Kapitel 11:

Wenn es eins war das Sherlock ausnahmslos gut konnte, dann war es tagelang beleidigt spielen und sich weigern auch nur ein Sterbenswörtchen mit jemandem zu sprechen. John konnte nur drüber lachen, doch Marie fing an sich nach dem schuldig zu fühlen. „Neeein, glaub mir, wenn es eins ist, dass du nicht brauchst, dann ist es dich schuldig zu fühlen. Das gibt ihm doch nur die Genugtuung, die er für sein verdammtes Ego braucht. Er wird sich schon wieder einkriegen.", versuchte John sie zu beruhigen. Er war an Sherlocks Benehmen gewöhnt und es schien ihn wohl auch nicht zu stören. Ganz im Gegenteil, die stillen Stunden waren zur Abwechslung mal ganz entspannt. Von dem 4. Tag an, änderte sich jedoch Sherlocks Verhalten und es wurde schier unmöglich sich mit ihm in einem Raum aufzuhalten. Der Höhepunkt war mit dem abgetrennten Kopf auf dem Küchentisch erreicht und der Schießerei auf die Wohnzimmerwand. „Verdammt, Sherlock es reicht!", brüllte John gegen den Lärm und riss ihm die Pistole aus der Hand. Marie kam gerade vom Einkaufen die Treppe hoch gesprintet. Sie blickte von der demolierten Wand zu Sherlock, ihr Mund leicht geöffnet. „Du benimmst dich wie ein Kind. Nein, sogar schlimmer als eins, die schießen nicht gleich auf Wände!", rief John erzürnt aus. Sherlocks Miene war starr und fern von jeglichen Emotionen. . Er sah John achselzuckend an und warf sich elegant in seinen Sessel, die Hände in seiner typischen Denkerpose gefaltet. John beobachtete ihn noch eine Weile entgeistert, widmete sich dann aber seinem Tee in der Küche, nach dem keine weiteren Reaktionen von seinem Mitbewohner kamen. „Willst du den Mund nicht wieder schließen? Sieht unintelligent aus", äußerte Sherlock, blickte jedoch nicht auf. Marie versuchte sich schnell wieder zu sammeln, blinzelte kurz und machte ein paar Schritte gen Sherlock. „Oh, wir reden wieder?", fragte sie schmunzelnd, doch Sherlock wusste, auch ohne ihr Gesicht lesen zu können, dass sie immer noch verunsichert war. „War auf die Dauer langweilig. Deswegen das mit der Wand und dem Kopf", er machte eine ausschweifende Handbewegung zu der Wand. Marie runzelte die Stirn. „Welcher" – „Sherloooock! Bist du wahnsinnig gewoden?!", rief es das schon aus der Küche. John kam mit seiner Teetasse ins Wohnzimmer gestürmt und fuchtelte wie wild mit seiner freien Hand. „Da ist ein Kopf auf unserem Tisch Sherlock. EIN KOPF!", brüllte John den Detektiv an. „Wieso ist da ein Menschenkopf auf meiner Zeitung!" Sherlock grinste leicht und sah die beiden unschuldig an. „Irgendwie musste ich mich ja beschäftigen. Ich untersuche den Speichelgehalt eines Menschen nach dem Eintritt des Todes. Das Experiment ist äußerst vielversprechend, vielleicht kannst du ja darüber auf deinem Blog schreiben, John", feixte Sherlock. Marie sah wie sich John krampfhaft versuchte zusammenzureißen. Sie konnte ihn förmlich seine Atemzüge zählen hören, ein aus, ein aus. „Der Kopf ist in 10 Minuten verschwunden und in 15 Minuten wurde alles ordentlich desinfiziert, verstanden?" Und mit diesen Worten verschwand er nach oben in sein Zimmer. Sherlock grinste immer noch verschämt und es war sogar ein leises Kichern zu hören. Marie bewegte sich unruhig. Seit Tagen hatten sie nicht mehr miteinander geredet, sie wusste nicht ob es alarmierend war, dass sie wieder anfingen zu reden und ob er nicht irgendwelche Hintergedanken bei dem ganzen Wirrwarr hegte, wie so oft. „Also", riss er sie aus ihren Gedanken. „Ich hoffe du bist dabei?", fragte er und sah sie zum ersten Mal richtig an. Irritiert öffnete sie den Mund. „Wobei soll ich dabei sein?" Sherlock verdrehte leicht die Augen, als würde er sich wieder aufregen über die langsamen Gedankengänge. „Der Fall, den ich dir eben erläutert hab?", rief er aus als wäre es offensichtlich. Auch bei ihm zeichnete sich langsam aber sich ein irritierter Ausdruck auf seinem Gesicht ab. „Welcher Fall. Du hast mir nichts von einem Fall erzählt, Sherlock", murmelte sie beunruhigt. Für einen Moment war es still im Wohnzimmer. „Äh wie spät haben wir es nochmal?", fragte Sherlock und sah sich fragend um. „Ist alles okay?" Marie beäugte ihn skeptisch „Klar, warum sollte es mir nicht gut gehen", antwortete Sherlock ungeduldig. „Okay gut äh es ist 10 vor 8. John ist gerade nach oben gegangen und du sollst den Kopf in der Küche entfernen", fasste Marie vorsichtshalber zusammen, denn irgendwie beunruhigte Sherlocks Verhalten sie immer noch. „Jaja, das weiß ich doch", brummte er gereizt und stand auf. „Passiert dir das öfters?", fragend sah sie ihn an. „Hm? Passiert was öfters?" „Naja, diese Aussetzer", erklärte sie. „Mhh-mh. Passiert ab und zu. Ist jedoch hilfreich wenn man unnötigen Diskussionen aus dem Weg gehen will mit Anderson oder Mycroft." Er knöpfte seinen Anzug zu und ging in Richtung Küche. „Also in dem Fall, von dem ich eben gesprochen habe", fasste er das Thema wieder auf, „ geht es um einen Serienkiller". Blutrünstige Morde", rief er während er in der Küche herum hantierte. Sie hörte wie etwas Schweres, Dumpfes auf den Boden aufprallte und hoffte inständig es war nicht der abgetrennte Kopf, der gerade auf den Boden geprallt war. „Oh", hallte es aus der Küche. „Erzähl John nicht, dass mir der Kopf entglitten ist und auf die Fliesen gefallen ist, ja? Ich hab keine Lust auch noch den Küchenboden zu desinfizieren", brummelte Sherlock und stopfte den Kopf in eine Plastiktüte. Marie nickte nur langsam. Sie war noch nicht bereit die Küche zu betreten aus Angst was sie da erwarten könnte. Deswegen blieb sie einfach unsicher im Wohnzimmer stehen und dachte nach. Die Einkäufe hatte sie schon ganz vergessen. „Die Opfer waren allesamt Teilnehmer eines Geburtsvorbereitungskurses. Alle Paare wurden im Abstand von mehreren Jahren auf brutale Art ermordet" – „Alle Paare? Wie viele waren es denn?", klang es aus dem Wohnzimmer. „Insgesamt 4 Paare auf 4 Jahre verteilt. Das schlimme ist, dass man die Leiter dieser Kurse zwar befragt hat, aber man sie nie, durch fehlende Beweise, hinter Gitter bringen konnte. Es ist zum verrückt werden!", rief er unglücklich und erschien kurz im Türrahmen. „Die Polizei hat also mal wieder versagt, was ja keinesfalls eine Seltenheit ist", warf er spöttisch ein und verschwand wieder in der Küche. „Deswegen werde ich mich jetzt um diesen Fall kümmern. Allerdings kann ich es nicht ohne ein gewisses Alibi zu haben", bei diesen Worten zögerte er unmerklich. „Und deswegen brauche ich dich, Marie." Verdutzt sah sie auf. „Mich?", rief sie überrascht aus. „Wieso solltest du mich brauchen?" Sie wusste wie schwer es war für Sherlock sich einzugestehen auf Hilfe angewiesen zu sein, deswegen machte es ihr umso mehr Spaß ihn zu triezen. „Du willst mir grad sagen, dass du meine Hilfe brauchst", fragte sie, natürlich nur um wirklich sicher zu sein, alles richtig verstanden zu haben. Sherlock kam ins Wohnzimmer zurück, seine Hände merkwürdig Andersfarben. Es war eine Mischung aus pink und grün und Marie war sich nicht sicher, ob es schlau wäre in seine Reichweite zu kommen. Er sah sie grimmig an. „Ja, ich brauch deine Hilfe", gab er etwas kleinlaut zu. Ein Lächeln machte sich auf ihrem Gesicht breit. „Das hört man selten von dir", schmunzelte sie und lachte laut auf. „Jaja, fühl dich geehrt oder was auch immer du brauchst um dein Selbstbewusstsein zu steigern", knurrte er, doch Marie sah wie seine Mundwinkel etwas zuckten und musste noch umso mehr lachen. „Okay, ich werd sehen was sich machen lässt. Also was soll ich tun?", fragte sie neugierig und Sherlock bemerkte ein leichtes Funkeln in ihren Kastanienbraunen Augen. Seine Züge glätteten sich wieder und er wurde ernst. „Damit du deine Rolle glaubwürdig verkörperst, werde ich jedoch noch ein paar Veränderungen an dir vornehmen müssen, wenn es dir nichts ausmacht. Wobei… das letzte streichen wir. Du kommst um diese Veränderung eh nicht rum. Genauer gesagt handelt es sich bei dieser Veränderung nämlich um einen Babybauch. Jap, du brauchst einen Babybauch." Ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen.