Kommentar: So, das wäre dann das letzte. Vielen Dank an alle, die sich von der Schaffenspause nicht haben abschrecken lassen und alle Quereinsteiger sowie natürlich alle, die kommentiert haben. Vielen Dank, .

Die Eulen flogen die ganze Nacht. Fenrir wusste, was dies hieß: Voldemort war gefallen. Er bemerkte in einer Art distanzierter Selbstbetrachtung, dass es ihn überhaupt nicht interessierte. Dabei hieß das doch, dass er in Sicherheit war und mit ihm Cecil.

Fenrir blinzelte gegen die Strahlen der morgendlichen Sonne. Er fühlte sich kalt und verspannt. Der Schmerz war noch immer in seinem Rücken, inzwischen mehr ein dumpfes Pochen als ein brennendes Stechen.

Fenrir versuchte sich aufzusetzen. Doch er gab diesen Versuch schnell wieder auf. Er hätte schwören können, dass er nicht empfindlich war, was Schmerzen anging, doch dieser Schmerz war so gewaltig, dass er Fenrir die Luft zum Atmen nahm, wenn er auch nur versuchte, sich zu bewegen. Wunden, die von Werwölfen geschlagen wurden, verheilten schlecht. Nie hatte er gedacht, dass er dies einmal am eigenen Leib erfahren würde.

Fenrir drehte den Kopf und entdeckte Cecil ein Stück neben sich auf dem Waldboden liegen. Der Junge war zusammen gerollt und schlief fest. Er hatte eine anstrengende Nacht hinter sich, als Werwolf. Fenrir streckte vorsichtig seine Hand aus und strich mit seinen Fingern behutsam über eine von Cecils Haarsträhnen, die dem Jungen in die Stirn fiel.

Es musste der Trank gewesen sein. //Etwas wie eine Überdosis//, dachte Fenrir. War das Ironie des Schicksals? Hatte er zu oft ein Wolf sein wollen und konnte es dadurch nun nicht wieder werden?

Fenrir drehte Cecils Haarsträhne zwischen den Fingern seiner ausgestreckten Hand. Was sollte nun aus ihnen beiden werden? Der Junge brauchte ein Rudel und er, er brauchte Hilfe, auch wenn er den Gedanken nicht ertragen konnte. Hier half ein Zauber gegen Schmerzen oder zur Gerinnung von Blut nicht in dem Maße, in dem er es nötig hatte.

Es war diese Erkenntnis, die ihn davon abgehalten hatte, noch in der Nacht zurück in seine Wohnung zu apparieren. Dort würde es ihm nicht besser gehen als hier und hier fühlte er sich sicherer. Er mochte Bäume und den Wald und die Stille.

Ein Ast knackte im Unterholz und Fenrirs Hand ließ Cecils Haarsträhne los, um seinen Zauberstab zu ziehen. Der Junge hob verschlafen den Kopf und blinzelte in die Richtung, aus welcher das Geräusch zu hören gewesen war. Fenrir umfasste den Zauberstab fester und dann auf einmal waren sie überall um sie herum.

Es waren Auroren, keine Frage. Man sah es an ihren Roben. Man sah es an der Art, wie sie halb in Deckung gegangen ihre Stäbe auf Fenrir und Cecil gerichtet hatten. Und man sah es an ihnen selbst. Fenrir kannte einige von ihnen, zuvorderst Kingsley Shacklebolt.

"Nein, geht weg. Tut ihm nicht weh."

Cecil rutschte in der Hocke zu Fenrir, der den Jungen zu sich zog und ihm den Arm über die Brust legte. //Apparieren//, dachte Fenrir. Das war der einzige Fluchtweg, den sie hatten. Doch er unternahm nichts.

Die Auroren standen vor ihnen und sahen auf Fenrir Greyback und den kleinen Jungen hinunter. Cecil und Fenrir sahen zu ihnen auf. Überrascht sah Fenrir wie Kingsley Shacklebolt in die Hocke ging. "Keine Angst, Cecil. Niemandem wird wehgetan werden."

Seine Stimme klang ruhig und tief und hatte etwas meditatives. Fenrir begann zu verstehen, dass er keine Möglichkeit hatte, von hier zu entkommen. So ruhig wie Kingsley Shacklebolt war, war man nur, wenn man wusste, dass man am längeren Hebel saß. Jetzt gab es nur noch zwei Wege von hier weg: einen einfachen und einen schweren, aber keinen in die Freiheit.

Fenrir ließ Cecil los. Alleine hätte er den schweren Weg gewählt, aber er wollte nicht, dass dem Jungen etwas passierte. Unvermittelt wurde ihm klar, dass er ihn ohnehin nicht zu seinem Rudel hätte zurückschicken können. Es war nicht mehr sein Rudel und jeder wusste, dass Cecil sein Liebling gewesen war. Er hätte nicht dorthin gehen können.

//Ein weiterer Remus Lupin//, dachte Fenrir eher wehmütig als voller Verabscheuung.

"Komm mal zu mir, Cecil", sagte Kingsley, in der Hocke mit Cecil auf Augenhöhe. "Dann besorgen wir Dir was zu essen und ein warmes Bett und kümmern uns um Deinen ‚Freund'. Er ist verletzt, siehst Du. Er muss in ein Krankenhaus."

Fenrir schloss die Augen. Er wünschte sich, er hätte mit Cecil so reden können. Ob Shacklebolt selbst Kinder hatte?

"Cecil."

Der Junge wandte sich eilig zu Fenrir um. Ihm war die Unentschlossenheit ins Gesicht geschrieben. Fenrir legte den Kopf ein wenig schief und betrachtete das Kind. In ein paar Jahren würde er anders über Fenrir denken. In ein paar Jahren wäre er einer von ihnen. Vielleicht würde er sogar vergessen, was in den letzten Wochen passiert war. Doch Fenrir würde nicht vergessen. //Ein warmer Gedanke für Askaban.//

"Ich möchte, dass Du machst, was er Dir sagt", sagte Fenrir heiser. Er war sich sicher, dass er den Jungen in diesem Moment zum letzten Mal in seinem Leben sehen würde und es schmerzte ihn auf eine merkwürdige ungekannte Art. Er hatte nie jemanden gehabt, um den er sich Sorgen gemacht hatte, jemanden, der ihm wichtig gewesen war.

Cecil schmiegte sich an Fenrir und drückte ihn auf eine kindliche Weise möglichst behutsam. Dann ließ Fenrir den Jungen gehen. Kingsley nahm ihn bei der Hand und redete leise mit ihm. Fenrir schloss die Augen und versuchte, einfach nicht hier zu sein.

Eine Hand, die ihn an seiner Schulter berührte, ließ ihn die Augen wieder öffnen. Kingsley Shacklebolt stand über ihn gebeugt da. Seine braunen Augen maßen die grauen des ehemaligen Werwolfs. "Bereit?"

Fenrir hätte sich seine Gefangennahme anders vorgestellt, hätte man ihn gefragt, wie sie ablaufen würde. Alles war so merkwürdig ruhig, auf eine seltsame Art beinahe höflich. Fenrir schloss die Augen und akzeptierte das Unvermeidliche. "Ja. Bereit."