Teil 4
Harry war so sehr mit dem Schulstoff und seinen Freunden beschäftigt, dass er kaum merkte wie die Wochen ins Land strichen. Seine abendlichen Treffen mit Calypso wurden zur Tradition. Irgendwie hat sich zwischen ihnen eine Freundschaft entwickelt, von der weder Dimitri noch Viktor begeistert waren.
„Rosier Harry. Rosier!" sagte Dimitri einen Nachmittag zu ihm als sie zusammen Schach auf der vierten spielten.
„Sie ist okay." versuchte Harry seinen Freund zu beruhigen.
„Reden wir über das selbe Mädchen? Der Tochter von Professor Rosier?" fragte Dimitri ungläubig.
„Genau von dem Mädchen sprechen wir Dimitri. Sie ist gar nicht so schlimm wie du glaubst. Du musst sie einfach nur besser kennenlernen." versuchte Harry es weiter.
„Ich weiß nicht Harry.." sagte Dimitri und schüttelte den Kopf, das Schachbrett vollends vergessen.
„Ihr müsst ja nicht die besten Freunde werden. Ich würde mich schon freuen, wenn du sie als meine Freundin akzeptierst. Ich habe so viel gelernt in den letzten Wochen. Ich glaube nicht, dass ich das so schnell ohne Calypso geschafft hätte." sagte Harry und dachte an den Stapel Hausaufgaben auf seinem Schreibtisch. Vergangenen Abend hatte er es geschafft, die gesamten Hausaufgaben für Kreation nachzuholen.
„Ich sag es ja, du hast einen miesen Geschmack, was Freunde angeht." sagte er und schüttelte den Kopf. „Schon eine Idee, wie ihr das mit dem Krieg regeln wollt?" fragte er und setzte einen Springer vor.
Harry seufzte kurz auf. Sein Freund musste natürlich den einen, unsicheren Punkt ansprechen. „Keine Ahnung. Ich denke, ich werde meinen Eltern erst einmal nichts von ihr erzählen. Ihr Vater bekommt es natürlich mit, aber damit muss Calypso umgehen." erklärte Harry und scheuchte mit einem Bauern Dimitris Springer vom Feld.
„Vertraust du ihr denn wirklich?" fragte Dimitri weiter.
„Calypso und ich standen nie selber auf einem Schlachtfeld. Wir haben nie den Zauberstab erhoben und Partei bezogen. Daher ja, ich vertraue ihr. Wenn ich eines Tages damit auf die Schnauze falle, dann ist das nun mal so. Aber jetzt gerade vertraue ich ihr." sagte Harry und sah seinen Freund an.
„Okay.." sagte Dimitri langsam. „Ich denke, ich kann versuchen mich zu benehmen, wenn sie dabei ist. Aber vergiss nicht, auch wenn sie noch nicht auf einem Schlachtfeld stand, eine Meinung kann sie sich schon gebildet haben."
„Ich weiß." seufzte Harry. „Trotzdem danke."
„Dank mir nicht zu früh. Schachmatt." lachte er.
Harry schüttelte ungläubig den Kopf.
Am nächsten Tag verließ Harry sein Zimmer um fünf Uhr morgens. Vor seiner Zimmertür wartete Viktor auf ihn und gemeinsam machten sie sich auf den Weg nach draußen. Die nächste kleine Tradition in Harrys leben. Mittlerweile gingen er und Viktor jeden morgen zusammen joggen.
„Alles klar?" fragte Harry, denn sein Freund sah heute grummeliger aus als sonst.
„Ja.. Du weißt schon, dass wir nächste Woche Sonntag gegeneinander spielen?" fragte er.
Harry grinse. „Hat der zukünftige Quidditch Star etwa angst, gegen einen Erstklässler anzutreten?" fragte er scheinheilig.
Harry hatte sich nach seinem ersten Quidditch Spiel als Chimäras Sucher einen Namen gemacht. Er hatte den Sucher der Salazars in Grund und Boden gespielt. Nachdem der alte Sucher der Chimäras schlechte Stimmung gegen Harry gemacht hatte, sah sich Harry dazu gezwungen, so gut wie noch nie zu spielen. Also hatte er vorab Quidditch Strategien studiert und unter anderem den Wronski Bluff gefunden. Man täuschte an, den Schnatz gesehen zu haben und hoffte darauf, dass der gegnerische Sucher blind folgt. Dann musste man nur noch so fliegen, dass der andere Sucher entweder ungebremst in den Boden flog oder gegen einen der Zuschauerstände.
Harry hatte diesen Bluff in Perfektion ausgeführt und der gegnerische Sucher musste bewusstlos in den Krankenflügel gebracht werden. Danach war es für Harry ein leichtes abzuwarten bis seine Mannschaft genügend Punkte hatte und erst dann fing er den Schnatz.
Mit diesem Spiel waren bei seinen Mitschülern alle zweifel ausgelöscht, dass er den Platz im Team nicht verdiente. Einige hatten sogar die Hoffnung, dass Harry Viktor besiegen würde und damit die Siegessträhne von Pollux endlich beenden würde. Harry selber hatte da allerdings große Zweifel.
Viktor verdrehte die Augen und trat aus der Eingangstür nach draußen. Es lag zwar kein Schnee mehr, aber es war trotzdem noch kalt auf der Insel. Es wehte ein leichter Wind und am Horizont, sah man ein helles Orange, dass den baldigen Sonnenaufgang signalisierte.
„Es ist nur so, dass ich dir nichts schlechtes will Harry." versuchte Viktor sich zu erklären.
„Ich weiß." seufzte Harry. „Lass uns beide einfach fair und sauber Spielen. Dann können wir beide mit intakter Würde vom Feld gehen. Es steht eh außer Frage wer gewinnt." sagte Harry und sah Viktor aufmerksam an.
Sein Freund hatte sich über die Jahre eine fiese Gewohnheit angelegt. Die anderen Schüler nahmen ihn nicht wirklich ernst. Deshalb rächte er sich an den anderen Suchern, indem er sie möglichst hart vom Feld scheuchte. Der Wronski Bluff von Harry wäre ein solche Methode gewesen. Es kam aber auch schon vor, dass Viktor mit voller Absicht in die anderen Spieler flog und sie so in den Krankenflügel beförderte. Deshalb bevorzugten die Teams ältere Sucher, damit sie eine Chance gegen Viktor hatten.
Fernandez war mit Harry als Sucher ein Risiko eingegangen. Seine körperliche Unzulänglichkeit gegen Viktor anzukommen, gegen Harrys schierem Talent. Allerdings schien sich Fernandez' Risikofreude auszuzahlen, denn Chimära hatte bisher die Spiele gegen Salazar und Merlin dank Harry gewonnen. Jetzt fieberten alle dem Spiel gegen Pollux entgegen, um zu sehen, wie Viktor mit ihm als Freund umgehen würde und wer das Spiel schlussendlich gewann.
„Du siehst dich selber nicht im richtigen Licht Harry. Du bist viel besser als du denkst, du hast ein helles Köpfchen und handelst intuitiv richtig. Ich denke, dass du gute Chancen hast, das Spiel zu gewinnen. Es muss sich nur eine gute Möglichkeit für dich ergeben. Zum Beispiel wenn wir weiter auseinander sind, du den Schnatz siehst und viel näher dran bist als ich. Dann würde ich ganz schön ins Schwitzen kommen. Normalerweise fange ich dann an, den anderen Sucher ein bisschen zu attackieren, aber mit dir kann ich das nicht machen." erklärte Viktor und Harry war gerührt, wie viel sein Freund von ihm hielt.
„Ich bin gut Viktor, dass weiß ich. Aber du bist phänomenal. Selbst wenn ich den Schnatz eher sehe und besser positioniert bin, dann hast du immer noch mehr Erfahrung als ich. Lass uns wirklich fair bleiben. Dann können wir einander immer noch in die Augen sehen nach dem Spiel." sagte Harry und schubste Viktor leicht an, damit sie anfingen zu joggen.
Mittlerweile hatte Harry eine gute Kondition und war in der Lage, mit Viktor einmal um die ganze Insel herum zu laufen. Das Schloss selber befand sich im Norden der kleinen Insel, im Westen lag das Quidditchfeld und war stets die erste Station auf ihrer Joggingtour. Danach liefen sie Richtung Süden und Harry war beim ersten mal begeistert gewesen, einen enorm großen Strand zu sehen. Viktor hatte ihm erzählt, dass man in den Sommermonaten dort gut schwimmen konnte. Vorausgesetzt, man kam früher aus den Ferien zurück. Im Osten der Insel war die Ebene höher und sie liefen über Felsen und Geröll ehe sie wieder am Schloss ankamen. Dort streckten und dehnten sie noch etwas ihre Muskeln, bis sie zum duschen in ihren Zimmern verschwanden.
„Triffst du dich nachher wieder mit deiner kleinen Kratzbürste?" fragte Viktor während sie am Strand vorbei joggten.
Harry musste sich das Grinsen verkneifen, dass auf seinen Lippen erscheinen wollte und entschied sich dazu, Viktor einen bösen Blick zuzuwerfen. Viktor war genau so wenig begeistert gewesen wie Dimitri über seine Freundschaft mit Calypso. Drei Tage später stand Harry hilflos zwischen Viktor und Calypso die sich zum ersten mal richtig begegneten und miteinander sprachen. Calypso war mit ihrer hochnäsigen Art auf Viktors Füße getreten und Viktor hat sich das nicht gefallen lassen. Die beiden stritten und Harry versuchte erfolglos zu schlichten. Seit dieser Auseinandersetzung traf Harry sich erstmal alleine mit Calypso in den Abendstunden zum lernen und hörte sich ihre Seitenhiebe über Viktor an.
Viktor hingegen akzeptierte Harrys Freundschaft mit ihr, wollte aber erstmal nicht übermäßig viel mit ihr in Verbindung kommen. Aber Harry konnte sehen, dass Viktor Calypso im großen und ganzen mochte. Es würde zwar einige Jahre dauern bis die zwei normal miteinander umgehen konnten, aber das reichte Harry aus. Bis dahin hoffte Harry inständig, dass Calypso niemals von Viktor Spitznamen für sie erfuhr.
„Was hältst du davon St. Petersburg zu besuchen?" fragte Dimitri ihn nachdem die zwei den Innenhof verließen und auf den Weg zu ihren Zimmern waren um die Schwerter weg zu bringen.
Harry sah seinen Freund verwundert an. „Meinst du im Sommer?" fragte Harry nach und überlegte, wie er das seinen Eltern beibringen sollte.
„Quatsch. Ich meine kommenden Samstag vor dem Quidditchspiel gegen Pollux. Wir fragen einfach Kiro und Juric, ob wir für ein paar Stunden die Schule verlassen können." erklärte Dimitri und Harry erinnerte sich an das, was Schulleiter Karkaroff ihm erzählt hatte. Er hatte schon wieder vergessen, dass sie die Schule verlassen konnten wen sie wollten.
„Weißt du wie das abläuft? Also, wie wir nach St. Petersburg kommen sollen?" fragte Harry.
„Im Professorenflügel sind mehrere Kamine mit denen man reisen kann. Normalerweise benutzt man die, es sei denn du willst in das kleine Dorf vor dem diese Insel liegt. Aber das Dorf soll langweilig sein." sagte Dimitri als sie auf der fünften ankamen.
„Okay. Klingt auf jeden Fall interessant. Ich war noch nie außerhalb von Großbritannien. Durmstrang ausgeschlossen." gestand Harry und öffnete die Tür zu seinem Zimmer. Schnell stellte er sein Schwert in einer Ecke des Zimmers ab und ging wieder in den Flur, wo Dimitri schon auf ihn wartete.
„St. Petersburg ist genial. Egal ob magisch oder nicht. Aber wenn du in die magische Einkaufsstraße willst, musst du auf den Katharinas Walk. Das ist die größte Einkaufsstraße der gesamten magischen Welt. Nicht einmal Amerika kann mit seinen winzigen Gassen mithalten." fing Dimitri an zu schwärmen als sie runter in die Zeremonien Halle gingen. „Gregorowitsch der Zauberstabmacher hat einen Laden dort. Du bekommst essen aus sämtlichen Ecken der Welt frisch zubereitet, ich glaube es gibt dort keine Zutaten die du nicht für Tränke bekommst, ein bekannter Designer nach dem anderen hat sein Laden an dem Walk. Und dann gibt es noch so viel mehr, als ich dir jetzt erzählt habe. Künstler stehen zwischen den Läden und machen Musik, einige Verkäufer haben kurzfristige Stände in einem bestimmten Bereich. Mit denen kannst du dann um Preise verhandeln. Der Walk hat einfach eine ganz eigene Ausstrahlung die man einmal im Leben erlebt haben muss."
Harry war nicht oft mit seinen Eltern in Einkaufsstraßen gegangen, weil man durch Voldemort nie wusste, ob man sicher war oder nicht. Seine Mutter hatte ihm einmal gesagt, dass die Winkelgasse zu ihrer Schulzeit noch sehr viel voller gewesen war als zu Harrys – Verständlich in Harrys Augen, aber dennoch schade. Bisher hatte er auch nie das Gefühl gehabt, etwas zu vermissen. Aber als er das leuchten in Dimitris Augen sah, dachte er zum ersten mal, etwas verpasst zu haben.
„Bin dabei." sagte Harry und die beiden machten Pläne, nach dem Abendessen in den Professorenflügel zu gehen und um Erlaubnis für den Ausflug zu fragen.
„Scutum!" rief Harry und eine Salve an Flüchen krachte auf sein Schild. Als Harry bemerkte, dass Calypso kurz zögerte, ließ er das Schild fallen und griff selber an. „Confringo!"
Calypso kannte diese Strategie von ihm mittlerweile und war bereit. Weil das Schild diesem Spruch nicht standhalten würde, hechtete sie beiseite und reif beim springen „Fractura!"
Harry schritt beiseite und der Knochenbrechfluch flog haarscharf an ihm vorbei. „Duro!" rief Harry und deutete, in der Hoffnung dass sie zu Stein wurden, auf Calypsos Schuhe. Leider war Calypso zu schnell und zog ihre Beine weg. Beim aufstehen rief sie „Serpensortia" und eine lange Würgeschlange erschien aus ihrem Zauberstab.
Die Schlange machte sich langsam auf den Weg zu Harry. „Evanesco!" „Incendio" die Schlange verschwand mit dem ersten Zauber und der zweite traf Calypso mitten auf der Brust.
Ihr Oberteil fing Feuer und Harry beeilte sich, Calypso zu entwaffnen und das Feuer wieder zu löschen.
Genervt verdrehte Calypso ihre Augen. „Langsam nervt es, dass du immer gewinnst." sagte sie und klang alles andere als begeistert.
„Beim duellieren kommt es eben auf Ideen und Reflexe an. Beides Punkte, in denen du nicht sonderlich gut bist." grinste Harry sie frech an.
Sie schüttelte leicht ihren Kopf und ging rüber zu dem Tisch im Raum. „Ich denke, dass du jetzt in Kreation so weit aufgeschlossen bist. Willst du trotzdem dafür weiter üben?" fragte sie geschäftsmäßig.
„Nein. Ich denke ab jetzt komme ich alleine zurecht. Trotzdem danke für deine Hilfe." sagte Harry und setzte sich zu ihr an den Tisch. Dank Calypso war Harry jetzt in der Lage, mühelos in Kreation zu folgen. Er hatte sogar schon seinen ersten Zauber kreiert. Es war eine Abwandlung vom Lumos. Anstatt ein einfaches weißes Licht zu erzeugen, konnte Harry nun sämtliche Farben heraufbeschwören, die er wollte.
Der Trick lag komischerweise in der Bewegung und nicht in der Formel. Harry hatte lange Zeit geglaubt, er müsse die Formel abändern und beispielsweise das lateinische Wort für Rot mit dran hängen. Aber das war nicht der Fall. Den Lumos schnipste man meist einfach so dahin, deswegen war er immer grellend weiß. Wenn man aber einen Kreis im Uhrzeigersinn in die Luft malte während man die Formel sprach, dann bekam man ein gelbes Licht. Zeichnete man den Kreis gegen den Uhrzeigersinn, so bekam man ein violettes Licht.
Bunte Lichter waren für den Anfang zwar nichts besonderes, aber Harry hatte schon viele geniale Ideen für Zaubersprüche. Jetzt musste er nur die richtigen Kniffe finden, damit er seine Ideen umsetzten konnte. Aber Harry war zuversichtlich, dass ihm das mit ein bisschen Zeit gelingen würde. In der Zwischenzeit schrieb er alles in seinem kleinen Notizbuch auf, dass er stets bei sich trug.
'Apropos Notizbuch' dachte Harry. „Hast du schon eine Idee für Projekte?" fragte er Calypso und wechselte das Thema.
„Noch nicht hundertprozentig. Ich weiß, die Zeit wird knapp aber ich möchte einfach alles in Verbindung bringen. Bis jetzt hatte ich noch keine springende Idee mit der mir das gelingt." gestand sie. „Hast du eine Idee?" fragte sie ernsthaft interessiert.
„Ja. Meine Idee verbindet zwar auch nicht alles, aber ich bin einigermaßen zufrieden. Ich lasse mir selber einfach Luft nach oben, sodass ich mich nächstes Jahr verbessern kann." sagte er augenzwinkernd. „Ich werde mein Notizbuch zu meinem Projekt machen." sagte Harry und zeigte auf sein Buch.
Calypso zog die Augenbrauen hoch und sah ihn schräg an. „Erklär."
„Naja, ich möchte mein Notizbuch so bearbeiten, dass bestimmte Zauber schon integriert sind. Zum Beispiel, wenn ich das Buch zweimal mit dem Finger an tippe, dass es dann unsichtbar wird. In diesem Moment übe ich ja kein Zauber aus, deshalb muss ich vorher schon die Zauber auf das Buch legen, damit das funktioniert." versuchte Harry zu erklären.
„Du willst also ein magisches Artefakt erschaffen?" fragte Calypso erstaunt. „Das ist verdammt kompliziert. Normalerweise lernen wir so etwas erst ab der fünften. Weil wir damit die Eigenschaft des Gegenstandes verändern." stellte sie fest.
„Ich weiß, aber ich denke, dass ich das schaffen kann. Eigentlich sind solche Zauber genauso wie die Flüche die wir lernen. Nur dass man sich bei einem permanenten Zauber einmal richtig anstrengen muss, damit er korrekt auf dem Gegenstand wirkt. Danach hat man keine Arbeit mehr damit. Außerdem verändere ich nicht die Eigenschaft des Notizbuches. Es ist nicht Möglich, die Eigenschaft eines Gegenstandes zu verwandeln, dass habe ich schon während meiner ersten Stunde in Verwandlung erklärt. Die Eigenschaft eines Notizbuches ist es, Dinge darin zu notieren. Diese Eigenschaft wird das Buch am Ende auch noch haben. Ich schütze es gewissermaßen durch zusätzliche Zauber." sagte Harry und blätterte ein bisschen durch das Notizbuch.
„Aber fügst du nicht neue Eigenschaften hinzu? Wie zum Beispiel feuerfest zu sein?" fragte Calypso
„Nein. Wie gesagt, die Eigenschaft bleibt. Die zusätzlichen Zauber die ich integriere schützen das Buch lediglich. Aber um ehrlich zu sein, zweifele ich schon lange an der Theorie, dass man die Eigenschaft eines Gegenstands nicht ändern kann." sagte Harry und dachte an die Karte der Rumtreiber. Sie hatten ein Stück Pergament verwandelt. Ein Pergament hatte die Eigenschaft, dass darauf geschrieben wird – und das hatten sie ja auch. Aber dann hatten sie die Karte verwandelt und geschützt und nun war es nicht mehr Möglich, sie zu ändern. Und damit war die Eigenschaft, auf dem Papier zu schreiben futsch. Aber diesen Gedanken behielt Harry für sich selber. Er würde noch früh genug anfangen und ein bisschen mit Verwandlungen herum experimentieren.
„Wie willst du die Fächer einbeziehen? Klar, unsichtbar ist Zauberkunst, aber das ist nur ein Fach." fragte Calypso weiter.
„Wie du schon sagtest, es soll unsichtbar sein. Dann möchte ich, dass ich es mit einem einfachen tippen in ein Armband verwandeln kann. Das Armband soll die Eigenschaft haben, feuerfest und fluchsicher zu sein. Das heißt, dass Notizbuch muss diese Eigenschaften auch in seinem normalen Zustand aufweisen. Damit hätte ich drei Fächer verbunden, ich denke, dass reicht für das erste Jahr." erklärte Harry.
„Hmm. Eigentlich ganz gut. Ich denke die Rauendahl wird am meisten davon begeistert sein, dass du dein Notizbuches in ein Artefakt verwandelst." sagte Calypso ehrlich.
„Okay. Und was hältst du von meiner Idee?" fragte Harry neugierig.
„Ich bin perfektionistisch. Wie gesagt, ich suche nach etwas, dass wirklich alles verbindet. Deshalb wäre mir das ehrlich gesagt etwas wenig. Aber es ist keine schlechte Idee. Im Gegenteil, ich finde die Idee gut. Du kannst später viel mit deinem Projekt anfangen. Nicht so wie andere Schüler, die ihre Projekte nach der Benotung wegschmeißen. Vielleicht kannst du ja noch ein paar andere Zauber auf das Buch legen?" sagte Calypso.
„Vielleicht fällt mir ja wirklich noch was ein." sagte Harry. „Weißt du, auf Kreation und Projekte hatte ich mich am meisten gefreut, als ich hier her gewechselt habe. Die Idee von Projekte finde ich mittlerweile nicht mehr so gut. Oder ich habe einfach noch die falschen Ideen." gestand Harry.
„Wir sind zwar gut, aber wir haben noch keinen Überblick über die Magie im allgemeinen. Also die Zusammenhänge. Dass heißt, unsere Projekte jetzt sind eher schlecht oder einfach. Das wird sich geben wenn wir älter sind." sagte Calypso und Harry hoffte, dass sie recht hatte. Denn zur Zeit hatte er das Gefühl, dass Projekte eher eine Last war. Zwischen seinem Unterricht, den Hausaufgaben, dem Quidditch Training, den zusätzlichen Duellierstunden mit Calypso und Schwertkampfstunden mit Dimitri, war Projekte etwas, für das er sich zwingen musste etwas zu tun und für das er wertvolle Zeit von den anderen Dingen streichen musste.
Hey Harry,
danke für deinen letzten Brief. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Irgendwie war der Geburtstag langweilig ohne dich und Nico. Aber Mum und Sarah haben mir und Marlene eine gigantische Torte gebacken. Gefeiert haben wir dann im Grimmauld Platz. Sogar Opa Albus und Minnie sind gekommen. Aber leider konnten sie Nico nicht mitbringen. Hast du in letzter Zeit mal was von unserem Bruder gehört? Ich habe in der ganzen Zeit nämlich nur einen Brief von ihm bekommen! Und den auch nur, weil ich Geburtstag hatte...
Wo wir schon mal bei Briefen sind, hast du auch mal was von Jamie gehört? Irgendwie ist er komisch geworden. Marlene meint, er wäre nur beleidigt und würde sich schon wieder einkriegen, aber ich bin mir da nicht so sicher. Ich glaube er vermisst dich und Nico.
Sirius und Dad sind in letzter Zeit auch nicht so oft da. Dad kommt spät abends wieder nach Hause, wenn ich schon schlafe. An einigen Tagen ist er dann sogar am nächsten Morgen schon wieder weg, sodass ich ihn gar nicht sehe...
Ich mache mir sorgen um Mum und Dad. Eines Nachts bin ich wach geworden, weil die zwei sich in ihrem Schlafzimmer angeschrien haben. Am nächsten morgen hat Mum so getan, als wäre nichts passiert und Dad war schon auf der Arbeit. Ich weiß nicht was passiert ist, aber ich glaube Mum ist sauer, dass Dad nicht mehr so oft da ist. Ich kann es gar nicht mehr abwarten, wenn du und Nico in zwei Monaten wieder zu Hause seid. Dann ist hoffentlich wieder alles so wie früher.
Aber genug von mir. Wie geht es dir? Hast du schon eine Idee für dein Projekt? In deinem letzten Brief hast du geschrieben, dass du dir noch unsicher wärst. Wie geht es deinen Freunden Viktor und Dimitri? Ich habe übrigens Mum und Dad nach spioniert nach deinem letzten Brief nach Hause. Sie sorgen sich, dass du schon wieder keine Freunde gefunden hast, weil Viktor schon so alt ist. Sie haben angst, dass du nicht mit Kindern in deinem Alter zurecht kommst.
Wenn du mich fragst eine dumme Angst. Dein Freund Dimitri ist ja auch in deinem Alter.
Dad war übrigens schwer begeistert von deinen Siegen in der Quidditchmannschaft zu hören! Er sagt, dass das Talent alleine von ihm käme.
Ich vermisse dich und hoffe, dass die zwei Monate schnell umgehen und du bald wieder zu Hause bist.
Tiara
Harry lass den Brief von seiner Schwester und sah schon alleine an der Länge des Briefs, dass es ihr nicht gut ging. Normalerweise kritzelte sie immer kurze Briefe und überließ Harry das schreiben in seinen Antworten.
Um Nico machte Harry sich nicht wirklich sorgen. Sein Bruder hatte die Aufmerksamkeitsspanne einer Fruchtfliege. Seine Geschwister waren aus den Augen und damit auch aus dem Sinn. Wenn sie sich in zwei Monaten in Godrics Hollow trafen, dann waren sie wieder da, wo sie aufgehört hatten und Harry würde alles erfahren, was er auf Hogwarts verpasst hatte.
Zu Jamie konnte Harry von hier aus nichts sagen. Aber wirklich viel hatte er mit seinem Cousin nicht geschrieben, seit er auf Durmstrang war. Harry beschloss, ihm nach seiner Antwort für Tiara auch einen Brief zu schreiben.
Seine Schwester war trotz ihrer wilden Art ein feinfühliges Mädchen. Er hoffte, dass sie nicht nur einen kleinen Streit ihrer Eltern falsch interpretiert hatte und zu Hause alles in Ordnung war.
Hey Tiara,
tut mir leid, aber ich habe nicht wirklich viel von Nico gehört in letzter Zeit. Aber du kennst ihn ja, er wird voll und ganz damit Beschäftigt sein, einen Krieg gegen die Weasley Zwillinge zu führen. Haben Mum und Dad schon viele Briefe wegen ihm nach Hause bekommen?
Mit Jamie hatte ich auch nicht wirklich viel Kontakt. Ich hatte das Gefühl, dass er ein bisschen geknickt war, dass Nico und ich zur Schule sind. Aber das erste Jahr hat er jetzt rum und die anderen beiden werden auch schnell verstreichen, bis er mit Nico nach Hogwarts kann. Trotzdem werde ich versuchen mit ihm zu reden. Mach dir keinen Kopf um ihn, okay?
Ist zu Hause wirklich alles in Ordnung? Vielleicht haben Mum und Dad das mal gebraucht, dass sie sich gegenseitig anschreien. Viel schlimmer wäre es, wenn sie gar nicht mehr miteinander Sprechen. Ich werde im Sommer mal einen Blick auf die beiden werfen und schauen, ob mir etwas auffällt.
Durmstrang ist immer noch klasse. Nächsten Samstag habe ich komplett mit Dimitri verplant. Wir wollen den ganzen Tag an unseren Projekten arbeiten. Mittlerweile weiß ich auch, was ich machen möchte. Ich werde mein Notizbuch bearbeiten, sodass darauf spezielle Zauber liegen und man sie nicht immer wieder neu sprechen muss. Zum Beispiel, dass das Buch unsichtbar wird. Es wird mich bestimmt einige Stunden in der Bibliothek kosten, um die richtigen Zauber zu finden aber das ist mir egal.
Am Sonntag ist mein Spiel gegen Viktor. Ich glaube er ist mehr aufgeregt als ich. Dabei muss er sich meiner Meinung nach keine Sorgen machen. Er ist bei weitem der bessere Spieler. Wie gesagt, er ist gerade damit beschäftigt, sich eine professionelle Karriere aufzubauen. Und meiner Meinung nach wird er das auch schaffen.
In Schwertkampf habe ich richtig gute Fortschritte gemacht. Ich bin jetzt nach Dimitri der Klassenbeste der Jungen. Mittlerweile geht es auch richtig zur Sache und wir dürfen gegeneinander antreten. Ich weiß gar nicht, warum Hogwarts das nicht unterrichtet. Die Hogwartsgründer selber waren erfahrene Kämpfer.
Egal, warte ab bis du mich das nächste mal siehst. Ich habe mich ganz schön verändert. Ich sage nur, das Training mit Viktor, Dimitri und Schwertkampf hat Früchte getragen. In ein paar Wochen veranstaltet Durmstrang den nächsten Duellierwettbewerb, ich wette, dass ich auch da eine gute Figur machen werde.
Wir sehen uns kleine Schwester ;-)
Harry
Harry hatte wieder viel mehr geschrieben als er wollte und schüttelte den Kopf als er den Brief versiegelte. Danach machte er sich daran, den Brief für Jamie zu schreiben.
Hey Jamie,
wir haben lange nichts mehr voneinander gehört. Wie geht es dir? Kommst du klar mit unseren kleinen Schwestern?
Durmstrang hält mich ganz schön auf Trab. Ich weiß nicht, ob du es mitbekommen hast, aber ich spiele jetzt in einer Quidditchmannschaft und Sonntag muss ich gegen einen meiner Freunde antreten.
Ansonsten vertreibe ich hier sehr viel Zeit in der Bibliothek oder ich laufe auf dem Schlossgelände rum. Mein Freund Dimitri hat mich in letzter Zeit viel im Schwertkampf trainiert.
Lass bitte was von dir hören. Spätestens in den Ferien sehen wir uns.
Harry
Zufrieden versiegelte Harry auch diesen Brief und machte sich auf den Weg in die Eulerei um die Briefe weg zu schicken. Gerade als er bei den Treppen auf der sechsten ankam und nach unten gehen wollte, kam Calypso aus dem Ostflügel.
„Was hast du vor?" fragte sie neugierig.
„Zwei Briefe abschicken." erwiderte Harry und zeigte ihr die Briefe.
„Du musst dir unbedingt eine Eule zulegen Harry. Welches Kind wird heute noch ohne Eule zur Schule geschickt?" fragte Calypso.
„Mum und Dad haben mich und Nico auch gar nicht ohne Eule geschickt. Aber Spider ist bei Nico geblieben." erklärte Harry.
„Spider? Ihr seid bekloppt" sagte sie und schüttelte ungläubig ihren Kopf.
„Das war Nicos Idee." sagte Harry sofort. „Sein bester Freund hat angst vor Spinnen, deshalb der Name." lachte Harry.
„Jungs" sagte sie nur und drehte sich wieder Richtung Ostflügel. „Wenn du willst, kannst du dir Morgana leihen." bot sie an und ging in den Korridor, der zu den Mädchen Zimmer führte.
Nach kurzem zögern folgte Harry ihr und schließlich kamen sie vor einer Tür stehen, auf der der Name Rosier stand. Calypso öffnete die Tür und Harry trat nach ihr ein.
„Das ist voll unfair! Eure Zimmer sind viel größer als unsere." sagte Harry und blieb verdutzt in der Tür stehen.
Calypso fing an zu lachen und schubste ihn weiter rein um die Tür hinter ihm zu schließen.
„Unsinn. Unsere Räume sind nicht größer. Mein Vater hat lediglich Expansionssprüche gesprochen, damit mein Zimmer größer ist als die der anderen." erklärte Calypso.
„Ah ja.. Und du schimpfst darüber, dass die anderen Schüler denken, du würdest Vergünstigungen bekommen. Ist klar." sagte Harry trocken und sah sich in dem Zimmer um.
Wenn er schätzen müsste, dann würde er behaupten, dass das Zimmer drei mal so groß war wie sein eigenes. Vor dem Fenster war eine große Ecke mit Couch, Sesseln und Tisch. Auf der linken Seite stand ein riesiges Bücherregal und daneben ein Schreibtisch. Ein Bett fehlte komplett und Harry stellte überrascht fest, dass auf der rechten Seite des Zimmers eine Tür abging.
„Abgetrenntes Schlafzimmer?" fragte er im selben Ton wie vorher.
„Denkst du ich schlafe in dem Bett, wo sich vielleicht andere Leute drauf gesetzt haben, weil wir uns in meinem Zimmer getroffen haben? Dafür ist die Couch da." sagte sie und streckte leicht ihre Nase hoch.
„Oh sorry Calypso. Ich wusste gar nicht, dass du so viele Freunde hast." sagte er sarkastisch und merkte sofort an ihrem Gesicht, dass er was falsches gesagt hatte. „Entschuldigung Calypso, so war das nicht gemeint." entschuldigte er sich noch bevor sie was sagen konnte.
Kurz herrschte ein peinliches Schweigen zwischen ihnen und Calypso ging in ihr Schlafzimmer. Kurz darauf kam sie mit einer kleinen braunen Eule wieder.
„Das ist Morgana." sagte sie und streckte ihren Arm aus, damit Harry ihr die Briefe an das ausgestreckte Bein binden konnte.
Als er fertig war, sagte er der Eule wo sie hin fliegen sollte und Calypso ließ sie aus ihrem Fenster fliegen.
„Ich dachte wir könnten noch ein bisschen an unseren Projekten arbeiten?" fragte sie.
„Gern." erwiderte Harry. „Willst du hier bleiben oder sollen wir uns in der Bibliothek treffen?" fragte er.
„Wenn es dir nichts ausmacht, können wir auch gerne hier bleiben." sagte sie und sah Harry an.
„Okay. Ich bin in zehn Minuten wieder da. Meine Sachen liegen in meinem Zimmer." sagte er und ging in Richtung Tür. „Außerdem müssen wir noch darüber reden, wie dein Vater das hier geschafft hat. Ich will auch ein größeres Zimmer." sagte Harry und Calypso grinste ihn frech mit hochgezogener Augenbraue an.
„Vergiss es Potter. Das ist mein Vorteil"
Am Samstag machten sich Harry und Dimitri direkt nach dem Schwertkampf Unterricht auf den Weg zum Professorenflügel um nach St. Petersburg zu flohen. In der Eingangshalle trafen sie auf Viktor, der bereits auf sie wartete. Harry hatte am vorherigen Abend Viktor gefragt, ob er sich anschließen möchte.
„Ob ihr es glaubt oder nicht, aber ich war noch nie auf der Katharinas Walk einkaufen." sagte Viktor als Harry und Dimitri auf ihn zu liefen.
„Wirklich noch nicht?" fragte Dimitri überrascht. „Dein Vater ist doch der Leiter der bulgarischen Strafverfolgung. Da hätte ich gedacht, dass ihr weit rum gekommen seid in der Welt." erklärte Dimitri sich.
„Mein Vater bevorzugt es, alleine zu reisen. Er ist sehr konservativ und vertritt die Meinung, dass wir ihn ablenken würden. Mir hat das aber auch immer gepasst. So konnte ich wenigstens für Quidditch trainieren." sagte Viktor und Harry sah, wie Dimitri kurz die Augen verdrehte.
Jetzt wo die zwei durch Harry Zeit miteinander verbrachten, näherten sie sich immer weiter einander an. Dimitri hielt Viktors exzessives Training für sinnlos, kommentiere das aber nicht mehr und respektierte Viktors Entscheidungen.
„Mach dir nichts draus Viktor. Ich war auch noch nicht dort." sagte Harry und sie machten sich zu dritt auf den Weg zum Professorenflügel.
„Ich habe übrigens gerade Professor Kiro an mir vorbei gehen sehen und habe ihn gefragt, ob er was dagegen hat wenn ich euch begleite. Er sagt, dass er mit Professor Juric darüber gesprochen hat und dass wir bis spätestens 20 Uhr wieder da sein sollen." sagte Viktor.
„Bis dahin sind wir locker wieder da." sagte Dimitri.
„Denke ich auch. Immerhin müssen Harry und ich früh ins Bett, damit wir für das Spiel morgen fit sind." sagte Viktor und Harry unterdrückte ein Stöhnen während Dimitri laut lachte.
Am Professorenflügel angekommen klopften sie an und Professor Perez öffnete ihnen die Tür.
„Professor Perez" sagte Harry respektvoll. „Wir haben die Erlaubnis von den Professoren Kiro und Juric das Schloss zu verlassen und würden gerne zu den Kaminen."
„In Ordnung." sagte sie und ließ sie durch die Tür. „Die fünfte Tür auf der rechten Seite. Flohpulver findet ihr neben den Kaminen." sagte sie und ließ die drei alleine.
„Na dann los." sagte Dimitri und ging voran zu dem Kaminen. „Am besten flohen wir ganz an den Anfang. Ihr müsst lediglich 'Katharinas Walk West' sagen." erklärte er und nahm eine handvoll Flohpulver. „Katharinas Walk West!"
Die grünen Flammen loderten auf und Dimitri verschwand im Kamin. „Alter vor Schönheit Viktor." sagte Harry und sein Freund boxte ihm auf die Schulter.
„Als ob der Wischmop auf deinem Kopf in irgendeiner Weise attraktiv ist. Katharinas Walk West!" sagte Viktor und verschwand noch bevor Harry etwas sagen konnte.
Harry selber nahm eine handvoll Flohpulver und trat in den Kamin. „Katharinas Walk West!"
Sofort sprießen die grünen Flammen an ihm hoch und Harry drehte sich wild im Kreis. Vor seinen Augen sah er schnell wechselnde Farben und Formen die andere Kaminausgänge waren. Normalerweise war man schon nach wenigen Momenten an seinen Ziel aber da Harry ins Ausland flohte dauerte es etwas länger. Schließlich spürte er, dass er sich langsamer drehte und dann war die Reise plötzlich vorbei.
Harry passte seinen ersten Schritt genau ab und trat elegant aus dem Kamin. Zum Glück hatte er nicht wie Nico und Tiara das Talent ihrer Mutter geerbt, die noch nach über 20 Jahren in der magischen Welt aus dem Kamin strauchelte.
Er war in einer riesigen rechteckigen Halle raus gekommen an der ein Kamin neben dem anderen in der Wand eingelassen war. An den langen Wänden waren die mindestens 80 Kamine verteilt und vor einer der kurzen Wände, standen Tische an denen Leute arbeiteten. Gegenüber der Tische waren die Ausgangstüren, die wahrscheinlich auf den Walk führten.
Es herrschte reges Treiben in der Halle. Menschen liefen kreuz und quer durcheinander und rempelten sich gegenseitig an. Man hörte kleine Kinder schreien und Eltern die nahe der Verzweiflung schienen und mit ihren Kindern stritten.
Harry bemerkte, wie der Kamin hinter ihm kurz orange Aufleuchtete und dem Personal in der Nähe signalisierte, dass er Steuern zahlen musste. Flohreisen waren generell kostenfrei. Aber sobald man mittels Flohpulver in ein anderes Land reiste, musste man darauf Steuern zahlen.
Er machte sich langsam auf den Weg zum Personal und hielt Ausschau nach Viktor und Dimitri. Schließlich sah er Dimitri am Ende einer Schlange und ging zu ihm. Kurz nach ihm, kam Viktor dazu.
„Das sind mehr oder weniger Einweg Kamine. Auf der Seite wo wir raus gekommen sind, kann man nur 'Einreisen' wenn wir später wieder zur Schule wollen, müssen wir die rechte Seite nehmen." erklärte er.
„Nicht verkehrt. So verhindert man, dass der Kamin besetzt ist, wenn man ankommt." stellte Harry fest und sah sich weiter um. „Am besten bezahlen wir jetzt schon beide Steuern. Dann müssen wir uns nachher nicht noch mal anstellen." schlug er vor.
„Würde ich auch sagen." sagte Viktor.
Nach circa zehn Minuten kamen sie vorne am Schalter an und standen einem ungepflegtem Russen gegenüber. „Wir haben je zwei Auslandsreisen zu versteuern." erklärte Dimitri.
„Das macht dann je vier Galleonen." sagte der Mann und schnell bezahlten die drei Jungen. Sie bekamen ein spezielles Pulver, dass sie später mit dem Flohpulver mischen mussten. Das würde dem Personal signalisieren, dass die Steuern bezahlt waren.
„Dann kann es ja jetzt endlich los gehen." sagte Dimitri und lief voran zum Ausgang.
Als Harry nach draußen Schritt, kam er aus dem Staunen nicht mehr raus. Der Katharinas Walk müsste seiner Meinung nach in Katharinas Kai umbenannt werden. Links von ihm erstrecke sich ein mindestens 15 Meter breiter Fluss über dem hin und wieder Brücken führten. Sie selber würden über den Kai schlendern und hatten zu ihrer rechten zahlreiche Geschäfte.
„Wahnsinn" sagte Viktor und pfiff anerkennend. Harry nickte zustimmend.
Der Walk war voll. Überall schlenderten Familien von Geschäft zu Geschäft. Vor den kleineren Cafés saßen Pärchen und tranken Kaffee oder aßen Eis. Es wehte ein leichter und frischer Wind vom Wasser rüber und der Walk wirkte offen und freundlich. Die Menschen hier waren glücklich und nahmen sich Zeit.
„Was ist das für ein Fluss?" fragte Harry seinen Freund als sie langsam los schlenderten.
„Das ist die Fontanka. Sie ist circa 75 Kilometer lang. Aber der Walk erstreckt sich nur über circa 8 Kilometer. 16 Kilometer wenn du am Ende über die Albert Bridge gehst und auf der anderen Seite wieder zurück kommst. Dort befinden sich auch Geschäfte." erklärte Dimitri.
„Albert Bridge? Das hört sich schrecklich britisch an." stellte Viktor fest.
„Eine Honorierung an meine Urgroßmutter." sagte Dimitri mit einem schiefen grinsen. „Sie kam aus Großbritannien und lernte meinen Urgroßvater – den späteren Zaubereiminister von Russland – auf Durmstrang kennen. Sie verließ ihre Heimat und kam hier her um an seiner Seite zu leben. Mein Urgroßvater ließ die Brücke bauen und sie benannten sie nach ihrem früh verstorbenen Vater Albert." erklärte er.
„Ich hatte schon fast vergessen, dass eure Familie eine Art Monarchie ist." sagte Harry und Dimitri zuckte mit den Achseln.
Sie schlenderten langsam an einem Zoogeschäft vorbei, dass dafür warb, jedes Tier zu verkaufen, dass man sich wünscht. Ein Stück weiter kamen Läden für Roben und Ballkleider. Sie liefen an mehreren Cafés vorbei, Schmuckgeschäften, Apotheken für Zaubertrank Zutaten, mehreren Buchläden und sogar einem Scherzartikel laden. Als sie an einen Quidditch Geschäft vorbei kamen, überredete Viktor sie, kurz rein zu schauen.
Flug durch die Gezeiten bot alles, was das Quidditch Herz begehrte und noch viel mehr. An der Wand waren Halter angebracht, die die Besen zur Schau stellten. Harry sah den Nimbus 2000 und direkt darüber einen leeren Halter, der bereits Platz für den neuen Nimbus 2001 bot. Aber nicht nur die Firma Nimbus war vertreten, Harry sah alte Shooting Stars, Silberfeile, Kometen und Sauberwischers in den Halterungen.
Auf Regalen im Verkaufsraum standen verschiedene Besenreinigungssets. Es gab sogar Limitierte Sets von Profi Vereinen. Harry sah ein Set von Nicos lieblings Quidditchteam, den Holyhead Harpies und beschloss, das Set für seinen Geburtstag zu kaufen. Das Set war in einer aufwendig gestalteten Truhe. Auf dem aufklappbaren Deckel hatten die sieben Spieler zusammen mit ihrem Trainer der Saison 1980/81 unterschrieben.
„Was gefunden?" fragte Dimitri als er langsam zu Harry rüber kam.
„Für meinen Bruder." sagte Harry und zeigte ihm das Set.
„Ist unser Profi schon fertig oder müssen wir den raus schleifen?" fragte Dimitri und sah sich suchend um.
„Eindeutig raus schleifen." erwiderte Harry lachend und sah auf die Uhr.
Zusammen schafften sie es Viktor aus dem Geschäft raus zu bekommen und sie schlenderten weiter.
„Wir müssen noch in einen der Schmuckläden." sagte Viktor. „Ich brauche noch ein Geschenk für meine Mutter." erklärte er.
Also gingen sie in ein Schmuckgeschäft und während Viktor sich beraten ließ, liefen Harry und Dimitri zusammen an den Ausstellkästen vorbei. Irgendwann fiel Harry ein zierliches Bettelarmband auf, dass er seiner Schwester nachträglich zum Geburtstag schenken würde. Harry besaß ein Geldbeutel, der direkt mit seinem Verließ bei Gringotts verbunden war. Auf diese Weise konnte Harry sein monatliches Taschengeld von 10 Galleonen ausgeben. Über die letzten Monate hatte sich ein kleines Vermögen angesammelt, da er auf Hogwarts nicht die Möglichkeit hatte, Geld auszugeben.
Viktor fand eine einfache Halskette für seine Mutter und dann verließen sie auch dieses Geschäft. Wieder draußen auf der Straße stellten sie fest, dass es bereits anfing zu dämmern.
„Wir haben noch zwei Stunden." sagte Harry nach einem Blick auf die Uhr.
„Wollt ihr noch die andere Kielseite sehen? Dort sind etwas andere Geschäfte. Auf dieser Seite würdet ihr zum Beispiel niemals Basiliskengift kaufen können, da drüben schon. Dort kann man einfach alles kaufen." sagte Dimitri.
„Brauchst du etwas von dort?" fragte Viktor ihn.
„Ne, nicht wirklich." sagte Dimitri.
„Gut, dann würde ich vorschlagen, besuchen wir die andere Seite ein anderes mal. Was haltet ihr davon, wenn wir was trinken gehen? Auf dem Weg hier hin habe ich eine Bar gesehen" fragte Viktor und deutete in die Richtung, aus der sie gekommen waren.
„Bin dabei." stimmte Harry Viktors Vorschlag zu und die drei Jungen drehten um.
Auf dem Weg zur Bar kamen sie an Gregorowitschs Zauberstabladen vorbei. Harry musste ihn beim ersten mal übersehen haben und schaute sich den Laden etwas genauer an. Das Schaufenster wurde von einem Baum ausgefüllt, der dafür sorgte, dass die Kunden im Laden etwas Privatsphäre hatten. Durch ein Schild am Stamm wusste Harry, dass es sich um einen Elderbaum handelte. Irgendwas an diesem Laden zog Harry an.
„Was hast du für einen Zauberstab Harry?" fragte Viktor ihn neugierig.
„Einen von Ollivanders. Weißeiche, 13 Zoll mit einer Phönix Feder." sagte Harry.
„Ich habe meinen Zauberstab vor Jahren hier gekauft. Gregorowitsch macht einfach weltweit die besten. Weißbuche und Drachenherzfaser, 14 Zoll" sagte Viktor.
„Sollen wir mal rein gehen?" fragte Dimitri.
„Wir haben doch schon alle einen Zauberstab." sagte Viktor und Harry schaute immer noch in den Laden. Irgendwas da drin rief nach ihm. Er spürte wie seine Magie durch seinen Körper rauschte, so wie sie das seit Jahren nicht mehr getan hatte.
„Lasst uns einfach mal rein gehen." sagte Harry und Viktor sah ihn schräg an.
„Wer weiß, vielleicht ist ja hier ein besserer Zauberstab für mich." sagte Harry obwohl er sich das nicht vorstellen konnte. Die Vorstellung seinen Weißeichen Stab abzugeben war unerträglich. Aber Harry wollte ihn ja auch gar nicht abgeben oder einen neuen Zauberstab erwerben, er wollte lediglich schauen, was ihn in den Laden zog.
Als die drei eintraten, kündigte ein Glocke an der Tür ihre Ankunft an. Die Luft war magisch, Harry hatte Probleme beim atmen und spürte ein leichtes kitzeln auf seiner Haut. Er sah Dimitri und Viktor an, die unbeeindruckt im Raum standen und sich umschauten. In diesem Moment kam Gregorowitsch auf die Verkaufsfläche und sah die drei an.
„Wie kann ich euch helfen?" fragte er höflich, mit einem strengen Unterton. Sie alle waren offensichtlich schon alt genug, dass sie einen Zauberstab besaßen und hatten somit seiner Meinung nach nichts in seinem Geschäft verloren.
„Ähm.. Wir wollten uns nur mal umschauen?" fragte Harry unsicher.
„Du kommst mir nicht bekannt vor. Du musst bei einem anderen Zauberstabmacher deinen Zauberstab erworben haben." stellte Gregorowitsch fest und sah Harry durchdringlich an.
„Ich war bei Mr. Ollivanders." erklärte Harry schnell und Gregorowitsch nickte leicht.
„Ein durchaus talentierter Mann. Aber leider hat er sich durch die Politik seines Landes verleiten lassen, schwache Zauberstäbe zu kreieren. Obwohl, schwach ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck. Aber er könnte bessere Zauberstäbe kreieren, wenn er sich an andere Hölzer oder Kerne versuchen würde. Soweit ich weiß, stellt er keine Elderzauberstäbe mehr her, weil seine Regierung sie als schwarz magische Gegenstände kategorisiert." sinnierte Gregorowitsch. „Willst du mal einen von meinen ausprobieren?" fragte er.
Schaden konnte es in Harrys Meinung nicht. „Gerne"
Gregorowitsch schaute Harry eine ganze Weile lang an danach. Er kam sich schon fast als ein überaus hässliches Insekt vor und war froh, als Gregorowitsch die Stille durchbrach.
„Ist dir kalt Junge oder warum hast du eine Gänsehaut?" fragte er und Harry war überrascht, dass der Zauberer seine Gänsehaut bemerkt hatte.
„Nein, dieser Laden strahlt nur eine menge an Magie aus." gestand Harry und sah, wie sich Dimitri und Viktor ratlos anschauen. Gregorowitsch hingegen lächelte triumphal und drehte sich um. Er holte aus einen der Regale zwei Zauberstäbe heraus und hielt sie Harry hin.
Harry schauderte und griff vorsichtig nach dem rechten Zauberstab. Kaum hatte er ihn berührt, wurde der Griff warm und die Magie im Raum spielte verrückt. Er spürte wie seine eigene Magie aus seinem Körper zu entweichen schien und prallte auf die Magie um den Zauberstab in seiner Hand. Aber anstatt sich zu bekämpfen, vermischte sich die Magie und wuchs zusammen. Harrys Atem wurde flach und er sah sich im Raum um.
Dimitri und Viktor sahen ihn mit großen Augen an. Gregorowitsch lächelte leicht.
„Ich würde vorschlagen, du nimmst ihn mit. Elderholz, 13 Zoll, Basiliskenhorn. 25 Galleonen bekomme ich dafür." sagte Gregorowitsch.
Eigentlich wollte Harry keinen zweiten Zauberstab, einer war völlig ausreichend. Aber Harry konnte genau so gut sein Arm oder ein Bein hier lassen. Der Zauberstab hatte ihn ausgesucht und Harry konnte sich nicht mehr von ihm trennen.
Schließlich kramte Harry sein Geld aus und bezahlte seinen Zauberstab. Danach verließen die drei den Laden und gingen direkt in die Bar die Viktor gesehen hatte. Harry grübelte wortlos vor sich hin während Dimitri und Viktor sich unterhielten. Erst als sie an einen Tisch in der Bar saßen und Viktor ihnen drei Butterbier bestellt hatte, kam Harry wieder in der Realität an.
„Was willst du mit zwei Zauberstäben?" fragte Dimitri ihn.
„Ich habe absolut keine Ahnung. Aber irgendwas werde ich mir einfallen lassen." erwiderte Harry. „Irgendwie konnte ich ihn nicht da lassen. Der Stab hat mich ausgesucht." sagte er und Harry klang in seinen eigenen Ohren hohl.
Viktor fing an zu lachen und sagte „So sehe ich auch immer aus, kurz bevor die Leute mich für Verrückt erklären."
Dimitri verdreht nur die Augen „Du bist verrückt."
„Ich bin fokussiert. Da ist ein unterschied." sagte Viktor. „Apropos fokussiert Harry. Ich möchte dass wir beide morgen so gut spielen wie wir können. Wir nehmen keine Rücksicht aufeinander okay?" sagte Viktor und Harry sah ihn überrascht an.
„Wenn du das willst Viktor. Aber denk bitte daran, ich war dein erster richtiger Freund. Wenn du mich auf dem Feld tötest, verlierst du mich auch abseits." sagte Harry gespielt dramatisch.
„Unsinn. Ich glaube nur einfach, dass du durch deinen Einfallsreichtum ein gefährlicher Gegner sein kannst. Aus gefährlichen Gegnern lernt man, also möchte ich, dass du so gut spielst wie du kannst. Wir können beide aus dieser Begegnung lernen." erklärte Viktor.
„Okay. Dann hoffe ich mal auf einen kurzen Aufenthalt im Krankenflügel. Dimitri, wenn ich da bin, würde ich gerne Bücher über Expansionszauber haben." sagte Harry und schaute von einem Freund zum anderen.
„Warum Expansionssprüche? Die lernen wir erst später." sagte Dimitri verwundert.
„Habt ihr mal Calypsos Zimmer gesehen?" fragte Harry ernsthaft und erntete zwei dunkle Blicke.
„Als ob ich da freiwillig einen Schritt rein treten würde." sagte Dimitri und Viktor nickte zustimmend.
Harry verdrehte die Augen. „Ernsthaft Jungs. Ihr Zimmer ist fast drei mal so groß wie unsere." erklärte Harry. „Ihr Vater hat ihn magisch expandiert. Ich will auch ein größeres Zimmer."
„Also wenn das einer von uns schafft, dann du." sagte Viktor. „Würde es dir etwas ausmachen mein Zimmer dann auch zu vergrößern?"
„Erstmal muss ich herausfinden wie genau das funktioniert.. Aber dann klar, warum nicht." antwortete Harry und die Kellnerin kam mit ihrem Butterbier.
„Ich will, dass ihr heute alles gebt. Wir haben es beinahe geschafft, Pollux den Pokal abzunehmen. Wir müssen nur noch dieses eine Spiel gewinnen. Liam, Anton, ihr konzentriert euch auf Krum. Versucht ihn auszuschalten, dann haben wir den Sieg sicher." sagte Alarico Fernandez zu seinem Team. „Markus, Julia, wir drei werden auf Tempo spielen und so viele Tore wie Möglich in kurzer Zeit schießen. Die Jäger von Pollux sind, wenn überhaupt, durchschnittlich. Wenn wir einen ordentlichen Vorsprung haben, dann kann Krum den Schnatz erst einmal nicht fangen. Mary, ein paar Quaffel werden dir durch die Finger gehen, lass dich davon nicht unterkriegen. Ich weiß, dass ist unsere Chance. Harry, versuche Krum ins Boxhorn zu jagen und fang diesen verfluchten Schnatz bevor er es tut."
„Verstanden" erwiderte Harry. Sie alle schlugen ihre Hände zusammen und schritten dann als Team auf das Spielfeld. Die Ränge waren voll. Ein Großteil der Menge schien für Chimära zu sein, denn als sie kamen wurden die Rufe lauter.
Kurz nach ihnen kamen Pollux auf das Feld und Harrys Augen fanden Viktors. Sie sahen sich kurz an und nickten mit ihrem Köpfen.
Ihr Professor für Geschichte übernahm in diesem Spiel die Rolle als Schiedsrichter und so stellten sich Fernandez und Viktor um Professor Balkken.
„Ich will ein faires Spiel verstanden?" fragte Professor Balkken streng und sah beide Kapitäne durchdringlich an.
Viktor und Fernandez gaben sich die Hand und damit stiegen alle Spieler auf und flogen auf ihre Positionen. Harry hörte den Startpfiff und sah, dass Markus Raid am schnellsten war und sich den Quaffel holte.
Harry flog höher und beobachtete mit einem Auge die Jäger unter sich und mit dem anderen Auge Viktor, der auch höher stieg und sich voll und ganz auf Harry konzentrierte.
Unter ihnen gelang Raid mit Fernandez' Hilfe das erste Tor und es stand 10 zu 0 für Chimära. Um einen besseren Überblick zu bekommen, drehte Harry weite Kreise um das Spielfeld und bemerkte, dass Viktor ihm zu folgen schien. Wollte Viktor ihm was damit sagen?
Harry beschloss, Viktor zu testen und ging in einen steilen Sturzflug, als hätte er etwas gesehen. Viktor jedoch blieb oben und Harry brach sein Sturzflug ab.
Viktor zog eine Augenbraue hoch, als wolle er fragen, ob das alles war. Währenddessen ging das Spiel unter ihnen weiter. Mary Torres gelang eine Glanzparade und John Miles, der Jäger der Pollux, musste sich geschlagen geben. Fernandez bekam den Quaffel und dartete wie wild auf die gegnerischen Ringe zu. Piotr Nowak, einer von Pollux Treibern jagte ihm ein Klatscher hinter her, dem Fernandez mit Leichtigkeit auswich.
In diesem Moment sah Harry, dass Viktor blitzartig die Richtung wechselte und zielstrebig weg flog. Harry konnte nicht erkennen, wo er den Schnatz gesehen haben will, flog aber dennoch hinter ihm her. Als Harry näher an Viktor dran war, änderte er plötzlich die Richtung und sie flogen leicht abgesenkt auf einen der Zuschauerstände zu. Jetzt war Harry sich sicher, dass Viktor ihn aufs Korn nahm und brach die Verfolgung ab.
Harry hörte das Publikum entrüstet aufschreien und suchte nach dem Grund. Dann wurde ihm klar, dass einige dachten, er würde Viktor den Sieg schenken, dabei war der Schnatz noch gar nicht gefunden. Viktor hatte nämlich auch angehalten und sah Harry frech an.
„Yermalov macht das Tor! 40 zu 10 für Chimära." rief der Kommentator und das Publikum jubelte.
Eine halbe Stunde lang passierte nicht viel zwischen Viktor und Harry. Sie flogen weit über dem Spiel und versuchten den Überblick zu behalten. Harrys Team konnte sich inzwischen ein guten Vorsprung erarbeiten. Fernandez hatte recht behalten, die Jäger von Pollux schienen unkoordiniert. Oft spielten sie den Quaffel ab ohne dass ein anderer Jäger bereit stand um ihn aufzunehmen.
Yermalov, Raid und Fernandez nutzen das gnadenlos aus und so stand es mittlerweile 110 zu 30 für Chimära, 70 Punkte bis Viktor in den Zugzwang kam. Harry hatte bereits bemerkt, dass Viktor ernsthafter nach dem Schnatz suchte.
Also entschied Harry sich dazu, Psychospielchen mit Viktor zu spielen um ihn weiter unter Druck zu setzten. Er drehte sich leicht ab und flog langsam von Viktor weg, als wolle er sich unbemerkt weg schleichen.
Harry wartete bis zu dem Moment, in dem Viktor bemerkte, dass Harry sich unauffällig davon machen wollte und brach dann in einen Sprint aus. Viktor machte sich sofort auf und folgte Harry, der nun höher in die Luft flog. Um Viktor zu verwirren, wechselte Harry schlagartig die Richtung und flog noch schneller. Viktor folgte ihm noch immer und Harry wechselte wieder die Richtung. Dann bemerkte er, wie Viktor hinter ihm langsamer wurde. Er hatte die Finte bemerkt und Harry bremste scharf. Er schwebte auf dem Fleck und sah Viktor mit einem breiten Grinsen an.
Sein Freund wirkte genervt. Zurecht, Harry hatte ihn immerhin in den letzten fünf Minuten erfolgreich abgelenkt. Viktor musste nun von neuem anfangen nach dem Schnatz zu suchen, denn er konnte sich jetzt nicht mehr sicher sein, wo der Schnatz nicht ist. Ein Sucher sucht das Spielfeld systematisch ab – Zumindest wenn er ein Profi ist. Viktor suchte systematisch und schloss so Bereiche aus in denen er den Schnatz nicht gesehen hatte. Da Harry ihn abgelenkt hatte, konnte der Schnatz in ein bereits 'durchsuchten Bereich' gelangt sein. Deshalb musste Viktor wieder neu anfangen.
„Tooooor Chimära! 140 zu 30 für Chimära." sagte der Kommentator und Viktors Zeit lief weiter runter. Noch 4 Tore und Harry würde Viktor gegenüber im Vorteil sein.
In dem Moment sah Harry, dass Viktor wie ein Pfeil davon schoss. Harry schaute in die Richtung in die Viktor flog und sein Herz blieb fast stehen. Circa 25 Meter vor Viktor war der Schnatz.
Harry beschleunigte und versuchte auf gleiche Höhe mit Viktor zu kommen, aber der Bulgare war im Vorteil. Harrys Weg war viel weiter als Viktors. Sein einziger Vorteil war seine Statur. Er war leichter als Viktor und daher schneller. Der Schnatz drehte ab und flog schräg nach unten. Sofort gingen sie in den Sturzflug.
Die anderen Spieler schienen kurz inne zu halten. Fernandez ergriff die Chance und schoss den Quaffel auf die Ringe und machte den nächsten Treffer. Pollux' Jäger durchschauten die Strategie umgehend und spielten auf Zeit, indem sie sich den Quaffel eher zupassten als selber die gegnerischen Ringe anzugreifen. Glücklicherweise war ihr Passspiel nicht gut und Yermalov schaffte es, sich den Quaffel zu schnappen und traf erneut für Chimära.
In der Zwischenzeit hatte Harry es tatsächlich geschafft, auf Viktors Höhe zu kommen. Schulter an Schulter jagten sie hinter dem Schnatz her. Sie waren knapp fünf Meter von ihm entfernt und so langsam war es Möglich, ihn mit ausgestreckter Hand zu fangen. Der nächste Vorteil für Viktor – er hatte längere Arme.
Plötzlich machte der Schnatz eine 180 Grad wende und flog unter ihnen zurück. Harry riss seinen Besen sofort rum und konnte seine Verfolgung direkt wieder aufnehmen. Viktor hingegen konnte nicht so geschmeidig drehen wie Harry und verlor einige wertvolle Sekunden.
Harry hatte den Schnatz vor der Nase und streckte seine Hand aus um ihn fangen zu können. Viktor ein kleines Stück hinter ihm.
In dem Moment kam Harry ein Klatscher entgegen und er musste von seinem Kurs abweichen. Viktor hinter ihm flog einfach ein kleines bisschen tiefer und ließ den Klatscher über sich hinweg fliegen. Danach gab er wieder Gas und sie flogen abermals Schulter an Schulter.
Der Schnatz war vielleicht einen Meter vor ihnen, als Viktor von seinem Besen sprang und den Schnatz in Fallen fing. Harry sah ungläubig zu, wie sein Freund drohte, 20 Meter in die Tiefe zu stürzen. Harry ging in einen waghalsigen Sturzflug und griff nach dem Oberarm seines Freundes. Er war zu schwach, um Viktor auf seinen Besen ziehen zu können, aber immerhin minderte Harry die Geschwindigkeit von Viktors Fall. Kurz vor dem Boden hatte Harry das Gleichgewicht zwischen Viktors Gewicht und der benötigten Aufstiegsgeschwindigkeit von seinem Besen gefunden und er konnte Viktor sanft auf dem Boden absetzten.
Harry schüttelte ungläubig den Kopf und sah seinen Freund an. „Bist du lebensmüde?" fragte er entsetzt.
Viktor grinste ihn als Antwort lediglich an. In dem Moment landeten die anderen Spieler und Harry bemerkte, dass die Pollux' Spieler nicht euphorisch waren. Ganz im Gegenteil, Fernandez landete freudestrahlend und kam auf Harry zu.
„Wir haben gewonnen!" schrie er und warf sich mit seinem ganzen Körper auf Harry.
Später am Abend saßen Harry und Viktor zusammen auf den Treppenstufen hoch zur sechsten Etage. Harrys Team war es in letzter Sekunde gelungen, mit 160 Punkten in Vorsprung zu gehen. Viktor war immer noch ungeschlagen, aber ihr Team hatte verloren. Chimära hatte dieses Jahr den Pokal gewonnen.
„Es gab ein kurzen Moment im Spiel, da dachte ich, du würdest den Schnatz fangen." gestand Viktor.
„Echt? Wann? Du warst immer im Vorteil." sagte Harry überrascht.
„Als der Schnatz gewendet hat. Du konntest viel schneller drehen als ich. Wenn der Schnatz nur etwas langsamer gewesen wäre, dann hättest du ihn gefangen und ich hätte verloren. Das ist ein großes Problem. Die Besen sind nicht speziell für Sucher konstruiert. Sie sind klobig und eher für Jäger und Treiber geeignet. Sobald man schnell Wenden muss, kann man die meisten Besen vergessen. Dazu kommt mein Körperbau, der erschwert noch einmal vieles." erklärte Viktor und Harry sah, dass er genervt war.
„Wenn ich ehrlich bin, habe ich auch noch nie von Besen gehört, die speziell für Sucher sind." überlegte Harry laut.
„Das ist eine Marktlücke." scherzte Viktor aber sah ganz und gar nicht belustigt aus.
„Also mit meinem Wissen und deiner Expertise mit Quidditch, würde es uns bestimmt gelingen, einen Rennbesen zu kreieren." sagte Harry lachend.
„Bestimmt Harry." sagte Viktor und nickte übertrieben mit dem Kopf.
Sie saßen eine Weile schweigend nebeneinander bis Harry wieder die Stille brach.
„Schon was für die Ferien geplant?" fragte er.
Ich werde mit der bulgarischen Quidditchmannschaft unterwegs sein. Der Nationaltrainer hat mich als Ersatz in den Kader geholt. Es ist unwahrscheinlich, dass ich bei einem Spiel spielen darf, aber immerhin kann ich mit trainieren und Erfahrungen sammeln." erzählte Viktor.
„Geil. Seit wann weißt du das? Du hast nichts erwähnt!" sagte Harry und boxte Viktor auf die Schulter.
„Ich habe es noch niemanden erzählt. Eigentlich soll es auch erstmal keiner wissen." sagte Viktor und sah ihn an.
„Alles klar, ich schweige." sagte Harry.
„Hast du schon was geplant?" fragte Viktor.
„Nicht wirklich. Mum und Dad wollen nicht, dass wir das Haus verlassen, wegen Voldemort und der ganzen Geschichte." sagte Harry.
„Ist es nicht langweilig nur zu Hause rum zu sitzen?"
„Es geht. Ich denke, dass ich viel lesen werde. Vielleicht suche ich mir schon mal ein neues Projekt." überlegte Harry und Viktor fing an zu lachen.
Harry grinste Viktor fies an. „Bereit für die Prüfungen?" fragte Harry ihn scheinheilig.
„Bereit für den Duellierwettbewerb?" fragte Viktor zurück.
