Kapitel 11
Zwei Wochen nach diesem unerfreulichen Zusammenstoß mit seinem… vielleicht wirklich zukünftigen Schwiegervater Draco und mehreren schmachtenden Liebesbriefen an und von Scorpius, erhielt Harry Potter einen offiziellen Brief aus Hogwarts. Es handelte sich um die alljährliche Einladung zu den ersten Quidditch-Spielen des Schuljahres. Seit einigen Jahren wurden die Eltern zu diesem Termin eingeladen, es wurde ein regelrechter Tag der offenen Tür zelebriert. Es gab ein gemeinsames Mittagessen, nachmittags die beiden Spiele, dieses Mal Slytherin gegen Gryffindor und Hufflepuff gegen Ravenclaw, und abends beendete ein Festmahl den Tag, bevor die Eltern wieder nach Hause apparierten. Bisher hatte Harry diesen Tag immer sehr gemocht, seine Kinder zu sehen, ein schönes Quidditch-Spiel anzuschauen all das gefiel ihm, genau wie die vielen Erinnerungen, die immer durch den obligatorischen Gang durchs Schloss geweckt wurden. Doch dieses Mal konnte er den Termin in zwei Wochen wirklich kaum erwarten. Er würde dieses Mal nicht nur seinen beiden Söhnen beim Quidditch zusehen, sondern gleichzeitig auch seinem Geliebten. Und vielleicht ergab sich ja auch die ein oder andere Gelegenheit, dem Jungen einen winzigen Kuss zu stehlen. Nur einen kleinen Kuss. Mehr würde sowieso nicht drin sein, denn sie waren sicher nicht unbeobachtet. Trotzdem war er aufgeregt.
Am Morgen stand Harry früh auf, um sich fertigzumachen. Er duschte ausgiebig, machte sich die Haare, legte Duft auf, genau den, den Scorpius so gerne an ihm mochte, machte sich noch einmal die Haare, gab es dann auf. Nach dem kurzen Frühstück, er brachte irgendwie nichts runter bei der Aufregung, stand er schließlich wieder einmal unsicher vor seinem Kleiderschrank. Merlin, was sollte er nur anziehen – nicht, dass er wirklich viel Auswahl hatte… aber das war wohl eines seiner Probleme. Er sollte unbedingt mal einkaufen gehen und seine Garderobe aufstocken. Am besten in den Ferien, dann konnte er Scorpius als Berater mitnehmen, der kannte sich mit Mode deutlich besser aus, und sah ja selbst im Schlafanzug immer aus wie aus dem Ei gepellt. Und das lag dieses Mal definitiv NICHT am Veela-Gen, denn das gute Aussehen hatte er von seinem bekloppten Vater. Also entschied er sich – wie eigentlich immer - für eine Jeans mit schwarzen Schuhen. Doch dieses Mal hängte er das Hemd wieder weg und entschied sich stattdessen für ein langärmliges dunkelblaues Polo-Shirt. Nicht ganz ohne Hintergedanken, denn sollte ihn jemand mit Scorpius sehen, würde vielleicht in nicht ganz so formeller Kleidung der Altersunterschied nicht ganz so auffallen… obwohl, wem versuchte er hier eigentlich etwas vorzumachen? Niemand könnte übersehen, dass er Scorpius' Vater sein könnte…
Er machte sich doch noch einmal die Haare und flohte schließlich zu Ginny, damit sie gemeinsam nach Hogwarts apparieren konnten. Sie hatten es sich zur Gewohnheit gemacht, bei solchen Anlässen trotz ihrer Scheidung gemeinsam aufzutauchen. Als er Ginnys Wohnzimmer betrat und sich bemerkbar machte, rief diese: „Ich komme!", und betrat Augenblicke später den Raum. Sie lächelte „Hey Harry. Du siehst gut aus… deine Haare… wieso hast du dich so aufgebrezelt?" Er errötete leicht und antwortete nicht gleich.
Sie schnaufte „Oh Merlin… ja, du hast dich für den Jungen so aufgestylt…"
Trotzig nickte Harry. Sie schüttelte den Kopf, schluckte ihre Erwiderung jedoch herunter.
„Ginny, kannst du bitte versprechen, nichts zu ihm zu sagen, was ihn in Verlegenheit bringt?"
„Harry, für wen hältst du mich? Den armen Jungen werde ich schon in Ruhe lassen. DICH werde ich nerven!"
Er grinste, das konnte er sich vorstellen.
„Harry, im Ernst, ich kann es noch immer nicht fassen, dass du schwul sein sollst… ich meine, ich bin eine Frau!"
Harry kicherte albern „Das ist mir in all den Jahren schon aufgefallen, Ginny."
„Ja, aber wieso…? Warum hast du nie was gesagt?"
„Ginny, ich wusste es doch selber nicht. Ich habe nie auch nur einen Gedanken daran verschwendet. Ich habe dich geliebt. Ich habe auch gerne mit dir… geschlafen…"
„WENN wir es mal getan haben…"
„Ja, wenn… aber weißt du, wenn ich mit Scorpius… das ist… Wahnsinn!", seine Augen strahlten, bis ihm Ginnys entsetzter Gesichtsausdruck auffiel und ihm klar wurde, was er gerade zu seiner Ex-Frau gesagt hatte.
„Entschuldige. Vergiss es."
Sie atmete tief durch „Schon gut. Ich bin ja auch mit Spencer zusammen. Und ich will, dass du glücklich bist, du weißt, ich mag dich. Aber bitte. Erzähl mir nichts von deinem Sex mit einem … Mann… da wird mir doch etwas flau."
Harry nickte, er war irgendwie dankbar, dass sie ‚Mann' gesagt hatte und nichts anderes… brisanteres. Trotzdem klang es aus ihrem Mund fast, als sei er ein Verbrecher.
„Lass uns gehen!", meinte Ginny und nahm seine Hand, damit sie gemeinsam apparieren konnten.
Als sie an der Schule ankamen, zog Ginny ihn eilig hinter sich her. Sie hatten noch immer ein enges Verhältnis, und so empfand Harry es nicht als schlimm, weiter ihre Hand zu halten. Sie waren ein Elternpaar, das seine drei gemeinsamen Kinder besuchte. Als sie das Portal erreichten, an dem bereits großer Trubel herrschte, Schüler und Eltern liefen durcheinander und begrüßten sich mit fröhlichem Hallo, hielten sie Ausschau nach ihrem Nachwuchs und fanden auch schließlich zwei Drittel davon. Lily und Albus standen an der Treppe und sahen ihnen entgegen. Ginny stoppte und sah Harry an „Sind sie nicht süß? Sie sehen genau aus wie wir früher!"
Harry lachte und legte seinen Arm und Ginny „Das haben wir wenigstens gut gemacht, auch wenn wir es als Paar nicht so gut waren auf lange Sicht!"
Sie nickte lächelnd, dann gingen sie auf ihre beiden Kinder zu und begrüßten sie. Als Harry seinen etwas widerwilligen Sohn in seine Arme zog murmelte er ihm ins Ohr: „Wollen wir nicht wieder normal sein und aufhören mir dem Streit?" Ein unschlüssiges Brummen war die Antwort, doch Harry dachte sich, dass später noch Zeit sein würde, darüber zu sprechen.
Er begann, nachdem er Lilly umarmt und ihr einen Kuss auf die Stirn gegeben hatte, sich suchend umzusehen. Wer es nicht besser wüsste, würde denken, er suche nach seinem älteren Sohn, doch Albus sah ihn genervt an und verschränkte die Arme vor der Brust „Du suchst IHN, oder?"
„Ich suche James!", erklärte Harry ertappt und wurde ein wenig rot im Gesicht.
„James kommt später, der muss noch was erledigen. Und SCORPIUS ist als Vertrauensschüler dazu eingeteilt, die Eltern gleich in die Große Halle zu bugsieren. Du musst dich also noch etwas gedulden, Dad.", meinte Lily schnippisch. Tatsächlich sah er nun von Weitem den hübschen hellblonden Slytherin, der sich gerade mit ein paar Erwachsenen unterhielt und diesen dann galant mit einem charmanten Lächeln den Weg in die Halle wies. Harrys Bauch kribbelte. Er sah so wunderschön aus – und er gehörte nur ihm!
Kurz trafen sich ihre Blicke, doch zu Harrys Erstaunen sah Scorpius gleich wieder weg und kümmerte sich um die nächsten Gäste. Hatte er ihn nicht wirklich gesehen? Nicht erkannt? Er runzelte die Stirn und trat näher. Er deute Ginny an, dass er gleich wieder da sei und bewegte sich zwischen den plaudernden Gruppen hindurch auf den jungen Mann zu, dem sein Herz gehörte. Als er fast direkt neben ihm stand und dieser noch immer keine Anstalten machte, sich ihm zuzuwenden, räusperte Harry sich, denn gerade waren die Gesprächspartner von Scorpius in die Halle weitergegangen. Der Blonde sah ihn an, eisige, verschlossene graue Malfoy-Augen.
„Kann ich Ihnen irgendwie helfen, Sir?"
Harry zog die Augenbrauen hoch. Was war das denn für ein Theater? „Ähm, Süßer, ist alles okay? Ich dachte, du freust dich, mich zu sehen…? Ich freue mich jedenfalls, dich zu sehen."
„Ach, wir kennen uns DOCH?", der Ton des Slytherin war schneidend.
„Äh… entschuldige, Scorpius, habe ich was verpasst?"
„Nein. Aber wie ich sehe, bist du mit deiner Frau hier… und ihr scheint euch wirklich gut zu verstehen, so wie ihr kuschelt und Händchen haltet…"
„EX-Frau. Und… ja wir verstehen uns gut. Aber wir kuscheln doch nicht!" Ehrlich gesagt wusste Harry in diesem Moment wirklich nicht, was der junge Malfoy meinte. „Ja, wir haben uns an der Hand gehalten… weil wir zusammen appariert sind, und sie hat mich hinter sich hergezogen, weil ich ihr zu langsam war."
„Wie, ihr seid zusammen appariert?", der Ton klang nun regelrecht entsetzt.
„Naja, Seit-an-Seit halt…"
Scorpius kniff ein Auge zu einem Schlitz zusammen „Nein, ich meine, wieso hattet ihr den gleichen Ausgangspunkt?"
„Ach so, ich war vorher bei ihr."
Harry sah, wie sich der Blick seines hinreißenden Gegenübers noch weiter verfinsterte. „Tut mir leid, Sir, aber ich muss hier weiter machen. Einen schönen Tag noch!" Damit drehte er sich um und wandte sich den nächsten Hilfesuchenden zu.
Harry stand wie vom Donner gerührt da und fragte sich, was hier gerade passiert war. Er atmete tief durch, dann schob er sich zwischen die Gäste und den Jungen. Mit einem freundlichen Lächeln in deren Richtung meinte er: „Entschuldigen Sie, Mr. Malfoy hat mir einiges noch nicht richtig erklärt. Wenn ich ihn mal eben entführen dürfte!" Damit ergriff er den blonden Jungen sanft aber bestimmt am Arm und zog ihn ohne auf die irritierten Blicke der anderen Gäste zu achten, in eine Nische, die er noch von früher kannte. Hier hatte er sich mal vor Filch versteckt. Scorpius folgte ihm widerwillig und verschränkte nun die Arme, sah von oben herab auf Harry, dem auffiel, dass der blonde Slytherin inzwischen eindeutig größer war als er. Konnte er in der kurzen Zeit so gewachsen sein… oder lag es an dem finsteren Gesichtsausdruck?
„Was soll das? Wartet deine Familie nicht auf dich?", fragte Scorpius kalt.
„Was soll das Theater? Ich freue mich seit zwei Wochen auf den heutigen Tag, dass wir uns endlich wiedersehen, und dann begrüßt du mich so? Warum?" Harry hatte energisch begonnen, doch die letzte Frage war leise und traurig gewesen.
„Du hast mit ihr … du brauchst mich doch gar nicht. Ihr seht gut zusammen aus… ihr seid eine Familie!"Die grauen Augen blickten jetzt verletzt und anklagend, Scorpius schluckte und blickte dann zu Boden.
Und in diesem Augenblick verstand Harry, was mit seinem Freund los war! Zwar eine Viertelstunde zu spät, aber immerhin.
„Du bist wirklich eifersüchtig!", Harry bemerkte zu seiner Schande, dass er fast etwas stolz darauf war, dass dieser hübsche junge Mann eifersüchtig auf Ginny war – obwohl er dazu doch keinerlei Grund hatte, er vergötterte seine Veela doch.
„Bin ich nicht… vielleicht ein bisschen… Was denkst du denn?"
„Ich dachte… keine Ahnung, dass du es dir anders überlegt hast und mich nicht mehr liebst… oder so."
„Ich kann es mir nicht einfach anders überlegen, Harry. Du bist mein Lebenspartner. Du oder keiner. Ich habe Veela-Gene, schon vergessen? Aber DU, du kannst es dir anders überlegen. Das macht mir Angst."
„Wie könnte ich vergessen, dass du Veela-Gene hast, wenn ich dich ansehe? Aber noch mal zum Mitschreiben: Ich liebe dich, Scorpius. Ginny und ich sind nur Freunde. Wenn ich was von ihr wollte, hätte ich mich nicht von ihr scheiden lassen. Und, glaubst du, ich hätte dann nicht genug andere Gelegenheiten, mit ihr rumzumachen, als ausgerechnet hier vor deiner Nase, wenn ich das denn wirklich wollte?"
Das beruhigte Scorpius nicht wirklich. Natürlich war ihm klar, dass Harry sehr viele Gelegenheiten hatte, jemand anders kennen zu lernen, jemanden, der besser zu ihm passte, der erwachsen war, ihm etwas bieten konnte… für den er sich nicht schämen musste… und dass sie eine Fernbeziehung führten, trug auch nicht dazu bei, ihn zu beruhigen.
„Scorpius, glaub mir, du bist das Beste, was mir je untergekommen ist und auch unterkommen wird… dich gebe ich nicht wieder her! Nie wieder! Und ich liebe dich." Harry zog seinen zukünftigen Mann an sich, umarmte ihn zärtlich und küsste ihn auf den Mund. Dann löste er sich von ihm und meinte lächelnd: „Hallo Schatz, schön, dich zu sehen!"
„Es ist auch schön, DICH zu sehen. Ich habe dich so vermisst!" Endlich trat ein Lächeln auf das Gesicht des hübschen Blonden.
Die nächsten paar Minuten sprachen sie nicht, sondern feierten zärtlich ihr Wiedersehen.
Als sie schließlich wieder aus der Nische traten, die Wangen leicht gerötet, Scorpius Krawatte etwas verschoben, geschah das Unvermeidliche. Quer durch den ganzen Raum sah eine Person mit perfekten Timing und perfekten Auftreten suchend zu ihnen und kam dann mit eleganten großen Schritten auf sie zu.
„Scorpius… Potter?... Wo warst du denn die ganze Zeit?" Sein Blick fiel auf die Nische hinter den beiden und den geradezu DESOLATEN Zustand seines Sohnes. Potters war ja immer gleich unterirdisch, das wunderte ihn nicht mehr. Aber Scorpius? Der sollte es besser wissen!
„Das kann doch nur ein böser Traum sein, dass ihr euch gerade zehn Minuten seht und dann sofort in die nächste dunkle Ecke verschwindet!"
„Guten Tag, Vater.", Scorpius verkniff sich das freche Grinsen. Er wollte nicht riskieren von seinem Vater vor seinem zukünftigen Ehemann und seinen Mitschülern gemaßregelt zu werden. „Wir haben nur kurz miteinander gesprochen!"
„Das sehe ich. Zieh dich gefälligst anständig an, wie siehst du denn aus?" Draco Malfoy deutete auf die schief sitzende Krawatte und den etwas hoch gerutschten Pullover, unter dem man das Hemd sehen konnte. Hastig begann Scorpius an sich herumzuzupfen, wusste er doch, dass sein Vater von ihm ein tadelloses Auftreten erwartete.
Harry verschränkte die Arme vor der Brust „Tag, Malfoy. Meinst du nicht, du übertreibst etwas? Du tust ja, als wäre Scorpius gerade aus dem Schlamm gekrochen! Er sieht doch toll aus!"
Der so Gelobte lächelte hinreißend und warf ihm einen dankbaren Blick zu, während er seine Krawatte zurecht rückte. Doch Draco verdrehte die Augen „Potter, wann lernst du es endlich? Scorpius könnte drei Wochen nicht duschen und einen Müllsack anhaben und du wärst trotzdem spitz wie Nachbars Lumpi, weil du sein Lebenspartner bist. Nicht, dass mein gutes Aussehen, das er geerbt hat, nicht auch einen Teil dazu beitragen würde, aber du bist schlicht nicht zurechnungsfähig, was meinen Sohn angeht. Also, noch weniger als sonst!"
Harry wandte sich wieder an Scorpius „Sehen wir uns nachher nach dem Spiel noch? Ihr seid doch als Erstes dran oder?"
„Ja, gerne. Wir können uns am See treffen. Ich beeile mich nach dem Spiel."
„Viel Glück nachher, Süßer!" Er betonte das letzte Wort und schaffte es tatsächlich, wie geplant, Draco damit wieder ein genervtes Augenrollen abzuringen.
Das Spiel war spannend, seit jeher, waren es die Spiele zwischen diesen beiden Häusern, die besonders spannende Kämpfe um den Sieg versprachen.
Harry saß neben Ginny, daneben hatte Lily Platz genommen. Auf seiner anderen Seite saß Ron, neben ihm Hermine und Hugo. Das Verhältnis der Spieler war ausgeglichen. James und seine Cousine Rose spielten für Gryffindor, Albus und Scorpius für Slytherin. Es durfte also einfach bei jedem guten Spielzug gejubelt werden. Hermine und Ginny sahen ab und an zu Harry, der mit offenem Mund dem Spiel zu folgen schien. Wenn man allerdings genauer hinsah, erkannte man, dass sein Blick wie magisch angezogen immer nur einem einzigen Spieler folgte. Dem schlanken hellblonden Slytherin, der in seinem grünen Umhang, und dem Quidditch-Outfit insgesamt, wirklich gut aussah. Das sahen auch die beiden Frauen. Für Harry jedoch sah er nicht einfach nur gut aus. Die geröteten Wangen, der kraftvolle Körper, der elegant und mit Leichtigkeit den Besen steuerte, die fließenden Bewegungen… hätte Harry die Gelegenheit, würde er diesem Mann am liebsten sofort die Kleider vom Leib reißen.
Hermine hatte irgendwie gehofft, ihr Freund wäre inzwischen zur Vernunft gekommen und die hanebüchene Geschichte hätte sich inzwischen erledigt. Doch nach Harrys Bericht, nachdem sie die Kinder in den Hogwarts-Express gesetzt hatten, er ihnen von der Veela in Scorpius erzählt hatte, war natürlich eigentlich klar, dass das Quatsch war. Er konnte nicht anders. Und der Junge schon gar nicht. Trotzdem sagte sie leise: „Du starrst ganz schön penetrant."
„Ich seh mir das Spiel an. Ich interessiere mich für Quidditch!" erklärte Harry, ohne den Blick abzuwenden.
Hermine kicherte „Ich weiß, aber hast du vorher schon mal bei einem Spiel so intensiv einem einzigen Spieler hinterher gestarrt? Das ist ein bisschen peinlich, als würdest du ihn dauernd mit Blicken ausziehen... Komm mal zu dir!"
Harry errötete „Das habe ich gar nicht." Hatte er wirklich bisher nicht… aber eigentlich…
Hermine prustet laut. Sie konnte zwar noch immer nicht nachvollziehen, wie eine Beziehung zwischen diesem Jungen da auf dem Besen und Harry funktionieren sollte, aber wenigstens schienen sie sich wirklich sehr zu lieben. Immerhin lief das Ganze inzwischen auch schon seit über drei Monaten. Trotzdem – Scorpius war zu jung. Er hatte zwar keine Wahl, trotzdem störte es Hermine. Sie glaubte schon, dass Harry ihn nicht ausnutzen oder manipulieren würde, das war nicht seine Art, aber es war eine schlichte Tatsache. Ihre Tochter war genauso alt wie Harrys… Freund… Geliebter… wie man es auch nennen wollte. Völlig absurd!
Der ehemalige Gryffindor war gefesselt. Er war einfach hinreißend, sogar beim Quidditch… besonders beim Quidditch! Die kämpferische Aggressivität mit der er agierte, das freudige Aufblitzen in den Augen, wenn seine Mannschaft Punkte errang, die männliche rüde Gestik, wenn er mit seinen Mitspielern über die Entfernung kommunizierte. Er war hier auf dem Platz irgendwie so ganz anders, als bei ihm. Und dieser andere Scorpius reizte ihn ebenso, wie der, den er kannte. Er war selbstsicher und stark, fast dominant, wenn er mit den anderen sprach. Und sie akzeptierten das. So war Scorpius unter Gleichaltrigen.
Harry schluckte, als ihm klar wurde, dass Scorpius sich ihm anscheinend unbewusst unterordnete. Er war ja keinesfalls verschüchtert oder willenlos ergeben, er sagte immer, was er wollte, stritt auch mit ihm aber meist nahm er doch widerspruchslos hin, was Harry sagte. Ob das wieder so ein Veela-Ding war? Diese wollten ja ihrem Partner immer gerne gefallen… Dem Retter der Zaubererwelt war auch zuvor gar nicht klar gewesen, dass der Junge sonst nicht so war. Er kannte ihn nur aus der Zeit, die er bei ihm zu Hause verbracht hatte. In seinem Haus, oft in seinem Bett. Er war von Anfang an so gewesen, höflich, kokett und… wohlwollend allem gegenüber, was Harry sagte. Doch Harry bemerkte in diesem Moment, er wollte auch den starken, dominanten jungen Mann kennen lernen, der dort auf dem Besen saß und ihm jetzt über das ganze Spielfeld hinweg zulächelte.
Harry war so sehr in seine Gedanken versunken, dass er das Ende des Spiels nicht mitbekam, erst der Applaus riss ihn aus seinen Planungen. Er wusste inzwischen, was er unternehmen würde, um den starken stolzen Malfoy näher kennen zu lernen. Er lächelte.
Die jubelnden Gryffindors zeigten, dass anscheinend die Mannschaft von James und Rose gewonnen hatte. Auch Lily jubelte begeistert. Albus und Scorpius konnte er nicht mehr sehen, da die Slytherins sich bereits in die Kabine verzogen hatten. Das bedeutete, gleich würde er sich mit Scorpius treffen.
„Ähm… Leute?" er wandte sich an die Freunde um ihn „Ich habe noch was zu erledigen… naja… ich mache einen Spaziergang mit Scorpius… wir sehen uns beim Abendessen!"
Die beiden Frauen sahen ihm amüsiert nach, während Ron murmelte: „Merlin, nicht dass er mit dem Kleinen in irgendeinem Gang erwischt wird!"
Hermine grinste „Och, Schatz, so klein ist der Kleine gar nicht. Größer als Harry auf jeden Fall." Ron verdrehte die Augen.
Als Harry beim Abstieg von der Tribüne Draco ein Stück vor sich sah beschleunigte er seine Schritte, drängte sich zwischen ein paar Leuten durch und kam neben dem Blonden zum Stehen „Ähm, Malfoy. Ich wollte nur sagen, dass Scorpius und ich jetzt einen Spaziergang am See machen werden."
„Und? Soll ich dir jetzt meinen Segen geben? Oder soll ich euch begleiten?" Er zog eine Augenbraue hoch.
„Nein. Ich wollte es dir nur mitteilen, damit du weißt, wo dein Sohn ist."
„Danke. Ich habe das vorhin mit Scorpius bereits besprochen. Ich mache mich jetzt auf den Weg nach Hause, da ich eh noch etwas zu arbeiten habe. Lass dich nicht mit ihm in einem der Gänge erwischen!" Harry dachte an Ron, der eben das Gleiche gebrummelt hatte, als er dachte, Harry höre es nicht. „Was grinst du schon wieder so, Potter? Naja, jedenfalls, wahre bitte Diskretion! WIR haben einen Ruf zu verlieren."
„Ja, und was für einen…", murmelte Harry leise.
„Bitte?"
„Nichts."
„Gut. Ach, Potter. Scorpius hat, wie du vielleicht weißt, bald Geburtstag und wird volljährig. Ich werde zu diesem Anlass der Tradition entsprechend einen kleinen Empfang geben. Du wirst in den nächsten Tagen eine Einladung erhalten. Nur… falls die Eule wieder verloren geht!"
Harry war sprachlos… doch dann meinte er: „Du lädst mich zu der Feier ein?"
„Es ist Scorpius' Wunsch. Und ich habe leider kein vernünftiges Gegenargument. Du bist, so furchtbar es auch ist, sein Partner. Also lade ich dich ein. Nur bitte… Potter. Auch dort muss niemand euch beide mit heruntergelassener Hose in einer Besenkammer finden. Diskretion! Am besten bemerkt noch niemand in diesem Umfeld, dass ihr… euch näher kennt."
„Bin ich dir peinlich als Scorpius' Freund?"
„Ja."
„Oh", Harry war verblüfft, obwohl er es eigentlich nicht sein dürfte. Er kannte Malfoys unverblümte Art. Aber das gerade fand er irgendwie … gemein.
„Gut, Potter. Dann… bis zur Feier. Ach, du solltest dir was Anständiges anziehen!"
„Natürlich, Malfoy! Ich bin kein unzivilisierter Wilder!"
Draco sagte nichts. Das brauchte er auch nicht, denn sein Blick, der auf Harrys Freizeitoutfit ruhte sprach Bände. Er selbst trug wie immer einen schwarzen Maßanzug und einen entsprechend eleganten Umhang.
„So, Malfoy, ich muss dann. Dein Sohn erwartet mich schon sehnsüchtig!" Das konnte er sich nicht verkneifen.
„Sicher. Potter."
„Malfoy."
Harry schlug am Fuß der Tribüne eine andere Richtung ein, als der große Strom von Menschen, der sich wieder zum Schoss hinaufschlängelte.
Auf halbem Weg zum See hörte er hinter sich eine Stimme „Harry! Warte!"
Harrys Herz begann schneller zu schlagen, er drehte sich um und sah Scorpius mit großen Schritten hinter ihm hereilen. Ohne darauf zu achten, ob sie irgendjemand sehen könnte, breitete Harry die Arme aus und fing seinen sexy Quidditch-Spieler auf – zumindest versuchte er es, doch da Scorpius so viel Schwung drauf hatte, dass Harry ihn nicht halten konnte, rannte der Slytherin Harry einfach um. Einen Wimpernschlag später fand sich Harry auf dem Rücken auf der Wiese liegend wieder, auf ihm sein atemberaubender Freund. Scorpius stützte sich lässig mit dem Ellenbogen neben Harrys Kopf ab und grinste anzüglich „Hallo Schatz, du liegst gut unter mir!"
Harry erwiderte das Grinsen „Du liegst auch gut auf mir! Aber warum so stürmisch?"
„Ich konnte es nicht erwarten, dich zu schmecken…" Begierig drängte sich der Jüngere an seinen Geliebten und küsste ihn fordernd.
„Warum bist du denn so …. erregt, mein Schatz? Ich dachte, ihr habt verloren?", neckte der Dunkelhaarige.
„Ich muss mich abreagieren…"
„Aber du warst gut… und du hast heiß ausgesehen… so stark."
Scorpius errötete leicht „Das liegt an der Uniform… an den Schulterprotektoren…"
„Ein Malfoy… und doch so bescheiden! Bist du sicher, dass dein Vater dich nicht adoptiert hat?"
„Wenn ich in den Spiegel gucke schon…", Scorpius gluckste.
Harry hätte jetzt gerne die Position gewechselt, sich mit dem anderen gedreht, so dass er nicht mehr unten lag, sondern Scorpius. Doch er hielt sich zurück, denn sein Schatz schien es zu genießen, wie es war. Zweifellos hätte er sich widerspruchslos gefügt, doch das wollte er nicht. Er wollte den starken Mann sehen.
Wieder küsste Scorpius Harry, leidenschaftlich und tief, fuhr mit der Zunge über die Lippen des Dunkelhaarigen, nahm dessen Unterlippe zwischen die Zähne, küsste sich zu Harrys Hals, leckte über die zarte Haut und kam schließlich am Kragen des Shirts an. Er robbte etwas nach unten, und begann nun, das störende Kleidungsstück hochzuschieben, folgte ihm mit der Zunge, bis er bei den Brustwarzen angekommen war. Als er es Harry über den Kopf ziehen wollte, hielt dieser die Hand fest. „Warte mal, wir liegen hier mitten auf der Wiese… für alle sichtbar. Und die Ersten werden gleich schon wieder zum Stadion kommen… wir sollten uns ein anderes Plätzchen suchen."
Scorpius murrte leise, dann nickte er, leckte noch einmal genießerisch über Harrys Lippen und erhob sich von ihm.
„Wohin?", fragte Harry und seine dunklen Augen klebten auf seinem Partner.
„Ich denke, in meinem Schlafzimmer wäre passend… ich teile mir ein Zimmer mit Albus, wie du weißt… und der ist sicher mit Ginny… Mrs Potter… also seiner Mutter zusammen." Er wurde rot.
Harry lächelte „Ich denke, Ginny ist völlig okay. Dein Schlafraum… wie versaut! Ich in einem Hogwarts-Schlafraum… wer hätte das gedacht?"
„Wie früher, oder?" fragte Scorpius mit einem schmutzigen Grinsen und zog Harry bereits hinter sich her.
Der ehemalige Gryffindor schüttelte den Kopf.
Fragend sah Scorpius ihn an.
„Ich hatte nie in Hogwarts Sex… erst nach meinem Abschluss, da war ich dann richtig mit Ginny zusammen…"
„Soll das heißen, du hattest bisher nur mit Ginny Sex… und mit mir?"
„Ja… naja, bis auf eine Frau, die ich, als Ginny und ich uns frisch getrennt hatten, betrunken in einer Bar aufgegabelt habe… ich weiß nicht mal ihren Namen und bin nicht stolz drauf… aber sonst… nur Ginny und du. Aber ich hatte einfach nicht so ein riesiges Interesse, Frauen aufzureißen… jetzt weiß ich auch warum!" Er grinste und kniff Scorpius kräftig in den Hintern.
Als ihnen jedoch wie erwartet die ersten Zuschauer für das nächste Spiel entgegen kamen, ließen sie von einander ab und gingen unschuldig nebeneinander her, waren sich jedoch immer wieder begehrliche Blicke zu.
Als Scorpius die Tür im Kerker hinter ihnen schloss, erschien ein diabolisches Grinsen auf seinem Gesicht. „Zeit bis zum Abendessen… die will ich genießen!" Seine Hand fuhr zu seiner Krawatte, löste sie geschickt, das Hemd folgte.
Als sie schließlich nackt in einen hungrigen Kuss vertieft auf dem Bett lagen und sich aneinander rieben, griff Scorpius entschieden und ungeduldig nach Harrys Hand und führte sie energisch an seinen Po dann raunte er ihm zu: „Mach schon. Ich will heute noch kommen!"
Harry seufzte auf und ließ sich nicht zwei mal bitten. Wenige Minuten später entzog er dem jungen Malfoy seine Finger und sah den Jungen prüfend an, wollte er es so? „Ähm, Süßer, ist es so okay? Möchtest du was anderes?"
Scorpius knurrte gefährlich „Verdammt, Harry, hör auf zu reden. Ich machs mir gleich selber, wenn du mich nicht nimmst!"
„Na gut, Slytherin…", murmelte Harry rau. Dann drückte er mit einem Ruck Scorpius Beine noch ein Stück auseinander, was diesen lustvoll aufkeuchen ließ. Der Dunkelhaarige ließ sich nun zwischen die einladend geöffneten Beine gleiten und begann, aufmerksam auf Scorpius' Gesicht achtend, sich in ihn zu schieben. Nachdem sich die Muskulatur um ihn etwas entspannt hatte und er auch seine übersprudelnden Gefühle davon abgehalten hatte, bereits zu kommen, als er noch nicht einmal ganz eingedrungen war, begann er sich zu bewegen, stöhnte dabei auf und versuchte, sich zurückzuhalten. Scorpius seufzte, und begann, Harry mit seinem Becken entgegen zu kommen, was dieser als Aufforderung sah, sich intensiver zu bewegen.
„Harry…", seufzte Scorpius immer wieder, und als er schließlich unter seinem Geliebten kam, war ihm, als würde er in den Himmel fallen – alles stand Kopf. Harry sah ihm ins Gesicht, und dieser Anblick, auf den er gewartet hatte, schickte auch ihn über die Klippe.
Als sie kurz darauf entspannt nebeneinander lagen, meinte Harry auf einmal verlegen und noch immer etwas atemlos: „Merlin, ich liebe es, wenn du meinen Namen dabei stöhnst… "
Scorpius grinste ziemlich slytherin „Ich liebe es, wenn du mich dazu bringst, ihn zu stöhnen…"
