Severus' Augenbrauen zogen sich zunehmend zusammen, während er den Worten des anderen Zauberers lauschte. „Wenn ich unbedingt leiden will", wiederholte er leise, und Unglauben mischten sich in seinen Tonfall. „Was glaubst du, was das hier ist, Lucius? Ein friedlicher Sonntagsspaziergang mit – ah!" Er presste zu spät die Lippen aufeinander; ihnen war bereits ein halb überraschtes, halb schmerzerfülltes Keuchen entkommen. Zu viele Dinge geschahen viel zu schnell nach einander, und ehe der Schwarzhaarige sich versah, war er der schützenden Umhüllung seiner Decke beraubt und fand sein Handgelenk im erbarmungslosen Schraubstockgriff seines Freundes. Als sein Kopf sich an das plötzliche Wiederaufflammen des mühsam gebändigten Schmerzes gewöhnt hatte, machte er ein paar klägliche Versuche, sich zu befreien. Vergeblich. Lucius war immer schon der Stärkere gewesen.

So blieb ihm nichts weiter übrig, als mit verachtungsvollem Blick dabei zuzusehen, wie der Blonde einige unverständliche Formeln und Sprüche anwendete, und der Schmerz allmählich abebbte, während er mühsam seinen Atem unter Kontrolle brachte. Seine Wangen waren vor Ärger und Verlegenheit gerötet, doch er würde sich nicht noch mehr zum Narren machen, indem er mit dem freien Arm versuchte, die Decke wieder über sich zu ziehen.

Dann, nach gefühlten Äonen, war es vorbei. Es blieb ein beständiger Unterton von unaufhörlich schwelendem Pochen in dem Arm zurück, doch das rasende Gleißen der vorigen Stunde war verschwunden. Severus schnaubte verächtlich und entriss sein Handgelenk dem nun endlich nachgiebiger werdenden Griff. Mit dem bröckelnden Stolz eines verletzten Raubtiers drückte er das Mal an seinen Oberkörper und warf seinem Gegenüber einen vernichtenden Blick zu.

„Das war mein Ritual heute Abend", zischte er. „Und mein Schmerz und mein Fieber. Und bloß weil deine Welt in einer samtenen Schutzhülle steckt, hast du noch lange nicht das Recht, das mit meiner auch zu tun." Der ehemalige Slytherin konnte sich nicht erinnern, wann er zuletzt so wütend gewesen war, doch er vermutete, dass es etwas mit Potter und dessen Bande nichtsnutziger Clowns zu tun gehabt haben musste. Der Gedanke an diesen Abschaum besserte seine Laune nicht, und als Lucius ihn mit einer verhältnismäßig ernsthaft klingenden Warnung zwingen wollte, sich seiner fürsorglichen Behandlung noch weiter hinzugeben, starrte er den einige Jahre älteren Zauberer einen Moment lang perplex an. Am liebsten hätte er ihm die geblümte Tasse aus der Hand geschlagen, und nur die unbestimmte Angst, aufgrund seiner körperlichen Erschöpfung jämmerlich zu scheitern, hielt ihn zurück. Von sich selbst angewidert stellte er fest, dass er für einen vernünftigen Wutausbruch schlicht zu geschwächt war. Und so wählte er die subtile Variante, von der er auch fortan noch oft Gebrauch machen sollte.

„Du erinnerst mich an meinen Vater, Lucius", sagte er ruhig, indem er nach der Tasse griff und sorgsam seine Finger darum legte. „Auch er war äußerst gut darin, Menschen zu ihrem Glück zu zwingen." Mit diesen ominösen Worten wandte er seinen Blick dem Kamin zu und nahm einen bedächtigen Schluck Tee. Es gelang ihm beinahe, nicht das Gesicht zu verziehen, als das übersüßte Gebräu seine Kehle herunter rann.

Ihm war durchaus bewusst, dass nach Vollendung des unerwünschten Betäubungszaubers seine Decke noch immer genau dort auf dem Holzfußboden lag, wo Lucius sie fallen gelassen hatte, doch er machte keine Anstalten, sich zu bücken. Severus wusste, dass er unansehnlich war; zumindest war es ihm im Laufe seines jungen Lebens oft genug an den Kopf geworfen worden. Er wusste, dass seine langen, dünnen Gliedmaßen, seine dunklen Augen und markanten Gesichtszüge, sein blässlicher Hautton und sein strähniges schwarzes Haar in keinem ihm bekannten Kulturkreis ein ästhetisches Bild ergaben. Er sah sich selbst nicht gern im Spiegel und verbrachte infolgedessen bemerkenswert wenig Zeit davor.

Doch wenn Lucius unbedingt darauf bestand, sich seinem Anblick auszusetzen – dann würde er ihn auch ertragen müssen. Mit seinen jugendlichen achtzehn Jahren hatte Severus ein Maß an Selbstdistanziertheit erreicht, der einen Mann stattlichen Alters beängstigt hätte. Und insgeheim weidete er sich daran.