Kapitel 11:
Wir hatten besprochen, dass Carlisle mir Morphium geben würde, damit ich weniger Schmerzen hätte. Was die Cullens nicht wussten, war, dass das Morphium lediglich den Körper und die Stimme lähmte, aber nicht den Schmerz betäubte. Diese Erfahrung hatte ich gemacht, als mich James damals gebissen hatte. Aber ich hatte nie darüber gesprochen. Anfangs ergab sich keine Gelegenheit und später, als sie erwogen, es bei meiner Verwandlung genauso zu machen, konnte ich es nicht mehr sagen. Sie hätten sonst nie eingewilligt.
Ich wollte das Morphium haben, damit Edward weniger leiden musste. Er würde kein Wort des Schmerzes von mir hören, ich würde nicht schreien oder mich aufbäumen. Ich würde einfach da liegen für ihn, als ob ich schliefe.
Mich leidern zu sehen, würde ihn so quälen, als ob er ein weiteres Mal sterben würde. Das konnte ich nicht zulassen. Ich verlangte ihm so viel ab. Er musste mich beißen, musste sich selbst unter Kontrolle halten. Er musste seine Angst bewältigen, dass er mich töten könnte. Er, der mich immer nur schützen will, sollte mich bewusst verletzen und töten. Ich verlangte ihm unendlich viel ab.
So war es nur ein kleines Zugeständnis meinerseits, meine Familie in dem Glauben zu lassen, das Morphium würde es erträglicher machen. Hinterher, wenn es vorbei wäre, würde ich es zumindest Carlisle sagen. Jetzt noch nicht. Edward würde es in seinen Gedanken hören. Nichts war mir wichtiger in dem Moment, als meinen Geliebten in dem Glauben zu lassen, dass die Verwandlung nicht so schlimm werden würde wie bei ihm. Sie würden mir diese Notlüge verzeihen…ich hoffte es sehr.
Als ich Carlisle mit der Nadel sah, fing mein Herz an zu rasen. Ich hasste Spritzen. Es gab für mich kaum was schlimmeres. Ich konnte Edward´s gequältes Grinsen sehen „Vor einer Spritze hast du Angst, dass dein Herz so schnell rast, dass ich Angst habe, dass es jeden Moment stehen bleibt. Aber der Gedanke, dass ich dir meine spitzen Zähne in den Hals ramme, bringt dich nicht aus der Ruhe. Du bist der seltsamste Mensch, den ich je gesehen habe, aber deswegen liebe ich dich so unendlich. Mein Schatz, wenn du wieder aufwachst, werde ich da sein und dir helfen." Ich spürte den Pieks der Spritze und wie langsam die Dämmerung kam. Das letzte, was ich hörte, war seine Entschuldigung, und dann spürte ich den Schmerz an meiner Kehle. Es wurde heiß. Die Hitze stieg durch meinen ganzen Körper und dann brannte ich. Ich wollte schreien, aber es kam kein Laut über meine Lippen. Es waren die schlimmsten Qualen meines Lebens…ich sah nur noch rot und tauchte ein in ein Feuer, dass mich auffrass.
