XI. - D

Ich lande in einem kleinen Garten. Alle Pflanzen darin sind verzaubert, sodass sie ohne Pflege wachsen – ein Trick, den ich von Naree, einem unserer Hauselfen, gelernt habe. Er erzählte mir, wie die Magie wirken muss und ich musste nur die richtigen Worte herausfinden, um den Zauber wirken zu lassen.

Ich will vom Besen absteigen, doch sie hat mich noch nicht losgelassen. Ich räuspere mich und sie zieht ihre Hände mit einem Ruck zurück. Sie steigt schnell ab und entfernt sich ein paar Schritte von mir.

Als ich den Besen verstaue, höre ich sie Richtung Cottage laufen.

„Denkst du daran, den Desillusionierungszauber aufzuheben?", frage ich.

Sie erscheint und dann tippt sie mit ihrem Zauberstab auf meinen Kopf und ich kann mich selbst wieder sehen.

„Hier werden wir uns hier treffen?", fragt sie mich.

Ich laufe an ihr vorbei, öffne die Hintertür und betrete das kleine Wohnzimmer. Ich winke mit meiner Hand Richtung Kamin und orange Flammen erwachen zum Leben. Ich setze mich auf mein Sofa und warte darauf, dass sie das Haus betritt.

Das ist mein einziges, richtiges Zuhause. Es war das einzige Geschenk meines Vaters, abgesehen vom Nimbus 2001, natürlich. Er gab mir das Geld dafür, aber ich habe ihm nie erzählt, welches Haus ich zum Kauf ausgewählt habe oder wo es steht.

Das Erste, das ich lernte, war, wie man den Fidelius-Zauber ausführt, sodass ich mein Zuhause beschützen kann. Ich bin der einzige Geheimniswahrer und ich habe es niemandem erzählt. Blaise und Theo wissen von seiner Existenz, aber ich habe es nur mal nebenbei erwähnt. Sie haben gefragt, ob sie es sehen können, aber zu diesem Zeitpunkt konnte ich den Gedanken nicht ertragen, es mit jemandem zu teilen. Ich denke immer noch nicht, dass ich überhaupt jemanden hier herein lassen kann.

Aber Granger... Ich fühle irgendwie keine Notwendigkeit, es vor ihr verstecken zu müssen. Vielleicht bedeutet das, ich sollte sorgfältiger sein, mich selber vor ihr zu verstecken.

Sie kommt langsam herein und schaut sich sorgfältig um.

„Es sind keine Todesser in den Wänden versteckt", sage ich.

Sie schaut zu mir, eindeutig verärgert und wiederholt die Frage, die sie mir draußen gestellt hat. „Treffen wir uns hier, Malfoy?"

„Ja, hier werden wir uns treffen", antworte ich. „Es ist sicherer, wenn du direkt in diesen Raum apparierst."

„Wer lebt hier?", fragt sie.

Ich schüttle meinen Kopf. „Niemand."

Sie runzelt ihre Stirn und schaut sich im Raum um. „Wie hast du..."

„Du solltest gehen. Ich muss ebenfalls gehen", sage ich und stehe auf.

Sie zögert, bevor sie fragt: „Brauchst du mich, um dich irgendwohin zu bringen?"

Ich lache. „Denkst du wirklich, du bist dazu fähig, mich zu den Orten zu bringen, wo ich hin muss? Das Manor vielleicht? Geh einfach."

Sie schaut mich zornig an. „Tschüss, Malfoy."

Sie hebt ihren Zauberstab und disappariert mit einem leisen Pop. Sobald sie gegangen ist, falle ich zurück auf das Sofa und starre in die Flammen.

Plötzlich erscheint ein Gesicht in den Flammen und ich höre eine mir bekannte Stimme.

„Draco? Wie kommt es, dass ich nicht durchkomme?"

Verdammter Theo. Schreckliches Timing, wie immer.

„Ich bin bei mir."

„Kein Wunder. Ich kann nichts sehen. Du siehst aus, als ob du auf Luft sitzt."

„Was willst du", knurre ich.

„Du hast keine besonders gute Stimmung, nicht? Deine Tante Bellatrix hat nach dir gesucht. Sie war angepisst als ich ihr sagte, dass ich dich seit zwei Tagen nicht gesehen habe. Wo warst du?"

„Frag nicht."

„Aber sie will es wissen. Sie ist..."

„Beschwöre es nicht herauf, Theo. Ich werde in ein paar Minuten zu Hause sein, um mit ihr zu reden."

„Ich wollte nur wissen, wohin du verschwunden warst."

„Das muss ich dir nicht berichten."

„Ja, ich weiß. Ich dachte nur..."

Ich werfe ihm einen bösen Blick zu und er hört abrupt auf zu reden. „Ich werde morgen mit dir reden", sage ich.

„Sicher. Tschau, Draco."

Ich nicke. Sobald sein Gesicht in den Flammen verschwunden ist, kann ich mich wieder entspannen. Obwohl ich weiß, dass niemand diesen Raum betreten oder sehen kann, fühle ich mich immer unwohl, wenn ein Gesicht im Feuer erscheint.

Ich hole ein kleines Becken aus dem Badezimmer und platziere es auf dem Kaffeetisch vor mir. Ich schließe meine Augen und konzentriere mich stark.

„Aguamenti."

Das Becken füllt sich mit Wasser und ich öffne meine Augen wieder. Zauberstablose Magie wird immer einfacher für mich. Ich berühre das Wasser mit der Spitze meines Zeigefingers.

Ihr Bild erscheint auf der Wasseroberfläche, als die Wellen verschwinden. Sie spricht mit Weasley und Potter. Sie sagen etwas, das sie besorgt aussehen lässt und sie eilt zum Treppenhaus des Hauptquartiers des Ordens. Ich sehe, wie die beiden Jungs hinter ihr die Treppen hochspurten. Sie betreten einen Raum im zweiten Stock und ich sehe Blaise auf einem Bett liegen, bewusstlos.

Besorgt lehne ich mich näher zum Wasser. Was ist los mit ihm? Anscheinend ist Granger ebenfalls besorgt. Ich wünschte, ich könnte mit diesem Zauber auch den Ton einfangen, aber ich habe nicht gelernt, wie das geht.

Seufzend lasse ich das Wasser mit einem Wink meiner Hand verschwinden und ich lehne mich zurück in die Couch. Ich sollte wirklich zurück zum Manor gehen. Wenn Tante Bella zu Theo gegangen ist, muss sie wirklich krampfhaft versucht haben, mich zu finden.

Ich erinnere mich daran, dass ich meine Maske und meinen neuen Umhang im Haus meines Patenonkels vergessen habe. Ich seufze schwer. Es wird einiges an Aufwand kosten, sie zurückzuholen und dann zum Manor zurückzukehren.

-x-x-x-x-

Ich setze mich erschöpft auf mein Bett in meinem Zimmer im Manor. Mein Kopf pocht immer noch.

Meine Tante war wütend darüber, dass sie mich diese Nacht nicht finden konnte. Anscheinend wollte der Dunkle Lord mich sehen und als sie mich nicht kontaktieren konnte, hat er sie bestraft. Als sie mich dann sah, fragte sie nicht einmal, wo ich war, sondern drang direkt in meinen Geist ein. Ich musste ihr mehrere unbedeutende Erinnerungen in den Weg schieben um sie abzulenken und gleichzeitig schnellstens meine Schutzwände absichern.

In der Vergangenheit musste ich nicht viel vor Tante Bella verstecken – mein einziges richtiges Geheimnis waren meine Gedanken über Granger. Seit der Nacht, in der ich sie gerettet habe, hat Granger meine Gedanken mehr und mehr eingenommen und ich musste immer mehr von ihnen verstecken. Niemand darf wissen, was ich über sie denke. Ich finde mich selbst kaum damit ab, was ich für sie fühle. Niemand anderes wäre fähig, das auch nur ansatzweise zu verstehen.

Dieses Mal musste ich eine relativ große Menge an Informationen verstecken – Blaise' unerwartetes Auftauchen in Godric's Hollow, mein Treffen mit Potter und Weasley in Spinner's End, die Unterhaltungen, die heute Nacht im Hauptquartier des Ordens stattfanden. Das ist mehr, als ich jemals vor Tante Bella zurückhalten musste und sie gab mir keine Zeit dazu, mich darauf vorzubereiten. Ich bin immer noch fassungslos darüber, dass ich dazu fähig war, all dies zu verbergen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass sie mich in Ruhe gelassen hat.

Als sie nichts Außergewöhnliches entdeckte, verlor sie ihre Geduld und attackierte meinen Geist. Ich dachte, mein Schädel würde sich in zwei Hälften teilen. Das war kein Versuch, um hinter meine aufgezogenen Wände zu kommen – in diesem Punkt habe ich gelernt, die Wände vor ihr zu verbergen. Nein, sie hat stattdessen nur versucht mich zu verletzen. Mich zu bestrafen sah sie – nehme ich an – als geeignet an, da sie von Voldemort bestraft wurde, weil sie unfähig war mich zu finden.

Ich kann mich nicht an das letzte Mal erinnern, als sie mich absichtlich verletzt hat. Voldemort muss sehr wütend auf sie gewesen sein.

Ich nehme meinen Zauberstab vom Nachttisch und zeige auf die Tür, verschließe sie. Obwohl ich zauberstablose Magie ausführen kann, ist es ermüdend und ich bin von dieser Nacht bereits genug erschöpft. Ich reibe müde meine Stirn und gähne. Die Sonne geht bereits auf und ich will ein Nickerchen machen.

Ich ziehe den Schlangenanhänger unter meinem Hemd hervor und sehe ihn an.

Hoffentlich ist mit Blaise alles in Ordnung. Granger sah wirklich sehr besorgt um ihn aus.

Erneut regt sich Eifersucht in meiner Brust, doch ich unterdrücke sie schnell. Gefühle wie diese können nicht an die Oberfläche gelangen. Ich muss so viel Kontrolle wie möglich über mich behalten.

Ich schließe meine Hand zu einer Faust um den Anhänger herum und schließe meine Augen.


...


Ihr Lieben,

hier gibt es endlich ein neues Kapitel :D leider wieder ein kurzes, aber dafür erfahren wir noch ein bisschen mehr aus Dracos Gedanken.

Er hat Hermine als Erste und Einzige zu diesem Haus geführt... und er kann sie durch Wasser beobachten. Was haltet ihr davon? Und was wird er ihr über den Anhänger mitteilen?

Und was ist mit Blaise?! – Woah... Fragen über Fragen :) ich bin auf eure Spekulationen gespannt ;)

Hups, jetzt hätte ich fast den Hinweis für das nächste Kapitel, das auch wieder sehr viel länger wird, vergessen ^^ hier ist er: Verunreinigtes Blut, das den Körper verrotten lässt.

Habt eine schöne Woche,

Eure Ivy