Violas Sicht…
Es war Samstag und trotzdem lag ich schon seit sechs Uhr wach. Ich wollte Jade unbedingt das Gedicht geben, doch ich wusste nicht wie! In die Schule gehen und ihn den Zettel in den Spint legen war unmöglich. Auch wusste ich gar nicht, wo er eigentlich wohnte. Frustriert rannte ich in meinem Zimmer hin und her, schmiss mich auf mein Bett, stand wieder auf, durchwühlte meine Schubladen, machte sie wieder dicht und fand mich letztlich an meinem Schreibtisch wieder. Die Kraniche an meiner Zimmerdecke tanzten wie irre zum Ventilator. Es war wieder ein unerträglich heißer Tag! Gedankenversunken starrte ich an die Wand über meinen Schreibtisch. Jades Augen, Jade wie er an das Gewächshaus lehnte, Jade wie er einen Apfel aß, Jade wie er Unkraut zupfte. Jeder Fremde würde denken, ich hätte nicht mehr alle Latten am Zaun. Aber vielleicht stimmte es ja? Zumindest hatte Jade meine Welt so ziemlich auf den Kopf gestellt. Ich malte nur noch in Grün, zog nur noch Klamotten in grün an und aß nur noch grüne Lebensmittel. Ich hatte mich letztens sogar dabei ertappt, wie ich mich auf die Biologiestunde gefreut hatte, weil ich dann meine grüne Schulmappe benutzen konnte. Aber das war noch nicht einmal das Schlimmste! Ich konnte nicht schlafen, essen oder sogar einfach nur atmen, ohne an ihn zu denken. Jede Zelle meines Körpers schrie seinen Namen, wollte ihn. Seufzend ließ ich mich in meinem Stuhl nach hinten sacken. Was mache ich jetzt nur? Plötzlich hatte ich die Idee. Ich konnte das Gedicht doch einfach bei seinem Gewächshaus verstecken. Der Schulgarten war ja schließlich zugänglich! Triumphierend griff ich nach meiner Tasche, schlüpfte in meine Schuhe und hastete Richtung Schule.
