Eigentümliche Rache

Dorn flog eine weile über das Land hinweg, schon jetzt bemitleidete er die armen Kreaturen, die sie angreifen würden. Nach dem Kampf auf Du Völlar Eldrvarya ging es Murtagh nicht gut. Er hatte einen Freund, vielleicht seinen einzigen und seinen Bruder an einem Tag verloren. Doch nun war alles anders. Murtagh verfolgte nur noch ein Ziel, jeden Befehl zu befolgen, den man ihm gab. Er stellte keinerlei Fragen mehr und nichts tat ihm mehr leid. Am liebsten hätte Dorn diese Hexe mit Haut und Haar verspeist. Wie konnte er seinen Reiter nur zur Vernunft bringen. Es dauerte nicht lang bis das Lager des fahrenden Volks in Sichtweite kam. Dorn spürte die freudige Aufregung seines Reiters. Genieß es nicht zu sehr, Kleiner, brummte der Drache. „Warum nicht Dorn, lass uns einfach etwas Spaß haben." Sonst hatte so etwas ihm nie Spaß gemacht. Der rote Drache wollte sich gerade fallen lassen, als ein Feuerschwall dicht an ihm vorbei schoss. Verräter, Mörder, knurrte eine männliche Stimme. „Das könnte lustiger werden, als ich dachte", Murtagh begann zu lachen. „Holen wir uns die beiden." Dorn seufzte innerlich, stürzte sich dann aber auf Daray. „Du bist also die kleine, die mein Brüderchen auf dem Helgrind begleitet hat verrätst du mir, wer euch vor Naima gerettet hat" Lilu klammerte sich an ihrem Sattel fest. „Mein Brüderchen", rief sie ihm zu. „Aber ich dachte das wüsstest du." Dorn prallte mit voller Kraft gegen den lilanen Drachen. Daray brüllte wütend auf und stieß den roten Drachen zurück. Eine Weile ging es so hin und her. „Wo sind unsere Brüder denn jetzt?" noch immer lachte Murtagh. Für seine Größe war der rote Drache sehr stark. „Welche Rolle spielt dass? Ich bin hier." „Wie du wünscht, Mädchen." Wieder schoss Dorn auf sie zu. Doch mitten im Angriff hielt er inne, Lilu hörte Murtagh einen Zauber sprechen. Hilflos sah sie, wie etwas Glühendes auf sie zukam. Es traf Daray frontal. Der lilane Drache fiel hinab, der Aufprall war hart. Einen Moment lang war Lilu benommen, Schmerz durchflutete ihren Körper. „Daray", rief sie, während sie die Beinriemen löste. Langsam zog sie sich aus dem Sattel. Ich lebe noch, brummte der Drache. In seiner Seite klaffte ein riesiger Riss. „Das lässt sich ändern", Murtagh stieg aus seinem Sattel. Schmunzelnd schwang er Zar'roc. „Lass die Finger von meiner Schwester", Nolan stand neben einem der Wagen. Ailia schoss aus ihrem Versteck auf Dorn zu dasselbe gilt für dich. „Jetzt hab ich aber Angst", das Lächeln in Murtaghs Gesicht wollte nicht verschwinden. Dorn antwortete nicht, knurrte einfach nur. Zähne, Klauen und Schwanz hielten die Drachin fern. Bis sich plötzlich etwas seine Klauen in Dorns Seite rammte. Dorn blickte zur Seite und sah direkt in Saphiras blitzende Augen. Gemeinsam gelang es den Drachendamen Dorn auf den Boden zu zwingen. „Ich habe mich schon fast gefragt, wo du steckst." Murtagh wandte sich zu Eragon um, der nun auch hinausgetreten war. „Du bist unvorsichtig, Bruder." „Vielleicht will ich mich auch nur ein wenig amüsieren", grinste Murtagh ihn kalt an. „Nolan, kümmere dich um deine Schwester. Das hier ist mein Kampf." Der angesprochene nickte nur und lief zu Lilu. „Kümmere dich um Daray, ich wird's überleben." Nolan konnte die Verletzungen des Drachen nur langsam heilen. Es kostete ihn einige Kraft. Schließlich ließ er sich neben seine Schwester sinken. „Wie schlimm ist es?" Lilu lächelte schief. „Es geht. Achte auf Eragon."

Eragon hatte Adurna gezogen und stand nun seinem Bruder gegenüber. Ohne zu zögern griff Murtagh an. „Keine Gnade." Eine Sekunde lang schloss eragon die Augen, gerade noch rechtzeitig wehrte er Zar'roc ab. Wieder und wieder griff Murtagh an und es schien Eragon, als wäre sein Bruder noch stärker. Doch auch Eragon hatte dazu gelernt. Jeder Schlag lief ins Leere. Eragon hoffte, das Murtagh so ein wenig müde wurde. Doch auch an seinen Kräften zerrte der Kampf. Erst ein Rascheln beendete den Kampf, einen Moment lang war Murtagh abgelenkt und Eragon stieß zu. Die Überraschung stand Murtagh ins Gesicht geschrieben, wieder legte sich ein Lächeln auf sein Gesicht. „Du hast wohl gewonnen." Brachte er noch hervor, dann brach er zusammen. Vielleicht ist es besser so, brummte Dorn. Der endlich von den Drachinen frei gegeben wurde. Er torkelte zu seinem Reiter und fiel neben ihm zu Boden. „Vergib mir Bruder", Tränen traten in Eragons Augen. „Nolan. Es ist an der Zeit."

Schnell erhob er sich und lief zu Ailia, aus der Satteltasche zog er ein Kristallfläschchen. Lilu rappelte sich auf und wankte zu Eragon. Vorsichtig lies sie sich sinken und nahm den traurigen Drachenreiter in die Arme. „Gott, ich hoffe das funktioniert." „Was?" Verwirrt sah Eragon sie an.

Ungläubig sah Eragon, wie Nolan seinen Bruder auf den Rücken drehte. Als der Drachenreiter festgestellt hatte, das Murtaghs Herz nicht mehr schlug, öffnete die Flasche und träufelte den Inhalt auf die Wunde. Erst geschah gar nichts, zweifelnd sah Nolan seine Schwester an. Als Lilu gerade ihr letztes bisschen Hoffnung aufgeben wollte, begann die Wunde sich zu schließen. Einen Wimpernschlag später schnappte Murtagh nach Luft. Blieb dann aber bewusstlos, aber lebend liegen. Auch Dorn begann sich langsam wieder zu regen. Verwirrt Blickte der Drache sich um, es gelang ihm nicht, sich zu erheben. Wie ist das Möglich? Er klang erschöpft. „Das ist eine lange Geschichte. Aber zuvor sollten wir euch hier wegschaffen."

Noch einmal half das fahrende Volk ihnen. Sie würden die Drachenreiter schützen. Lilu saß neben Murtagh. Eragon und Nolan saßen ihnen gegenüber. Die Drachen lagen schützend um das Versteck der vier herum. Wie geht es ihm? Langsam kam Dorn wieder zu Kräften. „Er lebt, aber er hat hohes Fieber." Sanft strich sie ihm die Haare aus dem Gesicht. „Ich weiß nicht ob es an dem liegt, was Geschehen ist oder an dem Trank, den Lyza ihm verabreicht hat. Eines steht fest. Er hat einige schwere Tage vor sich." „Kümmerst du dich um ihn?" fragte Eragon sie, er hoffte, das Valeska bei Lilus Fähigkeiten nicht übertrieben hat. Das Mädchen nickte lächelnd. „Natürlich. Aber Magie hilft hier nicht, dein Bruder wird einiges ertragen müssen. Fürs erste können wir ihn nur warm halten."

Eragon nickte. „Also, was ist geschehen? Wie konnte er dass überleben?" Nolan lächelte schief. „Das hat er nicht. Er war tot, nur einen Wimpernschlag lang, aber er war tot." Dorn schnaubte leise. Ja das war er, wir beide. „Wie ist das alles möglich?" Eragon hatte gesehen was geschehen war, er hatte gesehen wie sein Bruder starb und doch konnte er es nicht glauben. „Ich habe während meiner Reise vieles entdeckt, auch die Drachentränen." Drachen weinen nicht, stellte Saphira fest. „Nein. Natürlich nicht." Nolan atmete tief durch. „Ich muss etwas ausholen. Ihr wisst, dass die Elfen zur Zeit der Drachenkriege auf dem Monolith der Tränen die Eier vernichtet wurden. Doch dort fiel nicht das einzige Blut. Es gab einen zweiten großen Nistplatz. Tief versteckt im Buckel. Auch dort hin kamen die Elfen. Nur eine Hand voll Drachen und ihre unausgebrüteten Junge überlebten. Es heißt, dass das Blut der Toten sich in einer Art Becken gesammelt hat, ehe es im Boden versickerte. Genau an dieser Stelle entsprang eine Quelle. Die Drachentränen. Es hieß sie könnten jede Wunde heilen. Aber ihr seht die Wirkung. Er lebt." „Aber wie seid ihr daran gekommen?" Nolan zuckte mit den Schultern. „Purer Zufall. Während eines Sturms sind wir über dem Buckel abgestürzt und haben uns in eine Höhle Unterschlupf gesucht. Ailia erkannte die Spuren, die ihre Ahnen hinterlassen hatten und ich kannte von Valeska die alten Geschichten. Wir haben etwas von dem Quellwasser mitgenommen, für den Fall, dass es uns vielleicht irgendwann nützen könnte." Er warf Murtagh einen Blick zu. Und das hat es, es hat ein Leben gerettet. Aber noch einmal wird das wohl nicht gelingen, denn ich erinnere mich nicht an den Weg dorthin und Nolan auch nicht, fragt nicht warum, es ist einfach so. Vielleicht wollte das Schicksal es so, vielleicht haben wir uns bei unserem Absturz auch verletzt. Ich weiß es nicht. Es ist wie es ist. „Es spielt keine Rolle", meinte Eragon. „Ich hoffe, wir brauchen es nicht mehr."