Anmerkungen
°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
Darth Saturn - The Dark Harvest
Teil 10
Ami wurde von der Sonne geweckt, die mitten in ihr Gesicht schien. Da ihr Zimmerfenster Südwestblick hatte, begriff sie sogar im Zustand extremster Müdigkeit, daß es schon mittags sein mußte, und egal wie müde sie war, sie und Jacen mußten aufstehen, da sie heute noch viel zu erledigen hatten.
Sie gähnte herzhaft und wälzte sich dann mit langsamen, zombiehaften Bewegungen aus dem Bett. Mit noch halb geschlossenen Augen, das Gehirn noch immer im Pause-Modus, machte sie ein paar tapsige Schritte vorwärts.
Dann verhakte sich ihr Fuß in etwas, und Ami folgte den schmerzhaften Gesetzen der Schwerkraft.
"Aua, mein Kopf!"
In Jacens schmerzverzerrtem Gesicht öffneten sich die Augen...nur um sich augenblicklich wieder zu schliessen.
Ami hatte in ihrem schlaftrunkenen Zustand glatt 'vergessen', daß Jacen auf einem Futon vor ihrem Bett schlief, und war dann über seinen Kopf gestolpert und hingefallen. Dabei war ihr Nachthemd ein Stück weit nach oben gerutscht.
Als Jacen seine Augen geöffnet hatte, hatte er zwischen ihren Beinen entlang direkt auf Amis Schambereich geschaut. Sicherlich kein unschöner Anblick, aber definitiv nichts, was Jacen sich freiwillig ohne Einverständnis seines Gegenübers ansehen würde.
Um die Situation für sie nicht noch peinlicher zu machen, gab er vor, die Augen gerade erst zu öffnen - nachdem er sich sicher war, daß sie aufgestanden war.
"Alles in Ordnung mit dir?" erkundigte Ami sich besorgt und senkte schuldbewußt ihren Blick.
"Ich hoffe, du hast nicht vor, mich jeden Morgen so zu wecken." entgegnete Jacen grinsend.
Ami errötete.
"Es tut mir leid. Irgendwie hab ich nicht mehr dran gedacht, daß du hier vor meinem Bett schläfst."
"Schon okay, Ami. Ist ja nichts passiert."
"Dann ist ja gut." entgegnete sie erleichtert. "Ich mach Frühstück, und du ziehst dich in der Zwischenzeit schon mal an. Wir haben heute noch einiges zu tun und leider nicht mehr viel Zeit."
Mit diesen Worten verschwand Ami in der Küche.
Jacen rappelte sich dann ebenfalls auf und verschwand im Bad. Als er zwanzig Minuten später, eingehüllt in Amis Bademantel, in die Küche kam, hatte Ami bereits ein traditionelles japanisches Frühstück zubereitet.
Der junge Jedi setzte sich zu ihr an den Tisch und begann zu essen.
"Und?" fragte Ami erwartungsvoll.
"Lecker." stellte er fest und nickte anerkennend.
Ami strahlte. Sonst war es immer Makoto, die für´s Kochen gelobt wurde. Endlich gab es mal jemanden, der sie für etwas anderes als naturwissenschaftliches Wissen lobte.
"Aber sag mal, wenn wir heute aus dem Haus müssen müssen, was soll ich dann anziehen? Meine Sachen hast du doch entsorgt."
"Verdammt!" stiess sie hervor. "Daran hab ich gar nicht gedacht." Dann schien sie für einen Moment verblüfft über ihren letzten Satz nachzudenken, und lachte plötzlich laut.
"Alles in Ordnung, Ami?" erkundigte Jacen sich verwirrt.
Ami beruhigte sich langsam wieder.
"Alles okay." Sie nickte dabei bekräftigend, doch einige der Muskeln in ihrem Gesicht, die für´s Lachen benötigt wurden, zuckten verdächtig. "Es ist nur so, daß ich in unserem Team eigentlich diejenige bin, von der erwartet wird, daß sie an alles mögliche denkt."
"Und?"
"Ganz einfach: Ich weiss nicht mehr, wann es das letzte mal vorgekommen ist, daß ich an irgendetwas nicht gedacht habe, und in den letzten zwei Tagen ist mir das jetzt schon mehrmals passiert." erklärte sie. "Das ist irgendwie unerwartet, und ich habe mir gerade vorgestellt, wie meine Freundinnen reagieren würden, wenn sie gehört hätten, wie ich sage, daß ich an etwas nicht gedacht habe."
"Verstehe. Aber wie lösen wir das Problem jetzt? Ich kann ja kaum in deinem Bademantel rausgehen, oder?"
Ami lächelte amüsiert bei der Vorstellung, schüttelte dann jedoch den Kopf.
Während beide weiteraßen dachte sie über eine mögliche Lösung nach.
"Ich hab´s!" rief sie schließlich. "Wird mich zwar was kosten, aber was soll´s?"
"Ami, ich möchte nicht, daß du dich für mich in Unkosten stürzt."
"Keine Sorge." beruhigte Ami ihn. "Ich bessere mir mein Taschengeld auf, indem ich gelegentlich für eine Bekannte elektronische Informationsbeschaffung betreibe. Sie wollte mir auch bei der Sache mit deinen Papieren helfen, aber für einen kleinen Bonus wird sie sicher noch etwas mehr tun."
Mit diesen Worten erhob sie sich und verschwand mit dem Telefon in ihrem Zimmer.
Der junge Jedi schaute ihr ein wenig verwirrt hinterher, vertraute jedoch darauf, daß Ami wußte was sie tat.
Nachdem er zu Ende gegessen hatte war Ami immer noch nicht zurück, also beschloß er sich nützlich zu machen und begann damit, in der Küche aufzuräumen.
Schließlich kam Ami wieder zurück und lächelte fröhlich.
"Meine Bekannte wird nachher mit ein paar nützlichen Dingen vorbeikommen, und sie wird auch die Antragstellung für deine Papiere übernehmen, so daß wir morgen früh einfach nur mit einem Foto von dir zur Verwaltung müssen. Sie hat ein paar Beziehungen, die die Sache beschleunigen werden." erklärte Ami. "Außerdem haben Uranus und Neptun mir eine Mail wegen Hotaru geschickt. Sie sagen, Hotaru sei zwar noch nicht wieder zu Hause, aber sie sei auch nicht in Gefahr, also sollten wir uns keine Sorgen machen."
"Prima. Und was tun wir solange bis deine Bekannte eintrifft?"
"Keine Ahnung. Wir könnten was spielen, fernsehen, uns unterhalten...wo mir einfällt, daß du mir noch ein paar deiner Abenteuer erzählen wolltest."
Jacen seufzte leicht.
"Erst bist du an der Reihe." entschied er schließlich.
"Okay. Aber laß uns ins Wohnzimmer gehen. Da ist es gemütlicher."
Ami nahm zwei Gläser und eine Flasche Apfelsaft mit und machte es sich dann neben Jacen auf dem Sofa bequem.
Dann fing sie an zu erzählen.
Sie berichtete davon, wie sie von Luna und Sailor Moon entdeckt worden war und sich den Senshi im Kampf gegen die Youma des Dunklen Königreichs angeschlossen hatte.
Sie erzählte von den Kämpfen mit den Youma-Generälen, vom Endkampf, der alle Senshi das Leben gekostet hatte, ihrer Reinkarnation und der Reaktivierung ihrer Erinnerungen, als Anne und Eiru aufgetaucht waren. Dann kamen die Kämpfe gegen die Familie des Schwarzen Mondes, sowohl in der Gegenwart als auch in der Zukunft, und schließlich die langen Kämpfe gegen die Deathbusters, Mistress 9 und Master Pharao 90.
"Hier auf der Erde scheint es mehr Bösewichter zu geben, als in der jahrhundetelangen Geschichte der Republik jemals auf allen Mitgliedswelten zusammengenommen aufgetaucht sind." stellte Jacen verblüfft fest. "Die Macht ist ganz offensichtlich mit euch."
"Wer weiss." meinte Ami. "Aber jetzt bist du wieder mit deinen Abenteuern an der Reihe."
Bevor Jacen noch etwas sagen konnte, klingelte es an der Tür. Ami öffnete, und ließ ein Mädchen in einem hellgrünen Kleid und weisser, kurzärmeliger Bluse ein.
°Vermutlich Amis Bekannte.°
Jacen musterte sie genauer. Glattes, fast schulterlanges, dunkelbraunes Haar, ein hübsches Gesicht mit braunen, kühl und berechnend blickenden Augen. Ihre ganze Körperhaltung verriet ein enormes Selbstbewußtsein.
Als das Mdchen seinen Aufzug musterte, schwand jedoch die Mauer von Unnahbarkeit um sie herum für einen Moment, und sie grinste amüsiert.
"Ja, Ami-san, so konntet ihr wirklich nicht bei der Meldebehörde auftauchen. Obwohl er in dem Outfit irgendwie niedlich aussieht."
"Jetzt fang du nicht auch noch mit diesem Unsinn an." grummelte Ami. "Kann ich dir ein Glas Apfelsaft anbieten?"
"Gern."
"Oh, Jacen, das ist übrigens Nabiki. Nabiki...Jacen." Nach diesen Worten verschwand sie in der Küche um noch ein Glas zu holen, whrend Nabiki ein paar Kleidungsstücke aus einer Tüte hervorholte.
"Ami behauptet, du wärst nicht von der Erde, Jacen-kun." bemerkte Nabiki dabei beiläufig.
"Das stimmt." antwortete er ruhig.
Nabiki musterte ihn noch einmal knapp.
"Als Gegenleistung für meine Hilfe will ich alles interessante über den Ort wissen, von dem du kommst."
°Selbst wenn da nur Nonsens bei rauskommen sollte, dürfte es wenigstens den Gegenwert eines unterhaltsamen Nachmittags haben.°
"Ähm...jetzt?"
"Im Moment habe ich keine Zeit dafür." antwortete sie. "Aber du könntest es als Text auf Amis Computer schreiben. Dann kann sie mir die Geschichte schicken."
°Und wenn sie gut ist, kann ich sie verkaufen.°
"Einverstanden."
Ami kam wieder und servierte ihrem Gast ein Glas Apfelsaft. Dann setzte sie sich wieder hin.
"Als Gegenleistung für meinen Aufwand erwarte ich die nächsten fünf Aufträge kostenlos, Ami-san." bemerkte Nabiki, während sie an ihrem Saft nippte.
"Geht klar."
"Außerdem will ich die Kleidung später wiederhaben. Gewaschen versteht sich."
Ami nickte.
"Und dann bekomme ich noch zweitausend Yen Aufwandsentschädigung."
"Auch kein Problem." entgegnete Ami, griff in ihre Tasche und holte den geforderten Betrag aus ihrer Geldbörse. "Wie sieht es jetzt wegen Jacens Meldepapieren aus?"
"Da. Probier das mal an, Jacen-kun." Nabiki warf Jacen die Kleidung zu, der damit kurz das Zimmer verließ. "Ihr geht morgen früh gegen neun Uhr zu Herrn Koyakabe. Zimmer vierhundertelf. Ich habe die Angelegenheiten mit ihm bereits besprochen. Alles was ihr braucht ist ein Paßbild von Jacen. Noch Fragen?"
Ami verneinte.
Jacen kam nach ein paar Minuten wieder zurück. Er trug eine schwarze Stoffhose und ein rotes Seidenhemd in chinesischem Stil. Beides passte ihm ziemlich gut. Nur um die Brust herum war ihm das Hemd ein klein wenig zu weit.
"Passt." verkündete er zufrieden.
Nabiki nickte ebenfalls zufrieden.
°Vor Ende der Woche wird Ranma diese Sachen nicht vermissen, also mal wieder ein sicheres Geschäft.°
"Gut. Dann will ich mich mal wieder auf den Weg machen." verkündete Nabiki und verabschiedete sich. "Ach und vergesst nicht: Spätestens Ende der Woche brauche ich die Kleidung zurück. Bring die Sachen zum Tendo-Dojo in Nerima und gib sie entweder mir oder meiner Schwester Kasumi. Niemandem sonst, klar?"
Ami und Jacen nickten, und Nabiki machte sich zufrieden wieder auf den Weg. Für läppische Kleidung und ein bißchen Papierkram hatte sie sich für einige Zeit die kostenlose Arbeit des besten ihr bekannten Hackers gesichert. Was konnte sie mehr von ihrem Tag erwarten?
Kurz danach machten sich Jacen und Ami auf dem Weg zu einem Fotogeschäft, um die Bilder machen zu lassen. Ami überredete ihn schließlich, die Gedankenlesetechnik bei ihr anzuwenden, um sich auf den bevorstehenden Aufnahmetest vorzubereiten, was beide den Rest des Tages beschäftigte. Todmüde fielen beide gegen elf schließlich ins Bett respektive auf den Futon und schliefen binnen weniger Minuten ein.
Früh am nächsten Morgen standen sie wieder auf und befolgten Nabikis Instruktionen. Herr Koyakabe erwies sich als äußerst kooperativ, und so traf Jacen gerade rechtzeitig zur Lunchpause in der Juuban Highschool ein. Ami brachte ihn ins Sekretariat und half ihm, das Anmeldeverfahren zu überstehen. Danach wurde er in einen kleinen Aufenthaltsraum gebracht, wo ihn eine Lehrerin bei der Erledigung der Aufnahmeprüfung beaufsichtigte.
==============================
Es war früher Morgen. Lord Traxius saß in seinem Thron, die Ellbogen auf die breiten Armlehnen gestützt, und die Hände vor dem Gesicht übereinandergelegt, und dachte darüber nach, was wegen der Senshi zu unternehmen war.
Insbesondere diese Sailor Pluto mußte nun definitiv als Gefahr eingestuft werden. Eine Gefahr nicht nur für seine Pläne mit der jungen Sailor Saturn, sondern insbesondere als Gefahr für den Gesamtplan.
Da der Hauptplan jedoch seine volle Aufmerksamkeit erforderte, und er außerdem Sailor Saturn zu unterrichten hatte, mußte er diese Aufgabe delegieren. Aber an wen ? Zirkonite und Midori waren beschäftigt. Gleiches galt für Maurice und Kevin. Taichi und Ken waren sehr gut darin, Pläne auszuführen, aber ihnen fehlte ein wenig die nötige Kreativität für die bevorstehende Aufgabe. Außerdem würde Taichi, so wie sich die Dinge zur Zeit entwickelten, bald im Nahen Osten gebraucht werden.
Blieb also nur eine Person übrig.
Mit einem schmalen Lächeln auf den Lippen und einem Druck auf einen Schalter in der rechten Armlehne seines Throns aktivierte er das Kommsystem.
"Ravana, deine Dienste werden benötigt."
Ein kurzer Moment verging. Dann drang eine Stimme aus einem verborgenen Lautsprecher.
"Ich bin unterwegs, mein Lord."
Fünf Minuten später kniete eine junge Frau vor Traxius Thron. Eine ungebändigte Mähne rotblonden Haars reichte fast bis zur Mitte ihres Rückens, und sie war wie ihre Freundin Kaori in eine dunkle Robe gekleidet, an deren Gürtel ihr Lichtschwert baumelte.
"Erheb dich, meine Schülerin."
Die Frau erhob sich mit einer Bewegung, die gleichermaßen Eleganz und Selbstbewußtsein ausstrahlte. Weder ihr Gesichtsausdruck noch ihr Blick verrieten eine Spur einer Emotion. Kluge, blau-graue Augen hefteten sich auf Traxius, während Ravana darauf wartete, daß ihr Meister zu ihr sprach.
"Du hast von den Senshi gehört ?"
Die junge Frau nickte knapp.
"Ich bin mir eures Interesses an diesen Individuen bewußt, mein Lord."
Traxius lächelte knapp.
"Zur Zeit befindet sich Sailor Saturn in unserer Obhut." erklärte er seiner Schülerin, und registrierte befriedigt den Ausdruck des Erstaunens, der für einen kurzen Moment über ihr Gesicht huschte.
Ravana war sehr bemüht, sich über möglichst viel auf dem Laufenden zu halten, was dazu führte, daß sie über fast alle Projekte ihres Meisters zumindest ansatzweise informiert war - was sie zur idealen Person für Notfalloperationen wie diese hier machte.
"Eine Gefangene ?"
"Eine neue Schülerin." korrigierte er mit sanfter Stimme. "Zirkonite und Midori kümmern sich bereits um ihr Basistraining."
"Und was ist nun meine Aufgabe die Senshi betreffend ?"
"Eine von ihnen, Sailor Pluto, verfügt nach Angaben Saturns über die Fähigkeit, durch die Zeit zu reisen und Korrekturen an der Zeitlinie vorzunehmen."
"Das könnte zu einem Problem werden, wenn 'Dark Harvest' beginnt."
Traxius nickte.
"Manche Probleme sollte man vermeiden so gut es geht."
"Ich verstehe." Der Ansatz eines fiesen Lächelns stahl sich in die Mundwinkel der jungen Frau. "Gibt es irgendwelche Nebenbedingungen zu beachten ?"
"Die anderen Senshi werden das nicht auf sich beruhen lassen, und du solltest auf jeden Fall verhindern, daß sie eine Verbindung zu uns herstellen können." stellte Traxius fest. "Vergiß nicht, daß immer die Möglichkeit eines Fehlschlags besteht."
Sie nickte knapp.
"Ich werde es nicht vergessen, Meister. Welche Ressourcen stehen mir zur Verfügung ?"
"Was immer du brauchst, meine Schülerin. Diese Sache ist zu wichtig für uns, um nachlässig oder geizig mit Ressourcen zu sein. Zirkonite sollte Informationen über einige der Senshi haben. Aber achte darauf, daß Saturn nichts von deinen Aktivitäten erfährt."
"Selbstverständlich." Ravana zögerte für einen Moment. "Wünscht ihr, daß ich die anderen Senshi beschäftigt halte? Das wird sie daran hindern, die Initiative zu ergreifen, während wir unsere Operationsvorbereitungen abschließen."
Traxius dachte über den Vorschlag nach.
"Sie dürfen nicht erfahren, daß wir ihre Deckidentitäten kennen. Dadurch könnten sie eine Verbindung zu uns herstellen, und meine Pläne bezüglich Sailor Saturn durchkreuzen. Außerdem wünsche ich nach Möglichkeit keine weiteren Opfer."
Der letzte Satz veranlaßte Ravana zu einem überraschten Stirnrunzeln. Seit wann kümmerten ihn zusätzliche Opfer ?
"Wenn wir Sailor Saturn für unsere Sache gewinnen können, gelingt uns das vielleicht auch noch mit weiteren Senshi." erklärte er mit einem leisen Kichern, als er ihre Verwirrung bemerkte.
Ravana lächelte verstehend.
"Wie ihr wünscht, mein Lord."
Traxius entließ sie mit einem Wink seiner rechten Hand, und Ravana verließ den Thronsaal nach einer respektvollen Verneigung, um Zirkonite aufzusuchen.
Ravana klopfte kurz an der Tür von Zirkonites Büro und trat dann ein.
"Guten Morgen, Ravana." Zirkonite gähnte hinter vorgehaltener Hand.
"Guten Morgen." Ravana nickte Zirkonite freundlich zu und grinste dann belustigt. "Du siehst ziemlich erledigt aus, weisst du das ?"
Zirkonite nickte nur und seufzte schwer.
"Hotarus Basistraining hält mich ziemlich auf Trab." erwiderte sie. "Glücklicherweise kann ich die Hälfte der Arbeit Midori überlassen."
"Sonst hättest du genausowenig Zeit zum Ausruhen wie unser Neuzugang, und die Schlafentzugsphasen würden dir ebenso zu schaffen machen wie ihr."
"Du bist doch sicher nicht nur hier, um nach dem Mädchen zu fragen, oder ?"
Ravana schüttelte den Kopf.
"Der Meister hat mir eine Aufgabe übertragen, bei der ich eventuell deine Hilfe brauche."
Zirkonite hob den Kopf und schaute ihr Gegenüber erwartungsvoll an.
"Er sagte, du hättest Informationen über die Senshi."
"Sollst du sie töten ?" In Zirkonites Augen blitzte es wütend. "Das sollte meine Aufgabe sein."
Ravana kicherte amüsiert.
"Keine Sorge. Ich soll die Senshi nur ein wenig beschäftigt halten, damit sie unseren Hauptplan nicht stören." beruhigte Ravana sie. "Ich bin sicher, der Meister hätte dir das überlassen, aber du bist im Moment mit einer wichtigen Aufgabe betraut."
"Solange du sie nicht tötest, kannst du sie haben."
"Töten werde ich nur Pluto." entgegnete Ravana gelassen. "Wir können nicht zulassen, daß jemand mit ihren Fähigkeiten auf diesem Planeten am Leben bleibt."
Zirkonite wollte sich schon wieder aufregen, aber Ravana kam ihr mit der nächsten Bemerkung zuvor.
"Von dir brauche ich eine handvoll Youma und ein Portal."
"Wozu ?" fragte die Frau aus dem Dunklen Königreich überrascht.
"Soweit ich weiss, kennen wir den Aufenthaltsort von Plutos Deckidentität."
Zirkonite nickte bestätigend.
"Ich werde sie aufsuchen und eliminieren. Dann öffnest du dort ein Portal und schickst deine Youma hindurch, damit es so aussieht, als wenn sie die Frau überrascht und getötet hätten. Anschließend können die Youma in der Gegend rumtoben, bis die übrigen Senshi sie vernichten." erklärte sie. "Auf diese Weise lenken wir den Verdacht von uns."
"Gute Idee." stimmte Zirkonite mit einem befriedigten Grinsen zu. "Was ist schon ungewöhnlich daran, daß ein Senshi durch Pech im Kampf von Youma getötet wird ?"
"Eben."
"Und die anderen Senshi ?"
"Gib mir die Akten über sie, und ich werde mir ein paar Gemeinheiten ausdenken, um ihnen das Leben schwer zu machen."
Zirkonite griff in eine Schublade ihres Schreibtischs und nahm dann eine CD heraus.
"Das sind Dossiers unseres Geheimdienstes über Saturn, Neptun, Pluto, Uranus, Mars und Jupiter. Alles, was wir über ihre Fähigkeiten und ihre Deckidentitäten wissen."
Ravana nahm die CD und bedankte sich.
"Da ich mir deines Interesses an den Senshi bewußt bin, werde ich dich auf dem Laufenden halten. Kann ich bis heute mittag über die Youma verfügen ?"
"Dabei hatte ich dich immer für einen Eigenbrötler gehalten." entfuhr es Zirkonite überrascht. "Aber sicher, kein Problem. Ich kann dir drei Youma zur Verfügung stellen - meine Notfallreserve."
"Sagen wir, ich bevorzuge es, allein zu arbeiten, weil mir dann niemand ins Handwerk pfuscht, und ich mir nur Sorgen über meine eigenen Fehler machen muß, aber ich weiss auch den Wert von Teamwork zu schätzen, wenn ich es für nötig halte." erwiderte der (Rot-)Blondschopf, ohne beleidigt zu sein. "Und du bist nunmal die Einzige hier, die Youma erschaffen kann, also brauche ich deine Hilfe. Und wenn ich dich auf dem Laufenden halte, kannst du deinen Anteil an meinem Plan besser erfüllen. So einfach ist das."
Mit diesen Worten verließ sie das Büro und überließ Zirkonite wieder ihrer eigenen Arbeit.
Als nächstes mußte sie sich auf ihren Besuch bei Sailor Pluto vorbereiten und eine Möglichkeit finden, die anderen Senshi beschäftigt zu halten. So oder so, das würde eine interessante Herausforderung werden.
Gutgelaunt begab sich Ravana in ihr eigenes Büro, um die Daten über ihre Opfer zu studieren.
°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
Darth Saturn - The Dark Harvest
Teil 10
Ami wurde von der Sonne geweckt, die mitten in ihr Gesicht schien. Da ihr Zimmerfenster Südwestblick hatte, begriff sie sogar im Zustand extremster Müdigkeit, daß es schon mittags sein mußte, und egal wie müde sie war, sie und Jacen mußten aufstehen, da sie heute noch viel zu erledigen hatten.
Sie gähnte herzhaft und wälzte sich dann mit langsamen, zombiehaften Bewegungen aus dem Bett. Mit noch halb geschlossenen Augen, das Gehirn noch immer im Pause-Modus, machte sie ein paar tapsige Schritte vorwärts.
Dann verhakte sich ihr Fuß in etwas, und Ami folgte den schmerzhaften Gesetzen der Schwerkraft.
"Aua, mein Kopf!"
In Jacens schmerzverzerrtem Gesicht öffneten sich die Augen...nur um sich augenblicklich wieder zu schliessen.
Ami hatte in ihrem schlaftrunkenen Zustand glatt 'vergessen', daß Jacen auf einem Futon vor ihrem Bett schlief, und war dann über seinen Kopf gestolpert und hingefallen. Dabei war ihr Nachthemd ein Stück weit nach oben gerutscht.
Als Jacen seine Augen geöffnet hatte, hatte er zwischen ihren Beinen entlang direkt auf Amis Schambereich geschaut. Sicherlich kein unschöner Anblick, aber definitiv nichts, was Jacen sich freiwillig ohne Einverständnis seines Gegenübers ansehen würde.
Um die Situation für sie nicht noch peinlicher zu machen, gab er vor, die Augen gerade erst zu öffnen - nachdem er sich sicher war, daß sie aufgestanden war.
"Alles in Ordnung mit dir?" erkundigte Ami sich besorgt und senkte schuldbewußt ihren Blick.
"Ich hoffe, du hast nicht vor, mich jeden Morgen so zu wecken." entgegnete Jacen grinsend.
Ami errötete.
"Es tut mir leid. Irgendwie hab ich nicht mehr dran gedacht, daß du hier vor meinem Bett schläfst."
"Schon okay, Ami. Ist ja nichts passiert."
"Dann ist ja gut." entgegnete sie erleichtert. "Ich mach Frühstück, und du ziehst dich in der Zwischenzeit schon mal an. Wir haben heute noch einiges zu tun und leider nicht mehr viel Zeit."
Mit diesen Worten verschwand Ami in der Küche.
Jacen rappelte sich dann ebenfalls auf und verschwand im Bad. Als er zwanzig Minuten später, eingehüllt in Amis Bademantel, in die Küche kam, hatte Ami bereits ein traditionelles japanisches Frühstück zubereitet.
Der junge Jedi setzte sich zu ihr an den Tisch und begann zu essen.
"Und?" fragte Ami erwartungsvoll.
"Lecker." stellte er fest und nickte anerkennend.
Ami strahlte. Sonst war es immer Makoto, die für´s Kochen gelobt wurde. Endlich gab es mal jemanden, der sie für etwas anderes als naturwissenschaftliches Wissen lobte.
"Aber sag mal, wenn wir heute aus dem Haus müssen müssen, was soll ich dann anziehen? Meine Sachen hast du doch entsorgt."
"Verdammt!" stiess sie hervor. "Daran hab ich gar nicht gedacht." Dann schien sie für einen Moment verblüfft über ihren letzten Satz nachzudenken, und lachte plötzlich laut.
"Alles in Ordnung, Ami?" erkundigte Jacen sich verwirrt.
Ami beruhigte sich langsam wieder.
"Alles okay." Sie nickte dabei bekräftigend, doch einige der Muskeln in ihrem Gesicht, die für´s Lachen benötigt wurden, zuckten verdächtig. "Es ist nur so, daß ich in unserem Team eigentlich diejenige bin, von der erwartet wird, daß sie an alles mögliche denkt."
"Und?"
"Ganz einfach: Ich weiss nicht mehr, wann es das letzte mal vorgekommen ist, daß ich an irgendetwas nicht gedacht habe, und in den letzten zwei Tagen ist mir das jetzt schon mehrmals passiert." erklärte sie. "Das ist irgendwie unerwartet, und ich habe mir gerade vorgestellt, wie meine Freundinnen reagieren würden, wenn sie gehört hätten, wie ich sage, daß ich an etwas nicht gedacht habe."
"Verstehe. Aber wie lösen wir das Problem jetzt? Ich kann ja kaum in deinem Bademantel rausgehen, oder?"
Ami lächelte amüsiert bei der Vorstellung, schüttelte dann jedoch den Kopf.
Während beide weiteraßen dachte sie über eine mögliche Lösung nach.
"Ich hab´s!" rief sie schließlich. "Wird mich zwar was kosten, aber was soll´s?"
"Ami, ich möchte nicht, daß du dich für mich in Unkosten stürzt."
"Keine Sorge." beruhigte Ami ihn. "Ich bessere mir mein Taschengeld auf, indem ich gelegentlich für eine Bekannte elektronische Informationsbeschaffung betreibe. Sie wollte mir auch bei der Sache mit deinen Papieren helfen, aber für einen kleinen Bonus wird sie sicher noch etwas mehr tun."
Mit diesen Worten erhob sie sich und verschwand mit dem Telefon in ihrem Zimmer.
Der junge Jedi schaute ihr ein wenig verwirrt hinterher, vertraute jedoch darauf, daß Ami wußte was sie tat.
Nachdem er zu Ende gegessen hatte war Ami immer noch nicht zurück, also beschloß er sich nützlich zu machen und begann damit, in der Küche aufzuräumen.
Schließlich kam Ami wieder zurück und lächelte fröhlich.
"Meine Bekannte wird nachher mit ein paar nützlichen Dingen vorbeikommen, und sie wird auch die Antragstellung für deine Papiere übernehmen, so daß wir morgen früh einfach nur mit einem Foto von dir zur Verwaltung müssen. Sie hat ein paar Beziehungen, die die Sache beschleunigen werden." erklärte Ami. "Außerdem haben Uranus und Neptun mir eine Mail wegen Hotaru geschickt. Sie sagen, Hotaru sei zwar noch nicht wieder zu Hause, aber sie sei auch nicht in Gefahr, also sollten wir uns keine Sorgen machen."
"Prima. Und was tun wir solange bis deine Bekannte eintrifft?"
"Keine Ahnung. Wir könnten was spielen, fernsehen, uns unterhalten...wo mir einfällt, daß du mir noch ein paar deiner Abenteuer erzählen wolltest."
Jacen seufzte leicht.
"Erst bist du an der Reihe." entschied er schließlich.
"Okay. Aber laß uns ins Wohnzimmer gehen. Da ist es gemütlicher."
Ami nahm zwei Gläser und eine Flasche Apfelsaft mit und machte es sich dann neben Jacen auf dem Sofa bequem.
Dann fing sie an zu erzählen.
Sie berichtete davon, wie sie von Luna und Sailor Moon entdeckt worden war und sich den Senshi im Kampf gegen die Youma des Dunklen Königreichs angeschlossen hatte.
Sie erzählte von den Kämpfen mit den Youma-Generälen, vom Endkampf, der alle Senshi das Leben gekostet hatte, ihrer Reinkarnation und der Reaktivierung ihrer Erinnerungen, als Anne und Eiru aufgetaucht waren. Dann kamen die Kämpfe gegen die Familie des Schwarzen Mondes, sowohl in der Gegenwart als auch in der Zukunft, und schließlich die langen Kämpfe gegen die Deathbusters, Mistress 9 und Master Pharao 90.
"Hier auf der Erde scheint es mehr Bösewichter zu geben, als in der jahrhundetelangen Geschichte der Republik jemals auf allen Mitgliedswelten zusammengenommen aufgetaucht sind." stellte Jacen verblüfft fest. "Die Macht ist ganz offensichtlich mit euch."
"Wer weiss." meinte Ami. "Aber jetzt bist du wieder mit deinen Abenteuern an der Reihe."
Bevor Jacen noch etwas sagen konnte, klingelte es an der Tür. Ami öffnete, und ließ ein Mädchen in einem hellgrünen Kleid und weisser, kurzärmeliger Bluse ein.
°Vermutlich Amis Bekannte.°
Jacen musterte sie genauer. Glattes, fast schulterlanges, dunkelbraunes Haar, ein hübsches Gesicht mit braunen, kühl und berechnend blickenden Augen. Ihre ganze Körperhaltung verriet ein enormes Selbstbewußtsein.
Als das Mdchen seinen Aufzug musterte, schwand jedoch die Mauer von Unnahbarkeit um sie herum für einen Moment, und sie grinste amüsiert.
"Ja, Ami-san, so konntet ihr wirklich nicht bei der Meldebehörde auftauchen. Obwohl er in dem Outfit irgendwie niedlich aussieht."
"Jetzt fang du nicht auch noch mit diesem Unsinn an." grummelte Ami. "Kann ich dir ein Glas Apfelsaft anbieten?"
"Gern."
"Oh, Jacen, das ist übrigens Nabiki. Nabiki...Jacen." Nach diesen Worten verschwand sie in der Küche um noch ein Glas zu holen, whrend Nabiki ein paar Kleidungsstücke aus einer Tüte hervorholte.
"Ami behauptet, du wärst nicht von der Erde, Jacen-kun." bemerkte Nabiki dabei beiläufig.
"Das stimmt." antwortete er ruhig.
Nabiki musterte ihn noch einmal knapp.
"Als Gegenleistung für meine Hilfe will ich alles interessante über den Ort wissen, von dem du kommst."
°Selbst wenn da nur Nonsens bei rauskommen sollte, dürfte es wenigstens den Gegenwert eines unterhaltsamen Nachmittags haben.°
"Ähm...jetzt?"
"Im Moment habe ich keine Zeit dafür." antwortete sie. "Aber du könntest es als Text auf Amis Computer schreiben. Dann kann sie mir die Geschichte schicken."
°Und wenn sie gut ist, kann ich sie verkaufen.°
"Einverstanden."
Ami kam wieder und servierte ihrem Gast ein Glas Apfelsaft. Dann setzte sie sich wieder hin.
"Als Gegenleistung für meinen Aufwand erwarte ich die nächsten fünf Aufträge kostenlos, Ami-san." bemerkte Nabiki, während sie an ihrem Saft nippte.
"Geht klar."
"Außerdem will ich die Kleidung später wiederhaben. Gewaschen versteht sich."
Ami nickte.
"Und dann bekomme ich noch zweitausend Yen Aufwandsentschädigung."
"Auch kein Problem." entgegnete Ami, griff in ihre Tasche und holte den geforderten Betrag aus ihrer Geldbörse. "Wie sieht es jetzt wegen Jacens Meldepapieren aus?"
"Da. Probier das mal an, Jacen-kun." Nabiki warf Jacen die Kleidung zu, der damit kurz das Zimmer verließ. "Ihr geht morgen früh gegen neun Uhr zu Herrn Koyakabe. Zimmer vierhundertelf. Ich habe die Angelegenheiten mit ihm bereits besprochen. Alles was ihr braucht ist ein Paßbild von Jacen. Noch Fragen?"
Ami verneinte.
Jacen kam nach ein paar Minuten wieder zurück. Er trug eine schwarze Stoffhose und ein rotes Seidenhemd in chinesischem Stil. Beides passte ihm ziemlich gut. Nur um die Brust herum war ihm das Hemd ein klein wenig zu weit.
"Passt." verkündete er zufrieden.
Nabiki nickte ebenfalls zufrieden.
°Vor Ende der Woche wird Ranma diese Sachen nicht vermissen, also mal wieder ein sicheres Geschäft.°
"Gut. Dann will ich mich mal wieder auf den Weg machen." verkündete Nabiki und verabschiedete sich. "Ach und vergesst nicht: Spätestens Ende der Woche brauche ich die Kleidung zurück. Bring die Sachen zum Tendo-Dojo in Nerima und gib sie entweder mir oder meiner Schwester Kasumi. Niemandem sonst, klar?"
Ami und Jacen nickten, und Nabiki machte sich zufrieden wieder auf den Weg. Für läppische Kleidung und ein bißchen Papierkram hatte sie sich für einige Zeit die kostenlose Arbeit des besten ihr bekannten Hackers gesichert. Was konnte sie mehr von ihrem Tag erwarten?
Kurz danach machten sich Jacen und Ami auf dem Weg zu einem Fotogeschäft, um die Bilder machen zu lassen. Ami überredete ihn schließlich, die Gedankenlesetechnik bei ihr anzuwenden, um sich auf den bevorstehenden Aufnahmetest vorzubereiten, was beide den Rest des Tages beschäftigte. Todmüde fielen beide gegen elf schließlich ins Bett respektive auf den Futon und schliefen binnen weniger Minuten ein.
Früh am nächsten Morgen standen sie wieder auf und befolgten Nabikis Instruktionen. Herr Koyakabe erwies sich als äußerst kooperativ, und so traf Jacen gerade rechtzeitig zur Lunchpause in der Juuban Highschool ein. Ami brachte ihn ins Sekretariat und half ihm, das Anmeldeverfahren zu überstehen. Danach wurde er in einen kleinen Aufenthaltsraum gebracht, wo ihn eine Lehrerin bei der Erledigung der Aufnahmeprüfung beaufsichtigte.
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Es war früher Morgen. Lord Traxius saß in seinem Thron, die Ellbogen auf die breiten Armlehnen gestützt, und die Hände vor dem Gesicht übereinandergelegt, und dachte darüber nach, was wegen der Senshi zu unternehmen war.
Insbesondere diese Sailor Pluto mußte nun definitiv als Gefahr eingestuft werden. Eine Gefahr nicht nur für seine Pläne mit der jungen Sailor Saturn, sondern insbesondere als Gefahr für den Gesamtplan.
Da der Hauptplan jedoch seine volle Aufmerksamkeit erforderte, und er außerdem Sailor Saturn zu unterrichten hatte, mußte er diese Aufgabe delegieren. Aber an wen ? Zirkonite und Midori waren beschäftigt. Gleiches galt für Maurice und Kevin. Taichi und Ken waren sehr gut darin, Pläne auszuführen, aber ihnen fehlte ein wenig die nötige Kreativität für die bevorstehende Aufgabe. Außerdem würde Taichi, so wie sich die Dinge zur Zeit entwickelten, bald im Nahen Osten gebraucht werden.
Blieb also nur eine Person übrig.
Mit einem schmalen Lächeln auf den Lippen und einem Druck auf einen Schalter in der rechten Armlehne seines Throns aktivierte er das Kommsystem.
"Ravana, deine Dienste werden benötigt."
Ein kurzer Moment verging. Dann drang eine Stimme aus einem verborgenen Lautsprecher.
"Ich bin unterwegs, mein Lord."
Fünf Minuten später kniete eine junge Frau vor Traxius Thron. Eine ungebändigte Mähne rotblonden Haars reichte fast bis zur Mitte ihres Rückens, und sie war wie ihre Freundin Kaori in eine dunkle Robe gekleidet, an deren Gürtel ihr Lichtschwert baumelte.
"Erheb dich, meine Schülerin."
Die Frau erhob sich mit einer Bewegung, die gleichermaßen Eleganz und Selbstbewußtsein ausstrahlte. Weder ihr Gesichtsausdruck noch ihr Blick verrieten eine Spur einer Emotion. Kluge, blau-graue Augen hefteten sich auf Traxius, während Ravana darauf wartete, daß ihr Meister zu ihr sprach.
"Du hast von den Senshi gehört ?"
Die junge Frau nickte knapp.
"Ich bin mir eures Interesses an diesen Individuen bewußt, mein Lord."
Traxius lächelte knapp.
"Zur Zeit befindet sich Sailor Saturn in unserer Obhut." erklärte er seiner Schülerin, und registrierte befriedigt den Ausdruck des Erstaunens, der für einen kurzen Moment über ihr Gesicht huschte.
Ravana war sehr bemüht, sich über möglichst viel auf dem Laufenden zu halten, was dazu führte, daß sie über fast alle Projekte ihres Meisters zumindest ansatzweise informiert war - was sie zur idealen Person für Notfalloperationen wie diese hier machte.
"Eine Gefangene ?"
"Eine neue Schülerin." korrigierte er mit sanfter Stimme. "Zirkonite und Midori kümmern sich bereits um ihr Basistraining."
"Und was ist nun meine Aufgabe die Senshi betreffend ?"
"Eine von ihnen, Sailor Pluto, verfügt nach Angaben Saturns über die Fähigkeit, durch die Zeit zu reisen und Korrekturen an der Zeitlinie vorzunehmen."
"Das könnte zu einem Problem werden, wenn 'Dark Harvest' beginnt."
Traxius nickte.
"Manche Probleme sollte man vermeiden so gut es geht."
"Ich verstehe." Der Ansatz eines fiesen Lächelns stahl sich in die Mundwinkel der jungen Frau. "Gibt es irgendwelche Nebenbedingungen zu beachten ?"
"Die anderen Senshi werden das nicht auf sich beruhen lassen, und du solltest auf jeden Fall verhindern, daß sie eine Verbindung zu uns herstellen können." stellte Traxius fest. "Vergiß nicht, daß immer die Möglichkeit eines Fehlschlags besteht."
Sie nickte knapp.
"Ich werde es nicht vergessen, Meister. Welche Ressourcen stehen mir zur Verfügung ?"
"Was immer du brauchst, meine Schülerin. Diese Sache ist zu wichtig für uns, um nachlässig oder geizig mit Ressourcen zu sein. Zirkonite sollte Informationen über einige der Senshi haben. Aber achte darauf, daß Saturn nichts von deinen Aktivitäten erfährt."
"Selbstverständlich." Ravana zögerte für einen Moment. "Wünscht ihr, daß ich die anderen Senshi beschäftigt halte? Das wird sie daran hindern, die Initiative zu ergreifen, während wir unsere Operationsvorbereitungen abschließen."
Traxius dachte über den Vorschlag nach.
"Sie dürfen nicht erfahren, daß wir ihre Deckidentitäten kennen. Dadurch könnten sie eine Verbindung zu uns herstellen, und meine Pläne bezüglich Sailor Saturn durchkreuzen. Außerdem wünsche ich nach Möglichkeit keine weiteren Opfer."
Der letzte Satz veranlaßte Ravana zu einem überraschten Stirnrunzeln. Seit wann kümmerten ihn zusätzliche Opfer ?
"Wenn wir Sailor Saturn für unsere Sache gewinnen können, gelingt uns das vielleicht auch noch mit weiteren Senshi." erklärte er mit einem leisen Kichern, als er ihre Verwirrung bemerkte.
Ravana lächelte verstehend.
"Wie ihr wünscht, mein Lord."
Traxius entließ sie mit einem Wink seiner rechten Hand, und Ravana verließ den Thronsaal nach einer respektvollen Verneigung, um Zirkonite aufzusuchen.
Ravana klopfte kurz an der Tür von Zirkonites Büro und trat dann ein.
"Guten Morgen, Ravana." Zirkonite gähnte hinter vorgehaltener Hand.
"Guten Morgen." Ravana nickte Zirkonite freundlich zu und grinste dann belustigt. "Du siehst ziemlich erledigt aus, weisst du das ?"
Zirkonite nickte nur und seufzte schwer.
"Hotarus Basistraining hält mich ziemlich auf Trab." erwiderte sie. "Glücklicherweise kann ich die Hälfte der Arbeit Midori überlassen."
"Sonst hättest du genausowenig Zeit zum Ausruhen wie unser Neuzugang, und die Schlafentzugsphasen würden dir ebenso zu schaffen machen wie ihr."
"Du bist doch sicher nicht nur hier, um nach dem Mädchen zu fragen, oder ?"
Ravana schüttelte den Kopf.
"Der Meister hat mir eine Aufgabe übertragen, bei der ich eventuell deine Hilfe brauche."
Zirkonite hob den Kopf und schaute ihr Gegenüber erwartungsvoll an.
"Er sagte, du hättest Informationen über die Senshi."
"Sollst du sie töten ?" In Zirkonites Augen blitzte es wütend. "Das sollte meine Aufgabe sein."
Ravana kicherte amüsiert.
"Keine Sorge. Ich soll die Senshi nur ein wenig beschäftigt halten, damit sie unseren Hauptplan nicht stören." beruhigte Ravana sie. "Ich bin sicher, der Meister hätte dir das überlassen, aber du bist im Moment mit einer wichtigen Aufgabe betraut."
"Solange du sie nicht tötest, kannst du sie haben."
"Töten werde ich nur Pluto." entgegnete Ravana gelassen. "Wir können nicht zulassen, daß jemand mit ihren Fähigkeiten auf diesem Planeten am Leben bleibt."
Zirkonite wollte sich schon wieder aufregen, aber Ravana kam ihr mit der nächsten Bemerkung zuvor.
"Von dir brauche ich eine handvoll Youma und ein Portal."
"Wozu ?" fragte die Frau aus dem Dunklen Königreich überrascht.
"Soweit ich weiss, kennen wir den Aufenthaltsort von Plutos Deckidentität."
Zirkonite nickte bestätigend.
"Ich werde sie aufsuchen und eliminieren. Dann öffnest du dort ein Portal und schickst deine Youma hindurch, damit es so aussieht, als wenn sie die Frau überrascht und getötet hätten. Anschließend können die Youma in der Gegend rumtoben, bis die übrigen Senshi sie vernichten." erklärte sie. "Auf diese Weise lenken wir den Verdacht von uns."
"Gute Idee." stimmte Zirkonite mit einem befriedigten Grinsen zu. "Was ist schon ungewöhnlich daran, daß ein Senshi durch Pech im Kampf von Youma getötet wird ?"
"Eben."
"Und die anderen Senshi ?"
"Gib mir die Akten über sie, und ich werde mir ein paar Gemeinheiten ausdenken, um ihnen das Leben schwer zu machen."
Zirkonite griff in eine Schublade ihres Schreibtischs und nahm dann eine CD heraus.
"Das sind Dossiers unseres Geheimdienstes über Saturn, Neptun, Pluto, Uranus, Mars und Jupiter. Alles, was wir über ihre Fähigkeiten und ihre Deckidentitäten wissen."
Ravana nahm die CD und bedankte sich.
"Da ich mir deines Interesses an den Senshi bewußt bin, werde ich dich auf dem Laufenden halten. Kann ich bis heute mittag über die Youma verfügen ?"
"Dabei hatte ich dich immer für einen Eigenbrötler gehalten." entfuhr es Zirkonite überrascht. "Aber sicher, kein Problem. Ich kann dir drei Youma zur Verfügung stellen - meine Notfallreserve."
"Sagen wir, ich bevorzuge es, allein zu arbeiten, weil mir dann niemand ins Handwerk pfuscht, und ich mir nur Sorgen über meine eigenen Fehler machen muß, aber ich weiss auch den Wert von Teamwork zu schätzen, wenn ich es für nötig halte." erwiderte der (Rot-)Blondschopf, ohne beleidigt zu sein. "Und du bist nunmal die Einzige hier, die Youma erschaffen kann, also brauche ich deine Hilfe. Und wenn ich dich auf dem Laufenden halte, kannst du deinen Anteil an meinem Plan besser erfüllen. So einfach ist das."
Mit diesen Worten verließ sie das Büro und überließ Zirkonite wieder ihrer eigenen Arbeit.
Als nächstes mußte sie sich auf ihren Besuch bei Sailor Pluto vorbereiten und eine Möglichkeit finden, die anderen Senshi beschäftigt zu halten. So oder so, das würde eine interessante Herausforderung werden.
Gutgelaunt begab sich Ravana in ihr eigenes Büro, um die Daten über ihre Opfer zu studieren.
