Mit stolzgeschwellter Brust betrat Lucien am nächsten Tag die Zuflucht. Was machte es schon, dass er den Bonus verwirkt hatte. Er hatte erfolgreich einen Auftrag ausgeführt! Er fühlte sich, als könne er Bäume ausreißen, und noch immer hatte das Hochgefühl des Vorabends nicht nachgelassen. Mit Sicherheit würden sogleich alle auf ihn zugestürmt kommen und ihm für seine gelungene Mission auf die Schultern klopfen und ihn beglückwünschen wollen.

Die Ernüchterung erfolgte sehr schnell.

Keine Freudestürme, kein hochleben Lassen. Es war still in der Zuflucht, anscheinend waren einige andere Mitglieder sogar abgereist, wohin, wusste Lucien nicht. Vielleicht eigene Aufträge, vielleicht einfach ein Streifzug durch die Wälder, um zu üben. Vielleicht auch etwas so Banales wie Einkaufen.

Banal! Er war erfolgreich von einem Auftrag widergekehrt, das sollte gebührend gewürdigt werden! Ein missmutiges Schnauben entfuhr ihm und er begab sich auf die Suche nach Hilda. Auf seinem Weg begegnete er lediglich Babette am Alchemielabor, die nur kurz aufschaute, ihm zulächelte und sich sodann wieder ihren alchemistischen Zutaten widmete. Alles in allem absolut nicht zufriedenstellend.

Er fand Hilda zusammen mit Valdimar in den Gemeinschafts- und Schlafräumen, wo sie den Nord herumkommandierte und dessen Metbestände ordentlich zusammenräumen ließ. Das war dringend nötig, denn der stämmige Krieger hatte die Angewohnheit, seine Flaschen überall zu verteilen, wo er sie schnell greifen konnte. Lucien würde, da war er sich sicher, niemals die Vorliebe vieler Nord zum Trinken nachvollziehen können. Dezent räusperte er sich, als er beim Eintreten immer noch nicht bemerkt worden war.

»Ah, unser Nachwuchsmörder ist zurückgekehrt«, begrüßte Hilda ihn. »Valdimar, weitermachen. Und wehe, wenn ich noch irgendwo eine Metflasche finde, wo sie nicht hingehört!«

»Das ist unöno… öklo… önomönisch«, stotterte Valdimar im schwachen Versuch eines Protestes.

»Unökonomisch«, korrigierte Hilda ihn. »Und nein, ist es nicht. An die Arbeit!«

Erst dann wandte sie sich vollends Lucien zu. »Komm, halbe Portion. Lass uns das in Ruhe in meinen Gemächern besprechen.«

Sie wandte sich ab, ohne zu warten, ob Lucien ihr folgte. Begierig, seinen Auftrag endlich abgeben zu können und somit die gebührende Anerkennung einzufahren, beeilte er sich freilich, ihr zu folgen. Er musste sich zügeln, um nicht enthusiastisch voranzustürmen, was ihm sicherlich ein Tadel seitens Hildas eingebracht hätte. Er war nun wirklich und wahrhaftig ein Mörder der Dunklen Bruderschaft und kein Kind mehr! Also sollte er sich auch dementsprechend gesittet verhalten.

In aller Seelenruhe setzte sich Hilda an ihren Tisch und hieß Lucien, dasselbe zu machen. Dann goss sie jedem von ihnen einen Kelch Wein ein. »Surillie-Wein, aus Skingrad«, sagte sie. »Ich dachte mir, dass du das sicherlich begrüßen wirst. Ein klein wenig Heimat und so. Aber jetzt erzähl. Wie hast du dich angestellt?«

Kurz wunderte sich Lucien über die Aufforderung. Sicherlich wusste doch Hilda bereits alles, was sie wissen musste über seine Aktivitäten. Doch dann kam ihm ein Gedanke. Bestimmt wollte sie prüfen, ob er ehrlich in seinem Bericht war. Also berichtete er, so wahrheitsgetreu und sachlich wie nur möglich. Wahrscheinlich konnte er jedoch dennoch nicht ein gewisses Maß an Stolz über seine Tat aus seiner Stimme heraushalten.

»Gut, gut«, sagte sie schließlich. »Zumindest ist dir bewusst, dass du den Bonus nicht bekommen wirst. Der Überschwang der Jugend, ich kenne das. Irgendwann geht das vorbei und eine gewisse Routine wird sich einstellen. Aber das Wesentliche: deine Belohnung.«

Kein großes Tamtam, nicht mal ein einfaches Lob. Lucien konnte sehr genau miterleben, wie sich die Enttäuschung in ihm breit machte, nur wenig gedämpft von dem Erlebnis, als Hilda einen Geldbeutel hervorholte und ihn über den Tisch dem Jungen zuschob. Ja, Lucien hatte sich darauf gefreut, endlich seine Belohnung entgegen nehmen zu können, doch mehr noch hatte es ihn in freudige Erwartung versetzt, die Gesichter seiner Brüder und Schwestern zu sehen, wenn er erfolgreich von seinem ersten Auftrag zurückkäme.

Mit einem bitteren Lächeln nahm er das Geld entgegen und steckte es ein. Das ganze hatte seinem Enthusiasmus einen gewaltigen Dämpfer verpasst.

»Deine Septime sind nicht alles, das ich dir übergeben will«, fuhr Hilda fort. »Mich erreichte eine Botschaft von Sprecherin Drewani. Sie ist über deine Fortschritte bei uns sehr erfreut und lässt ausrichten, dass sie deine Entwicklung freudig beobachtet. Noch hält sie die Zeit nicht für reif, dass du in die Zuflucht nach Cheydinhal zurückkehrst, sie will aber (auch wenn ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch anderer Meinung bin), dass du im Rang aufsteigst. Herzlichen Glückwunsch, Schlächter.«

Das wiederum hob Luciens Stimmung wiederum deutlich. »Wie? Also, ich meine … wirklich?«

»Du bist ein eifriger Schüler, zeigst Lernbereitschaft und Aufopferung für unsere Sache. Außerdem hast du gezeigt, dass du durchaus bereits anwenden kannst, was du seit weit über einem Jahr bei uns gelernt hast. Also, ja, wirklich. Du bist jetzt ein Schlächter«, bestätigte Hilda. »Aber lass dich bloß nicht von Valdimar erwischen! Das wird er als Anlas zum Feiern sehen, was nichts weiter ist als eine billige Ausrede zum Saufen.«

Gegen das Grinsen, das sich unaufhaltsam auf seinem Gesicht ausbreitete, konnte und wollte Lucien dieses Mal nichts unternehmen. Die Beförderung hatte ihm nun doch den Tag versüßt. Endlich stand er nicht mehr am untersten Ende der Liste, endlich hatte er seinen Wert zeigen können. Und sicher gab es noch viele weitere Gelegenheiten dazu. Zufrieden mit sich und der Welt wog er den Geldbeutel in der Hand und malte sich die tollsten Dinge aus, die er damit anstellen konnte.

»Ein guter Dolch übrigens«, unterbrach die Zufluchtsleiterin seine Gedanken. »Bewahre ihn gut, er ist besser als dein altes rostiges Ding da.«

»Ich hänge sehr an meinem Dolch«, protestierte Lucien.

»Das hat keiner bezweifelt«, beschwichtigte sie ihn. »Nur wirst du damit nicht sonderlich weit kommen. Die Bruderschaft verleiht unter gewissen Umständen Waffen, das ja, aber es ist immer angeraten, die eigene Ausrüstung zu verwenden. Die du dir übrigens mit deinem eigenen, erwirtschafteten Geld kaufen musst, was dir angeraten sei. Nicht dass du dein erstes selbst verdientes Geld für irgendwelchen sinnlosen Kram auf den Kopf schlägst. Das kenne ich, passiert nur allzu leicht vor allen unseren jüngeren Rekruten. Also, überleg dir, was du mit dem Geld anstellst. Und jetzt abmarsch, genieße deine freie Zeit, bis Malik wieder kommt und ehe dich Babette wieder in Beschlag nimmt; sie hatte es schon angedroht.«

»Wo sind überhaupt Malik, Hjortkar und M'raaj-Dar?«, wollte Lucien wissen. »Es war so ruhig bei meiner Ankunft.«

»Die Katze übt in den Wäldern ihre Magie, strebsame Mietze«, sagte Hilda. »Die anderen beiden sind auf einer Mission mit Mitgliedern der Diebesgilde. Wegen Tituleius, du erinnerst dich.«

Lucien nickte. Er verstand. Also kamen die Dinge nun allmählich ins Rollen.

Damit verabschiedete er sich, doch ehe er die Tür erreicht hatte, hielt ihn die Werwölfin noch einmal auf.

»Ich habe gemerkt, mit welch stolzgeschwellter Brust du herumstolziert bist«, sagte sie. »Es sei dir angeraten, dir den Erfolg nicht zu Kopfe steigen zu lassen. Sind wir ehrlich: Es war ein einfacher Mord, zudem auch kein sonderlich lukrativer. Viel Ruhm hat er dir nicht eingebracht.«

Es war wie ein Schlag gegen die Brust. Hilda hatte Recht, und tief in seinem Inneren hatte Lucien es auch bereits in dem Moment gewusst, wo er den Auftrag erhalten hatte. Doch wahrhaben hatte er es nicht wollen.

»Ich verspreche Mäßigung«, sagte er daher mit gesenktem Kopf.

Hilda schnaubte abfällig. »Ich sagte, dass ich Katzbuckelei nicht ausstehen kann«, konterte sie. »Los, geh, gib dein Geld aus, damit du weißt, wofür du gearbeitet hast. Und genieße es!«

Also tat Lucien genau dies. Oder er wollte es zumindest. Jetzt, wo er endlich genügend Geld hatte, um mehr als nur eine kleine Nascherei beim Bäcker zu kaufen, wusste er auf einmal gar nicht mehr, wofür er es ausgeben sollte. Es gab so viele Möglichkeiten! Sinnvoll sollte es sein, das ja, aber auch nicht nur rein praktischen Nutzens.

Einen neuen Dolch hatte er bereits und so schnell würde er auch keinen besseren bekommen, jedenfalls nicht, wenn er keine Unsummen ausgeben wollte, die er ohnehin nicht besaß. Eine Rüstung würde er ebenfalls nicht benötigen; die Eingehüllte Rüstung der Dunklen Bruderschaft war ihm mehr als dienlich und mit Sicherheit gäbe es keine Rüstung, die besser geeignet wäre für die Interessen eines Assassinen als sie. Was blieb also?

Persönliche Gegenstände besaß er kaum welche, und Bedarf an mehr hatte er ebenfalls nicht. Aber vielleicht sollte er Hildas Rat zu Herzen nehmen, dass er nicht alles von der Bruderschaft geliehen bekommen könnte. Ein Anfang wäre eigenes Werkzeug, um seine Ausrüstung zu pflegen.

Er hatte fünfzig Septime bekommen, das Entgelt für Gunnars Leben. Rein pragmatisch gesehen war das nicht viel, doch für ihn ein Vermögen. Ein Schleifstein sowie Flickzeug und Öl für die Lederrüstung würden zudem wahrscheinlich weniger als diese fünfzig Septime kosten. Das, was danach noch übrig blieb, könnte Lucien ja vielleicht für eigenes Alchemiehandwerkszeug ausgeben. Er bezweifelte allerdings, dass er sich weder sonderlich viele noch sonderlich qualitative Gerätschaften kaufen konnte. Vielleicht sollte er die Differenz lieber sparen.

Der Gedanke, Pflegemittel für seine Ausrüstung zu kaufen, gefiel ihm allerdings durchaus. Dann kam ihm ein spontaner Gedanke: Er besaß nebst seiner Eingehüllten Rüstung keinerlei Kleidung, die angemessen für eine Einkaufsrunde in Falkenring war. Er würde auffallen, wenn er in den abgerissenen Kleidern eines Straßenjungen zum Schmied ginge und ihm fünfzig Septime präsentierte. Also fügte er seiner Einkaufsliste auch Alltagskleider hinzu, im Gemischtwarenladen Graukiefer würde er sicherlich fündig werden.

In der Eingehüllten Rüstung konnte er dennoch nicht einkaufen gehen, auch das würde auffallen. Also lieh er sich zumindest für dieses Mal eine Garnitur, die als Verkleidung für alle Mitglieder der Zuflucht auslag. Schlichte, aber nicht abgerissene Kleidung wäre ihm sicherlich dienlich, sodass er als Laufbursche für einen hohen Herrn durchgehen konnte; das würde auch das Geld erklären, das er mit sich führte.

So gerüstet konnte er sich nun endlich auf den Weg machen. Die Sonne schien an diesem Tag und ein angenehmes Lüftchen wehte. Luciens Stimmung wurde automatisch angehoben, beschwingt setzte er seinen Schritt. Das Leben als Dunkler Bruder war schön, und sobald er sein Geld ausgeben konnte, wäre sicherlich auch die Enttäuschung über den ernüchternden Empfang verflogen, da war er sich sicher.

Falkenring war ein idyllisches Örtchen inmitten der Wälder des gleichnamigen Fürstentums. Die Tiere liefen auf den Wegen zwischen den für Nord typischen Langhäusern herum und überall vor den Häusern waren kleine Gärten mit Nutzpflanzen und Blumen angelegt. Die Bewohner selbst gingen ihren täglichen Beschäftigungen nach. Die Frauen saßen auf den Veranden und gerbten Leder, webten und flickten Kleider und Stoffe oder wuschen an einem kleinen Bach die Wäsche. Die Männer hackten Holz, halfen bei der Sägemühle aus oder pflegten ihre Waffen und bereiteten sich auf die nächste Jagd vor. Wachen waren auch einige zu sehen, doch keine von ihnen interessierte sich sonderlich für Lucien. Ihm wurde maximal ein abschätziger Blick zugeworfen, ehe der betreffende Wachmann sich wichtigeren Dingen wie der Reinigung seiner Schuhsohlen mit dem Speerschaft widmete.

Kurzum: In Falkenring tat sich Jahr und Tag nichts.

Lucien, der die Hektik der Kaiserstadt gewohnt war, war das anfänglich sehr befremdlich vorgekommen. Ja, selbst Cheydinhal war belebter als dieses provinzielle Nest, dessen einziges herausragendes Merkmal ausgerechnet der große Friedhof war. Mit der Zeit jedoch hatte er erkannt, dass das ideale Voraussetzungen waren, um hier eine Zuflucht zu gründen. Es kam kaum jemals jemand vorbei und in die Wälder verirrten sich nur Jäger, welche allerdings tiefer hinein gingen, statt so nahe bei der Stadt nach Wild zu suchen. Die Zuflucht lag in einer Grauzone, die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand abseits der Straße die steile Böschung hinab verirrte, war verschwindend gering.

Der Besitzer des Graukiefer genannten Gemischtwarenladens hieß Rotmund und war ein typischer Nord, der so gar nicht nach Händler aussah: blond, blauäugig, breites Kreuz, noch breiterer Nacken und gewaltige Fäuste. Die Streitaxt auf seinem Rücken durfte man ebenso nicht vernachlässigen. Lucien hegte seit längerem den Verdacht, dass die Nord insgeheim allesamt miteinander verwandt waren. Wie sonst konnte es sein, dass so viele von ihnen so auffällige Gemeinsamkeiten besaßen, dass sie fast schon archetypisch für das Volk waren?

Der bärtige Mann musterte den Jungen skeptisch, als wolle er abschätzen, ob er für einen Kunden würdig war. Lucien mochte die Schauspielerei nicht sonderlich, aber er gab sich Mühe, möglichst eingeschüchtert zu wirken. Insgeheim fragte er sich zumindest theoretisch, ob er mit dem Mann fertig werden könnte, würde er es darauf anlegen. Er kam zu dem Schluss, dass er es besser noch nicht versuchen sollte.

»Was willst du, Hänfling?«, knurrte Rotmund. »Hab dich hier noch nicht gesehen.«

»Bin nur auf der Durchreise«, erklärte Lucien. »Mein Herr will, dass ich mir neue Kleider kaufe.« Wie zur Bestätigung seiner Aussage wies er auf sich. Er hatte sich bewusst nicht die neuesten Kleidungsstücke herausgesucht, sondern solche, die deutliche Benutzungsspuren aufwiesen.

»Hm«, brummte Rotmund nur als Antwort. Dann wies er auf ein Regal mit verschiedenen Kleidungsstücken. »Da. Aber dass du mir nichts durcheinander bringst, Bengel!«

Lucien nickte gehorsam und machte sich daran, sich passende Kleidung herauszusuchen. Zwei Hosen und Hemden schienen ihm vorerst genug, halbwegs passend und schlicht. Zusammen kosteten sie ihm zehn Septime. Zufrieden mit seinem Kauf verließ er den Laden und damit auch den skeptischen Blick des Nord. Wahrscheinlich konnte er es sich leisten, so mürrisch zu sein, denn die örtliche Gemeinde konnte er ja nicht vergraulen; sie hatten nur den einen Gemischtwarenhändler.

Lucien besah sich seinen Kauf, befühlte den weichen Stoff und roch den Hauch der Mottenkugeln, die ihm noch anhaftete. Neue Kleidung, noch nie getragen! Er grinste breit, verstaute seinen Einkauf gut und machte sich dann auf zum Schmied.

Denn Mann als Bären zu bezeichnen, war verblüffend treffend. Er war nicht nur muskelbepackt, sondern auch übermäßig stark behaart. Im Gesicht, auf Brust und Armen spross fröhlich das, das man getrost als Fell bezeichnen konnte. Lucien hatte noch nie so viel Fell an einem Menschen oder Elfen gesehen!

»Glotz nicht, sondern verschwinde«, brummte der Schmied. »Das ist kein Ort für ein Kind!«

Noch so ein mürrischer Nord! War das usus bei ihnen? Lucien hatte noch nicht wirklich viel Kontakt mit anderen Nord als denen in der Zuflucht gehabt, aber er wagte zu bezweifeln, dass es Brauch unter den Bewohnern Skyrims war, alles und jeden so unfreundlich zu begrüßen.

Er tischte auch dem Schmied mit dem passenden Namen Bärenfaust wieder seine Geschichte mit dem reichen Herrn auf, der seinen Laufburschen vorschickte, um einige Erledigungen zu tätigen. Bärenfaust … Zumindest war das der Name, der an dem Schild vor der Schmiede hing. Ob der Mann auch auf einen anderen, gewöhnlicheren Namen hörte?

Der Schmied brummte etwas von kaiserlichen Weichärschen und ließ es widerwillig zu, dass Lucien seine Wahren besaß. Wetzsteine und Flickzeug für eine Lederrüstung gab es reichlich und Lucien beschloss, sich einen kleinen Vorrat anzulegen. Schaden konnte es nicht. Dieses Mal musste er jedoch bedeutend mehr zahlen, alles in allem dreißig Septime.

Nachdem er den Laden verlassen hatte, wiegte Lucien sein übriges Geld nachdenklich in der Hand. Er hatte jetzt noch zehn Septime übrig, doch was mit ihnen anstellen? Dann besann er sich. Es wäre klug, auch etwas zu sparen, auch wenn dies ein Konzept war, das ihm reichlich fremd war. Besaß man als Straßenkind etwas Geld, was selten genug vorkam, sah man besser zu, dass man es sogleich umsetzte. Ansonsten war es schneller weg, als man bis drei zählen konnte.

Lucien beschloss, es einmal mit dem Sparen zu versuchen, und widerstand den Drang, auch die letzten Septime auszugeben. Schon rein aus pragmatischen Gründen, denn er wusste nicht, was er sich sonst noch für zehn Septime leisten konnte außer Dinge, für die er keine weitere Verwendung hatte. Gerätschaften für die Alchemie wären eine Lösung, und zufällig gab es auch einen Kräuterladen in der Stadt. Doch dann besann er sich. Für zehn Septime würde er gerade einmal den billigsten Schund bekommen, der weit unter den Qualitäten lag, die er in der Zuflucht nutzen konnte. Es wäre Verschwendung seines Geldes. Also unterließ er es.

Auch so war es eine reichliche Ausbeute, die er erstanden hatte. Und das auf gänzlich legalem Weg! (Den Weg, wie er überhaupt an das Geld gekommen war, unterschlug er dabei.) Es war ein tolles Gefühl, er fühlte sich frei und selbstständig. Und vor allem spürte er eine Sicherheit und Beständigkeit in seinem Leben, so stark wie selbst in seiner gesamten bisherigen Zeit bei der Bruderschaft nicht. Es war … beruhigend, leicht, einfach wunderbar, sich in die sichere Zuflucht begeben zu können und zu wissen, dass für ein bequemes Bett, ein Dach über dem Kopf und eine gesicherte Mahlzeit gesorgt waren. Und das alles nur, indem er Leute ermordete. Konnte Leben schöner sein?

Babette nahm ihn in der Tat bald wieder in Beschlag. Bis Malik und Hjortkar zurückkehrten, würden noch einige Tage vergehen, und da Hilda momentan nicht einmal kleine Aufträge zu verteilen hatte, wollte die Zeit genutzt werden. Lucien verbrachte, nicht gerade zu seinem Leidwesen, also viel Zeit mit der Alchemie. Dieses Mal nahm Babette ihn jedoch häufig mit in die Wälder, um ihm praktischen Anschauungsunterricht vor Ort zu geben, wie sie es nannte. Das hieß, dass sie in Büschen und unter Bäumen herumkrochen und sie Lucien die verschiedenen Pflanzen bestimmen und ihre alchemistischen Eigenschaften aufzählen ließ.

»Du solltest dich gut darin üben», sagte sie. »Was machst du, wenn dir die Heiltränke ausgehen und weit und breit ist kein Kräuterladen in Sicht? Besser ist es, dass du dann weißt, dass Lavendel und Aloe Vera zusammen einen einfachen Heiltrank ergeben. Und noch besser ist es, dass du weißt, wo man diese Pflanzen findet!«

»In Skyrim schon einmal nicht«, kommentierte Lucien.

Babette lachte auf und klatschte in die Hände. »Genau! Die findet man eher im Herzland, ihnen ist es hier viel zu kalt.«

Also suchten sie weiter, gruben Wurzeln aus und zupften Blätter ab. Manchmal erlaubte es Babette ihm, von den gesammelten Zutaten zu kosten, um ihre Wirkung an sich selbst auszutesten. Meist war sie nett genug, es nur bei Zutaten zu tun, die keine allzu unangenehmen Folgen hatte. Hin und wieder legte sie ihn jedoch mit einer Pflanze hinein, die er noch nicht so gut kannte. Durch Milchdiestel paralysiert zu werden, und sei es auch noch so kurz, war ganz und gar kein schönes Gefühl. Babette zumindest hatte ihren Spaß und Lucien eine Lektion gelernt, die er so schnell nicht vergessen würde.

Nach einigen Tagen tauchte M'raaj-Dar wieder auf. Anscheinend hatte er zur Genüge seine Fähigkeiten in der Wildnis Skyrims erprobt, auch wenn er nicht sonderlich zufrieden wirkte. Lucien bedauerte, dass die Katze nicht noch länger fort geblieben war; noch immer war sie so unfreundlich wie zu Beginn. Umso mehr erfreut es ihn, als er hörte, dass es hieß, der Khajiit solle nach Cheydinhal gehen, um dort von Caelwen zu lernen. Das hieß, dass er die missgelaunte Mietze endlich los war. Dann kam ihm jedoch in den Sinn, dass M'raaj-Dar sicherlich für längere Zeit bei Caelwen lernen würde, was hieß, dass Lucien bei seiner erhofften Rückkehr in die Heimat wieder mit ihm zu tun haben würde. Das gab seiner anfänglichen Freude über die zunächst willkommene Wende der Dinge doch einen ordentlichen Dämpfer.

Die zwischenzeitliche Flaute mit den Aufträgen oder zumindest jenen, die für Luciens Fähigkeiten geeignet waren, ging rasch vorbei. Es dauerte nicht lang, und schon hatte Hilda wieder eine Beschäftigung für ihn. Es waren Aufträge einfachster Art, die sie ihm bot, aber genug, um seine Fähigkeiten weiter zu üben, während Malik und Hjortkar noch fort waren. Meist bestanden sie aus hingehen, Ziel lokalisieren und töten. Nichts, wo man sich mit Ruhm bekleckern konnte, dieses Mal gestand es sich Lucien von vornherein ein. Dennoch war er stolz darauf. Er hatte seinen Wert gezeigt, nun sollte er ihn weitere Male beweisen.

Also machte er sich mit Feuereifer an die Arbeit, bereitete sich vor, pflegte seine Ausrüstung, braute Tränke, plante. Viel war allerdings nicht zu planen, sonderlich komplex waren die Aufträge nicht.

Sein erstes Ziel war ein Bettler in den Straßen von Einsamkeit. Lucien verfolgte und beobachtete ihn über einige Tage hinweg, um eine bestmögliche Herangehensweise zu ermitteln. Der alte Mann machte es ihm jedoch einfach. Tags streifte er durch die Straßen, meist torkelnd und betrunken von dem Alkohol, den er am Vorabend von wer weiß woher aufgesammelt hatte. Er zog eine deutliche Fahne hinter sich her, die sein Aufspüren sehr einfach machte; man roch ihn meist schon lange, bevor man ihn sah oder gar hörte. Wer auch immer ihn tot sehen wollte, wahrscheinlich hatte er die geruchliche Belästigung satt.

War der Mann abgestochen, ging es weiter zu einer Sägemühle bei Windhelm. Hier sollte der Müller erledigt werden. Dieser stellte sich als etwas kniffliger heraus, war kein Säufer und auch nicht unaufmerksam, obgleich er nicht damit zu rechnen schien, dass ein Mörder auf ihn angesetzt war. Nachdem Lucien ihn eine Weile beobachtet hatte, beschloss er, offensiv vorzugehen. Seine Rüstung verbarg seine Identität und unterstützte ihn im Kampf und auf der Flucht. Also hatte er nichts zu befürchten.

Er erstach den Mann auf offener Straße, und ehe die Bewohner der kleinen Siedlung wussten, wie ihnen geschah, war er schon wieder auf und davon, dieses Mal noch weiter in den Norden nach Winterfeste. Er war gespannt darauf, was ihn dort erwarten würde.

Winterfeste war der Ort der Akademie der Magier, einer von der Magiergilde unabhängigen Institution des Wissens und der Macht. Die Nord standen der Magie im Allgemeinen sehr skeptisch gegenüber, weshalb sich die Magier so weit in den Norden auf eine Felszinne vor den Klippen Winterfestes zurückgezogen hatten. Dennoch war das imposante Gebäude der dominierende Anblick in dem Dorf; hier war noch weniger Leben als in Falkenring. Es war Lucien, als habe der frostige Polarwind alle eingefroren.

Doch das kümmerte ihn momentan wenig. Sein Attentatsziel war ein reisender Händler, der, auf der Suche nach allerlei Raritäten der Akademie, sich für eine Weile in der Taverne Frostiges Feuer niedergelassen hatte.

Nachdem Lucien auch ihn genauestens untersucht hatte, beschloss er, sich dieses Mal mit Giften zu vergnügen, etwas, das er noch nie groß in der Praxis erprobt hatte. Caelwen hatte auf vergiftetes Essen geschworen, und was wäre passender als diese Methode? Also beschloss er, sie anzuwenden.

Er präparierte einen Apfel, den Klassiker, jubelte ihn seinem Ziel unter und wartete. Er wollte sehen, ob es auch wirklich funktionierte, obgleich er wusste, dass es schlauer war, unauffällig zu verschwinden, solange noch nichts geschehen war.

Er brauchte nicht lange zu warten. Der Apfel lag in einer Schüssel voller Obst, die vor dem Händler auf einem der Tische stand. Anscheinend war ihm nicht aufgefallen, dass der Apfel nicht schon immer da gelegen hatte. Nachdem er erst einiges anderes Obst ausprobiert hatte, griff er schließlich zu der vergifteten Frucht und biss herzlich hinein.

Zunächst passierte nichts. Doch bald schon stutzte er, merkte, dass etwas nicht stimmte. Er griff sich an die Kehle, hustete und begann zu würgen. Nur Momente später setzten die Krämpfe ein, unkontrollierte Zuckungen schüttelten seinen Körper und Schaum trat ihm vor den Mund. Dann fiel er vom Stuhl und blieb regungslos liegen.

Lucien sah zu, dass er unauffällig verschwand, während in der Taverne Panik ausbrach.

Sein letzter Auftrag war … delikat, und er hatte ihn bisher vor sich her geschoben. In Riften befand sich ein Hurenhaus, welches bald um eine Mitarbeiterin erleichtert werden sollte.

Das andere Geschlecht war etwas, mit dem sich Lucien noch gar nicht auseinander gesetzt hatte, bisher hatte er einen Gedanken daran peinlich berührt gemieden. Sex war etwas, das ihn noch immer mit kindlicher Scham erfüllte, so erwachsen er sich auch sonst gab. Ob Hilda es gewusst und ihm mit Absicht diesen Auftrag gegeben hatte? Egal, was es war, besser er brachte es einfach schnell hinter sich. Augen zu und durch …

Er zögerte, als er einige Tage später Riften erreichte. Warum hatte er den Auftrag angenommen? Das fragte er sich zum widerholten Male. Hatte er sich nicht die Blöße geben wollen, genau diesen Auftrag abzulehnen? Oder hatte er einfach zeigen wollen, wie erwachsen er bereits war? Was es auch war, im Nachgang empfand Lucien es als höchst dummen Grund.

Dann straffte er die Schultern. Er war ein Assassine der Dunklen Bruderschaft, und sie zierten sich nicht! Außerdem war es ja nicht so, dass er im Dreck der Kanalisation irgendwelche Monster töten musste; das oblag der Kämpfergilde.

Er ging wie üblich vor: genau, mit Bedacht und dieses Mal vor allem auch mit emotionaler Ferne zum Auftrag. Er verbat es sich regelrecht, irgendetwas bei der Eliminierung seines Ziels zu empfinden.

Die Hure abzupassen, stellte sich dieses Mal als recht knifflig heraus. Nachts empfing sie ihre Kundschaft oder war unter den anderen Huren des Freudenhauses. Tagsüber wusch sie sich und bereitete sich auf den nächsten Abend vor oder schlief. Sie war nie allein anzutreffen.

Das einfachste wäre, sich als Kunde auszugeben und nach vollendeter Tat auf nimmer Wiedersehen zu verschwinden, doch dagegen wehrte er sich mit Händen und Füßen. Blieb also nur der Klassiker, bei Nacht durch ihr Fenster einzusteigen und sie zu erdolchen. Also war Geduld angebracht, er musste auf einen günstigen Moment warten und sich auf die Lauer legen.

Geduld war etwas, das er sehr rasch gelernt hatte bei der Bruderschaft. Oft musste man lange warten, ehe ein günstiger Moment zum Zuschlagen kam, all die Vorbereitungen nicht zu vergessen. Jemanden zu ermorden, war im Regelfall eine Geduldsprobe. Dieses Mal wurde Lucien das erste Mal tatsächlich geprüft.

Erst spät in der Nacht hatte sein Ziel eine kleine Leerphase. Lucien kam sich seltsam dabei vor, während er flink wie ein Wiesel zu ihrem Fenster hineinkletterte wie ein heimlicher Liebhaber. Er tröstete sich damit, dass es noch unangenehmer geworden wäre, wenn er sich als Kunde ausgegeben hätte.

Er sah zu, dass er es rasch hinter sich brachte und dann wieder verschwand. Sein Geld wartete auf ihn.

Und eine unangenehme Überraschung.

Als er wenige Tage später wieder bei der Zuflucht eintraf, hörte er schon aus einiger Entfernung den Kampfeslärm. Er zögerte nur kurz, zückte seinen Elfendolch und sprang voran. Die Kampfesgeräusche kamen eindeutig von der Zuflucht. Etwas musste dort vor sich gehen, zig Möglichkeiten schossen ihm durch den Kopf.

Kurz bevor er mitten in den Kampf hinein stolperte, drosselte er sein Tempo und suchte Deckung. Es war nicht klug, blindlings hineinzustürmen, vor allem nicht für ihn, der er lediglich mit einem Dolch bewaffnet war.

Schnell machte er jedoch aus, was vor sich ging. Seine Dunklen Brüder und Schwestern kämpften mit einer Gruppe kaiserlicher Soldaten. Mittendrin war Hilda in ihrer Wolfsgestalt, wild und ungebändigt zerriss sie ihre Feinde und heulte furchterregend auf. Es sah aus, als seien die Soldaten gegen die Assassinen hoffnungslos unterlegen. Dennoch fasste sich Lucien ein Herz, sprang aus seiner Deckung und eilte zur Verteidigung der Zuflucht.

»Für Sithis!«, brüllte er.

Hinterher musste er sich eingestehen, dass er keine große Hilfe gewesen war. Wie auch? Mit einem einfachen Dolch gegen ausgebildete Soldaten im offenen Kampf und im Vergleich zu den Mordmaschinen, die die anderen Mitglieder der Zuflucht nun einmal waren? Hilda griff mit Fängen und Klauen an. Valdimar wirbelte seine riesige Axt umher, als sei sie ein Kinderspielzeug. Malik verschoss einen Pfeil um den anderen. Hjortkar kämpfte gleich zu gleich mit den Soldaten, die einst seine Waffengefährten gewesen waren. M'raaj-Dar warf mit Zaubern um sich. Selbst Babette zeigte nun, was wirklich in ihr steckte: eine wilde Vampirin, die das Töten liebte.

Doch immerhin erledigte Lucien zwei Soldaten, worauf er mächtig stolz war. Dann war auch schon alles vorüber.

»Hurensöhne!«, brüllte Malik zornentbrannt auf und spuckte auf eine der Leichen zu seinen Füßen.

»Dieser eine Hurensohn, wenn schon«, betonte Hilda, welche sich bereits zurückverwandelt hatte. Nun stand sie lediglich leicht bekleidet doch ohne Scham und über und über mit Blut bedeckt zwischen den Leichen, umringt von ihrer Zuflucht. »Das war Tituleius, keine Frage.«

»Was ist hier geschehen?«, fragte Lucien.

Die anderen wandten sich ihm augenscheinlich überrascht zu, als hätten sie nicht damit gerechnet, ihn hier anzutreffen.

»Genau zum rechten Zeitpunkt wieder gekommen«, kommentierte Hilda. »Wir wurden ganz augenscheinlich überfallen, Tituleius scheint irgendetwas spitz bekommen zu haben. Aber lasst uns die Einzelheiten später klären. Erst muss diese Unordnung hier beseitigt werden. So ein Chaos direkt vor unserer Haustür, wie lästig.«

Beunruhigt schaute Lucien auf eine der Leichen der Soldaten. Sie trugen unverkennbar das Zeichen der kaiserlichen Legion, ein Drache, der mit seinen Flügeln eine Raute bildete. Aber was machten sie hier? Waren sie zufällig hier vorbei gekommen und hatten einen der Assassinen aufgegriffen oder hatten sie gezielt nach der Zuflucht gesucht?

Leichter Brandgeruch stieg ihm in die Nase und schien seine Frage zu beantworten. In der Nähe des Einganges zur Zuflucht brannte ein Feuer, augenscheinlich wurde es gezielt dort gelegt. Knisternd verzehrten die Flammen ausgedorrtes Holz, fanden Nahrung im trockenen Gras, hell auflodernd und weithin zu sehen. M'raaj-Dar kümmerte sich bereits darum und wirkte Kältezauber, welche sogleich zu Wasser schmolzen und das Feuer löschten. Man hatte versucht, die Zuflucht auszuräuchern.

»Wir sollten wirklich über einen geheimen Zweitzugang nachdenken«, kommentierte der Khajiit. »Dann können wir vermeiden, dass wir noch einmal gegart werden.«

Hilda winkte genervt ab. »Ich will davon jetzt nichts wissen«, knurrte sie. »Jetzt ist wichtig, dass wir uns um die unmittelbaren Probleme kümmern, nicht um Anbauten unserer Zuflucht. Und die Probleme liegen nun einmal um uns verteilt, offensichtlich und viel zu auffällig. Lasst uns die Leichen beseitigen und den Kampfplatz aufräumen.«

»Spuren werden zurückbleiben«, sagte Malik mehr zu sich selbst. »Man wird sehen, dass der Boden umgegraben wurde. Aber wie immer habt Ihr Recht.« Das letzte fügte er hastig an, als er sah, dass Hilda ihn schon wütend anschnauben wollte.

Lucien beschloss, Hilda bestmöglich aus dem Weg zu gehen. Sie wirkte sehr gereizt. Ob es wegen des Angriffes war?

Anscheinend waren die Assassinen geübt darin, verräterische Spuren um ihre Zuflucht herum zu verschleiern. Sie verscharrten die Leichen in einiger Entfernung im Wald und gruben danach den Boden um oder streuten Laub über das vergossene Blut. Lucien half, wo er konnte, auch wenn er das Gefühl hatte, nicht allzu nützlich zu sein. Entweder waren die anderen kräftiger als er oder konnten sich mit Magie behelfen, wenn es darum ging, die Leichen zu tragen und den Waldboden umzugraben.

Manchmal, schoss es ihm durch den Kopf, war es deprimierend, dass er so deutlich hinter den anderen zurückstand. Er sollte sich mehr bemühen, um seinen Rückstand aufzuholen.

Die Stimmung schien generell recht bedrückt zu sein. Anscheinend machte sich jeder seine eigenen Gedanken über den Angriff und hatte nicht vor, so schnell darüber zu sprechen. Lucien gefiel das Ganze nicht wirklich, er war solch eine Stimmung zwischen sein Dunklen Brüdern und Schwestern nicht gewohnt. Außerdem hieß es, dass der Dunklen Bruderschaft offenbar doch Gefahr drohte und die Lage ernst war. Lucien wagte nicht, weiter darüber nachzudenken, was dies für ihn bedeuten mochte.

War nun eine Zeit des Umbruches gekommen? Standen wieder einmal gravierende und dieses Mal wohl nicht zu seinem Besten gereichende Veränderungen in seinem Leben an? Er hoffte mit aller Macht, dass es nicht so weit kommen würde.

Ihre Waldarbeiten dauerten einige Stunden an, ehe sie alle Leichen verscharrt und ihre Spuren bestmöglich verwischt hatten. Hilda war immer noch nicht zufrieden, aber Malik erinnerte sie daran, dass es besser nicht ging. Murrend gab sie sich zufrieden und gab M'raaj-Dar ein Zeichen, sich um ihre Verletzungen zu kümmern. Diese fielen glücklicherweise bei keinem von ihnen sonderlich schwer aus, sondern beschränkten sich meist auf kleinere Schnitte und Prellungen. Alles in allem waren sie mit einem blauen Auge davon gekommen.

»Wir müssen reden«, sagte Hilda grimmig, als die Arbeit getan war und die Assassinen wider der Zuflucht entgegen strebten. »Wir müssen dem ein Ende setzten. Wir müssen Tituleius das Handwerk legen.«

Ihre Worte wurden mit einem entschlossenen Nicken der anderen bestätigt. Ihr Feldzug gegen den Feind der Bruderschaft hatte begonnen.