Disclaimer:
Gestern entschied ein internationales Gremium dessen Mitglieder geheim bleiben sollen, Pilarius die Rechte an Harry Potter zuzugestehen. Nur aus strenggeheimen Gründen glaubt die Welt noch immer, sie gehörten JKR. Ihr glaubt mir nicht? Hmmpf. Wie ihr wollt. Harry Potter gehört JKR! Bitte. Ich bin nur eine einsame Stimme der Wahrheit, die ungehört verhallt.
Schatten der Wahl
11. Familienangelegenheiten
Tigris erwachte am nächsten Morgen in den weichen Kissen seines komfortablen Bettes. Einen Moment empfand er Verwirrung, dann erinnerte er sich. Er öffnete die Augen und setzte sich langsam auf. Er spürte die vertraute Taubheit eines Schlaftrankes, die langsam abklang. Als er sich umblickte, sah er seinen Bruder, der im Bett neben ihm schlief. Sein Rücken schmerzte noch immer, aber der Schmerz war dumpf.
„Der junge Master ist wach!", quiekte eine aufgeregte Stimme neben ihm. „Womit kann Dilly dem jungen Master helfen?"
Tigris sah zu der Hauselfe hinunter.
„Leise, Dilly, Master Draco schläft noch." Die Augen der Hauselfe weiteten sich und sie nickte heftig. Tigris lächelte ihr zu.
„Öffne die Vorhänge ein wenig und gib mir eins der Bücher dort drüben."
„Sofort, Master." Sie reichte ihm ein Buch über Etikette, was vermutlich todlangweilig war, aber Tigris hatte keine Lust, sie zu berichtigen.
„Soll Dilly dem jungen Master auch Frühstück bringen?"
„Master Lucius wird wollen, dass wir das Frühstück im Speisesaal einnehmen."
„Oh nein, junger Master. Misses sein sehr deutlich. Junge Masters bleiben heute in Zimmer. Nicht laufen, nein, im Zimmer essen."
Tigris zog die Brauen hoch. „Wir müssen Mutter wohl danken. Gut, dann bring mir Frühstück. Und Dilly..."
„Ja, junger Master?"
„Nenn mich Tigris."
„Ja, junger Master Tigris."
Tigris seufzte und schüttelte den Kopf, korrigierte sie aber nicht. Stattdessen setzte er sich in seinem Bett zurecht und öffnete das Buch. Anstatt zu lesen starrte er jedoch nur auf die Seiten und dachte über die Entscheidung nach, die er getroffen hatte. Es überraschte ihn selbst, wie kalt er plötzlich war. Plötzlich waren all seine Empfindungen von vorher verschwunden. Er fühlte sich innerlich abgestumpft. Er erkannte nun, dass er sich mit der Situation abfinden musste, wie sie war. Selbst in dem unwahrscheinlichen Fall, dass alle ihm glaubten, wer er war und ihn nicht deswegen verstießen – Lucius Malfoy wäre immer noch sein Vater und hätte Vormundschaft über ihn. Aus den Büchern, die Tigris gelesen hatte, konnte er genug schließen um zu wissen, dass die Gesetze der Zaubererwelt sich von denen der Muggelwelt unterschieden. Das Recht der Eltern an ihren Kindern – insbesondere wenn es sich um einen Erben handelte – hatte Vorrang gegenüber den meisten anderen Gesetzen. Selbst wenn es nicht so wäre – Dumbledore hatte nie etwas gegen die Dursleys unternommen, warum sollte sich das nun plötzlich ändern? Es wäre gefährlich, noch mehr Leute wissen zu lassen, wer er war. Wahrscheinlich war es das Beste, wenn man ihn für tot hielt. Sicherer für seine Freunde, sicherer für seine Familie, sicherer für ihn. Tigris hatte keine andere Wahl, als sich zu arrangieren und abzuwarten. Es mochte ihm nicht gefallen, aber das spielte dabei keine große Rolle. Es war der Schluss zu dem er gekommen war.
Tigris stand auf, um sich zu waschen und umzuziehen. Dilly brachte das Frühstück, begleitet von ein paar Zaubertränken, die sicher seine Mutter dazugegeben hatte. Er schluckte sie gehorsam, dann lehnte er sich zurück und begann, das Buch zu lesen. Es war langweilig, aber großteils unbekannt für ihn und möglicherweise wichtig. Also quälte er sich durch die Seiten und war bei etwa einem Viertel angelangt, als Draco aufwachte.
Draco war überrascht, nicht in seinem Zimmer zu sein, aber schien es nicht zu bedauern. Nachdem er gefrühstückt hatte, ging er, um sich umzuziehen – wobei er sich einfach an Tigris' Kleiderschrank bediente - und verzog das Gesicht, als er seinen Rücken im Spiegel sah. Die meisten Striemen waren verblasst, aber einige wenige zeichneten sich noch deutlich rot ab.
„Es werden Narben bleiben! Wie denkt er soll ich das erklären?"
„Sagtest du nicht, Mutter ist eine fähige Heilerin?"
„Ja, sie tut was sie kann. Aber bisher war es niemals so schlimm. Wenn es sofort behandelt worden wäre könnte sie vielleicht mehr tun."
Tigris zuckte mit den Schultern. „Sag, du hattest einen Unfall. Wir könnten sagen, wir waren im Wald spazieren und trafen auf einen wild gewordenen Kniesel. Oder besser, eine wild gewordene Kniesel - Mutter, die ihre Jungen verteidigte. Sicher gibt es welche in diesem Wald dort draußen. Wir waren zu weit vom Haus entfernt, darum konnten wir die Wunden nur notdürftig versorgen und sie sind nicht richtig verheilt."
Sein Bruder verzog spöttisch den Mund. „Das ist... eine beeindruckende Lüge für einen Gryffindor. Ich hätte nie gedacht, dass du es in dir hast."
Tigris grinste humorlos. „Ich habe Übung."
Draco begegnete seinem Blick und nickte dann ernst. „Die verdammten Muggel. Sie haben bekommen, was sie verdient haben."
Tigris schwieg. Er hatte nicht das Gefühl, dass er zustimmte. Aber er war auch nicht so sicher, wie er noch zwei Wochen früher gewesen wäre. Früher hätte er gesagt, niemand verdiente ein solches Ende. Aber er merkte, dass er, wenn er an seinen Vater dachte, durchaus das Gefühl hatte, dass er es verdienen würde. Und was war mit Bellatrix Lestrange? Hatte er ihr nicht den Tod gewünscht, zumindest in jenen Minuten in der Mysteriumsabteilung? Tigris erinnerte sich an Vernons Grinsen, wenn er ihn schlug. Dudleys ständige Beleidigungen und Quälereien. Petunias Ignoranz. Andererseits... man mochte den Dursleys viel vorwerfen, aber sie waren keine Mörder wie Lucius und Bellatrix. Sie verdienten eine Strafe, aber nicht den Tod. Aber warum empfand dann ein Teil von ihm diese Genugtuung bei Dracos Worten? Tigris schüttelte ärgerlich den Kopf, um die Gedanken zu vertreiben.
„Wusstest du, dass Vater mir den Siegelring zum Geburtstag geschenkt hat?", wechselte er das Thema. Er war gerade bei dem Abschnitt des Buches, der sich mit Erbstücken beschäftigte. Draco nickte mit einem bitteren Lächeln, das schnell verschwand.
„Den Ring und die Brosche, ja. Aber du kannst sie nicht tragen."
„Ich weiß. Werden sich die Leute nicht wundern?"
Draco schüttelte den Kopf. „Ich bin noch nicht siebzehn. Dann... nun, das muss Vater entscheiden. Er kann dich noch immer als Erben ‚adoptieren'. Natürlich würden die Leute ebenfalls Fragen stellen, aber ich denke nicht, dass ihn das kümmern würde."
Tigris nickte knapp. Er konnte sich vorstellen, was es für Draco heißen würde. Natürlich würden die Leute sich fragen, warum Lucius Malfoy seinen bisherigen Erben nicht mehr als geeignet ansah. Es wäre eine öffentliche Demütigung. Aber wenn ihr Vater es beschlossen hatte, würde er es tun, egal was die Folgen für seinen jüngeren Sohn sein mochten. Tigris runzelte die Stirn.
„Was ich nicht verstehe ist, warum er mich überhaupt dir vorzieht. Ich habe mich ihm widersetzt, was du nie getan hast. Er kennt dich und kann dich einschätzen. Er mag denken, dass er mich kontrollieren kann, aber das kann sich ändern."
Draco warf ihm einen kritischen Blick zu, aber schüttelte dann den Kopf und setzte sich wieder auf sein Bett. „Offenbar gibt es Vorteile, die das wettmachen. Es GIBT Gründe dafür, dass soviel Wert auf die Blutlinie gelegt wird."
Tigris sah ihn verwirrt an. „Welche Gründe?"
Draco zuckte mit den Schultern und lehnte sich zurück. Er verzog leicht das Gesicht, als sein Rücken die Kissen berührte. „Es sind Gerüchte, die in den alten Familien kursieren. Es wird gesagt, dass gewisse Fähigkeiten sich mit den alten Blutlinien fortpflanzen, und manche davon werden nur an die Erstgeborenen vererbt. Wenn das wahr ist, sind es gut gehütete Geheimnisse, selbst innerhalb der Familien. Ich war immer gespannt darauf, es zu erfahren, wenn ich volljährig werde. Nun wird das natürlich nie geschehen. Die alte Magie wird nicht von offiziellen Akten getäuscht."
Tigris dachte an den Stammbaum in der unterirdischen Höhle und nickte. Dann sah er auf das Buch. „Fähigkeiten im Sinne magischer Fähigkeiten, oder Fähigkeiten allgemein?"
„Ich weiß nicht. Aber jemand sagte mir einmal, dass die Snapes für ihr Fingerspitzengefühl und ihre Konzentrationsfähigkeit berühmt wären – Talente, die mit Sicherheit große Braumeister und Alchemisten auszeichnen – also vermute ich, es gilt allgemein."
Tigris nickte nachdenklich. „Ich frage mich..." Dann schüttelte er den Kopf. „Nein, das ist albern."
„Was?", fragte Draco neugierig.
Tigris betrachtete ihn nachdenklich. „Ich habe das Gefühl, ich bin belesener geworden, seit ich hier bin. Aber das ergibt keinen Sinn, es fing an, bevor ich den Trank getrunken habe."
Draco grinste. „Belesener, wie? Ja, ich erinnere mich, wie du und Wie.. Weasley früher von dem... Granger in die Bibliothek gezerrt worden seid."
Es war amüsant, wie Draco mit den Namen kämpfte. Tigris wunderte sich, dass er es überhaupt versuchte.
„Es ist möglich.", fuhr Draco nachdenklich fort. „Solche Dinge werden nicht von Tränken beeinflusst, die das Aussehen verändern. Vielleicht hat die Nähe deiner Blutsverwandten die Begabung verstärkt, oder etwas anderes hat sie ausgelöst. Man sagt, dass die Malfoys von Ravenclaw abstammen. Ich hielt es für einen Mythos, aber wer weiß? Ich kenne niemanden in unserer Familie, der eine Abneigung gegen Bücher hat, und ich habe Vater immer um sein fotografisches Gedächtnis beneidet."
Tigris starrte Draco an, dann lachte er. „Ravenclaw? Die Malfoys stammen von Ravenclaw ab?"
Draco verschränkte die Arme und sah ihn ärgerlich an. „Ja. Was ist so amüsant daran?"
Tigris schüttelte den Kopf und holte tief Luft. „Nichts, wirklich. Ich hätte es nur nie erwartet, dass ist alles. Morgana vielleicht, oder Slytherin, aber Ravenclaw?"
„Ravenclaw und Asklepios, wenn du es genau wissen willst. Außerdem weiß doch jeder, dass die Snapes die Nachfahren von Slytherin sind."
Tigris starrte Draco schockiert an. Draco lachte.
„Oh sicher, klar.", meinte Tigris daraufhin sarkastisch. „Es macht dir Spaß, mich auflaufen zu lassen, nicht wahr?"
Draco deutete eine spöttische Verbeugung in seine Richtung an. „Natürlich, Bruderherz. Davon abgesehen, es ist nicht VOLLKOMMEN gelogen. Die alten Familien sind so miteinander vermischt, dass sich sicher in jeder irgendeine Verbindung mit den Gründern findet. Unsere Familie ist eine der wenigen, die ihre Abstammung direkt zurückverfolgen kann. In wie weit das auf die Snapes zutrifft – wer weiß?"
Sie verbrachten einen geruhsamen Tag im Bett, hauptsächlich lesend. Sie unterhielten sich über triviale Dinge und fanden es beide erstaunlich, wie wenig sie übereinander wussten. Tigris stellte fest, dass er mit Draco genauso leicht reden konnte, wie mit Ron, wenn er gewisse Themen umging. Leichter sogar, denn Draco war nicht so unbeherrscht und gedankenlos, wie Ron es oft war. Er verstand Dinge, die Ron nie verstehen würde, einfach weil sein Leben so anders war als Tigris'. Ron war in einer liebenden Familie aufgewachsen, mit vielen Geschwistern und Eltern, die sich um ihn sorgten. Er war ein großartiger Freund und seine spontane, sorglose Art tat gut, aber über einiges konnte Tigris mit ihm einfach nicht reden. Draco wusste, wie es war, sich einsam und wertlos zu fühlen, niemanden zu haben, mit dem man reden konnte. Er kannte das Gefühl, keine Schwäche zulassen zu wollen, aus Angst, dass sie gegen einen verwendet würde. Niemandem zu vertrauen. Sie gaben es gegenüber einander nicht zu, aber es herrschte ein unterschwelliges Verständnis zwischen ihnen, das langsam ein Band formte.
„Wie fühlst du dich jetzt, was Vater angeht?", fragte Draco später am Nachmittag. Draco hatte gerade eine Partie Backgammon gegen Tigris verloren und hatte fruchtlos versucht, ihn zu einem Schachspiel zu überreden. Tigris verlor bereits ständig gegen Ron, er brauchte nicht daran erinnert zu werden, wie hoffnungslos untalentiert er in diesem Spiel war.
„Ich bin zu der Entscheidung gelangt, dass es das Beste ist, mich zu arrangieren.", erwiderte Tigris, das unwohle Gefühl in seinen Knochen unterdrückend.
Draco lachte ohne jeden Humor. „Du bist zu der Entscheidung gelangt? Hervorragend, Bruder."
Tigris warf ihm einen ärgerlichen Blick zu und sank in die Kissen. „Ich erkenne nicht, was es da zu lachen gibt."
„Komm schon, gib es zu.", entgegnete Draco, ernst werdend. „Du hast genauso viel Angst vor ihm wie ich."
„Nur weil du Angst vor ihm hast, heißt das nicht, dass es mir genauso geht!", rief Tigris wütend.
„Wirklich? Rede dir das nur weiter ein, vielleicht wird es dann zur Wahrheit."
„Du weißt gar nichts!", zischte Tigris, griff sich ein Buch und starrte stur auf die Seiten, ablehnend irgendetwas anderes wahrzunehmen.
Aus den Augenwinkeln sah er, wie Draco traurig lächelte und seinerseits nach einem Buch griff. Tigris wollte ihn anschreien, etwas nach ihm werfen, aber er tat es nicht. Ein Teil von ihm wusste, dass Draco Recht hatte.
Ihre Mutter kam am nächsten Morgen, um nach ihnen zu sehen. Sie runzelte die Stirn beim Anblick von Dracos Rücken und noch mehr, als sie Tigris' sah, aber sie sagte nichts. Sie gab ihnen nur weitere Zaubertränke und sprach ein paar Heilzauber. Tigris fühlte sich deutlich besser. Sein Rücken schmerzte noch hin und wieder, wenn er sich bewegte, aber es war nicht schlimmer, als eine Verspannung.
„Wie geht es euch?", fragte sie, als sie fertig war.
„Besser.", erwiderte Draco.
„Viel besser.", stimmte Tigris zu. „Danke, Mutter."
„Gut." Sie stand auf. „Ich habe alles getan, was ich konnte. Ihr könnt heute noch hier oben essen, wenn ihr wollt. Du kannst in dein Zimmer gehen, Draco. Ich möchte mich mit Tigris unterhalten, aber das hat bis heute Nachmittag Zeit. Es freut mich, dass ihr so gut miteinander auskommt."
Sie nickten nur dazu.
„Willst du, dass ich gehe?", fragte Draco, als sie gegangen war.
„Willst du gehen?", fragte Tigris unsicher. „Du kannst bleiben, wenn du willst. Ich fange an, es zu mögen, wenn du da bist."
„Oh danke.", meinte Draco spöttisch. „Wenn das nicht meinen Tag gerettet hat, was dann? Natürlich bleibe ich, wenn du willst. Es ist langweilig alleine. Ich hatte sechzehn Jahre Zeit, mich daran zu gewöhnen. Lust auf eine Partie Backgammon?"
„Sicher."
Sie verbrachten den Rest des Vormittages spielend und sich unterhaltend. Dann aßen sie zusammen zu Mittag und Draco ging hinüber in sein Zimmer. Seine Mutter kam wenig später und schloss die Tür hinter sich.
„Hattet ihr einen angenehmen Vormittag?"
„Ja, danke. Warum wolltest du mit mir reden?"
Sie zog ihren Zauberstab und murmelte ein paar Sprüche in Richtung der Tür. „Dein Vater möchte, dass ich dir Okklumentik beibringe, aus offensichtlichen Gründen."
Tigris stöhnte. „Es tut mir leid, das zu sagen, aber ich bin furchtbar darin."
Sie zog die Brauen hoch. „Du hast bereits versucht, es zu lernen?"
„Dumbledore dachte, ich brauche es, wegen meiner Verbindung zu V... zu dem Dunklen Lord."
„Ah ja, ich erinnere mich, Severus erwähnte es."
Tigris verspürte eine kurze Welle von Ärger auf Snape. Es war recht offensichtlich, wo seine Loyalität lag.
„Mach dir darüber keine Gedanken. Man kann nicht von ihm erwarten, dich vernünftig unterrichtet zu haben. Er mag ein guter Okklumens sein, aber er hat seine Schwächen."
„Warum unterrichtet Vater mich nicht selbst?" Es verwunderte Tigris, dass sein Vater die Gelegenheit verstreichen ließ, in seinem Geist herumzuwühlen.
Sie lächelte ihn an. „Es mag dich überraschen, aber es gibt einige Dinge, in denen dein Vater wirklich kein Talent besitzt. Heilzauber gehören dazu. Und dann gibt es andere Bereiche, in denen er recht passabel ist, aber meine Fähigkeiten die seinen weit übersteigen, so wie Okklumentik."
Tigris starrte sie an und blinzelte. Er musste zugeben, er hatte nie darüber nachgedacht, dass sie einfach talentierter sein würde, als sein Vater. Sicher, er wusste inzwischen, dass sie eine Heilerin war, trotzdem... Die Rolle der nichtstuenden Ehefrau schien so zu ihr zu passen.
„Es tut mir leid, ich wollte dich nicht beleidigen."
„Schon gut, ich weiß, welchen Eindruck ich vermittle. Schließlich habe ich Jahre gebraucht, ihn zu perfektionieren." Sie grinste flüchtig. „Aber deswegen bin ich nicht hier. Ich möchte mit dir über etwas reden, von dem dein Vater nichts weiß."
Tigris runzelte besorgt die Stirn.
„Es ist aber etwas, das er akzeptieren würde, wenn er davon wüsste.", fügte sie eilig hinzu.
Sie setzte sich Tigris gegenüber auf einen Stuhl. „Siehst du, er weiß, dass ich ein guter Okklumens und Legilimens bin. Was er nicht weiß ist, dass die Begabung dafür in der Black Familie liegt. Hast du schon einmal über die Talente der alten Familien gehört?"
„Draco hat mir erst gestern darüber erzählt. Es klang wie ein Mythos."
„Nun, das ist es nicht. Dies ist eins dieser Talente. Aber das ist nicht alles. Das Familiengeheimnis der Black Familie ist das Wissen, wie man diese Fähigkeiten ausbildet, nutzt und verstärkt. Es wird normalerweise an den ältesten Sohn einer Familie weitergegeben. Wie ich dazu kam, ist ein wenig kompliziert. Mein Cousin Sirius wurde enterbt und ausgestoßen, also kam er nie in Frage. Sein Bruder Regulus wusste möglicherweise darüber, aber er starb sehr jung. Ich habe keine Brüder. Meine älteste Schwester Bellatrix ist unfruchtbar, darum übergingen meine Eltern sie. Meine andere Schwester Andromeda heiratete einen Muggel, darum wurde sie verstoßen und meine Eltern vollzogen ein kompliziertes Ritual, um sicherzustellen, dass ihre Kinder nie die Talente der Blacks erben würden. Somit blieb ich als einzige übrig. Mein Vater weihte mich in die Geheimnisse ein, nachdem ich deinen Vater geheiratet hatte. Dieses Wissen wird nur in der Familie Black weitergegeben. Da ich die letzte der Blacks mit diesem Wissen bin, gebe ich es weiter an dich, so dass du es an deine Kinder weitergeben kannst. Du kannst es zu deinem Vorteil verwenden, aber du musst vorsichtig sein, so dass kein anderer davon erfährt."
Tigris nickte langsam, verarbeitend, was sie gesagt hatte. „Aber sollte es sich nicht gezeigt haben, wenn ich ein Talent dafür habe? Ich meine, Professor Snape hat mir nicht sehr geholfen, aber ich habe es wirklich gehasst, wenn er Legilimens auf mich gesprochen hat."
Sie seufzte. „Ich habe den Verdacht, er hat mehr Schaden als Nutzen angerichtet, unabsichtlich noch zudem. Gedankenbauen, wie die alten Texte es nennen, ist eine komplexe Kunst, an die behutsam herangegangen werden muss. Wir werden sehen."
Sie wühlte in ihren Taschen und holte schließlich etwas hervor, das wie eine kinderfaustgroße Glaskugel aussah.
„Dies, Sohn, ist der Black- Schlüsselstein. Der menschliche Geist ist ein kompliziertes Netzwerk vieler unterschiedlicher Elemente, die sich in dem fragilen Gleichgewicht befinden, das eine Persönlichkeit ausmacht. Dieser magische Gegenstand kann als ein Kompass dienen, ein Wegweiser, um dieses Netzwerk zu erkennen und zu manipulieren. Sei vorsichtig damit, denn es ist ein gefährliches Objekt, das großen Schaden anrichten kann, wenn man es falsch anwendet. Wenn du es benutzt wirst du schnell merken, wie berauschend es ist, zu SEHEN, zu VERSTEHEN. Lass dich davon nicht überwältigen. Das Geflecht des Geistes ist komplex und jede unbedachte Änderung kann fatale Folgen haben. Selbst etwas kleines, was du für unbedeutend halten magst, kann Verknüpfungen haben, von denen du nichts ahnst. Tu nichts, ohne absolut sicher zu sein, oder du kannst eine Persönlichkeit für immer zerstören."
Tigris nickte ernst. Er verstand nicht völlig, was sie sagte, aber er hatte das Gefühl er würde es verstehen, sobald er den Stein benutzte.
„Denk einmal darüber nach:", erklärte sie. „Ein einzelnes Ereignis im Leben eines Menschen kann den Rest seiner Entwicklung beeinflussen, ohne dass er es weiß. Es ist wie in dem Sinnbild mit den Schneeflocken. Eine Schneeflocke allein kann einen Ast nicht brechen lassen, aber zusammen mit anderen mag sie gerade die entscheidende Flocke sein, die ihn brechen lässt. Nehmen wir an, du löschst eine Erinnerung aus dem Gedächtnis eines Menschen. Sie mag dir unwichtig erscheinen, aber vielleicht ist es gerade die Erinnerung, die ihn zu dem Menschen macht, der er jetzt ist. Ohne sie ist er unvollständig, Handlungen der Vergangenheit verlieren ihren Sinn für ihn. Er vergisst wer er ist und dies führt ihn unausweichlich in den Wahnsinn."
„Ich werde vorsichtig sein.", versprach Tigris.
„Vergiss das nicht. Wollen wir anfangen?"
Tigris nickte zögernd. Sie lächelte ihm aufmunternd zu. Sie bedeutete ihm, sich mit ihr auf den Boden zu setzen. Er setzte sich ihr gegenüber.
„Gut.", sagte sie. „Entspann dich. Nun schließe deine Augen und atme tief und regelmäßig ein und aus. Konzentriere dich auf deinen Körper, deinen Atem, bis du an nichts anderes mehr denkst." Sie machte eine Pause. „Nun kehre langsam zu deinen Gedanken zurück. Denk von dir selbst wie von einem Beobachter. Sieh wie Gedanken in deinem Geist entstehen, wie du sie aufgreifst oder verwirfst, wie sie mit anderen Gedanken verknüpft werden, wie sie zu Bildern, Vorstellungen und Ideen werden. Gewinn ein Gefühl dafür, wie dein Geist funktioniert. Wenn du dieses Gefühl sicher hast, öffne die Augen und sieh in den Schlüsselstein."
Tigris hörte ihrer ruhigen, gleichmäßigen Stimme zu und hatte schließlich das Gefühl, er habe erreicht, was sie sagte. Er öffnete die Augen und sah ihn den Stein.
Er hielt unwillkürlich den Atem an. Es war unbeschreiblich. Er fühlte sich, als wäre er die ganze Zeit in einem dunklen kleinen Raum gewesen, und plötzlich würde die Tür aufgestoßen, so dass er die Welt um sich herum sah. Die Welt seines Geistes, die nun vor ihm lag mit all ihren Wundern. Er sah Gedanken, Erinnerungen, Entscheidungen... Ein endloses Gewebe, lebendig und sich ständig verändernd. Er sah wie es sich bewegte, sich formte, wie Einflüsse von innen und außen es veränderten und es dennoch stabil und konstant blieb. Wie ein Meer voller Leben und Aktivität. Und er verstand, warum es so war, wie es war. Er verstand welche Wirkung und welchen Sinn jeder einzelne Bestandteil hatte. Es war einfach, sich zurechtzufinden, die konfuse Welt in etwas Übersichtliches und Geordnetes zu verwandeln, zu bestimmen, was andere sehen konnten und was nicht. Alles zu kontrollieren. Es war Macht, pur und unbegrenzt. Tigris fühlte wie er lachte. Er wollte aufspringen vor Freude und loslaufen. Er fühlte sich voller Energie und Tatendrang. Er wusste, er konnte alles erreichen, was er wollte, nichts war unmöglich. Er sah das Potential vor sich, die unendlichen Ressourcen dieses Wunders, das er selbst war.
„Tigris... Komm zurück, Tigris..."
Tigris stieß einen frustrierten Laut aus. Er fühlte sich, als würde er schweben, und diese Stimme zog ihn auf den Boden zurück, zurück in die Beschränktheit seines Körpers. Einen Moment lang besaß er die Erleuchtung, alles ergab Sinn, er wusste alles was er immer hatte wissen wollen – und im nächsten unterbrach ihn diese Stimme und er war wieder sein normales, begrenztes Selbst.
„Tigris... Komm, Tigris, sieh mich an."
Er stöhnte und starrte enttäuscht und ärgerlich auf seine Mutter. Er fühlte sich, als hätte er etwas Wundervolles und Einzigartiges verloren. So als hätte er die Hand nach dem Gral ausgestreckt und jemand hätte ihn zurückgezogen, gerade bevor er ihn greifen konnte. Er wurde sich langsam wieder seiner Umgebung bewusst und starrte auf den Stein in ihrer Hand, den sie in ein Tuch eingeschlagen hatte.
„Es wird kein zweites Mal funktionieren.", sagte sie sogleich. „Wenn du versuchst, wieder hinein zu sehen, wird dir nur schwindelig und übel werden, also versuch es erst gar nicht."
„Wofür war es dann gut?", fauchte Tigris ärgerlich.
Sie lächelte. „Oh, für eine Menge. Kannst du es nicht fühlen? Den Zugang, den du erhalten hast?"
Tigris schnaubte verächtlich, aber schloss seine Augen und konzentrierte sich. Sie hatte Recht, da war etwas. Wie ein Echo dessen, was er zuvor erfahren hatte. Er konnte die Struktur seines Geistes fühlen, auch wenn die Details und die allumfassende Erkenntnis fehlten. Es war wie eine Schwarz- Weiß – Skizze des wundervollen Gemäldes, das er zuvor gesehen hatte. Es enttäuschte ihn. Seine Mutter kicherte leise.
„Ah, ich erinnere mich an das Gefühl. Mies, nicht wahr? Keine Sorge, das vergeht. Dafür ist es dunkle Magie, mein Junge, und nicht einfach eine leichtere Art, Okklumentik zu lernen. Ich lass dich jetzt in Ruhe nachdenken. Morgen können wir dann mit dem richtigen Training beginnen."
„Was auch immer.", murmelte Tigris missmutig, noch immer auf den eingewickelten Stein blickend. Sie lachte leise und ging. Tigris stand auf und trat gereizt gegen den Bettpfosten. Er hatte keine Lust, irgendetwas zu tun, aber ihm war auch nicht danach, nichts zu tun. Also tigerte er vor dem Fenster auf und ab. Die Sinnlosigkeit seines Tuns reizte ihn noch mehr.
Die Tür öffnete sich und sein Bruder kam ins Zimmer.
„Was willst du?", knurrte er.
Dracos Brauen kletterten in die Höhe.
„Was ist denn mit dir los?"
„Nichts!", fauchte er. „Wenn du gekommen bist, um spöttische Bemerkungen zu machen, dann geh besser wieder, denn ich bin nicht in der Stimmung."
Draco blinzelte schockiert. „Oookay.", erwiderte er gedehnt. „Ich nehme an, ich will nicht wirklich wissen, was Mutter zu dir gesagt hat, um dich in diese Stimmung zu versetzen. Ich lass dich besser alleine. Schönen Abend noch." Er schloss die Tür hinter sich.
Tigris grollte in Richtung der geschlossenen Tür. „Idiot."
Am nächsten Morgen erwachte er mit heftigen Kopfschmerzen und war dankbar für den Trank neben seinem Bett. Er erinnerte sich an keine Alpträume, aber er hatte dennoch nicht sehr gut geschlafen. Es war wie ein bitterer Nachgeschmack von etwas, das er nicht recht greifen konnte. Tigris lehnte sich in die Kissen zurück und konzentrierte sich auf das neue Bewusstsein, dass er für seinen Geist hatte. Seit sein Vater die Narbe auf seiner Stirn entfernt hatte, war die flüchtige Präsenz Vol... des Dunklen Lords, an die er sich im letzten Jahr gewöhnt hatte, verschwunden. Tigris hatte zuvor nicht bemerkt, wie sehr er sich daran gewöhnt hatte. Wie ein Rauschen im Hintergrund, das man nicht mehr wahrnahm. Nun, da er sich darauf konzentrierte, war es eigenartig, wie er ihr Fehlen bemerkte. Sicher, da waren die Visionen und gelegentlichen Anfälle gewesen, wenn Vol... der Dunkle Lord... Tigris fluchte innerlich. Warum verdammt hatte er plötzlich Probleme, den Namen des Dunklen Lords auszusprechen? Er sollte zumindest fähig sein, ihn in seinem eigenen Geist zu denken! Es war nicht so, dass sein Vater seine Gedanken lesen konnte. Tigris schauderte unwillkürlich und verbarg sein Gesicht in den Händen, Zornestränen unterdrückend. Es war, als hätte sich ein Teil seiner selbst gegen ihn gewendet. Draco hatte Recht, und er hasste den Gedanken. Er fürchtete sich vor ihm, wie er sich nie zuvor vor jemandem gefürchtet hatte. Es war ein substanzloses Gefühl, das sich vollkommen seiner Kontrolle entzog. Was ihn dabei so hilflos machte, war, dass er nicht wirklich verstand warum. Sicher, er hatte ihn ausgepeitscht, aber hatte er nicht schon schlimmeres erlebt? Es war nichts im Vergleich mit dem Cruciatus-Fluch. Oder? Tigris presste die Lider zusammen und verabscheute die zwei einzelnen Tränen, die ihren Weg über seine Wangen fanden. Wie er den Mann hasste. Wie er sich selbst für seine Schwäche verabscheute. Aber er konnte nichts tun. Er musste sich einfach arrangieren. Er lachte bitter auf und rieb sich ärgerlich die Tränen von den Wangen. Wie kam es, dass Draco ihn so leicht durchschaute? Er sah sofort durch Lügen, mit denen es ihm sogar gelang, sich selbst zu überzeugen. Vielleicht, weil er sie aus Erfahrung kannte. Tigris rieb sich seine schmerzende Kehle und schüttelte den Kopf. Er musste seine Gefühle in den Hintergrund drängen. Er konnte nicht mit ihnen umgehen. Er hatte die Ahnung, er würde zusammenbrechen, wenn er es versuchte, und das konnte nicht geschehen. Er hatte immer weitergemacht, egal was in seinem Leben passiert war. Er wusste einfach nicht, wie er es nicht tun konnte. Er würde diese Gefühle unterdrücken, egal was es kostete.
Tigris stand schließlich auf, duschte, zog sich an und ging zum Frühstück hinunter. Sobald er den Speisesaal betrat, war die innere Leere wieder da. Er nahm neben seinem Vater Platz und sie aßen in Stille.
„Ist die Okklumentik- Stunde mit deiner Mutter gut verlaufen?"
Tigris sah auf und traf auf den Blick seines Vaters. Zu seiner Überraschung spürte er seine Präsenz, die sich nach seinen Gedanken ausstreckte. Automatisch schob er seine Gedanken in den Hintergrund und blockte ihn aus.
„Wir haben einen Anfang gemacht, Sir."
Sein Vater grinste flüchtig. „Gut. Du wirst dich ab jetzt jeden Nachmittag um vier mit ihr treffen, um deine Fähigkeiten zu verbessern."
„Ja, Vater."
Er lehnte sich zurück und musterte Tigris. „In knapp drei Wochen beginnt das neue Schuljahr. Ich habe Dumbledore wissen lassen, dass du von einer kleineren Privatschule nach Hogwarts gewechselt bist. Wir werden zwei Tage vorher nach London gehen, um eure Schulsachen zu kaufen. Bis dahin wirst du dir noch einige für deinen Status elementare Fähigkeiten aneignen.
Ich habe mitbekommen, dass du bereits eine Menge gelesen hast. Das ist gut, aber man kann nicht alles aus Büchern lernen. Du bist ein Malfoy, du hast ein Erscheinungsbild zu wahren. Man wird aufgrund deiner Vergangenheit einiges entschuldigen, aber das wirst du nicht ausnutzen."
„Entschuldigung, Sir, aber was genau ist meine Vergangenheit?"
„Eine gute Frage. Das werden wir nach dem Frühstück in meinem Studierzimmer besprechen. Danach wirst du dich mit Draco im Trainingsraum oben treffen."
Tigris starrte ihn ein wenig verblüfft an, aber nickte. Sein Vater runzelte leicht die Stirn.
„Ja, Sir.", sagte er hastig. „Entschuldigung, Sir."
Er lächelte beinahe wohlwollend. „Kein Problem, Tigris. Du wirst es mit der Zeit lernen. Wollen wir?" Er bedeutete Tigris aufzustehen und ihm zu folgen, was er tat.
Im Studierzimmer legte sein Vater ein paar Pergamente vor Tigris auf den Tisch. Tigris setzte sich und sah seinen Vater abwartend an. Er nahm eines der Pergamente und hielt es hoch.
„Dies ist eine Geburtsurkunde auf den Namen Tigris Billard. Sie ist auf den 29. Juni 1980 datiert. Wie du weißt war meine Schwester mit einem Muggel namens Lance Billard liiert. Du bist jedoch nicht sein Kind, obwohl die Muggel das nicht wussten. Du bist das Kind eines reinblütigen Zauberers unbekannten Namens, mit dem sie vorgeblich eine Affäre hatte. Agrippinilla starb bei deiner Geburt und du wurdest von dem Muggel und seiner neuen Frau, Dorene, aufgezogen. Sie hatten einen eigenen Sohn, Norman, ein Jahr jünger als du. Sie mochten keine Zauberer. Füll die Lücken mit so vielen Erinnerungen an diese widerlichen Kreaturen mit denen du gelebt hast, wie du willst. So haben sie ausgesehen."
Er schob Tigris einige Fotos zu. Sie zeigten einen grobknochigen, hageren Mann mit dunkelblonden Haaren, eine plumpe braunhaarige Frau und einen Jungen, der eine Mischung aus beiden war. Er war auf verschiedenen Fotos in unterschiedlichem Alter. „Das ist das Haus, in dem ihr gewohnt habt. Saltdean Lane Nummer 12, Sussex." Es war ein normales Reihenhaus mit Vorgarten, ähnlich wie das der Dursleys. „Dein Ziehvater arbeitete als Elektriker bei einer Firma namens Barkley Electrics. Du hast eine kleine Zaubererschule in der nächstgelegenen Stadt besucht, Ginevras Institut für Magie. Sie akzeptieren Kinder bereits mit zehn, deshalb hast du nie einen Hogwartsbrief erhalten. So sieht sie aus." Das Bild zeigte ein älteres Herrenhaus, in dem mehrere Kinder aus und eingingen. „Es gibt ein Buch über Ginevras in der Bibliothek, ich empfehle dir, es zu lesen. Dies ist die Schulleiterin, Madame Rosier. Sie ist eine alte Freundin unserer Familie und wird deine Geschichte gegebenenfalls bestätigen. Du solltest jedoch nur so wenig wie möglich über deine alte Schule sprechen, um Fehler zu vermeiden." Er zeigte Tigris ein Bild einer älteren Hexe mit grauen Haaren und Nickelbrille, die nicht sehr freundlich aussah. Das passt, dachte Tigris trocken. Sein Vater schob ihm ein weiteres Pergament hin. „Dies sind deine OWL- Ergebnisse. Sie entsprechen den Kursen, die du in Hogwarts belegt hast, bis auf Wahrsagen, was in Ginevras nicht unterrichtet wird. Anstelle dessen hattest du Muggelkunde. Du hast sehr gute Noten in diesem Zeugnis, also streng dich an, um das Bild zu erhalten. O in Verwandlungen, Verteidigung gegen die Dunklen Künste, Zaubertränken, Zauberkunst und Kräuterkunde. E in den restlichen Kursen."
Tigris starrte ihn offenen Mundes an. „Aber ich war niemals so gut! Ich meine, ich bin ganz gut in Verteidigung und Zauberkunst, aber niemals in Zaubertränken! Ganz sicher nicht in Geschichte und Astronomie!"
„Nun, dann musst du dir wohl in Zukunft etwas mehr Mühe geben. Ich würde es bedauern, Eleanora mitteilen zu müssen, dass ihre Schule für unter Standard gehalten wird."
Tigris blinzelte ungläubig und schluckte. „Ja, Vater."
„Wunderbar. Die Muggel starben diesen Sommer bei einem Hausbrand, während du noch in der Schule warst. Das Schuljahr von Ginevras geht bis zum 20. Juli und beginnt wieder am 1. Oktober. Der Brand war am 17. Juli. Madame Rosier versuchte, überlebende Verwandte von dir zu finden, fand über Agrippinilla heraus und kontaktierte mich. Wir machten einen Abstammungstest und erfuhren so von deinem Vater. Ich entschied daraufhin, dich zu adoptieren. Dies ist die Urkunde, nach der du ab jetzt den Namen Malfoy trägst." Sein Vater schob Tigris das letzte Pergament zu. „Das ist nur eine Adoption nach Namen. Draco gilt noch immer als ältester Sohn dieser Familie und mein Erbe. Ich denke darüber nach, dich voll zu adoptieren, aber es ist besser, damit noch etwas abzuwarten. Du kannst mich in der Öffentlichkeit Vater nennen. Wie du und Draco euch bezeichnet müsst ihr unter euch ausmachen."
Tigris nickte. Das war ein wenig viel Information auf einmal, besonders da alles nur ausgedacht war. Er wollte nicht wissen, wie viele Leute sein Vater bestochen hatte, um das alles echt aussehen zu lassen. „Was, wenn jemand sich nach den Billards erkundigt, Sir? Ist es nicht möglich, dass jemand sie kennt?"
Sein Vater grinste selbstzufrieden. „Mach dir darüber keine Sorgen. Alles was man herausfinden wird ist, dass sie bei einem Hausbrand ums Leben kamen, wie ich gesagt habe."
Tigris starrte schockiert auf die Fotos, dann auf seinen Vater. Er warf ihm einen leicht ungehaltenen Blick zu. „Stell dich nicht so an, Tigris. Es waren nur ein paar wertlose Muggel."
„Aber..."
„Aber?", unterbrach er Tigris mit einem gefährlichen Unterton. Tigris zuckte zusammen und sah zu Boden.
„Nichts, Sir."
„Das hoffe ich doch. Ich erwarte, dass du die Dinge behältst, die ich dir erzählt habe. Ich hasse es, mich zu wiederholen. Sonst noch Fragen?"
„Soll ich die Urkunden behalten?"
„Nein, ich werde sie hier aufbewahren, aber du kannst sie jederzeit im Regal dort drüben finden, wenn du sie brauchst."
Tigris nickte. „Dann habe ich keine weiteren Fragen."
„Gut, dann kannst du gehen. Draco wartet sicher schon auf dich."
„Ja, Vater." Tigris stand auf. „Bis später."
„Bis später, Tigris." Die grauen Augen seines Vaters folgten ihm hinaus.
Vielen Dank an: anni kiddo, Deedochan, Takuto-kun, auxia, rah-chan, skateZ, Lyonessheart, Fallen, Stupor, Momochan, Kissymouse
Fallen: Pilarius ist sehr geschmeichelt, aber weigert sich als hölzern angesehen zu werden. Pilarius besteht daher auf dem ganzen Namen und protestiert dagegen, zu einem ‚Pilar' reduziert zu werden. Übrigens, du hast mir genau das 100. Review geschrieben! Danke, danke, danke (an dich und alle anderen)!
