich?"

„Was hat es mit Dummheit zu tun, wenn ich etwas nicht möchte?"

„Erzähl deiner Großmutter, daß du das nicht möchtest. Ich fühle doch, wie du darauf reagierst. Und es ist eine Menge, aber sicher kein Unwille, den ich da erkenne." Sie stellte sich dicht vor ihn und sah zu ihm hoch.

„Was ist der Grund, Severus?"

Plötzlich kam ihr ein Gedanke, der ihr die Augen groß werden ließ und ihre Wangen etwas rot färbte.

„Hast du vielleicht noch nie...!?", sie sprach den Satz nicht aus.

Er war von seinen momentanen Gedanken kurz abgelenkt, als er versuchte, zu verstehen, was sie meinen könnte. Dann lachte er plötzlich einmal kurz und kalt auf und Unglaube stand in seinen Augen.

„Ob ich noch nie mit einer Frau geschlafen habe? Hermine... ich bin weit über vierzig Jahre alt. Doch. Ich habe das durchaus schon gemacht." Er schüttelte noch einmal den Kopf über diesen Gedanken. Nach dem einen unangenehm lachenden Ton war sein Gesicht wieder sehr ernst.

„Nein... der Grund ist ein anderer..."

Hermine spürte, daß er jetzt mit der Sprache herausrücken würde, und gab ihm die Zeit, die er brauchte, um die Antwort zu formulieren.

Er setzte einige Male an, schwieg aber jedesmal und begann statt einer gesprochenen Antwort plötzlich damit, sein Hemd von oben nach unten Knopf für Knopf zu öffnen. Als er einige Knöpfe geöffnet hatte, zog er den Saum des Hemdes aus der Hose und knöpfte dann weiter. Er sah sie während der ganzen Zeit an, beobachtete ihre Reaktion.

Als das Hemd komplett aufgeknöpft war, zog er es mit einem Ruck auf und dann aus und warf es dann auf das Sofa.

Hermine hielt den Atem an.

Sein Oberkörper war ein Kunstwerk der schwarzen Magie. Böse... wirklich durch und durch böse Runen und andere Symbole waren in schwarzer Farbe unter seine Haut gebracht und so dort für immer festgehalten. Sein Brustkorb, seine Schultern so weit sie es erkennen konnte... vermutlich auch sein Rücken, war ein Bild von grausamer Schönheit. Obwohl ihm klar war, was diese Zeichen bedeuteten. Obwohl ihm klar war, daß Hermine die Bedeutung der meisten dieser Zeichen kannte, hielt er den Kopf stolz erhoben, als er sie dabei betrachtete, wie sie ihn fassungslos ansah. Und für einen Moment hatte Hermine das Gefühl, den jungen Severus zu sehen, der er sicher gewesen war, als er sich diese Zeichen in die Haut hatte legen lassen.

Hermine hatte davon gehört, daß es Macht verlieh, diese Zeichen in sich einbringen zu lassen. Eine einfache Version davon hatten sie alle bei Sirius gesehen, der diese Zeichen nie verheimlicht hatte. Doch bei Sirius waren es eher dürre, hingekrakelte positive Symbole gewesen, während das, was Hermine nun vor sich sah, in zweierlei Hinsicht tiefschwarze, kunstvolle Zeichen waren. Wunderschön und brachial zugleich von einer morbiden Schönheit. Hätte sie Severus nicht gekannt, wäre sie jetzt davon ausgegangen, den schwärzesten aller Schwarzmagier vor sich zu haben.

„Bei Merlin...", flüsterte sie und kam auf ihn zu.

Er hatte den Kopf nach wie vor sehr hoch erhoben und blickte sie unglaublich ernst an. Verfolgte jede ihrer Regungen. Bewegte sich keinen Millimeter, ließ sie aber auch nicht aus den Augen. Sein Brustkorb, dem man das wochenlange, tägliche Schwimmen ansah, hob und senkte sich in unterdrücktem Aufruhr.

„Dein ganzer Köper?", fragte Hermine atemlos, als sie mit den Fingerspitzen eines der Symbole berührte.

Er schüttelte den Kopf.

„Nur was du siehst und der Rücken.", antwortete er in einem sehr merkwürdigen Tonfall.

Hermine sah, daß ihre Berührung ihm eine Gänsehaut über den Körper jagte und wie bei einem Kater, der auf Kontakt aus ist, senkten sich, wie in einem Reflex, den er nicht unterdrücken konnte, seine Augenlider kurz, ohne daß er dabei die Augen ganz geschlossen hätte. Als Hermine mit ihrer flachen Hand eine der Runen ganz bedeckte, ließ er seinen Kopf eine Winzigkeit nach hinten sinken und schloß für einen Moment die Augen. Als er sie wieder öffnete, hatte sein Blick sich etwas verändert. In Ermangelung eines besseren Vergleiches, kam Hermine in den Sinn, daß er sie ansah, als habe er getrunken.

Einer Ahnung folgend, berührte sie mit der anderen Hand ebenfalls seine Brust und strich darüber, so daß sie gleich mehrere der Symbole berührte. Er sog scharf die Luft ein und Hermine spürte unter ihren Fingern, wie sich sein Herzschlag beschleunigte.

„Ich habe es geahnt... ich habe es gespürt...", knurrte er auf eine Weise, die Hermine auf prickelnde Weise durch den ganzen Körper fuhr.

„Was?", fragte sie leise.

„Daß du eine Verbindung zu all dem haben würdest...", sagte er, während er sie ansah, als lösten ihre Berührungen in ihm das selbe aus, das irgendwelche Drogen oder wenigstens Hochprozentiges auslösen würden...

Und je länger Hermine mit den Zeichen in körperlicher Verbindung war, desto mehr spürte sie es ebenfalls. Die Welle aus innerer Hitze die sie überfiel, ließ sie ahnen, wie er sich fühlte.

„Merlin...", seufzte er und und machte dann einen Schritt von ihr weg.

Hermine legte den Kopf schief und lächelte zum ersten Mal in ihrem Leben das selbe Lächeln, daß sonst nur der Zaubertrankmeister zustandebrachte.

„Angst?", fragte sie in provozierendem Ton.

„Ich? Nein...", erklärte er im gleichen Tonfall.

„Ich auch nicht", versicherte sie glaubhaft und ging wieder auf ihn zu „Warum läufst du dann vor mir weg?"

„Ich wollte dich nur in Sicherheit bringen.", erklärte er auf eine Weise, die Hermine wissen ließ, daß es zwar tatsächlich seine Intention, ganz sicher aber nicht sein Wunsch war, sie vor ihm in Sicherheit zu wissen.

„Ich bin nicht in Gefahr...", war das letzte, was sie sagte und sein Satz „Dann komm her", was das letzte aus seinem Mund, das für eine Weile Sinn ergeben sollte.

Nachdem der Anfang gemacht war, dauerte es nur wenige Atemzüge, bis sie beide entkleidet waren und sich noch im Stehen ineinander verkrallten, als solle dies ein Machtkampf und kein Akt der Liebe werden.

Für einen Moment sah es so aus, als würde er sie sich noch im Stehen nehmen wollen, aber dann hob er sie kurz hoch und legte sie in einer harten Bewegung auf das breite Sofa, Die Zärtlichkeit mit der sie sonst miteinander umgingen war etwas Urwüchsigerem gewichen.

Snape hatte sich auf sie gelegt, aber sie wandte sich unter ihm hervor und setzte sich auf ihn, ohne in in sich einzulassen. Stattdessen ließ sie ihre Finger seinen Haut erkunden und leckte über seinen Oberkörper, schmeckte jede einzelne der schwarzen Runen, als wolle sie tatsächlich jedes dieser Symbole in sich aufnehmen. Und jede Berührung ihrer Zunge entlockte ihm ein lauteres Keuchen.

Sie verloren beide die Kontrolle über sich und genossen es wie nichts zuvor.

Als sie mit dem Kopf küssender und leckenderweise bis zu seinem Bauch vorgedrungen war, packte er ihren Kopf an den Haaren und drückte sie ein Stück tiefer in einer Weise, die kein ‚nein' duldete und so legte sie ihre Lippen um seinen hart aufgerichteten Schaft. Er unterdrückte den Schrei, der ihm entfliehen wollte und wandelte ihn in ein lautes Stöhnen. Zum Teil ließ Hermine sich von seinen beinahe gewaltsam führenden Händen leiten, zum Teil folgte sie ihren Instinkten.

Er wollte irgendetwas sagen, rufen, aber er brachte nur unartikulierte Laute zustande, die Hermines Erregung von Silbe zu Silbe steigerten.

Plötzlich riß er ihren Kopf an ihren Haaren so heftig von sich weg, daß Hermine einen kurzen Schmerzensschrei von sich gab, der aber sofort wieder vergessen war, als klar wurde, was er vor hatte.

Er schob sie von sich weg und drückte sie auf das Sofa, so daß er vor ihr auf dem Boden knien konnte. Er legte sich auf sie und zwischen ihre willig gespreizten Schenkel, umfaßte ihre festen Brüste und leckte nun seinerseits über ihre Brust, umspielte die Brustwarzen, bis Hermine nach mehr bettelte und ließ seine Zunge dann tiefer wandern, hinterließ eine feuchtheiße Spur auf ihrem flachen Bauch und senkte sich dann zwischen ihre Schenkel, als gelte es, dort das Paradies zu trinken. Hermine schrie laut auf, als er seine Zunge über ihre intimste Stelle gleiten ließ und dann leckend und saugend, sogar sanft beißend ihre Spalte verwöhnte.

Ohne daß es ihr bewußt war, verstand sie sein Problem von gerade eben, ein sinnvolles Wort herauszubringen. Was immer sie rufen wollte, verschwand in den unkontrollierten Lustlauten, die sie von sich gab.

Als er ihre Schenkel gewaltsam noch weiter auseinanderpreßte und dann in einer einzigen langsamen, genussvollen Bewegung über ihre gesamte Vagina leckte, war es um sie geschehen. Sie zuckte wild unter ihm, aber sie entkam der Kraft seiner Hände nicht. Sie lag inzwischen mit ihrem Po ganz vorne an der Kante des Sofas und das nutzte er nun. Er hob ihre Schenkel, die von dem Orgasmus dessen Ausläufer sie gerade erlebte noch ganz weich waren und stieß dann hart und tief in sie hinein. Als er den kurzen Widerstand spürte, der angesichts der nicht vorhandenen Vorsicht sofort überwunden war, wurden seine Augen weit und er nahm sie mit einer Heftigkeit, die bewirkte, daß Hermine die Welle des ersten Orgasmus gar nicht ganz verließ, sondern sich sofort auf einen neuen Höhepunkt hinzubewegte. Er drückte ihre Schenkel immer weiter in Richtung ihres Oberkörpers und konnte dadurch tiefer und tiefer in sie eindringen. Jede Zärtlichkeit, jede Achtsamkeit war vergessen. Beide hatten nur und ausschließlich die Gipfel im Sinne, die es zu erklimmen galt und dann hatte Hermine den zweiten auch schon erreicht. Und während sie erbebte und diesen zweiten Höhepunkt nur noch mit halber Kraft willkommen heißen konnte, brach auch über ihn endgültig die Lust zusammen und er ergoß sich zuckend und bebend in ihr. Stieß mit den Ausläufern des Zenits noch einige weicher werdende Male in sie hinein und sackte dann über ihr zuammen. Ließ zu, daß sie ihre Beine, die er fast bis auf die Sitzfläche des Sofas neben sie gedrückt hatte, locker neben ihm sinken lassen konnte, bis ihre Füße neben seinen Knien den Boden berührten und küßte ihren jetzt schweißnassen Oberkörper, ihre Brüste, ihren Bauch... was sie schnurrend genoß.

Sie ließen sich einige Minuten Zeit, bevor sie sich aus ihrer Position wegbewegten.

Sie legten sich so hin, wie sie so oft in den letzten Wochen im bekleideten Zustand gelegen hatten. Er saß halb liegend in seiner Ecke des Sofas, den Rücken gehalten von den großen Kissen und sie lag in seinem Arm, als gehöre er zum Sofa dazu.

Aber diesmal lagen sie endlich Haut an Haut.

„Und du bist sicher, daß du nicht das eine oder andere Buch über schwarze Magie in aller Ruhe durchgearbeitet hast?", fragte er, obwohl er die Antwort kannte.

Hermine lachte leise.

„Da war dann wohl doch das eine oder andere dabei. Aber was genau ist deshalb mit diesen Symbolen geschehen?"

Er zuckte mit den Achseln.

„Eigentlich gar nichts... nur in unseren Köpfen... Natürlich kann ich sie benutzen, wenn ich Zauber spreche, aber das habe ich jetzt nicht getan. Macht ist etwas, das fasziniert. Dich ganz offensichtlich ebenso wie mich. Die Kontrolle darüber zu haben ist das entscheidende. Als ich diese Symbole bekommen habe – und das war schon zu der Zeit, als ich für Albus arbeitete - hatte ich sie nicht. Das kam erst später. Ich denke, daß du sie immer hattest – aber der Faszination kannst du dich nicht entziehen... Das Schwarze... das Verbotene... vor allem das Verbotene – das dir immer den Vorteil gegenüber dem zu sichern scheint, der sich an die Regeln halten will... Ein sehr dummer Gedanke übrigens, der Voldemort das Leben gekostet hat."

„Das war alles?", fragte Hermine irritiert. „Aber es hat dich erregt, daß ich sie berührt habe."

Er nickte.

„Natürlich... zu wissen, daß du ihre Bedeutung kennst und dann zu sehen, was du damit machst?! Wie soll mich das nicht über alle Maßen erregen?" er schmunzelte, während er ihr ein paar Strähnen über die Schulter auf den Rücken strich.

„Und was hat mich so erregt?", fragte sie neugierig.

„Mich zu erregen.", behauptete er auf der Stelle.

Sie sah ihn zweifelnd an.

„Es gibt kein stärkeres Aphrodisiakum", erklärte er „...als die Erregung auf dem Gesicht des Spielgefährten... zu wissen, daß du das Ursprünglichste weckst, zu sehen und zu hören, wie dein Gegenüber Wachs in deinen Händen ist und du alleine entscheidest, wann er was empfindet. Kein Zauber kann damit mithalten. Nichts ist echter. Nichts erregt mehr..."

An dem Kribbeln, das bei seinen Worten in ihr aufstieg erkannte sie, daß er ohne jeden Zweifel die Wahrheit sprach.

„Warum wolltest du nicht, daß ich sie sehe?", fragte Hermine, nachdem sie eine ganze Weile schweigend beieinander gelegen hatten.

„Weil ich sie nicht verleugne. Weil ich mich nicht dafür schäme und weil ich sie benutze, obwohl sie schwarze Magie sind. Weil sie untrennbar zu mir gehören." Er sah zu ihr herunter. „Und weil ich mir nicht sicher war, ob du das akzeptieren könntest."

Sie lag mit der Wange auf seiner Brust und sah zu ihm hoch, während ihre Fingerspitzen neben ihrem Kopf feine Kreise über seine Haut an den Kanten eines der Symbole entlang zogen.

„Du hast Recht. Schuldig in allen Punkten. Ich habe viele Bücher über Schwarze Magie durchgearbeitet, sie fasziniert mich und ich hätte anfangs Probleme damit gehabt, diese Zeichen auf dir zu sehen."

„Aber nicht jetzt?", fragte er, obwohl es eigentlich offensichtlich war.

Sie lachte.

„Ich bin immer noch da, nicht wahr?"

Er schmunzelte.

„Ja... das stimmt... du bist immer noch da..."


TBC


Liebe Leser ich werde morgen nicht zum Schreiben kommen und ich kündige, damit ihr euch nicht zu sehr erschreckt, für die folgenden, wenigen Kapitel (vermutlich zwei) an, daß es Zeitsprünge geben wird... also nicht schimpfen, wenn es so ist... die Story soll MIT SS/GH-Happy End ins gesamte Buch eingebunden werden – das ist nach wie vor so... Satia