11 – Kleingeld

Zum hundertsten Mal ließ Cissie ihren Blick durch das kleine Lokal schweifen. Sie saß mit Cassie in einer Nische und aßen gerade ihren Nachtisch. Riesige äußerst leckere Erdberbecher. Trotzdem konnte Cissie das alles nicht richtig genießen, denn ihr lief die Zeit davon.

Der Raum war länglich und der Ausgang sowie die Küche war am anderen Ende des Raumes. Schräg gegenüber von ihnen war ein schmaler Gang, der zu den Toiletten und dem erhofften Telefon führte. Vielleicht gab es dort sogar ein Fenster, durch das sie entkommen konnte.

Cassie schien, was ihr Vorhaben anging, noch ahnungslos zu sein. Da sie noch ihre Superhelden Kostüme trugen, wurden sie von allen anderen im Raum angestarrt, so dass sie einfach behauptet hatte, sie schaute sich um, weil es ihr unangenehm war. Glücklicherweise hatte sie den Köder sofort geschluckt und die letzten 1 ½ Stunden damit verbracht sie verliebt anzustarren oder ihr Komplimente ins Ohr zu säuseln. Leider stellte sie dabei auch fest, dass Cassie nicht vorhatte, sie nach Hause zu bringen, aber durchaus den „richtigen Kuss" haben wollte. Das Eis war fast auf, Zeit ihren Plan in die Tat umzusetzen.

„Ähm Cassie . . . ich muss kurz wohin. Ich bin gleich wieder zurück." Sagte sie so beschwichtigend, wie möglich. Dabei nahm sie sogar Cassies Hand und warf ihr ein umwerfendes Lächeln zu, in der Hoffnung, dass es sie beruhigte. Dann stand Cassie auf um ganz ruhig und gelassen auf den Gang zu zugehen, obwohl sie innerlich raste.

Erst als sie sicher auf dem kleinen Gang vor den Blicken ihrer Freundin versteckt war beschleunigte sie ihre Schritte. Nach fünf Metern endete er in einer Sackgasse, an deren Wand ein Telefon angebracht war, links und rechts davon lagen sich die Toiletten gegenüber.

Sofort stieß sie die Tür zur Damentoilette auf und sah sich um. Links war nur ein Waschbecken, rechts zwei Kabinen mit zwei winzigen Fenstern darüber. Ohne zögern, lief sie direkt zur Männertoilette, auf der sie der gleiche deprimierende Anblick, sowie ein entsetzter Mann erwartete.

Das bedeutete kein Ausweg, also blieb nur noch das Telefon. Ein Münzfernsprecher. Wieso hatte sie nicht daran gedacht eine Tasche für Kleingeld in ihr Kostüm einzubauen? Plötzlich wurde Cissie die Lösung ihres Problems klar und sie starrte den Mann am Waschbecken an, als hätte sie ihn das erste Mal gesehen.

„Haben sie Kleingeld?" Eigentlich war es eine einfache Frage, Cissie hatte allerdings ohne es zu bemerken ihre „Ganoven abschreck Stimme" benutzt. Vor Angst zitternd griff er sofort in seine Tasche, warf einige Geldstücke auf die Ablage des Waschbeckens und flüchtete zurück in eine der Kabinen. Ohne auf dieses merkwürdige Verhalten zu achten, griff Cissie sich die Münzen und lief zurück zum Telefon.

Sofort warf sie die Münzen ein und wählte eine Geheimnummer, die sie direkt mit den Titans und damit BeastBoy verbinden sollte. Nervenzerreisende Sekunden geschah nichts, bis sie endlich die erlösende Stimme vernahm. „Hi, hier BeastBoy."

„Gott sei dank. Ich bin's Arrowette."

„Verdammt wo bist du? Wie geht's dir?"

„Ich bin im südlichen Teil von SanFrancisco. Cassie hat mich in ein Lokal Namens Korfu geschleppt und wenn ihr nicht bald kommt, um mir zu helfen, geht's mir sehr schlecht."

„Keine Panik wir haben das Gegenmittel. WonderWoman wird . . ."

„Was machst du da?" Die verärgerte Stimme ließ Cissie zusammenzucken. Wenn Cassie merkte, mit wem sie telefonierte, war alles aus, ihr musste eine Ausrede einfallen.

„Ähm . . . tut mir leid Mami . . ich hab echt keine Zeit mehr mein Date wartet schon." Cassie war ziemlich nervös, als sie auflegte, trotzdem drehte sie sich mit einem der unschuldigsten Lächeln, um das sie hin bekam.

„Tut mir leid, dass ich dich warten ließ. Aber ich musste doch meiner Mutter bescheid sagen, dass es später wird. Was hältst du davon, wenn wir noch so einen romantischen Spaziergang, wie in diesen Liebesfilmen machen?" Die Ablenkung war erfolgreich, denn Cassie trug jetzt wieder diesen verträumten Gesichtsausdruck zur Schau den sie mittlerweile so hasste.