Kapitel 11

Danke an alle Leser und ganz ein besonderes Dankeschön an MargretThornton und ihre wundevollen Reviews!

Es war Nacht und draußen war es totenstill, als die Musketiere so leise wie nur möglich aus der Tür des Gasthauses traten, um niemanden zu wecken. Leise huschten die fünf Gestalten über den stockdunklen Hof, der zu den Ställen führte. Langsam tasteten sie sich zu ihrem Ziel vor. Athos schaute um jede Hausecke, bevor er den Anderen ein Zeichen gab, ihm zu folgen. Auf einmal gab es ein lautes Scheppern, gefolgt von einem leisen Fluchen, welches Lexie D´Artagnan zuordnete. Er war über einen Eimer gestolpert und humpelte jetzt hinter den Anderen her.

Athos verdrehte die Augen, obwohl es ja in der Finsternis sowieso niemand sehen konnte.

„Soviel zu: Wir sind alle leise und fallen nicht auf", zischte er dem jüngsten Musketier zu.

„Ich kann halt im Dunkeln nichts sehen", verteidigte dieses sich im Flüsterton.

Es folgte ein Kichern von Aramis, da dieser gerade daran denken musste, dass Athos jetzt wahrscheinlich erneut die Augen verdrehte und Porthos darüber grinsen würde.

Sie hatten das Gebäude ohne weitere Zwischenfälle erreicht. D´Artagnan hatte Recht behalten. Vor dem Haus saßen zwei Dorfbewohner vor einer verschlossen Türe. Sie unterhielten sich leise und waren wahrscheinlich schon ein bisschen angetrunken.

„Was für aufmerksame Wachen", kommentierte Athos die Erscheinung mit einem ironischen Unterton in der Stimme.

„Hast du die Flasche", vergewisserte sich Porthos mit einem Blick auf Lexie, der in der Dunkelheit allerdings nur ihre Umrisse wahrnahm.

„Hoffentlich wollen die überhaupt noch Wein, wenn sie schon so voll sind"

„Sie halten wache, ihnen ist langweilig. Sie wollen Wein! Und wenn nicht,...", Aramis zuckte mit den Schultern, „...dann werden sie wohl kaum so unhöflich sein und ein Geschenk einer Lady ablehnen.

„Wenn du meinst", sagte Lexie. Sie zweifelte noch immer an diesem Plan, dennoch löste sich von der Hauswand und ging geradewegs auf die zwei Männer zu. Ihr war ein bisschen mulmig zu Mute, doch sie vertraute voll und ganz auf die Musketiere, die einschreiten würden, sollte auch nur das geringste schief gehen.

„Das ganze erinnert mich irgendwie stark an dieses Ablenkungsmanöver mit Constance", fiel D´Artagnan ein, als er Lexie direkt auf die Wachen zuschreiten sah.

Aramis konnte sich ein leises Lachen nicht verkneifen, als er an die Szene mit Constance zurück dachte. „Aber soweit ich mich erinnere hat das doch ganz gut funktioniert", versuchte er sich selber zu überzeugen.

„Dann lass uns hoffen, dass das hier genauso gut funktioniert", bemerkte Athos, der jeden Schritt von Alexandra verfolgte.

Sie war inzwischen bei den Männern angelangt, die fragend zu ihr aufblickten. Sie sagte etwas zu ihnen und präsentierte ihre Flasche. Dankend nahmen die Wachen sie an und einer der Beiden stand auf, um Alexandra seinen Platz anzubieten. Aramis beobachtete das ganze äußerst misstrauisch und lauerte wie eine Katze, immer bereit sich auf seine Beute zu stürzen, sollte diese auch nur eine falsche Bewegung machen. Die beiden Männer zückten ihre Gläser, schenkten sich und Lexie ein und tranken einen Schluck. Lexie verzichtet dann lieber und wechselte noch ein zwei Worte, bis die aufmerksamen Wachen in einen tiefen Schlummer fielen.

„Was hast du zu ihnen gesagt?", erkundigte sich Aramis, der jetzt neben Lexie stand. Athos war damit beschäftigt die Tür mit dem Schlüssel zu öffnen, den einer der Männer dabei hatte.

„Ich habe ihnen nur erzählt, was für eine wichtige Aufgabe sie doch hätten und das ich ihnen etwas Wein mitgebracht hätte, um ihnen die lange Nacht etwas angenehmer zu machen.", wiederholte Lexie mit amüsierter Stimme.

„Siehst du, der Spruch hätte sicher auch bei Athos gewirkt", flüsterte Aramis Alexandra etwas zu laut ins Ohr.

Als Athos Aramis herausfordernden Angriff wahrnahm, schnaubte er nur wütend und dachte sich seinen Teil. Aramis und Porthos fanden diese Reaktion anscheinend sehr amüsant und fingen an zu kichern.

Das konnte das stolze Musketier nicht auf sich sitzen lassen: „Wo bin ich hier nur gelandet, im Kindergarten? Komm D´Artagnan, machen wir es halt alleine"

D´Artagnan war offensichtlich verwirrt, in die ganze Sache mit reingezogen zu werden, wandte sich dann jedoch Athos zu, der noch immer mit der widerspenstigen Türe kämpfte. Er versuchte sie zu öffnen und rüttelte ungeduldig an der Klinke. Porthos schob das Musketier ungeduldig zur Seite und trat gegen die Tür. Dafür erntete er einen abschätzenden Blick von Athos.

„Danke Porthos, mit Gewalt hätte ich das auch geschafft.", bemerkte er sarkastisch und trat ein.

Die Gruppe stieg die Treppe hinunter und befand sich schließlich in einem kleinen, muffigen und äußerst kühlem Raum. An den Wänden stapelten sich Weinfässer, die man jedoch kaum erkennen konnte, denn außer der Fackel, die Athos in der Hand hielt gab es hier unten keine Lichtquelle. Lexie wunderte sich, wo das Musketier jetzt schon wieder die Fackel her hatte, denn sie bezweifelte, dass diese zu der Standardausrüstung eines Soldaten gehörte. Athos schwenkte besagte Fackel zur Seite und beleuchtete die andere Ecke des Raumes. Auf dieser Seite des Raumes saß zusammengekauert und zitternd von der feucht kalten Luft, ein Mann.

Athos näherte sich vorsichtig: „Hallo? Könnt ihr mich hören?"

„Ja das kann ich, aber wenn ihr denkt, ich führe jetzt eine nette Unterhaltung mit ihnen, dann können sie zum Teufel gehen", zischte der Mann unfreundlich.

„Na, mit dieser Einstellung wundert es mich nicht, dass er der Hexerei angeklagt wird", wisperte Porthos Aramis ins Ohr.

„Ein bisschen mehr Freundlichkeit, wenn ich bitten darf, wir wollen euch retten.", erwiderte Athos gespielt empört.

„Ja, um mich dann wieder in Ruhe zu lassen und wieder anzuklagen, oder was?! Ihr Dorfbewohner steckt doch alle unter einer Decke.

D´Artagnan musterte ihn verwirrt: „Was? Unter einer Decke stecken?", fragte er und wartete auf eine Antwort, die ihm jedoch keiner seiner Kumpanen geben konnte.

„Ist nur so eine Redensart", kam plötzlich Alexandras Stimme aus der Dunkelheit.

„Und was soll das bedeuten?". Aramis wandte sich verwirrt zu ihr um.

„Na, das wir alle heimlich gemeinsame Sache machen und ihn hinters Licht führen wollen"

Die Musketiere waren jetzt vollends verwirrt, nur der Zukunftsmann schien hellhörig zu werden.

„Du kennst die Redewendung", fragte er wie aus der Kanone geschossen.

„Ja, und das ist der Grund, warum wir hier sind", antwortete Lexie ruhig, obwohl ihr Herz vor Aufregung wie wild klopfte.

Nach diesem Beweis folgte ihnen der Mann nur allzu gerne aus dem Keller. Ins Gasthaus würden sie nicht mehr zurück können. Man würde sehr schnell dahinter kommen, dass sie etwas mit der Flucht des Diebes und Hexers zu tun hatten. Deshalb hatten sie schon zuvor ihre Sachen zusammen gepackt und holten nun die Pferde. Schnell waren sie auf der Straße, die aus dem Dorf führte. Sie würden wohl noch ein Stück Weg zurücklegen müssen, bevor sie Rast machen konnten. Kaum waren sie außer Sichtweite des Dorfes, löcherte Lexie den armen Mann mit fragen. Der war allerdings noch immer damit beschäftigt, den Schock zu verdauen, dass er beinahe zum zweiten mal hingerichtet worden war.

„Wissen sie, wie man zurückkommt? Woher kommen sie? Kann ich überhaupt wieder zurück? Wie ist das alles möglich?,...Sie stellte all die Fragen, die ihr schon die ganze Zeit im Kopf herumgeschwirrt waren.

„Ähm, ich weiß nicht", antwortete der Mann, völlig überfordert mit der Flut von Fragen, mit denen Lexie ihn überfiel.

Aramis versuchte die übereifrige Alexandra ein wenig zu bremsen. „Aus welcher Zeit kommt ihr?"

„1920", antwortete der Mann.

„Alexandra kommt aus dem Jahr 2015", erklärte Aramis.

Porthos schüttelte verwirrt den Kopf: „Ich kann´s immer noch nicht glauben. Wie kann das sein?"

„Manche Dinge kann man sich einfach nicht erklären oder vorstellen.", versuchte Aramis Porthos eine Antwort auf seine Frage zu geben.

Der Mann meldete sich wieder zu Wort: „Ich bin mir nicht sicher, um auf das „Wie?" zurückzukommen."

„Aber sie haben eine Vermutung?", hörte Alexandra heraus.

Der Mann nickte ihr zu: „Durchaus. Das ist ja der Grund, warum ich stehlen musste."

„Was? Ihr seid wirklich ein Dieb?", rief D´Artagnan empört. Er drehte sich hilfesuchend zu seinen Freunden um: „Wir haben einem Dieb zur Flucht verholfen".

„Du nimmst deine Ehre als Musketier aber besonders wichtig, Kleiner", interpretierte der Mann richtig.

Porthos musste loslachen bei diesem sehr passenden Kommentar. „Da habt ihr wohl Recht, unser Welpe hier ist nur so versessen darauf seine Ehre zu verteidigen"

„Ich bin nicht euer Welpe", erwiderte D´Artagnan gekränkt und schlug Porthos Hand weg, die sich auf seiner Schulter niedergelassen hatte.

„Wie dem auch sei. Als ich eines Tages bei diesem Schmied war, da ist mir etwas aufgefallen", fuhr der Mann fort.

„Was?", fragte Lexie gespannt. Alle Augen waren auf den Zukunftsmann gerichtet.

„Er hatte genau den gleichen Anhänger wie ich", er holte den Anhänger aus der Tasche und betrachtete ihn. Leider konnte man im Dunkeln nicht so viel davon erkennen.

„Ich habe mich natürlich gefragt, wie das sein kann, wenn er doch gut 300 Jahre vor mit lebt. Da kann es ja schlecht sein, dass er es im gleichen Geschäft gekauft hat", bei dieser Erklärung schaute er Lexie an, die ihm aufmerksam zuhörte.

„Naja, zumal dieser Anhänger ein Familienerbstück ist, bin ich davon ausgegangen, dass er ein Vorfahre oder so sein könnte. Vielleicht ist es genau dieser Anhänger?"

„Ihr meint der gleiche Gegenstand existiert jetzt zweimal?", erkundigte sich Athos noch einmal zur Sicherheit, ob er das auch wirklich richtig verstanden hatte.

Der Mann nickte. „Ich bin überzeugt, das hat etwas mit der ganzen Sache zu tun."

„Und, habt ihr den geklauten Anhänger noch?", wollte Porthos etwas misstrauisch wissen.

„Natürlich, er ist meine einzige Chance! Wenn dieser verdammte Schmied mich nicht erwischt hätte und diese verrückten Dorfbewohner nichts besseres zu tun gehabt hätten, als die Gelegenheit zu ergreifen um mich der Hexerei zu beschuldigen, damit sie mich endlich los sind, dann wäre ich schon lange weg aus dieser abergläubischen, widerwärtigen Zeit."

„Es kann aber auch ganz nett sein", warf Aramis ein, der versuchte das Ansehen seines Jahrhunderts vor den Flüchen des Mannes zu retten. Er erntete jedoch nur einen finsteren Blick und hielt lieber den Mund.

„Wie genau wollen sie jetzt zurück kommen?", erkundigte sich Lexie, die unbedingt genaueres über diesen Teil wissen wollte.

„Ich kehre an den Ort zurück, an dem ich in diesem Alptraum aufgewacht bin."

„Hört sich logisch an", bemerkte Porthos, der noch immer versuchte, sich das Ganze zusammen zu reimen.


Sie ritten noch die halbe Nacht und schwiegen die meiste Zeit. Sie waren müde und vor allem Lexie hatte das Gefühl, sie würde gleich vom Pferd fallen, sollten sie nicht schnell etwas Schlaf bekommen. Zu ihrem Glück legten sie schon bald eine Pause ein und es entstand ein kleines Lager. Athos war der Meinung sie sollten lieber noch kein Feuer machen, obwohl es sehr unwahrscheinlich war, dass die Dorfbewohner ihnen so weit folgen würden. Lexie war es Recht, denn sie hatte noch immer den Schreck des Banditen Angriffs vor Augen. Das einzige Problem war, dass die Wärme des Tages nun verschwunden war und Lexie fror. Sie lag unter einem Baum zusammengerollt unter einer Decke und zitterte. Alle waren schon eingeschlafen, bis auf D´Artagnan, der etwas abseits auf einem Baumstamm saß und als Erster wache halten würde. Nur sie konnte, obwohl sie todmüde war, nicht schlafen. Auf einmal vernahm sie ein Rascheln neben sich und kurze Zeit später sah sie Aramis, der seine Schlafunterlage neben ihre legte.

„Was machst du?", fragte Lexie verschlafen.

„Du frierst!", war das Einzige, was sie als Antwort bekam, und bevor sie sich wehren konnte ließ Aramis sich neben ihr nieder, zog die Decke und seinen blauem Musketier Umhang über sie Beide und drückte sie an sich, um seine Körperwärme mit ihr zu teilen. So blieben sie schweigend liegen. Am Anfang war Alexandra noch ein bisschen verwirrt über die plötzliche Nähe, doch schon bald schmiegte sie sich in die Arme des Musketiers und fühlte sich geborgen, warm und sicher.

„Besser?", fragte Aramis, der bemerkt hatte, wie Lexie sich entspannte.

„Ja", seufze Lexie und sah nicht, wie Aramis zufrieden lächelte.

Lexie hörte sie Vögel zwitschern und wachte langsam aus ihrem ruhigen erholsamen Schlaf auf. Sie nahm einen Arm wahr, der über ihrem Bauch lag und sie festhielt. Zufrieden kuschelte sie sich tiefer in die Umarmung, als sie ein leises, zufriedenes Lachen hörte. Sie öffnete sie Auge und schaute direkt in Aramis Gesicht. Sie musste ebenfalls lachen.

„Beobachtest du mich etwa während ich schlafe?", fragte sie amüsiert.

Das Musketier grinste und schenkte Lexie diesen Blick, dem sie einfach nicht widerstehen konnte. „Nein, ich doch nicht", antwortete das Musketier abwehren und hob eine Hand.

„Na dann ist ja gut", antwortete Lexie herausfordernd und schloss für einen Moment wieder die Augen.

Sie merke wie Aramis anfing mit einer Strähne ihrer blonden Haare zu spielen und sah ihn wieder an. Er lag neben ihr auf der Seite, auf einen Ellenbogen gestützt.

„Was wird das, wenn´s fertig ist", erkundigte sie sich bei Aramis, der ertappt innehielt.

„Entschuldigung, aber ich konnte einfach nicht widerstehen. Du bist ein eine so bezaubernde junge Lady"

Er strich ihr eine Haarsträhne hinters Ohr. Und kam ihr langsam näher, bis sich ihre Lippen berührten. Es war ein sehr vorsichtiger Kuss, aber Lexie konnte sich in dem Moment nichts Schöneres vorstellen. Alexandra legte Aramis eine Hand in den Nacken und Aramis Hand legte sich behutsam auf ihre Hüfte. Als sie sich wieder trennten, umspielte ein Lächeln Aramis Mundwinkel. „Das wollte ich schon die ganze Zeit machen"


Sorry, wenn das mit der Zeitreise jetzt ein bisschen zu abgedreht wird, aber irgendwie muss ich das ganze ja aufklären. Hoffe es macht euch nichts aus, dass es etwas mystischer wird. Ich versuche diesen Teil der Geschichte so unkompliziert wie möglich zu halten...

Noch mal die Zusammenfassung: Der Zukunftsmann hat seinen Vorfahren im 17. Jahrhundert gefunden und damit auch einen Anhänger, den er später einmal erben wird.