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Gruß Akkarin1707

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Fahles Mondlicht fiel durch die Fenster in Cassidians und Sebastians Zimmer. Vier Personen hatten sich darin versammelt, zwei stehend, zwei kniend.

„Lord Cross, wir haben schon alles mehrfach abgesucht! Gleich nachdem der junge Lord und Mr. Riddle nicht zum Abendessen erschienen sind, haben wir uns alle auf die Suche gemacht. Besteht denn nicht die Chance, dass die beiden das Gelände verlassen haben?"

Nefarian fixierte Cassidian mit einem kalten Blick, der junge Mann schien vor ihm zu schrumpfen.

„Ich habe genug Leute um die Schule postiert, nicht einmal ein Floh könnte unbemerkt hinein oder hinaus, also sag mir nicht, Akkarin hätte das Unmögliche geschafft! Er muss hier sein!"

Cassidian senkte den Kopf, nicht ohne einen Seitenblick auf den neben ihm knienden Sebastian zu werfen, dessen Gesicht einen verzweifelten Ausdruck angenommen hatte.

„Ihr habt mir immer noch nicht beantwortet, wie das überhaupt passieren konnte! Wie konnten die beiden euch entwischen? Sebastian?"

Schweißperlen standen auf der Stirn des Angesprochenen, seine Hand ballte sich nervös zur Faust.

„Nun, da sich van Helsing ruhig verhalten hatte, haben wir dem jungen Lord ein wenig mehr Freiraum gewährt."

„Was darf ich mir unter „mehr Freiraum" vorstellen? Ich dachte, meine Anweisungen waren klar formuliert?"

Die Worte schnitten durch die Luft.

„Der junge Lord durfte die Bibliothek und die Samstagsnachmittagsaktivitäten gemeinsam mit Mr. Riddle besuchen, solange die beiden beisammen bleiben."

Ein Knurren war die einzige Vorwarnung, bevor die vierte Person Sebastian am Kragen packte und hochzog. Violette Augen funkelten wütend, das silberne Haar wirr.

„Du nichtsnutziger Bastard! Deine einzige Aufgabe war es, Akkarin im Auge zu behalten und selbst das kannst du nicht ausführen!"

Nefarian legte dem jungen Mann eine Hand auf die Schulter, woraufhin dieser Sebastian wieder losließ und zurück trat.

„Samael, das bringt uns jetzt auch nicht weiter, so gerne ich Sebastian auch dafür bestrafen würde…"

Sebastian schauderte, wusste er doch, dass die Bestrafung nur aufgeschoben war.

„Im Moment liegt meine Priorität darin, Akkarin und Mr. Riddle zu finden. Danach sehen wir, je nach Situation, weiter. Nach allem, was ich über Mr. Riddles Familie herausgefunden habe, könnte Lord Riddle durchaus eine Wiedergutmachung für jeglichen Schaden, der seinen Sohn befällt, verlangen."

Nefarian fixierte Sebastian mit unheilschwangerem Blick. Samael fügte mit dunkler Stimme hinzu:

„Nicht nur Lord Riddle…"

Nefarian öffnete gerade den Mund um weiterzusprechen, als die Tür aufflog und ein weiterer junger Mann mit goldenen Augen und braunem, zerzausten Haar in den Raum stürmte, in seiner Hand zwei Zauberstäbe.

„Wir haben eine Fährte!"

Der Vampirlord setzte gerade wieder zum Sprechen an, als ihm schon die Splitter der Tür um die Ohren flogen und der junge Werwolf, Cameron, direkt in seine Arme katapultiert wurde und ihn zu Boden riss. Staub verdeckte seine Sicht und Nefarian schob schnell den Jungen von sich, nachdem er sich vergewissert hatte, dass dieser am Leben war; nur Sekundenbruchteile später hatte er seinen Zauberstab in der Hand und auf den gesprengten Eingang gerichtet. Er kniff die Augen zusammen, um den dunklen, bedrohlichen Schatten, der energisch durch den Staub schritt, zu erkennen.

Doch in dem Moment, in dem er das Gesicht des Anderen klar sehen konnte, ließ Nefarian den Zauberstab sinken. Die hochgewachsene Gestalt war unverkennbar Toms Vater, der Junge war ihm wie aus dem Gesicht geschnitten. Dem Erscheinungsbild nach zu urteilen war der Mann etwa so alt wie er selbst, um die dreißig - Nefarian wusste, dass dies nur eine Illusion sein konnte - Kurzes, schwarzes Haar, scharf geschnittene Gesichtszüge, rote Lippen im Kontrast zur ungewöhnlich hellen, reinen Haut und tiefblaue, stechende Augen. Lange Finger hielten einen weißen Zauberstab delikat in der Hand, doch zweifelte Nefarian keinen Moment an der Macht des Mannes und wäre er nicht der Lord gewesen, der er nun einmal war, hätte er sich so wie die anderen in den Dreck gekauert.

Doch Nefarian stand auf, reckte das Kinn und blickte ihm fest in die Augen, die für eine Sekunde rot aufblitzten. Einen Moment lang stieß ihre Magie aufeinander, wogte gegeneinander, nur um dann wieder abzuebben, nachdem sie sich als ebenbürtig empfunden hatten.

Dann sprach der Neuankömmling mit kalter, bestimmter Stimme; doch Nefarian hörte deutlich die Sorge eines Vaters um seinen Sohn mitschwingen.

„Wo ist Tom?"

Nefarian hielt den Blickkontakt und antwortete mit derselben Tonlage, auf den leicht zitternden Cameron zeigend.

„Wir wollten gerade einer Spur folgen."

Voldemorts Augen verengten sich zu Schlitzen, als würde er die Situation abwägen um zu entscheiden, was das Beste wäre. Dann trat er einen Schritt zur Seite und fixierte Cameron, der immer noch angespannt auf dem Boden saß.

„Worauf wartet ihr noch?"

Nefarian sah den Werwolf nun seinerseits an.

„Na los, Cameron, du hast Lord Riddle gehört."

Cameron rappelte sich auf und verbeugte sich vor den beiden Männern. Die anderen Vampire folgten seinem Beispiel.

„Bitte folgt mir."

Vor dem Zimmer schlossen sich noch zwei Gefolgsleute Voldemorts der Gruppe an, der eine platinblond, der andere rabenschwarz.

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Cameron führte sie in die Keller der Schule, die normalerweise nicht genutzt wurden, immer tiefer in das Erdreich hinunter. Nur ab und zu blieb der junge Werwolf stehen, wie um die Fährte neu aufzunehmen. Nefarian wusste es besser, als das zu kommentieren, denn es gab kaum etwas Erniedrigenderes für einen Werwolf, als ihn mit einem Hund zu vergleichen; er wusste es wirklich zu schätzen, dass sich der Sohn des Alphas des größten Rudels Europas als „Fährtenhund" verdingte, nur um Akkarin zu finden. Auch Lord Riddle schwieg, aber Nefarian hatte nichts Anderes von dem Dunklen Lord dieses Zeitalters erwartet. Erst lange Zeit später brach dieser die Stille.

„Wie lange sind sie schon da unten?"

Der Vampirlord überlegte einen Moment lang.

„Ungefähr achtundvierzig Stunden."

Die nächste Frage war mehr ein Knurren.

„Wie stehen die Chancen, dass…"

Das Zähneknirschen des Anderen ließ Voldemort seine Schritte beschleunigen und im Gegenzug Cameron noch schneller laufen – bis dieser abrupt vor einer schwarzen Tür stehen blieb. Der Junge legte die Hand gegen das Holz, nur um sie wieder mit einem Aufschrei zurückzuziehen. Funken und Blitze sprangen über und Cameron sah zu, dass er möglichst viel Abstand zwischen sich und die Tür brachte. Er sah die beiden Männer mit seinen goldenen Augen an.

„Hier. Da drin müssen sie sein!"

Voldemort schob sich an Nefarian vorbei und legte seinerseits die Hand auf die Tür und schloss, die Funken und Blitze ignorierend, die Augen, um sich auf die Magie zu konzentrieren. Dann ließ er die Hand sinken.

„Sehr viele und mächtige Schutzzauber."

Nefarian knurrte und zückte seinen Zauberstab.

„Yvi... ich werde die üblichen Gegenzauber verwenden und dann sehen wir, was übrig bleibt."

Und schon fing er an, die Inkantationen in verschiedenen Sprachen zu rezitieren; die Routine war unschwer zu erkennen, schließlich lag Nefarians Stärke klar im Zauberbrechen. Doch dann kam sogar er an seine Grenzen – er stieß auf einen ihm vollkommen unbekannten Zauber in einer längst vergessenen Sprache. Das würde noch Probleme bereiten, nicht nur in diesem Fall, wenn die Ritterschaft des Lichts, wie sich van Helsings Anhänger gerne nannten, solche Zauber verwendeten.

Nefarian wollte sich gerade an Voldemort wenden, als dieser ihn bestimmt zur Seite schob. Er richtete seinen Zauberstab auf die Tür, Magie umspielte den Mann.

„Genug gespielt…"

Nefarians violette Augen weiteten sich vor Überraschung, als er die Magie spürte, die den dunklen Lord umgab, ihn durchdrang, sich an seinem Körper entlang schlängelte und sich schließlich um seinen Zauberstab sammelte. Die Magie war schwarz und doch warm und angenehm; und so mächtig, wie Nefarian es kaum glauben mochte – er hatte das Gefühl, danach greifen zu können. So wie nach der Wut und dem Zorn, die der Zauberer ausstrahlte.

„Confringo!"

Nefarian blinzelte sich den Staub aus den Augen und stellte zu seiner Verwunderung fest, dass die Tür mehr oder weniger pulverisiert war. Er hätte niemals gedacht, dass sich ein so mächtiger Schutzzauber mit purer Gewalt brechen lassen würde, doch dieser Mann hatte ihm das Gegenteil bewiesen.

Voldemort stand mit einem selbstgefälligen Grinsen in den Trümmern und wischte seinen Zauberstab ab, bevor er sicheren Schrittes durch den Durchgang ging, Nefarian auf den Fersen. Cameron und die vier Männer blieben vor der Tür stehen, sicherten den Gang.

Trotz des aufgewirbelten Staubes erkannten beide die Gestalten am Boden sofort. Einer saß an die Wand gelehnt und hatte den Kopf des Anderen auf dem Schoß – sie waren reglos. Die Männer dachten wohl das Gleiche, denn sie richteten simultan die Zauberstäbe auf die zwei Jungen.

Wenn Akkarin wirklich die Kontrolle verloren und Tom getötet hatte, war er durch das ganze Blut brandgefährlich. Nefarian bedauerte es, die letzten paar Tage auf Blut verzichtet zu haben. Mit langsamen Schritten näherten sich die Männer den Kindern – Nefarian vorsichtig, Voldemort energisch, seine Wut und Angst um seinen Sohn unterdrückend. Sie waren nur wenige Schritte entfernt, als sich der Staub genug gelichtet hatte, um die beiden genauer zu erkennen. Und just in diesem Moment hob der Junge, der an der Wand saß, den Kopf und blickte Voldemort mit müden, blauen Augen an.

„Tom!"

Blitzschnell schoss Voldemort nach vorne, fiel auf die Knie neben seinem Sohn und nahm sein Gesicht in seine Hände. Neben ihm tat Nefarian es ihm gleich, zog Akkarin in seine Arme.

Voldemort zischte, als er die Brandwunde am Hals seines Sohnes sah. Er begann sofort, leise aber bestimmt in Parsel auf Tom einzureden und dieser gab immer wieder mit erschöpfter Stimme kurze Antworten – die Wut stand Voldemort ins Gesicht geschrieben, als er, den Zauberstab fest auf die Brandwunde gerichtet, einen Heilzauber nach dem anderen sprach. Sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich noch, nachdem die Wunde einfach nicht verschwinden wollte; wenigstens hörte sie zu eitern auf und die Schwellung nahm ein wenig ab, so wie Toms Fieber und die Schmerzen. Seine Gefolgsleute hielten respektvollen Abstand, nachdem sie sahen, dass Tom den Umständen entsprechend wohlauf war.

Nefarian hatte Akkarin fest im Arm und legte eine Hand an seine Wange, wie um ihn zu wecken. Überrascht zuckte er zurück, als ihm statt kühler Haut eine angenehme Wärme entgegen schlug; er überzeugte sich nochmals, indem er die Stirn und Wangen seines Sohnes berührte. Mit Entschlossenheit riss er den blutgetränkten Ärmel der Robe seines Sohnes ab und sog scharf die Luft ein, als er die notdürftig verbundene Bisswunde auf dem bleichen Unterarm sah. Nefarian winkte Sebastian näher und als dieser neben ihm kniete, sprach er mit ihm in einer fremden Sprache. Cassidian lauschte ebenfalls gespannt, nur Samael schien nichts zu verstehen, was leicht an seinem verwirrten und verärgerten Gesichtsausdruck zu erkennen war. Mit einem Ruck stand Nefarian auf, seinen Sohn noch immer in den Armen und wandte sich an Voldemort.

„Ich muss Akkarin umgehend von hier weg in Sicherheit bringen. Bitte seid doch unsere Gäste und schließt euch uns an, es wäre mir eine Ehre."

Voldemort schien kurz zu überlegen und warf einen prüfenden Blick auf Tom, der nun auf wackligen Beinen neben ihm stand.

„Nun, ich denke, wir nehmen das Angebot vorerst an. Apparieren scheint mir noch ein wenig viel für Tom – und wir haben einiges zu bereden!"

Nefarian nickte und schnippte mit den Fingern, woraufhin Samael eine silberne Kette hervorholte und sie ihnen entgegen hielt. Sobald sich alle daran festhielten, aktivierte er den Portschlüssel und die Gruppe verschwand mit einem leisen „Plopp".

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Tom hatte zwar von Akkarins Zuhause in dessen Erzählungen gehört, aber so hatte er es sich nicht vorgestellt.

Nachdem sie alle die Kette gegriffen hatten und der Portschlüssel seine Aufgabe erledigt hatte, stand die Gruppe nun vor dem großen Haus auf einem gepflasterten Portalkreis. Dieser war offensichtlich mit diversen Schutzzaubern belegt, die der Hausherr Lord Cross zuerst neu einstellen musste, damit auch Tom und sein Vater hindurch konnten. Tom konnte sich gut vorstellen, dass normale Menschen nicht in die Schutzzauber mit eingeplant waren - zuerst fiel der Illusionszauber und aus dem großen, aber doch gewöhnlichen Herrenhaus wurde eine gewaltige, imposante Burg.

Tom nutzte die Zeit, das Areal genauer zu betrachten. Zu seinem Glück brach gerade der Morgen an und das sanfte Licht der Morgensonne verlieh der weißen, stellenweise mit grünem Efeu überwachsenen Burg einen goldenen Glanz. Das Bauwerk hatte viele Fenster und während die im Erdgeschoss den großen Fenstern aus gotischen Kirchen ähnelten, sahen die in den höheren Geschossen moderner aus, zwar immer noch verhältnismäßig groß, aber viereckig. Manche Scheiben waren aus farbigem Glas zusammengesetzt und zeigten verschiedene Szenen, mal mit Drachen, mal eine Schlacht, mal ein Treffen. Tom machte sich eine mentale Notiz, genauer wegen den einzelnen Szenen nachzufragen.

Die Zinnen der Burg zeichneten sich scharf gegen den Morgenhimmel ab, wie eine riesige Zahnreihe, perfekt weiß und regelmäßig. Auf der rechten Seite endeten die Zinnen in einem runden Turm, der grob geschätzt an die 15 Meter Durchmesser hatte, auf der linken Seite stach zu Toms Überraschung der Giebel einer Kapelle in den klaren Winterhimmel, leicht erkennbar an dem silbernen Kreuz, das darauf befestigt war. Hier zeigten die gotischen Fenster Szenen einzelner Heiliger. Tom und sein Vater hielten zwar nichts von Religion und Glauben, aber sogar er erkannte den Mann mit dem Flammenschwert, Erzengel Michael - sie hatten in seinem Wahlfach Magischer Schwertkampf darüber gesprochen. Ein weiteres Detail, über das er mit Akkarin sprechen musste, sobald es diesem wieder besser ging.

Tom warf einen verhaltenen Blick auf den jungen Vampir, der nun, noch immer reglos, in Sebastians Armen lag. Nur ein sanftes Heben und Senken seiner Brust und der schwache Glanz von Schweiß auf seiner Stirn verrieten, dass noch Leben in dem Jungen war. Tom hatte in diesem Kellerverließ nichts anderes tun können, als die Wunde zu verbinden und dann zu warten; er war wirklich froh, dass Akkarin und er noch lebten. Dieser verdammte van Helsing – er hoffte nur, dass sein Vater diesen Nathanael nicht in die Finger bekam. Er würde sich nur zu gern selbst bei diesem Bastard revanchieren, aber sein Vater würde wohl nicht viel von dem Jungen übrig lassen, sollte er die Chance zur Rache bekommen.

Tom wandte den Blick ab, als Samael ihn durchdringend anstarrte – irgendwie hatte er das Gefühl, dem jungen Mann gefiel es gar nicht, dass er, sein Vater, Lucius und Severus hier waren. Stattdessen ließ er den Blick wieder über das Gelände wandern, über den lichten Wald, der rund um die Burg stand, den Gebirgsbach, der daraus hervortrat und sich in einen kristallklaren Teich ergoss, der im Sommer gewiss zum Schwimmen einlud. Aber sogar jetzt, im Winter, die Flora kahl und mit Schnee bedeckt, bot die Landschaft einen friedlichen, einladenden Anblick. Es war alles ruhig und still, nur dünne Rauchfäden aus dem hinter dem Wald liegenden Dorf kräuselten sich hoch in den Himmel.

Er hätte die Stille noch länger genossen, hätte ihn eine Hand auf seiner Schulter nicht aus den Gedanken gerissen. Fragend sah er zu seinem Vater auf, der seinerseits in Richtung Lord Cross nickte. Dieser hatte allem Anschein nach die Schutzzauber entsprechend geändert, denn er wies mit einer einladenden Geste in Richtung Burg. Sein Vater, Voldemort, nickte ihm nur zu und zusammen mit Lord Cross gingen sie voran zu dem großen, schwarzen Tor; Samael und Sebastian, Akkarin tragend, folgten, sowie Severus und Lucius, respektvollen Abstand zu den Vampiren haltend.

Tom nahm die Hand seines Vaters, die er ihm reichte. Es war ihm unangenehm, wie ein kleines Kind an der Hand genommen zu werden, aber er wusste auch, dass seinem Vater, wenn es um die Sicherheit seines Sohnes ging, nichts peinlich war.

-Bleib bei mir, bis ich dir etwas anderes sage!-

Tom nickte und verstärkte seinen Griff.

-Ja Dad.-

Er bemerkte die seltsamen Blicke, die Samael ihnen zuwarf, als sie Parsel sprachen; er beschloss, ihn zu ignorieren.

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Das Foyer war gewaltig – und das klang in Toms Gedanken noch untertrieben. Nur der Ballsaal ihres eigenen Hauses konnte mit der Größe dieses Eingangsbereichs mithalten. Schwarze und rote Fließen zierten den Boden in einem Schachbrettmuster, die Wände und die Decke waren mit schwarzem Holz vertäfelt und von der Decke hing ein riesiger und doch filigraner Kerzenleuchter, der die Halle in ein sanftes Licht tauchte. Von dem Foyer gingen mehrere Flügeltüren ab, sowie links und rechts jeweils eine ausladende Treppe, die beide nach oben führten. Dazwischen, an der dem Eingang gegenüberliegenden Wand, prangte das übergroße Wappen der Familie – ein Drache auf eben dieser Burg. Die übrigen Wände wurden von Familienportraits gesäumt, aber Tom fiel auf, dass zwischen einzelnen Bildern Lücken waren; offensichtlich fehlten einige Portraits.

Tom versuchte, die argwöhnischen Blicke von den Vampiren auf der Galerie im ersten Stock zu ignorieren, als Lord Cross sie durch die Halle und eine der Treppen hoch führte. Die Treppen gingen in einen breiten Gang über, den sie entlang liefen bis zu einer Gabelung. Dort wandte Lord Cross sich an Sebastian und Samael.

„Ich möchte, dass ihr Akkarin in seine Gemächer bringt."

Die beiden Männer verbeugten sich, in Sebastians Fall soweit es ihm möglich war mit dem Jungen im Arm. Samael ergriff das Wort.

„Ja, mein Lord. Sollen wir einen Heiler rufen?"

Lord Cross nickte.

„Ruft Nikita! Sie weiß, was zu tun ist."

Samael verbeugte sich nochmals und zusammen bogen sie rechts ab und verschwanden hinter der nächsten Ecke. Der Vampirlord dagegen öffnete die große Flügeltür vor ihnen und bedeutete ihnen, in einen riesigen Raum einzutreten.

Toms Vater betrachtete argwöhnisch das Arbeitszimmer. Sein paranoider Vater fühlte sich in fremden Gebäuden überhaupt nicht wohl, besonders wenn er keine Möglichkeit hatte, sich im Vorfeld ein Bild zu machen. Seine Augen tasteten den Raum nach möglichen Fluchtwegen und Deckungen ab. Doch Lord Cross schien dies nicht zu bemerken, oder, was wahrscheinlicher war, überspielte es perfekt. Mit einem eleganten Schlenker seines Zauberstabs ließ er vier bequeme Stühle erscheinen und setzte sich selbst in den Lehnstuhl hinter dem großen Schreibtisch. Doch bevor er etwas sagte, musterte er Tom mit einem kritischen Blick, der sich neben seinen Vater in einen der Sessel gesetzt hatte. Lucius und Severus blieben hinter ihnen stehen.

„Lord Riddle, wäre es nicht besser, wenn euer Sohn medizinische Hilfe bekäme? Und ein Bett, in dem er sich ausruhen kann?"

Voldemorts Augen verengten sich zu Schlitzen, seine Stimme mehr ein misstrauisches Knurren.

„Tom bleibt in meiner Nähe! Für medizinische Betreuung ist gesorgt."

Er wies auf Severus, der schon diverse Tränke aus dem Umhang geholt hatte und die erste Phiole bereits entkorkte. Voldemort überging das Angebot eines Ruheplatzes für Tom geflissentlich. Lord Cross betrachtete die Phiolen mit unverhohlenem Interesse und nickte dann anerkennend.

„Nun, wir werden viel zu besprechen haben, Lord Riddle. Ich denke nicht, dass es für euren Sohn und eure Gefolgsleute notwendig wäre, dem Gespräch…"

Voldemort unterbrach ihn harsch. Seine Stimme war leise und gefährlich, sein Blick wie der eines Raubtieres auf der Jagd.

„Ich sagte, Tom bleibt bei mir!"

Lord Cross Hand zuckte instinktiv in Richtung seines Zauberstabs und nur im letzten Moment konnte er sich zurückhalten. Tom atmete erleichtert aus, denn aus seiner Position konnte er sehen, dass sein Vater seinen eigenen Stab schon lange im Ärmel seiner Robe bereithielt. Aber er konnte auch Lord Cross verstehen, er war es sicher nicht gewohnt, dass ihm jemand in seinem eigenen Arbeitszimmer in seinem eigenen Haus so über den Mund fuhr.

Als der Hausherr sprach, klangen die Worte gepresst, als müsste er seine äußerste Selbstbeherrschung aufwenden.

„Dann legt ihn wenigstens dort auf die Couch, der Junge fällt ja schon fast aus seinem Stuhl. Das kann man ja nicht mitansehen!"

Tom blickte unsicher zu seinem Vater auf, peinlich von der Tatsache berührt, dass seine Schwäche so offensichtlich war. Und um das noch zu unterstreichen, verschwamm das strenge Gesicht seines Vaters vor seinen Augen und ihm wurde noch schwindliger. Die Stimme Voldemorts klang nur noch wie ein Echo.

„Severus…"

Dann wurde er hochgehoben, auf etwas Weiches gelegt und schon tauchte die Welt in Dunkelheit.

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„… im Klaren darüber, dass der Junge bereit war, sein Leben zu opfern? Für euren Sohn?"

„Hätte er sich von ihm fern gehalten, wäre all das erst gar nicht passiert!"

„Ihr wusstet doch genau, mit wem sich euer Sohn abgibt!"

Stille, dann ein Knall, der Geruch von verbranntem Holz. Tom dröhnten die Ohren.

„… Legilimentik! Ihr wagt es, in meine Gedanken einzudringen und…"

So wütend hatte er seinen Vater schon lange nicht mehr gehört. Tom driftete wieder in ab in die wohlige Schwärze. Lieber das, als einen Wutanfall seines Vaters mitzuerleben. Bunte Blitze zuckten hinter seinen verschlossenen Augenlidern, dumpfe Kampfgeräusche waren zu hören, als er weiter und weiter in die Tiefen der Ohnmacht hinabtauchte.

„… denkt doch nicht wirklich, dass ihr mit eurer lächerlichen Rebellion Erfolg haben könnt!"

Er hörte den Vampirlord prusten.

„Aber euer Plan ist natürlich so viel besser! Ihr seid ja sogar noch weniger als wir!"

Voldemort knurrte.

„Ihr mögt als Anführer auf dem Feld ja ganz passabel sein, soweit ich gehört habe, aber ohne die richtige Strategie hilft euch auch die größte Armee nichts! Mit euren Ressourcen hätte ich schon lange…"

Tom zwang sich, wegzuhören. Kriegsführung war im Moment nichts für seinen erschöpften Geist. Nur am Rande wunderte er sich, dass Lord Cross sich noch so lebendig anhörte.

„… bin auch der Meinung, dass Muggelgeborene frühzeitig an die Magie herangeführt werden müssten."

„Das ist eines unserer primären Ziele. Und natürlich Gleichberechtigung zwischen schwarz und weiß und aller magischer Wesen im Allgemeinen."

„Wie es scheint, verfolgen wir ähnliche…"

Tom schüttelte mental den Kopf. Der Ton zwischen den Männern war milder geworden, aber eine Allianz zwischen diesen beiden Lords konnte er sich nun wirklich nicht vorstellen. Wieder versank er in seichte Träume und wusste nicht, wie lange er tatsächlich geschlafen hatte, als er von einem herzlichen Lachen geweckt wurde.

„Nein…"

„Doch, Nefarian, er hatte einen ganzen Nachmittag damit zugebracht, dem Jungen von Lucius mit seinem Spielzeugzauberstab auf den Kopf zu hauen und dabei ´Revelio´ zu rufen. Er war sich totsicher, das Draco in Wahrheit ein verzauberter Drache sei."

Der Vampir lachte noch immer und sein Vater fiel mit ein. Wie lange hatte er ihn nicht mehr so lachen gehört? Ewigkeiten.

„Ich kenne das, Tom. Manchmal kommen die Kinder auf die lustigsten Ideen. Akkarin hatte mal eine Phase, in der er nur noch in einem Sarg schlafen wollte – er hatte irgendwo gelesen, dass alle richtigen Vampire das so machen. Eines Nachts fiel aber der Deckel zu und ich hab ihn erst viel später gefunden. Damit hatte sich das Thema auch erledigt, der Junge war fix und fertig und bestand darauf, die nächsten Wochen bei mir zu schlafen."

Wieder lachten beide und Tom entschloss sich, dem Ganzen ein Ende zu setzen, bevor sein Vater noch peinlichere Geschichten erzählen konnte. Mit einem Ruck setzte er sich auf und öffnete die Augen - und blinzelte überrascht ob des Anblicks, der sich ihm bot.

Sein Vater saß immer noch in seinem Stuhl, die langen Beine locker übereinander geschlagen und entspannt zurückgelehnt. Sein Zauberstab war aus seiner Hand verschwunden, dafür hatte er ein Glas Feuerwhiskey in der Hand und strich sich mit der anderen durch die ungewöhnlich zerzausten Haare. Getrocknetes Blut klebte an seiner Wange, aber die dazugehörige Verletzung war schon versorgt worden. Toms Blick wanderte verwirrt zu dem anderen Mann.

Der Vampirlord saß ebenfalls in seinem Lehnstuhl und hatte die Beine, übereinander gekreuzt, auf den Schreibtisch gelegt und trank ebenfalls ein Glas Feuerwhiskey. Die zuvor sauber gekämmten, langen Haare hingen ihm nun teilweise ins Gesicht, während er den Rest notdürftig im Nacken zusammengebunden hatte. Der rechte Ärmel seiner Robe war zerfetzt und blutbefleckt, aber seinen Bewegungen nach zu schließen war auch der Arm schon lange wieder heil.

Erst jetzt fiel Tom der Zustand des Zimmers und dessen Mobiliar auf. Der Tisch, auf dem Lord Cross Füße ruhten, stand nur noch auf drei Beinen und die Holzplatte war in mehrere Teile zersprungen. Die hölzerne Vertäfelung hatte mehrere Tafeln eingebüßt und der Leuchter in der Mitte des Raumes lag nun zerschmettert am Boden. Zum Glück waren die nun im Raum verteilten Bücher mit Schutzzaubern belegt, denn die Regale wurden scheinbar pulverisiert, zusammen mit den anderen Stühlen. Die langen Vorhänge vor den hohen Fenstern hingen in Streifen und in den Fenstern selbst fehlten etliche Paneele. Der Raum und alles darin waren mit Brandflecken übersät. Alles in allem war der Raum das pure Chaos und die Verursacher saßen mittendrin, lachten und tranken Feuerwhiskey!

Lord Cross hatte ihn als Erster bemerkt und prostete ihm lächelnd zu, woraufhin sich ihm auch sein Vater zuwandte. Als er sah, dass Tom aufrecht saß und wach war, sprang er sofort auf und kam zu ihm.

„Tom! Wie geht es dir?"

Tom hatte den Anblick noch immer nicht verdaut, schüttelte desorientiert den Kopf.

„Wie spät ist es? Wie lange hab ich geschlafen?"

Sein Vater lächelte.

„Den ganzen Tag und die halbe Nacht. Wie du siehst, ist hier einiges passiert."

Er grinste entschuldigend. Tom klappte der Mund auf, sein Vater grinste nie! Was hatte dieser Vampirlord mit ihm gemacht? Ihn verhext?

„Ich hätte dich ja auf ein Zimmer bringen lassen und in ein richtiges Bett, aber du wärst sicher verwirrt gewesen, in einer fremden Umgebung allein aufzuwachen."

Tom schüttelte wieder den Kopf; als ob das hier weniger verwirrend ist. Er konnte seine Neugier nicht mehr länger in Zaum halten. Er wies mit der Hand in den Raum.

„Was ist hier passiert?

Voldemort warf einen kurzen Blick auf den Vampir, bevor er antwortete.

„Wir hatten ein… kleines… Argument, bevor wir uns einigen konnten."

Toms Gehirn verarbeitete die Information nur langsam, aber das zufriedene Blitzen in den Augen seines Vaters ließ ihn eins und eins zusammenzählen – sein Vater hatte also endlich eine Allianz mit den Vampiren geschlossen. Er bereute es jetzt, nicht dem ganzen Gespräch gelauscht zu haben. Er wollte sich schon auf die Couch zurücksinken lassen, als ihm die Geschehnisse der letzten Tage siedend heiß einfielen.

„Wie geht es Akkarin? Ist er noch am…?"

Sein Vater klopfte ihm beruhigend auf die Schulter, drückte ihn sanft auf die Couch zurück. Lord Cross beantwortete seine Frage.

„Es geht ihm gut, sonst wäre ich ja nicht hier, also beruhig dich. Es war zwar ein gewaltiges Risiko, sein eigenes Blut zu trinken und es hätte wirklich schief gehen können, aber Akkarin hatte Glück."

Er zwinkerte ihm zu. Dennoch war sich Tom sicher, dass der Mann das Ganze herunterspielte. Vorhin hatte er sich ganz anders angehört, als er dachte, er schlief tief und fest.

„Auch wenn er die Konsequenzen seines Handelns noch eine Weile spüren wird…"

Zu Toms Überraschung zeichnete sich ein feines Grinsen auf dem Gesicht des Vampirs ab, was ihm ein fast jungenhaftes Aussehen verlieh. Tom fragte sich, wie alt dieser Vampir wirklich war.

„Die Konsequenzen?"

Einen Moment lang schien es, als würde der Vampir loslachen, aber stattdessen vertiefte sich das Grinsen nur. Ein kurzer Blick auf seinen Vater verriet Tom, dass auch dieser sichtlich verwirrt war. Also hatte Lord Cross auch ihn nicht darüber aufgeklärt, was eigentlich genau mit seinem Sohn passiert war.

„Du wirst schon sehen. Akkarin sollte in den nächsten Stunden aufwachen und dann werde ich alles erklären."

Wie aufs Stichwort klopfte es an der Tür und eine junge, ansehnliche Frau kam herein. Doch es war nicht ihr Aussehen, das Toms Aufmerksamkeit auf sich zog, sondern ihre Augen; eines war rot, das andere blau, aber sie war definitiv ein Vampir - Ihre Aura war sehr seltsam. Sie überraschte sie alle noch mehr, als sie mitten in den Raum ging, den Unrat nicht eines Blickes würdigend und dort die Hände in die Hüften stemmte und Lord Cross anfunkelte; das Glas Feuerwhiskey starrte sie dabei besonders böswillig an.

„Bist du jetzt endlich fertig mit deiner…"

Sie sah sich um, rümpfte missbilligend die Nase.

„…Besprechung? Der Kleine wacht bald auf und es würde sicher nicht schaden, wenn du dich auch mal um ihn kümmerst!"

Dann drehte sie sich auf den Hacken um und marschierte wieder aus dem Raum, aber nicht ohne vorher die Finger zu schnippen, was das Glas in des Vampirs Hand zum Explodieren brachte. Die Tür schloss sich mit einem Knall und ließ einen resignierten Vampir und zwei überrumpelte Gäste zurück. Lord Cross seufzte und vergrub das Gesicht in den Händen.

„Es ist so schwer, gutes Personal zu finden…"

Voldemort nickte verständnisvoll und Tom musste sofort an seine Tante Bellatrix denken. Er musste sich ein Lächeln verkneifen, wenn er daran dachte, wie schwer sie seinem Vater das Leben manchmal machte.

Lord Cross stand auf und fegte die letzten Glassplitter von seiner Robe und sah sie beide erwartungsvoll an. Mit einem Schnippen seines Zauberstabs waren seine Robe wieder unversehrt und das Blut verschwunden. Voldemort stand auf, tat es ihm gleich und reichte dann Tom die Hand, die dieser dankbar annahm – seine Knie waren immer noch ein wenig wacklig. Tom wunderte sich kurz, wo Severus und Lucius abgeblieben waren, aber schon bald gehörte seine Aufmerksamkeit Lord Cross.

Denn während der Vampirlord sie durch die langen Gänge führte, erzählte er ihnen ein wenig über die Geschichte der Burg. Sie stand in der Walachei, also sogar in der Nähe der Akademie und wurde im fünfzehnten Jahrhundert von Alexandru Cruce erbaut, einem Urahnen der Familie, die Burg war seitdem in Familienbesitz. Er hatte sie abseits der damaligen Zivilisation gebaut, da der Cruce Clan dafür bekannt war, Drachen zu zähmen und zu halten. Andrej Cruce, der Urenkel des Erbauers, war der letzte, der hier eines dieser Wesen hielt.

Die Burg war seit diesen Tagen nicht mehr umgebaut worden und noch immer im Originalzustand; nur im Inneren wurden diverse Modernisierungen durchgeführt.

Tom war fasziniert von all den historischen Gegenständen, die die Wände zierten. Bilder, Portraits, Gegenstände, Landkarten, Waffen; alles, was man sich so vorstellen konnte. Und er bemerkte, dass es nicht nur magische Dinge waren, sondern auch nichtmagische. Tom konnte seine Neugier nicht im Zaum halten und fragte:

„Warum gibt es hier so viele Muggelartefakte?"

Es überraschte ihn, dass der Vampirlord so bereitwillig antwortete:

„Wir Vampire waren nicht immer auch magisch. Unsere Vorfahren hatten zwar eine eigene Form der Magie, aber die beschränkte sich eher auf „Jagdfähigkeiten". Vampire damals konnten keinen Zauberstab verwenden, sondern nur eine Form von natürlicher, roher Magie. Diese war aber stark begrenzt und kaum zu kontrollieren, so verließen sich die damaligen Vampire eher auf herkömmliche Gegenstände und Waffen, als auf ihre eigenen magischen Fähigkeiten. Gepaart mit ihren unmenschlichen Reflexen und Körperkraft, sowie ihrer hohen magischen Resistenz waren sie so den Menschen und vielen Zauberern überlegen.

Heute können wir zwar Magie benutzen und sie durch Zauberstäbe kanalisieren, aber dafür haben wir viele unserer natürlichen Fähigkeiten eingebüßt. Nur noch wenige von uns, die mit dem reinsten Blut, besitzen noch eine magische Resistenz und vampirische Magie. Die meisten von uns sind wie die Menschen, nur ein wenig stärker."

Er hatte „die meisten von uns" in einer Art und Weise betont, dass es keinen Zweifel gab, dass er nicht dazu gehörte. Tom hatte nichts anderes erwartet, nach dem was er bei Akkarin beobachtet hatte. Unwillkürlich musste er an ihr erstes Zusammentreffen mit dem Bastard denken und an Akkarins verbrannten Arm. Er war sich sicher, dass er keinen Arm mehr hätte, hätte er so etwas durchgezogen. Das war also magische Resistenz. Für einen Moment fragte er sich, ob Akkarin sogar den Todesfluch überleben könnte. Doch bevor er seine Gedanken weiter verfolgen konnte, hielten sie vor einer Tür in einer runden Wand an.

„Das sind Akkarins und meine Privatgemächer. Ihr habt sicherlich den Turm von außen gesehen."

Tom konnte daran erinnern; ein riesiger Turm am rechten Ende der Burg. Sie mussten sich nun etwa auf der Mitte befinden, den Treppen zu urteilen, die sie hinaufgestiegen waren. Voldemort blieb vor der Tür stehen.

„Wir wollen deine Privatsphäre nicht stören. Es sind schließlich eure Privaträume."

Tom bemerkte wieder den vertrauten Ton, den sein Vater dem Vampir gegenüber anschlug.

„Bitte tretet ein, sonst hätte ich euch nicht hierher gebracht. Überhaupt kann man es gerade nicht als Privatgemächer bezeichnen, mit all den Menschen hier."