Nick stand in der Küche und wartete darauf, daß der Kaffee genug gezogen hatte, um endlich eine Tasse genießen zu können. Dabei hielt er wieder das kleine Büchlein in der Hand, das Monroe ihm gegeben hatte letzte Nacht.
Wenn er ehrlich zu sich selbst war wußte er nicht, was er davon halten sollte. Bisher war er davon ausgegangen, daß Monroes Eltern tot waren. Der Blutbad sprach nie von ihnen, und wenn doch, dann in der Vergangenheitsform, die man verwendete, wenn der- oder diejenige schlicht und einfach nicht mehr Teil des Lebens war, also, in den meisten Fällen, wenn der- oder diejenige tot war.
Nick glaubte, jetzt etwas zu wissen. Monroes Wortwahl seinem Vater gegenüber hatte sich nicht geändert, also war dieser vermutlich wirklich tot. Aber wenn es um seine Mutter ging, da hatte Monroes Anrede sich ziemlich verändert.
Der junge Grimm starrte auf den Eintrag hinunter.
Die Vorwahl von Montana. Was zum Kuckuck machte eine Blutbad mitten im Nirgendwo?
Nick erinnerte sich noch zu gut an die Zeit, als er als Tante Maries Mündel auf dem Rücksitz ihres Wagens geendet war. Alle Naselang waren sie weitergezogen, dabei hatte er sich nie vorstellen können warum. Tante Marie war Bibliothekarin gewesen, also kein besonders aufregender Beruf, es sei denn man zählte das Auffinden einer alten Schrift als solche. Auf jeden Fall war die Gefahr durch alte Bücher wesentlich geringer als die meisten vermutlich annahmen.
Nick hatte irgendwann genug von der Umherzieherei. Bei der ersten sich bietenden Gelegenheit, eben nach seinem Highschool-Abschluß, hatte er sich am nächsten College geworben und war ausgezogen vom Rücksitz und hineingezogen in eine kleine Studentenwohnung nahe am Campus.
Wie gesagt, er hätte sich nie träumen lassen, daß er sich irgendwann zurücksehnen würde nach seinen Zeiten auf dem Rücksitz.
Was machte Monroes Mutter in Montana?
Nick drückte den eingebauten Kaffeefilter herunter, bis sich hoffentlich auch die letzten feinen Partikel sich setzten. Dann kramte er aus dem Schrank hinter sich eine Tasse heraus, ging zum Kühlschrank, um die Milch zu holen und goß sich seine erste Tasse des Tages ein.
Um Monroe mußte er sich wohl weniger Sorgen machen. Der große, gar nicht so böse Wolf war eingeschlafen und Nick bezweifelte, daß er noch innerhalb der nächsten Stunde wieder aufwachen würde.
Was aber jetzt?
Ihm ging auf, daß Rosalee sich noch nicht gemeldet hatte. Ein Blick auf seine Uhr sagte ihm, daß die Fuchsbau tatsächlich etwas zu spät dran war.
Hatte sie sich am Ende angesteckt? War das möglich?
Aber Rosalee hatte ihm gegenüber gesagt, daß Hundeschnupfen zwar auch in ihrer Rasse vorkam, aber nicht unbedingt von Rasse zu Rasse übertragen werden konnte.
Wo aber blieb Rosalee?
Nick nahm einen Schluck Kaffee und lehnte sich gegen den Küchenschrank. Nachdenklich glitt sein Blick wieder zu dem Adreßbüchlein hinunter.
Warum er sich an seine Zeit mit Tante Marie erinnerte? Weil einer der längeren Aufenthalte eben in Montana stattgefunden hatte. Heute war Nick sich ziemlich sicher, daß es dabei nicht um ein seltenes Expemplar einer veröffentlichten Abhandlung über die Ausgrabung von Fossilien gehandelt hatte, hinter der seine Tante damals her gewesen war. Damals war einer der seltenen Fälle gewesen, an die er sich erinnerte, in dem eine „Monstersichtung" ihn fasziniert hatte. Wenn er darüber nachdachte … tatsächlich waren des öfteren Monster gesichtet worden an mehreren Orten, an denen er mit Marie gewesen war. Heute ergab das einen Sinn, damals … wars eben faszinierend für einen Teenager gewesen, sich zwischendurch mal zu verdrücken und selbst auf Bigfoots Spuren zu hoffen – oder was auch immer das gewesen war, hinter dem Marie hergewesen war in Montana.
Blutbaden?
Nick nahm noch einen Schluck.
Möglich. Allerdings war ihm an Monroe noch nie auch nur der Hauch eines Akzents aufgefallen – oder besser kein Akzent, wie er ihn mit Montana verband.
Nick stellte die Tasse neben sich auf die Arbeitsfläche und kramte sein Handy hervor. Er öffnete das Adreßbuch, aktivierte das iPhone und begann, die Nummer einzugeben. Dabei hoffte irgendetwas tief in ihm drin, daß er unterbrochen werden würde.
Er wollte sich nicht in Monroes Familienleben, oder besser dessen Fehlen, einmischen. Er wollte seinem Freund helfen, das ja. Aber …
„Ja?" meldete sich eine dunkle Frauenstimme am anderen Ende der Leitung.
Nick erstarrte für eine Sekunde, hatte er doch immer noch keine Ahnung, was er eigentlich sagen wollte. Dann aber … kehrte er den Cop heraus.
„Hallo?" fragte die Stimme nochmal.
„Hallo", meldete er sich endlich, so geschäftsmäßig wie möglich, den Kopf gesenkt haltend und den Fußboden in Monroes Küche fixierend. „Spreche ich mit Mam J?"
Schweigen am anderen Ende, dann: „Ähm, so hat mich schon lange niemand mehr genannt."
Nick befeuchtete seine Lippen mit der Zungenspitze. „Haben Sie einen Sohn namens Monroe?"
„Edwin? Ja. Ja, habe ich", kam die Antwort.
Nick atmete tief ein.
„Ist etwas passiert?" fragte die Stimme.
Er konzentrierte sich. „Ich bin Detective Nick Burkhardt vom Portland PD", stellte er sich vor. „Und ich bin ein Freund von Monroe."
„Oh mein Gott! Ist ihm was zugestoßen?" kam die keuchende Frage.
Nick spannte die Kiefer an. „Nein, Mam, es ist ihm nichts zugestoßen. Zumindest kein Verbrechen oder Unfall", antwortete er. „Allerdings bedaure ich Ihnen mitteilen zu müssen, daß Monroe krank ist und wir ihm nicht helfen können."
Schweigen, nur unterbrochen durch einige Atemzüge.
„Ich fürchte, er leidet an Hundeschnupfen", schloß Nick dann seine Ansprache.
„Ist es schon weit fortgeschritten?" fragte die Stimme.
„Ich muß zugeben, ich habe keine Ahnung. Ich kenne mich mit Blutbad-Krankheiten nicht aus", gestand Nick, während er innerlich beschloß, genau das zu ändern. Keiner seiner Ahnen hatte sich je um Wesen-Krankheiten gekümmert, dabei konnte es lebensrettend sein, genau das zu tun. Also würde er ein neues Journal beginnen. Eines, in dem er Krankheiten und, nach Möglichkeit, deren Medizin und Kuren zusammentrug.
„War er bewußtlos?" fragte die Stimme.
„Kurzfristig, vor zwei Tagen", antwortete Nick bereitwillig.
„Hat er typische Erkältungssymptome?"
„Ja, allerdings schlimmer als eine übliche Erkältung."
„Gut", die Stimme seufzte. „Ich muß einen Flug organisieren. Wo ist Edwin? Portland?"
„Ja, Portland, Oregon", stimmte Nick zu. „Geben Sie mir am besten Bescheid, wenn Sie alles gebucht haben. Ich werde sehen, daß ich Sie vom Flughafen abholen kann."
„Ist das Ihre Nummer, Detective Burkhardt, die ich auf der Anzeige gesehen habe?"
„Das ist meine Handynummer", bestätigte Nick. „Ansonsten kann ich Ihnen noch die Nummer meines Büroanschlußes geben, sollte Ihnen das Handy nicht zusagen."
„Das wird's tun", entgegnete die Stimme. „Ich melde mich bei Ihnen, sobald ich näheres weiß. Humphrey? Hol mir die Wolfswurtz!"
Nick mußte schmunzeln beim letzten Satz.
„Eine Zutat allerdings könnte schwierig zu beschaffen sein", erklärte die Stimme plötzlich.
Nicks Herz setzte einen Schlag aus. „Welche?"
„Das muß ich mir noch genauer ansehen. Ich melde mich", antwortete die Stimme, zögerte dann hörbar, ehe sie hinzufügte: „Danke, daß Sie mich verständigt haben, Detective Burkhardt."
„Nick reicht", sagte der Grimm lächelnd.
Eigentlich, so ging es ihm durch den Kopf, war Monroes Mutter gar nicht so übel. Hätte er früher gewußt, daß sie so ruhig und gelassen war, hätte er sich vermutlich schon eher an sie gewandt.
Andererseits … war Monroe nicht genauso? Vielleicht hatte er ja seine Offenbarung von seiner Mutter?
„Nick. Sobald ich in Portland bin, melde ich mich", wiederholte sie.
„Alles klar. Dann weiß ich Bescheid. Vielen Dank." Damit beendete Nick das Gespräch, griff die Tasse und trank einen großen Schluck.
Ehrlich gesagt hatte er sich wesentlich schlimmeres vorgestellt als dieses Telefongespräch. Monroes Mutter hatte wirklich geerdet auf ihn gewirkt, ruhig und gelassen.
Nick konnte nur hoffen, daß sie wirklich blieb was sie versprach. Wobei sich ihm wieder die Frage aufdrängte, warum Monroe seine Famlie verleugnete, wenn die doch recht freundlich zu sein schienen.
Der Grimm blickte zu der großen emaillierten Wanduhr hinüber.
Rosalee war definititv viel zu spät!
Schweren Herzens verließ Nick schließlich das Haus, nachdem Hank ihn angerufen hatte betreffs eines Notrufes, der zum Grundstück Munters führte. Hank holte ihn ab, da Nick nicht wieder mit Monroes Käfer von dannen fahren wollte. Nicht daß er dem VW nicht traute, aber für den Fall, daß es Monroe schlechter ging, brauchte der einen fahrbaren Untersatz.
Da Rosalee noch immer nicht aufgetaucht war fiel es Nick wirklich schwer, seinen Blutbad-Freund allein zu Hause zu lassen. Nur allein die Tatsache, daß Monroe noch immer den Schlaf der Gerechten schlief und es ihm, zumindest im Schlaf, besser zu gehen schien, hatte schließlich die Pflicht siegen lassen vor der Sorge.
Hank begrüßte ihn mit einem Nicken und einem forschenden Blick. Nick tat, als würde er letzteres nicht bemerken, schnallte sich statt dessen an, wobei es ihm gelang, einen Blick zum Van hinüber zu werfen.
Gut, der schwarze Wagen folgte ihnen, was bedeutete, die Innere würde Monroe nicht belästigen. Nick mußte gestehen, daß ihm diese Aussicht einige Magenschmerzen bereitet hatte.
„Alles in Ordnung zu Hause?" erkundigte Hank sich.
Nick lehnte sich zurück und legte den Hinterkopf auf die Nackenstütze. „Alles bestens. Warum fragst du?"
„Weil ich dich beispielsweise nicht von Zuhause abhole", antwortete Hank.
„Monroe ist krank." Nick zuckte mit den Schultern. „Ich kümmere mich um ihn, weil er mich als … rechtliche Person eingetragen hat."
„Keinen Streit mit Juliette?" harkte Hank nochmal nach. „Und auch keine Ausflüchte?" Er warf einen Blick auf Nick.
Der schluckte hart.
„Es geht mich nichts an, was ihr zwei so treibt", fuhr Hank schließlich fort. „Aber ich lasse mich nicht gern vor zwei Wagen spannen. Was ist jetzt also die unverrückbare
Wahrheit?"
Nick atmete tief ein. „Du hast mit Juliette gesprochen", sagte er schließlich.
„Merkt man das so deutlich?" Hank warf ihm einen scharfen Blick zu.
Nick wollte am liebsten im Boden versinken.
Es war so unglaublich leicht zu lügen, statt einmal die Wahrheit zu sagen! Aber wie hätte er Juliette gegenüber auch erklären sollen, daß er kurzfristig auszog, um auf Monroe aufzupassen? Nicht ohne daß es noch mehr unangenehme Fragen nach sich gezogen hätte. Also hatte er eben diese Lüge erzählt. Wie hätte er denn auch auch wissen sollen, daß Hank bei Juliette anrufen würde? Üblicherweise meldete sein Partner sich via Handy bei ihm, nicht vom Festnetz aus.
„Das ganze ist nicht, was du jetzt denkst", versuchte Nick zu erklären.
„Ach, und wie ist es dann?"
Nick schob sich ungemütlich auf dem Beifahrersitz herum. Hank fuhr schnell, schneller als er sollte eingedenk der Zeit und der Tatsache, daß sie noch immer im Stadtgebiet Portlands unterwegs waren.
„Ich weiß, wie das aussieht", begann er, selbst nicht wissend, wohin er eigentlich mit seiner Erklärung wollte. „Aber es ist anders."
„Dann erklär es mir doch endlich, verdammt!" Hank gab mehr Gas. „Ich habe dir gestern erst gesagt, daß du mir verdammt noch mal vertrauen kannst. Warum also tust du es nicht? Warum läßt du mich wieder außen vor. Weißt du, wie ich mich gefühlt habe, als Juliette mir was von einer verdeckten Ermittlungs für das Drogendezernat erzählte, während ich wußte, daß du dich bei deinem neuen Lover herumtreibst?"
Nick riß die Augen auf. „WAS?" entfuhr es ihm. Er fühlte, wie ihm das Blut aus dem Gesicht wich. „Hank!"
Die Hände seines Partners krampften sich um das Lenkrad.
Nick atmete wieder hörbar ein. „Egal was du jetzt denkst, es ist nicht so!" entgegnete er. „Entgegen der offensichtlichen Annahme ist nicht jeder zweite Mann in Portland homosexuell!"
„Dann eben bi, mir egal", schnaubte Hank. „Es ist nicht das erste Mal, daß ich das mitansehe. Aber, und das gebe ich dir schriftlich, es ist garantiert das letzte Mal, daß ich für dich lüge!"
„Ich bin nicht bi, okay? Und Monroe auch nicht. Um ehrlich zu sein, er hat eine Freundin, ebenso wie ich", entgegnete Nick.
Allmählich ging ihm auf, warum er ein solches Geheimnis um seine Freunschaft mit dem Blutbad machte. Er wußte, daß andere nur zu leicht dazu neigten, etwas zu interpretieren, was schlicht nicht da war. Gleichgültig wie die Veranlagung der Beteiligten wirklich waren.
Himmel, er hatte kein Problem mit gleichgeschlechtlichen Paaren, aber es war schlicht nicht seine Welt. Er liebte Juliette und er konnte sich nicht mehr vorstellen, jemals ohne sie zu sein, gleichgültig ob sie nun seinen Antrag abgelehnt hatte oder nicht. Er wollte mit ihr zusammen sein, Punkt, aus, Ende!
„Warum machst du dann ein solches Geheimnis daraus?" Hanks Stimme klang kalt. Es war ihm deutlich anzumerken, daß er seinem Partner nicht ein Wort glaubte.
Nick seufzte. „Genau wegen dieser Reaktion", antwortete er schließlich. „Wegen der Kommentare und Vermutungen. Ja, ich bin mit Monroe befreundet und ja, ich weiß, daß wir absolut Null gemeinsam haben. Trotzdem hänge ich gern mit ihm zusammen, ich kanns ja selbst nicht erklären. Aber da ist sonst nichts!"
„Und warum mußt du dann ausgerechnet Juliette anlügen?" bohrte Hank weiter.
Das würde jetzt schwer werden …
„Weil … weil Monroe ihr das Leben gerettet hat." Nick spannte die Kiefer an. Im nächsten Moment machte der Wagen einen Sprung nach vorn, als Hank das Gaspedal tiefer durchtrat.
„Hank!"
„Spielst du auf die Sache mit dieser durchgeknallten Eberhardt an?" Das Profil seines Partners wirkte verkniffen.
„Hank!"
„Du weißt, ich wäre da gewesen", fuhr der Afroamerikaner fort.
„HANK!"
Nick, der sich bis jetzt mit beiden Händen an die Abdeckung des Airbags festgekrallt hatte, sah keine andere Chance, scherrte doch direkt vor ihnen ein anderer Wagen in die sich viel zu schnell schließende Lücke. Er griff Hank ins Lenkrad und riß den Wagen zur Seite, daß die Fahrerseite gegen die Leitplanke schrammte.
„Willst du uns beide umbringen?" entfuhr es dem Grimm. Mühsam schluckte er.
Hank schien endlich wieder zur Besinnung zu kommen und stoppte den Wagen. Seine Augen waren vor Entsetzen geweitet.
„Es ist mir peinlich, Monroe gegenüber Juliette zu erwähnen, ja", kehrte Nick zum eigentlichen Thema zurück, löste den Sicherheitsgurt und setzte sich seinem Partner gegenüber hin. „Und ich weiß, daß du mir ebenso gut geholfen hättest. Aber Arial war klar mit ihrer Forderung: keine anderen Polizisten. Monroe ist gut, wenns um Rumschleichen geht, darum habe ich ihn mitgenommen. Und er hat Juliette aus dem Tunnel geholt, während ich mich um Arials Vater und dann um sie gekümmert habe. Was hätte ich denn anders machen sollen mit Juliettes Leben auf dem Spiel?" Er kniff kurz die Lippen aufeinander und schüttelte den Kopf. „Glaubs mir, sei froh, daß du nicht mit im Tunnel warst, Mann. Diese ganze Familie war ..." Er fand keine Worte dafür, was er eigentlich ausdrücken wollte, schüttelte statt dessen wieder den Kopf.
Hanks Kiefermuskeln spielten. „Warum kannst du Juliette dann nicht die Wahrheit sagen?" wiederholte er. „Wenn sie Monroe kennt wird sie doch vermutlich wissen, was es mit ihm auf sich hat, oder?"
Gute Frage, und Nick hatte einfach keine einfache Antwort parat.
„Monroe möchte es selbst nicht", log er schließlich, einmal mehr, wie so oft. Es war so einfach, eine Lüge auszusprechen, viel einfacher als die Wahrheit zu sagen …
„Monroe rettet Juliette das Leben und will dann nichts mehr mit ihr zu tun haben?" Hank hob die Brauen.
„Du kennst ihn doch auch. Es ist ihm unangenehm, daß jemand bei ihm in der Schuld steht", antwortete Nick schulterzuckend.
Hank musterte ihn aufmerksam und Nick war darauf bedacht, daß er wirklich nichts von den Lügen preisgab, die er gerade ausgesprochen hatte.
„Können wir jetzt weiterfahren?" fragte er schließlich, nachdem das Schweigen zwischen ihnen zu lange und schwer auf ihm lastete.
Hank musterte ihn immer noch aufmerksam. „Keine Affäre?" fragte er schließlich.
„Ganz sicher nicht", antwortete Nick sofort und ohne zu zögern. „Und jetzt … laß mich ans Steuer."
Er warf einen Blick über die Schulter auf den ankommenden Verkehr und wartete, bis eine Lücke entstand, ehe er schnell aus dem Wagen schlüpfte und zur Fahrerseite ging.
Der Lack sah übel aus, mußte er zugeben, als er sich den Schaden besah. Unwillkürlich verzog er das Gesicht, seufzte dann aber.
Es war ihm nichts anderes übrig geblieben. Er hatte eingreifen müssen, ehe sie noch in einen echten Unfall verwickelt werden konnten.
Hank kletterte irgendwie über die Mittelleiste auf den Beifahrersitz, so daß Nick sich schließlich, wenn auch sehr schlank machend, auf den Fahrersitz schlängeln konnte. Er stellte Sitz und Spiegel ein, warf seinem Partner einen Blick zu und startete den Motor. Dann fädelte er sich in den Verkehr ein und seufzte.
Gott sei Dank waren sie nur am Ende der Rushhour und nicht mitten drin. Nick bezweifelte, daß das ganze so glimpflich abgelaufen wäre, hätte er nicht so lange gezögert, bis er seinen Partner anrief, um ihn abzuholen.
„Alles klar zwischen uns?" fragte er nach einer Weile, während er den Wagen in die nächste Abfahrt Portland-Auswärts steuerte.
Hank nickte nur stumm. Offensichtlich war er immer noch geschockt darüber, was er beinahe angerichtet hätte.
Nick war das Schweigen ganz recht, konnte er sich doch endlich ein wenig erholen.
