Kapitel 11: Ich vermisste sie...

Bella/Marie:

Alice und Edward waren schon ein paar Wochen weg. Sie fehlten mir. Ich hatte zwar Emmet, der mittlerweile zu meinem besten Freund geworden war, aber so ganz konnte er die Lücken nicht füllen, die die zwei hinterlassen hatten. Ich kannte sie nicht wirklich lange....aber sie traten in mein Leben und eroberten mein Herz im Sturm.

Mit Tanya hatte ich nicht sehr viel Kontakt. Ich mochte sie, aber ich konnte zu ihr kein Vertrauen aufbauen. Sie war einfach anders als die anderen zwei. Wir waren ein oder zwei Mal shoppen, damit mir zu Hause nicht die Decke auf den Kopf flog. Aber ansonsten sah ich sie nur, wenn ich Emmet abholte, was eigentlich täglich war.

Anfangs hatte ich Angst, dass er mich mehr als nur mögen könnte. Ich kannte das nicht, dass jemand so aufmerksam und liebevoll zu mir war, also beschloss ich, ihn darauf anzusprechen. Er sollte sich keine falschen Hoffnungen machen. Diese Freundschaft sollte nicht an Gefühlen kaputt gehen, dafür war mir Emmet viel zu wichtig geworden.

Mein Herz schlug zwar für jemanden, aber leider nicht für ihn.

An diesem Abend saßen wir vor meinem Haus und unterhielten uns mal wieder über alles mögliche, auch über den bevorstehenden Umzug seiner Familie hierher. Emmet freute sich sehr, dass sie ihm hierher folgten. Ich hatte mir lange überlegt, wie ich am besten fragen sollte, und dann schoss es aus mir raus: „Emmet, sag mal, wir sind doch nur super Freunde, oder?" Ich musste ihn dermaßen komisch angeschaut haben, dass er vor lauter Lachen vom Stuhl gefallen war. Ich lief feuerrot an und wäre am liebsten im Boden versunken. „Kleine", sagte er dann zu mir, „ich liebe dich. Aber nur als beste Freundin, keine Sorge. Ich habe mein Herz bereits verschenkt....und zurück haben will ich es nicht mehr. Es gehört einer Person, die eine ganz besondere Position in meinem Leben hat. Vielleicht kommt sie auch irgendwann zurück, das weiß ich nicht. Aber ich liebe sie...mehr als alles andere." Es war das erste Mal, dass mir gegenüber seine Gefühle offenbarte. Es machte mich stolz. Ich glaubte nicht, dass irgendeiner seiner Freunde darüber Bescheid wusste. Und dann grinste er mich frech an und meinte: „Dafür weiß ich jemanden, der in dich verliebt ist!" Mit großen Augen schaute ich ihn an. Ich hatte mich ja jetzt wohl grad verhört. Ich entschied mich, das für einen Witz halten und zeigte ihm nen Vogel.„Bitte, was hast du grad gesagt?" presste ich zwischen den Zähnen hervor. Über so was machte man doch keine Witze.

Er lachte mich einfach nur an und meinte: „Du hast schon richtig gehört....jemand, der verliebt in dich ist!"

Ungläubig zog ich eine Augsbraue hoch: „Und wer?"

Er streckte mir die Zunge raus und rief im davonlaufen: „Das verrat ich dir nicht!"

Angst hatte der Große ja keine, aber laufen konnte er. Ein Lächeln schlich sich auf meine Lippen na, warte Emmet, dich krieg ich dachte ich mir und rannte hinterher.

Ich jagte ihn durch den kompletten Garten, stellte ihm das Bein und zwang ihn damit zu Boden. Ich hatte ihn durch gekitzelt, ihn mit Nichtbeachtung gestraft, ihm gedroht, nie wieder mit ihm Fußball zu spielen, worauf er mich mit so einem treudoofen Blick angebettelt hatte, dass ich das nicht machen könne, dass ich selbst vor Lachen umgefallen war ....aber alles hatte ihn nicht dazu bewegen können, es mir zu verraten. Beleidigt hatte ich ihn dann im Garten sitzen gelassen...

Seither war auf jeden Fall zwischen uns alles geklärt, und ich mehr als erleichtert. Aber vergessen hatte ich nicht, was er gesagt hatte. Ich würde schon noch rauskriegen, wenn er gemeint hatte.

Ich telefonierte bald täglich mit Alice. Sie erzählte mir von ihren neusten Klamotten, und wie sie sich freute, mit mir shoppen zu gehen. Mir war ja schon ein wenig bange dabei, denn alle hatten mich vor ihrem Kaufwahn gewarnt. Aber ich würde mich selbst davon überzeugen. So schlimm konnte es nicht werden.

Sie hatte mir erzählt, dass sie einen Freund hat. Er zog anscheinend mit ihnen hierher. Als ich ihr dann sagte, dass ich mich darauf freute, ihn kennen zu lernen, da er ja nur ein Netter sein konnte, wenn er mit ihr zusammen war, hatte sie vor lauter Freude, so in den Hörer gekreischt, dass ich zwei Tage lang noch ein Piepsen im Ohr hatte.

Sie hatte sich dann auch gleich hundert Mal entschuldigt, aber ich konnte ihr ja eh nicht böse sein.

Und so gut wie bei jedem Telefonat drängte sie mich zum Friseur. Sie wollte unbedingt, dass ich mir die Haare braun tönte. Sie war der Meinung, das würde mich besser stehen. Ich dachte mir immer nur, wenn sie wüsste, was meine eigentliche Haarfarbe war, würde sie wieder flippen. Ich konnte mir das Schmunzeln nicht verkneifen, aber sie sah es ja Gott sei Dank durch das Telefon nicht. Eines Abends sprach sie dann von einer Haarverlängerung, und mir rutschte das Herz in die Hose. Sich gegen Alice zur Wehr zu setzen, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, war echt schwer. Wenn sie mich mit braunen langen Haaren sehen wollen würde, hätte ich viel zu tun, um das zu verhindern.

Und das durfte auf keinen Fall passieren...sonst könnte ich mein neues Leben gleich wieder aufgeben.

Und dann war da noch Edward. Er hatte mich nicht ein einziges Mal angerufen in den letzten Wochen. Auch hatte er Alice nie gefragt, ob er mal mit mir sprechen dürfte. Das hatte meinem Herz einen leichten Stich versetzt. Ich hatte die Hoffnung gehabt, er hätte auch gespürt, dass irgendwas zwischen uns war. Nun ja, bald wäre er wieder hier. Vielleicht könnte ich ja dann heraus finden, ob er mich auch mochte. Er war ein gut aussehender junger Mann. Ihm würden die Mädchen der Schule hier zu Füßen liegen. Ob er sich dann noch für so jemanden wie mich interessieren würde, wusste ich nicht. Ich hatte einfach Angst. Endlich hatte ich Gefühle in mein Herz gelassen, und diese waren vielleicht aussichtslos. Der Gedanke daran umschloss mein Herz mit einem eisernen Griff. Ich hatte es verdient, glücklich zu werden....dachte ich trotzig. Ich würde kämpfen.

In einer Woche würden sie hierher ziehen. Alice hatte mir schon erzählt, dass ihre Eltern mich unbedingt kennen lernen wollten. Ich freute mich schon darauf, ich wusste ja gar nichts über sie. Ich beneidete meine Freunde nur darum, dass sie noch eine Familie hatten.

Wehmütig dachte ich wieder an meine Eltern. Sie hätten Alice, Edward und Emmet gemocht. Ehrliche und offenherzige Menschen fanden immer sofort den Weg in ihr Herz. Denn die drei waren richtige Freunde und keine Scheinfreunde, die es nur auf unser Geld abgesehen hatten. Wie auch, sie wussten ja nicht, dass ich vermögend war.

Ab und zu kam auch mal das Gespräch auf meine Eltern, aber ich konnte bisher immer geschickt ausweichen. Ich lenkte das Thema dann geschickt in andere Bahnen. Doch irgendwann würden sie sich nicht mehr ablenken lassen. Ob es ihnen bewusst war, dass ich das Thema wechselte, wusste ich nicht. Sie ließen sich zumindest nichts anmerken.

Ob ich schon bereit war, ihnen die Wahrheit zu sagen, wenn sie mich direkt fragen würden, konnte ich jetzt noch nicht sagen. Ich vertraute ihnen. Aber die Angst, dass sie sich von mir abwenden würden, war doch da. Und ich wollte sie nicht verlieren.

Ich kuschelte mich auf der Couch in meine Decke und liess meine Gedanken schweifen...