Falsche Entschlüsse
Als Severus nach der Unterhaltung mit Dumbledore in sein Quartier kam, wartete Hermine bereits auf ihn. Sie saß eingerollt mit einem Buch in ihrem Schoß auf seinem lieblings Fauteuil und blickte Severus neugierig an. „Wie war es?" Als er sich zu ihr umdrehte sah sie ihm seine Schwermut sofort an. Er sagte nichts und ging ins Badezimmer um sich sein Gesicht zu waschen. Er konnte keinen klaren Gedanken fassen. Was sollte er Hermine erzählen, wie viel konnte sie wissen, ohne dass es sie zerstörte. Konnte sie mit dem Wissen leben, dass ihr bester Freund ungeachtet seiner Taten sterben musste um den dunklen Lord zu besiegen? Er bemerkte nicht, wie Hermine in der Tür stand und ihn schweigend beobachtete. Als er sie im Spiegel sah, brach sein Herz. Es zerbrach an den Gedanken ihres hasserfüllten Gesichtes wenn er das tat, was Dumbledore von ihm verlangte. Es zerbrach an den Gedanken des darauffolgenden Schmerzens und der Einsamkeit. Severus fasste in der Sekunde einen Entschluss. Er würde ihr keine Gelegenheit geben enttäuscht zu sein. Wenn er sie jetzt fortschickte, dann bliebe ihr die Verzweiflung des Betruges erspart. Er wandte seinen Blick ab sammelte sich.
„Ich will, dass du gehst und nie wieder kommst." Dieser Satz kostete jedes bisschen Kraft was Severus besaß. Jede Faser seines Körper lehnte sich gegen ihn auf aber er blieb stark. Hermine blieb einen Moment lang ruhig. Severus wagte es nicht sie anzusehen. „Wenn du es schaffst mir das ins Gesicht zu sagen, dann gehe ich. Für immer." Sie sprach mit fester Stimme, doch Severus kannte sie inzwischen gut genug und hörte den Schmerz heraus. Severus atmete tief durch. Er wusste, es kommt jetzt alles auf diesen Moment an. Er musste nur einmal Stärke beweisen, für sie. Es wäre nur zu ihrem Besten.
Severus wandte sich ihr zu und sah sie an. Sein eigener Herzschlag dröhnte in seinen Ohren und er hoffte Hermines geschärfte Sinne konnten ihn nicht vernehmen. Er atmete noch einmal tief durch und wiederholte den zuvor gesagten Satz. Er schaffte es nicht das Zittern seiner Stimme in den Griff zu bekommen. Er zwang sich seinen Blick nicht abzuwenden und blickte starr in ihr Gesicht. Er versuchte es sich genau einzuprägen, denn er fürchtete es nie wieder zu sehen. Als er in ihre Augen sah, sah er dort eine Traurigkeit die die in seinem Herzen widerspiegelte. Er verspürte einen überwältigenden Hass. Auf sich selbst, auf Dumbledore, auf den dunklen Lord und auf das Schicksal generell. Warum war ihm nicht einmal ein wenig Glück gegönnt. Sie blieb regungslos im Türrahmen stehen und sah ihn an. Severus kamen die Sekunden wie Stunden vor, aber er brachte es nicht über sich auch nur ein weiteres Wort zu sagen. Hermine atmete tief ein und sah auf den Boden vor sich. Es schien als ob sie überlegte. Schließlich wandte sie sich wieder ihm zu und nickte leicht. Sie drehte sich um und verschwand aus seinem Quartier.
Severus blieb einige Minuten wie angewurzelt stehen. Den Schmerz den er verspürte war mit nichts zuvor dagewesenem zu vergleichen. Severus sah in den Spiegel und sah sich angewidert an. Er hasste sich. Er schlug mit der Faust auf den Spiegel, so oft bis er zerbrach und er sich nicht mehr erkennen konnte. Dann sank er schluchzend zu Boden. Wie damals als Jugendlicher hatte er das einzige was in seinem Leben gut war zerstört. Dumbledore hatte unrecht. Hermine ist gegangen. Wenn sie es jetzt tat, hätte sie es auch nach seiner unaussprechlichen Tat getan. Severus fand keinen Trost in seinen Gedanken, und dennoch redete er sich immer wieder ein, dass es notwendig und unabwendbar war. Er würde alles tun was Dumbledore von ihm verlangte. Auch wenn es sein Leben kosten würde. Er tat dies nicht mehr nur für Lily, sondern auch für Hermine.
