Kapitel 10: Sünder
Nach einer langen und anstrengenden Messe in der St. Patricks Kathedrale, begab sich Kardinal Howard zurück zu seinem Wohnsitz in New York. Er betrat sein geräumiges Büro und setzte sich hinter den Schreibtisch. Es war über 3 Jahre her, dass er Kardinal wurde und auch wenn das immer der Traum seines Lebens war, so spürte er wie diese große Bürde an ihm zog. Manchmal hatte er das Gefühl, allen nicht gerecht zu werden.
„Eminenz, verzeihen Sie die Störung aber wir haben einige beunruhigende Neuigkeiten erfahren von dem Erzbistum aus Boston." Einer der Bischöfe hatte Howards Büro betreten und hielt eine Zeitung in der Hand.
„Boston?" Timothy sah den anderen Mann unruhig an, es war lange her das er zuletzt an Boston dachte.
„Es geht um eine ehemalige Nonne, die nunja….vom Weg des Herren abgekommen ist. Sie war bis 1964 die Leiterin einer unserer Einrichtungen für Geisteskranke. Ein Sanatorium namens Briarcliff, Sie waren doch auch in Briarcliff bevor sie zum Kardinal wurden Eminenz. Kannten Sie eine Nonne namens Schwester Jude?"
Timothy hatte das Gefühl sein Herz würde stehen bleiben. Jude! Wie lange hatte er schon nicht mehr an sie gedacht? Ein Jahr? Zwei Jahre? Er wollte als er nach New York ging seine Vergangenheit hinter sich lassen und somit alles was ihm daran erinnerte.
„Ich…ähmm….ich weiß nicht genau. Ja, ich glaube ich kannte sie, aber nur ganz flüchtig. Aber ich hörte sie sei gestorben. Meines Wissens nach hat die arme Frau sich das Leben genommen!" Timothy hatte das Gefühl man würde ihm die Luft zum Atmen nehmen. Sein Herz pochte wie wild und seine Hände begannen zu schwitzen.
„Nein Eminenz, die Dame ist nicht tot. Offenbar gab es nach der Übernahme durch den Staat einige Ungereimtheiten. Jedenfalls gibt es einige ziemlich pikante Skandale im Zusammenhang mit dieser Frau und wir wollen nur ausschließen, dass Sie Eminenz nichts von den kranken Vorgängen in Briarcliff wussten."
Timothy wurde mit jedem Wort unwohler. War das nun das Ende? Es war bekannt, dass Jude nicht tot war. Was würde passieren, wenn man herausfand, dass er ihre Sterbeurkunde gefälscht hatte? Was wäre wenn sie über Gruber auspacken würde? Er hatte ihr sogar erzählt, dass er keine Jungfrau mehr war. Jude könnte das Ende seiner Karriere sein. Timothy schluckte den Kloß in seinem Hals und versuchte sich seine Sorge nicht anmerken zu lassen.
„Kranke Vorgänge? Bitte werden Sie etwas genauer, es war ein anstrengender Tag und ich wollte zeitig zu Bett gehen."
„Es tut mir Leid Sie gestört zu haben Eminenz aber diese Sache ist von höchster Wichtigkeit. Ich lasse Ihnen die Zeitung da und morgen früh, wird eine Pressekonferenz gegeben, wo Sie all diese abscheulichen Dinge von sich weisen werden."
Mit allen Formen der Höflichkeit verabschiedete sich der Bischof und ließ Timothy allein zurück. Wie in Trance starrte er auf die Zeitung die auf seinem Schreibtisch lag und hatte Angst zu lesen, was dort stand. Würde Jude wirklich alles auspacken? Natürlich würde sie, warum auch nicht? Mit zitternden Händen nahm er die Zeitung und erblickte ein Bild von seinen früheren seltenen Vogel.
„Jude." Flüsterte er leise und streifte mit seinen Fingern über das Bild. Seufzend begann er zu lesen und konnte kaum glauben was da stand.
‚Jude und Walker? Kinder? Was zur Hölle geht da vor? Jude war eine Dienerin Gottes, sie würde doch nicht mit einem Mann…nein, ausgeschlossen.'
Timothy lass weiter und atmete vorerst erleichtert auf, noch war sein Name nicht gefallen. Er musste dafür sorgen, dass das was er in Briarcliff geschehen war auch dort blieb. Begraben in einer verlassenen Ruine. Doch wie? Jude wusste alles über ihn, wie sollte er sie daran hindern alles auszupacken? Aber wenn sie das wollte, warum hat sie es noch nicht getan? Timothy spürte wie sein Kopf anfing zu schmerzen und er zog sich in sein Schlafzimmer zurück. Er legte seine Roben ab und wollte fürs erste nur Schlafen.
„Na Timothy, jetzt bekommst du Angst oder?"
Erschrocken drehte sich Timothy um und hatte das Gefühl einen Geist zu sehen. Das war nicht möglich. Direkt vor ihm stand Jude und lächelte ihn verräterisch an. Sie trug die gleiche rote seidene Unterwäsche die er damals in ihren persönlichen Sachen sah.
„Jude? Nein, Sie können nicht hier sein." Flüsterte er mehr zu sich selbst als zu ihr.
„Ach Timothy, hast du noch nicht gelernt, dass die Vergangenheit niemals stirbt? All deine Verbrechen werden bald aufgedeckt und was wirst du dann tun?" verführerisch schlich Jude um den sprachlosen Kardinal herum.
„Was…..wie kommen Sie hier herein? Ich….ich rufe den Sicherheitsdienst!" stammelte Timothy und griff nach dem Telefon, doch wurde durch Judes lautes Lachen abgelenkt.
„Genau Timothy, tu das! Und dann informier gleich alle, dass du ein schönes Zimmer in einem Sanatorium willst. Weißt du mein Lieber, ich bin nicht wirklich hier. Ich entspringe nur deiner Fantasie….sagen wir ich bin dein schlechtes Gewissen. Das heißt, wenn du jetzt jemanden rufst, dann werden sie leider niemanden hier sehen."
„Ich habe kein schlechtes Gewissen, ich habe immer das richtige getan." fuhr er Jude an und knallte den Hörer auf. Es gab einige Dinge im Leben, die Timothy Howard nicht hören wollte.
„Das richtige getan? Oh Timothy belüg dich doch nicht selbst. Du bist ein Lügner, ein Heuchler und ein Mörder. Ich weiß alles über dich und alles wird an die Oberfläche kommen. Du wusstest, das Arden ein Nazi im dritten Reich war und du wusstest von seinen unmenschlichen Experimenten. Du hast Shelly umgebracht und du hast dich von den Teufel vögeln lassen. Zudem hast du gelogen wo es nur ging. Du hast Jude in Briarcliff zurückgelassen und wolltest sie dort verrotten lassen. Hast du gehofft sie stirbt da als Namenloser niemand? Oh Timothy Howard, du bist so ein Hurensohn. Du spielst den jungfräulichen Kardinal und dabei bist du so unrein wie der Dreck auf den Straßen von New York. Du hast lange nicht an Jude gedacht oder? Aber wenn du es getan hast, hast du nicht an sie als treue Nonne zurück gedacht, der du deine Position verdankst. Du kleiner widerlicher Lustmolch."
Timothy sah in das vor Spott grinsende Gesicht der blonden Frau vor ihm und er spürte wie sein Blut zu kochen begann. Nein, Lüge….alles Lüge. Er war nicht so!
„Halten Sie endlich die Klappe…" rief er laut „Ich hatte niemals lüsterne Gedanken über Sie….niemals!"
Sie ließ sich lachend auf sein großen Bett fallen „Tatsächlich und warum trage ich jetzt nichts als diesen kleinen roten Fetzen? Du hattest nicht einmal den Anstand mir ein Höschen herbei zu denken, du kleiner scheinheiliger Penner."
Timothy geriet immer mehr in Bedrängnis „Ich…..ich…..ICH BIN EIN GUTER CHRIST!" schrie er nur und wusste nicht mehr was er noch sagen sollte.
„Ach Timothy es ist genug! Belüg dich nur weiter aber eines sage ich dir. Bald werden all deine Taten aufgedeckt werden und dann bist du am Ende. Willst du das wirklich miterleben? Als deine gute alte Freundin, gebe ich dir noch einen letzten Rat. Beende es selbst und erspare dir die Schmach vor aller Welt bloßgestellt zu werden." Sie stellte sich ganz dicht vor Timothys Gesicht, dass ihre Lippen fast seine berührten „Du bist ein Sünder….und alle werden es erfahren." Sie streichelte sanft seine Wange und blickte ihn mit ihren großen braunen Augen an „Stell dir nur die ganzen enttäuschten Gesichter vor….beende es Timothy und bete für die Vergebung deiner Sünden. Das ist die letzte Rettung für deine Seele. Leb wohl…."
Und noch bevor Timothy etwas sagen konnte, verschwand Judes Ebenbild und ließ ihn allein zurück. In dieser Nacht, betet der Kardinal von New York ein letztes Mal zu Gott und bat um die Vergebung all seiner Sünden. Erst am nächsten Morgen sollte man seine Leiche finden.
