Harry Potter und die Fünfte Seele
Um zu beweisen, dass es mir ernst ist damit, wieder regelmäßiger Updates online zu stellen, ist hier auch schon das nächste Kapitel (war ja ein gemeiner Cliffy selbstaufdieSchulterklopf), das ich Hermine Potter und Arthus widme, die (wie immer) gleich ein Review hinterlassen haben. Schön, dass es Euch gefallen hat.
Erklärung:
Das hier ist nur ein verzeifelter Versuch eines Potterverrückten, die Zeit bis zum Erscheinen des siebten Bandes zu überbrücken. Es wird nicht versucht, damit Gewinn zu machen. Alle Figuren und Orte sind geistiges Eigentum von Joanne K. Rowling und der Verlage, die ihre Bücher verbreiten.
Kapitel 11 – Das weitere Vorgehen
Im Witzladen der Zwillinge angekommen, Ginny noch bewegungslos in seinen Armen, fühlte sich Harry als wäre er in einem Film und jemand hätte die Wiederholen-Taste gedrückt. Beim letzten Mal war es Dumbledore gewesen, der in seinen Armen gelegen hatte, an der Schwelle zum Tod. Es durfte nicht sein...
Er schüttelte den Schwindel ab, der ihn gepackt hatte, und trug Ginny zu einem Sessel, wo er sie vorsichtig hineinlegte, ohne die Fragen von Ron und Hermine zu hören. George und Fred kamen aus dem Verkaufsraum, aufgescheucht vom plötzlichen Lärm. Alle riefen Harry irgendetwas zu, der neben Ginny kniete, ihre Hand in der seinen hielt und sie mit Tränen auf den Wangen bat, bei ihm zu bleiben. Seine Freundin lag nur bewegungslos und ohne zu atmen auf dem Stuhl, und verzweifelt nach etwas suchend, was er tun konnte, zog Harry seinen Zauberstab hervor und versuchte sie mit einem Enervate aufzuwecken. Ohne Erfolg.
Hermine war es schließlich, die ihre sieben Sinne wieder in den Griff bekam und eine Hand voll Flohpulver in den offenen Kamin warf. "Hogwarts, Büro der Direktorin!" Und als die Flammen grün loderten, fügte sie hinzu, "Professor McGonagall, sind sie da?"
Sofort tauchte der Kopf der Direktorin in der Feuerstelle auf. "Was gibt es, Mrs. Granger?"
"Wir sind von Todessern angegriffen worden, und Ginny wurde von einem Fluch getroffen. Sie atmet nicht! Bitte, können Sie Madam Pomfrey in den Laden der Weasleys bringen?"
"Wir sind sofort da."
Während Hermine mit ihrer ehemaligen Lehrerin gesprochen hatte, war Harrys Verzweiflung ins Unermessliche gewachsen, und er hatte Ginny bei den Schultern gepackt und schüttelte sie, während er sie anschrie.
"Wag es nicht, mich zu verlassen, Ginny! Du weißt, dass ich ohne dich nicht leben kann, und dass ich es ohne dich auch nicht will! Du bist alles für mich, ich brauch dich!"
Er wusste nicht wirklich, was er tat, und mit tränengefüllten Augen schüttelte er sie noch einmal, so als wollte er sie aufwecken. Gerade als er dachte, die ganze Welt würde über ihm zusammenstürzen, hörte er wie Ginny ein lautes, zischendes Geräusch von sich gab, als sie einen tiefen Atemzug nahm, gefolgt von einem schmerzvollen Stöhnen.
"Ginny? Kannst du mich hören?"
"arry?" Ihre Stimme war kaum zu verstehen, und das Sprechen schien ihr Schmerzen zu bereiten.
Eine Welle der Erleichterung spülte über ihn hinweg, aber schon wurde er von resoluten Armen zur Seite geschoben, als Madam Pomfrey, die Heilerin von Hogwarts, sich Ginnys annahm. Ohne zu zögern zog sie ihren Zauberstab aus der Tasche und ließ ihn von oben nach unten über den Körper der Schülerin wandern, untersuchte sie mit den vielen bunten Zaubersprüchen, die Harry von seinen eigenen Aufenthalten in der Krankenstation vertraut waren.
Schließlich zufriedengestellt, wandte sie sich zu den Freunden um. "Sie hat eine üble Prellung in der Nähe des Solar Plexus, und vielleicht auch ein oder zwei angeknackste Rippen. Da muss ich noch mal genau nachsehen, wenn die Schwellung abgeklungen ist, aber abgesehen davon hat sie keine Verletzungen, und ich konnte keine Anzeichen für einen Fluch entdecken."
"Aber sie hatte doch aufgehört zu atmen, wie kann da kein Fluch zu finden sein!" rief Ron.
"Wie sie wissen müssten, Mr. Weasley, sind wir Zauberer, auch wenn die meisten unserer Verletzungen magischer Natur sind, vor einem gewöhnlichen Muggel-Trauma nicht gefeit. Warum aber gar keine Spuren eines Fluches da sind, kann ich auch nicht sagen."
"Ich denke, ich habe eine Erklärung dafür." Hermine lehnte sich über die jetzt dösende Ginny und zog vorsichtig die Schnur, an der die Drachenhaut-Tasche befestigt war, über deren Kopf, um sie der Lehrerinnen zu zeigen. In der Mitte war ein großer, dunkler Fleck, der wie ein Brandloch aussah.
Madam Pomfrey und Professor McGonagall keuchten bei entsetzt auf, als sie das sahen. "Das erklärt tatsächlich, warum keine Anzeichen von Magie zu finden waren," erklärte die Heilerin mit großen Augen, "und wie es aussieht, hat ihr diese Tasche das Leben gerettet. Das muss ein mächtiger Fluch gewesen sein, dass er eine solche Zeichnung auf Drachenhaut hinterlassen hat. Normalerweise tun das nur die Unverzeihlichen."
Das kleine Bisschen Farbe, das seinen Weg in die Gesichter der Teenager zurück gefunden hatte, verschwand wieder bei diesen Worten, und nun, als die erste Aufregung vorbei war, wurde ihnen erst klar wie knapp das ganze gewesen war. Die Zwillinge zitterten sichtbar, und Ron drückte Hermine so fest an seine Seite dass sie das Gesicht verzog. Harry wischte sich über die Augen.
"Ich glaube wir sollten unsere Pläne für heute aufs Eis legen. Ginny muss nach Hogwarts, und ich werde nicht von ihrer Seite weichen. Wir können die anderen Dinge auch in Hogsmeade besorgen. Ron, Hermine, könnt ihr unsere Sachen aus dem Ministerium holen? Mein Koffer ist schon gepackt, und ich glaube der von Ginny auch."
"Klar, Mann." sagte Ron.
"Oh, und Ron?"
"Was?"
"Ich hasse es, das zu tun, aber eure Mutter will sicherlich wissen, warum ihr das Gepäck jetzt schon holt. Ich will nicht, dass sie sich zu viele Sorgen macht..."
Er konnte den Satz nicht zu Ende reden, denn Ron winkte ihn ab. "Ich kümmer mich schon darum. Mal sehen – wir wollten grade aus Gringotts raus, als eine Hand voll Todessern aus dem Nichts auftauchte. Du hast Ginny umgeworfen damit sie nicht gesehen wird, dabei hat sie sich ein wenig gestoßen, und wir sind alle sicher weg appariert. Weißt du, ich hatte jetzt siebzehn Jahre Zeit, zu lernen wie ich ihrem Beschützerinstinkt ausweichen kann."
McGonagall war beeindruckt, wie schnell Harry und seine Freunde die ganze Sache in den Griff bekommen hatten. Sie waren ganz schön schnell erwachsen geworden im Lauf des letzten Jahrs. Zu schnell, sagte sie sich selbst, viel zu schnell. Sie sollten sich nicht um die Dinge kümmern müssen, die jetzt auf ihren Schultern lasteten. Aber gleichzeitig dachte sie an das Vertrauen, das Dumbledore immer in Harrys Fähigkeiten gesetzt hatte, und in die Loyalität seiner Freunde. Vielleicht war er doch damit richtig gelegen.
Während Harry und Ron das besprochen hatten, hatte Madam Pomfrey Ginny einen Fläschchen mit Stärkungstrank eingeflößt, der mit einem schmerzlindernden Trank versetzt war. Die Zwillinge waren kurz nach Draussen gegangen, um den Laden abzuschließen, damit nicht irgendwelche ungebetenen Gäste auftauchten.
Sie verabschiedeten sich kurz von den beiden, und Harry half einer noch immer etwas wackeligen Ginny aus dem Sessel und führte sich zum offenen Kamin. Er rief "Hogwarts, Krankenflügel!" und fasste sie um die Hüfte, bemüht nicht zu fest zuzudrücken, und zusammen verschwanden sie in den Flammen, gleich darauf gefolgt von den beiden Lehrerinnen.
Harry trug seine Freundin schnell zu einem der freien Betten, und Madam Pomfrey begann mit der Behandlung, ihn und Professor McGonagall aus dem Raum scheuchend. Sie setzten sich beide auf eine der Bänke gleich vor dem Eingang zum Krankenflügel, bewusst dass alle Versuche, im Zimmer bleiben zu dürfen, aussichtslos waren. Harry vergrub sein Gesicht in den Händen und saß einfach da, die Ellenbogen auf die Knie gestützt. Er fühlte seine Herz schlagen, als ob er gerade zwanzig Kilometer gelaufen wäre, und Tränen benetzten seine Wangen.
Er bemerkte erst, dass er zu weinen begonnen hatte, als eine Hand sanft seinen Rücken streichelte, und die Stimme seiner Lehrerin, viel weicher als gewöhnlich, ihm versicherte dass alles wieder in Ordnung kommen würde.
"Du und Ginny, ihr seid euch sehr nahe."
Er war sich nicht sicher, ob Professor McGonagall das als Frage gemeint hatte, oder ob sie nur das offensichtliche aussprach.
"Ja," irgenwie half es ihm, die Leere und Angst, die er gerade fühlte, in den Begriff zu bekommen, wenn er sich ihre Liebe vor Augen rief, "das sind wir."
"Weißt du, Harry, manchmal hilft es einem den Schmerz zu lindern, wenn man mit jemandem über die Gefühle redet."
Er holte ein paar mal tief Luft, bevor er sich sicher war, dass seine Stimme standhielt. "Es war grauenvoll. Eine Minute hatten wir alle Spaß zusammen, und in der nächsten waren da die Todesser, und ich konnte nicht einmal reagieren, da hatte einer schon einen Fluch auf Ginny geworfen. Als sie gefallen ist, da dachte ich, mein Herz wird zerrissen. Und als wir im Laden ankamen, und sie nicht geatmet hat, das war," er musste eine kurze Pause machen, als ihn die Gefühle wieder zu überwältigen drohten, "das war als würde jedes Gefühl, gut oder schlecht, aus mir herausgerissen. Ich dachte, ich müsste sterben, ich konnte es nicht ertragen. Ich würde das meinem schlimmsten Feind nicht wünschen."
Er hatte wieder zu weinen begonnen, aber aus irgendeinem Grund machte es ihm nichts aus, dass seine Lehrerin ihn so sah, und ihr machte es offensichtlich auch nichts aus. "Du musst wissen, Harry, dass ich verstehen kann, wie du dich fühlst. Ich habe meinen Mann im ersten Krieg verloren, und meine Gefühle damals waren den deinen sehr ähnlich."
Harry sah sie mit großen Augen an. Sie hatte noch nie zuvor ein Wort über ihr Privatleben verloren.
Die Lehrerin schien seine Gedanken zu lesen, denn sie lachte leise bevor sie fortfuhr. "Ja, ich habe ein Leben ausserhalb von Hogwarts. Oder zumindest," sie seufzte leise, "hatte ich das, bis vor kurzem. Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Was ich sagen will ist, mach dir jetzt keine Gedanken über das 'was wäre wenn'. Alles ist gut ausgegangen, hör nicht auf, dass zu schätzen, was du hast. Ich glaube, Miss Weasley könnte ein wenig Aufmunterung ganz gut gebrauchen, wenn Madam Pomfrey mit ihr fertig ist."
Harry lächelte sie an. Sie hatte recht, es brachte ihm überhaupt nichts wenn er sich von den Ereignissen runterziehen ließ, das wäre nur das, was Voldemort damit bezwecken wollte.
"Danke, Professor."
Sie mussten noch eine Weile warten, und verbrachten die Zeit damit über die Quidditch-Hausmeisterschaft zu reden und mögliche Strategien für das nächste Jahr zu entwickeln. Und auch wenn Harry sich nicht sicher war, ob er im nächsten Jahr Teil der Mannschaft sein würde, hielt es ihn zumindest davon ab vor sich hin zu brüten. Endlich öffnete Madam Pomfrey die Türe und erlaubte ihnen, wieder hineinzukommen, aber McGonagall bedeutete ihm vorauszugehen und blieb mit der Heilerin zurück um noch etwas zu besprechen.
Er rannte fast zu ihrem Bett und rief "Gin! Mach das niemals wieder, hörst du!" Und an ihrer Seite angekommen, nahm er ihre Hand. "Bist du in Ordnung?"
Sie lächelte ihn an, den Blick noch ein wenig aufgewühlt, aber mit etwas Farbe im Gesicht sah sie definitiv viel gesünder aus als noch vor zehn Minuten. "Ich glaube nicht, dass »mir geht es gut« als Aussage genügt, die Phrase ist von jemandem, den wir beide sehr gut kennen, wohl schon zu sehr abgedroschen worden."
Harry kicherte. Seine Freunde hatten ihn schon oft deswegen geneckt, und Ron hatte gar vorhergesagt, dass in dem Fall dass Harry jemals von einem Drachen verschluckt würde, man noch Wochen später aus dem Bauch des Drachen ein gedämpftes »mir geht es gut« würde hören können.
"Lass mich dir zeigen, wie es mir geht." Ginny zog an seiner Hand, bis sein Gesicht nur noch Zentimeter von dem ihren entfernt war. Das liebevolle Funkeln in ihren Augen erkennend, konnte er an nichts anderes mehr denken, und kurz darauf waren die beiden in einem leidenschaftlichen Kuss verschmolzen. Jetzt schlug Harrys Herz mit einer unglaublichen Freude, die durch seinen ganzen Körper jagte. Erst nach mehr als einer Minute trennten sich ihre Lippen wieder.
"Glaubst du mir jetzt, dass es mir gut geht?" Fragte Ginny mit lachenden Augen.
"Hm," antwortete er neckisch, "mir fällt auf, dass sie ein wenig ausser Atem sind, Miss Weasley. Ich denke, ich werde regelmäßige Kontrollen durchführen müssen, nur um sicher zu sein."
"Wenn sie darauf bestehen, Doktor Potter," ging Ginny auf sein Necken ein.
Aus den Augenwinkeln bemerkte Harry eine Bewegung. Als er den Kopf drehte, sah er die beiden Lehrerinnen in der Mitte des Raumes stehen, beide mit einem beinah träumerischen Lächeln. Da er nicht wusste, wie viel die beiden gesehen oder gehört hatten, wurde er erst einmal ganz rot im Gesicht. Ginny, der die beiden ebenfalls aufgefallen waren, ging es genau so.
Nach einer kurzen Besprechung und dem Versprechen von Ginny, die nächsten zwölf Stunden körperliche Anstrengungen zu vermeiden, durfte sie den Krankenflügel verlassen. Zuvor hatte Harry Professor McGonagall und Madam Pomfrey noch gebeten, über die tatsächlichen Ereignisse des Tages Stillschweigen zu bewahren, vor allem, was Mrs. Weasley betraf. Beide versprachen, ihr bestes zu tun, betonten aber, dass sie Ginnys Mutter nicht anlügen würden.
Ginny und Harry stellten beide fest, dass sie ganz schön hungrig waren. Die Direktorin erläuterte, dass in den Sommerferien dass Mittagessen normalerweise direkt in den Quartieren der Lehrer serviert würde, aber dass sie eingeladen seien, in ihrem Büro mit ihr zu essen, damit sie vor Ort währen wenn Ron und Hermine ankämen.
Wenig später spazierten sie am Wasserspeier vorbei, der den Eingang zum Büro der Direktorin bewachte, und fuhren die rotierende Wendeltreppe hoch. Sie nahmen auf zwei bequemen Stühlen Platz, die Professor McGonagall schnell herbeigezaubert hatte. Es war gut, dass sie saßen, den kaum hatte die Lehrerin ihren Wunsch nach einer Mahlzeit ausgesprochen, waren sie auch schon einem aufgeregten Hauselfen konfrontiert, der auf und nieder sprang und um sie herum tanzte.
"Master Harry Potter ist gekommen, um in den Ferien Hogwarts zu besuchen, und er hat seine Misses Weezy mitgebracht! Wir sind so geehrt, dem großartigen Harry Potter und seinen Freunden das Mittagessen zu servieren!"
Es dauerte gute fünf Minuten, bis sich der kleine Elf so weit beruhigt hatte, dass sie ihre Bestellungen aufgeben konnten. Professor McGonagall, die Dobby noch nicht so oft in der Nähe von Harry Potter erlebt hatte, konnte ein amüsiertes Lachen über die Heldenverehrung nicht unterdrücken, die die kleine Kreatur ihrem Schüler entgegenbrachte - und über die Verlegenheit, die in Harrys Gesicht deutlich sichtbar war.
Nur Sekunden nachdem Dobby verschwunden war, um das Essen zu holen, erschien er auch schon wieder mit einem riesigen Tablett, gefüllt mit allem, was die Küche anzubieten hatte. Sie dankten dem Elfen und füllten ihre Teller.
Professor McGonagall wollte zwar noch mit ihnen über einige Punkte sprechen, aber sie beschlossen, damit zu warten, bis auch Ron und Hermine da waren, so plauderten sie während des Essens nur entspannt über Belanglosigkeiten.
Gerade als sie fertig waren und Dobby das Geschirr und die Reste weggeräumt hatte, vernahmen sie ein kratzendes Geräusch aus dem offenen Kamin, gefolgt von einer lauten, weiblichen Stimme. "GINNEVRA WEASLEY!"
Mrs. Weasley kam aus der Feuerstelle geeilt, einen entschlossenen Blick im Gesicht und eine Wolke aus Ruß vor sich durch Raum schiebend, aber sie wurde von der Direktorin abgefangen. "Molly, wie schön, dass du uns mal besuchst. Ich habe dich gar nicht erwartet. Komm, setz dich hin und trink einen Becher Kürbissaft mit uns!"
Das nahm Ginnys Mutter den meisten Wind aus den Segeln, und etwas widerwillig nahm sie in einem frisch beschworenen Stuhl Platz. "Ginny, liebes, bist du in Ordnung?"
"Aber natürlich, Mama, du brauchst dir keine Sorgen machen."
"Keine Sorgen machen?" Sie schien wieder Damp aufzubauen. "Ron und Hermine kommen ohne euch beiden nach hause, erzählen irgendeine wilde Geschichte von Todessern und dass verletzt bist, und du sagst mir ich soll mir keine Sorgen machen?"
Ginny rutschte unter dem Blick ihrer Mutter unruhig auf dem Stuhl herum, aber Harry antwortete schnell an ihrer Stelle. "Bitte, machen sie sich keine Sorgen mehr, Mrs. Weasley," und sich an ihre letzte Unterhaltung erinnernd, fügte er hinzu, "Molly. Alles ist so schnell gegangen, und als ich Ginny fallen gesehen habe, dachte ich, ein Fluch hätte sie getroffen. Aber ich habe mich getäuscht, und abgesehen von einer kleinen Prellung an der Brust ist ihr nicht geschehen."
"Stimmt das, Minerva?"
"Das ist, was mir alle erzählt haben, und Madam Pomfrey konnte keinen Hauch eines Zauberspruchrestes an Ginny finden."
"Merlin sei Dank, ich hatte solche Angst."
Glücklicherweise tauchten just in dem Moment Ron und Hermine im offenen Kamit auf, einige geschrumpfte Koffer in den Händen.
"Hey, Ginny, alles klar?" fragte Ron.
"Alles O.K., Ron."
Mrs. Weasley bot ihren Stuhl Hermine an und erkärte, sie müsse noch Fleurs Eltern besuchen um einige Hochzeitsvorbereitungen zu treffen, und nachdem sie die vier dazu angehalten hatte, sich zu benehmen und nichts anzustellen, reiste sie, natürlich nicht ohne jedem vorher eine ihrer knochenbrecherischen Umarmungen angedeihen zu lassen, durch die Feuerstelle ab.
Gerade als Professor McGonagall dabei war ihren Zauberstab hervorzuholen, um einen weiteren Stuhl für Ron zu beschwören, hatte Hermine den ihren ausgepackt und nach einer kurzen, fließenden Bewegung stand ein schwerer, flauschiger Stuhl da. Die Direktorin war beeindruckt.
"Exzellente Arbeit, Mrs. Granger. Aber ich glaube nicht, dass sie lautlose Beschwörungen von komplexen Gegenständen schon in Transfiguration durchgenommen haben, und ich sollte das eigentlich wissen."
Hermine strahlte. "Ich habe beschlossen, ein wenig voraus zu lesen. Das lautlose Beschwören an sich schien einigermaßen einfach, so lange es nur um unbewegliche Gegenstände geht. Ich habe gemerkt, dass ich manchmal zu sehr darauf konzentriert bin, den Spruch richtig hinzukriegen, aber bei der lautlosen Beschwörung kann ich mich ganz auf die Vorstellung und die Zauberstab-Bewegung konzentrieren."
Hermine und die Professorin sprachen noch eine Weile über lautlose Beschwörungen und ihre Vor- und Nachteile. Harry hatte Ginnys Hand gefasst und strich ihr zährtlich mit dem Daumen über den Handrücken, der Unterhaltung nur mit halbem Ohr folgend. Ron beobachtete Hermine mit einer Mischung aus Bewunderung und Staunen in den Augen.
Harry gluckste leiste vor sich hin. Ron und Hermine waren jetzt seit sechs Jahren beinahe unzertrennlich, und trotzdem wurden sie jeden Tag wieder von einander überrascht.
Aber schon bald kam das Gespräch wieder auf ernstere Themen zurück.
"Ihr vier seid euch sicherlich darüber bewusst, dass über die Sommerferien die meisten Lehrer ausser Haus sind. Deshalb haben wir, abgesehen davon, wenn Gäste hier sind, die Mahlzeiten nicht im großen Saal. Ich habe überlegt, ob ich euch zwei der freien Wohnungen im Lehrerbereich geben soll, aber ich bin mir nicht sicher, ob alle damit einverstanden wären."
"Professor," Harry hatte sich darüber auch schon Gedanken gemacht, "wenn wir im Gryffindor-Turm bleiben könnten, wäre das vollauf in Ordnung. Ginny und Hermine können sich ein Schlafzimmer teilen, und wir sind alle mit den Räumen vertraut."
"Sehr gut, dann machen wir das so."
"Ähm, ich würde sie gerne noch um ein paar Gefallen bitten, wenn das möglich wäre?"
"Aber natürlich."
"Erstens, wir brauchen so viele Informationen wie wir kriegen können, um die Horcruxe zu finden und zu zerstören. Die Möglichkeit, Bücher aus der verbotenen Abteilung der Bibliothek auszuleihen, würde uns immens weiterhelfen. Zweitens, wenn sie den Kamin im Gemeinschaftsraum von Gryffindor wieder an das Flohnetzwerk anschließen könnten, nur für Gespräche versteht sich, wäre das großartig. Und als letztes, könnten sie vielleicht einige Mitglieder des Ordens fragen, ob sie uns in Verteidigung und Duellieren trainieren könnten?"
"Ich muss zugeben," die Direktorin blickte Harry direkt in die Augen, "dass ich beeindruckt bin. Ihr habt euer weiteres Vorgehen schon gut geplant. Und da ich sehe, dass ihr eure Zeit nicht verschwendet, werde ich das auch nicht tun. Die Antwort ist ja, ja, und ja. Ich werde veranlassen, dass Miss Granger und Miss Weasley ab heute Abend freien Zugriff auf alle Bücher in Hogwarts haben. Professor Flitwick wird den Kamin noch heute Nachmittag wieder an das Flohnetzwerk anschließen, und Professor Moody oder Professor Lupin wird euch in den nächsten Tagen wegen des Trainings kontaktieren."
"Vielen Dank, Professor McGonagall."
"Gerne geschehen. Jetzt bringt eure Sachen hoch und genießt den Rest des Tages."
Ihre noch geschrumpften Koffer in den Händen marschierten sie durch die verlassenen Flure zum Gryffindor-Turm, während sie darüber beratschlagten, was sie den Rest des Tages unternehmen wollten. Hermine schlug vor, gleich mit den Nachforschungen zu beginnen, aber nachdem sie daran erinnert wurde, dass sie noch keine Erlaubnis für die Bibliothek hatten ließ sie sich auch zu einem gemütlichen Nachmittag überreden. Ron schlug eine Partie Schach vor, aber weder Harry noch Ginny waren in der Stimmung sich eine Niederlage einzuhandeln.
Als Hermine bemerkte, dass das Wetter zu schön sei um drinnen zu bleiben, musste Harry ihn mehr als einmal in die Rippen stoßen bis er den Hinweis verstand und sie fragte, ob sie mit ihm eine Runde um den See gehen wollte. Die vier erreichten den Eingang zum Gemeinschaftsraum und mussten laut rufen, bis die dicke Dame im Portrait aufwachte.
"Nanu, was macht ihr denn hier? Das Schuljahr hat doch noch gar nicht begonnen!" beschwerte sie sich, sichtlich verärgert darüber, dass ihre Ferien unterbrochen worden waren.
Ron und Harry nahmen wieder ihr Schlafzimmer aus dem sechsten Jahr in Besitz, und auch Ginny packte ihre Sachen zusammen mit Hermine in den Sechstklässler-Schlafraum. Nachdem alles war, wo es hingehörte, verschwanden Ron und Hermine durch das Portrait und ließen Ginny und Harry, zum ersten Mal seit Ewigkeiten, so kam es ihnen zumindest vor, miteinander alleine.
Mit einem lasziven Räkeln und einem verführerischen Augenaufschlag legte Ginny ihre Arme um seinen Nacken und rieb sanft ihren Körper an seinem. "Nun, was machen wir jetzt, Doktor Potter?"
"Ah," grinste er, "wir müssen unbedingt noch eine Kontrolle machen. Und ich kenne genau die richtigen Räumlichkeiten dafür."
Er nahm Ginny bei der Hand und führte sie aus dem Gemeinschaftsraum und durch die Korridore. Als sie eine dunkle, alte Treppe erreichten erkannte sie, wohin sie unterwegs waren.
"Bist du sicher, dass du da hin willst? Es ist schließlich noch Tag."
"Und wer sollte hoch kommen und uns stören, ohne Schüler und Lehrer? Erwartest du jemanden auf dem Besen?"
Sie lächelte ihn auf eine ganz verruchte Art an, und er fühlte seine Knie weich werden, aber eine Sekunde später rannte sie los über die die Stufen und rief "In Ordnung, wer erster oben ist!" über die Schulter. Sie rasten die endlose Treppe hoch, und er hatte sie beinah eingeholt, als sie die Tür zur Plattform auf dem Astronomieturm aufstieß.
Als ihnen die helle Sonne ins Gesicht schien, musste er die Augen zusammenkneifen. Der Tür einen leichten Schubs gebend, so dass sie zufiel, und einen Colloportus-Zauber hinzufügend, um Störungen zu vermeiden, drehte er sich zu Ginny um. Einen Moment später lag er am Boden, als sie sich auf ihn stürzte, und er dankte Merlin dass er mit dem ganzen Training für die DA mittlerweile ziemlich schnell mit den Polster-Zaubern geworden war.
Sie waren beide noch atemlos von dem Wettrennen über die Treppe, und Ginny zu sich heranziehend keuchte er, "Ich denke," er holte laut Atem, "das bedarf," er fühlte, wie Ginnys Hand in an einer ziemlich empfindlichen Stelle gleich über seiner rechten Hüfte berührte und japste auf, "einer ziemlich genauen Untersuchung!"
Für die nächsten zwanzig oder so Minuten, Harry konnte keine bessere Beschreibung dafür finden, knutschten sie sich um den Verstand. Er konnte nicht genug bekommen von ihren zarten, fordernden Lippen auf seinen. Er fühlte sich so unglaublich nah zu Ginny, und er fühlte sich unfähig zu beschreiben, wie perfekt sie war. Es war unglaublich, jede kleine Berührung ihrer Zungen, jedes kurze Aneinandergleiten von Haut an Haut sandte wohlige Schauer durch seinen Körper.
Er erforschte gerade, wie viele verschiedene Arten es gab, an Ginnys Ohrläppchen zu knabbern, als er spürte wie ihre Finger mit den Knöpfen seines Umhang kämpften. "Ginny?"
"Pssst. Es ist zu heiss für Umhänge, findest du nicht?"
Er konnte nicht antworten, denn Ginny hatte seinen Mund mit dem ihren verschlossen. Schon wenig später hatte sie alle Knöpfe offen, der Umgang rutschte zur Seite, und mit einer schnellen Bewegung hatte sie ihren über den Kopf gezogen, so dass sie beide in Jeans und T-Shirt waren.
Aber Ginny hörte nicht auf. Als ihre Finger den Rand seines T-Shirts wegzogen und ihre bloßen Hände begannen, seinen Bauch und seine Seiten zu liebkosen, waren alle Gedanken daran, aufzuhören, verflogen. Bald war er auch davon befreit und spürte die frische Sommerluft auf der Haut, zusammen mit weichen Händen die überall auf seinem Oberkörper zu sein schienen.
"Ginny?" fragte er heiser.
"Keine Panik," antwortete sie sanft, wenn auch mit einem hintergründigen Lächeln, "ich habe nicht vor, zu schnell zu weit zu gehen. Aber da ist etwas, was ich schon immer wissen wollte."
"Und das ist?"
Aber anstatt zu antworten senkte sie ihren ein Kopf ein wenig, und einen Augenblick später spürte er ein unglaublich erotisches Kitzeln als eine warme, weiche Zunge um seine rechte Brustwarze kreiste, gefolgt von einem heissen Gefühl von Verlangen, als sie begann vorsichtig daran zu knabbern und zu saugen. Ohne sich bewusst zu sein bog er seinen Oberkörper und fuhr mit den Fingern durch ihre Haare.
"Gin, du machst mich verrückt damit!"
"Wie dass?" wollte sie wissen, ihren Mund nur für die Frage kurz von seinem Körper lösend.
"Das fühlt sich an wie aaahhhh," er keuchte als sie neckisch an der Spitze seiner Brustwarze knabberte, "wie im Himmel, wenn du das machst, aber zur gleichen hiiiii," wieder konnte er sich nicht beherrschen, "zur gleichen Zeit wie in der Hölle, weil es mich dazu bringt, dass ich so viel mehr mit dir machen will."
Sie hob den Kopf, um ihm in die Augen zu sehen, mit der Hand zärtlich seine Brust streichelnd.
"Und wäre das so schlimm, mehr tun zu wollen?"
"Gin," seine Stimme wurde ernst, blieb aber sanft, "ich glaube, dass wir beide noch nicht bereit dafür sind. Ich will es lieber langsam angehn, und sicher sein, dass wir alles richtig machen."
Ginny nickte, aber wandte ihre Augen ab, und Harry konnte Enttäuschung spüren. Vorsichtig hob er ihr Kinn an, so dass sich ihre Augen wieder trafen.
"Gin, ich liebe dich, mehr als alles andere auf der Welt. Ich würde liebend gerne mehr tun, so sehr dass es mir manchmal beinah körperlich Weh tut, aber ich will sicher sein, dass ich dir nicht weh tue. Lass es uns nicht überstürzen. Ich liebe dich zu sehr."
Das schien ihre Laune wieder zu bessern. "Ich liebe dich auch, Harry, mehr als ich sagen kann. Und du hast Recht damit, aber manchmal..."
"Ich weiß."
Sie kuschelte sich in seine Achsel, ihren Kopf auf seine Schulter gelegt. Und so schliefen sie wenig später auch ein, einfach die Nähe des anderen genießend, in der warmen Juli-Sonne auf dem Astronomieturm.
